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Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026

Virtual Reality AI Legal Art Fair – Wirtschaftsprivatrecht innovativ vermittelt

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Screenshot aus der VR AI Legal Art Fair vom 2.5.2025. Die Studierenden haben ihre Zustimmung zur Verwendung ihrer KI-Kunstwerke erteilt.

Auf dem Screenshot sieht man den Einreichenden als Avatar, in der virtuellen Vernissage. Im Hintergrund sind 2 der besten Studierenden-Art Works des Kurses ausgestellt.

Ars Docendi Kategorie

Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur

Ars Docendi Kriterien

  • Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
  • Innovative Hochschuldidaktik
  • Studierenden- und Kompetenzorientierung

Gruppengröße

< 20

Anreißer (Teaser)

Wo Recht auf KI trifft, entstehen neue Perspektiven. In der VR AI Legal Art Fair machen Studierende trockene Rechtsmaterie erlebbar: Sie übersetzen sie mit generativer KI in digitale Kunstwerke und diskutieren sie in einer immersiven 3D-Vernissage.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Das Lehrformat Virtual Reality AI Legal Art Fair gibt eine neue, innovative Perspektive auf die klassische juristische Wissensvermittlung. Sie ist ein konstruktivistisch und arts-based gestaltetes, immersives Lehrprojekt, das AI Literacy, Digital Creativity und kommunikative Kompetenz fördert. Durch die Verbindung von Visual Learning, KI-gestützter Kreativität und immersiver Kollaboration entsteht ein aktiver, reflexiver Lernprozess, in dem Studierende ihr Wissen kreativ anwenden können, und die human-machine-interaction geschult wird.

Umgesetzt im Rahmen der Übung Wirtschaftsprivatrecht 2 (und ihrem englischsprachigen Pendant), analysieren Studierende des 2. Studiensemesters zentrale Rechtsinstitute (z. B. Firmenbuch, Handelsvertreterrecht, Immaterialgüterrecht) und übersetzen diese Inhalte mithilfe generativer künstlicher Intelligenz in digitale Legal Artworks. Die Studierenden schlüpfen selbst in die Rolle von Künstler:innen, nachdem in der Lehrveranstaltung zuvor der Schutz von Urheberrechten an Kunstwerken diskutiert wurde. Die Artworks werden anschließend in einer virtuellen 3D-Galerie im Rahmen einer digitalen Vernissage präsentiert, die als interaktive Reflexionsschleife dient. Die Studierenden treten als Avatare auf, stellen ihre Werke vor und diskutieren die rechtlichen sowie gestalterischen Dimensionen mit der Lehrveranstaltungsleitung und ihren Kommiliton:innen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The teaching format Virtual Reality AI Legal Art Fair offers a new and innovative perspective on traditional approaches to legal knowledge transfer. It is a constructivist, arts-based, and immersive teaching project that promotes AI literacy, digital creativity, and communicative competence. By combining visual learning, AI-supported creativity, and immersive collaboration, the format creates an active and reflective learning process in which students can apply their knowledge creatively while developing skills in human–machine interaction.

Implemented within the course Business Private Law 2 (and its German-taught counterpart), second-semester students analyze key legal institutions (e.g. the commercial register, commercial agency law, intellectual property law) and translate these contents into digital legal artworks with the support of generative artificial intelligence. In doing so, students themselves assume the role of artists, following prior discussion in the course on the protection of copyright in works of art. The artworks are subsequently presented in a virtual 3D gallery as part of a digital vernissage, which serves as an interactive reflection loop. Students appear as avatars, present their works, and discuss both the legal and the artistic dimensions with the course instructor and their peers.

