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Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026

VU MOVE.Walks - Mobilitätsplanung im Stadtraum erforschen und diskutieren

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Gunnar Grandel

Eine Gruppe Studierender betrachtet die Fahrradstraße Argentinierstraße im Rahmen eines MOVE.Walks.

Ars Docendi Kategorie

Kooperative Lehr- und Arbeitsformen

Ars Docendi Kriterien

  • Innovative Hochschuldidaktik
  • Studierenden- und Kompetenzorientierung
  • Partizipation und Mitgestaltung

Gruppengröße

< 20

Anreißer (Teaser)

Lernen beim gemeinsamen Gehen: MOVE.Walks verbindet Spaziergänge im Stadtraum, Austausch mit Praxisakteur:innen und empirische Forschung. Studierende erleben Mobilitätsplanung dort, wo sie wirkt – im Alltag der Stadt.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Die Lehrveranstaltung MOVE.Walks ist eine praxisorientierte Vorlesungsübung im Masterstudium Raumplanung und Raumordnung an der TU Wien. Studierende untersuchen aktuelle Fragen der Mobilitätsplanung direkt im Stadtraum und verbinden dabei empirische Forschung, Austausch mit Praxisakteur:innen und wissenschaftliche Reflexion.

Zentrales Element sind gemeinsame Spaziergänge („Walks“) mit Expert:innen aus Politik, Verwaltung, Planung und Zivilgesellschaft. Durch die Bewegung im Stadtraum werden Mobilitätsprojekte und Umgestaltungen öffentlicher Räume unmittelbar erfahrbar und bilden die Grundlage für Diskussionen über Planung, Nutzung und gesellschaftliche Auswirkungen. Studierende übernehmen dabei auch Moderationsrollen und entwickeln Kommunikationskompetenzen für die Planungspraxis.

Parallel dazu entwickeln und testen sie eigene Methoden der empirischen Raumforschung und reflektieren deren Einsatz. Die Ergebnisse werden in einem gemeinsamen Reflexionsworkshop diskutiert und in einer abschließenden Analyse eines selbst gewählten Fallbeispiels vertieft.

Das Lehrkonzept verbindet forschendes, erfahrungsbasiertes und situiertes Lernen. Der Stadtraum wird dabei zum Lernort, an dem Studierende Mobilitätsplanung aus unterschiedlichen Perspektiven – räumlich, institutionell und methodisch – erschließen und deren Auswirkungen auf den Alltag verschiedener Nutzer:innengruppen analysieren.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The course MOVE.Walks is a practice-oriented lecture and seminar course in the Master’s programme in Spatial Planning at TU Wien. Students explore current issues in mobility planning directly in the urban environment, combining empirical research, exchange with practitioners, and academic reflection.

A central element of the course are guided walks with experts from politics, public administration, planning practice and civil society. Moving through the city allows students to experience mobility projects and transformations of public space first-hand and provides the basis for discussions about planning, use and societal impacts. Students also take on moderation roles and develop communication skills relevant for planning practice.

In parallel, students develop and test their own methods of empirical spatial research and critically reflect on their application. The results are discussed in a joint reflection workshop and further developed in a final analysis of a self-selected case study.

The teaching concept combines inquiry-based, experiential and situated learning. The urban environment becomes a learning space in which students analyse mobility planning from spatial, institutional and methodological perspectives and reflect on its impacts on the everyday lives of different user groups.

Nähere Beschreibung des Projekts

MOVE.Walks – Der Stadtraum wird zum kooperativen Lernort

Die Lehrveranstaltung MOVE.Walks ist eine praxisorientierte Vorlesungsübung (VU) im Masterstudium Raumplanung und Raumordnung an der TU Wien, in der Studierende aktuelle Fragen der Mobilitätsplanung untersuchen. Sie verbindet kreative Methodenentwicklung zur empirischen Mobilitätsforschung, direkten und persönlichen Austausch mit zentralen Praxisakteur:innen der Mobilitätsplanung vor Ort im Stadtraum, Entwicklung von relevanten Soft Skills durch Übernahme von Moderationsverantwortung und wissenschaftliche Reflexion zur Übertragbarkeit der Erkenntnisse.

