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Zuletzt aktualisiert am 07.08.2026

One Health – Alles hängt zusammen. Mysterys & Lernmaterialien für gesellschaftlich wirksame Nachhaltigkeitsbildung.

PHT

Multiplikator:innen-Workshop

Kurzzusammenfassung des Projekts

Das Projekt „One Health – Alles hängt zusammen“ zeigt, wie Hochschullehre gesellschaftliche Wirkung entfalten kann. Studierende entwickeln im Rahmen von Lehrveranstaltungen gemeinsam mit Praxispartner:innen Mystery-Lernformate zu Klimawandel, Gesundheit, Umwelt und Konsum. Diese fördern selbstgesteuertes, forschendes Lernen und systemisches Denken und werden in Schule, Hochschule und außerschulischer Bildung eingesetzt. Durch transdisziplinäre Kooperationen, Design-Based Research und frei zugängliche Materialien trägt das Projekt zur nachhaltigen Transformation von Bildungsprozessen bei.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The project “One Health – Everything is connected” demonstrates how higher education teaching can generate societal impact. Within their courses, students collaborate with practice partners to develop mystery-based learning formats on climate change, health, environment, and consumption. These formats promote self-directed, inquiry-based learning and systems thinking and are used in schools, higher education, and non-formal educational contexts. Through transdisciplinary collaborations, design-based research, and openly accessible materials, the project contributes to the sustainable transformation of educational processes.

Nähere Beschreibung des Projekts

Das Lehrprojekt verbindet One-Health-Education (1) mit der Mystery-Methode zu einem innovativen Lernarrangement in der Lehrer:innenbildung. Ziel ist es, Lehramtsstudierende zu befähigen, komplexe gesellschaftliche Herausforderungen wie Gesundheit, Ernährung, Umwelt und Nachhaltigkeit didaktisch aufzubereiten und in lernwirksame Unterrichtssettings zu übersetzen.

 

Ausgangspunkt des Projekts ist die Beobachtung, dass Themen der nachhaltigen Entwicklung und des One-Health-Ansatzes (2) im Unterricht häufig als abstrakt oder überfordernd wahrgenommen werden. Gleichzeitig besteht in der Lehrpersonenbildung die Herausforderung, Studierende nicht nur mit fachlichem Wissen auszustatten, sondern sie zu befähigen, komplexe Zusammenhänge lernwirksam zu vermitteln und Lernende zu eigenständigem Denken anzuregen.

Vor diesem Hintergrund wurde ein Lehrprojekt entwickelt, in dem Studierende Mystery-basierte Lernarrangements zu realen gesellschaftlichen Fragestellungen entwickeln. Die Mystery-Methode ist ein problemorientiertes Lernformat, bei dem Lernende anhand von Informationskarten Zusammenhänge rekonstruieren und gemeinsam eine Leitfrage klären. Dadurch werden analytisches Denken, Perspektivenwechsel und kooperatives Problemlösen gefördert. (3)

Im Projekt wird diese Methode didaktisch weiterentwickelt und mit dem Deeper-Learning-Ansatz verbunden. Das Lehrdesign folgt einem mehrphasigen Lernarrangement.

In einer vorbereitenden Phase setzen sich Studierende mit zentralen Kompetenzen auseinander, die für komplexe Problemlösesituationen erforderlich sind, etwa das Strukturieren von Informationen, das Erkennen von Ursache-Wirkungs-Beziehungen oder kooperative Entscheidungsprozesse.

In einer zweiten Phase entwickeln Studierende eigenständig Mystery-Lernarrangements zu gesellschaftlich relevanten Fragestellungen im Kontext von Ernährung, Gesundheit und Umwelt. Die Studierenden übernehmen dabei Verantwortung für Recherche, didaktische Strukturierung und Gestaltung der Materialien.

In einer anschließenden Erprobungsphase werden die entwickelten Lernarrangements gemeinsam mit Lernenden in schulischen Kontexten eingesetzt. Die Studierenden begleiten die Durchführung, beobachten Lernprozesse und reflektieren die Wirkung der Methode.

Eine abschließende Performanzphase ermöglicht es den Lernenden, ihre Erkenntnisse in konkrete Produkte zu überführen, etwa in Form von Unterrichtsmaterialien, Infografiken oder Handlungsempfehlungen für nachhaltiges Handeln im Alltag.

