Zuletzt aktualisiert am 02.06.2026
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in der Innenarchitektur
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Alina Bähr, Studentin an der FH Kärnten
Anwendung der Prinzipien der Kreislaufwirtschaft bei der Neugestaltung eines Secondhanshops
Ars Docendi Kategorie
Gesellschafts- und Nachhaltigkeitsorientierte Lehre
Ars Docendi Kriterien
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
- Partizipation und Mitgestaltung
Gruppengröße
< 20
Anreißer (Teaser)
Diese Lehrveranstaltung zeigt anhand eines praxisorientierten Projektes, wie man eine anspruchsvolle Innenraumgestaltung mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit effektiv verbinden kann. Mögliche Zukunftsszenarien für eine umweltschonende Bauweise.
Kurzzusammenfassung des Projekts
Das Besondere an der Lehrveranstaltung ist die Verbindung eines praxisorientierten Projektes aus dem Bereich der Innenarchitektur mit dem Thema der Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Klimakrise, Ressourcenknappheit und Umweltschutz sind Themen, die heute allgegenwärtig geworden sind. Auch in der Innenarchitektur ist unumstritten, dass eine energie- und ressourcensparende Bauweise heute notwendig ist. Durch diese Lehrveranstaltung wollten wir eine Pionierarbeit auf diesem Gebiet starten und die möglichen Zukunftsszenarien für eine nachhaltige Bauweise erforschen.
Dafür wurde ein inhaltlich passendes Thema gewählt, die Innenraumgestaltung eines Secondhandshops mit der Einbeziehung der Kreislaufwirtschaft bei der Erstellung des Designkonzeptes. Die Studierenden haben untersucht, inwiefern man die übliche Denk- und Vorgangsweise beim Innenraumdesign ändern bzw. anpassen muss, um eine gute Gestaltung mit gebrauchten Materialien zu schaffen. Dabei sind interessante Konzepte herausgekommen, von der Wiederverwendung von gebrauchten Türblättern für die Wandverkleidung bis zum Einsatz von ausrangierten Kletterwänden für die Warenträger.
Die Studierenden lernten dadurch, den praxisnahen Umgang mit umweltfreundlichen und nachhaltigen Konzepten im Bereich von Innenarchitektur und Design. Die Lehrmethoden und die Aufgabenstellung orientierten sich an ein realistisches Projekt der Innenarchitektur und des Retail-Designs aus der heutigen beruflichen Praxis.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
A distinctive feature of this course is the integration of a practice-oriented project of interior design with the themes of sustainability and the circular economy. Within interior design, there is broad consensus that energy- and resource-efficient modes of construction are now imperative. The course was conceived as a form of pioneering work in this domain, aiming to investigate potential future scenarios for sustainable interior design.
To address these objectives, a thematically appropriate project was selected: the interior design of a secondhand store. Students examined the extent to which conventional design thinking and methodological approaches in interior design must be reconsidered or adapted in order to achieve high-quality design using reclaimed materials. This inquiry generated a range of innovative concepts, from the reuse of secondhand door leaves as wall cladding to the repurposing of decommissioned climbing walls as merchandise display systems.
Through this process, students acquired practice-based competencies in the application of environmentally responsible and sustainable strategies within interior design. Both the pedagogical methods and the project brief were structured in alignment with realistic professional projects in contemporary retail design practice.
Nähere Beschreibung des Projekts
Das Besondere an der Lehrveranstaltung ist die Verbindung eines praxisorientierten Projektes aus dem Bereich der Innenarchitektur mit dem Thema der Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Das Ziel der kreislauforientierten Bauwirtschaft ist, Materialien und Produkte durch Reuse, Remanufacture und Recycling möglichst lange im Wertschöpfungsprozess zu erhalten, um Abfall und überflüssige Umweltbelastung zu vermeiden. In dieser Lehrveranstaltung wurden neue Konzepte in der Innenarchitektur erforscht, die auf den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft basieren und eine umweltverträgliche Gestaltung fördern.
