Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
YOUNG JAZZ international – Ein länderübergreifendes und teilhabeorientiertes Musikvermittlungsprojekt von Jazzfestival und Universität
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Johannes Hauser
Interaktive Konzertsituation mit dem GMPU Jazz Orchestra bei "Jazz for Kids"
Ars Docendi Kategorie
Gesellschafts- und Nachhaltigkeitsorientierte Lehre
Ars Docendi Kriterien
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
- Perspektivenerweiterung und Internationalisierung
- Partizipation und Mitgestaltung
Gruppengröße
20-49
Anreißer (Teaser)
„YOUNG JAZZ international“ ermöglicht es Studierenden, Methoden der Musikvermittlung im Rahmen eines Jazzfestivals zu erproben und dabei Kindern und Jugendlichen aus verschiedensten Bildungskontexten niedrigschwellige Zugänge zu Jazz zu eröffnen.
Kurzzusammenfassung des Projekts
„YOUNG JAZZ international“ ist ein kollaboratives Lehrprojekt der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik Klagenfurt (GMPU) und der Ingolstädter Jazztage. Im November 2025 gestaltete ein Team von 10 Lehrenden und rund 30 Studierenden der GMPU das im Rahmen des renommierten Jazzfestivals bereits etablierte und stetig wachsende Vermittlungsprogramm „Young Jazz“. In verschiedenen Teilprojekten eröffnete es Kindern und Jugendlichen verschiedenster Altersstufen und Bildungskontexte vielfältige Zugänge zu Jazz und förderte damit kulturelle Teilhabe. „Jazz for Kids“ und „Brass in Class“ ermöglichten dabei das lebendige und selbstwirksame Erfahren von Jazz in partizipativen Konzertformaten. Bei der „Young Jazz Session“ und den dreitägigen Workshops „Jazz an den Schulen“ mit 75 Schüler*innen konnten Jugendliche Jazz aktiv gestalten und aufführen. Studierende der GMPU arbeiteten dabei in wechselnden Konstellationen und begleitet von Lehrenden forschend-reflexiv zusammen und entwickelten und erprobten Methoden zeitgemäßer Musikvermittlung im Realbetrieb eines internationalen Festivals. „YOUNG JAZZ international“ zeigt exemplarisch, wie innovatives musikvermittlerisches Denken und Handeln als selbstverständlicher Bestandteil eines künstlerisch-pädagogischen Studiums curricular verankert und durch die Zusammenarbeit mit Kulturpartnern nachhaltig wirksam werden kann. Das Projekt wurde in der Kategorie „Musikvermittlung und Teilhabe“ für den Deutschen Jazzpreis 2026 nominiert.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
“YOUNG JAZZ international” is a collaborative educational project of the Gustav Mahler Private University of Music Klagenfurt (GMPU) and the festival Ingolstädter Jazztage. In November 2025, a team of 10 lecturers and around 30 students from the GMPU shaped the already established and continuously growing outreach program “Young Jazz,” which takes place as part of the renowned jazz festival. Through various sub-projects, the program opened up diverse approaches to jazz for young people of different age groups and educational backgrounds, thereby fostering cultural participation. “Jazz for Kids” and “Brass in Class” enabled participants to experience jazz in a lively and self-empowering way through participatory concert formats. At the “Young Jazz Session” and the three-day workshops “Jazz in Schools,” involving 75 participants, young people were able to actively create and perform jazz themselves. GMPU students worked together in changing teams, accompanied by lecturers, in a research-based and reflective manner, developing and testing contemporary methods of music mediation within the real-life context of an international festival. “YOUNG JAZZ international” exemplifies how innovative approaches to music mediation and education can be firmly embedded as a natural component of an artistic-pedagogical curriculum and become sustainably effective through collaboration with cultural partners. The project was nominated for the German Jazz Prize in the category “Music Mediation.”
