Zuletzt aktualisiert am 15.05.2025
Projektreihe in Kooperation mit dem Internationalen Symposion Dürnstein
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Ars Docendi Kategorie
Gesellschafts- und Nachhaltigkeitsorientierte Lehre
Ars Docendi Kriterien
- Digitale Transformation
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
- Perspektivenerweiterung und Internationalisierung
- Partizipation und Mitgestaltung
Gruppengröße
< 20
Anreißer (Teaser)
In den Projekten wurden gesellschaftlich relevante Themen und künstlerische Kontexte in einem schöpferischen Akt vernetzt und für die Gestaltung künstlerischer Objekte genutzt. Dabei wurden die Teilnehmer:innen mit vielfältigen Qualifikationen für einen zukunftsorientierten Unterricht ausgestattet.
Kurzzusammenfassung des Projekts
Bei der Einreichung handelt es sich um eine Reihe von 10 Projekten, die zwischen 2015 und 2024 im Rahmen der Ausbildung zum Lehramt des Bereiches „Kunst und Gestaltung/Primarstufe“ als Beiträge zur Bildung für nachhaltige Entwicklung realisiert wurden.
Die Projekte orientierten sich an den Themen des jährlich stattfindenden Int. Symposions Dürnstein, das von der Gesellschaft für Forschungsförderung NÖ veranstaltet wird. Seit 2014 besteht eine Kooperation der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems mit dem Symposion. Durch den Besuch der Diskursplattform werden Studierende für gesellschaftsrelevante Probleme sensibilisiert.
Die Besonderheit der Projekte liegt in der Vernetzung zentraler Themen unserer Gesellschaft mit Bildender Kunst. Ihr interdisziplinärer Charakter erwies sich als anschlussfähig für verschiedene wissenschaftliche Disziplinen und ermöglichte affektive Zugänge zu kognitiv anspruchsvollen Inhalten wie Demokratie, Ernährung, Textilproduktion u.a.
Die Auseinandersetzung mit den Themen bildete eine inspirierende Grundlage für die Initiierung ästhetischer Gestaltungsprozesse und vermittelte darüber hinaus Einsichten und Erkenntnisse für eine zufriedenstellende Gestaltung der persönlichen Lebensumstände und der Umwelt.
Das übergeordnete Ziel der Projektreihe bestand darin, die Potentiale der Kunst zur Erschließung anspruchsvoller Zukunftsthemen zu erkunden und die Studierenden mit Qualifikationen für einen zukunftsorientieren Unterricht auszustatten.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
The submission is a series of 10 projects that were realized between 2015 and 2024 as part of teacher training in the field of "Kunst und Gestaltung/Primary Level" as contributions to education for sustainable development.
The projects were based on the topics of the annual International Symposium Dürnstein, which is organized by the society “Gesellschaft für Forschungsförderung NÖ”. The University “Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems” has been cooperating with the symposium since 2014. By attending the discourse platform, students are sensitized to socially relevant problems.
The special feature of the projects lies in the linking of central themes of our society with the visual arts. Their interdisciplinary character proved to be compatible with various academic disciplines and enabled affective approaches to cognitively demanding topics such as democracy, nutrition, textile production and others.
The exploration of the topics formed an inspiring basis for the initiation of aesthetic design processes and also provided insights and knowledge for a satisfactory design of personal living conditions and the environment.
The overarching aim of the project series was to explore the potential of art for exploring challenging future topics and to equip students with qualifications for future-oriented teaching. Translated with DeepL.com (free version)
Nähere Beschreibung des Projekts
Die Agenda 2030 verpflichtet die internationale Gemeinschaft dazu, gemeinsame Anstrengungen zur Sicherung einer nachhaltigen Zukunft des Menschen und der Erde zu unternehmen. Insbesondere das Sustainable Development Goal 4.7 betont die zentrale Bedeutung der Bildung, um allen Lernenden die erforderlichen Kompetenzen für die Mitgestaltung einer lebenswerten Umwelt zu vermitteln.