Klimakrise, Ressourcenknappheit und Umweltschutz sind Themen, die heute allgegenwärtig geworden sind. Auch in der Innenarchitektur ist unumstritten, dass eine energie- und ressourcensparende Bauweise heute notwendig ist, und dass sie in Zukunft noch wichtiger sein wird. Besonders die Hochschulen haben hier die Vorreiterrolle, um zu erforschen, welche Szenarien in Zukunft möglich und realistisch sind. Durch diese Lehrveranstaltung wollten wir eine Pionierarbeit auf diesem Gebiet starten und die möglichen Zukunftsszenarien für eine nachhaltige Bauweise erforschen.
Dafür wurde ein inhaltlich passendes Thema gewählt: die Innenraumgestaltung eines Secondhandshops mit der Einbeziehung der Kreislaufwirtschaft bei der Erstellung des Designkonzeptes. Die Studierenden haben untersucht, inwiefern man die übliche Denk- und Vorgangsweise beim Innenraumdesign ändern bzw. anpassen muss, um eine gute Gestaltung mit gebrauchten Materialien zu schaffen. Dabei sind interessante Konzepte herausgekommen, von der Wiederverwendung von gebrauchten Türblättern für die Wandverkleidung bis zum Einsatz von ausrangierten Kletterwänden für die Warenträger.
Der Secondhandshop Polyklamott ist eines der ältesten Geschäfte für gebrauchte Kleidung in Wien und in Österreich. Der Gründer und Besitzer des Geschäfts, Christoph Pfandler, war von Anfang an in das Projekt involviert. Durch Gespräche mit ihm (persönlich und online) wurden seine Erfahrungen und Wünsche ermittelt, die wiederum die Grundlage für die Erstellung eines nachhaltigen künftigen Konzeptes für die Einrichtung der Geschäftsräume dienten.
Das Polyklamott wurde vor 26 Jahren gegründet. Es befindet sich im sechsten Wiener Gemeindebezirk Mariahilf. Damals war das einer der ersten Seconhandshops in Wien und Österreich. Mehrmals wurde in den Medien über das Polyklamott berichtet. Das ursprüngliche Lokal befand sich in einem Gründerzeitbau in der Hofmühlgasse. Nachdem das Gründerzeithaus einem Neubau für die Erweiterung des U-Bahn-Netzes im Jahr 2018 weichen musste, siedelte das Geschäft in ein leeres Lokal eines Nachkriegsbaus aus den 1960er-Jahren in der Mollardgasse um. Dort wurde eine provisorische Inneneinrichtung erstellt, da man nicht wusste, ob und wie lange das Geschäft in diesem Lokal bleiben würde. Seitdem sind mittlerweile schon 8 Jahr vergangen. Das Polyklamott hat sich an diesem Standort inzwischen fest etabliert. Dadurch wurde das Thema einer neuen Planung für die Inneneinrichtung des Geschäfts aktuell. In Zusammenarbeit mit der FH Kärnten wurde ein Konzept entwickelt, wodurch die Studierenden im Rahmen einer Lehrveranstaltung ein nachhaltiges Projekt für das Interior-Design des Secondhandshops Polyklamott entwickelten. Das Ergebnis kann man als Win-win-Situation bezeichnen. Dem Besitzer des Secondhandshops wurden unverbindliche Konzepte für eine neue nachhaltige Gestaltung des Lokals präsentiert, und die Studierenden lernten dadurch den Umgang mit einer praxisnahen beruflichen Situation kennen, in der noch zusätzlich das Thema Kreislaufwirtschaft eine Vorreiterrolle spielt.
Auch im Allgemeinen wird das Thema Interior-Design (bzw. die Innenarchitektur) heutzutage immer wichtiger, da immer mehr Projekte sich mit dem Bauen und Umbauen im Bestand beschäftigen – im Sinne der Schonung von Ressourcen, der Vermeidung von Neubauten und einer angestrebten weiteren Nutzung von vorhandenen Bauten.
Durch diese Lehrveranstaltung wurden die Studierenden an die theoretischen und praktischen Lernziele im Bereich der Innenarchitektur herangeführt und erlangten Kompetenzen zur Erstellung der Innenraumplanung – vom Entwurf bis zur Ausführungsplanung. Durch den besonderen Schwerpunkt des Projektes auf die Kreislaufwirtschaft wurden die Studierenden befähigt, nachhaltige und umweltfreundliche Konzepte im Bereich von Design und Innenarchitektur zu entwickeln.
