Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
Vom Wissen zum Gestalten: Klimakommunikation als Hebel für gesellschaftliche Transformation. Ein studentisch initiiertes Lehrprojekt mit Fokus auf Medienpraxis.
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Finn Sauter und Luca Kräuter, CC BY 4.0
Poster zur Bewerbung der VU Klimakommunikation inkl. Sujet und notwendigen Informationen
Ars Docendi Kategorie
Gesellschafts- und Nachhaltigkeitsorientierte Lehre
Ars Docendi Kriterien
- Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
- Partizipation und Mitgestaltung
Gruppengröße
50-150
Anreißer (Teaser)
Klimakommunikation, die ankommt: Die studentisch initiierte Ringvorlesung vereint spannende Expert:innen mit vielfältiger Medienpraxis. Zielgruppen analysieren, Narrative setzen, Kanäle wählen. Entwickeln, kreativ umsetzen und wirksam mitgestalten!
Kurzzusammenfassung des Projekts
Die Lehrveranstaltung „Klimakommunikation“ an der BOKU University schließt die Lücke zwischen fundiertem Klimawissen und gesellschaftlichem Handeln. Die Besonderheit: Idee, Konzeption und laufende Organisation dieses ko-kreativen Formats gehen direkt von engagierten Studierenden aus. Getragen von dieser Initiative, befähigt die Lehrveranstaltung Teilnehmende aller Disziplinen, komplexe Nachhaltigkeitsthemen wirksam und zielgruppengerecht zu kommunizieren.
Zentrale Elemente:
- Methodische Vielfalt: Interaktive Ringvorlesungen mit Expert:innen (aus Wissenschaft, Kunst, Politik, ...) paaren sich mit Peer-Reflexionen und Buddy-Systemen für reale Klimagespräche. Auch Klimaemotionen (wie Eco-Anxiety) werden didaktisch aufgefangen.
- Inklusiv & Partizipativ: Ein hybrider, barrierearmer Lernraum (OER-Ansatz), der auf Augenhöhe von und für Studierende konzipiert wurde.
- Medienpraxis: Im Sinne des Constructive Alignment ersetzen praxisorientierte Medienarbeiten (Podcasts, Artikel, Videos, ...) klassische Prüfungen. Ein abschließender „Gallery Walk“ würdigt die Ergebnisse, von denen viele in externen Medien publiziert wurden.
Über 250 Anmeldungen in zwei Semestern und exzellente Evaluierungen belegen den enormen Bedarf. Das Format stärkt die Gestaltungskompetenz und generiert echten gesellschaftlichen Mehrwert (Third Mission) unter anderem durch studentische Spin-offs. Dank des modularen Designs ist ab 2027 eine europaweite Skalierung über die EPICUR-Universitätsallianz geplant.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
The course "Climate Communication" at BOKU University bridges the gap between climate knowledge and societal action. Its unique feature: the idea, concept, and ongoing organization of this co-creative format are entirely driven by active students. Rooted in this initiative, the course empowers participants from all disciplines to effectively communicate sustainability topics.
Core Elements:
- Methodological Diversity: Interactive lectures with experts (from science, media, politics, ...) are paired with peer reflections and a buddy system for real-world climate conversations. Climate emotions (e.g. eco-anxiety) are directly addressed.
- Inclusive & Participatory: A hybrid, accessible learning space (OER approach) designed by and for students.
- Media Practice: Following Constructive Alignment, practical media projects (podcasts, articles, videos, ...) replace traditional exams. A concluding "Gallery Walk" honors the results, many of which are published in external media.
Over 250 registrations in two semesters and excellent evaluations prove the high demand. The format strengthens transformative skills and generates real value for society (Third Mission), notably through student spin-offs. Thanks to its modular design, Europe-wide scaling via the EPICUR University Alliance is planned from 2027 onwards.
Nähere Beschreibung des Projekts
Ausgangslage und Besonderheiten der Lehrveranstaltung
Hochschulbildung soll Studierende dazu befähigen, komplexe Systeme zu hinterfragen, kritisch zu diskutieren sowie Lösungen verantwortungsvoll und mutig mitzugestalten. Die Lehre an der Universität für Bodenkultur Wien lebt von der Partizipation der Studierenden. Sie versteht sich im besten Sinne als gemeinsamer Prozess: Studierende bringen ihr Vorwissen, ihr persönliches Interesse und ihre Neugierde ein, übernehmen Verantwortung für ihren Lernweg und wirken aktiv an der Mitgestaltung und Weiterentwicklung von Lehrveranstaltungsformaten mit. Dieser gelebte partizipative Ansatz bildet die konzeptionelle Grundlage der Lehrveranstaltung „Klimakommunikation“.