1. Projektthemen im Überblick
- Im Rahmen des Projekts "Kunst und Ernährungsbildung" im Jahr 2024 wurden nicht nur Fragen zur zukünftigen globalen Ernährung behandelt, die sich auf die SDGs 2, 12 und 14 beziehen, sondern es wurden auch die Vorschläge der Eat-Lancet-Kommission für eine gesunde und nachhaltige Ernährung diskutiert. Durch Interviews mit Experten:innen wurde das Thema weiter vertieft, wodurch interessante Einsichten in die verschiedenen Aspekte dieses komplexen Themas gewonnen wurden.
Der Einführung in die Thematik begann mit der Analyse niederländischer Stillleben (C. Peeters, 1611) und Gemälden von Essensritualen (J. Jordaens „Der König trinkt“, 1640), gefolgt von aktionistischer Kunst. Im Jahr 1964 lud Daniel Spoerri zum "Abendmahl für Hahn" und fixierte Geschirr, Bestecke und die Überreste der Essensaktion in einem Fallenbild. Sein Beispiel regte die Studierenden dazu an, die gemeinschaftsbildenden Aspekte des Verzehrens mitgebrachter Speisen zu erleben und zu reflektieren. - Im Jahr 2022 fokussierte das Projekt "GUT LEBEN – STATT VIEL HABEN" die ökonomischen, ökologischen und sozialen Umweltprobleme, die durch die Textilindustrie verursacht werden. Die Textilbranche trägt zu 10 Prozent der CO2-Emissionen und 20 Prozent der Wasserverschmutzung bei, was die Dringlichkeit der Bemühungen der Europäischen Union unterstreicht, die Kennzeichnung von Textilien zu verbessern und ein Lieferkettengesetz einzuführen.
Die Studierenden analysierten kritisch ihren eigenen Textilkonsum, beginnend mit dem Inhalt ihrer Kleiderschränke. Sie setzten sich mit dem Phänomen von Fast-Fashion und den Auswirkungen der Überproduktion von Textilien auseinander.
Durch die Befragung relevanter Akteure erhielten die Studierenden Einblicke in das Engagement für einen nachhaltigen Textilkonsum. Darauf aufbauend, entwickelten sie Strategien für einen nachhaltigeren Umgang mit Textilien. Der schöpferische Beitrag umfasste das Upcycling von Textilen für eine neuerliche Verwendung. - Im Projekt „Lebensmittel Bildung - ein Augenschmaus“ 2021 wurde das Thema „Lebensmittel Bildung“ wortwörtlich genommen. Unter Verwendung von Metaphern wurden KreativitätsBonbons, NeugierSemmerln, FrustrationsKarotten, WissenGurken u.m. auf Tellern arrangiert und zum Verzehr angeboten. Im Kern bezog sich das Projekt darauf, die Bedeutung von ästhetischer Bildung für die Entwicklung von Fähigkeiten wie Problemsensitivität, fluides Denken, Flexibilität, Ausdauer, Originalität u.a. hervorzuheben.
- Im Projekt "Wachauer Elfchen und Monalisen - eine künstlerische Annäherung an das UNESCO-Welterbe“ im Jahr 2020 erkundeten die Studierenden das einzigartige Biotop Wachau und setzten sich mit Reiseberichten von Schriftstellern sowie den Werken von Malern auseinander, die als Ausflügler in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts in die Wachau kamen. Der schöpferische Beitrag der Studierenden bestand aus Postkarten mit Aufdrucken von "Elfchen" - Gedichten aus elf Wörtern - in denen die Wachau und ihre reizvolle Landschaft thematisiert wurden. Die Venus von Willendorf inspirierte zu Paraphrasierungen.
