Projekte entdecken

Zuletzt aktualisiert am 12.06.2026

Übung Arzneimitteltherapiesicherheit: Gespräche gestalten – Verantwortung übernehmen

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Klinische Pharmazie

Poster zur Lehrveranstaltung

Ars Docendi Kategorie

Kooperative Lehr- und Arbeitsformen

Ars Docendi Kriterien

  • Innovative Hochschuldidaktik

Gruppengröße

< 20

Anreißer (Teaser)

Kommunikative Kompetenz entsteht durch Übung und Reflexion. Die Lehrveranstaltung schafft einen geschützten Raum: In Simulationen trainieren Studierende Gesprächsführung, interprofessionelle Diskussion und Human Factors als Teil Apothekenpraxis.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Das Ziel der Lehrveranstaltung (UE Arzneimitteltherapiesicherheit, 740543) ist der kommunikative Kompetenzaufbau, der Studierende schrittweise von Grundlagen zu komplexen interprofessionellen Handlungssituationen führt. Die 4 Phasen bauen systematisch aufeinander auf.

 

Phase 1: Kommunikationsgrundlagen

Die Studierenden erarbeiten Prinzipien professioneller Gesprächsführung: aktives Zuhören, Gesprächsstrukturierung sowie den Umgang mit schwierigen Dynamiken und eigenen Vorurteilen.

 

Phase 2: Beratungssituation mit Patient:innen

In realitätsnahen Rollenspielen übernehmen Studierende wechselnde Rollen als Apotheker:in, Patient:in oder BeoBeobachter:in. Durch Perspektivenwechsel und strukturiertes Feedback lernen sie, Gespräche patientenzentriert zu führen und auf emotionale Situationen professionell zu reagieren.

 

Phase 3: Informationsweitergabe und Diskussion mit Ärzt:innen

In simulierten Gesprächen mit Medizinstudierenden werden strukturierte Informationsweitergabe, klare Argumentation und Diskussion auf Augenhöhe trainiert. Im Fokus stehen Rollenklarheit, professionelle Positionierung und kooperative Entscheidungsfi ndung.

 

Phase 4: Human Factors

Abschließend reflektieren die Studierenden unter Anleitung einer zertifizierten Spezialistin Stress, Hierarchiedynamiken und Teaminteraktionen. Diese Phase verknüpft individuelle Kommunikation mit systemischen Einflüssen und stärkt das Bewusstsein für Sicherheit und Verantwortung.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The aim of the course (UE Medication Therapy Safety, 740543) is to build communicative competence, guiding students from foundational principles to complex interprofessional practice situations. The four phases build systematically upon one another.

 

Phase 1: Foundations of Communication

Students work through the principles of professional communication: active listening, conversation structuring, dealing with difficult dynamics and personal biases.

 

Phase 2: Counseling Situations with Patients

In realistic role-play exercises, students take on alternating roles as pharmacist, patient, or observer. Through perspective-taking and structured feedback, they learn to conduct patientcentred conversations and respond professionally to emotional situations.

 

Phase 3: Information Exchange and Discussion with Physicians

In simulated conversations with medical students, structured information exchange, clear argumentation, and discussion at eye level are practised. The focus is on role clarity, professional positioning, and cooperative decision-making.

 

Phase 4: Human Factors

In the final phase, students reflect—under the guidance of a certified specialist—on stress, hierarchical dynamics, and team interactions. This phase links individual communication with systemic influences and strengthens awareness of safety and responsibility.