Der Impuls zu diesem Format geht auf die eigenverantwortliche Initiative zweier engagierter Studierender und eines innovativen Lehrenden zurück. Die beiden studentischen Initiator:innen setzten sich nicht nur während des Studiums, sondern auch privat aktiv für das gesellschaftlich drängende Thema Klimaschutz ein. Im Rahmen ihrer Arbeit für den BOKU-Studierenden-Podcast „Hör mal wer die Welt verändert“ standen sie immer wieder vor der gleichen zentralen Herausforderung: Wie kann man komplexe Erkenntnisse so aufbereiten, dass sie bei den Zuhörer:innen nicht nur ankommen, sondern auch verstanden werden? Aus diesem konkreten studentischen Bedarf heraus entwickelte sich das ko-kreative Lehrformat.
Diese Entstehungsgeschichte verdeutlicht den aus hochschuldidaktischer Sicht geforderten Wandel von Lehren zu Lernen und ist untrennbar mit der Dringlichkeit der Thematik verbunden. Nie war das fundierte, wissenschaftliche Wissen über die Klimakrise, Nachhaltigkeit und ökologische Zusammenhänge größer und zugänglicher. Gleichzeitig zeigt sich, dass dieses Wissen oftmals nicht in der Breite der Gesellschaft ankommt oder nicht zu den notwendigen gesellschaftlichen Handlungen führt. Im Gegenteil: Wissenschaftsskepsis und Klimaleugnung nehmen im öffentlichen Diskurs spürbar zu. Die entscheidende Hürde ist das Fehlen zielgruppengerechter, wirksamer Kommunikation. Genau an dieser Stelle setzt die Lehrveranstaltung an und bietet einen systematischen Lernraum, der sich der Übersetzung dieses Wissens in verständliche und handlungsrelevante Informationen widmet.
Zielgruppen und Rahmenbedingungen
Um den universitären Raum konsequent in Richtung einer breiten Öffentlichkeit zu öffnen, ist die Lehrveranstaltung bewusst grenzüberschreitend konzipiert. Sie adressiert Studierende unterschiedlichster Bachelor- und Masterprogramme (auch hochschulübergreifend) und lädt explizit interessierte Personen aus der Zivilgesellschaft zur Teilnahme ein. Diese Heterogenität ist didaktisch intendiert und wird bewusst genutzt: Wer wirksam in die Breite der Gesellschaft kommunizieren will, muss deren diverse Lebensrealitäten und Wertekompasse bereits im Lernraum abbilden und verstehen. Durch diese bewusste Durchmischung wird die Lerngruppe selbst zur wertvollen Ressource.
Um der Heterogenität und der Vielfalt der Lebensrealitäten der Studierenden gerecht zu werden, ist die Lehrveranstaltung konsequent als barrierearme, hybride und flexible Lernumgebung gestaltet. Wir verzichten bewusst auf eine strikte Anwesenheitspflicht. Durch die synchrone Hybridlehre, die systematische Aufzeichnung der Einheiten und eine asynchrone, offene Materialbereitstellung (OER-Ansatz) auf der Lernplattform BOKUlearn (Moodle) legen die Studierenden Zeitpunkt, Ort und Tempo ihres Wissensaufbaus eigenständig fest. Diese Rahmenbedingungen fördern – ganz im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) – die Eigenverantwortung und Selbstorganisation der Studierenden im Lernprozess. Formal abgebildet wird dieses flexible Format als freie Lehrveranstaltung (Vorlesung mit Übung) im Umfang von 3 ECTS.
Ziele und kompetenzorientierte Ausrichtung
Das Lehrprojekt verfolgt einen konsequent kompetenzorientierten Ansatz. Im Sinne der BNE verschiebt sich der Fokus vom reinen Wissenserwerb hin zur aktiven Gestaltungskompetenz. Die Studierenden sollen befähigt werden, komplexe Systeme nicht nur zu hinterfragen, sondern gesellschaftliche Lösungen verantwortungsvoll mitzugestalten. Die Lernziele gliedern sich in die folgenden zentralen Dimensionen:
- Strategische Vermittlungskompetenz: Die Fähigkeit, abstrakte Nachhaltigkeitsthemen theoriegeleitet so aufzubereiten, dass sie fachfremde Lebenswelten erreichen und zum Handeln motivieren - ohne belehrenden Duktus.