- Im Projekt "Zwei Hände, ein Kopf und eine Schattenprojektion" 2018 wurde eine Recherche zur Lage der Handwerksberufe im Umfeld der Hochschule durchgeführt. Trotz des stetigen Wandels der Arbeitsbedingungen durch neue Technologien konnte die Vermutung, dass das traditionelle Handwerk verschwindet, nicht bestätigt werden. Ein Proband erkannte, dass "bestimmte Arbeiten noch immer nicht vom Computer durchgeführt werden können". Beeindruckende Kunstwerke wie "Die Weber" (K. Kollwitz, 1897), "Eisenwalzwerk" (A. Menzel, 1875) und die digitale Fotomontage "Die Börse Hongkong" (A. Gursky, 1955) verdeutlichten ökonomische Strukturveränderungen. Studierende entwarfen, illuminierte Handwerkszeichen, um dem Aufmerksamkeitsverlust des Handwerks entgegenzuwirken.
- In den Projekten „Gesellschaft, Staat, Gewalt. Was uns zusammenhält“ 2017 und „Demokratie üben“ 2019 wurden Fragen der Demokratieerziehung erörtert. Die Themen boten Gelegenheit zu einer Auseinandersetzung mit der Gesellschaftstheorie von Joseph Beuys, in welcher der Künstler auf die Zerbrechlichkeit von Demokratie hinweist. Damit eine gelebte Demokratie sich frei entfalten kann, muss sie in Zusammenarbeit aller Menschen immer wieder neu konstruiert werden. Mit dem oft zitierten Diktum „Jeder Mensch ist ein Künstler“ drückt Joseph Beuys zugespitzt aus, dass jeder Mensch die Verpflichtung hat, von seinen Begabungen zur Formung der Gesellschaft Gebrauch zu machen. Die Studierenden produzierten Videos und Trickfilme, die demokratische Verhaltensweisen zum Thema hatten.
- In einem anderen Projekt aus dem Jahr 2017 wurde das Thema „Uniform und Uniformität“ bearbeitet. Den Anlass bildeten martialisch aussehende Polizeikräfte in Uniform, die in den Medien als Teil aktueller Nachrichten präsent waren. Im Zuge der Auseinandersetzung wurde der Unterschied zwischen Uniform und Uniformität deutlich: Der Begriff Uniform bezeichnet die gleichartig gestaltete Kleidung zur Kennzeichnung einer Gruppe. Uniformität beschreibt ein Phänomen, das keinen Raum für Individualisierung und Differenzierung lässt. Durch Fotografien, die durch Texte erläutert wurden, machten die Studierenden auf entsprechende Phänomene aufmerksam.
- Das Projekt "Vertrauen" aus dem Jahr 2016 konzentrierte sich auf die Erforschung einer damals in der Gesellschaft vorherrschenden spezifischen Stimmung, die den Verlust von Vertrauen in öffentl. Institutionen widerspiegelte. Innerhalb der Ausstellung wurden Audio-Objekte präsentiert, die Kommentare zu Fragen wie "Was ist Vertrauen?", "Wer hat mein Vertrauen verdient?" und "Wie kann Vertrauen wiederhergestellt werden?" wiedergaben, welche von den Besuchern angehört werden konnten. Die Stimmen vermischten sich zu einem unverständlichen Raunen, das den Eindruck einer Haltung vermittelte, die uns unsicher und verletzbar macht, wie es von Martin Hartmann beschrieben wurde.
- Es liegt in der Natur des Menschen, Visionen einer gerechteren und schöneren Welt zu entwickeln. Das Projekt „Die Utopie und ihre Kehrseite“ 2015, zeigte jedoch, dass der Traum von Utopie, wie ihn Thomas Morus beschrieben hat, schnell zum Albtraum wird und nur durch den Verzicht auf persönliche Freiheiten erkauft werden kann. Für die Darstellung des Janusgesichts der Utopie wurden Schwarz- Weiß- Abbildungen von Landschaften und Stadtansichten durch bunte Stickereien akzentuiert. Während die Vorderseite das Bild einer lebenswerten Welt zeigte, veranschaulichte die Rückseite die chaotische und dystopische Seite der Utopie.
