Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
Von Fachwissen zu Urteilsfähigkeit: Entscheidungskompetenz systematisch entwickeln
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
MCI / AAron Heimerl
Gruppensetting mit Lehrperson in der Lehrveranstaltung "Entscheidungskompetenz systematisch entwickeln"
Ars Docendi Kategorie
Gesellschafts- und Nachhaltigkeitsorientierte Lehre
Ars Docendi Kriterien
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
- Partizipation und Mitgestaltung
Gruppengröße
20-49
Anreißer (Teaser)
Entscheidungskompetenz unter Zielkonflikten: Studierende lernen, ökologische, soziale und ökonomische Wirkungen transparent abzuwägen – anhand realer Entscheidungsfragen, digitaler Modellierung und mit Transfer in Schule und Berufsberatung.
Kurzzusammenfassung des Projekts
Das Lehrprojekt versteht Entscheidungskompetenz als zentrale Zukunftskompetenz und explizites Bildungsziel. Studierende lernen, Zielkonflikte zwischen ökonomischen, sozialen und ökologischen Wirkungen systematisch sichtbar zu machen und unter Unsicherheit begründet abzuwägen. Nachhaltigkeit ist dabei kein isoliertes Themenfeld, sondern integraler Bewertungsmaßstab jeder Entscheidungsanalyse.
Ausgangspunkt sind reale, gesellschaftlich relevante Entscheidungsfragen aus Wirtschaft, Politik und öffentlicher Gestaltung. Der Lernprozess beginnt mit einer konkreten Problemstellung; theoretische Modelle dienen als analytische Werkzeuge, um Ziele zu klären, Annahmen offenzulegen, Unsicherheiten zu reflektieren und Alternativen transparent zu bewerten. Digitale Modellierung erhöht die Nachvollziehbarkeit komplexer Abwägungen, Künstliche Intelligenz wird kritisch im Entscheidungskontext reflektiert.
So entsteht Urteilsfähigkeit unter Zielkonflikten – die Fähigkeit, nicht nur effizient, sondern verantwortbar zu entscheiden. Das curricular verankerte Konzept wird durch evidenzbasierte Trainings in Bildungs- und Beratungssysteme übertragen und etabliert Entscheidungskompetenz als demokratische Schlüsselkompetenz über die Hochschule hinaus.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
The teaching project positions decision competence as a core future skill and an explicit educational objective. Students learn to make trade-offs between economic, social, and environmental impacts visible and to justify decisions under conditions of uncertainty. Sustainability is not treated as a separate topic but as an integral evaluative criterion in every decision analysis.
The starting point consists of real, societally relevant decision problems from business, politics, and public governance. Learning begins with a concrete problem rather than abstract theory; theoretical models are introduced as analytical tools to clarify objectives, articulate assumptions, reflect on uncertainty, and transparently evaluate alternatives. Digital modeling enhances the transparency of complex trade-offs, while artificial intelligence is critically examined within decision contexts.
In this way, students develop judgment under conflict — the ability to decide not only efficiently but responsibly. The curricular model is transferred through evidence-based training programs into educational and advisory systems, establishing decision competence as a democratic key capability beyond higher education.
Nähere Beschreibung des Projekts
Urteilsfähigkeit unter Zielkonflikten systematisch entwickeln
Studierende stehen vor komplexen Entscheidungen unter Unsicherheit und widersprüchlichen Zielen – häufig mit sozialen, ökologischen und ethischen Folgen. Ob Investitionen, politische Maßnahmen oder nachhaltige Entwicklung: Entscheidungen prägen individuelle Lebenswege ebenso wie gesellschaftliche Transformationsprozesse. Dennoch bleibt die systematische Entwicklung von Entscheidungskompetenz in der Hochschullehre meist implizit. Fachwissen wird vertieft, doch die Fähigkeit, Zielkonflikte transparent zu machen und begründet abzuwägen, wird häufig vorausgesetzt.