Nähere Beschreibung des Projekts

Ausgangslage, Motivation und Ziele

Den Rechtswissenschaften eilt – insbesondere unter Wirtschaftsstudierenden – häufig der Ruf als trockene, theoretische und schwer greifbare Materie voraus (Lee-Remond et al., 2023). Bei diesem Dilemma können Visualisierungen und arts-based learning helfen, das Rechtssystem und rechtliche Verfahren besser zu verstehen und zu kontextualisieren (McLachlan & Webley, 2021). Zur Umsetzung kreativer Lehrformate mit Visualisierungen und arts-based learning haben digitale didaktische Methoden besonders großes Potenzial (Ma, 2025).

Vor diesem Hintergrund wurde das innovative Lehrformat einer Virtual Reality AI Legal Art Fair erstellt und umgesetzt, im Rahmen der 3 ECTS-Übung Wirtschaftsprivatrecht II sowie dem englischsprachigen Parallelkurs Private Business Law II (2. Semester, Pflichtlehrveranstaltung, Bachelor-Studiengänge Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung bzw. European Economy and Business Management). In diesen Lehrveranstaltungen werden Rechtsfiguren wie das Firmenbuch, Unternehmensübergang und Urheberrecht behandelt, die Studierende mithilfe generativer KI (z. B. ChatGPT) in grafischen Illustrationen bzw. studentischen „Kunstwerken“ (Legal Artworks) visualisieren. Die studentischen Werke werden anschließend in einer virtuellen 3D-Galerie in einer „Vernissage“ präsentiert, der namensgebenden Virtual Reality AI Legal Art Fair. In der digitalen Ausstellung treten die Studierenden als Avatare auf, bewegen sich im virtuellen Raum und diskutieren über die rechtlichen und gestalterischen Aspekte ihrer Werke. Die Studierenden stellen ihre Artworks jeweils ca. 5 Minuten vor und müssen anschließend Fragen der Lehrveranstaltungsleitung beantworten.

Lernziele und angestrebte Lernergebnisse

Das innovative didaktische Format adressiert alle der im Hochschulwesen bewährten Lernziel-Taxonomiestufen (gemäß Anderson und Krathwohl, 2001). Zunächst sollen die Studierenden grundlegende Rechtsinstitute (Unternehmensrecht, Gesellschaftsrecht, Handelsvertreterrecht und Urheberrechts) korrekt benennen und deren wesentliche Merkmale darstellen können (Lernzielstufen 1+2). Sie sollen nicht bloß auswendig lernen, sondern den Lernstoff inhaltlich durchdringen, strukturieren sowie in Kontext zu vorhandenem Wissen setzen. Dabei soll die Perspektive auf die grundlegende Funktion des Rechts gelenkt werden, das Zusammenleben in der Gesellschaft zu ordnen und Konflikte zu vermeiden bzw. zu lösen (Kaulbach, 2023, S. 157–158). Bei der Gestaltung der digitalen Artworks setzen die Studierenden juristische Inhalte mithilfe generativer KI um, und wenden dabei ihr Wissen kreativ an (Lernzielstufen 3+4). Sie werden „schöpferisch“ tätig und veranschaulichen das geltende Recht, präsentieren die Visualisierungen und begründen ihre Entstehung reflektiert (Lernzielstufen 4+5+6). In ihren Artworks bewerten die Studierenden die von der Gesetzgebung getroffenen Wertungsentscheidungen rechtspolitisch, und vertreten in der Vernissage ihre eigenen Standpunkte dazu argumentativ (Lernzielstufen 5+6).

Kompetenzorientierung

In der Lehrveranstaltung erwerben die Studierenden ein ganzes Bündel an wissenschaftlichen, digitalen und berufspraktischen Kompetenzen: 