Zentrales Element ist das Spazierengehen als Lehr- und Forschungsmethode im Geiste der „Spaziergangswissenschaften“ nach dem Schweizer Soziologen und Stadtplaner Lucius Burckhardt. Diese folgen der Annahme, dass die eigene Erfahrung vor Ort und in Bewegung sowie die gemeinsame Reflexion einen besonderen Zugang zu gesellschaftlich-räumlichen Phänomenen eröffnen. Im gemeinsamen Spaziergang werden dadurch etwa Umgestaltungen von Straßenräumen, neue Mobilitätsangebote wie Shared-Mobility oder Projekte aus der Fuß- und Radverkehrsplanung in ihrer Wirkung für unterschiedliche Nutzer:innengruppen erfahrbar.

Dies bildet die Grundlage für einen intensiven Austausch auf gleicher Augenhöhe gemeinsam mit Praxispartner:innen aus Politik, Verwaltung, Planung, Zivilgesellschaft und Mobilitätsunternehmen. Die Studierenden lernen dabei verschiedene Rollen und Handlungsspielräume kennen und können im informellen Setting des Spaziergangs nicht nur Einblicke hinter die Kulissen gewinnen, sondern auch für die Karriereentwicklung relevante Kontakte knüpfen.

In den MOVE.Walks treffen so Wissenschaft, Planung und Alltag produktiv aufeinander. Das besondere Setting des gemeinsam Spaziergangs, eingebettet in je einen interaktiven Kick-off und Reflexionsworkshop und individuelle Arbeitsphasen, ermöglicht in besonderem Maße kooperative Lernprozesse zwischen Studierenden, Lehrenden und Praxisakteur:innen auf gleicher Augenhöhe, in denen Wissen im gemeinsam Dialog entsteht. Der Stadtraum dient dabei nicht nur als Gegenstand und Anschauungsobjekt, sondern als zentraler Lernort der Lehrveranstaltung, der den Charakter des Austauschs und Lernens entscheidend prägt.

Ausgangslage und Ziele der VU: Mobilitätsplanung im Alltag vor Ort erfahren

Insbesondere vor dem Hintergrund der Klimakrise ist die Notwendigkeit einer Mobilitätswende stark ins Bewusstsein gerückt. Fragen der Verkehrsorganisation und der Gestaltung öffentlicher Räume sind dafür zentral: Städtischer Raum muss umverteilt werden zugunsten aktiver und öffentlicher Mobilität, Klimaanpassungsmaßnahmen und Aufenthaltsqualität. Während in vielen Städten dafür bereits ambitionierte Zielsetzungen und Strategien verabschiedet wurden, trifft die Umsetzung konkreter Maßnahmen häufig auf Widerstände. So besteht im Feld der Mobilitätsplanung nicht nur eine Vielzahl an unterschiedlichen Institutionen und Interessen, sondern hier treffen auch abstrakte politische Ziele auf konkrete Lebensrealitäten, wo ihre Auswirkungen sichtbar werden. Lösungen werden daher in der Mobilitätsplanung nur in seltensten Fällen allein durch technische oder planerische Entscheidungen, sondern zumeist in Aushandlungsprozessen zwischen verschiedensten Akteur:innen entwickelt.

Um diese Komplexität bewältigen zu können, benötigen Studierende ganz verschiedene Kompetenzen: Sie müssen also nicht nur dazu befähigt werden, aktuelle Ansätze der Mobilitätsplanung in Bezug auf die ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit einordnen zu können, sondern auch die realpolitischen Herausforderungen in der Planung und Umsetzung ambitionierter Mobilitätsprojekte zu identifizieren sowie die Auswirkungen von Maßnahmen auf den Alltag verschiedener Bevölkerungsgruppen zu erfassen.

