Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
True Anatomy - Anatomie ohne Grenzen: Immersives Lernen mit digitalen Körperspenden in VR
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
MedUni Wien
Darstellung ausgewählter Interaktionen im VR Praktikum aus Sicht der Studierenden
Ars Docendi Kategorie
Qualitätskultur, Studierendenzentrierung und Studierbarkeit
Ars Docendi Kriterien
- Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
- Perspektivenerweiterung und Internationalisierung
- Partizipation und Mitgestaltung
Gruppengröße
> 150
Anreißer (Teaser)
„True Anatomy“ bringt den Sezierssaal ins Headset: Es ermöglicht regulären und physisch beeinträchtigen Studierenden dreidimensionales Lernen, sowie individuelles und interaktives virtuelles „Sezieren“ an digitalisierten Körperspendematerialien.
Kurzzusammenfassung des Projekts
„True Anatomy“ ist ein, seit 2024 erfolgreich implementiertes Lehrprojekt der Medizinischen Universität Wien, das die anatomische Lehre und den klassischen Sezierkurs durch eine immersive Virtual-Reality-Lernumgebung ergänzt. Grundlage sind stratigraphisch digitalisierte reale Körperspenden, die als digitale Zwillinge individuell und interaktiv erkundet werden können. 2D und 3D Videosequenzen erklären die anatomischen Strukturen. Pro Jahr absolvieren 800 Studierende der Human- und Zahnmedizin ein Pflichtpraktikum in dem „True Anatomy“ als Lehrmittel erfolgreich eingesetzt wird. Sie erhalten einen autonomen, niederschwelligen und einfachen Zugang zu realitätsnahen anatomischen Unterrichtsmitteln. Darüberhinaus ermöglich es das virtuelle Setting auch körperlich beeinträchtigen Studierenden, die keinen Sezierkurs besuchen können, sowie Studierenden paramedizinischer Professionen vom Lernen an menschlichen Körperspenden zu profitieren. Geführte Lernpfade, interaktive Annotationen, integrierte Selbsttests und gezielte Gamification-Elemente fördern aktives, kompetenzorientiertes Lernen. Erste Evaluationen zeigen hohe Akzeptanz und verbesserte räumliche Orientierung der Studierenden. Aufbauend auf diesem erfolgreichen Start wird „True Anatomy“ derzeit technisch und didaktisch weiterentwickelt. Das Projekt versteht sich als evidenzbasierte, skalierbare Erweiterung anatomischer Lehre mit besonderem Fokus auf niederschwelliger Zugänglichkeit und nachhaltiger Lernwirksamkeit.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
“True Anatomy” was launched in 2024 and has been successfully integrated into the regular medical curriculum of the Medical University of Vienna (MCW). Approximately 800 students per year use it as a preparatory and complementary learning tool. “True Anatomy” is based on digital twins of stratigraphically digitized human body donors, which can be interactively explored in a VR setting. 2D and 3D video sequences, gaming approaches and self-assesment tools complement the teaching approach. The tool enables students to engage autonomously and interactively with human body donors outside the dissection room and thus enables physically disabled students who are unable to attend dissection classes to profit from learning with body donor material. Guided learning pathways, interactive annotations, integrated self-assessments, and carefully designed gamification elements promote active, competency-based learning and strengthen students’ self-efficacy. Initial evaluations show high acceptance and improved spatial understanding among students and permitted optimizing the technical and pedagogical components. The project provides an evidence-based, scalable extension of anatomy teaching with a strong focus on accessibility and sustainable learning outcomes. Although primarily designed for medical students, it will also support teaching anatomy to students of paramedical subjects and assist recapitulation of anatomical details in postgraduate courses.
Nähere Beschreibung des Projekts
Das Lehrprojekt „True Anatomy“ wurde im Jahr 2024 an der Medizinischen Universität Wien gestartet und erfolgreich in die reguläre anatomische Lehre integriert. Seitdem ist es fixer Bestandteil eines anatomischen Pflichtpraktikums von rund 800 Studierenden der Human- und Zahnmedizin. Aufbauend auf die erfolgreiche Implementierungsphase wird das Projekt derzeit systematisch weiterentwickelt, technisch erweitert und didaktisch vertieft. Es handelt sich somit nicht um ein konzeptionelles Vorhaben, sondern um ein bereits etabliertes und evaluiertes Lehrformat, das sich nun in der ersten Phase der gezielten Konsolidierung und Skalierung befindet. Eine Ausrollung auf Fachhochschulen und anderen nationale und internationale Medizinische Universitäten ohne eigene Körperspendefacilities ist eingeleitet.