Publikation der Projekte 2015-2021
2. Bemerkung zum Projektverlauf
Auf Grund der komplexen Struktur der Projekte, in welchen sich Wissenserwerb, Planungsarbeiten, Entwickeln von Gestaltungsideen, Erlernen von bildnerischen Techniken und schöpferische Gestaltung überlappen und ineinandergreifen, werden im Folgenden zentrale Aktionsfelder der Projektverläufe beschrieben.
Aktionsfeld Kunst - Interpretation von Kunstwerken
Kunstwerke sind eng mit bestimmten historischen Kontexten verbunden und bieten spezifische Einblicke in die sozialen, politischen und kulturellen Lebensumstände der Menschen. Sie regen das Interesse und die Neugier der Betrachter:innen an, mehr über das Kunstwerk und seinen Sinngehalt zu erfahren. Das Betrachten eines künstlerischen Objekts kann Freude bereiten, irritieren, bereichern und dazu motivieren, es mit der eigenen Lebenswelt, persönlichen Erfahrungen, Vorstellungen und Erinnerungen in Verbindung zu bringen.
Kompetenzen
Um Kunstwerke zu analysieren, verwenden die Studierenden ein Modell, das sich am Ansatz des Kunsthistorikers Otto Bätschmann orientiert. Dieses Modell stellt Fragen zum Werk, die zu einem schrittweisen Verständnis führen. Bei der Rezeption von Kunstwerken erwerben die Studierenden Kompetenzen, die sie befähigen, Kunstwerke im Kontext des Primarstufenunterricht zu interpretieren.
Aktionsfeld Theorie - Aneignung von Theoriewissen, Forschen
Im Verlauf einiger Projekte führten die Studierenden umfangreiche kollaborativ und kooperativ gestaltete Recherchen durch, die darauf abzielten, ein gemeinsames Verständnis des Themengebiets zu entwickeln.
Durch die Durchführung von leitfadenbasierten Interviews im Rahmen einiger Forschungsprojekte erlangten die Studierenden Einblicke in individuelle Perspektiven und Einstellungen der Befragten sowie in verschiedene Aspekte der Arbeits- und Wirtschaftswelt.
In den Projekten "GUT LEBEN – STATT VIEL HABEN" und "Kunst und Ernährungsbildung" wurde von den Interviewpartner:innen einhellig die mangelnde Initiative der öffentl. Institutionen bemängelt. Es wurde festgestellt, dass der Übergang zu einer nachhaltigen Lebensweise hauptsächlich den privaten Haushalten überlassen wird.
Kompetenzen
Durch die Recherchen und die Planung des Forschungsprojekts erwerben die Studierenden grundlegende Fähigkeiten für wissenschaftliches Arbeiten, die sie im weiteren Verlauf ihres Studiums nutzen können. Darüber hinaus erlangen sie grundlegende Kenntnisse in der Entwicklung eines Forschungsdesigns, das für den Einsatz in der Primarstufe angepasst werden kann.
Aktionsfeld Praxis - Subjektorientierte Gestaltungspraxis
Die Herausforderung liegt darin, eine überzeugende Konzeption für eine ästhetische Arbeit zu entwickeln. Der Künstler Marcel Duchamp beschreibt den Prozess der Ideenfindung als einen fortwährenden Kampf, in dem Entscheidungen getroffen und wieder verworfen werden. Es erfordert wiederholte Recherchen, Experimente und Durchhaltevermögen sowie Phantasie und Vorstellungskraft, um ein befriedigendes Resultat zu erzielen. Kreative Prozesse sind ergebnisoffen und ihr Erfolg wird erst mit der finalen Realisierung des Werks deutlich.
Kompetenzen
Beim Umsetzen eigener Ideen lernen die Studierenden vielfältige künstlerische Methoden und Verfahren kennen. Dabei erlangen sie grundlegende Kenntnisse für die Gestaltungspraxis in der Primarstufe.