Dafür ist es essenziell, Ansätze der Mobilitätsplanung nicht nur aus der Literatur oder von Hochglanzfotos zu kennen, sondern ihre Wirkung im Alltag zu erfahren. Ebenso ist es wichtig, räumliche Situationen nicht nur theoretisch zu analysieren, sondern ein Handwerkszeug zur empirischen Erforschung vor Ort zu entwickeln. Und nicht zuletzt ist es notwendig, unterschiedliche Perspektiven von Akteur:innen der Planungspraxis kennenzulernen und in ihrem Zusammenspiel nachvollziehen zu können.

Didaktisches Konzept: konkrete Umsetzungen, Akteur:innen und Methoden im Stadtraum

Das Lehrkonzept der MOVE.Walks basiert dafür auf dem Zusammenspiel von drei Dimensionen der Mobilitätsplanung: konkreten planerischen Umsetzungen, den beteiligten Akteur:innen und Methoden der Stadtraumbeobachtung.

Dafür finden nach einem interaktiven Kick-off vier thematische “Walks” mit Expert:innen aus der Praxis statt. Die Moderation der Termine übernimmt jeweils eine Gruppe Studierender. Parallel dazu testen die Studierenden eigenständig eine empirische Methode der Mobilitätsforschung in einem individuellen Spaziergang und reflektieren diese in einem Methodensteckbrief. Die Ergebnisse beider Stränge werden in einem Reflexionsworkshop zusammengeführt und gemeinsam diskutiert. Dies bildet die Basis für die abschließende Analyse eines selbst gewählten Fallbeispiels als Einzelarbeit.

Walks: Mit Expert:innen gemeinsam im Stadtraum unterwegs

In den zentralen thematischen “Walks” erfahren Studierende aktuelle Umsetzungen der Mobilitätsplanung vor Ort. Die Bewegung im Raum ermöglicht die Beobachtung räumlicher Situationen im Detail sowie im Kontext ihrer alltäglichen Nutzung. Dies schafft eine gemeinsame Grundlage für Diskussionen auf gleicher Augenhöhe über Planung, Nutzung und Gestaltung öffentlicher Räume. Damit wird der Stadtraum selbst zum Lernraum, in dem Wahrnehmung, Analyse und Diskussion unmittelbar miteinander verbunden sind.

Die Studierenden erleben unterschiedliche Akteur:innen der Mobilitätsplanung, etwa aus Verwaltung, Politik, Planungspraxis, öffentlichen Einrichtungen, Mobilitätsdienstleistern oder Interessenvertretungen. Durch diese Gespräche werden Rollen, Handlungsspielräume und institutionelle Rahmenbedingungen der Planungspraxis sichtbar. Das informelle Setting des gemeinsamen Spaziergangs schafft in besonderem Maße Möglichkeiten für einen persönlichen Austausch und Erzählungen „aus dem Nähkästchen“. Dies fördert nicht nur ein tiefes Verständnis der Studierenden von Akteuren, Prozessen und Dynamiken der Mobilitätsplanung, sondern unterstützt auch das Knüpfen von Kontakten für den Berufseinstieg. Die aktive Teilnahme an der gemeinsamen Diskussion ist Bestandteil der Leistungsbeurteilung (20%).

Für jeden Termin übernimmt eine Gruppe von Studierenden die Vorbereitung und Durchführung der Moderation und setzt den Rahmen als Gastgeber:innen für die eingeladenen Fachexpert:innen. Zu ihren Aufgaben gehört die organisatorische Abstimmung mit den eingeladenen Expert:innen, die Einführung in das Thema des Walks sowie die Moderation der Diskussion während des Spaziergangs. Die Gruppen strukturieren Gesprächsphasen, bringen vorbereitete Fragen ein und achten auf ausgewogene Redeanteile innerhalb der Gruppe. Am Ende jedes Walks moderieren sie eine gemeinsame Abschlussrunde, in der Beobachtungen und zentrale Erkenntnisse zusammengetragen werden. Anschließend reflektieren sie den Ablauf des Walks und geben ihre Erfahrungen an die Moderationsgruppe des nächsten Termins weiter. Die Durchführung der Moderation ist ebenfalls Bestandteil der Leistungsbeurteilung (10%).

