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Zuletzt aktualisiert am 15.05.2025

Projektbasiertes Lernen anhand realer Problemstellungen

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Ars Docendi Kategorie

Kooperative Lehr- und Arbeitsformen

Ars Docendi Kriterien

  • Digitale Transformation
  • Partizipation und Mitgestaltung

Gruppengröße

20-49

Anreißer (Teaser)

Reale Problemstellungen von Unternehmen werden in Gruppen von Studierenden bearbeitet und prototypisch gelöst. Dadurch wird nicht nur inhaltlich gelernt, sondern es werden auch Teamfähigkeit, Problemlösungskompetenz und Verantwortlichkeit für Ergebnisse vermittelt.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Projektbasiertes Lernen im Themenfeld Digitalisierung anhand von realen Problemstellungen von Unternehmen vermittelt nicht nur Inhalte, sondern auch Fähigkeiten, die im späteren Berufsleben stark nachgefragt sind. Die bereits im Studium vermittelten Inhalte sind die Basis für diese Projekte. In Projektteams (Gruppen von 5 - 6 Studierenden) werden bei und mit Unternehmenspartnern prototypische Lösungsvorschläge von den Teams selbständig erarbeitet. Die Studierenden erhalten so einen direkten Einblick in die Unternehmen. In der Umsetzung werden wissenschaftliche und Projektmanagementmethoden eingesetzt. Die Lehrveranstaltungsleitung wählt sorgfältig gemeinsam mit wechselnden Partnerunternehmen die Problemstellung aus und stellt den Gruppen eine kurze Beschreibung zur Verfügung. Die Studierenden managen das gesamte Projekt eigenverantwortlich. Sie bestimmen eine/n Projektleiter/in, setzen eigenständig Projektmanagementtools ein und gestalten die Kommunikation mit den Unternehmenspartnern. Zu Erstellung der prototypischen Lösungsvorschläge setzen Sie geeignete wissenschaftliche Methoden ein. In mehreren Zyklen (Iterationen) werden die Lösungsvorschläge erprobt, evaluiert und überarbeitet – oder sogar verworfen. Am Ende des Semesters präsentieren die Studierenden ihre Ergebnisse vor einem breiten Publikum in Form von Postern. Neben den Inhalten im Kontext der Digitalisierung werden somit auch weitere Skills trainiert und gelernt.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Project-based learning in the field of digitalization based on real challenges faced by companies not only focuses on content but also skills that are in high demand in professional life. The content taught during the study program (Bachelor or Master level) is the basis for these projects. In project teams (groups of 5 - 6 students), prototypical solutions are developed independently by the teams at and with company partners. This gives the students a direct insight into the companies. Scientific and project management methods are applied to develop prototypical solutions. Together with different partner companies, the course lecturers select the challenges carefully. They provide the groups with a brief description of the challenges. The students take full responsibility for managing the project. They elect a project manager, use project management tools independently, and organize the communication with the company partners. In addition, they apply suitable scientific methods to create prototype solutions. In several cycles (iterations), the proposed solutions are tested, evaluated, and revised - or even discarded. At the end of the semester, students present their results to a broad audience in the form of posters. In addition to the content in the context of digitalization, many other skills are also trained and learned.

Nähere Beschreibung des Projekts

Das Lehrkonzept „Projektbasiertes Lernen“ bezieht sich generell auf die Möglichkeit, reale Problemstellungen zu bearbeiten und einen prototypischen Lösungsvorschlag zu generieren. Im Studium Wirtschaftsinformatik an der Schnittstelle zwischen Informatik und Betriebswirtschaftslehre sind Universitäten besonders gefordert, den Studierenden neben Inhalten auch weiteren Skills zu vermitteln, die genau diese Schnittstellenkompetenz der Wirtschaftsinformatik benötigt. Die Herangehensweise an die Problemstellungen setzt ein bestimmtes Wissen voraus, gleichzeitig wird im Lauf des Projekts weiteres Wissen selbständig erworben und umgesetzt. Um prototypische Lösungsansätze zu erschaffen, müssen immer wieder die Zwischenlösungen erprobt und evaluiert werden. Auch Fehler sind erlaubt, um daraus zu lernen bzw. zu erkennen, dass der Vorschlag (noch) nicht dazu geeignet ist, das Problem zu lösen. Das Ergebnis muss kommuniziert werden (im konkreten Fall in Form von Postern), um auch von anderen als Lösung akzeptiert zu werden. Wenn die Lösung auch angenommen, also eingesetzt wird, hat das eine besondere Wirkung auf die Studierenden, die dadurch auch in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden.