Aktionsfeld Präsentieren
Das Veröffentlichen und Präsentieren der schöpferischen Arbeiten ist ein wesentlicher Teil des ästhetischen Bildungskonzepts. Eine Auswahl der mit großem Engagement hergestellten kreativen Arbeiten wurde beim Int. Symposion Dürnstein und an der Hochschule in kleinen Ausstellungen gezeigt.
Video „Projektreihe in Bildern“
3. Bildungsziele der Projektreihe
Die Bildungsziele der Projektreihe waren darauf ausgerichtet, die Studierenden für die Auseinandersetzung mit zukunftsrelevanten Themen im Primarstufenunterricht zu sensibilisieren und sie mit Kompetenzen auszustatten, aktiv an der Entwicklung einer nachhaltigen, demokratischen Gesellschaft mitzuwirken.
Konkret wurden folgende Ziele verfolgt:
- Nutzung der Interdisziplinarität von Kunst zur Auseinandersetzung mit komplexen Themen und affektiver Zugänge
- Verstehen, Interpretieren und Bewerten kultureller Wissensbestände aus dem Alltag und der Kunst
- Förderung schöpferischer Selbstbildungsprozesse unter Nutzung eines breiten Repertoires an künstlerischen Ausdruckweisen und Verfahren
- Erwerben von Kenntnissen und Fähigkeiten für den Unterricht in der Primarstufe
Eine Rückschau auf die langjährige Teilnahme mit Beiträgen an den Symposien zeigt eine Fokussierung der Anfangsprojekte auf die Entwicklung des schöpferischen Potentials mit hohem künstlerisch Output. Im Laufe der Zeit bekam die Auseinandersetzung mit gesellschaftsrelevanten Themen und qualitativer Forschung mehr Gewicht.
Akzeptanz und Resonanz
Das Feedback der Studierenden zum Projekt "Kunst und Ernährungsbildung", das hier stellvertretend für die übrigen Projekte erläutert wird, zeigt, dass die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten die Bereitschaft der Studierenden erhöhten, das Thema im Primarstufenunterricht aufzugreifen. Die hohe Akzeptanz der Lehrveranstaltung lässt sich auf verschiedene Aspekte zurückführen:
- Die Möglichkeit, die persönlichen Essgewohnheiten mit der angebotenen Thematik in Beziehung zu setzen, wurde positiv bewertet. Ausgehend von den Lebensmitteln im eigenen Kühlschrank entwickelten die Studierenden eine individuelle Ernährungspyramide, die sie mit der Standardpyramide 2.0 für gesunde Ernährung verglichen. Das Einbeziehen des Lieblingsessens in persönliche Erinnerungen wurde als bereichernd empfunden.
- Das Angebot zur Selbstverwirklichung durch kreatives Schaffen in subjektorientierten ästhetischen Prozessen trug wesentlich zum gesteigerten Selbstwertgefühl der Studierenden bei.
- Die Möglichkeit, eine eigene künstlerische Arbeit in kleinen Ausstellungen zu präsentieren, erfüllte die Studierenden mit Genugtuung und stärkte ihr Selbstbewusstsein.
- Die Kompetenz zur Erschließung, Bewertung und Bearbeitung von themenrelevanten Informationen sowie die Öffnung des „Raumes“ Hochschule durch die Befragung von Experten:innen wurden als wesentlich für die Gestaltung des Primarstufenunterrichts eingestuft.
- Ein weiterer wichtiger Aspekt, der zur hohen Akzeptanz der Lehrveranstaltung beitrug, waren die zahlreichen didaktischen und methodischen Anregungen für einen abwechslungsreichen und schülerzentrierten Primarstufenunterricht.
1. Fragen und Antworten am Beginn der Lehrveranstaltung
Um eine günstige Ausgangssituation für die Auseinandersetzung mit der Thematik Ernährungsbildung in der Primarstufe zu schaffen, wurden die Studierenden gebeten, Fragen über ihre persönlichen Ernährungsgewohnheiten zu beantworten.
