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Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026

Wahlfach Kinderorthopädie - Theorie und Praxis

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

KI generierte Grafik

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Ars Docendi Kategorie

Kooperative Lehr- und Arbeitsformen

Ars Docendi Kriterien

  • Innovative Hochschuldidaktik
  • Studierenden- und Kompetenzorientierung
  • Partizipation und Mitgestaltung

Gruppengröße

< 20

Anreißer (Teaser)

Das Wahlfach „Kinderorthopädie in Theorie und Praxis“ vermittelt Studierenden einen Einblick in die spannende Welt der Kinderorthopädie und verbindet theoretisches Wissen mit praktischer Erfahrung im klinischen Alltag.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Die Orthopädie wurde 1740 vom französischen Arzt Nicolas Andry de Bois-Regard begründet. Ursprünglich beschäftigte sich dieses Fachgebiet vor allem mit der Vorbeugung und Behandlung von Fehlstellungen bei Kindern. Heute umfasst die Orthopädie die Diagnose, Therapie und Rehabilitation von angeborenen und erworbenen Erkrankungen sowie Verletzungen des Stütz- und Bewegungsapparates. In Österreich wurden 2015 die Fachrichtungen Orthopädie und Unfallchirurgie zum gemeinsamen Facharzt für Orthopädie und Traumatologie zusammengeführt.

Ein wichtiger Teilbereich ist die Kinderorthopädie. Sie beschäftigt sich mit Fehlbildungen, Entwicklungsstörungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates bei Kindern und Jugendlichen, zum Beispiel mit Hüftdysplasie, Klumpfuß oder Zerebralparese. Neben medizinischem Fachwissen ist dabei auch ein sensibler Umgang mit den jungen Patient*innen und ihren Eltern wichtig.

Da die Kinderorthopädie im Medizinstudium nur kurz behandelt wird, soll das Wahlfach „Kinderorthopädie in Theorie und Praxis“ Studierenden einen besseren Einblick geben. Es besteht aus einer theoretischen Vorbereitung, praktischer Erfahrung in der Ambulanz sowie einer abschließenden Präsentation. Ziel ist es, das Interesse an diesem Fachgebiet zu fördern und theoretisches Wissen mit praktischer Erfahrung im klinischen Alltag zu verbinden.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Orthopedics was founded in 1740 by the French physician Nicolas Andry de Bois-Regard. Originally, the field focused on the prevention and correction of physical deformities in children. Today, orthopedics includes the diagnosis, treatment, and rehabilitation of congenital and acquired disorders and injuries of the musculoskeletal system. In Austria, the specialties of orthopedics and trauma surgery were merged in 2015 into the joint specialty “Orthopedics and Traumatology.”

An important subspecialty is pediatric orthopedics, which deals with deformities, developmental disorders, and diseases of the musculoskeletal system in children and adolescents, such as hip dysplasia, clubfoot, or cerebral palsy. In addition to medical expertise, working with young patients also requires sensitivity when communicating with children and their parents.

Because pediatric orthopedics is only briefly covered in medical studies, the elective course “Pediatric Orthopedics in Theory and Practice” aims to provide students with deeper insight into this field. The course consists of theoretical preparation, practical experience in the outpatient clinic, and a final presentation. Its goal is to spark interest in pediatric orthopedics and to combine theoretical knowledge with practical clinical experience.

Nähere Beschreibung des Projekts

Der französische Arzt Nicolas Andry de Bois-Regardim begründete im Jahr 1740 das Fach der Orthopädie (aus dem griechischen Orthos, gerade aufrecht und paidea, Erziehung, Kinderziehung) um die Vorbeugung und Korrektur von Körperdeformitäten bei Kindern zu beschreiben.

Heute ist die Orthopädie ein Fachgebiet, das sich mit der Erkennung, Behandlung, Therapie und Rehabilitation von angeborenen und erworbenen Fehlbildungen, Erkrankungen und Verletzungen des Stützt- und Bewegungsapparates beschäftigt. Seit 2015 gibt es in Österreich einen gemeinsamen Facharzt für „Orthopädie und Traumatologie“, bis zu diesem Zeitpunkt konnte man entweder eine Facharztausbildung im Bereich „Orthopädie“ oder „Unfallchirurgie“ wählen. An der Universitätsklinik Innsbruck gibt es mehrere Teams mit verschiedenen Spezialisierungen, unter anderem für Knie, Hüfte, Tumorerkrankungen, Fuß, Hand und Kinder.

Die Kinderorthopädie ist ein spezieller Teil der Orthopädie, ist vielschichtig, komplex und sehr spannend. Es gibt viele verschiedene Krankheitsbilder (Infantile Zerebralparese ca. 1-4 von 1.000 Neugeborenen), Fehlbildungen (Hüftdysplasie 2-4% der Neugeborenen, Klumpfuß ca. 1 von 900 Neugeborenen) oder auch Entwicklungsstörungen, und beim Umgang mit den kleinen Patient*innen, und deren Eltern, ist besonderes Fingerspitzengefühl gefragt. Die Kinderorthopädie wird im Humanmedizinstudium generell nur kurz gestreift. Dieses Fachgebiet betrifft nicht nur die Ärzt*innen, die sich für die Facharztausbildung Orthopädie entscheiden, sondern viele verschiedene Fachgruppen wie beispielsweise Kinderärzt*innen, Allgemein- und Familienmediziner*in, Sport- oder Schulärzt*innen.