Ausgangspunkt des Projekts war eine strukturelle und didaktische Herausforderung: Die Anatomie ist ein zentrales Grundlagenfach in der Ausbildung von Mediziner:innen, Zahnmediziner:innen und Gesundheitsberufen. Gleichzeitig ist sie eines der komplexesten Fächer im Studium. Sie erfordert räumliches Denken, systematisches Vorgehen und den Umgang mit menschlichen Präparaten. An einem Standort wie Wien mit jährlich rund 800 Studienanfänger:innen entsteht dadurch eine doppelte Herausforderung: Einerseits müssen große Kohorten von Studierenden organisatorisch bewältigt werden, andererseits soll eine qualitativ hochwertige, individuelle und nachhaltige Lernerfahrung gewährleistet bleiben. Hinzu kommt, dass der erste Kontakt mit menschlichen Körperspenden für viele Studierende emotional fordernd ist. Unsicherheit, Berührungsängste oder Überforderung können den Einstieg in die anatomische Sektion und praktische anatomische Lehre erschweren. Gleichzeitig ist die Zeit im Seziersaal begrenzt und stark strukturiert. Wiederholungen sind aufgrund des Unterrichtes an schichtweisen präparierten Körpern nur eingeschränkt möglich. Vor diesem komplexen Hintergrund entstand die Idee, eine Lernumgebung zu entwickeln, die Studierenden einen autonomen, interaktiven, individuellen, schonenden und niederschwelligen „hands-on“ Zugang zur Anatomie ermöglicht, sowie Studierenden die nicht sezieren können die Möglichkeit zu eröffnen an Körperspenden zu lernen. Das Ergebnis des intensiven Entwicklungs- und Evaluierungsprozesses ist das teaching tool „True Anatomy“. Es stellt eine immersive Virtual-Reality-Lernumgebung dar, die auf stratigraphisch präparierten und digitalisierten realen Körperspenden basiert. Studierende arbeiten supervidiert, aber selbstbestimmt mit „digitalen Zwillingen“ echter Präparate. Diese können schichtweise freigelegt, gedreht, isoliert, partiell ausgeblendet und in ihrer Lagebeziehung untersucht werden. Interaktive Elemente ermöglichen spielerisches Lernen. Im Unterschied zu rein künstlich modellierten 3D-Körpermodellen beruhen die Darstellungen in „True Anatomy“ auf realen anatomischen Präparaten. Sie zeigen dadurch korrekte Dimensionen und Topologien und berücksichtigen Variationen sowie geschlechtsspezifische Unterschiede in allen Organen und Regionen.
Der didaktische Schwerpunkt von „True Anatomy“ liegt klar auf den Lernmethoden und nicht auf der bloßen Visualisierung. Ziel ist es, aktives Lernen zu ermöglichen. Studierende erkunden Strukturen selbstständig, erhalten kontextbezogene Annotationen direkt am Objekt und können ihren Lernstand durch integrierte Selbsttests überprüfen. Geführte Lernpfade strukturieren komplexe Inhalte in nachvollziehbare Schritte. Dabei wird bewusst ein kompetenzorientierter Ansatz verfolgt: Es geht nicht nur um das Benennen einzelner Strukturen, sondern um räumliche Orientierung, systematisches Vorgehen und das Verstehen topologischer und funktioneller Zusammenhänge. Ein zentrales Element ist der gamifizierte Zugang. Fortschrittsanzeigen, Kompetenzstufen oder kleine Herausforderungen dienen der Motivation und unterstützen kontinuierliches Üben. Der spielerische Rahmen senkt Hemmschwellen und stärkt die Wirksamkeit, ohne die fachliche Tiefe zu reduzieren.