Nähere Beschreibung des Projekts
Ausgangslage und Rahmenbedingungen
Von 4. bis 14.11.2025 fungierte die Gustav Mahler Privatuniversität für Musik (GMPU) als „University in Residence“ bei den Ingolstädter Jazztagen. Unter der Gesamtleitung von Julian Schunter gestalteten im Rahmen des Lehrprojekts „YOUNG JAZZ international“ insgesamt 10 Lehrende und rund 30 Studierende der GMPU eine Vielzahl an Konzerten, Workshops und Vermittlungsformaten für unterschiedliche Zielgruppen in Ingolstadt. Mit dieser inhaltlich und personell starken Präsenz bei dem renommierten Jazzfestival präsentierte sich die GMPU als hochschuldidaktisch innovative Institution im Bereich Jazz. Während Jazzstudiengänge traditionell häufig primär auf die Entwicklung künstlerischer Expertise ausgerichtet sind, ermöglichte „YOUNG JAZZ international“ den Studierenden eine teilhabeorientierte Perspektive auf Jazz und Improvisation und förderte das Bewusstsein für niedrigschwellige jazzdidaktische und -vermittlerische Formate. Auf diese Weise wurde das bereits seit Jahren etablierte und ständig wachsende Programm „YOUNG JAZZ“ der Ingolstädter Jazztage um eine hochschuldidaktische und internationale Ebene erweitert. Konkret umfasste das kollaborative Lehrprojekt mehrere, unten detaillierter dargestellte Teilprojekte.
Zielgruppen und Ziele
Das Lehrprojekt verfolgte mehrere zentrale Zielsetzungen mit Blick auf verschiedene Zielgruppen. Auf hochschuldidaktischer Ebene richtete es sich an rund 30 Jazz-Studierende der GMPU. Sie erhielten die Möglichkeit, begleitet von erfahrenen Lehrenden innovative jazzdidaktische und musikvermittlerische Ansätze zu konzipieren und in der inspirierenden Atmosphäre eines renommierten Jazzfestivals praktisch zu erproben. Ziel war es, teilhabeorientierte Vermittlungskompetenzen in die Jazz- und Pädagogikstudiengänge der GMPU zu integrieren. Um eigene musik- und konzertpädagogische Jazzprojekte initiieren, planen und durchführen zu können und um Souveränität im Umgang mit Gruppen zu erlangen, sind die unten dargestellten Erfahrungsräume für die Studierenden von enormer Bedeutung.
Auf gesellschaftlicher Ebene richtete sich das Projekt an ein breites Spektrum junger Menschen. Das Format „Jazz for Kids“ erreichte Familien, Kindergarten- und Volksschulkinder sowie Kinder und Jugendliche aus einer sonderpädagogischen Einrichtung mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. „Brass in Class“ wandte sich gezielt an sozial benachteiligte Schüler*innen einer Ingolstädter Mittelschule, die sonst kaum Berührungspunkte mit Jazz hätten. Im Rahmen von „Jazz an den Schulen“ musizierten rund 75 Jugendliche mit unterschiedlicher musikalischer Vorbildung – von Anfänger*innen bis zu Musikabiturient*innen – aus drei Gymnasien und einer Realschule gemeinsam, vernetzten sich und setzten sich vertieft mit Jazz auseinander. Gesellschaftliche Ziele waren die Förderung kultureller Teilhabe für Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen sozialen, kulturellen und schulischen Kontexten, der Abbau von Zugangsbarrieren durch niedrigschwellige, partizipative Formate sowie die Stärkung von Selbstwirksamkeit, Kreativität und sozialer Interaktion durch gemeinsame Musiziererfahrungen.
Auf der Ebene von Internationalisierung und Nachhaltigkeit zielte das Lehrprojekt auf den Aufbau einer tragfähigen Zusammenarbeit zwischen einem gesellschaftlich ambitionierten Jazzfestival, regionalen Bildungsinstitutionen und einer innovativen Musikuniversität – über Ländergrenzen hinweg. Damit möchte es auch als Leuchtturmprojekt wirken. Durch die institutsübergreifende Einbindung und enge kollegiale Zusammenarbeit von Lehrenden aus den Bereichen Jazz und Musikpädagogik wirkte es zudem innerhalb der GMPU verbindend und Grenzen überwindend. „YOUNG JAZZ international“ soll zu einer breiten internationalen Sichtbarkeit einer inklusiven, teilhabeorientierten Musikpraxis beitragen – innerhalb einer teilweise elitär geprägten Jazzszene und darüber hinaus.