  • Fachlich-analytische Kompetenz (juristische Handlungskompetenz): Fähigkeit, juristische Regelungen und Strukturen selbständig zu analysieren und kontextbezogen anzuwenden. Für Studierende der Wirtschaftswissenschaften ist dies typischerweise sehr herausfordernd und das innovative Lehrkonzept unterstützt den Kompetenzerwerb.
  • Förderung von KI-Kompetenzen: Studierende lernen, generative KI-Tools (z. B. ChatGPT, Mistral) kritisch, reflektiert und verantwortungsvoll einzusetzen, um juristische Inhalte visuell und narrativ zu gestalten. In diesem Sinn unterstützt das Projekt die Entwicklung von Zukunftskompetenzen, die für eine digitalisierte Arbeitswelt zentral sind – darunter Kreativität, Kollaboration, Technologieverständnis und transdisziplinäres Denken.
  • Kreative Kompetenz: Gestaltung von Visualisierungen zur Unterstützung der eigenen kreativen Entwicklung und eines vertieften konzeptuellen Verständnisses.
  • Kommunikative und soziale Kompetenz: Fähigkeit, komplexe Inhalte adressatengerecht, visuell und argumentativ zu präsentieren und mit der LV-Leitung und den Mitstudierenden zu debattieren.
  • Kooperations- und Reflexionsfähigkeit: Zusammenarbeit im virtuellen Raum, Feedbackkultur, kritische Auseinandersetzung mit Technologieeinsatz.

Didaktische Methoden

Das Lehrformat basiert auf einer konstruktivistischen und arts-based didaktischen Konzeption, mit der das „trockene“ law in the books aus einer neuen Perspektive erlebt und kreativ erfahrbar gemacht wird (Eickelberg & Krätzschel, 2021, S. 11).

Die zentralen didaktischen Methoden sind:

  • Arts-based learning, konstruktivistischer Ansatz: Juristische Inhalte werden nicht nur intellektuell, sondern auch ästhetisch und emotional erschlossen. Wenn Studierende abstrakte Rechtsnormen als digitale Kunstwerke visualisieren, stärkt dies die Interpretationsfähigkeit und das Transferdenken. Auch können die Studierenden neue Aspekte von sich selbst entdecken und ihre Fähigkeit verbessern, sich selbst in Beziehung zu anderen und der Gesellschaft als Ganzes zu setzen (Meltzer & Schwencke, 2020, S. 17). Darüber hinaus soll die Integration von Kunst und Kultur in der Hochschuldidaktik das soziale, emotionale und kognitive Wohlbefinden fördern (Du & Chemi, 2017, S. 5).
  • Immersive Learning: Die Präsentation der Werke erfolgt in einer virtuellen 3D-Galerie. Als Avatare bewegen sich die Studierenden durch den Raum, betrachten Werke anderer Gruppen, diskutieren rechtliche und gestalterische Aspekte und beantworten Fragen. Lernen wird dadurch sozial, räumlich und erfahrungsorientiert.
  • Constructive Alignment: Lernziele, Lernaktivitäten und Leistungsbewertung sind konsequent aufeinander abgestimmt. Das Lehrprojekt operationalisiert damit Erkenntnisse aus Visual Learning, Arts-Based Learning und Constructive Alignment und überführt diese systematisch in ein kompetenzorientiertes Prüfungsformat: Lernziel: Verständnis und Kommunikation rechtlicher Zusammenhänge; Aktivität: KI-gestützte kreative Visualisierung; Prüfung: Präsentation und Reflexion der Artworks im Rahmen der Vernissage
  • Blended und Digital Learning: Die Studierenden arbeiten zunächst asynchron und gestalten ihre Kunstwerke mit generativen KI-Tools, bevor sie synchron in der VR-Umgebung interagieren. Dadurch werden zeitlich flexible, kollaborative Lernformen ermöglicht.
  • Peer-Learning, Social Learning und Reflexion: Durch die Vorbereitung der Legal Artworks in Kleingruppen und die „öffentliche“ Vernissage entsteht ein Raum des gegenseitigen Lernens. Die Studierenden reflektieren nicht nur eigene Arbeiten, sondern auch die anderer, wodurch Verständnis, Kritikfähigkeit und Selbstwirksamkeit wachsen.
  • Aktivierung und Motivation: Durch kreative Aufgaben und immersive Lernumgebungen sollen Neugier, intrinsische Motivation und persönliche Auseinandersetzung mit den Lerninhalten gestärkt werden.

