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Zuletzt aktualisiert am 11.06.2026

Zweisprachige Vorlesung für DoktorandInnen "Wissenschaftstheorie I / Philosophy of Science I"

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Winfried Löffler

Anfang der Wissenschaftstheorie-Abteilung der Fakultätsbibliothek - die Vielfalt ist bereits hier merkba

Ars Docendi Kategorie

Qualitätskultur, Studierendenzentrierung und Studierbarkeit

Ars Docendi Kriterien

  • Perspektivenerweiterung und Internationalisierung

Gruppengröße

20-49

Anreißer (Teaser)

Die Vorlesung "Wissenschaftstheorie I / Philosophy of Science I" für DoktorandInnen an der Theologischen Fakultät Innsbruck wird alternierend deutsch und englisch angeboten und findet viel Zuspruch auch von HörerInnen anderer Fakultäten

Kurzzusammenfassung des Projekts

Die DoktorandInnen-Vorlesung "Wissenschaftstheorie I / Philosophy of Science I" (2 SWS / 3 ECTS) wird jährlich alternierend in Deutsch und Englisch angeboten und bietet eine Einführung in die allgemeine Wissenschaftstheorie samt einem spezielleren Blick in einige nicht-theologische Wissenschaftsbereiche wie Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Sie ist Teil eines größeren Schwerpunkts in Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsdidaktik der Katholisch-Theologischen Fakultät, wird aber auch von vielen HörerInnen anderer Fakultäten besucht. Die Internationalität und disziplinär gemischte Zusammensetzung der HörerInnenschaft sorgen für eine Perspektivenerweiterung, die auch durch die Konzeption und diskussionsorientierte Präsentation der Vorlesung unterstützt wird

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The doctoral lecture “Wissenschaftstheorie I / Philosophy of Science I” (2 SWS / 3 ECTS) is offered annually, alternating between German and English, and provides an introduction to general philosophy of science, including a more specific look at some non-theological disciplines such as the natural sciences, humanities, and social sciences. It is part of a larger focus on philosophy of science and didactics of science at the Faculty of Catholic Theology, but is also attended by many students from other faculties. The internationality and multidisciplinary composition of the audience broadens perspectives, which is also supported by the design and discussion-oriented presentation of the lecture.

Nähere Beschreibung des Projekts

Die zweisprachige DoktorandInnen-Vorlesung "Wissenschaftstheorie I / Philosophy of Science I"

(2 SWS / 3 ECTS) ist Teil des Schwerpunktes in Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsdidaktik, den die Fakultät vor mehr als zwei Jahrzehnten bewusst in den Doktoratsstudien gelegt hat. Ziel dieses Schwerpunkts ist nicht nur die kritische wissenschaftstheoretische Reflexion auf das eigene Forschungsprojekt und die eigene wissenschaftliche (Teil-)Disziplin (samt der Fähigkeit, deren Inhalte für verschiedene Kontexte und Publiken didaktisch passend aufzubereiten). Es geht auch die Vermittlung einer elementaren wissenschaftstheoretischen Kompetenz auch über die Perspektive der eigenen Wissenschaftsdisziplin hinaus, etwa, um sich am Gespräch in einem interdisziplinär gemischten Lehrkörper einigermaßen kompetent beteiligen zu können, und um unkritischen Methodenübernahmen aus anderen Disziplinen vorzubauen.

Schwerpunkt der Vorlesung "Wissenschaftstheorie I / Philosophy of Science I" ist die Einführung in die allgemeine Wissenschaftstheorie samt einem Blick in einige nicht-theologische Wissenschaftsbereiche. Die weiteren Lehrveranstaltungen dieses Schwerpunkts sind eine VO Wissenschaftstheorie II (die die Wissenschaftstheorie der Theologie fokussiert) und eine sehr praktisch angelegte Lehrveranstaltung zur Wissenschaftsdidaktik. Beide werden von anderen KollegInnen angeboten.

Angestammte Zielgruppe der Vorlesung sind die Studierenden im Doktorats- und PhD-Studium der Fakultät, die traditionell durch hohe Internationalität gekennzeichnet ist. Von Anfang an jedoch wurde die Vorlesung von erfreulich vielen anderen Studierenden verschiedenster anderer Fakultäten besucht, die sie für ihr Pflicht- oder Wahlfachprogramm verwerten können. Seit die Vorlesung seit einigen Jahren jährlich alternierend Deutsch und Englisch angeboten wird, ist darunter auch eine wachsende Zahl von Erasmus- und anderen Austauschstudierenden. Diese Zielgruppe ist nicht minder wichtig, und die Herausforderungen durch beide Gruppen sind interessanterweise ähnlich: Einerseits sind die mitgebrachten Vorkenntnisse sehr unterschiedlich (viele Studierende hatten mit Wissenschaftstheorie noch gar keinen Kontakt), andererseits geht es darum, die Relevanz der Wissenschaftstheorie für die einzelnen (Teil-)Disziplinen herauszuarbeiten.