Lehr-/Lernmethoden, Besonderheiten und Ergebnisse
Nach einer großen Eröffnungszeremonie am 4.11. bildete „Jazz in den Kneipen“ am 6. November den Auftakt für die Studierenden der GMPU. Unter der Leitung von Emiliano Sampaio, Max Grosch, Caroline de Rooij, Philipp Zarfl und Klemens Marktl spielten insgesamt sieben GMPU-Ensembles mit ganz unterschiedlicher stilistischer Ausrichtung an verschiedenen Spielorten der Ingolstädter Altstadt. Die Lehrenden der GMPU erarbeiteten mit den beteiligten Studierenden im Vorfeld das Konzertrepertoire, ergänzt durch eine intensive Probenphase vor Ort. Durch dieses Teilprojekt konnten die Studierenden sich als künstlerische Persönlichkeiten auf einem international renommierten Jazzfestival präsentieren, wertvolle Erfahrungen sammeln sowie ihre Referenzen und Netzwerke erweitern. So wurde das Bewusstsein der Studierenden für Möglichkeiten und Rahmenbedingungen einer späteren beruflichen Praxis gefördert, was den Übergang zwischen Studium und Beruf erleichtern kann.
Am 9. und 10.11. präsentierte das GMPU Jazz Orchestra (Ltg. Reinhold Schmölzer) das interaktive Konzertformat „Big Band!“, konzipiert und geleitet von Julian Schunter. In Zusammenarbeit mit den Schauspieler*innen Paula Gendrisch und Michael Amelung vom Ensemble des Jungen Theaters Ingolstadt erarbeiteten die Studierenden ein musikvermittlerisches Bigband-Programm. Dieses wurde im Ingolstädter Kulturzentrum neun aufgeführt. Neben einer öffentlichen Vorstellung für Familien gab es ein weiteres Konzert für Kindergartenkinder und die Schüler*innen eines sonderpädagogischen Förderzentrums. Das junge Publikum wurde aktiv in das musikalische Geschehen einbezogen.
Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den professionellen Schauspieler*innen erhielten die Studierenden wertvolle Impulse für szenische Gestaltungsmöglichkeiten im Jazz und erweiterten gezielt ihr methodisches Repertoire in der Musikvermittlung. Im gemeinsamen Proben- und Entwicklungsprozess erfuhren sie, wie musikalische Inhalte über Sprache, Bewegung, Rollenarbeit und klare theatrale Setzungen verständlich, spannend und altersgerecht vermittelt werden können. Gleichzeitig lernten die Studierenden, eine interaktive Konzertdramaturgie zu entwickeln, die unterschiedliche Bedürfnisse und Voraussetzungen des Publikums berücksichtigt. Die direkte Arbeit mit einem jungen und diversen Publikum machte erfahrbar, wie Teilhabe im Konzert praktisch gestaltet werden kann und wie sich musikalische Prozesse durch Mitmach-Elemente, klare Signale und niedrigschwellige Zugänge öffnen lassen.
Bei der „Young Jazz Session“ am 10.11. kam es zur Zusammenarbeit von Musiker*innen der GMPU und einem jungen Jazztrio aus der Region. Unter der Leitung des Ingolstädter Schlagzeugers Max Wallrap erarbeiteten Emiliano Sampaio und eine international besetzte Studierendenband der GMPU ein anspruchsvolles Eröffnungsset und ermöglichten so Vernetzung und kulturellen Austausch. Bei der anschließenden Jam Session waren junge Musiker*innen der Stadt eingeladen, gemeinsam mit den Studierenden zu musizieren.