Eigenständige und kreative Methodenentwicklung

Die eigenständige Entwicklung, Anwendung und Reflexion von Methoden zur empirischen Mobilitätsforschung bildet den zweiten Schwerpunkt. Dazu testen alle Studierenden je eine Methode im Rahmen eines selbst organisierten Spaziergangs. Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert und in einem Methodensteckbrief dokumentiert. Dieser beschreibt Zielsetzung, Vorgehensweise, Ergebnisse sowie Stärken und Grenzen. Die Steckbriefe sind nicht nur Bestandteil der Leistungsbeurteilung (20%), sondern bilden eine gemeinsame Sammlung methodischer Zugänge zur Mobilitätsforschung.

Reflexion und Zusammenführung der Erkenntnisse

Zum Abschluss der Lehrveranstaltung werden die Erkenntnisse in einem Reflexionsworkshop zusammengeführt, und entlang der drei Dimensionen Umsetzungen, Akteur:innen und Methoden diskutiert. Dies bildet die Basis für die abschließende Einzelarbeit, die Analyse eines selbst gewählten Fallbeispiels aus den Themengebieten der Walks. Hier fließen die inhaltliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Ansätzen der Mobilitätsplanung, die Beschäftigung mit Akteur:innen, Rollen und Dynamiken der Stadtplanung, und die methodische Übung zusammen. Kernstück ist auch hier eine eigene Erhebung vor Ort, die auf den bereits ausprobierten Methoden aufbauen kann. Die Abgabe der Analyse bildet den zentralen Bestandteil der Leistungsbeurteilung (50%).

Forschendes und erfahrungsbasiertes Lernen als zentrale Prinzipien

In der Verbindung der drei Dimensionen – Umsetzungen, Akteur:innen und Methoden – entsteht ein Lernformat, in dem Mobilitätsplanung aus verschiedenen Perspektiven erschlossen wird. Die Lehrveranstaltung folgt dabei dem Prinzip des forschenden Lernens, bei dem Studierende eigenständig Fragestellungen entwickeln, empirische Methoden anwenden und ihre Erkenntnisse kritisch reflektieren. Der didaktische Ansatz knüpft auch an Konzepte des erfahrungsbasierten Lernens an: Durch die direkte Auseinandersetzung mit räumlichen Situationen im Stadtraum werden theoretische Inhalte mit konkreten Beobachtungen und Erfahrungen verknüpft. Lernen erfolgt hier über die eigene Wahrnehmung, Reflexion und Anwendung. Gleichzeitig greift das Format Prinzipien des situierten Lernens auf, indem Wissen im Kontext realer Planungssituationen und im Austausch mit Praxisakteur:innen entsteht.

Einbindung der VU im Master-Curriculum Raumplanung&Raumordnung

Die VU MOVE.Walks wurde gezielt dafür konzipiert, bestehende Formate im Raumplanungscurriculum wie Vorlesungen und Seminare, Expert:innenvorträge oder Desk-Research-Übungen um die empirische Analyse von Umsetzungen und den Perspektiven beteiligter Akteur:innen zu ergänzen. Die Lernergebnisse sind hochgradig anschlussfähig an zentrale Elemente des Raumplanungsstudiums wie Konzeptions- und Entwurfsprojekte. Die VU ist im Master-Wahlmodul „Mobilität und Energieraumplanung“ verankert und steht dort in enger inhaltlicher Verbindung mit den Vorlesungen „Nahmobilität“ sowie „Mobilitätsmanagement und Neue Formen der Mobilität“, deren theoretische Inhalte durch die Walks im Stadtraum konkret erfahrbar und diskutierbar werden.