 

Das Projekt verfolgt mehrere Ziele.

Ein zentrales Ziel ist die Förderung systemischen Denkens. Lernende sollen komplexe Zusammenhänge zwischen Umwelt, Ernährung und Gesundheit erkennen und verstehen, wie individuelle Entscheidungen mit globalen Prozessen verbunden sind.

Ein weiteres Ziel besteht darin, Studierende in der Lehrpersonenbildung aktiv in die Entwicklung von Bildungsressourcen einzubeziehen. Sie werden nicht nur zu Anwenderinnen und Anwendern didaktischer Methoden, sondern zu Co-Designerinnen und Co-Designern von Lernmaterialien.

Darüber hinaus zielt das Projekt darauf ab, Lernmaterialien zu entwickeln, die über die Lehrveranstaltung hinaus genutzt werden können. Die im Projekt entstandenen Materialien werden als Open Educational Resources veröffentlicht und stehen Lehrpersonen frei zur Verfügung.

Die primäre Zielgruppe des Lehrprojekts sind Studierende der Lehrer:innenbildung im Bereich Ernährungs- und Verbraucher:innenbildung (EVB). Gleichzeitig profitieren auch Lernende in schulischen Kontexten von den entwickelten Lernarrangements, da diese im Rahmen der Lehrveranstaltung erprobt werden.

Die Wirksamkeit des Projekts wird wissenschaftlich begleitet. Im Rahmen eines Design-Based-Research-Ansatzes (4) werden Lehr-Lern-Settings entwickelt, erprobt, analysiert und weiterentwickelt. Erste Ergebnisse wurden in einer fachdidaktischen Studie veröffentlicht. Die Mystery-Lernarrangements wurden in mehreren Lernsettings erprobt und evaluiert, darunter Lernende der Sekundarstufe I und II, Studierende der Lehrpersonenbildung sowie Teilnehmende einer Public-Health-Veranstaltung.

 

Die Evaluation zeigt eine hohe Lernwirksamkeit. Ein Großteil der Lernenden berichtet ein gesteigertes Interesse am Thema nachhaltige Ernährung und One Health sowie eine erhöhte Motivation, das Gelernte im Alltag umzusetzen. Zudem wird das selbstständige Lernen im Mystery-Setting von den Teilnehmenden überwiegend positiv bewertet.

Besonders hervorzuheben ist die aktive Rolle der Lernenden im Projekt. So entwickelten beispielsweise 48 Schülerinnen und Schüler einer Praxismittelschule nach der Teilnahme an einem Mystery-Workshop selbst eigene Mystery-Lernarrangements. Dieser Perspektivenwechsel erwies sich auch für die Studierenden als besonders lernwirksam, da sie Lernprozesse nicht nur planen, sondern gemeinsam mit Lernenden reflektieren und weiterentwickeln konnten.

 

Die im Projekt entwickelten Materialien werden über verschiedene Kooperationen verbreitet. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit mit der GIVE-Servicestelle für Gesundheitsförderung an Österreichs Schulen. In diesem Rahmen wurde eine frei zugängliche Broschüre für Lehrpersonen entwickelt, die von GIVE aktiv ausgeschickt wird (5).

Das Projekt wird zudem von der Agenda Gesundheitsförderung der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), dem Klimaresilienzzentrum sowie von der AGES unterstützt. Darüber hinaus erfolgt eine Dissemination der Materialien über das Österreichische Jugendrotkreuz Tirol, wodurch die Materialien rund 1500 Lehrpersonen zugänglich gemacht werden.

 

Auch im wissenschaftlichen Diskurs stößt das Projekt auf großes Interesse. Auf einer wissenschaftlichen Tagung wurde das Projektteam von Forschenden aus der Fachdidaktik Biologie angesprochen, darunter Prof. Dr. Finja Grospietsch (Universität Koblenz), eine ausgewiesene Expertin für Mystery-basierte Lernarrangements (6). Eine Kooperationen zur gemeinsamen Weiterentwicklung und Erforschung des Ansatzes befindet sich derzeit in Vorbereitung. Die vom Projektteam der PH Tirol erstellten Unterrichtsmaterialien sollen 2026 auch in Koblenz zum Einsatz kommen.