Administrativ verfolgt die Implementierung von „True Anatomy“ zwei zentrale Ziele: Erstens soll jede:r einzelne Studierende frühzeitig und in einem geschützten Rahmen mit der Dreidimensionalität, Geschlechtsdiversität und Variabilität menschlicher Anatomie in intensiven Kontakt kommen. Zweitens sollen die organisatorischen und didaktischen Herausforderungen, die sich aus der Betreuung von jährlich rund 800 Studierenden ergeben, strukturell entschärft werden. Wenn grundlegende Orientierung und erste Vertrautheit mit Körpersependematerialien bereits vor Beginn der anatomischen Sektion menschlicher Körper im Sezierkurs aufgebaut werden, kann die wertvolle Präsenzzeit im Seziersaal effizienter genutzt werden. Bereits im Startjahr 2024 wurde das Projekt in das reguläre Curriculum Human- und Zahnmedizin integriert und mit rund 800 Studierenden durchgeführt. 2025 wurde es mit vergleichbarer Teilnehmerzahl fortgeführt. Zusätzlich standen die virtuellen Lehrmittel als Unterstützung für die Studierenden in den Sezierkursen und in Wahlfächern zur Verfügung. Zur Unterstützung und Supervision wurde ein eigenes Tutoriumssystem mit studentischen und akademischen Lehrenden aufgebaut. Die Evaluationen zeigen eine hohe Akzeptanz der Studierenden, eine gesteigerte Motivation sowie eine verbesserte räumliche Orientierung vor Beginn des Sezierkurses. Studierende berichten insbesondere, dass die virtuelle Vorbereitung Sicherheit vermittelt und den Einstieg in die reale Sektion erleichtert. Auf Basis dieser positiven Rückmeldungen wird das Projekt nun weiter ausgebaut. Der Umfang digitalisierter Präparate wird erweitert, die Annotationstiefe erhöht und die Benutzeroberfläche weiter optimiert. Zusätzlich werden systematische Prä-Post-Evaluationen implementiert, um Lernerfolge noch genauer zu messen.
Ein besonderes Anliegen des Projekts ist die einfache Zugänglichkeit. Die VR-Umgebung eröffnet Studierenden mit physischen Einschränkungen Möglichkeiten, eigenständig mit dreidimensionalen anatomischen Objekten zu arbeiten. Während eine anatomische Sektion kontinuierliche manuelle Arbeit unter Supervision erfordert und daher körperliche Unversehrtheit voraussetzt, ermöglicht VR auch körperlich eingeschränkten Studierenden ein interaktives „hands-on“-Erleben in angepasster Form. Barrieren werden dadurch reduziert und die Qualität der Ausbildung beeinträchtigter Personen wird gesteigert. Dies vor dem Hintergrund, dass an der Anatomie der MedUni Wien seit Jahren individuell angepasste Curricula für Studierende mit besonderen Bedürfnissen umgesetzt werden. VR schafft in diesem Spannungsfeld eine zusätzliche Option: Sie kann wissenschaftliche Karrierewege in medizinischen Fächern offenhalten, auch wenn körperliche Einschränkungen eine spätere klinische Tätigkeit erschweren oder ausschließen. Damit leistet das Projekt einen großen Beitrag zu Diversität und Chancengleichheit in der akademischen Ausbildung.
Die Zielgruppen des Projekts sind derzeit primär Studierende der Human- und Zahnmedizin im vorklinischen Abschnitt. Darüber hinaus eignet sich das modulare System für Studierende paramedizinischer Studiengänge sowie perspektivisch für postgraduelle Fort- und Weiterbildungsformate. Die technische Umsetzung auf Standalone-VR-Headsets ermöglicht flexible Einsatzszenarien, sowohl in betreuten Lehrveranstaltungen als auch im eigenständigen Studium. In seiner Gesamtheit verbindet „True Anatomy“ reale Körperspenden, immersive Technologie und ein explizit kompetenzorientiertes Lehrdesign. Es versteht sich nicht als Ersatz der Dissektion, sondern als didaktisch fundierte Erweiterung. Die erfolgreiche Implementierung seit 2024 zeigt, dass der Ansatz praktikabel und für die Studierenden gewinnbringend ist. Die laufende Weiterentwicklung baut auf diesen Erfahrungen auf und verfolgt das Ziel, anatomisches Lernen langfristig zugänglicher, strukturierter und nachhaltiger zu gestalten. Damit steht das Projekt exemplarisch für eine Lehrinnovation, die aus der Praxis heraus entstanden ist, erfolgreich gestartet wurde und nun konsequent weiterentwickelt wird – mit klarem Fokus auf Lernwirksamkeit, Skalierbarkeit und Teilhabe.