Vor diesem Hintergrund wurde am MCI | Die Unternehmerische Hochschule® ein Lehrprojekt entwickelt, das Entscheidungskompetenz als explizites, prüfbares und empirisch belegtes Lernziel curricular verankert. Als Kernfähigkeit Bildung für nachhaltige Entwicklung wird sie systematisch operationalisiert: Ökonomische, soziale und ökologische Wirkungen werden als Bewertungsdimensionen in strukturierten Entscheidungsanalysen modelliert und transparent gegeneinander abgewogen. Nachhaltigkeit wird damit struktureller Bestandteil jedes Zielsystems.
Entscheidungskompetenz wird anhand realer Fragestellungen aufgebaut und kompetenzorientiert überprüft. Bewertet wird nicht ein vermeintlich „richtiges“ Ergebnis, sondern die Qualität der Zielstrukturierung, der Umgang mit Unsicherheit und die nachvollziehbare Begründung unter Zielkonflikten.
Rahmenbedingungen und institutionelle Einbettung
Das Lehrprojekt ist curricular in sechs Bachelorstudiengängen verankert und wird regelmäßig in deutsch- und englischsprachigen Programmen angeboten. Die Integration in unterschiedliche Studienmodelle erfordert eine flexible, konsistente didaktische Architektur. Gruppengrößen zwischen 20 und 40 ermöglichen intensive Diskussionen und Gruppenarbeit.
Die institutionelle Einbettung erfolgt im Rahmen einer kompetenzorientierten Curriculumgestaltung, in der Entscheidungskompetenz als eigenständiges Lernziel definiert wird. Das Projekt ist somit ein strukturell verankertes Element der akademischen Ausbildung. Die Verbindung von Präsenzlehre, digitaler Lernarchitektur und modellbasierter Entscheidungsanalyse wird durch entsprechende infrastrukturelle und organisatorische Rahmenbedingungen unterstützt.
Zielsetzung und Kompetenzverständnis
Ziel des Lehrprojekts ist die systematische Entwicklung von Entscheidungskompetenz als Zukunftskompetenz in einer komplexen und nachhaltigkeitsorientierten Gesellschaft. Studierende lernen, Entscheidungen strukturiert zu analysieren und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen begründet mitzudenken. Entscheidungsprozesse werden als gestaltbar und verantwortbar verstanden – nicht als intuitive Routinen oder reine Optimierungsaufgaben.
Im Mittelpunkt stehen drei miteinander verbundene Kompetenzbereiche:
- Strukturierung komplexer Entscheidungsprobleme: Studierende klären Ziele, legen Annahmen offen, entwickeln Alternativen und berücksichtigen Unsicherheiten explizit. Entscheidungsfindung wird so als transparenter Abwägungsprozess gestaltet.
- Integration sozialer, ökologischer und ethischer Dimensionen: Nachhaltigkeit wird nicht als isoliertes Themenfeld behandelt, sondern als integrale Perspektive verantwortungsvoller Entscheidungen. Studierende reflektieren langfristige Wirkungen, Verteilungsfragen und normative Spannungen. Sie lernen, Zielkonflikte sichtbar zu machen und argumentativ auszuhalten.
- Proaktive Gestaltungsfähigkeit: Studierende bleiben auch unter Unsicherheit handlungsfähig, halten Ambiguität aus und vertreten Positionen begründet. Dazu gehört die adressatengerechte Kommunikation wissenschaftlich fundierter Entscheidungsmodelle – und die kritische Reflexion notwendiger Vereinfachungen im öffentlichen Diskurs.
Zur systematischen Entwicklung dieser Kompetenzbereiche folgt das Lehrprojekt einem studierendenzentrierten und konsequent kompetenzorientierten Lehrverständnis. Studierende übernehmen eine aktive Rolle im Lernprozess; die Lehrperson schafft strukturierende Rahmenbedingungen, stellt analytische Werkzeuge bereit und eröffnet Reflexionsräume für eigenständige Urteilsbildung. Lernen wird als dialogischer Prozess verstanden, der durch Austausch, Peer-Feedback und gemeinsame Problembearbeitung vertieft wird. Kompetenz entsteht nicht durch reine Wissensaufnahme, sondern durch begründetes Anwenden, kritisches Hinterfragen und transparente Argumentation.