- Welches Gericht isst du am liebsten? Verbindest du damit besondere Erinnerungen?
Mein Lieblingsgericht ist Spinat mit Erdäpfeln und Spiegelei. Ich verbinde mit diesem Gericht meine Kindheit, weil es mir meine Oma oft gekocht hat. (Iris, 21)
2. Fragen und Antworten im Verlauf der Lehrveranstaltung
Nach der Lektüre diverser Texte zur zukünftigen Entwicklung der Ernährung wurden die Studierenden gebeten, ihre erlangten Erkenntnisse zu reflektieren und in Beziehung zu ihrem persönlichen Umfeld zu setzen.
- Denkst du über Nachhaltigkeit in Bezug auf deine Ernährungsgewohnheiten nach?
Das Wohl der Tiere ist ein wichtiger Faktor, der viele dazu bringt, nach nachhaltigeren Alternativen zu suchen. Mein persönlicher Anstoß dazu kam, als ich mich im Rahmen meiner Diplomarbeit intensiver mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigte. (Jennifer, 22)
- Welche Aspekte des Themenfeldes „nachhaltige Ernährung“ waren für dich bisher weniger im Fokus?
Für mich war generell nachhaltige Ernährung eher wenig im Fokus bis jetzt. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass nachhaltige Ernährung immer um einiges teurer ist und ich beim Einkaufen oft darauf schaue, dass es so billig wie möglich ist. (Anja, 21)
3. Fragen und Antworten am Ende der Lehrveranstaltung
Die Rückmeldungen der Studierenden am Ende der Lehrveranstaltung zeigten, dass sie Kenntnisse und Fähigkeiten erwarben, um Ernährungsbildung in den Unterricht der Primarstufe zu integrieren.
- Formuliere deine derzeitige Haltung zur Rolle der Primarstufenbildung im Kontext der Ernährungswende.
Ich denke, die Schule spielt bei diesem Thema eine große Rolle. Hier kann der Grundstein für das Verständnis von Kindern bezüglich Ernährung, Umwelt und Gesundheit gelegt werden. (Lisa S, 26)
- Was kannst du als Lehrperson zur Ernährungswende beitragen?
Durch die LV habe ich ein vertieftes Verständnis für nachhaltige Ernährung erhalten. Mein Ziel als zukünftige Primarstufenlehrerin ist es, den SuS bewusstes Konsumverhalten zu vermitteln ... Es ist mir wichtig, die Kinder dazu zu erziehen, ihre Verantwortung für eine nachhaltige und gesunde Ernährung zu erkennen und aktiv zu übernehmen. (Iris, 21)
Das Seminar hat mir gezeigt, dass das Thema „Essen der Zukunft“ im „Unterricht Kunst und Gestaltung“ auf vielfältige und kreative Weise behandelt werden kann. Schülerinnen und Schüler profitieren von verschiedenen Zugängen und der Möglichkeit, ihre Gewohnheiten in Bezug auf Essen zu hinterfragen. (Victoria, 21)
- In inwiefern hat sich deine persönliche Haltung in Hinblick auf das Thema im Laufe der Veranstaltung verändert?
Im Laufe der Lehrveranstaltung ist mir vor Augen geführt worden, wie präsent diese Thematik eigentlich ist und, dass sie viel mehr umfasst, als nur darauf zu achten, dass man nicht zu viel Fleisch isst und regional sowie saisonal einkauft. Ich erkannte auch, dass es sehr wichtig ist, bereits in der Volksschule über nachhaltige Ernährung, beziehungsweise Ernährung in der Zukunft zu sprechen... (Dominik, 21)
Nutzen und Mehrwert
1. Kunstpädagogisches Konzept
Für die Umsetzung der Projekte hat die Lehrkraft ein Konzept entwickelt, das Elemente der Ästhetischen Erziehung sowie anderer zeitgenössischer kunstpädagogischer Ansätze integriert. Dieses Modell hat den Vorteil, Menschen mit unterschiedlichen Begabungen und Erfahrungen in ästhetische Prozesse zu involvieren. Das Konzept eignet sich besonders gut für große Gruppen und begrenzte Zeitressourcen.