- Medien- und Gestaltungskompetenz: Das praktische Beherrschen und strategische Auswählen verschiedener Kommunikationskanäle (Audio, Video, Print, Social Media) für den Wissenstransfer (Third Mission).
- Reflexions- und Urteilskompetenz: Das Erkennen tiefgreifender psychologischer Mechanismen (z. B. kognitive Dissonanz, Klimaangst), das Verstehen medialer Framing-Effekte und die kritische Auseinandersetzung mit Kommunikationsstrategien von Politik und Medien.
- Digitale und KI-Kompetenz: Kritisch-konstruktiver Umgang mit KI-Tools als Arbeitsinstrumente (Recherche, Transkription, Ideenfindung) bei gleichzeitiger Reflexion von Grenzen und Risiken (Bias, Faktencheck-Notwendigkeit, algorithmische Abhängigkeit).
Übergeordnetes Metaziel ist die Stärkung der Selbstwirksamkeit: Die Studierenden übertragen ihre Kompetenzen aus dem universitären Kontext in gesellschaftliche Diskursräume und erproben ihre Wirksamkeit als Kommunikator:innen im echten gesellschaftlichen Diskurs.
Lehr- und Lernmethoden: Das didaktische Design
Das methodische Design schafft einen strukturierten Lernraum, in dem auch emotionale Aspekte der Klimakommunikation reflektiert werden und übersetzt die Prinzipien der BNE systematisch in die hochschuldidaktische Praxis.
Gleich in der ersten Einheit werden die Erwartungshaltungen, inhaltlichen Wünsche und das Vorwissen der Studierenden erhoben. Diese Rückmeldungen fließen unmittelbar in die Semesterplanung ein. Diese methodische Mitbestimmung schafft von Beginn an psychologische Sicherheit, ein verbindendes Wir-Gefühl und überträgt die Selbstverantwortung für den Erfolg der Lehrveranstaltung auf das Kollektiv.
Das Format einer interaktiven Ringvorlesung bindet facettenreiche externe Expert:innen (aus Wissenschaft, Kunst, Politik, Journalismus und Aktivismus) ein. Um das Lernen optimal zu strukturieren, folgt jede Einheit einem klaren methodischen Dreiklang:
- Impulsvortrag: Input der Expert:innen als theoretischer oder praktischer Ankerpunkt.
- Murmelgruppen (Peer-Reflection): In kleinen Teams (2-3 Personen) wird das Gehörte unmittelbar reflektiert. Diese Methode senkt die Hemmschwelle für Beteiligung deutlich. Gedanken können im geschützten Rahmen vorformuliert und auf die eigene Realität übertragen werden.
- Plenumsdiskussion: Die aggregierten Ergebnisse der Kleingruppen fließen in eine moderierte Debatte ein, wodurch Perspektivenwechsel und Diskursfähigkeit gestärkt werden. Individuell zu beantwortende Reflexionsfragen nach der Einheit auf BOKUlearn (Moodle) vertiefen diesen Prozess zusätzlich.
Um den Theorie-Praxis-Transfer sicherzustellen, arbeiten wir mit einem Buddy-System. In studentischen Tandems führen die Teilnehmer:innen authentische Klimagespräche in ihrem persönlichen Umfeld (beispielsweise Familie, Sportverein). Die gemachten Erfahrungen (Wo traten Widerstände auf? Welche Narrative haben funktioniert?) werden anschließend im Buddy-Team methodisch reflektiert. Diese Form des situierten Lernens verankert die Lehrinhalte in die Realität und baut entscheidende Gesprächssicherheit für künftige Diskurse auf.
Klimakommunikation löst oft belastende Gefühle aus. Anstatt diese zu ignorieren, machen wir sie zum didaktischen Gegenstand. Die Einheit zur Klimapsychologie integriert eine geleitete Meditation und thematisiert explizit Regulationsstrategien für Klimaemotionen (wie Ohnmacht oder Eco-Anxiety).
