Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
Reimagining Rural Downtowns
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
FB Örtliche Raumplanung - Raumsimulationslabor TU Wien
Titelbild der Publikation (Zeitung) der Lehrveranstaltung in Rohrbach-Berg 2025 (derzeit in Druck)
Ars Docendi Kategorie
Gesellschafts- und Nachhaltigkeitsorientierte Lehre
Ars Docendi Kriterien
- Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
Gruppengröße
20-49
Anreißer (Teaser)
Nachhaltige bauliche Planung zum Anfassen: In der LV transformieren interdisziplinäre Studierendenteams bestehende Strukturen in zukunftsfähige Nutzungskonzepte – datenbasiert, überzeugend visualisiert mit KI, präsentiert direkt in der Gemeinde.
Kurzzusammenfassung des Projekts
„Reimagining Rural Downtowns“ ist ein Reallabor für die Zukunft österreichischer Ortskerne: Masterstudierende aus Architektur und Raumplanung arbeiten in interdisziplinären Zweierteams an echten kommunalen Herausforderungen – direkt mit lokalen Akteur*innen, mitten im Spannungsfeld von Leerstand, knappen Ressourcen und hohem Entwicklungsdruck. Im WS 2025/26 entsteht so in Rohrbach-Berg ein Set an konkreten Transformationsideen für die leerstehende Gangschule: Vom nachhaltigen Nutzungskonzept bis zum architektonischen Entwurf, städtebaulich eingebettet und umsetzungsnah gedacht.
Der Weg dorthin ist klar strukturiert und zugleich kreativ: Exkursion, qualitative und quantitative Analysen (u. a. GIS), Vision, iterativer Entwurf, regelmäßige Feedbackschleifen – und am Ende der Pitch in der Gemeinde. Ein Hybrid-Setting macht Zusammenarbeit transparent und niedrigschwellig, Peer-Feedback stärkt Reflexion und Teamkompetenz. KI-Tools werden gezielt eingesetzt, um Entwürfe verständlich zu visualisieren und für ein breites Publikum zu kommunizieren – inklusive kritischer Reflexion von Qualität, Grenzen und akademischer Integrität. Durch aktive Mitgestaltung und inklusive Teamsettings (u. a. Erasmus) entsteht eine Lehrveranstaltung, die den Beteiligten Lust macht, Verantwortung zu übernehmen und Gemeinden zugleich neue Perspektiven und handfeste Impulse liefert.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
“Reimagining Rural Downtowns" is a real-world laboratory for the future of Austrian town centers. Master's students of architecture and spatial planning work in interdisciplinary teams of two to address real municipal challenges. They collaborate directly with local stakeholders amidst conflicting priorities such as vacant properties, scarce resources, and high development pressure. During the winter semester of 2025/26, they will develop a set of concrete transformation ideas for the vacant ‘Corridor school’ in Rohrbach-Berg. These ideas will range from sustainable utilization concepts to architectural designs embedded in urban planning and conceived with implementation in mind.
The path to this goal is clearly structured yet creative: excursions, qualitative and quantitative analyses (including GIS), visioning, iterative design, and regular feedback loops, culminating in a presentation to the community. A hybrid setting makes collaboration transparent and accessible while peer feedback strengthens reflection and teamwork. AI tools are specifically used to visualize designs in an understandable way and communicate them to a broad audience, including critical reflection on quality, limitations, and academic integrity. Active participation and inclusive team settings (including Erasmus) create a course that encourages participants to take responsibility while providing communities with new perspectives and tangible impetus.
Nähere Beschreibung des Projekts
Ausgangslage
Österreichische Gemeinden stehen häufig unter hohem Entwicklungsdruck: Neuer Wohnraum, Ausbau technischer und sozialer Infrastrukturen, sowie Anforderungen aus übergeordneten Zielsetzungen müssen bewältigt werden – oft parallel zu Leerstand und begrenzten finanziellen Ressourcen. Kostenintensive, externe Expertise ist in vielen Fällen schwer dauerhaft leistbar. Gleichzeitig ist es in der Hochschullehre herausfordernd, kontinuierlich in realen Planungsprozessen mitzuwirken und Beiträge zu konkreten kommunalen Aufgabenstellungen zu leisten.