Der ersten Herausforderung suche ich durch möglichste Klarheit, schrittweises Vorgehen und ein etwa 110-120 seitiges Powerpoint-Skriptum (in Deutsch und Englisch verfügbar und laufend überarbeitet) zu begegnen. Auf die zweite Herausforderung reagiere ich durch die Auswahl von Erläuterungs- und Anwendungsbeispielen möglichst aus den (Teil-)Disziplinen der Studierenden, um hier Querverbindungen herzustellen. Zugute kommen mir dabei meine drei absolvierten Studien (Dr. iur, Dr. phil.habil., Mag.theol.), meine intensive Beschäftigung mit Naturwissenschaften in der Gymnasialzeit (3 Jahre Chemieolympiade, 1 Jahr zusätzlich Physikolympiade) sowie meine mehrjährige Lehrtätigkeit auch an den Fakultäten für Biologie (über Wissenschaftstheorie, Ethik und genderforschung) und Mathematik/Informatik/Physik (über Geschichte und Philosophie der Mathematik). Bereits die Internationalität und disziplinär gemischte Zusammensetzung der HörerInnenschaft sorgt für eine Perspektivenerweiterung bei den AdressatInnen, die durch die Konzeption und diskussionsorientierte Präsentation der Vorlesung möglichst unterstützt werden soll.

Hauptthemen der Vorlesung sind nach einer (1) Hinführung (2) die Klärung verschiedener (mehr soziologischer oder mehr philosophischer, mehr deskriptiver oder mehr normativer)

Auffassungen, was "Wissenschaftstheorie" eigentlich ist, (3) eine kurze Einführung in die Theorie des klaren Definierens bzw. Explizierens sowie Explikationsvorschläger zu den notorischerweise semantisch schwierigen Ausdrücken "Wahrheit", "Wissen" und "Wissenschaft", (4) eine kurze Geschichte der Wissenschaftstheorie von ihren Anfängen bei Aristoteles bis ins 21.Jahrhundert, (5) bis (7) ein Blick in die Wissenschaftstheorie der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften mit Klärungen zu den Ausdrücken "Erklärung", "Naturgesetz", "Modell", "Hermeneutik", "Verstehen", "quantitative / qualitative Sozialforschung" etc. Mit zunehmendem Verlauf des Semesters wird das Netz der Querverbindungen zum schon Gelernten dichter; Lernergebnis sollte nicht die Abrufbarkeit einzelner isolierter Stoffbausteine sein, sondern das Verständnis der Zusammenhänge der einzelnen systematischen und philosophiehistorischen Fragen. Leitende Gesichtspunkte, die immer wieder auftauchen, sind dabei z.B. der Widerstreit konfligierender "realistischer" und "antirealistisch/konstruktivistischer" Intuitionen, also ob die Wissenschaft und ihre Forschungsgegenstände mehr nützliche geistige Konstrukte oder mehr Nachzeichnungen einer uns vorausliegenden, "fertig vorgeschnittenen" Welt sind und wie bedeutsam die Rolle ist, die gesellschaftliche Settings und Machtfragen dabei spielen könnten. Diese Fragen tauchen in unterschiedlicher Form sowohl in den systematischen wie den historischen Kapiteln auf.

Methodisch ist die Vorlesung im Kern klassischer Frontalunterricht entlang des erwähnten Powerpoint-Skriptums mit zusätzlichen Tafelbildern an neuralgischen Punkten (wo der schrittweise Aufbau ebenso wichtig ist wie das fertige Ergebnis) und mit viel eingebauter Diskussion (durch Fragegelegenheiten meinerseits und die Möglichkeit jederzeitiger Unterbrechung durch Fragen). Das Skriptum wird laufend überarbeitet und verbessert, einen großräumigeren inhaltlichen Umbau hat es 2019 erfahren. Gegen Ende des Semesters wird eine Liste von etwa 100 Kontroll- und Wiederholungsfragen veröffentlicht. Zusätzlich gibt es immer wieder Leseempfehlungen in der Vorlesung sowie eine Linkliste und eine Textauswahl im Lernmangementsystem OLAT. Ein prima facie nebensächliches, aber vielleicht nicht unbedeutendes Detail: Eine kurze Pause etwa in der Mitte, ursprünglich zur Erholung in den Online-Vorlesungen früherer Jahre eingeführt, habe ich beibehalten: Denn im Hörsaal bietet sie Gelegenheit zum Gespräch mit Studierenden, die vielleicht ganz andere Disziplinen und Fächer studieren und dort forschen.