Praktische Umsetzung und Ablauf

Die Virtual Reality AI Legal Art Fair wurde erstmals im Sommersemester 2025 eingesetzt. Der Kern der Lehrveranstaltung, die Virtual Reality AI Legal Art Fair, wurde auf FrameVR programmiert und im Rahmen des von der Stadt Wien geförderten Projekts VIWO – Evaluating, Piloting, and Implementing Virtual Worlds in Higher Education entwickelt und umgesetzt.

Die Kurseinheiten finden zur Hälfte in Präsenz statt, als auch online – zur besseren Vereinbarkeit des Studiums mit Berufstätigkeit und Familienleben, wobei die Virtual Reality AI Legal Art Fair jedenfalls online ist. Die LV ist eine Übung, bei der – als immanente Beurteilungskomponenten – für die Art Fair bis zu 30 Punkten erreicht werden können. Zusätzlich können bis zu 20 Mitarbeitspunkte erzielt werden. Abschließend erfolgt eine Endprüfung (50 Punkte, Dauer 90 Minuten), die im Closed Book-Format auf Moodle geschrieben wird. In dieser Endprüfung ist der gesamte Kursinhalt Prüfungsstoff; wobei rechtlichen Konzepten, die in den Artworks visualisiert wurden, eine zentrale Rolle zukommt.

In der Lehrveranstaltung wird besonderer Wert auf das Thema Immaterialgüterrecht (Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht etc.) gelegt, um den Bezug zum Thema Kunst herzustellen. In der 3. Einheit hat eine renommierte Gastvortragende eine Guest Lecture gehalten, Dr. Barbara Sladek, Unternehmerin des Jahres 2022, und ist dabei stark darauf eingegangen, wie das Marken- und Patentrecht grafische Gestaltungen von Unternehmern (z. B. Coca-Cola-Logo) schützen. Nach der Guest Lecture werden die Studierenden in die integre, reflektierte Verwendung von KI-Anwendungen (z. B. Chat GPT, Mistral usw.) – samt immaterialgüterrechtlicher Aspekte – eingeschult, für die Virtual Reality AI Legal Art Fair, die in der anschließenden 4. Kurseinheit stattfindet. Zur Vorbereitung der Art Fair bilden die Studierenden Zweierteams. Sie wählen ein Thema aus dem Lehrveranstaltungsstoff und tragen es auf einem Moodle-Board ein. Anschließend erstellen die Studierenden als Hausarbeit ein KI-generiertes Kunstwerk, das ein Rechtsinstitut (Rechtsfigur) visualisiert und verfassen zusätzlich eine schriftliche Erläuterung, samt Dokumentation der KI Verwendung. Die LV-Leitung stellt die Kunstwerke in eine VR-Galerie ein und versieht sie mit einer Beschriftung (Titel und „Künstler:in“). In der virtuellen Vernissage präsentieren die Studierenden ihre Kunstwerke ca. 3-5 Minuten lang und müssen anschließend Fragen der LV-Leitung zu Ihrem Kunstwerk und verwandten Themen beantworten, sowie Fragen der Kommiliton:innen.

Die Diskussionen im Rahmen der virtuellen Vernissage waren lebhaft und zugleich fachlich anspruchsvoll. Besonders eindrucksvoll war das an den Film The Wolf of Wall Street (2013) angelehnte Kunstwerk „Limited Liability – Jordan’s Innocence“. Es illustrierte das Konzept der Haftungsbeschränkung, das Unternehmer:innen grundsätzlich vor persönlicher Haftung schützt. In der anschließenden Diskussion mussten die Studierenden jedoch präzise darlegen, unter welchen Voraussetzungen diese Haftungsbegrenzung nicht greift – etwa bei strafbaren Handlungen wie im Fall Jordan Belfort – und ihre Argumentation rechtlich fundiert begründen.