Akzeptanz und Resonanz
Das Lehrprojekt „True Anatomy“ ermöglicht es einer großen Zahl von Studierenden, erstmals selbstständig und interaktiv die menschliche Anatomie dreidimensional in einem VR-setting zu Erlernen. Die Akzeptanz des Lehrprojekts wurde mittels standardisierter Evaluationsbögen erhoben (n = 606). Vorläufige, nicht finale Daten Rückmeldung kam von nahezu 90% der Studierenden. Von 463 Studierenden mit klarer Position (klare Zustimmung oder Ablehnung formuliert), erkennen 352 einen Mehrwert im Einsatz von „True Anatomy“. 111 Studierende sehen keinen Mehrwert. Damit überwiegt die positive Einschätzung deutlich. Auch hinsichtlich einer zukünftigen VR-Nutzung ergibt sich ein positives Bild. Von 448 Studierenden mit klarer Position würden 270 Studierende eine weitere VR gestützte Lehrveranstaltung ausdrücklich begrüßen. 178 Studierende befürworten den Einsatz von VR nicht. Evaluiert wurde eine Kohorte, die sowohl physische, als auch VR-Ressourcen nutzte. Dies zeigt eine stabile Bereitschaft eines großen Teils der Studierenden, das VR-Format zu verwenden und unterstreicht den Bedarf zur Generierung weiterer Ressourcen. Interessante Ergebnisse brachten Evaluierungen, in denen der VR-Zugang von „True Anatomy“ mit den bislang verwendeten und von der Abteilung für Anatomie produzierten 2D Videos zum Vorbereiten und Erlernen der menschlichen Muskulatur verglichen wurden. 294 Studierende gaben an, den in „True Anatomy“ integrierten, gamifizierten 3D Zugang zu bevorzugen, während 168 Studierende dies verneinten. Auch hier zeigt sich eine deutliche Mehrheit zugunsten des immersiven Formats.
Insgesamt belegen die klar positionierten Rückmeldungen eine substanzielle und mehrheitlich positive Annahme des Projekts – dies, bei einer Beteiligung an der Evaluierung von 90%. Besonders die hohe Zahl an Studierenden, die einen konkreten didaktischen Mehrwert erkennen, unterstreicht, dass „True Anatomy“ als relevante und sinnvolle Erweiterung der anatomischen Lehre wahrgenommen wird, obwohl es sich lediglich um einen ersten Prototypen handelt und der organisatorische Rahmen sich erst in Entwicklung befindet. Zu berücksichtigen ist weiters, dass die Evaluierung in der frühen Implementierungs-Stufe vor allem der Entwicklung der Darstellungsformen diente. Sie wurde aktiv zu einer Verbesserung des Angebots genutzt. Dementsprechend kann von einer kontinuierlichen Verbesserung der Evaluierungsergebnisse in den nachfolgenden Evaluierungen ausgegangen werden.
Nutzen und Mehrwert
„True Anatomy“ verbindet erstmals stratigraphisch digitalisierte reale Körperspendematerialien mit einem interaktiven „hands-on“ und didaktisch fundierten Virtual-Reality-Lehrkonzept. Der zentrale Mehrwert liegt in der Kombination aus Authentizität, Interaktivität und pädagogischer Systematik. Während bestehende VR-Modelle meist auf generischen 3D Körpern basieren, arbeitet „True Anatomy“ mit digitalen Zwillingen realer Präparate. Dadurch werden reale Dimensionen anatomischer Strukturen, sowie Variationen und geschlechtsspezifische Details systematisch in die Lehre integriert – ein wesentlicher Beitrag zu einer realitätsnahen und bias-sensiblen Ausbildung. Ein zusätzliches Alleinstellungsmerkmal ist die Flexibilisierung der Lehre: Die Module sind orts- und zeitunabhängig nutzbar und erlauben wiederholbares, selbstgesteuertes Lernen. Beim Einsatz zur Unterstützung von Sezierkursen, können sohin Präsenzzeiten im Seziersaal reduziert und für gezielte, vertiefende Diskussion, Anleitung und Reflexion genutzt werden. Administrativ, ermöglicht das System eine Skalierung auf große Studierendenzahlen, ohne die individuelle Lernaktivität zu reduzieren. Besonders hervorzuheben ist die niederschwellige Partizipation: Studierende können bereits vor dem ersten Präparierkurs in einer geschützten Umgebung Erfahrungen sammeln und Hemmschwellen abbauen. Integrierte Selbsttests und Gamification-Elemente stärken Motivation und Selbstwirksamkeit. Das Projekt fördert zudem Inklusion und Chancengleichheit: Es eröffnet Studierenden mit eingeschränkter physischer Kapazität einen breiten und einfachen Zugang zur stratigraphischen Erarbeitung anatomischer Inhalte. Schließlich schafft „True Anatomy“ neue Formen der Kooperation zwischen Anatomie, Medizindidaktik und VR-Entwicklung. Die enge Verzahnung von fachlicher Expertise und technologischer Innovation führt zu einer nachhaltigen, international adaptierbaren Lehrinfrastruktur, die die anatomische Lehre substantiell strukturell weiterentwickelt
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2024
True Anatomy“ ist als dauerhaft integriertes Blended-Learning-Element im Curriculum der MedUni Wien konzipiert. VR-Module werden kontinuierlich entwickelt und sind unmittelbar in die reguläre anatomische Lehre eingebettet. Weiter werde sie zur Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung von Sezierkursen sowie in klinischen Vertiefungsfächern und der postgradualen Weiterbildung genutzt. Die modulare Softwarearchitektur erlaubt die schrittweise Erweiterung, Aktualisierung und Adaptierung an neue didaktische Anforderungen. Feedback aus laufenden Lehrveranstaltungen fließt systematisch in die Weiterentwicklung ein (iterativer Verbesserungsprozess). Langfristig sind der Ausbau durch Aufnahme zusätzlicher Körperregionen und wichtiger anatomischer Variationen, sowie die Integration spezialisierter Lernpfade (z. B. für Chirurgie, Radiologie oder Physiotherapie) geplant. Auch neue didaktische Formate wie interprofessionelle Trainings oder simulationsbasierte Fallbeispiele werden integriert. Das gewonnene Wissen aus der Kombination von digitalen Zwillingen, interaktiver Exploration, formativen Assessments und Gamification kann auf andere vorklinische und insbesondere klinische Fächer (z. B. Pathologie, Radiologie, operative Fächer) übertragen werden. Schließloch eignet sich „True Anatomy“ für den Einsatz an nationalen und internationalen Fachhochschulen und Universitäten, die nicht über eine eigene Körperspenden-Infrastruktur verfügen – weltweit ist dies die überwiegende Mehrheit - und für den Einsatz als Distance-Learning Tool.