Wir als Lehrende der medizinischen Universität bemerken oft Berührungsängste von Seiten junger Studierender mit den kleinen Patienten*innen und/oder deren Eltern. Auf Grund der geringen Präsenz im Studium, beschäftigen sich auch wenige Studierende mit dem sehr spannenden Gebiet der Kinderorthopädie und dadurch ist das Wissen über diesen Teil der Orthopädie überschaubar. Das angebotene Wahlfach soll einen Einblick in das Thema Kinderorthopädie sowohl in Theorie als auch in der Praxis gewähren. Zusätzlich soll es den Studierenden die Möglichkeit geben den realen, klinischen Alltag im Rahmen ihrer Ausbildung zu erleben. Die Pflichtpraktika im Studium werden oft unter optimalen Bedingungen für die Studierenden abgehalten, wie beispielsweise reduzierte Patientenanzahl in Ambulanzen an Praktikumstagen und wenig komplexe Krankheitsbilder. In dem Wahlfach „Kinderorthopädie in Theorie und Praxis“ sind die Studierenden an ganz „normalen“ Ambulanztagen als angehende Ärzte mit dabei.

Das Wahlfach ist in insgesamt drei Teile aufgegliedert. Der erste Teil des Wahlfaches ist eine Theorieeinheit. In dieser Unterrichtseinheit erarbeiten die Studierenden unter Anleitung der Lehrenden selbstständig einfache, jedoch häufig vorkommende Themen der Kinderorthopädie, wie beispielsweise X- oder O-Beine, Plattfüße oder den Hüftultraschall des Neugeborenen. Die Themen werden per Zufallsgenerator verteilt und die Teilnehmer erhalten die wichtigste Literatur zum jeweiligen Thema. Anschließend an die Themenverteilung beginnen die Studierenden mit der theoretischen Erarbeitung des Themas. Dazu gehört unter anderem die Literaturrecherche in facheinschlägigen Suchmaschinen und das Lesen und Verstehen von Fachtexten. Aufkommende Fragen werden von den Lehrenden umgehend beantwortet und ein effizientes Erarbeiten des Themas ist somit gewährleistet.

Der zweite Teil des Wahlfaches umfasst das praktische Arbeiten am Patient*innen. In diesen Unterrichtseinheiten begleiten die Studierenden (die maximale Anzahl ist auf 5 Studierende begrenzt) einen Arzt/Ärztin in die reale kinderorthopädische Sprechstunde an der Universitätsklinik Innsbruck. Dies ermöglicht den Studierenden den Alltag als Arzt/Ärztin hautnah zu erleben, mit all seinen Höhen und Tiefen. Dies umfasst viel mehr als nur das Erlernen eines kinderorthopädischen Krankheitsbildes, es lehrt die Studierenden auch mit den Emotionen sowohl von den Eltern als auch den jungen Patient*innen umzugehen. In unsere kinderorthopädische Sprechstunde kommen auch viele Patient*innen mit Beeinträchtigung. Diese oftmals neue Situation für die Studierenden zeigt ihnen einen neuen Aspekt der ärztlichen Gesprächsführung, die im Studium in dieser Form nicht gelehrt wird. Im Rahmen des Praxisteiles werden sie mit neuen herausfordernden Aspekten konfrontiert – junge Patient*innen (vom Neugeborenenalter bis 18 Jahre) und gegebenenfalls beeinträchtigt, unter anderem Patient*innen mit angeborenen Fehlbildungen, genetischen Syndromen, oder Entwicklungsdefiziten. Zusätzlich sehen die Studierenden häufig, dass ein und dasselbe Krankheitsbild nicht immer die gleiche Ausprägung haben muss bzw. kann. Dadurch erkennen sie die Vielschichtigkeit und die Komplexität der Kinderorthopädie. Ein weiterer wichtiger Teil dieses Wahlfaches ist auch die praktische Anwendung des theoretischen Wissens. Wir als Lehrkörper achten darauf, dass die Studierenden an Tagen anwesend sind, an denen Patient*innen mit dem von den Studierenden erarbeiteten Thema vorstellig werden. In manchen Fällen lässt sich dies leider nicht realisieren, in diesen Fällen werden reale Patient*innen mit diesem Krankheitsbild zusätzlich in der Theorie besprochen. Jedoch im Idealfall können die Studierenden eine/n Patientin/Patienten mit „ihrem“ Krankheitsbild selbständig untersuchen und ein Anamnesegespräch durchführen. Gemeinsam – Lehrende, Studierende, Angehörige und Patient*innen - wird über die Diagnose gesprochen und über weitere notwendige Therapien diskutiert. Wenn die weitere Diagnostik eine Bildgebung, zum Beispiel ein Röntgenbild benötigt, kann dies am gleichen Tag durchgeführt werden und mit dem Patient*in gemeinsam besprochen werden. Etwaige Fragen durch die Studenten im Ambulanzalltag sind willkommen und werden gemeinsam besprochen.