Als Prüfungsform bin ich - nach Jahren schriftlicher Prüfungen damals aufgrund von Fairness-Überlegungen ("gleiche Fragen und Bedingungen für alle") - wieder zu mündlichen Prüfungen (in Deutsch oder Englisch, notfalls auch Französisch oder Italienisch) zurückgekehrt, und zwar aufgrund der unerwartet positiven Erfahrungen mit mündlichen Online-Prüfungen in der Corona-Zeit. In dieser Form ist es nicht nur besser möglich, das Prüfungsgespräch inhaltlich mit den Forschungsprojekten der Studierenden zu vernetzen, man kann Studierende bei erkennbaren Irrwegen und Verwechslungen bei der Beantwortung auch leichter wieder zum Hauptthema zurückholen, und das wahre Talent und Verständnis der Studierenden ist so besser erhebbar. Faire und einigermaßen gleiche Prüfungsbedingungen zu erzeugen, traue ich mir nach mehr als 20 Jahren Betreuung des Faches mit einiger Zuversicht zu. Schriftliche Fragestellungen würden dagegen immer den Stil des Auswendiglernens von Stoff begünstigen, das in der Philosophie aber sachlich nicht zielführend ist.

Vorlesungen mögen in Zeiten KI-generierter Zusammenfassungen von zahlreichen Lehrbüchern und zahllos anderen oft sogar gratis verfügbaren Themenübersichten (unterschiedlichster und darin oft schwer einschätzbarer Qualität) auch einen Hauch des Unzeitgemäßen und Überflüssigen an sich tragen. Vielleicht bedingt diese Masse, leichte Verfügbarkeit und unterschiedliche Qualität der Texte aber auch, dass Vorlesungen (sofern sie einigermaßen gut gemacht sind) sogar etwas sehr Zeitgemäßes sind: Der Versuch, die Textmassen zu ordnen und den Studierenden eine orientierende Perspektive, eine Schneise durch das unübersichtliche Terrain zu bieten, ist vielleicht notwendiger als früher.

Akzeptanz und Resonanz

Über empirisch erhärtbare Befunde über die Akzeptanz verfüge ich kaum; die letzte formale Evaluierung der LV war WS 22/23. Im Universitätsvergleich hat die LV darin deutlich überdurchschnittlich gute Noten erhalten. Aufgrund der irreal kleinen Teilnehmerzahl von 6 (wegen nachträglicher online-Durchführung der Evaluierung) würde ich diese Ergebnisse aber auch nicht überbewerten. Mir fällt - neben den erwähnten erfreulich vielen HörerInnen anderer Fakultäten - seit Jahren auf, dass die TN-Zahl bei präsentischer Abhaltung nach den erwartbaren kleinen Anfangsverlusten über das Semester konstant bleibt, und dass - trotz der schwierigen Zeit Montag 18.30-20.00 - die Stimmung gut ist. Mit aller gebotenen Vorsicht meine ich sagen zu können, dass die Vorlesung gut angenommen wird, obwohl (auch wieder nur dem Hörensagen nach) die Prüfung anscheinend im Ruf der Schwierigkeit steht (wobei der Prüfer aber als freundlich und gerecht gilt).

Nutzen und Mehrwert

Eine Lehrveranstaltung, die zwar auf die Bedürfnisse von Theologie- und PhilosophiedoktorandInnen zugeschnitten ist, aber Perspektiven auf andere Wissenschaftsbereiche eröffnen möchte und die offensichtlich auch von Studierenden anderer Wissenschaftsbereiche wahrgenommen wird. Ich verstehe die Vorlesung auch als Beitrag zur Durchlässigkeit von Fakultätsgrenzen und zur Erhaltung des Bewusstseins für den Wert einer Gesamtuniversität.

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2003

Die VO wird jährlich alternierend deutsch und englisch angeboten. Die PPT-Folien werden laufend mehrmals im Semester aktualisiert. Auf Häufungen von Studierenden aus bestimmten Fakultäten kann ich flexibel eingehen (in der Vergangenheit gab es z.B. einige Jahre, in denen aufgrund einer Curriculumsänderung mehr ÖkonomInnen als TheologInnen im Hörsaal saßen. Dort habe ich verstärkt mit ökonomischen Beispielen gearbeitet). Das Konzept wäre grundsätzlich auf jede Fakultät übertragbar, die im Doktoratsstudium Wissenschaftstheorie vorsieht. Zu überlegen wäre auch, ob etwas ähnliches nicht auch bereits auf Master-Ebene sinnvoll wäre.

Institutionelle Unterstützung

Das Projekt braucht inzwischen keine spezielle Unterstützung mehr. In den Anfangsjahren ab 2003 gab es einige Tutoren, die beim Aufbau eines Websites halfen, das inzwischen durch die technischen Möglichkeiten von OLAT aber seine Wichtigkeit verloren hat.

Soweit Evaluierungen stattfinden, verfolge ich diese mit Interesse und achte besonders auf handschriftliche Zusätze.