Das Artwork „Limited Liability – Jordan’s Innocence“ ist dem Stil des Storytelling zuzuordnen (Eickelberg & Krätzschel, 2021, S. 12). Andere Arbeiten waren stärker als „Strukturbilder“ konzipiert, wie etwa „Representation of Entrepreneurs“, das die unterschiedlichen Formen der Stellvertretung (rechtsgeschäftlich, organschaftlich, gesetzlich) systematisch gegenüberstellte. Dadurch konnten die Studierenden nicht nur die verschiedenen Vertretungsformen korrekt benennen, sondern auch deren Voraussetzungen, Grenzen und Haftungsfolgen differenziert analysieren.

Die Vernissage diente somit als kompetenzorientierte Prüfungssituation, in der juristische Fachterminologie sicher angewendet, normative Zusammenhänge durchdrungen und eigene Positionen argumentativ vertreten werden mussten. In der letzten Kurseinheit findet dann zusätzlich noch die Endprüfung statt. Es handelt sich dabei um eine Closed Book-Prüfung (KI darf nicht verwendet werden), die auf Moodle unter Aufsicht an der FH geschrieben wird.

Innovationsgehalt

Das Projekt spricht mit der Integration von AI und VR und der Verknüpfung von Kunst, Recht und Technologie stark die Wirtschaftsstudierenden des Studiengangs Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung als Zielgruppe an. Sie erhalten mit den KI-generierten Kunstwerken die Möglichkeit, rechtswissenschaftliche Konzepte illustrativ mit Situationen aus dem Wirtschaftsleben zu verknüpfen und die digitale Transformation zu reflektieren.

Ergebnisse, Erfahrungen und Lessons Learned

Die Pilotdurchführung im Sommersemester 2025 wurde von den Studierenden ausgesprochen positiv bewertet, sie nahmen engagiert teil und waren sichtlich angetan von dem innovativen Lehrkonzept.

Akzeptanz und Resonanz

Die LVs sind sehr gut evaluiert worden (Gesamtbewertung: Wirtschaftsprivatrecht II Note 1,0; Private Business Law II Note 1,5). In den Evaluierungen gaben die Studierenden, in der Kategorie “Was mir besonders gut gefallen hat”, als Feedback:

  • AI Art Fair
  • Everything
  • I enjoyed the AI art fair. While the actual content of this course wasn't the most interesting to me personally, the AI art fair really enhanced the enjoyment of a topic that I wouldn't usually find interesting
  • Virtual reality, und sehr spannend erklärt

Die Studierenden waren bei der Vernissage sehr motiviert und schätzen den spielerisch-kreativen Zugang zu einem klassischen Fachgebiet. Auch werden die Studierenden für die Rechtswissenschaften begeistert – was gerade an einer Wirtschaftshochschule wichtig ist. Die Evaluierungsergebnisse decken sich mit den Meinungen aus der Fachliteratur, dass rechtliche Visualisierungen zu erhöhtem Student Engagement führen und ein verbessertes Verständnis und aktive Beteiligung im Kontext der juristischen Lehre gefördert wird (Lee-Remond et al., 2023, S. 21). Dass Visualisierungen für Verständnis und Studienleistungen förderlich sind, ist auch etwa in der Mathematik empirisch erwiesen (Schoenherr et al., 2024). Auch geht die Wissenschaft davon aus, dass in Form von Bildern präsentierte Informationen länger und nachhaltiger im Gedächtnis bleiben, durch den sog. Bildüberlegenheitseffekt (Eickelberg & Krätzschel, 2021, S. 11).

Positive Effekte der Virtual Reality AI Legal Art Fair zeigen sich auch statistisch, in den Endprüfungen (Moodle-Auswertung „Gesamtdurchschnitt“) der beiden Parallelkurse: So erzielten die Studierenden im SoSe 2024 – ohne die Art Fair – in Private Business Law II im Durchschnitt 32,95 von 50 Punkten (25 Studierende), und in Wirtschaftsprivatrecht II im SoSe 2023 nur 28,88 Punkte (16 Studierende). 2025 erreichten die Studierenden in den Endprüfungen deutlich mehr Punkte: so im Kurs Private Business Law II in der Endprüfung durchschnittlich 36,52 Punkte (27 Studierende), und im Kurs Wirtschaftsprivatrecht II sogar 41,15 von 50 Punkten (17 Studierende).