Im dritten und letzten Unterrichtsteil wird das gesammelte Wissen den anderen Studierenden präsentiert. Dazu bereiten die Studierenden eine Präsentation mit den Mitteln ihrer Wahl vor. Für die Präsentation, die etwa 10-15 Minuten dauern soll, verwenden die Studierenden die zuvor erhaltene und in Eigenregie erarbeitete Literatur. Etwaige Fragen, die während der Vorbereitung auftauchen, können jederzeit über verschiedene Kontaktmöglichkeiten an die Lehrenden gestellt werden und werden zeitnah beantwortet. Im Anschluss an die Präsentationen gibt es ausreichend Zeit für offenen Fragen und für eine konstruktive Diskussion. Der letzte Teil gibt den Studierenden auch die Möglichkeit ihre Präsentationstechniken in einer realen Situation zu verbessern und zu trainieren. Dieser Aspekt wird von den Studierenden sehr positiv bewertet.

Ziel des Wahlfaches ist es den Studierenden das Fach Kinderorthopädie näher zu bringen und das Interesse an diesem spannenden und wichtigen Gebiet zu wecken. Ein zusätzlicher Aspekt ist, dass sie dazu motiviert werden Wissen selbständig zu arbeiten, im täglichen ärztlichen Arbeitsfeld der Kinderorthopäd*innen praktisch anzuwenden und im ärztlichen Umfeld zu präsentieren.

Limitationen des Wahlfaches

Das angebotene Wahlfach hat einige Einschränkungen. Die Studierenden erleben den „normalen“ Ambulanzalltag, d.h. oftmals überbuchte Ambulanzen mit hohem Patientenaufkommen. Trotz wenig Zeit, ist es essenziell immer alle Fragen zu beantworten.

Es kann vorkommen, dass die Studierenden keinen Patient*innen mit dem zugeteilten Thema an ihrem Praxistag sehen, dann werden sie mit Bildern und Fakten von realen Patient*innen versorgt.

Die Teilnehmerzahl ist auf 10 Studierende/Semester limitiert, um im praktischen Teil nicht zu viele Studierende in den Ambulanzen zu haben. Dies dient sowohl den Patient*innen als auch den Studierenden, um die Qualität des Praxistags auf dem höchst möglichen Niveau zu halten und dass die Studierenden den größten Benefit aus ihrem Wahlfach ziehen können.

Akzeptanz und Resonanz

Das Lehrprojekt wird sehr gut von den Studierenden angenommen, dies zeigt sich aus den bisherigen Evaluationsergebnissen. Zusätzlich sind die zu vergebenden Plätze immer schnell vergriffen und viele Studierende auf der Warteliste für das Wahlfach.

Nutzen und Mehrwert

Mehrwert:

Das Wahlfach ermöglicht Studierenden einen realitätsnahen Einblick in die Kinderorthopädie – weit über die theoretischen Inhalte des Curriculums hinaus. Sie lernen häufige Krankheitsbilder strukturiert zu erarbeiten, praktisch anzuwenden und im klinischen Alltag umzusetzen. Besonders wertvoll ist die direkte Einbindung in die reguläre Ambulanz: Studierende erleben echte Patientenkontakte, ärztliche Gesprächsführung mit Kindern und Eltern sowie diagnostische und therapeutische Entscheidungsprozesse. Dadurch werden fachliche Kompetenz, Selbstständigkeit, Empathie und Präsentationsfähigkeit gleichermaßen gefördert.

Alleinstellungsmerkmal:

Das Wahlfach kombiniert eigenständige wissenschaftliche Erarbeitung eines Themas mit unmittelbarer praktischer Anwendung im realen Ambulanzbetrieb – nicht in einer „Lehrsituation“, sondern im authentischen klinischen Alltag. Die enge Betreuung in Kleingruppen, die gezielte Abstimmung zwischen Theorie- und Praxisteil sowie die Möglichkeit, „sein“ Krankheitsbild direkt am Patienten zu erleben, machen das Format einzigartig.

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2023

Gegebenenfalls geplanter Endzeitpunkt: keiner

Das Lehrprojekt wurde 2023 erstmals angeboten und erfreut sich größter Beliebtheit. Es wird semestral angeboten und ist es angedacht, dies stetig weiter anzubieten. Das Konzept ist grundsätzlich auf alle Fachgebiete mit wenig zusätzlichen Aufwand anwendbar.

Institutionelle Unterstützung

Die Hochschule unterstützt das Projekt mit der zur Verfügung Stellung der Infrastruktur und Freistellung der Lehrenden für die theoretischen Teile.

Am Ende des Semesters wird ein Evaluierungsbogen durch die Studierenden ausgefüllt und die Anregungen zur Verbesserung des Projektes verwendet.