Praxisnahe Medienarbeit
Die Beurteilung der Lehrveranstaltung folgt dem Prinzip des Constructive Alignment: Die Leistung ist kein isoliertes Abfragen von Wissen, sondern spiegelt exakt die angestrebte Gestaltungskompetenz wider. Das Hauptziel besteht in der Konzeption und Veröffentlichung einer eigenen Medienarbeit.
Die Studierenden entscheiden frei, welches Medium sie wählen: Eine Podcastfolge, ein Erklärvideo, Social-Media-Content, ein journalistischer Artikel oder kreative Formate wie Comics oder didaktische Brettspiele. Entscheidend für die Beurteilung ist nicht nur das Endprodukt, sondern der theoriegeleitete, reflektierte Weg dorthin. Um einen strategischen Ansatz sicherzustellen, müssen im Vorfeld vier zentrale Leitfragen bearbeitet werden:
- Was ist die genaue Kernbotschaft, die ich vermitteln möchte?
- Welche spezifische Zielgruppe adressiere ich?
- Wie (mit welchem psychologischen Framing und welcher Tonalität) spreche ich sie an?
- Wo (über welche Kanäle) erreiche ich diese Gruppe in ihrer Lebensrealität?
Um die Studierenden nicht alleinzulassen, werden parallel themenspezifische Skill-Workshops (Podcast-, Presse- und Social-Media-Workshops) angeboten. Diese dienen als didaktisches Werkzeug und vermitteln handwerkliches Rüstzeug (Audiotechnik, Schreibtechniken, Algorithmen-Wissen).
Vor der finalen Abgabe durchlaufen alle Arbeiten ein strukturiertes Peer-Review. Die Studierenden begutachten sich gegenseitig kriteriengeleitet. Das Peer-Review vertieft die zuvor beschriebenen Reflexions- und Urteilskompetenzen. Als ergänzendes didaktisches Element setzen wir ein gamifiziertes, nicht benotetes Quiz ein. Dieses dient als formatives Assessment: Es fördert die spielerische Wiederholung und Vernetzung der interdisziplinären Inhalte und liefert den Studierenden zugleich ein unmittelbares Feedback zu ihrem eigenen Lernfortschritt, ganz ohne Prüfungsdruck.
Ergebnisse, Wirkung und Würdigung
Die Resultate zeigen eindrucksvoll, was Studierende mit Zu- und Vertrauen, sowie kreativen Freiraum leisten. Allein im vergangenen Semester entstanden 56 Medienarbeiten (u.a. 29 Artikel, 7 Fotostrecken, 8x vielfältiger Social-Media-Content, 4 Podcast-Folgen und jeweils ein Spiel, ein Song und ein Kinderbuch). Viele davon wurden in externen Medien (Zeitungen, Blogs, Social Media) veröffentlicht und erreichen Zielgruppen außerhalb der Universität - ein messbarer, gelebter Beitrag zur Third Mission (Wissenstransfer in die Gesellschaft) der Hochschule.
Den feierlichen und wertschätzenden Abschluss bildet ein gemeinsam gestalteter „Gallery Walk“. Der Hörsaal wird zu einer Ausstellung, in der alle fertigen Arbeiten präsentiert werden. Die Studierenden bewegen sich frei, betrachten die Werke im individuellen Lerntempo und diskutieren auf Augenhöhe miteinander. Dieser Gallery Walk macht die enorme inhaltliche Vielfalt der Lehrveranstaltung sichtbar, wertschätzt die investierte Zeit jedes und jeder Einzelnen und etabliert eine starke Community of Practice.
Die Lehrveranstaltung „Klimakommunikation“ zeigt, wie universitäre Lehre ihre größte transformative Kraft entfalten kann, wenn sie Fachwissen, kritische Reflexion und hochschuldidaktisch begleitete Praxis auf Augenhöhe vereint. Durch den Fokus auf die partizipative Gestaltungskompetenz verlassen die Studierenden die Lehrveranstaltung nicht nur als Wissende, sondern als kompetente und reflektierte Kommunikator:innen im gesellschaftlichen Diskurs.