Bei zwei interaktiven Konzerten am 12.11. konnten rund 200 Schüler*innen der Sir-William-Herschel-Mittelschule Jazz kennenlernen und selbstwirksam erleben. Das von Martin Krechlak geleitete Format „Brass in Class“ richtete sich gezielt an Schüler*innen im Alter von 10 bis 12 Jahren – eine sonst von kulturellen Angeboten häufig weniger adressierte Altersstufe. Eine mit drei Lehrenden und fünf Jazz-Studierenden stark besetzte Brassband beleuchtete in der zum Konzertsaal umgestalteten Turnhalle der Schule spielerisch und szenisch verschiedene Facetten des Jazz, wie Improvisation oder Interaktion. Die beteiligten Studierenden konnten hier praktische Erfahrungen in Planung, Gestaltung und Umsetzung musikvermittlerischer Angebote sammeln, während den Ingolstädter Jugendlichen ein unmittelbarer Zugang zu Jazz und improvisierter Musik eröffnet wurde. Erste Ideen für dieses Programm wurden bereits im Sommersemester 2025 in einer Lehrveranstaltung von Studierenden und zwei Lehrenden erarbeitet und im Rahmen der KinderMusikUni in Klagenfurt erprobt. Ausgehend davon entwickelte Martin Krechlak ein Konzept, welches in gemeinsamer Probenarbeit im Rahmen der Ingolstädter Jazztage von Studierenden und Lehrenden weiterentwickelt und szenisch ausgestaltet wurde.
„‚Was ist Jazz?‘ – ‚Jazz ist Freiheit‘ schallt es im Turnsaal, mit Klangstäben und rhythmischem Händeklatschen wird das Stück begleitet, während einige Kinder, die zuvor große Klangröhren erhalten haben, hinter Kaya Meller durch den Saal schreiten. [...] ‚Eine tolle Mitmachgeschichte! Ich bin begeistert. Wie diszipliniert haben sie zugehört und mitgemacht‘, sagt Klara von Koch über ihre Klasse 5d am Ende. Musiklehrer Mathias Rammelmeier betont, wie wichtig es in diesem Stadtviertel ist, dass ‚Musik in die Schule kommt‘. Die wenigsten der Kinder hätten die Möglichkeit, ein Konzert im Stadttheater zu besuchen. Diese verabschieden [...] mit leuchtenden Augen und Riesen-Applaus ihre ‚Windklangforscher‘ von der Klagenfurter Musikuniversität.“ (Barbara Fröhlich, Donaukurier, 15./16.11.2025)
Abschließend fand vom 12. bis 14.11. die Workshopreihe „Jazz an den Schulen“ statt. Studierende betreuten gemeinsam mit den Lehrenden Michael Erian, Caroline de Rooij, Max Grosch, Emiliano Sampaio, Andreas Mittermayer und Julian Schunter Schüler*innen von vier weiterführenden Ingolstädter Schulen in fünf verschiedenen Ensembles. Die Jugendlichen präsentierten ihre Ergebnisse bei einem gemeinsamen Abschlusskonzert. Die beteiligten Studierenden konnten im Rahmen dieses Teilprojekts wichtige Lehrpraxiserfahrungen in Bezug auf Vorbereitung (Repertoireauswahl, didaktische Planung) und Durchführung (Team-Teaching) von Workshops erlangen – ein im Jazz fest etabliertes Unterrichtsformat, das im hochschulischen Lehrpraxisunterricht sonst meist keinen Platz findet. Sie agierten mit eigener Verantwortungsübernahme als Pädagog*innen in einem realen Praxisfeld: Sie beobachteten die Schüler*innenensembles, entwickelte Konzepte für die Erarbeitung des Konzertrepertoires und die Hinführung zur Improvisation und konnten nach dem Prinzip einer adaptiven Didaktik eigene Ideen unmittelbar ausprobieren und an die Gegebenheiten anpassen – stets im Co-Teaching mit erfahrenen Musik-Professor*innen.