Problemorientiertes Lernen als didaktisches Kernprinzip
Im Zentrum der Lehrveranstaltungen stehen reale Entscheidungsprobleme aus persönlichen, beruflichen und gesellschaftlichen Kontexten. Studierende wählen ihre Themen eigenständig und bearbeiten sie über einen längeren Zeitraum. Der Lernprozess beginnt nicht mit Theorievermittlung, sondern mit einer als bedeutsam erlebten Problemstellung. Theorie wird als analytisches Werkzeug eingeführt, um diese systematisch zu strukturieren.
Kennzeichnend ist die enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Erfahrungen aus der Mitentwicklung und Anwendung strukturierter Entscheidungsverfahren fließen als Reflexionsmaterial ein. Studierende erhalten Einblick in Entscheidungsprozesse unter Unsicherheit und Zielkonflikten, wodurch die Tragfähigkeit der Modelle sichtbar wird.
Die Themen reichen von unternehmerischen und öffentlichen Fragestellungen bis zu nachhaltigkeits- und technologiebezogenen Herausforderungen. Damit wird sichtbar, dass strukturierte Entscheidungsfindung disziplinübergreifend relevant ist und unterschiedliche gesellschaftliche Kontexte berührt.
Ein eindrückliches Praxisprojekt betraf die Analyse einer strategischen Entscheidung einer großen Supermarktkette: In welchem Umfang sollen Lebensmittellieferungen angeboten werden? Die Studierenden entwickelten eine strukturierte Entscheidungsanalyse, in der ökonomische Tragfähigkeit, ökologische Effekte, Kundenerwartungen und operative Komplexität systematisch abgewogen wurden. Zielkonflikte wurden explizit modelliert, Annahmen transparent gemacht und Sensitivitätsanalysen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Unternehmen diskutiert und in die Neubewertung einbezogen. Für die Studierenden wurde unmittelbar erfahrbar, dass transparente Zielgewichtungen reale Entscheidungsprozesse substantiell unterstützen können.
Im Rahmen einer systematischen Entscheidungsanalyse definieren Studierende das Problem präzise, identifizieren Ziele, entwickeln Alternativen und bewerten diese unter expliziter Berücksichtigung von Unsicherheit und Zielkonflikten. Dabei wird erfahrbar, dass komplexe Entscheidungen selten eindeutige Lösungen besitzen, sondern Wertfragen und widersprüchliche Interessen integrieren müssen. Diese Erfahrung fördert kritisches Denken, Dialogfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein.
Das didaktische Konzept ist konsequent auf die Entwicklung von Entscheidungskompetenz ausgerichtet. Digitale Elemente sind strukturell integriert. Das Lehrkonzept folgt einem Blended-Learning-Ansatz mit asynchroner Wissensvermittlung und Präsenzarbeit. In einer vorbereitenden, zeit- und ortsunabhängigen Phase setzen sich die Studierenden mit zentralen Modellen auseinander und reflektieren eigene Entscheidungsgewohnheiten. Theoretische Grundlagen werden im begleitenden iMooX-Onlinekurs „Proaktiv Smarte Entscheidungen treffen“ vermittelt, der methodische Konzepte in eine konsistente Lernumgebung überführt (Link 1). Ergänzend stehen vier speziell entwickelte Fachartikel zur Verfügung.
Die Präsenzphasen dienen der Vertiefung, Anwendung und Reflexion. In Gruppenprojekten übertragen Studierende die Instrumente auf komplexe Entscheidungsanalysen.
Im strukturierten World-Café-Format erhalten sie Peer-Feedback, das sie dazu anhält, Annahmen offenzulegen, Zielkonflikte zu präzisieren und Argumentationen zu schärfen.
Digitale Entscheidungsunterstützungssysteme ermöglichen in dieser Phase die explizite Modellierung komplexer Entscheidungsprozesse. Annahmen, Zielgewichtungen und Alternativen werden visualisiert; Sensitivitätsanalysen machen Wirkungszusammenhänge nachvollziehbar. So werden implizite Bewertungsmaßstäbe sichtbar und diskutierbar. Das von der Lehrperson mitentwickelte Tool Entscheidungsnavi (Link 2) überführt theoretische Modelle in eine interaktive Lernumgebung.