Akzeptanz und Resonanz
Dass wir mit diesem ko-kreativen Format einen echten, gesellschaftlich drängenden Nerv getroffen haben, spiegelte sich bereits vor dem Start der allerersten Einheit wider: Mit 147 Anmeldungen im ersten Durchlauf (Sommersemester 2024) wurden wir von dem enormen Interesse regelrecht überrannt. Auch im Folgejahr (Sommersemester 2025) blieb der Andrang mit 109 Anmeldungen auf einem konstant hohen Niveau. Die außergewöhnlich positive Resonanz auf die Lehrveranstaltung manifestiert sich jedoch nicht nur in der Quantität, sondern vor allem in den herausragenden Evaluierungsergebnissen, dem qualitativen Feedback und einem Engagement, das weit über den reinen Erwerb von ECTS-Punkten hinausgeht.
Das Setting „von Studierenden für Studierende“ etabliert in Kombination mit der wissenschaftlichen Begleitung durch Prof. Formayer einen dialogorientierten Raum auf Augenhöhe. Das spiegelt sich auch in den Evaluierungen wider, in denen Studierende das Format als "Beste LV die ich belegt habe. Jede Woche freue ich mich auf die Einheit und gehe mit Inspiration, Wissen und Tools nach Hause." beschreiben. Der stark interaktive Charakter und die direkte Anwendung des Erlernten werden als zentraler Mehrwert erkannt, da vielen besonders "die Medienarbeit als praktisches Umsetzungselement [sowie] die Organisation und inhaltliche Relevanz" sehr gefallen hat. Die Begeisterung für das vermittelte Wissen mündet bei den Teilnehmenden sogar in dem Wunsch nach einer strukturellen Verankerung im Curriculum: "Super Inhalte - alle an der BOKU sollten diese LV als Pflicht haben!"
Ein wesentlicher Baustein dieser didaktischen Wirksamkeit ist die exzellente Einbindung unterschiedlicher Perspektiven. Das Feedback lobt explizit den interdisziplinären Diskursraum: "Mir haben die spannenden Gäst*innen besonders gut gefallen. Ich finde es war eine wirklich gute Mischung an Vorträgen. Auch eure angenehme Art und Enthusiasmus war toll!" und "Echt beeindruckend, was für tolle Gastvortragende zu Besuch in die LV kommen. Danke für die Organisation und Engagement! Ich hab mir echt viel mitgenommen :)". Dieser Enthusiasmus beruht auf Gegenseitigkeit: Alle zwölf externen Gastvortragenden betonten, dass sie aus den tiefgehenden Diskussionen selbst erheblich profitiert hätten und boten an, im nächsten Durchlauf pro bono wiederzukommen. Dies beweist, dass die Lehrveranstaltung nicht nur Wissen konsumiert, sondern einen echten Mehrwert für alle Beteiligten bietet.
Nutzen und Mehrwert
Der besondere Mehrwert der Lehrveranstaltung liegt in der unmittelbaren Übersetzung von theoretischem Wissen in gesellschaftliches Handeln. Das Projekt befähigt die Studierenden nicht nur zur kritischen Reflexion, sondern motiviert sie spürbar, eigenständig aktiv zu werden und den Diskurs in neue Räume zu tragen.
Wie exzellent dieser Wissenstransfer funktioniert, zeigen konkrete studentische Spin-offs: Ein Teilnehmer nahm die Lehrveranstaltung als Vorbild und startete an der Universität Wien die Veranstaltungs- und Podcastreihe „Denken. Fühlen. Handeln. – Gegen Rechts“. Eine weitere Teilnehmerin organisierte eigenständig eine hochkarätige Podiumsdiskussion zum Buch „Green Crime“ mit der Autorin Julia Shaw, der Umweltjuristin Michaela Krömer und dem Verkehrsexperten Harald Frey.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die unmittelbare, gelebte Vernetzung von Universität und Zivilgesellschaft auf Augenhöhe. Ein eindrucksvolles Beispiel: Da die Geschäftsführerin des Vereins „Frauen für Frauen“ als Zuseherin an unserer Lehrveranstaltung teilnahm, entstand direkt vor Ort eine Kooperation mit der Gastvortragenden und Filmemacherin Martina Trepczyk. Dies führte zu Kino-Vorführungen ihres vielfach preisgekrönten Kurzfilms „Tigereyes“ für Schülerinnen und Frauen in zwei niederösterreichischen Gemeinden. Die LV fungiert hier als direkter Katalysator für wertvolle zivilgesellschaftliche Allianzen.