Über die dargestellten Aktivitäten hinaus bot das Projekt „YOUNG JAZZ international“ Studierenden der GMPU die Möglichkeit, bei zahlreichen hochkarätigen Konzertbesuchen vielfältige ästhetische Erfahrungen zu sammeln und sich in der internationalen Jazz-Szene zu vernetzen. In der Gesamtbetrachtung handelt es sich bei dem Projekt um einen Intensivkurs für Jazzdidaktik und -vermittlung. Es ermöglichte den Studierenden wichtige Erfahrungen in den Bereichen Konzertpädagogik, Jazz- und Improvisationsdidaktik sowie insbesondere im Umgang mit Gruppen. Es stärkte das internationale Profil der GMPU als moderne Musikuniversität mit musikvermittlerischem Knowhow und eröffnete den Studierenden vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Gleichzeitig trug es zur Weiterentwicklung von Forschung und Praxis im Bereich Jazzvermittlung bei. Durch die wissenschaftliche Begleitung in Form einer von Jonas Brinckmann, Julian Schunter und Martin Krechlak durchgeführten und aktuell noch laufenden Interviewstudie können im Nachgang des Projekts weiterführende Erkenntnisse gewonnen werden.
„YOUNG JAZZ international“ ist ein Lehrprojekt, das unmittelbar in die Gesellschaft hineinwirkt sowie Studierenden Möglichkeiten eines solchen Hineinwirkens aufzeigt und sie im Sinne einer nachhaltigen Transformation der Jazzszene zur eigenständigen Umsetzung ähnlicher Projekte befähigt. Eine erste Würdigung erfuhr es bereits durch die Nominierung zum Deutschen Jazzpreis in der neu eingeführten Kategorie „Musikvermittlung und Teilhabe“. Für die GMPU ist dies ein starkes Signal für die Verankerung von Musikvermittlung als selbstverständlichem Bestandteil eines künstlerischen Studiums: Jazz-Ausbildung endet nicht auf der Bühne.
Akzeptanz und Resonanz
Kaya Meller, Studentin Jazz-Trompete (BA IGP):
„Das Projekt YOUNG JAZZ international hatte einen sehr großen Einfluss auf uns als Studierende – als junge Lehrende, die noch am Anfang ihres Berufsweges stehen und erste praktische pädagogische Erfahrungen sammeln. Durch die Teilnahme am Projekt konnten wir uns nicht nur künstlerisch, sondern vor allem didaktisch weiterentwickeln. Wir hatten die Möglichkeit, in unterschiedlichen Situationen zu arbeiten – sowohl in Workshops als auch bei Konzerten – und mit Gruppen verschiedener Altersstufen und unterschiedlichem Leistungsniveau. Dadurch lernten wir, flexibel zu sein, Verantwortung zu übernehmen und den Unterricht bewusst zu planen.
Besonders wertvoll war für uns, dass wir diese Erfahrungen unter der Begleitung von Professor*innen und erfahrenen Lehrkräften machen konnten. Sie unterstützten uns mit ihrem Wissen, beobachteten unsere Arbeit und gaben uns konstruktives Feedback. Diese Form des Mentorings half uns, unsere pädagogischen Kompetenzen sicher zu entwickeln und mehr Selbstvertrauen als Lehrende zu gewinnen. Das Projekt lehrte uns auch, Verantwortung für den Gruppenprozess und für die individuelle Entwicklung der Teilnehmenden zu übernehmen. Bei der Arbeit mit verschiedenen Ensembles mussten wir auf aktuelle Bedürfnisse reagieren, unsere Methoden anpassen, motivieren und eine Atmosphäre von Respekt und Zusammenarbeit schaffen.
Ein wichtiger Aspekt war die Möglichkeit, die Fortschritte der Teilnehmenden in relativ kurzer Zeit zu beobachten. Die Ergebnisse der Arbeit – besonders bei den Abschlusskonzerten – zeigten deutlich, wie ein intensiver und gut geplanter Workshop-Prozess zur Entwicklung musikalischer Fähigkeiten, zur Stärkung der Bühnenpräsenz und zur besseren Zusammenarbeit im Ensemble führen kann. Für uns als junge Lehrende war das eine sehr motivierende Erfahrung und eine Bestätigung, dass unsere Arbeit sinnvoll ist.
Die Integration von Jazz in den Alltag und seine bewusste Einbindung in den Schulunterricht haben einen großen Einfluss auf die kulturelle und soziale Entwicklung junger Menschen. Jazz als Musikform basiert auf Dialog, Improvisation und gegenseitigem Zuhören. Er fördert Offenheit, Zusammenarbeit und Respekt gegenüber Vielfalt. Die Einbindung dieser Musik in die Schule erweitert den kulturellen Horizont der Schüler*innen und unterstützt ihre Kreativität, Sensibilität und Ausdrucksfähigkeit. Wir konnten beobachten, dass der direkte Kontakt mit Live-Jazz bei Kindern und Jugendlichen ein starkes Gemeinschaftsgefühl und Verantwortungsbewusstsein für das gemeinsame künstlerische Ergebnis entwickelt hat.