 

Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Hochschullehre gesellschaftliche Wirkung entfalten kann: Studierende entwickeln als aktive Gestalterinnen und Gestalter innovative Lernformate, erproben diese in schulischen Kontexten und reflektieren ihre Wirkung. Gleichzeitig entstehen offene Bildungsressourcen (OERs), die Lehrpersonen langfristig im Bildungssystem nutzen und weiterentwickeln können.

 

 

(1) Überall, M., Albert, S. & Fink, T. (2025). One Health – junge Menschen für Gesundheit und Nachhaltigkeit begeistern und befähigen, HiBiFo–Haushalt in Bildung und Forschung, 4, 93-104. - so wie auch basierend auf: Togami, E., Gardy, J. L., Hansen, G. R., Poste, G. H., Rizzo, D. M., Wilson, M. E., & Mazet, J. A. (2018). Core competencies in one health education: what are we missing?. NAM Perspectives. doi.org/10.31478/201806a - und: Villanueva-Cabezas, J. P., Winkel, K. D., Campbell, P. T., Wiethoelter, A., & Pfeiffer, C. (2022). One Health education should be early, inclusive, and holistic. The Lancet Planetary Health, 6(3), e188-e189.

(2) AGES. (2024). One Health: Gesundheit für Mensch, Tier, Pflanzen und Umwelt. www.ages.at/ages/one-health/one-health

(3) Stephan, W., Überall, M., Albert, S., Jud, S. & Zechmann-Khreis, M. (2025). One-Health und „Nachhaltige Ernährung“ in der Verbraucherbildung – ein Mysterium?. HiBiFo–Haushalt in Bildung und Forschung, 14(2), 45–52.

(4) Bakker, A. (2018). Design Research in Education: A Practical Guide for Early Career Researchers (1. Aufl.). Routledge. doi.org/10.4324/9780203701010

(5) GIVE – Servicestelle für Gesundheitsförderung an Österreichs Schulen. (2025). One Health – Alles hängt zusammen: Mysterys & Lernmaterialien für die Schule (6.–13. Schulstufe). Pädagogische Hochschule Tirol & GIVE. => ph-tirol.ac.at/sites/default/files/I-1/Give_OneHealth.pdf bzw. www.give.or.at/produkt/one-health-alles-haengt-zusammen/

(6) Grospietsch, F. J., & Heuckmann, B. (2024). Die Mystery-Methode im naturwissenschaftlichen Unterricht. In F. J. Grospietsch & B. Heuckmann (Hrsg.), Biosphäre Mysterys SI/SII: Gesundheitsbildung – Kopiervorlagen (S. 4–7). Cornelsen. www.leibniz-ipn.de/en/research/publications/die-mystery-methode-im-naturwissenschaftlichen-unterricht

 

Nutzen und Mehrwert

Der besondere Mehrwert des Projekts liegt in der Verbindung von innovativer Lehrmethodik, studentischer Partizipation und gesellschaftlicher Wirkung. Studierende werden nicht nur als Lernende verstanden, sondern als aktive Mitgestalterinnen und Mitgestalter von Lehr- und Lernprozessen. Sie entwickeln eigenständig Mystery-Lernarrangements, erproben diese in schulischen Kontexten und reflektieren ihre Wirksamkeit im Rahmen eines forschungsbasierten Lehrsettings.

Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal besteht in der didaktischen Weiterentwicklung der Mystery-Methode. Während Mysterys häufig als einzelne problemorientierte Lernaufgaben eingesetzt werden, wird die Methode im Projekt zu einem mehrphasigen Lernarrangement erweitert. Aufbauend auf dem Deeper-Learning-Ansatz verbindet das Konzept vorbereitende Kompetenzentwicklung, kooperative Problemlösung und eine anschließende Performanzphase, in der Lernende ihre Erkenntnisse in konkrete Produkte überführen. Dadurch entsteht ein strukturiertes Lernsetting, das komplexe Nachhaltigkeitsthemen für unterschiedliche Lernniveaus zugänglich macht.

Ein weiterer Mehrwert liegt in der engen Verzahnung von Hochschullehre und schulischer Praxis. Die entwickelten Lernarrangements werden gemeinsam mit Lernenden erprobt und weiterentwickelt. Studierende erhalten dadurch die Möglichkeit, didaktische Konzepte unmittelbar in authentischen Unterrichtssituationen anzuwenden und zu reflektieren.