Diese Auswertung der Moodle-Endprüfungen zeigt eine deutliche Leistungssteigerung der Studierenden. Das bessere Abschneiden bestätigt die Annahme in Literatur und Wissenschaft zu den positiven Effekten von visual- und arts-based learning (siehe nächster Teil „Nutzen und Mehrwert“). Die Studierenden scheinen sich in der Art Fair eingehender mit dem Stoff auseinanderzusetzen, ihn stärker zu verinnerlichen und sich ihn nachhaltiger einzuprägen.

Die Aussagekraft dieser statistischen Auswertung muss natürlich dahingehend relativiert werden, dass z. B. die Studierendengruppen in den Kursen mit Art Fair insgesamt besser gewesen sein könnten (worauf es jedoch keine Hinweise gibt). Prima facie spricht die Statistik damit für eine Steigerung der Studierendenleistung durch das Visual- und Art-based Learning.

Nutzen und Mehrwert

Der besondere Nutzen und Mehrwert der Virtual Reality AI Legal Art Fair liegt darin, klassische Wissensvermittlung in ein interaktives, partizipatives, visuelles und technologiegestütztes Lernerlebnis zu transformieren und hochschuldidaktisch aufzuwerten. Das didaktische Format ist stark studierendenzentriert (im Sinne des hochschuldidaktischen Konzepts der FH des BFI Wien) und die Kursteilnehmer:innen werden zu Co-Creators ihres Lernprozesses. Ein Alleinstellungsmerkmal des Projekts liegt darin, dass „trockene“ Rechtsmaterie erlebbar gemacht wird und die Studierenden ihr Wissen kreativ anwenden können. Das Lehrkonzept macht sich dabei positive Effekte von bild- und kunstbasiertem Lernen zunutze (Meltzer & Schwencke, 2020). Die Vernissage, in der die Artworks präsentiert und diskutiert werden, ist zugleich ein kompetenzorientiertes Prüfungsformat. Neben Fachkompetenzen werden auch Methodenkompetenzen, Sozialkompetenzen und Selbstkompetenz geschult.

Ein bedeutender Mehrwert des Projekts liegt auch darin, die Studierenden in der human-machine-interaction zu schulen. Sie sind einerseits aufgefordert, in der Gestaltung der Artworks KI zu nutzen, müssen aber zugleich in der Vernissage Fragen zu ihren Gestaltungen beantworten (interaktive Reflexionsschleife). Auch hat die Lehrperson die Studierenden in der Diskussion darauf aufmerksam gemacht, dass der KI manchmal Fehler in den Artworks unterlaufen (z. B. Rechtschreibfehler bei Beschriftungen in den Grafiken), was einen kritischen Blick auf KI-Outputs vermittelt. Dadurch erlernen die Studierenden einen reflektierten Umgang mit KI, dass Hochwertigkeit und Aussagekraft eines KI-Kunstwerks maßgeblich davon abhängen, wie gut Gestaltungsideen und Prompts durchdacht sind. Die Studierenden nehmen aus dem Kurs mit, dass KI letztlich nur ein Werkzeug ist, bei dem der Erfolg des KI-Outputs wesentlich von den menschlichen Vorüberlegungen und einer kritischen Überprüfung und Nachbesserung abhängt.

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2025

Das Lehrprojekt wurde erstmals im Sommersemester 2025 umgesetzt und wird nun fortgeführt und weiterentwickelt, nach neuen Funktionalitäten auf FrameVR, neuen Gesetzesvorhaben und Studierendenfeedback.