Institutionelle Unterstützung
Das Projekt wird durch die Medizinische Universität Wien strukturell, infrastrukturell und personell unterstützt. Zentral ist die Abteilung für Anatomie der MedUni Wien. Sie verfügt über ein etabliertes Körperspendenprogramm (Verfügbarkeit von > als 1.000 Humanpräparaten pro Jahr), moderne Seziersäle, sowie eine spezialisierte technische Infrastruktur für die Präparation und 3D Digitalisierung. Weiters werden von der Institution eine eigene VR-/Hybrid-Lehrumgebung mit derzeit rund 80 VR-Headsets und 3D-Monitoren zur Verfügung. Die Lehre wird von studentischen und akademischen Lehrenden, die von der MedUni Wien finanziert sind geleitet und durchgeführt. Diese apparative und personelle Infrastruktur ermöglicht die unmittelbare Integration der entwickelten Module in den regulären Lehrbetrieb. Eine Aufstockung der Ressourcen nach der Übersiedelung der Abteilung in den Medizinischen Campus Mariannengasse ist geplant. Personell wird das Projekt durch Fachärzt:innen für Anatomie, wissenschaftliche Mitarbeiter:innen, Lehrbeauftragte sowie technisches Personal getragen. Studierende sind im Sinne eines Teach-the-Teacher Ansatzes eingebunden und unterstützen die Implementierung der praktischen VR-Einheiten. Die MedUni Wien fördert das Projekt zudem durch curriculare Einbettung, organisatorische Unterstützung bei Evaluationen sowie durch die strategische Ausrichtung auf Digitalisierung und innovative Lehrformate. Dadurch ist eine nachhaltige Verankerung im Lehrbetrieb gewährleistet
Das Lehrprojekt ist eng an das hochschulinterne Qualitätsmanagement angebunden. Die VR-Module sind in reguläre Lehrveranstaltungen integriert und unterliegen damit den standardisierten Evaluationsprozessen der Universität (Lehrveranstaltungsevaluierungen, Studierendenfeedback, Qualitätsberichte). Die Ergebnisse fließen laufend in die Software-, Praktikums- und Curriculumsentwicklung ein. Darüber hinaus wird ein projektbezogenes Evaluationskonzept umgesetzt: Lernfortschritte werden mittels formativer und summativer Assessments (z. B. Pre-/Post-Tests, Kompetenzraster) erhoben. Ergänzend kommen qualitative Methoden wie strukturierte Feedbackrunden, Think-aloud-Tests und Fokusgruppen mit Studierenden zum Einsatz. Auch Lehrende und Tutor:innen geben systematisch Rückmeldungen zur Usability, Integration in den Unterricht und wahrgenommenem Lernerfolg. Die Auswertung erfolgt in enger Abstimmung zwischen Anatomie, Medizindidaktik, technischer Entwicklung, Curriculumsdirektion und Stabstelle Evaluierung. Identifizierte Optimierungspotenziale werden in einem iterativen Entwicklungsprozess (regelmäßige Updates, UX-Anpassungen, didaktische Feinjustierung) umgesetzt. Damit ist „True Anatomy“ nicht als statisches Produkt, sondern als lernendes System konzipiert, das kontinuierlich daten- und feedbackbasiert weiterentwickelt wird.