Künstliche Intelligenz wird im Lehrprojekt gezielt und begrenzt eingesetzt: etwa zur strukturierten Generierung zusätzlicher Handlungsoptionen, zur Ergänzung möglicher Zielkonflikte und zur Prüfung von Argumenten auf Konsistenz. Studierende lernen dabei, KI-Vorschläge als Hypothesen zu behandeln, Quellenkritik anzuwenden und Vereinfachungen offenzulegen. Die entscheidenden Schritte – Zieldefinition, Gewichtung, Abwägung und Empfehlung – bleiben menschliche Verantwortung und werden in der Seminararbeit explizit begründet. So trägt KI nicht zur Automatisierung von Entscheidungen bei, sondern zur Verbesserung von Transparenz und Begründungsqualität.
Parallel bearbeiten Studierende über das gesamte Semester hinweg ein eigenes Entscheidungsprojekt. Sie durchlaufen alle Analyseschritte anhand einer realen Fragestellung und treffen eigenständig zentrale Abwägungen. Entscheidungskompetenz wird so nicht nur kognitiv vermittelt, sondern praktisch erprobt: Unsicherheit wird ausgehalten, normative Spannungen reflektiert und Verantwortung übernommen.
Problemorientiertes Lernen ist damit kein einzelnes Element, sondern das didaktische Strukturprinzip des Lehrkonzepts. Es verbindet analytische Strenge mit gesellschaftlicher Relevanz und ermöglicht nachhaltige Kompetenzentwicklung durch die aktive Auseinandersetzung mit realen Entscheidungsfragen.
Leistungsüberprüfung
Die Leistungsüberprüfung ist konsequent kompetenzorientiert. In Kleingruppen analysieren Studierende eine selbstgewählte Entscheidungsfrage und entwickeln ein transparentes Zielsystem, das ökonomische, soziale und ökologische Dimensionen integriert. Sie modellieren Alternativen, machen Annahmen explizit und reflektieren mithilfe digitaler Modelle Unsicherheiten. In der Seminararbeit dokumentieren sie den Analyseprozess, begründen ihre Empfehlung und legen Zielkonflikte sowie langfristige Wirkungen offen.
Die Bewertung erfolgt anhand einer klar definierten Rubrik (Zielsystem inkl. Nachhaltigkeit, Transparenz der Annahmen, Umgang mit Unsicherheit, argumentative Begründung). Bewertet wird nicht ein vermeintlich „richtiges“ Ergebnis, sondern die methodische Stringenz und die nachvollziehbare Abwägung. Entscheidungskompetenz wird so sichtbar, überprüfbar und nachhaltig verankert.
Wirkung des Lehrprojekts
Die Wirkung des Lehrprojekts zeigt sich in einer veränderten Argumentationsweise der Studierenden. Entscheidungen werden nicht länger als spontane oder intuitive Akte verstanden, sondern als strukturierbare Prozesse, in denen Annahmen, Zielsetzungen und Konsequenzen explizit gemacht und kritisch geprüft werden. Studierende benennen Zielkonflikte bewusster, machen Unsicherheiten transparent und begründen ihre Positionen nachvollziehbar.
Im Verlauf des Semesters verschiebt sich der Fokus von der Suche nach der „richtigen“ Lösung hin zur reflektierten Abwägung unterschiedlicher Optionen. Diskussionen gewinnen an analytischer Tiefe, Bewertungen werden differenzierter, normative Spannungen argumentativ bearbeitet. Entscheidungskompetenz zeigt sich damit nicht nur in methodischer Sicherheit, sondern in der Bereitschaft, Verantwortung für begründete Abwägungen zu übernehmen.
Begleitende Pre- und Post-Messungen belegen signifikante Verbesserungen der Entscheidungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit; die Effekte bleiben auch zeitversetzt stabil. Die beobachtete Veränderung der Abwägungs- und Begründungsqualität wird damit empirisch gestützt. Das Lehrprojekt entwickelt so nicht nur analytische Fähigkeiten, sondern belastbare Urteilsfähigkeit unter Unsicherheit. Damit wird Entscheidungskompetenz als prüfbare Kernfähigkeit nachhaltiger Hochschulbildung institutionell verankert.