Lernergebnisse: fachlicher, methodischer und berufspraktischer Kompetenzaufbau

Die Lehrveranstaltung stärkt sowohl fachliche als auch methodische Kompetenzen. Studierende lernen,

  • räumliche Situationen im Stadtraum systematisch zu beobachten,
  • eigene empirische Methoden zu entwickeln, 
  • planerische Projekte kritisch zu analysieren,
  • relevante Akteur:innen der Mobilitätsplanung einzuordnen und deren Perspektiven zu reflektieren und
  • Diskussionen mit Praxisakteur:innen vorzubereiten und zu moderieren.

Die VU fördert darüber hinaus berufspraktische Kompetenzen durch die aktive Rolle der Studierenden in der Gestaltung und Moderation der Walks. Sie entwickeln Kommunikationskompetenzen, die für Raumplaner:innen etwa in Workshops mit Entscheidungsträger:innen oder in Beteiligungsprozessen zentral sind.

Ein weiteres Lernergebnis ist der Beitrag zur Genderkompetenz im Kontext der immer noch männerdominierten Verkehrsplanung. Bei der Auswahl der Expert:innen und Themen werden daher gezielt vielfältige Perspektiven priorisiert. Bei der Methodenentwicklung wird zur Erforschung und Reflexion von Genderaspekten im öffentlichen Raum ermuntert, wie etwa subjektiver Sicherheit oder Barrierefreiheit. Bei der Moderation wird Wert auf Inklusivität gelegt: Die Moderationsgruppen sind gefragt, auf ausgeglichene Redeanteile zu achten, um vielfältige Beiträge zu ermöglichen.

Akzeptanz und Resonanz

Hohe Nachfrage und positive Evaluation

Die VU MOVE.Walks wird von Studierenden sehr gut angenommen. Seit ihrer Einführung im Wintersemester 2023 wurde sie bereits sechs Mal durchgeführt, aktuell läuft die siebte Runde. In allen Durchgängen waren die verfügbaren Plätze innerhalb kurzer Zeit vollständig vergeben.

Auch die offiziellen Lehrveranstaltungsevaluierungen bestätigen die positive Wahrnehmung der Lehrveranstaltung. Im Wintersemester 2025 wurde die VU beispielsweise mit der Gesamtnote „Sehr gut“ bewertet. In offenen Kommentaren wird insbesondere das Format hervorgehoben, etwa: „Super organisiert! Coole Walks mit Expert:innen.“ oder „Besonders hat mir das Format der Lehrveranstaltung gefallen und mich in meinem Lernen wesentlich unterstützt.“

Ein weiterer Hinweis auf die Resonanz ist die wiederholte Nominierung für den „Best Lecture Award“ der TU Wien. Im Sommersemester 2024 wurde die Lehrveranstaltung beispielsweise von vier der 16 Teilnehmenden unabhängig voneinander nominiert.

Kontinuierliche Reflexion und Weiterentwicklung

Über die formalen Evaluationen hinaus ist die kontinuierliche Reflexion der Lehrveranstaltung ein zentraler Bestandteil des Formats. Im Reflexionsworkshop am Ende des Semesters diskutieren Studierende gemeinsam ihre Erfahrungen mit den Walks, den Inhalten und den eingesetzten Methoden sowie deren Beitrag zu ihrem fachlichen Lernen.

Dabei wird gezielt danach gefragt, welche Elemente beibehalten und welche weiterentwickelt werden sollten. Rückmeldungen aus diesen Diskussionen fließen direkt in die Weiterentwicklung der Lehrveranstaltung ein. So wurde etwa auf Basis des Feedbacks aus frühen Durchgängen die Methodenentwicklung stärker von den gemeinsamen Spaziergängen entkoppelt und als eigenständige Aufgabe konzipiert, um die Diskussion mit den Praxisakteur:innen während der Walks zu erleichtern.

Wahrgenommener Mehrwert für das Lernen

Rückmeldungen der Studierenden zeigen, dass insbesondere die Kombination aus Arbeiten im Stadtraum, Austausch mit Praxisakteur:innen und eigenständiger empirischer Forschung als besonderer Mehrwert wahrgenommen wird. Viele Studierende berichten, dass sie dadurch einen anderen Zugang zu Fragen der Mobilitätsplanung entwickeln als in klassischen Lehrveranstaltungen im Seminarraum.