Zusammenfassend war YOUNG JAZZ international für uns nicht nur ein künstlerisches Projekt, sondern vor allem ein Raum für intensives Lernen durch Praxis. Diese Erfahrung hat uns sowohl als Musikerinnen als auch als zukünftige Pädagoginnen geprägt, uns eine solide Grundlage für unsere weitere berufliche Entwicklung gegeben und gezeigt, wie wichtig die Popularisierung und das vertraut machen mit Jazzmusik in Schulen sowie der direkte Kontakt mit Menschen für die kulturelle Bildung junger Menschen ist.“
Lucas Carrasco, Student Jazz-Gitarre (MA MAK):
„Ich bin Masterstudent an der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik in Klagenfurt und war bei der letzten Ausgabe der Ingolstädter Jazztage Teil der Studierendengruppe, die für die musikalischen Workshops für Kinder und junge Musikschüler*innen verantwortlich war. Die Workshops wurden von Prof. Julian Schunter im Rahmen des Projekts Young Jazz organisiert, in Zusammenarbeit mit weiteren Lehrenden der Universität.
Als brasilianischer Musiker war es für mich nicht nur eine große Freude, meine erste Erfahrung bei einem Musikfestival in Deutschland zu machen, sondern ich war auch beeindruckt von der Begeisterung und Offenheit der jungen Teilnehmer*innen gegenüber den von uns konzipierten Workshops. Aus meiner Perspektive war das pädagogische Konzept der Professor*innen von hoher Qualität, da es gelang, große Gruppen von Schüler*innen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen musikalischen Vorkenntnissen dazu zu befähigen, gemeinsam mit musikalischem Bewusstsein und Sensibilität zu musizieren.
Für viele von ihnen war es der erste Kontakt mit Jazz und improvisatorischen Formen der Musik.
Das Abschlusskonzert, bei dem wir die Ergebnisse der Workshops präsentierten, zeigte eindrucksvoll, dass die Schüler*innen neben der Herausforderung, sich in das weite musikalische Universum des Jazz zu wagen, diese Erfahrung vor allem als einen Moment der Freude und des Austauschs von Ideen erlebten. Für mich verkörpert der Jazz seit jeher genau diesen Geist der gemeinsamen Kreativität.
Ich danke Prof. Julian Schunter sowie allen beteiligten Lehrenden herzlich für das Vertrauen, das sie mir entgegengebracht haben, um Teil dieses besonderen Projekts zu sein. Ich hoffe sehr, dass solche Initiativen weiterhin stattfinden und noch mehr Schüler*innen diese bereichernde musikalische Erfahrung machen können.“
Nutzen und Mehrwert
Die Zusammenarbeit zwischen der GMPU und den Ingolstädter Jazztagen stellt in dieser Form einen bislang einzigartigen Schulterschluss zwischen Musikuniversität und gesellschaftlich engagiertem Jazzfestival dar, der für beide Seiten große Potentiale beinhaltet. Ihr besonderer Mehrwert für die universitäre Lehre liegt darin, dass Studierende als aktiv Mitgestaltende eines vielfältigen Festivalprogramms agieren können – bei Konzerten im öffentlichen Raum über Workshops bis hin zu zielgruppenspezifischer Musikvermittlung. So entsteht ein Praxisfeld, das über die klassischen Ausbildungs- und Berufskontexte wie Jazzclub oder Musikschule hinausgeht und den bisher selten systematisch behandelten, zugleich aber hochrelevanten Bereich der musikvermittlerischen Festivalarbeit einschließt.