Akzeptanz und Resonanz
Das Lehrprojekt wird seit mehreren Jahren von Studierenden positiv aufgenommen. Als Referenz dient die Lehrveranstaltung „Strategisches und Operatives Entscheiden“, die seit 2019 jährlich stattfindet. Über sieben Jahre hinweg (n = 129) liegt die durchschnittliche Gesamtbewertung bei 1,11 auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (nicht genügend). Im gleichen Zeitraum lag der Durchschnitt des Bachelorstudiengangs Wirtschaft & Management bei 1,70. Die Veranstaltung wird damit deutlich über dem Programmdurchschnitt bewertet. Bemerkenswert ist nicht nur das hohe Niveau, sondern auch die Stabilität der Ergebnisse über mehrere Kohorten hinweg.
Diese konstant hohen Werte sind vor dem Hintergrund zu interpretieren, dass die Lehrveranstaltung methodisch anspruchsvoll ist und strukturierte Entscheidungsmodelle sowie intensive Reflexionsprozesse umfasst. Die Ergebnisse verweisen daher nicht lediglich auf hohe Zufriedenheit, sondern auf eine als lernwirksam erlebte Auseinandersetzung mit komplexen, gesellschaftlich relevanten Entscheidungsfragen. Eine Rückmeldung formuliert dies mit Blick auf den Praxistransfer:
- „Durch die LV können Entscheidungen definitiv besser getroffen werden, ich konnte das bereits im beruflichen Kontext anwenden und habe dadurch klasse Feedback erhalten.“
Neben den quantitativen Bewertungen liefern die qualitativen Rückmeldungen ein differenziertes Bild der Resonanz. Studierende betonen insbesondere, dass sie Zielkonflikte zwischen ökonomischen, sozialen und ökologischen Wirkungen systematisch sichtbar machen und begründet abwägen lernen. Die Instrumente werden als unmittelbar anwendbar erlebt – sowohl in beruflichen Entscheidungsprozessen als auch im persönlichen Kontext verantwortlicher Entscheidungsfindung. Eine Rückmeldung beschreibt diese Wirkung als Stärkung der eigenen Handlungsfähigkeit:
- „Man fühlt sich bekräftigt, proaktiv sein Leben in die Hand zu nehmen.“
Die wahrgenommene Relevanz hatte zudem strukturelle Konsequenzen. Ursprünglich war die Lehrveranstaltung im dritten Semester verortet. In mehreren Evaluationen äußerten Studierende den Wunsch, Entscheidungskompetenz bereits zu Beginn des Studiums zu erwerben, da die vermittelten Methoden auch für den eigenen Studienerfolg als hilfreich erlebt wurden:
- „Die Lehrveranstaltung sollte früher im Studienplan integriert werden, da grundlegende Sachen zum Entscheiden vermittelt werden.“
Auf Basis dieses Feedbacks wurde der Kurs curricular vorgezogen und zählt inzwischen zu den ersten Lehrblöcken des Studiums.
Besonders positiv bewertet wird zudem das didaktische Design. Die Kombination aus theoretischer Fundierung, strukturierten Entscheidungsmodellen, realen Anwendungsprojekten, Gruppenarbeit und systematischen Reflexionsphasen wird als lernförderlich und motivierend beschrieben. Hervorgehoben werden die klare Struktur, die Transparenz der Methoden sowie die Möglichkeit, eigene Entscheidungsprobleme systematisch zu bearbeiten.
Seit 2022 wird ergänzend ein MOOC-basiertes Flipped-Classroom-Modell eingesetzt. Die flexible Vorbereitungsphase mit videobasierten Inhalten wird regelmäßig als effizient und gut planbar beschrieben; die Präsenzzeiten als intensiv, interaktiv und fokussiert. Mehrfach wurde angeregt, dieses Format auch in anderen Lehrveranstaltungen zu implementieren – ein Hinweis auf die hohe Akzeptanz der didaktischen Innovation.
Begleitende Untersuchungen zur Kompetenzentwicklung zeigen darüber hinaus, dass die wahrgenommene Lernwirksamkeit mit messbaren Verbesserungen zentraler Dimensionen der Entscheidungskompetenz einhergeht. Die positive Resonanz spiegelt sich somit nicht nur in subjektiver Zufriedenheit, sondern auch in objektivierbaren Kompetenzzuwächsen wider.