Besonders positiv wird zudem die Möglichkeit bewertet, mit unterschiedlichen Akteur:innen der Mobilitätsplanung direkt ins Gespräch zu kommen. Die Walks ermöglichen es, Perspektiven aus Politik, Verwaltung, Planungspraxis oder Zivilgesellschaft im konkreten räumlichen Kontext kennenzulernen und miteinander zu diskutieren. Dadurch werden institutionelle Rahmenbedingungen, Entscheidungsprozesse und Handlungsspielräume der Planungspraxis für Studierende unmittelbar nachvollziehbar. Fragen und Unklarheiten können im informellen Setting direkt angesprochen werden.

Transfer in wissenschaftliche Arbeiten

Ein weiterer Effekt der Lehrveranstaltung zeigt sich in der Weiterverwendung der entwickelten empirischen Methoden. Mehrere im Rahmen der MOVE.Walks entwickelte Methoden zur Raumbeobachtung wurden anschließend in Diplomarbeiten aufgegriffen und weiterentwickelt, etwa für Vor-Ort-Erhebungen zur Nutzung öffentlicher Räume, Gender-Aspekte der Mobilitätsplanung oder zur Wahrnehmung von Mobilitätsinfrastruktur. Dies zeigt, dass die im Rahmen der Lehrveranstaltung erarbeiteten methodischen Ansätze über die Lehrveranstaltung hinaus für wissenschaftliche Arbeiten anschlussfähig sind.

Nutzen und Mehrwert

Innovatives Lehrformat im Raumplanungscurriculum

Die VU MOVE.Walks schafft ein Lehrformat, das forschungsgeleitetes Lernen, Praxisbezug und kooperative Lehrformen verbindet. Die MOVE.Walks bieten damit einen großen Mehrwert für das Raumplanungscurriculum, wo sind bestehende Formate zum Thema wie Vorlesungen und Seminare, Expert:innenvorträge oder Desk-Research-Übungen gezielt ergänzen. Die Verschränkung der drei Dimensionen Umsetzungen, Akteur:innen, Methoden (siehe Projektbeschreibung) bietet Studierenden eine besonders praxisorientierte Verzahnung, Anwendung und Erweiterung von Inhalten aus dem bestehenden Curriculum.

Forschendes Lernen im Stadtraum

Dabei setzt sich das Konzept der MOVE.Walks klar von klassischen Exkursionen ab: Das gemeinsame Spazieren und die studierendengeleitete Moderation schafft einen Dialograum, der über den für Exkursionen üblichen Frontalvortrag weit hinausgeht. Die Lehrveranstaltung verfolgt stattdessen einen Ansatz des forschenden Lernens im Stadtraum, bei dem Studierende selbst Beobachtungen durchführen, Perspektiven vergleichen und eigene Fragestellungen entwickeln.

Die Lernergebnisse sind sehr gut anschlussfähig an zentrale Elemente des Raumplanungsstudiums wie Entwurfsprojekte und bieten hier sowohl durch die Methodenexploration, das Kennenlernen innovativer Mobilitätsplanungen als auch die tiefen Einblicke in Rollen, Abläufe und Dynamiken von Planungsprozessen einen großen Mehrwert.

Aktive Rolle der Studierenden: Moderation und Verantwortung

Ein Alleinstellungsmerkmal der Lehrveranstaltung ist die aktive Moderationsrolle der Studierenden. Studierende übernehmen dabei Verantwortung für die inhaltliche Diskussion und Gruppendynamische Prozesse und können praktische Erfahrung im Kontakt mit externen Expert:innen sammeln.

Die regelmäßige und niederschwellige Einbindung von Praxispartner:innen in die Lehrveranstaltung trägt darüber hinaus auch substanziell zur Pflege und Erweiterung eines transdisziplinären Netzwerks der Universität bei.