Am Anfang wurden theoretische Grundlagen vermittelt über Design (Geschichte, Klassiker, aktuelle Tendenzen, heutige Hersteller), Ergonomie, Materialien, Oberflächen, Belichtung, Beleuchtung, Abläufe in der Planung und Ausführung, Konzepte und Vorgangsweisen im Bereich der Kreislaufwirtschaft (von der Findung der Quellen bis zum Einsatz von Reuse-Materialien, aber auch die Planung der künftigen Material-Kreisläufe – wie z.B. der Lebenszyklus und die mögliche Wiederverwendung der eingesetzten Baumaterialien bei einem künftigen Umbau). Dieser theoretische Input wurde während der Ausarbeitung des Projektes dauernd ergänzt und erweitert. Auf die Fragen, die im Laufe der Projekterstellung entstanden sind, wurden von den Studierenden (mit Unterstützung des Lehrenden) dauernd konkrete Lösungen gesucht und diese unmittelbar ins Projekt implementiert.
Bei den praktischen Übungen wurde ein Innenraumentwurf für das Secondhandshop erstellt, wobei der besondere Schwerpunkt auf die Wiederverwendung von Reuse-Baumaterialien gelegt wurde. Es wurden dabei alle Phasen der Innenraumplanung durchgenommen, wie die Erstellung von Raumkonzepten in Skizze und Modell (Arbeitsmodell), die als Vorbereitung für die Erstellung der digitalen CAD-Planung dienten. Weiter wurde praktisch vermittelt: Die Erstellung der Entwurfsplanung, der Ausführungsplanung (Maßstab 1:20) und der Detailplanung bis zum Maßstab 1:1 (mit fachgerechten Verbindungen und Darstellungen - wie es in der ausführenden Tischlerei üblich ist). Die Design-Methoden wurden dabei im Sinne der Nachhaltigkeit und der Wiederverwendung von Baumaterialien angepasst, wie z.B. die modulare Bauweise, die es bei verschiedenen Reuse-Materialoberflächen immer noch ein harmonisches Erscheinungsbild ergibt.
Die Darstellung der Entwurfskonzepte der Studierenden wurde so vermittelt, dass die Studierenden dabei alle Kompetenzen erwerben können, die ihnen eine fachkompetente Präsentation ihrer Ideen ermöglicht. Es wurden Darstellungen geübt sowohl im 2D-Bereich (Grundrisse und Wandansichten) als auch im 3D-Bereich (Innenraumperspektive, Vogelperspektive, Explosionszeichnung). Die CAD-Zeichnungen wurden dabei mit der Nachbearbeitung in verschiedenen Techniken kombiniert (Farben, Texturen, Schatten, Menschen, Gegenstände, Collagen ...). Ergänzend wurde das Thema der Modellfotografie behandelt (Modellfotos, Nachbearbeitung). Ein besonderer Schwerpunkt bei den vermittelten Darstellungstechniken lag dabei, die Studierenden dafür zu befähigen, kompetente Konzepte mit Reuse-Materialien zu erstellen und diese entsprechend zu präsentieren, wie zum Beispiel durch ein Reuse-Materialboard, in dem Möglichkeiten und Designkonzepte des zirkulären Bauens erläutert werden. Diese Art von Projektpräsentation hat das Ziel, die potenziellen Auftraggeber:innen sachlich und fachlich davon zu überzeugen, in ein nachhaltiges und zukunftsorientiertes Projekt zu investieren.
Das besonders Innovative an dem didaktisch-methodischen Aufbau dieser Lehrveranstaltung war die enge Verbindung von einem praxisorientierten Projekt der Innenarchitektur mir dem heute sehr aktuellen Thema der Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft. Die Studierenden hatten die Gelegenheit, zukunftsorientierte Designkonzepte zu entwickeln und diese einer Prüfung auf Praxistauglichkeit zu unterziehen. Die angedachten Konzepte wurden noch während ihrer Erstellung ständig den tatsächlichen Anforderungen des Betreibers des Secondhandshops gegenübergestellt und auf ihre Machbarkeit in Bezug auf die Verfügbarkeit der Reuse-Materialien überprüft (siehe unten bei den „Projektdaten“ die eingesetzten Plattformen). Im Mittelpunkt des didaktischen Konzeptes dieser Lehrveranstaltung stand die Vertiefung des Bewusstseins der Studierenden für die nachhaltigen Designkonzepte sowie die Stärkung ihrer Kompetenzen im Bereich des umweltschonenden zirkulären Bauens.
Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Besitzer und Betreiber des Secondhandshops Polyklamott durchgeführt, so dass die Studierenden bei der Ausarbeitung ihrer Aufgaben die Gelegenheit hatten, auf die tatsächlichen Wünsche und Vorstellungen des Auftraggebers zu reagieren. Auf diese Weise lernten sie, ein realistisches, praxisnahes Projekt umzusetzen. Durch die Einbeziehung des Aspektes der Kreislaufwirtschaft in das Projekt wurden die Studierenden auf das Thema der Nachhaltigkeit praxisgerecht vorbereitet, so dass sie in ihrem künftigen Berufsleben Kompetenzen haben, zukunftsorientierte und resiliente Designkonzepte zu entwickeln und diese überzeugend darzustellen und zu präsentieren.
Die Lehrveranstaltung Innenarchitektur mit dem Schwerpunkt Kreislaufwirtschaft wird als Wahlpflichtfach im Studiengang Architektur an der FH Kärnten angeboten. Das Interesse der Studierenden an dem Thema ist sehr groß und die Anmeldezahlen dem entsprechend sehr gut. Es melden sich hauptsächlich Studierende aus dem Masterstudium Architektur, aber auch aus dem Bachelorstudium Architektur. In der Lehrveranstaltung wird ein praxisnahes Projekt mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft erstellt. Die Ermittlung von Bedürfnissen der Nutzer:innen sowie die Erforschung der Möglichkeiten von nachhaltigen Designkonzepten sind ein Bestandteil der Projektarbeit. Die Entwicklung des Projektes wird laufend und intensiv von der Lehrperson begleitet. Nach der Fertigstellung des Projektes gibt es eine große Feedback-Runde und die Präsentation der Ergebnisse vor dem Bauherrn, bzw. dem Auftraggeber und Betreiber des Secondhandshops.
Das Projekt und die Lehrveranstaltung wurden von den Studierenden sehr gut angenommen. Es kam klar zum Ausdruck, dass die Junge Generation ein sehr ausgeprägtes Bewusstsein für die aktuellen Themen von Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft hat. Durch die Themenwahl dieser Lehrveranstaltung hatten die Studierenden eine sehr gute Gelegenheit, ihre Kenntnisse zu diesen Themen zu vertiefen und Konzepte zu entwickeln, die gesellschaftlich und wirtschaftlich in Zukunft noch eine größere Bedeutung haben werden.
Projektdaten:
Das Thema war die Neugestaltung des bestehenden Secondhandshops Polyklamott in der Mollardgasse 13, 1060 Wien (https://www.polyklamott.at/) nach den Prinzipien des nachhaltigen Designs. Im Bereich der Kreislaufwirtschaft wurden aktuelle Plattformen für die Vermittlung und das Knowhow herangezogen, wie z.B. „Materialnomaden“ (www.materialnomaden.at), oder „Baukarussell“ (www.baukarussell.at), oder „Re-Use Austria“ (www.reuseaustria.at), aber auch Plattformen wie „Willhaben“ (www.willhaben.at) und andere Quellen für die Beschaffung von gebrauchten Baumaterialien.
Akzeptanz und Resonanz
Das Wahlpflichtfach Innenarchitektur mit dem besonderen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit wurde im Studiengang Architektur an der FH Kärnten als Pilot-Projekt eingeführt, um das Interesse der Studierenden in diesem Gebiet zu erkunden. Im Rahmen ihrer Ausbildung haben die Studierenden weder davor noch danach ein ähnliches Angebot in ihrem Studienplan. Das Interesse der Studierenden war von Anfang an sehr groß, was die Anmeldezahlen für das Wahlpflichtfach belegen. Als Ergebnis der Lehrveranstaltung kamen sehr interessante Ideen und Projekte der Studierenden hervor, die in zwei großen Ausstellungen an der FH Kärnten ausgestellt wurden.