Auch die studentischen Medienarbeiten bleiben keine reinen Übungsprojekte, sondern erzielen reale Wirkung. Stellvertretend für viele weitere Publikationen stehen hier ein in der LV entstandenes Interview, das in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) erschien, ein eigens entwickeltes Klimathemen-Buch für Kindergartenkinder sowie wirkungsstarke Straßeninterviews auf Instagram. Eine bis heute aktive Chat-Gruppe der Teilnehmenden sichert zudem den disziplinübergreifenden Austausch weit über das Semester hinaus.
Um sicherzustellen, dass dieser Diskursraum möglichst vielen Menschen offen steht, setzen wir gezielt auf hybride Lehre. Wie essenziell diese Struktur als Fundament für echte Teilhabe ist, brachte eine Rückmeldung besonders berührend auf den Punkt: „Danke fürs hybride Format: Die Flexibilität hat es mir ermöglicht, auch mit chronischer Erkrankung immer dabei sein zu können! Das ist gelebte Teilhabe!"
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2024
Die im Sommersemester 2024 initiierte Lehrveranstaltung hat sich aus einem studentischen Pilotprojekt rasant zu einem festen Bestandteil der universitären Lehre entwickelt. Nach der Premiere wurde das didaktische Design im zweiten Durchgang 2025 durch die konsequente Einbindung von Studierenden-Feedback weiter geschärft und professionalisiert. Für 2026 ist die dritte Umsetzung bereits fixiert, womit die langfristige Etablierung des Formats gesichert ist.
Die Übertragbarkeit des Projekts ergibt sich aus seinem klaren und modularen Aufbau: Die didaktische Triade aus interdisziplinären Expert:innen-Input, weiterführende Reflexionsaufgaben und der finalen Umsetzung in angewandte Medienarbeiten lässt sich nahtlos auf völlig andere Themenfelder und Fakultäten anwenden. Das Format ist nicht auf die Klimakrise beschränkt, sondern kann als Modell für transferorientierte Hochschullehre dienen.
Auch institutionell wird die Ausweitung aktiv vorangetrieben: Nach der erfolgreichen Vorstellung des Lehrprojekts beim EPICUR-Forum 2025 in Dänemark gibt es konkrete Bestrebungen, die Lehrveranstaltung ab 2027 in diese europäische Universitätsallianz zu integrieren. EPICUR ist eine europäische Universitätsallianz aus neun Partneruniveritäten, die durch gemeinsame Lehre, Mobilität und Forschung einen offenen, mehrsprachigen und regional vernetzten European-University-Campus aufbaut. Ziel ist es, den Kurs hochschulübergreifend anzubieten und das in Österreich entstandene Konzept europaweit für Studierende zu öffnen.
Institutionelle Unterstützung
Die inhaltliche Qualität und wissenschaftliche Anbindung der Lehrveranstaltung stellt Prof. Herbert Formayer sicher. Ein entscheidender Schritt der Hochschule war zudem die Bewilligung einer Tutor:innenstelle. Diese hilft enorm bei der aufwendigen Koordination der Ringvorlesung, der Kommunikation mit externen Expert:innen und der Betreuung der studentischen Medienprojekte. Dadurch ist die Zukunft des Formats organisatorisch gesichert, ohne den partizipativen Charakter zu verändern.
Für unser hybrides Konzept stellt die BOKU die nötige Hardware und Räumlichkeiten bereit. Dazu gehören optimal ausgestattete Hörsäle für die Hybridlehre sowie die Lernplattform BOKUlearn (Moodle), über die wir sämtliche Materialien, Reflexionsaufgaben und das Peer-Feedback der Studierenden unkompliziert organisieren. Der Zugang der Lernplattform wird dabei auch Studierenden anderer Universitäten und auch Personen ohne Universitätszugehörigkeit ermöglicht.
Die Veranstaltung ist an das offizielle Qualitätsmanagement der BOKU angebunden und wird am Semesterende systematisch evaluiert. Wir nutzen Feedback aber auch ganz aktiv während des Semesters: Gleich in der ersten Einheit holen wir die Erwartungen der Gruppe ein und passen den Lehrplan flexibel an. Die Ergebnisse der offiziellen Evaluierungen und die direkten Rückmeldungen innerhalb der Lehrveranstaltung fließen direkt in die Vorbereitung des nächsten Jahres ein. Durch diesen direkten Feedback-Loop konnten wir das didaktische Konzept nach dem Pilotdurchlauf bereits spürbar verbessern und für die kommenden Jahre weiter schärfen.