Das konstruktivistische arts-based learning-Konzept lässt sich gut auf andere Lehrveranstaltungen mit immanenten Beurteilungskomponenten übertragen. Neben rechtswissenschaftlichen Fächern bieten sich insbesondere wirtschafts- und politikwissenschaftliche Lehrveranstaltungen an, in denen Studierende theoretische oder normative Konzepte kreativ-analytisch aufbereiten und visuell erfahrbar machen. Im Studiengang People and Culture Management könnten etwa soziale Interaktionen, Führungsdynamiken oder Konfliktsituationen künstlerisch visualisiert werden.

Auch für technisch oder analytisch orientierte Studiengänge lässt sich der Ansatz adaptieren, indem der künstlerische Zugang um strukturierte, datenbasierte Visualisierungen ergänzt wird. So können im Studiengang Projektmanagement und IT etwa Organisations- und Kommunikationsstrukturen und im Studiengang Logistik und Transportmanagement Lieferketten oder Netzwerkprozesse visuell umgesetzt werden.

Perspektivisch erscheint besonders lohnend, die Art Fair als internationale und hochschulübergreifende Plattform zu nutzen. Hierfür bieten sich das Collaborative Online International Learning (COIL) oder ein Blended Intensive Programm (BIP) an. Die virtuelle Galerie ermöglicht eine ortsunabhängige Teilnahme und damit eine ressourcenschonende, internationale Zusammenkunft. Eine solche Einbeziehung Studierender unterschiedlicher Nationen verspricht einen noch regeren Austausch von Ideen, Diversität sowie, dass die Artworks noch „bunter“, vielfältiger und kreativer werden.

Institutionelle Unterstützung

Die virtuelle Lernwelt hat der Einreichende im Rahmen eines derzeit an der FH des BFI durchgeführten Drittmittel-Projekts „VIWO“ der Magistratsabteilung 23 der Stadt Wien kreiert. Das Drittmittelprojekt verfolgt das Ziel, Lehrkonzepte durch die Integration von virtuellen Welten (Virtual Reality) zu visualisieren. Es nehmen ca. 10 Lehrende der FH des BFI daran teil. Alle 1–2 Monate findet ein Projektmeeting statt, in dem die Lehrenden in verschiedene technische Möglichkeiten zur Umsetzung virtueller Welten eingeführt werden. Lehrende stellen auch bereits Pilotprojekte vor und es findet ein reger Austausch über die Projektideen statt. Zur Erstellung der virtuellen Galerie konnte der Einreichende sowohl didaktisches Coaching als auch Programmier-Unterstützung durch Digital Learning Expert:innen in Anspruch nehmen.

Die Lehrveranstaltung ist im Rahmen der allgemeinen LV-Evaluierung von den Studierenden bewertet worden. Darüber hinaus hat das Teaching & Learning Center der FH des BFI Wien eine ausführliche Begleitevaluierung des VIWO Projekts durchgeführt. Es wurde ein Feedback-Interview mit der LV-Leitung geführt und zusätzlich eine standardisierte Befragung der Studierenden des Kurses.

Das Studierenden-Feedback zum Projekt ist in einer VIWO-Sitzung behandelt worden und fließt so in die Qualitätsverbesserung aller am Projekt teilnehmenden Kurse bzw Lehrenden ein. Einige Projektteilnehmer:innen sind mit ihren digitalen Lehrkonzepten noch am Anfang und können dadurch sehr gut auf den Erfahrungen des Einreichenden und der studentischen Rückmeldungen aufsetzen.

Die positiven Rückmeldungen aus den Evaluierungen geben Anreiz, die Virtual Reality AI Legal Art Fair auf weitere Lehrveranstaltungen auszurollen, und zwar sowohl in der eigenen Lehre des Einreichenden wie auch bei den seinem Fachbereich zugeordneten nebenberuflichen Lehrenden (siehe näher unter „Übertragbarkeit und Langlebigkeit“). Bei dieser Ausrollung werden die Studierenden-Feedbacks, die der Einreichende erhalten hat, berücksichtigt und tragen so zur Qualitätsverbesserung bei.