Das Thema der Nachhaltigkeit in der Innenarchitektur hat bei den Studierenden eine sehr gute Resonanz gefunden. Dafür sprechen sehr interessante Gespräche mit den Studierenden während der Projektausarbeitung, aber auch die positiven und gut überlegten Feedbacks bei der Evaluierung der Lehrveranstaltung. Die Studierenden bewerteten folgende Aspekte der Lehrveranstaltung besonders positiv (Zitate aus der Evaluierung): „Das freie Gestalten. Dass es genug Vorgaben gab aber genügend Freiraum. Dass die Kreislauffähigkeit im Vordergrund stand. Freie Arbeitszeit, Modellbau, gute Grundlage mit Bestandsgrundrissen und 3D Datei. Freiraum, direkte und persönliche Betreuung. Klare Kommunikation mit dem Lehrenden, verständliche Darstellung der Inhalte, angenehme Dialoge, angepasster Aufwand.“
An dieser Stelle muss auch die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Projektpartner aus der Wirtschaft hervorheben werden: Der Betreiber des Secondhandshops, Christoph Pfandler, wurde von Anfang an in das Projekt involviert. Seine langjährige Erfahrung im Secondhand-Retail-Bereich und seine klaren Vorstellungen über das Merchandising-Design waren für die Studierenden ein sehr wertvolles Projektinput. Das ermöglichte den Studierenden, durch dieses Projekt eine praxisnahe und zeitgemäße berufliche Erfahrung zu machen. Andererseits war es sehr schön zu beobachten, wie der Projektpartner über die Ergebnisse der Studierendenarbeiten sehr positiv überrascht war. Er bezeichnete sie einerseits als zukunftsorientiert, und andererseits als praxisnahe und wirtschaftlich realistisch.
Und nicht zuletzt muss man die Resonanz erwähnen, die diese Lehrveranstaltung bei den Kolleginnen und Kollegen an der FH Kärnten hervorgerufen hat. Die ursprüngliche Idee, einen Kurs für Nachhaltige Innenarchitektur an der FH Kärnten ins Leben zu rufen, ist in Zusammenarbeit mit dem Studiengangsleiter des Studiengangs Architektur, Wolfgang Grillitsch, entstanden. Er verdankt seine Expertise auf dem Gebiet seiner langjährigen Erfahrung als Studiengangsleiter des Studiengangs Innenarchitektur an der FH Stuttgart. Andererseits kommt meine Qualifikation als Lehrender auf dem Gebiet aus meiner einschlägigen praktischen Erfahrung, aber auch aus meiner langjährigen Tätigkeit in der bisherigen Lehre an anderen Hochschulen und Universitäten (siehe die Angaben über meine Lehrtätigkeit auf meiner Homepage, in diesem Formular unter Links/Betreuer des Projektes abrufbar). Mit diesen Voraussetzungen wurde der Kurs konzipiert und an der FH Kärnten im Studiengang Architektur den Studierenden angeboten. Die Schwerpunktsetzung auf Nachhaltigkeit war eine bewusste Entscheidung, die sich aus der aktuellen Situation von Wirtschaft und Umwelt logisch ergibt. Auch auf diesem Gebiet konnte ich auf meine bisherige Erfahrung (Lehre und Projekte an der TU Wien) aufbauen und ein kompetentes Lehrkonzept für die Lehrveranstaltung an der FH Kärnten entwickeln.
Das Konzept der neuen Lehrveranstaltung Nachhaltigkeit in der Innenarchitektur hat auch das Interesse der Kolleginnen und Kollegen an der FH Kärnten erweckt. So haben wir in diesem Zusammenhang angefangen, eine umfangreiche Mustersammlung an der FH Kärnten anzulegen. Dafür wurden weitere Kontakte mit den Partnern aus der Wirtschaft geknüpft und ausgebaut, wie zum Beispiel mit der Firma Fundermax.