Ein wesentlicher Aspekt des Konzepts besteht darin, die Entwicklung von Ideen für die schöpferische Gestaltungspraxis kollaborativ zu erarbeiten. Die Vorschläge der Studierenden werden in einem Ideenpool gesammelt. Beim Diskutieren und Durchspielen von Einfällen sowie deren Realisierungsmöglichkeiten (nach curricularen Vorgaben wie Grafik, dreidimensionales Gestalten, neue Medien, u.a.), wird die Anzahl der zur Auswahl stehenden Gestaltungsideen reduziert. Innerhalb dieses Rahmens können die Studierenden ihre individuellen schöpferischen Fähigkeiten entfalten (z.B. Projekt „Wachauer Elfchen und Monalisen“ (2020): Postarten mit Elfchengedichten, Motiven der Wachau oder Paraphrasen der Venus von Willendorf).
Bei der Umsetzung eines Gestaltungsvorhabens werden Fähigkeiten eingeübt, die zur Grundausstattung eines jeden Individuums gehören wie z. B. die Fähigkeit zu umfassender Sinneswahrnehmung. Wolfgang Welsch beschreibt Wahrnehmung als „Gewahrwerden“, an der sinnenhafte, geistige, alltägliche und sublime Wahrnehmungen beteiligt sind. Diese sind Auslöser verdichteter, ästhetischer Erfahrungsprozesse, die während ästhetischer Gestaltungsprozesse auftreten. John Dewey sieht darin Bildungsprozesse, in denen das Subjekt sich seiner Gefühle, Neigungen und Interessen bewusst werdend, lernt, sie zu artikulieren. Kritisch Urteilen, Ideen, Wünsche, Vorstellungen u.a. zu kommunizieren, ist eine grundlegende Fähigkeit für die Teilhabe an zukunftsorientierten gesellschaftlichen Entwicklungen.
- Fazit
Das Konzept stellt einen Versuch dar, ästhetische Prozesse für den Unterricht nutzbar zu machen. Diese Herangehensweise ermöglicht es, allen Teilnehmer:innen schöpferische Aufgaben zu bewältigen. Die Lehrende kann sich verstärkt auf die Begleitung ästhetischer Prozesse konzentrieren.
2. Ein Projektreihe im Wandel
Projekte, die über einen längeren Zeitraum verfolgt werden, unterliegen naturgemäß einem kontinuierlichen Wandel. Eine entscheidende Wendung in Bezug auf die Planung zukunftsorientierter Bildungsanforderungen war die Einführung des Programms der Agenda 2030.
Bereits zuvor wurden die Konzepte der Kunstpädagogik kontinuierlich an die aktuellen Entwicklungen in Kunst und Gesellschaft angepasst. Neue Themenfelder wie Politik, Natur, Medien, Mensch und Umwelt wurden in Ergänzung zu den traditionellen Inhalten integriert. Innovative künstlerische Strategien, der Einsatz neuer Medien, die Digitalisierung und schließlich auch die Nutzung künstlicher Intelligenz fanden Einzug in die ästhetische Erziehung.