Projektbasiertes Lernen wird im konkreten Fall im Themenfeld Digitalisierung eingesetzt. In Gruppen von fünf bis sechs Studierenden werden reale Problemstellungen (z.B. von Unternehmen und Organisationen) mit Hilfe von Forschungs- und Projektmanagementmethoden bearbeitet, um prototypische Lösungen zu entwickeln. Die Studierenden erhalten so einen direkten Einblick in die Unternehmen. Ziel ist es, den Studierenden neben Inhalten auch Problemlösungskompetenz sowie den Einsatz von Forschungsmethoden – auch in praxisnahen Projekten - zu vermitteln. Die Problemstellungen entsprechen den im Studium Wirtschaftsinformatik (Bachelor und Master) gelehrten Inhalten im Kontext der Digitalisierung. Typische Problemstellungen befassen sich zum Beispiel mit dem Einsatz der AI zur Erfüllung von Aufgaben in Unternehmen, der Nutzung von Daten zur Entscheidungsunterstützung oder dem Einsatz von Softwarelösungen, um nur einige zu nennen. Die Problemstellungen werden von der Lehrveranstaltungsleitung sorgfältig und unter Abstimmung mit Unternehmen und Organisationen vorab identifiziert und ausgewählt. In einer kurzen Beschreibung wird die Problemstellung skizziert und die Ansprechpartner für das Projekt bei den Unternehmen oder Organisationen festgelegt. Die Problemstellungen werden so gewählt, dass sie den Kenntnissen (laut Studienfortschritt) und der Gruppengröße (5 – 6 Studierende) entsprechen Die Studierendengruppen werden zu Semesteranfang in einer Kick-off-Einheit der jeweiligen Lehrveranstaltung gebildet. Von den Gruppen wird in einem Abstimmungsprozess je Gruppe ein/e Projektleiter/in bestimmt. Die Projektleiter/innen (Projektleitung) übernehmen die Projektplanung, die Erstellung eines Kommunikationsplans (Art und Häufigkeit der Kommunikation mit allen Beteiligten) sowie generelle Projektmanagementaufgaben, aber auch inhaltliche Aufgaben. Je nach Projekt können Projekte auch agil (in kleineren Zyklen) umgesetzt werden. Aufgabe der Projektleitung ist auch der erste Entwurf eines Forschungsziels und die Identifikation einer möglichen Forschungsfrage. Die Studierenden wählen selbständig aus, welche Tools (z.B. für die Kommunikation untereinander, Zeitaufzeichnungen, Projektmanagement) sie einsetzen, wobei ein Fokus auf frei verfügbare Tools (z.B. Open Source-Tools) gelegt wird. Die Studierenden als Gruppe übernehmen die Verantwortung für die gesamte Projektarbeit aber auch den damit einhergehenden zu berücksichtigenden Faktoren, wie z.B. Vertraulichkeit von Daten (insbesondere bei Projekten mit Firmen), dokumentiertes Vorgehen, faire Zeitaufteilung (dokumentiert über Zeitaufzeichnungen), Richtigkeit der Angaben und die Erstellung und Abgabe der vorgegeben „Deliverables“.

Das Lehrkonzept nutzt eine zentrale Lernplattform (im konkreten Fall: Moodle) für die Kommunikation und Bereitstellung der Informationen. Zu allen Schritten im Projekt sowie-zum Thema wissenschaftliches Arbeiten erhalten die Studierenden Videos, Self-Assessment Tests und weiterführende Informationen in Übereinstimmung mit dem Projektfortschritt. Zusätzlich erhalten die Gruppen wissenschaftliche Publikationen als Startpunkt für die eigene Recherche („Seed Papers“). Diese Publikationen sind so gewählt, dass sie einen ersten Überblick vermitteln. Darauf aufbauend starten die Studierendengruppen selbständig eine Literatursuche, um sich in das Thema weiter einzulesen. Diese Suche muss entsprechend den aktuellen wissenschaftlichen Vorgaben dokumentiert werden. Im Anschluss an die Literaturrecherche wird in allen Projekten die Methode definiert, mit der die Projekte umgesetzt werden (z.B. Interviews). Insbesondere bei Projekten, in denen ein sogenanntes Artefakt entsteht (also z.B. eine Software), wird in der Regel Design Science Research als Forschungsframework in adaptierter Form genutzt (Hevner, 2007; Peffers et al., 2007). Dieses Vorgehen Ansatz sieht vor, dass Artefakte geschaffen werden, die ein reales Problem lösen bzw. besser lösen als bereits existierende Artefakte (Hevner, 2007). Dieser Ansatz erfordert ein iteratives Vorgehen, in dem das Artefakt (zur Lösung des Problems) in der realen Welt eingesetzt und nach bestimmten Kriterien evaluiert wird. Dieses Forschungsframework weist daher viele Eigenschaften auch, die auch für problembasierte Lernen anwendbar sind.