Die Lehrveranstaltung wurde bisher zweimal abgehalten. In diesem Sommersemester 2026 wird sie zum dritten Mal angeboten. Am Konzept der Lehrveranstaltung wird aufgrund der Feedbacks der Studierenden und der Ergebnisse ihrer Projektarbeit laufend gearbeitet und optimiert. Eine öffentliche Anerkennung, wie die Auszeichnung Ars Docendi, wäre eine wertvolle Unterstützung für die weitere Entwicklung und Implementierung der Themen von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in der Hochschullehre, besonders im Bereich von Innenarchitektur und Umweltgestaltung.
Nutzen und Mehrwert
Der besondere Mehrwert und die Alleinstellungsmerkmale des Projekts liegen in der starken Verbindung von fachlichen Themen der Innenarchitektur mit den heute sehr aktuellen Themen der Umwelt, Ressourcenknappheit und Kreislaufwirtschaft. Durch diese Lehrveranstaltung wurde ein gänzlich neuer Schwerpunkt in der Architekturausbildung an der FH eingeführt und gleich mit dem hoch aktuellen Thema der Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht. Dadurch entwickelten sich sehr interessante Synergien, die sowohl das kreative Denken der Studierenden inspirierten (Erforschung von neuen, umweltverträglichen Designkonzepten) als auch ihr Bewusstsein für die Umwelt im Allgemeinen förderten.
Zusätzlich war bei diesem Projekt eine neue Form der Kooperation zwischen der Lehre und den Partnern aus der Wirtschaft sehr wichtig. Auf der einen Seite fungierte der Betreiber des Secondhandshops, Christoph Pfandler, als ein realistischer Auftraggeber aus der Praxis, der den Studierenden eine wertvolle und Erfahrung in der Abwicklung des Projektes ermöglichte. Auf der anderen Seite stellte die Zusammenarbeit mit den Firmen Fundermax und Dupond, die für das Projekt nützliche Mustersammlungen ihrer neuesten Produkte zur Verfügung gestellt haben, für die Studierenden eine notwendige Ergänzung für ihre Kreislaufwirtschaft-Konzepte dar – da diese Produkte (obwohl neu hergestellt) den strengen europäischen und österreichischen Umweltnormen unterliegen. Die Synergien aus der Zusammenarbeit mit den Partnern aus der Wirtschaft entwickelte sich zu einer gegenseitigen Bereicherung. Denn auch die beteiligten Firmen zeigten ein großes Interesse an der Arbeit der Studierenden, die für sie als zukunftsorientierte Unternehmen sehr interessante Impulse für die weitere innovative Entwicklung ihrer Produkte gegeben haben. Diese Tatsache ermutigte die Studierenden zusätzlich, dass sie auch in ihrer künftigen beruflichen Arbeit umweltverträgliche Deisgnkonzepte entwickeln, und dass sie dabei auf die Zusammenarbeit und Unterstützung der Wirtschaft rechnen können.
Es bleibt zu hoffen, dass die Lehrveranstaltung mit dem Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in der Innenarchitektur an der FH Kärnten weiter angeboten werden kann. Die Nominierung zum Staatspreis für exzellente Lehre Ars Docendi wäre ein wichtiger Beitrag dazu.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2024
Gegebenenfalls geplanter Endzeitpunkt: offen
Das Lehrprojekt Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in der Innenarchitektur wird im Studiengang Architektur an der FH Kärnten bereits seit zwei Jahren als Wahlpflichtfach angeboten. Seit der erstmaligen Abhaltung der Lehrveranstaltung setzte man verschiedene Projektthemen fest, von der Innenraumgestaltung im Bereich der Gastronomie bis zum Retail-Design. Das sind praxisnahe Themen, die am häufigsten als künftige Aufträge für ein Innenrumprojekt infrage kommen. In Zusammenhang mit dieser Lehrveranstaltung wurde an der FH eine einschlägige Materialmuster-Sammlung angelegt, die weiter ausgebaut wird, und die auch für andere Lehrveranstaltung im Studiengang Architektur zur Verfügung gestellt wird. Zusätzlich setzte man bei diesem Lehrprojekt zum ersten Mal den Schwerpunkt auf die Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Die Lehrveranstaltung wurde sehr gut von den Studierenden angenommen. Von der Studiengangsleitung ist geplant, das Angebot dieses Wahlpflichtfaches in Zukunft zu erhalten.