Die empirische Wirksamkeit des Konzepts wurde zudem in einem peer-reviewed Fachartikel dokumentiert (Link 3). Grundlage sind kontrollierte Pre-Post-Studien mit zusätzlicher Follow-up-Messung, in denen zentrale Dimensionen der Entscheidungskompetenz vor, unmittelbar nach und zeitversetzt nach der Lehrveranstaltung erhoben wurden. Die Ergebnisse zeigen signifikante Verbesserungen proaktiver kognitiver Fähigkeiten im Umgang mit komplexen Entscheidungen, während sich in der Kontrollgruppe keine vergleichbaren Effekte zeigen. Diese Effekte bleiben auch im Follow-up stabil. Zusätzlich steigen Selbstwirksamkeit und Lebenszufriedenheit. Studierende mit höherer Entscheidungskompetenz berücksichtigen langfristige Wirkungen stärker und handeln nachhaltiger sowie unternehmerischer.
Die Verbindung aus stabil überdurchschnittlichen Evaluationsergebnissen, curricularer Weiterentwicklung auf Basis studentischen Feedbacks und experimentell nachgewiesener Kompetenzentwicklung zeigt, dass es sich nicht lediglich um eine gut bewertete Lehrveranstaltung handelt. Vielmehr ist ein strukturell verankertes und empirisch validiertes Kompetenzmodell entstanden, das Entscheidungskompetenz nachhaltig fördert und institutionell wirksam implementiert ist.
Nutzen und Mehrwert
Das Lehrkonzept entwickelt Entscheidungskompetenz als zentrale Zukunftskompetenz für eine nachhaltige Gesellschaft. Nachhaltigkeit wird nicht additiv behandelt, sondern systematisch in jedes Zielsystem integriert: Ökonomische, soziale und ökologische Wirkungen werden als explizite Bewertungsdimensionen transparent modelliert und begründet gegeneinander abgewogen. Studierende lernen, Zielkonflikte sichtbar zu machen, Unsicherheiten offenzulegen und langfristige Folgen verantwortungsvoll zu berücksichtigen.
Damit wird Bildung für nachhaltige Entwicklung methodisch umgesetzt: Entscheidungen werden nicht moralisch behauptet, sondern als strukturierte, transparente Abwägungsprozesse analytisch begründet und prüfungsrelevant dokumentiert. Urteilsfähigkeit unter Zielkonflikten wird so als überprüfbare Kernkompetenz akademischer Bildung sichtbar.
Gesellschaftlicher Transfer ist ein struktureller Bestandteil des Gesamtkonzepts. Der Transfer baut auf den im Kurs entwickelten Modellen auf; die Initiative „KLUGentscheiden!“ (Link 4) wird organisatorisch getrennt von der Lehrveranstaltung umgesetzt, eröffnet Studierenden jedoch die Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung. Sie können sich freiwillig an der Weiterentwicklung von Trainingsmaterialien, Workshops und Kommunikationsformaten beteiligen und ihre im Studium erworbenen Kompetenzen in reale Bildungs- und Beratungskontexte einbringen. Dadurch wird wissenschaftlich fundierte Entscheidungskompetenz nicht nur vermittelt, sondern gemeinsam mit Studierenden in öffentliche Bildungsstrukturen getragen und nachhaltig verankert.
Wissenschaftskommunikation ist explizites Kompetenzziel. Studierende reflektieren, wie komplexe Entscheidungsmodelle adressatengerecht vermittelt werden können. Die öffentliche Resonanz eines TEDx-Vortrags zu Entscheidungskompetenz unterstreicht die gesellschaftliche Reichweite des Themas (Link 5).
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2019
Seit 2019 ist Entscheidungskompetenz curricular verankert und inzwischen in sechs Studiengängen implementiert. Aus einem Lehrformat wurde so eine hochschulweit verankerte Kompetenzarchitektur. Die langfristige Stabilität beruht auf drei institutionellen Säulen: Erstens ist „Sustainable Decision-Making“ als zentrales Assurance-of-Learning-Ziel im Rahmen der AACSB-Akkreditierung in allen 19 Bachelorstudiengängen verankert und damit verbindlich geprüftes Lernziel. Zweitens wird das Konzept kontinuierlich auf Basis empirischer Evaluationen und aktueller Forschung weiterentwickelt. Drittens ist es modular aufgebaut und fach-, studiengangs- und formatübergreifend einsetzbar. Das Lehrprojekt umfasst die curricular implementierte Lehrveranstaltung inklusive Prüfungsformat; der Transfer bildet einen organisatorisch eigenständigen Wirkungspfad.