Neben inhaltlichen Input und Organisation ist die Lehrveranstaltungsleitung vor allem dafür zuständig, die Projekte im Sinne der Machbarkeit und des Lernerfolgs zu steuern, die Studierenden zu motivieren und für Fragen zur Verfügung zu stehen. Dazu sind Mechanismen notwendig, die regelmäßig den Austausch mit den Gruppen aber auch den Unternehmenspartnern ermöglichen. Dies Steuerung erfolgt über folgende Mechanismen:

  • Wöchentliche „Weeklies“: Projektleiter*in, 10 Minuten je Projektleiter/in; Ziel ist den aktuellen Status abzuklären sowie Ziele für die nächste Woche zu definieren. Die im Weekly besprochenen Inhalte werden von den Projekteiter/innen in der Lernplattform dokumentiert
  • Abstimmungsmeetings nach Bedarf (30 Minuten): jede Gruppe kann im Lauf des Semesters unbeschränkt oft die Unterstützung der Lehrveranstaltungsleiter/in Anspruch nehmen, um Punkte zu diskutieren oder zu klären. Umgekehrt kann auch die Lehrveranstaltungsleitung die Studierenden nach Absprache und Verfügbarkeit zu einem Meeting einladen, wenn Unklarheiten auftreten und es notwendig ist, dass in das Projekt stärker von außen eingegriffen wird.
  • Meilensteintermine: im Semester finden drei sogenannte Meilensteintermine statt, in der für eine Stunde (je Gruppe) alle Beteiligten (inkl. Unternehmenspartner) zusammenkommen, um den Stand des Projekts zu präsentieren und nächste Schritte abzustimmen.
  • Laufend: regelmäßig (wöchentlich) und nach Bedarf werden die Studierenden über die Lernplattform informiert, erhalten Feedback und haben auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen

Um die Ergebnisse auch entsprechend zu kommunizieren finden am Ende des Semesters sogenannte „Abschlussevents“ statt. Dazu werden alle Beteiligten aber auch frühere Unternehmenspartner eingeladen. Die Ergebnisse werden in Form von Postern präsentiert. Die Studierenden stellen auf den Postern ihre Projekte entsprechend dar und stehen den Gästen für Fragen zur Verfügung. Für die Gäste wird auch ein „Managementpaper“ verfasst, dass mitgenommen werden kann. Bei der Präsentation der Projekte in diesem Rahmen wird nicht nur auf die Gestaltung der Poster, sondern auch darauf geachtet, dass die im Projekt erarbeiteten Lösungsansätze mit den Unternehmenspartnern entsprechend abgestimmt sind (Stichwort Vertraulichkeit und Datensicherheit). Das heißt, bevor die Ergebnisse präsentiert werden müssen Sie mit den Unternehmenspartnern abgestimmt werden. Während das Poster Fähigkeiten und Fertigkeiten zur graphischen Gestaltung von Ergebnissen vermittelt wird im Managementpaper vor allem die Fähigkeit geschult, komplexere Vorgänge und Ergebnisse für alle verständlich zu kommunizieren.

Zusätzlich zu den Postern verfassen die Studierenden eine den wissenschaftlichen Richtlinien entsprechende schriftliche Arbeit. Besonders Augenmerk wird hier auf die richtige Zitation, die Dokumentation und der Einsatz der wissenschaftlichen Methode sowie die inhaltliche Richtigkeit gelegt. Darüber hinaus verfassen die Studierenden einen Blogbeitrag, um auch den Umgang mit aktuellen Medien zu trainieren.

Das Lehrkonzept „Projektbasiertes Lernen anhand realer Problemstellungen“ ist aber auch eine Möglichkeit für die Studierenden direkt mit und bei Unternehmen Projekte in einem klar abgegrenzten Bereich durchzuführen. Das heißt, es wird auch Arbeiten in heterogenen Teams, Umgang mit neuen Gegebenheiten und Stakeholdern sowie Kommunikationsfähigkeit gelernt. Fähigkeiten, die auf Erfahrung basieren und in anderen Lehrkonzepten nur schwer vermittelbar sind.