Nähere Beschreibung des Projekts

Ausgangssituation und Problemstellung

Die pharmazeutische Berufspraxis ist zunehmend durch komplexe Kommunikationssituationen, interprofessionelle Zusammenarbeit und sicherheitsrelevante Entscheidungsprozesse geprägt. Apotheker:innen übernehmen dabei nicht nur eine beratende Rolle gegenüber Patientinnen und Patienten, sondern agieren auch als zentrale Schnittstelle im multiprofessionellen Gesundheitssystem. Trotz dieser hohen Anforderungen werden kommunikative Kompetenzen und sogenannte „human factors“ im traditionellen Pharmaziestudium häufig weniger systematisch vermittelt als fachliche Inhalte. Insbesondere herausfordernde Gesprächssituationen – etwa bei Medikationsanalysen (der systematischen Überprüfung der Medikation von Patienten – eine Schlüsselkompetenz der Apotheker:innen), interprofessioneller Kommunikation mit Ärztinnen und Ärzten oder im Umgang mit emotional belasteten Patientensituationen (sowohl in der öffentlichen Apotheke als auch im Krankenhaussetting) – erfordern neben fachlichem Wissen auch ausgeprägte soziale, kommunikative und reflexive Kompetenzen. Studierende benötigen daher geschützte Lernräume, in denen sie diese Fähigkeiten aktiv erproben, reflektieren und weiterentwickeln können. Vor diesem Hintergrund wurde die vorliegende Lehrveranstaltung entwickelt. Sie füllt die Lücke zwischen theoretischem Wissen und praktischer Kommunikationskompetenz, indem sie strukturierte kooperative Lernsettings schafft, in denen Studierende realitätsnahe Szenarien ausarbeiten, Rollen übernehmen und ihre eigenen Handlungsstrategien kritisch (in Kleingruppen und im Plenum) reflektieren.

 

Projektbeschreibung

Die Lehrveranstaltung befindet sich im ersten Abschnitt des Masterstudiums der Pharmazie im Pflichtfach Klinische Pharmazie. Die Teilungsziffer für die Gruppen beträgt 12. Diese Gruppengröße erlaubt intensive Kleingruppenarbeit sowie individuelle Rückmeldung durch die Lehrpersonen. Das didaktische Konzept der Lehrveranstaltung basiert auf einem kompetenzorientierten, erfahrungsbasierten und kooperativen Lernansatz, der Kommunikation als situative Handlungskompetenz versteht. Den Studierenden werden vor Beginn der Lehrveranstaltung Medikationsanalysefälle (fiktive Patientenfälle mit einer komplexen Medikation, die erfahrungsgemäß zu Schwierigkeiten mit der Therapie führen und daher mit den Patient:innen und den Ärzt:innen besprochen werden sollten) inklusive deren möglicher Lösungen zur Verfügung gestellt. Diese Fälle werden in Phase 2 und 3 als Gesprächsgrundlage verwendet.

 

Phase 1:

Kommunikationsgrundlagen Der Fokus dieser Phase beruht auf einer Einführung in professionelle Gesprächsführung, Gesprächsstruktur, aktives Zuhören, Fragetechniken und den Umgang mit schwierigen Gesprächsdynamiken. Im Laufe dieses 6-stündigen Blockes wird in einem geschützten Lernsetting durch experimentelles Lernen (Rollenspiele von Gesprächssituationen, aktives Zuhören, Telefonkonsultation) ein gemeinsames Vokabular geschaffen und erste Handlungssicherheit entwickelt. Die Studierenden lernen in Kleingruppen ihren eigenen und fremde Kommunikationsstile kennen und wenden Techniken an, um schwierige Gesprächssituationen professionell zu meistern.

 

Phase 2:

Beratungssituation mit Patient:innen Der Fokus dieser Phase liegt auf der patientenzentrierten Gesprächsführung (nach zuvor erlernten Formaten wie dem Calgary-Cambridge-Guide) in einer Medikationsanalyse-Situation und dem Umgang der Studierenden mit ihren eigenen Emotionen und den Emotionen der Patient:innenseite. In den 3 Stunden dieses Blocks verkörpern die Studierenden unterschiedliche Rollen (Apotheker:in, Patient:in, Beobachter:in), lernen, zielgerichtet Probleme zu kommunizieren, und erfahren die selbe Situation aus der Sicht ihrer „Patient:innen“. Durch strukturierte Feedbackrunden (Beobachtungsaufträge und systematische Nachbesprechung) verbessern die Studierenden ihre Techniken und erhöhen ihr Wissen und ihre Handlungsfähigkeit.