Hier setzt die Lehrveranstaltung „Reimagining Rural Downtowns“ an: Im Wintersemester wird sie als Entwurfs- bzw. Projektarbeit im Master für Studierende der Architektur sowie der Raumplanung und Raumordnung angeboten. In interdisziplinären Teams (jeweils eine Person pro Studienrichtung) bearbeiten die Studierenden reale Planungsherausforderungen in österreichischen, ländlich geprägten Gemeinden, die eine besonders wichtige Rolle im Klimaschutz spielen. Bisher fanden Kooperationen in Niederösterreich, Steiermark und Oberösterreich statt – mit Gemeinden, die offen für neue Entwicklungsansätze sind und großes Interesse an frischen Lösungsvorschlägen zeigen. Im WS 2025/26 werden beispielsweise in Rohrbach-Berg Vorschläge zur Transformation der bestehenden und leerstehenden Gangschule (ehemalige Volksschule) erarbeitet. Die Entwürfe verdeutlichen das Potenzial der Umnutzung bestehender Gebäudestrukturen, um gezielt auf aktuelle Bedarfe vor Ort zu reagieren.
Ziele
Ziel der Lehrveranstaltung ist die Entwicklung von Planungsentwürfen (Skizzen, 3D Modelle, Visualisierungen etc. ) für reale Planungsherausforderungen in österreichischen Gemeinden. Im Zentrum steht das Aufzeigen ökologisch und sozial nachhaltiger Transformationen innerhalb bestehender Bebauungsstrukturen, die Ressourcen schonen und zugleich durch langfristige, flexible Lösungsansätze ökonomisch effizient bleiben.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Ressource Boden sowie dem effizienten Einsatz von Materialien. Damit leisten die Planungsdisziplinen einen konkreten Beitrag zur Erreichung gesellschaftlicher Zielsetzungen und zum Schutz der Umwelt für zukünftige Generationen. Die Studierenden erarbeiten umsetzungsnahe Vorschläge, die Gemeinden ein „Potpourri“ an Potenzialen und Möglichkeiten aufzeigen und Impulse für neue Zukunftsstrategien liefern. Der Fokus liegt auf der Erarbeitung konkreter Lösungen für tatsächliche Probleme vor Ort, mit direktem Bezug auf die Gemeinde mit ihren spezifischen Gegebenheiten (Bevölkerung, Mobilität, Wirtschaft, Infrastruktur). Bereits ab Beginn, bei der Exkursion in die Gemeinde, erhalten die Studierenden Informationen von lokalen und regionalen Entscheidungsträgern, die im Universitären Kontext schwer zu ermitteln wären. Es können Fragen gestellt, Bedürfnisse eruiert und komplexe Gegebenheiten so leichter verstanden werden. Die Arbeit in und mit Gemeinden ermöglicht realistisches Feedback und lässt Situationen entstehen, die auch eine gute Vorbereitung für die Arbeitswelt darstellen.
Während der Begleitung im Semester werden die Studierenden zu kreativen, zukunftsfähig Lösungen mit Bezug auf internationale Best-Practice-beispiele motiviert. Iterativ entwickeln sie so ihre Entwürfe zu robusten und auf starken Argumenten aufgebauten Planungsvorschlägen.
Ergänzend wird die Nutzung und das Testen unterschiedlicher KI-Werkzeuge integriert, um die visuelle Aufbereitung der Entwurfsideen zu verbessern – insbesondere für Präsentationen und die Ideenkommunikation gegenüber einem breiten Publikum.