Die Skalierbarkeit zeigt sich besonders im Transfer über die Hochschule hinaus. Im Rahmen der Initiative „KLUGentscheiden!“ wurden evidenzbasierte Trainings entwickelt. Über 500 Lehrkräfte wurden qualifiziert, Entscheidungskompetenz in der Berufs- und Studienwahl systematisch zu vermitteln.
Zudem wurde ein dreitägiges Trainingsprogramm für die Bundesagentur für Arbeit entwickelt, das in den kommenden Jahren rund 5.000 Berufsberatende qualifiziert. Diese befähigen Jugendliche, ihre Berufs- und Studienwahl strukturiert und entscheidungskompetent zu gestalten. So wird Entscheidungskompetenz dauerhaft in öffentliche Bildungs- und Beratungsstrukturen integriert und skaliert. Aus einem curricularen Lehrprojekt ist so eine hochschulintern etablierte und extern wirksame Struktur entstanden, die Entscheidungskompetenz institutionell absichert und gesellschaftlich verbreitet.
Institutionelle Unterstützung
Das Lehrprojekt wird seitens der Hochschule strategisch, organisatorisch und infrastrukturell unterstützt. Besonders deutlich wird dies durch die Verankerung von „Sustainable Decision-Making“ als eines der drei zentralen Assurance-of-Learning-Ziele im Rahmen der AACSB-Akkreditierung für alle Bachelorstudiengänge. Diese strategische Einbettung schafft verbindliche curriculare Anknüpfungspunkte und sichert die nachhaltige Integration entsprechender Lehrangebote.
Auch organisatorisch wurde die Weiterentwicklung aktiv ermöglicht: Durch eine flexible Anpassung des Lehrdeputats konnten neue, inhaltlich anschlussfähige Lehrveranstaltungen übernommen und andere abgegeben werden. Diese strukturelle Priorisierung schuf die notwendigen zeitlichen und curricularen Ressourcen für den systematischen Ausbau der Entscheidungskompetenz.
Das Lehrprojekt ist verbindlich in das hochschulinterne Qualitätsmanagement eingebunden und folgt einem klar strukturierten Verbesserungszyklus. Im Rahmen des Assurance-of-Learning-Systems (AACSB) werden die Lernergebnisse im Bereich „Sustainable Decision-Making“ regelmäßig operationalisiert, erhoben und dokumentiert. Die Ergebnisse fließen in curriculare Abstimmungen ein und führen bei Bedarf zu konkreten Anpassungen an Lernzielen, Lehrmethoden und Prüfungsformaten.
Die Kompetenzmessungen erfassen insbesondere die Fähigkeit zur expliziten Zielstrukturierung, den transparenten Umgang mit Unsicherheit sowie die argumentative Begründungsqualität unter Zielkonflikten. Auf dieser Grundlage wurden Bewertungsrubriken präzisiert, Sensitivitätsanalysen früher im Semester verankert und Peer-Feedback stärker strukturiert, um die Entscheidungsqualität systematisch zu fördern.
Ergänzend wird jede Durchführung der Lehrveranstaltung standardisiert evaluiert. Quantitative Ergebnisse und qualitative Rückmeldungen der Studierenden werden systematisch ausgewertet und in der nächsten Kohorte umgesetzt. Hinweise zur methodischen Komplexität, zur zeitlichen Taktung sowie zur Praxisanwendung einzelner Instrumente führten so zu einer klareren Progression der Lernschritte und zu zusätzlichen Übungs- und Reflexionsformaten.
Durch die konsequente Verknüpfung von Kompetenzmessung, Kursevaluation und dokumentierter Umsetzung entsteht ein nachvollziehbarer Qualitätskreislauf: Feedback wird nicht nur erhoben, sondern sichtbar in die Weiterentwicklung überführt – und sichert damit die nachhaltige Lernwirksamkeit des Projekts.