Phase 3:

Informationsweitergabe und Diskussion mit Ärzt:innen Der Fokus dieser Phase liegt auf der Anwendung der erworbenen Kommunikationskompetenz in einem interdisziplinären Setting In diesem 3-stündigen Block besprechen die Pharmazie- Studierenden (als Pharmazeut:innen und Beobachter) die bereits ausgearbeiteten Patient:innenfälle mit teilnehmenden Medizinstudierenden (als Ärzt:innen). Alle Studierenden wenden in dieser Phase (zuvor erlernte) strukturierte Kommunikationsformate (z. B. das SBARSystem) an, um zu einer teamorientierten Entscheidungsfindung zu kommen, wobei der Fokus auf der Patient:innensicherheit liegt. Durch die sachliche Diskussion von unterschiedlichen Perspektiven trainieren die Studierenden ihre Konfliktfähigkeit. Auch in dieser Phase finden strukturierte Feedbackrunden mit Beobachtungsaufträgen und Nachbesprechung statt.

 

Phase 4:

Human Factors Unter Anleitung einer zertifizierten Human-Factors-Expertin setzen sich die Studierenden in diesem 3-stündigen Block kritisch mit menschlichen Faktoren auseinander, die Entscheidungsprozesse und Teamarbeit beeinflussen. Die Zusammensetzung aus Vorträgen, Diskussionsformaten und reflektierenden Übungen unterstützt die Übertragung dieser Erkenntnisse auf das eigene professionelle Handeln.

 

Didaktische Begründung in theoretische Fundierung

Die Entwicklung kommunikativer Handlungskompetenz erfolgt im Sinne des erfahrungsbasierten Lernens nach Kolb (1984), indem Studierende konkrete Erfahrungen in Simulationen machen, diese reflektieren und in neuen Situationen anwenden. Die eingesetzten Rollenspiele und interprofessionellen Simulationen orientieren sich an der gesundheitswissenschaftlichen Ausbildungsforschung, die zeigt, dass simulationsbasiertes Lernen klinische Kommunikationsfähigkeiten und Patientensicherheitskompetenzen wirksam fördert (Issenberg et al., 2005; Reeves et al., 2016). Die systematische Integration von Feedback- und Reflexionsphasen unterstützt die Entwicklung professioneller Identität. Darüber hinaus greift der „Human Factors“-Block auf Erkenntnisse der Sicherheits- und Organisationsforschung zurück, die menschliche Faktoren, Teamdynamiken und kognitive Verzerrungen als zentrale Einflussgrößen für Entscheidungsqualität im Gesundheitswesen beschreiben (Reason, 1990; Flin et al., 2008). Das Projekt zielt explizit auf den Erwerb von Kompetenzen ab, die im „Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Pharmazie“ (NKLP) verankert sind (patientenorientierte Kompetenz, Kommunikationskompetenz, interprofessionelle Kompetenz).

Akzeptanz und Resonanz

Die Lehrveranstaltung erhielt die letzten Jahre sehr gute interne Evaluierungen. Auf die

Verbesserungsvorschläge der Studierenden wird eingegangen und die Lehrveranstaltungsinhalte werden dahingehend jedes Jahr angepasst.

Ausgewählte Kommentare aus der Lehrevaluation des Seminars:

  • „Die Lehrveranstaltung hat sehr viel Spaß gemacht und ich finde sie auch sinnvoll.“
  • „Der Teil des Kommunikationsseminars hat wirklich Spaß gemacht.“
  • „Eventuell könnte man Dos und Don'ts bringen. Erfolgreiche Beispiele und schiefgegangene Gespräche“

 

Nutzen und Mehrwert

  • Nachhaltige Sensibilisierung der Studierenden für sicherheitskritische Situationen im Gesundheitswesen
  • Stärkung der beruflichen Positionierung und Vorbereitung auf reale Schnittstellenarbeit
  • Langfristige Lernfähigkeit („learning professional“) statt einmaliger Kompetenzaneignung
  • Ganzheitliche Professionalisierung pharmazeutischer Ausbildung

 

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2021

Das didaktische Konzept ist modular aufgebaut und auf andere gesundheitswissenschaftliche Studiengänge übertragbar (mit kleinen Anpassungen auch auf alle anderen Studiengänge, die Kommunikation zwischen verschiedenen Berufsgruppen als praxisrelevant sehen). Es verbindet Simulation, kooperatives Lernen und systematische Reflexion in einem klar strukturierten Format.

Institutionelle Unterstützung

Der Service für Lehrende umfasst Lehreplanung und Teaching Support. Es wurde eine UIBK interne Lehrveranstaltungsanalyse durchgeführt.

Kooperationspartner/innen

Weitere inländische Hochschulen

  • Medizinische Universität Innsbruck