Zielgruppen
Primäre Zielgruppe sind Masterstudierende der Architektur sowie der Raumplanung und Raumordnung, die gerne transdisziplinär, projektorientiert und selbstständig arbeiten. Durch die reale Aufgabenstellung und den direkten Kontakt zu Gemeindevertreterinnen und -vertretern sammeln sie frühzeitig Erfahrung, wie Kommunikation und Entscheidungswege in der Planungspraxis funktionieren. Sie üben, eigene Konzepte verständlich aufzubereiten und gegenüber Repräsentantinnen/Repräsentanten sowie politischen Entscheidungsträgern zu präsentieren.
Sekundäre Zielgruppe sind die kooperierenden Gemeinden. Sie profitieren im Gegenzug von einer Vielzahl an Ideen und Entwicklungsperspektiven, die als Orientierung und Rahmen für künftige Planungsprozesse dienen können. Es entsteht eine Win-Win-Situation: Studierende erhalten Einblick in die Planungspraxis und die vielfältigen Akteurslandschaften auf kommunaler Ebene; Gemeinden gewinnen neue Sichtweisen und lösungsorientierte Entwurfsansätze.
Methoden
Die Lehrveranstaltung kombiniert analytische, konzeptionelle und entwerferische Methoden in einem klar strukturierten Prozess:
• Qualitative Analysen zur Erhebung von Bedarfen, Herausforderungen und lokalen Rahmenbedingungen
• Quantitative Analysen zur argumentativen Absicherung von Annahmen (u. a. mit GIS und statistischen Auswertungen) in Themenfeldern wie:
Soziales, Geschichte, technische Infrastrukturen, Energie, Mobilität, Naturraum, Gebäude- und Siedlungsstruktur
• Entwicklung eines Nutzungskonzeptes und Formulierung einer Vision für die Neugestaltung von einem gemeindespezifischen Leitbild und dem Fokus auf eine ausgewählte bauliche Struktur
• Ausarbeitung eines Gebäudeentwurfs samt städtebaulicher Einbettung in einem iterativen Entwurfsprozess
• Einsatz von KI-Werkzeugen zur Erstellung und Optimierung von Visualisierungen für Präsentation und Vermittlung an nicht-fachliche Zielgruppen
Zudem werden Studierende aktiv im individuellen Kompetenzerwerb – einschließlich sozialer Kompetenzen – unterstützt, indem durch wechselseitiges Lernen, den Austausch von Skills sowie methodische Vorgehensweisen gefördert werden. Die studierendenorientierte Lehre stärkt dabei akademisch integres Verhalten.
Rahmenbedingungen und Besonderheiten
Didaktik und Lehrveranstaltungsdesign sind bewusst praxisnah und prozessorientiert angelegt:
• Klare, straffe Struktur zur Förderung eines effizienten Arbeitsfortschritts und als Beispiel eines realistischen Planungsprozesses, der für die spätere Berufspraxis nutzbar ist
• Hybrid-Setting (analog und digital):
o Online-Kursstruktur mit Uploads, Einsicht in Arbeiten anderer Gruppen und niederschwelliger Kommunikation zwischen Studierenden und Lehrenden
o Online-Troubleshooting-Termine zur Unterstützung bei Herausforderungen während der Ausarbeitung
• Exkursion in die Gemeinde als zentrales Element für Ortskenntnis, Austausch mit lokalen/kommunalen Akteur*innen, Reality-Check für die Analysen und Entwürfe
• Bereitstellung strukturierter Lehr- und Lernmaterialien
• Feedback zum Lernfortschritt im 14-Tage-Rhythmus, ergänzt durch laufende Fragemöglichkeit via Mail/Online-Plattform
• Peer-Feedback als einmaliges, strukturiertes Format: Teams geben sich gegenseitig konstruktives Feedback anhand eines klaren Schemas (mit Fokus auf Beispiele und umsetzbare Verbesserungsvorschläge)