Alleinstellungsmerkmal der Zusammenarbeit ist die konsequente Verzahnung von künstlerischer und pädagogischer Praxis mit professioneller Begleitung durch Lehrende der GMPU. In Vermittlungsprojekten wie „Brass in Class“ und „Jazz for Kids“ konzipierten und erprobten die Studierenden Angebote für ein junges Publikum. Sie lernten dabei, Inhalte altersgerecht aufzubereiten und musikalische Begegnungen erfüllend zu gestalten. Ergänzend dazu brachten sie den Jazz im Rahmen von „Jazz in den Kneipen“ sowie durch Big-Band-Konzerte im Kontext von „Jazz for Kids“ und bei der Abschlussveranstaltung von „Jazz an den Schulen“ in der Empfangshalle einer großen Bank in unterschiedliche soziale und räumliche Settings und erlebten, wie stark sich Wirkung, Ansprache und Dramaturgie je nach Format verändern können.
Durch die pädagogischen und vermittlerischen Angebote wurde das Festival zudem unmittelbar in die Stadtgesellschaft hinein verlängert: Jazz wurde nicht nur präsentiert, sondern als lebendige Kulturform erfahrbar gemacht. Für die Studierenden bedeutete dies eine besondere Lernchance: Sie erfuhren, dass ein Jazzfestival weit mehr ist als eine Abfolge künstlerischer Höhepunkte – ein komplexes Zusammenspiel aus Programmgestaltung, Zielgruppenorientierung, Vermittlungsarbeit, Organisation und Kommunikation. Damit eröffnet die Kooperation ein innovatives Modell praxisbezogener Hochschullehre, das künstlerische Qualität, gesellschaftliche Teilhabe und berufsfeldnahe Kompetenzentwicklung in einem realen, professionellen Rahmen verbindet.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2025
Das Lehrprojekt ist langfristig einsetzbar, weil es als modulares Kooperations- und Praxisformat angelegt ist, das sich jährlich an wechselnde Festivalthemen, Zielgruppen und Rahmenbedingungen anpassen lässt. Die entwickelten Bausteine – Vermittlungsansätze für verschiedene Zielgruppen, Workshop-Settings an Schulen, kuratierte Auftrittsformate sowie die lehrendengeleitete Reflexion – können dauerhaft in der Lehre verankert, iterativ verbessert und in einem Pool aus Konzepten, Materialien und Erfahrungswissen dokumentiert werden. Dadurch ist das Konzept klar übertragbar: innerhalb der Hochschule in Lehrveranstaltungen zu Musikvermittlung, Ensemble/Bigband, Projektmanagement, Musikpädagogik und künstlerischer Praxis; außerhalb der Hochschule auf Kooperationen mit anderen Festivals, Kulturinstitutionen, Clubs, Kommunen und Schulen sowie auf ähnliche Kooperationsprojekte anderer Hochschulen und Kultureinrichtungen. Die Kombination aus realem Berufsfeld, begleiteter Praxis und reflexiver Auswertung macht das Modell skalierbar (von einzelnen Modulen bis zu ganzen Projektsemestern) und nachhaltig, da es wiederkehrend neue Kohorten qualifiziert und zugleich stabile Partnerschaften im Kultur- und Bildungsbetrieb stärkt. Konkret wird zum Beispiel das Kinderkonzertprogramm „Bigband!“, so wie es in Ingolstadt entwickelt und aufgeführt wurde, mit in Teilen neu zusammengesetzter Studierendengruppe auch bei der KinderMusikUni 2026 in Klagenfurt auf die Bühne gebracht.
Institutionelle Unterstützung
Das Projekt wurde von der Universität auf verschiedenen Ebenen unterstützt. Für die Zeit der Projektvorbereitung wurde von der GMPU mit Martin Krechlak ein Projektmitarbeiter in Teilzeit eingestellt, der wichtige Koordinationsaufgaben an der Schnittstelle von Universität und Festival übernahm. Die Öffentlichkeitsarbeit der GMPU trug zur Kommunikation der Projektergebnisse bei. Durch das Forschungsservice der GMPU und die Abteilung Finanzen wurden die für das Projekt eingeworbenen Drittmittel koordiniert. Darüber hinaus stellte die GMPU eigene Projektgelder zur Verfügung, um das umfangreiche Vorhaben ausreichend zu finanzieren.