Transdisziplinäre Vernetzung und strategischer Mehrwert für die TU Wien

Das Lehrformat unterstützt so auch zentrale strategische Ziele der TU Wien, insbesondere die Stärkung studierendenzentrierter und forschungsgeleiteter Lehre sowie den Austausch von Wissen, Methoden und Technologien mit gesellschaftlichen Akteur:innen.

 

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2023

Langfristige Verankerung und Weiterentwicklung des Lehrformats

Die VU MOVE.Walks ist als langfristig angelegtes Lehrformat konzipiert und wird regelmäßig im Rahmen des Masterstudiums Raumplanung angeboten. Seit der ersten Durchführung wird das Konzept kontinuierlich weiterentwickelt. Einzelne Elemente der Lehrveranstaltung – etwa die Struktur der Walks, die Moderationsrolle der Studierenden oder die Methodensteckbriefe – wurden schrittweise erprobt, angepasst und auf Basis von Erfahrungen der Lehrenden sowie Feedback der Studierenden weiter verbessert.

Weiterentwicklung des Formats durch iterative Erprobung und Praxispartnerschaften

Parallel dazu wird ein Netzwerk von Praxispartner:innen aus Verwaltung, Planungspraxis, Politik und Mobilitätsdienstleistungen kontinuierlich aufgebaut und gepflegt. Diese Kontakte sind nicht nur für die Lehre wertvoll, sondern tragen auch zur Weiterentwicklung von Forschungsaktivitäten im Bereich der Mobilitätsplanung bei. Erfahrungen und Fragestellungen aus den Walks fließen so wieder in Forschungsprojekte und weitere Lehrveranstaltungen zurück.

Transferpotenzial des Walk-Ansatzes für Lehre und Forschung

Das Grundkonzept der MOVE.Walks ist grundsätzlich gut auf andere Lehrveranstaltungen übertragbar. Das Format eignet sich insbesondere für Themenfelder, in denen räumliche Situationen vor Ort beobachtet, diskutiert und analysiert werden können, etwa in der Stadt- und Freiraumplanung, dem Bauingenieurwesen oder der Architektur. Auch außerhalb der Raumplanung lässt sich das Prinzip des forschenden Lernens im Stadtraum – kombiniert mit Gesprächen mit Praxisakteur:innen und studierendengeleiteter Moderation – auf andere Disziplinen übertragen, die sich mit gebauten Umwelten, Infrastruktur oder

Institutionelle Unterstützung

Das Projekt wird durch die Infrastruktur der TU Wien unterstützt, insbesondere durch digitale Lehrplattformen (TUWEL), organisatorische Systeme (TISS) und verfügbare Lehr- und Seminarräume. Zudem ermöglichen institutionelle Rahmenbedingungen den Einsatz von Projektassistent:innen aus laufenden Forschungsprojekten in der Lehre. Dadurch können aktuelle Forschungsperspektiven und Praxiserfahrungen direkt in die Lehrveranstaltung eingebracht werden, während Beobachtungen und Fragestellungen aus der Lehre wiederum Impulse für Forschungsaktivitäten liefern. Angebote zur hochschuldidaktischen Weiterbildung unterstützen zudem die Weiterentwicklung der Lehrformate.

Die Lehrveranstaltung ist in das hochschulinterne Qualitätsmanagement der TU Wien eingebunden, insbesondere durch die regulären Lehrveranstaltungsevaluationen über TISS. Darüber hinaus wird Feedback kontinuierlich im Lehrenden-Team reflektiert. Ein zentrales Element ist der Reflexionsworkshop am Ende des Semesters, in dem Studierende ihre Erfahrungen mit den Walks, den Inhalten und den eingesetzten Methoden diskutieren. Rückmeldungen aus diesen Diskussionen werden systematisch im Lehrteam ausgewertet und für die Weiterentwicklung der Lehrveranstaltung genutzt. So wurde beispielsweise auf Basis von Feedback aus frühen Durchgängen die Methodenentwicklung stärker von den gemeinsamen Spaziergängen entkoppelt und als eigenständige Aufgabe konzipiert, um die Diskussion mit Praxisakteur:innen während der Walks zu erleichtern.