Das Projekt zeichnet sich zudem durch eine starke Öffnung der Hochschullehre aus. Die Materialien werden als Open Educational Resources veröffentlicht und können von Lehrpersonen frei genutzt und angepasst werden. Kooperationen mit der GIVE-Servicestelle für Gesundheitsförderung an Österreichs Schulen, der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), dem Klimaresilienzzentrum sowie dem Österreichischen Jugendrotkreuz ermöglichen eine breite Dissemination der Materialien.

Das Projekt verbindet damit Hochschullehre, schulische Praxis und offene Bildungsressourcen und trägt dazu bei, innovative Lehrmethoden nachhaltig im Bildungssystem zu verankern.

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2024

Das Lehrprojekt wurde erstmals im Sommersemester 2024 umgesetzt und ist als langfristiges Lehr-Lern-Setting konzipiert. Ein fixer Endzeitpunkt ist nicht vorgesehen. Die Mystery-basierten Lernarrangements werden im Sinne eines Design-Based-Research-Ansatzes kontinuierlich weiterentwickelt, erprobt und angepasst. Neue Studierendengruppen entwickeln in den Lehrveranstaltungen weitere Mysterys, wodurch das Material laufend erweitert wird und das Projekt vorerst in die Lehre integriert bleibt.

Das Konzept ist grundsätzlich auf andere Lehrveranstaltungen der Lehrpersonenbildung übertragbar, insbesondere in den Bereichen Bildung für nachhaltige Entwicklung, Gesundheitsbildung und Verbraucherbildung. Durch den modularen Aufbau der Mystery-Methode können einzelne Lernarrangements flexibel an unterschiedliche Themenfelder, Zielgruppen und Bildungsstufen angepasst werden.

Darüber hinaus ist das Konzept auch außerhalb der Hochschule einsetzbar. Die entwickelten Materialien werden als Open Educational Resources veröffentlicht und können von Lehrpersonen in Schulen sowie in der außerschulischen Bildungsarbeit genutzt werden. Kooperationen mit der GIVE-Servicestelle für Gesundheitsförderung an Österreichs Schulen, der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) sowie dem Österreichischen Jugendrotkreuz unterstützen die langfristige Verbreitung der Materialien.

Damit trägt das Projekt zur nachhaltigen Weiterentwicklung innovativer Lehrmethoden sowohl in der Hochschullehre als auch im schulischen Bildungssystem bei.

Institutionelle Unterstützung

Das Projekt wird institutionell durch die Pädagogische Hochschule Tirol getragen und ist in der Fachstelle Bildung für Nachhaltige Entwicklung verankert. Die Kooperation mit GIVE und GÖG stellt fachliche Expertise, Dissemination und Qualitätssicherung sicher. Infrastruktur, Forschungsbegleitung und Vernetzungsarbeit werden durch die Hochschule unterstützt.

Das Projekt ist in die hochschulinterne Qualitätskultur der Pädagogischen Hochschule Tirol eingebettet. Die zugrunde liegenden Lehrveranstaltungen unterliegen der regulären Lehrveranstaltungsevaluation der Hochschule, deren Ergebnisse systematisch in die Weiterentwicklung der Lehrkonzepte einfließen.

 

Darüber hinaus wird das Projekt im Sinne eines Design-Based-Research-Ansatzes iterativ weiterentwickelt. In verschiedenen Settings, etwa im Pop-up Village der Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Public Health sowie auf der Tagung der Gesunden Schule Tirol, wurden Materialien und Methoden erprobt und reflektiert. Feedback von Studierenden wird sowohl über die formalen Evaluationen als auch über qualitative Reflexionsformate wie Projektreflexionen, Feedbackrunden und Peer-Reviews der entwickelten Materialien erhoben.

 

Eine zusätzliche Qualitätsschleife entsteht durch die Erprobung der Mystery-Materialien in schulischen Settings der Praxismittelschule der PH Tirol. Rückmeldungen von Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern sowie Praxispartnerinnen und Praxispartnern (z. B. GIVE und Gesundheit Österreich GmbH) werden systematisch gesammelt und in die Weiterentwicklung der Materialien und Lehrformate integriert.

 

Die Ergebnisse der Erprobungsphasen werden im Projektteam reflektiert und fließen in die Weiterentwicklung der Lehrveranstaltung, der Materialien sowie der didaktischen Umsetzung ein. Auf diese Weise entsteht ein kontinuierlicher Qualitätsentwicklungsprozess, der Hochschullehre, Forschung und Praxis miteinander verbindet.