3. Selbstreflexion der Lehrperson
Zeitereignisse, veränderte Studienpläne und Bildungsstandards, Erfahrungen aus einer langjährigen Lehrtätigkeit als Lektorin an der Universität für Angewandte Kunst, am Gymnasium und als Professorin an der KPH Wien/Krems sowie in der Weiterbildung führten zu einem von Selbstreflexion geleitendem Unterricht und zur Verbesserung der Qualität der Lehrkompetenzen. Das Interesse an gesellschaftsrelevanten Themen motivierte die Lehrperson, an zahlreichen Projekten teilzunehmen, um die erworbenen Erfahrungen an die Studierenden weiterzugeben:
Im Zeitraum 2007-2008 beteiligte sich Sigrid Pohl am Forschungsprojekt des BMKK „Gender und Material Literacy“. Während der 10-jährigen Mitarbeit an „Wir, Berichte aus dem neuen Österreich“ (unter der Leitung Dr. Ernst Schmiederer) entwickelte sie das pädagogische Konzept. Im Zuge dieser Tätigkeit wurde sie mit Themen wie Migration, Identitätskonstruktion, Sprachbarrieren u.a. konfrontiert.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2015
1. Lehr-Lernkonzept
Das ursprünglich ausschließlich auf Präsenzlehre ausgerichtete Lehrkonzept wurde im Verlauf der Coronapandemie vollständig auf digitale Lehrformate umgestellt. Aktuell werden die Kurse in einer Mischform von Online- und Präsenzlehre sowie terminabhängig zeitlich synchron oder asynchron durchgeführt. Die Auswahl der Unterrichtsformate ist didaktisch begründet und zielt darauf ab, aus deren Kombination Mehrwert zu schöpfen.
2. Flexibilität des Konzeptes
Die moodle-Kurse ermöglichen den Studierenden Zugriff auf aktuelle Informationen und fördern durch die Einbindung einer breiten Palette von Aktivitäten (Foren, Abstimmungen, Feedbacks, H5P-Inhalten, Datenbanken, …) eigenständiges, kollaboratives, flexibles und effektives Lernen. In den Präsenzphasen kann die Lehrperson durch die digitale Entlastung individuelle schöpferische Prozesse begleiten und künstlerische Kenntnisse vermitteln.
Der Aufbau der Moodle-Kurse in Blöcken begünstigt die schnelle Anpassung der Kurse an aktuelle Entwicklungen der Fachwissenschaft und Lehre für die Bachelor- und Masterausbildung. Die Blöcke können darüber hinaus wie Bausteine für andere Kurse genutzt werden.
3. Dissemination
Das Konzept wurden von der Lehrenden erfolgreich in mehreren LVs erprobt und in diversen Kontexten präsentiert. Die Veröffentlichung einiger Projekteergebnisse z.T. peer-reviewten Fachzeitschriften informierten die wissenschaftliche Gemeinschaft über das Projekt.
Institutionelle Unterstützung
Die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems unterstützt grundsätzlich alle Aktivitäten, die zur Verbesserung der Qualität der Lehrer:innenbildung beitragen.
Beginnend mit dem Studienjahr 2020/21 verpflichtet sich die Hochschule an und mit den SDGs zu arbeiten. 2023 wurde sie in das „UNESCO Associated Schools Project Network“ aufgenommen. Rektor Hubert Weber betont die Bedeutung der Aufnahme für die KPH: „UNESCO-Bildungswerte sowie ein integrativer Erziehungsstil, die Wertschätzung von Verschiedenheit und das Einüben von Demokratie zählen zu den Grundprinzipien der KPH. “... Mit der Aufnahme als UNESCO-Schule gehe laut Weber eine große Verantwortung einher: „Im Sinne der UNESCO gilt unser Fokus verstärkt der nachhaltigen Entwicklung. In der Bildung angehender Pädagoginnen und Pädagogen liegt der Schlüssel zu einer nachhaltigen und gerechten Welt für künftige Generationen.“ (Hochschulrepot 2022/23, S21)
Gesellschaft für Forschungsförderung NÖ bietet den Rahmen für die Durchführung der Projektpräsentation. Ausstellungen finden im Stift Dürnstein statt, Ankündigung und Dokumentation erfolgen über Social-Mediakanäle sowie die symposionseigene Webseite. Projektberichte werden in den Tagungsbänden der Symposien positioniert. Die Gesellschaft fördert die projektbegleitende Produktion von Drucksorten und unterstützt die Studierenden durch die Bereitstellung finanzieller Mittel im Rahmen ihrer schöpferischen Arbeit.