Aber auch für die Unternehmenspartner stiften die Projekte einen Mehrwert, da vor allem Problemstellungen ausgewählt werden, die für das Unternehmen eine gewisse Relevanz darstellen. Typischerweise sind das Projekte, die im Unternehmen bisher schon diskutiert wurden, deren Machbarkeit aber bisher nicht klar war. Oder es handelt sich um Problemstellungen, die von neuen Erkenntnissen aus der Wissenschaft profitieren. Die Rückmeldung der Unternehmenspartner ist ausnahmslos positiv, denn auch wenn kein Erfolg garantiert werden kann, profitieren die Unternehmen von der Auseinandersetzung mit den Themen und neuen Zugängen dazu. Die Lehrveranstaltungsleitung stellt aber auch in Vorgesprächen mit den Unternehmen sicher, dass die Studierenden nicht als Praktikant/innen gesehen werden, sondern als wertvolle Impulsgeber für eine spätere tatsächliche Umsetzung von Lösungsvorschlägen im Unternehmen.

Das Konzept wird, angepasst an die Anforderungen (ECTS, Kompetenzniveau, Studienfortschritt), auf Bachelor- und Masterniveau eingesetzt.

Referenzen

Hevner, A. R. (2007). A three cycle view of design science research. Scandinavian Journal of Information Systems, 19(2), 4.

Peffers, K., Tuunanen, T., Rothenberger, M. A., & Chatterjee, S. (2007). A Design Science Research Methodology for Information Systems Research. Journal of Management Information Systems, 24(3), 45–77.

 

Akzeptanz und Resonanz

Dass das Konzept "Projektbasiertes Lernen" gut angenommen wird zeigt sich an den hohen Anmeldezahlen jedes Semester. Darüber hinaus zeigen die Evaluierungsergebnisse (wenn vorhanden) die Zufriedenheit mit dem Lehrkonzept in unterschiedlicher Weise. Die Studierenden finden vor allem den Zugang zu praxisrelevanten Problemstellungen, die Kommunikation "auf Augenhöhe" und die tatsächliche Nutzung ihrer Ergebnisse als sehr positiv. Besonders hervorgehoben wird auch der Abschlussevent, bei dem die Studierenden die Möglichkeit haben, ihre Ergebnisse einem breiten Publikum in Form von Postern vorzustellen. Auch hier wird die offene Atmosphäre und die direkte Resonanz aus der Wirtschaft als überwiegend positiv eingeschätzt.

Nutzen und Mehrwert

Das Lehrkonzept hat für die Studierende neben dem selbständigen Erwerb von Wissen insbesondere folgenden Mehrwert:

  • Bearbeitung von realen Problemstellungen in einem klar abgegrenztem Umfeld
  • Anwendung von gelerntem Wissen inkl. Projektmanagement
  • Arbeiten als Team in auch in der Praxis existierenden Teamstrukturen mit aktuellen Projektmanagementmethoden
  • Einsatz und Anwendung von wissenschaftlichen Methoden
  • Eigenständige Verantwortung für die Ergebnisse
  • Flexibilisierung der Lehre
  • Direkte Kooperation mit Unternehmens- und Forschungspartnern
  • Fähigzeit zur gezielten Aufbereitung von Ergebnissen in graphischer und schriftlicher Form (Kurzzusammenfassung) sowie in Form von Blogposts

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2018

Das Lehrkonzept wird in unterschiedlichen Lehrveranstaltungen auf Bachelor- und Masterniveau eingesetzt, die Projektinhalte bestimmen den Schwierigkeitsgrad. Die Projekte werden vorab so ausgesucht und beschrieben, dass Sie dem jeweiligen Wissensstand (z.B. im Studienfortschritt) entsprechen und auch die Gruppengröße berücksichtigen. Das Konzept ist auf alle Lehrveranstaltungen anwendbar, die in Form eines Projekts abgehalten werden können. Es werden neben den entsprechenden inhaltlichen Skills auch transferable Skills vermittelt.

Das Konzept ist für alle Studierendengruppen denkbar, sobald Projekte aus der unternehmerischen Praxis vorhanden sind und entsprechendes Vertrauen herrscht, das den Studierenden den Zugang zu den Inhalten von Seiten der Unternehmen ermöglicht.

Institutionelle Unterstützung

Unterstützung in Form von Sichtbarkeit und Flexibilität sowie den Zugang zur Wirtschaft bzw. zu Projektpartnerunternehmen.

Für alle Lehrveranstaltungen gelten die üblichen QM-Maßnahmen (z.B. Evaluierung), in den regelmäßig stattfindenden Abstimmungsterminen ist direktes Feedback durch die Studierenden möglich. Die Ergebnisse werden am Ende des Semesters von der LVA-Leitung gesichtet und für die nächsten Semester berücksichtigt bzw. wird transparent mit den Studierenden besprochen welches Feedback aus welchen Gründen nicht umgesetzt werden kann.