Die Schwerpunktsetzung auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in der Innenarchitektur fand ein großes Interesse auch unter den anderen Lehrenden im Studiengang Architektur der FH Kärnten und eröffnete vollkommen neue Perspektiven für die künftige Zusammenarbeit innerhalb des Studiengangs – wie z.B. gemeinsame fächerübergreifende Projekte mit dem Schwerpunkt der Umweltverträglichkeit und Ökobilanzierung. Denn das sind heutzutage sehr wichtige Themen, die in Zukunft noch aktueller sein werden. Die Hochschulen als Forschungs- und Ausbildungsstätten sollen auch in diesem Bereich eine Vorreiterrolle spielen, um die Möglichkeiten und Szenarien für eine nachhaltige bauliche Praxis der Zukunft auszuloten.
Institutionelle Unterstützung
Das Projekt bzw. die Lehrveranstaltung Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in der Innenarchitektur wurde in Absprache und in Zusammenarbeit mit der Studiengangsleitung entwickelt und als Wahlpflichtfach im Studiengang Architektur erfolgreich implementiert. Von der FH Kärnten, Standort Spittal an der Drau, wurde dabei die Infrastruktur zur Verfügung gestellt, die für die Arbeit der Studierenden notwendig war (Arbeitsräume, Modellbaumaterial, Bibliothek, Computer, etc.). Durch die gute Stundenplanung und administrative Unterstützung seitens der Hochschule war eine intensive und konzertierte Projektarbeit der Studierenden begünstigt. Auch die räumlichen Distanzen zwischen Kärnten und Wien wurden sehr gut durch eine zusätzliche Möglichkeit der Online-Konferenzen ergänzt. Des Weiteren unterstützte mich Kollege Michael Murauer (als Lehrender im Studiengang Architektur an der FH Kärnten) bei der Instandsetzung und beim Aufbau der Materialmuster-Sammlung, die nun auch für andere Lehrveranstaltungen zur Verfügung steht. Er unterstützte mich ebenfalls bei der Vorbereitung der Projekte der Studierenden, die bei der Jahresausstellung an der FH präsentiert wurden.
Für das Projekt bzw. die Lehrveranstaltung Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in der Innenarchitektur als Wahlpflichtfach im Studiengang Architektur an der FH Kärnten gibt es eine reguläre Online-Evaluierung durch die Studierenden (siehe: Akzeptanz und Resonanz). Dieses Feedback wird für die ständige Qualitätsverbesserung und Weiterentwicklung der Lehrveranstaltung genutzt. Auch die persönlichen Gespräche mit den Studierenden während und nach der Lehrveranstaltung (in den Übungen bzw. während der Projektarbeit in kleinen Gruppen) ergaben nützliche Hinweise zur weiteren Verbesserung des Lehrangebots. Die Gespräche mit den anderen Lehrenden an der FH, die das Interesse am Thema der neu implementierten Lehrveranstaltung zeigten, lieferten interessante Anregungen, die wichtige Impulse für die künftige Weiterentwicklung des Lehrprojektes.
Und nicht zuletzt hat es bei dieser Projektarbeit zusätzlich eine begleitende Qualitätsüberprüfung durch die ständige Bewertung der Projektergebnisse auf ihre Praxistauglichkeit gegeben. Das geschah einerseits durch die projektbegleitende Ermittlung der Anforderungen des Auftraggebers (Projektpartner aus der Wirtschaft) und durch sein Feedback. Andererseits war eine wichtige Erfahrung im Sinne der Qualitätsüberprüfung bei diesem Projekt auch das Ausloten der Möglichkeiten der Kreislaufwirtschaft in der Praxis. Die Teilnehmenden an der Projektarbeit waren mit realistischen Situationen und Problemen aus der Praxis konfrontiert, die sie als Teil ihrer Arbeit zu lösen gelernt haben. Diese Tatsache hat sowohl für die Studierenden als auch für die Lehrenden wertvolle Hinweise in Bezug auf die Konzeption und die Qualität des Projektes geliefert.