• Inklusion und Barrierefreiheit: Teilnahme auch für Studierende im Rahmen eines Erasmus-Aufenthaltes möglich; sprachliche Hürden (z. B. bei Gesetzestexten/Planungsgrundlagen) werden durch sprachlich gemischte Teams (Deutsch als Unterstützung) reduziert
• Weiterentwicklung der Gruppenzusammensetzung durch hochschuldidaktische Ansätze, u. a. mittels Raumaufstellung und Selbsteinschätzung (Zeitressourcen, gewünschter Einsatz in der LV)
Ergebnisse
Die Ergebnisse der Lehrveranstaltung sind sichtbar, praxiswirksam und kompetenzorientiert:
• Abschlusspräsentation in der Gemeinde vor Gemeindevertreterinnen und -vertretern
• Öffentlichkeitswirksame Formate wie Berichterstattung (z. B. Zeitung), Ausstellung bzw. Präsentationsformate vor Ort
Darüber hinaus erwerben Studierende zentrale Kompetenzen, die über den Entwurf hinausgehen:
• Verständnis von Abstimmungen, Prozessen und Rollen in Planungsabläufen
• Kooperative Bearbeitung und Austausch (u. a. gemeinsames Arbeiten an Datensätzen)
• Kommunikation und Präsentation eigener Ideen für unterschiedliche Zielgruppen
• Konstruktive Kritikfähigkeit: Klare Benennung konkreter Änderungsvorschläge im Peer-Feedback
• Konstruktive Annahme von Kritik und strategische Auswahl relevanter Punkte zur Weiterentwicklung der eigenen Idee
So entsteht eine Lehrveranstaltung, die reale kommunale Herausforderungen mit akademischer Entwurfsarbeit verbindet, nachhaltige Transformationen fokussiert, interdisziplinäre Zusammenarbeit stärkt und zugleich die professionelle Kommunikationsfähigkeit der Studierenden systematisch entwickelt.
Akzeptanz und Resonanz
Die Lehrveranstaltung erhielt 2025 das Gütesiegel für exzellente Lehre an der TU Wien und erfüllt alle Kriterien des Gütesiegels sh. www.tuwien.at/studium/lehren-an-der-tuw/guetesiegel-fuer-lehrveranstaltungen
Das Gütesiegel umfasst auch eine positive Bewertung der Lehrveranstaltung durch die Studierenden.
Das persönliche Feedback war durchgehend sehr gut, besonders wurden die sehr durchdachte Konzeption sowie die enge direkte Betreuung und Begleitung, angemerkt.
Nutzen und Mehrwert
- Student:innen haben reale Planungsherausforderung mit realen Entscheidungsträger:innen
- Student:innen bekommen Einblick in die Planungspraxis und Entscheidungsprozesse
- Innovative Ideen und Unterstützung für ländliche Gemeinden
- Vermittlung von State-of-the-Art Planungswissenschaften -Wissenschaftskommunikation der Disziplin in die Gesellschaft
- Wissenschaftlich Fundiertes Know-How für Akteur:innen der Praxis
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2018
Das Konzept der interdisziplinären Lehre besteht seit 2018, jedes Jahr in einer anderen Gemeinde und mit den dort spezifischen Herausforderungen, Bedarfen und Akteur:innen. Dabei wurde die Konzeption der LV stetig weiterentwickelt und laufend verbessert.
Dennoch ist das Konzept auf andere Entwurfslehrveranstaltung innerhalb der Hochschule übertragbar, lebt aber von sehr viel persönlichem Engagement des Lehrveranstaltungsteams: im Austausch mit den Gemeinden vorab, im Kontakt mit den Stakeholdern vor Ort, bei der Auswahl der Aufgabenstellungen und natürlich bei der intensiven Betreuung der Studierenden
Institutionelle Unterstützung
Unterstützung erfolgt in Form von Reisekostenzuschüssen an die Studierenden.
Innerhalb interner Klausuren und im Rahmen didaktischer Weiterbildungen wird das Format bzw. teile immer weiter verbessert. Feedback von Studierenden wird im Laufe der Lehrveranstaltung aktiv eingefordert und fließt direkt (wenn möglich) in jedem Fall in die nächste Semesterplanung ein.