Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
NEST - New Everyday Supportive Technology
Philipp Grünauer | Green Forest Media
Co Creating: From Idea to Solution SS26: Interdisziplinäres Gespräch mit Studierende und Lernpartnerin
Kurzzusammenfassung des Projekts
NEST ist ein department- und studiengangsübergreifendes Lehrprojekt der Hochschule Campus Wien, in dem Studierende aus Technik und Gesundheitswissenschaften gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen individuelle reale Alltagsprobleme bearbeiten. Damit reagiert NEST auf die Herausforderung, interdisziplinäre Technologiethemen in der Lehre praxisnah zu erproben (fehlende reale Nutzer*innen, Zeit und Infrastruktur). Das von der Stadt Wien (MA23) geförderte Projekt erprobt die dafür notwendigen Rahmenbedingungen.
Im Fokus stehen Lehr- und Lernmethoden: problem- und fallorientiertes Lernen, Co-Creation „mit“ Betroffenen, interdisziplinäres Teamlernen mit Coaching, nutzer*innenzentrierte iterative Entwicklung (Design Thinking/User-Centered-Design) sowie „just-in-time“-Inputs, Reflexion und Evaluation. Ziele sind die Verbesserung der Lehrqualität durch Kompetenzaufbau in interdisziplinärer Zusammenarbeit, Nutzer*innenorientierung sowie systematischer Entwicklung und Evaluierung.
Bisherige Durchgänge: WS 2023/24 + SS 2024 (Workshop, 35 Studierende + fiktive/reale Lernpartner*innen), WS 2024/25 (1-semestrig, 12 Studierende), WS 2025/26 („Innovation Challenge“, 21.–22.11.2025, 25 Studierende, 5 Konzepte), SS 2026 („Co-Creation: From Idea to Solution“, 16 Studierende, 4 Weiterentwicklungen). Geplant ist 2026/27 ein Studierendenteam mit Matching von Problem-Pool und Studierenden. Erwartete Wirkungen: stärkere Nutzer*innenorientierung, bessere Zusammenarbeit und ein Nachnutzungskonzept.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
NEST is a cross-departmental, cross-degree teaching project at the University of Applied Sciences Campus Vienna in which students from engineering/technology and health sciences work together with people with disabilities on real everyday challenges. NEST responds to the challenge of testing interdisciplinary technology topics in higher education in a practice-oriented way (limited by the lack of real users, time, and infrastructure). Funded by the City of Vienna (MA23), the project pilots the necessary framework conditions.
The focus is on teaching and learning methods: problem- and case-based learning, co-creation with affected users, interdisciplinary team learning with coaching, user-centred iterative development (Design Thinking/User-Centered Design), plus “just-in-time” inputs, reflection, and evaluation. The goals are to improve teaching quality by building competencies in interdisciplinary collaboration, user orientation, and systematic development and evaluation.
Previous iterations include: winter semester 2024/25 (1 semester, 12 students), winter semester 2025/26 (“Innovation Challenge”, 25 students, 5 concepts), and summer semester 2026 (“Co-Creation: From Idea to Solution”, 16 students, 4 developments). For 2026/27, a student team format is planned matching a pool of real-world problems with interested students. Expected impacts include stronger implementation skills, greater user orientation, improved collaboration, and a sustainable reuse/roll-out concept.
Nähere Beschreibung des Projekts
Lehrprojekt NEST – New Everyday Supportive Technology
NEST ist ein department- und studiengangsübergreifendes Lehrprojekt an der Hochschule Campus Wien, in dem Studierende aus technischen und gesundheitswissenschaftlichen Studienrichtungen gemeinsam mit realen Menschen mit Behinderungen an alltagsnahen Problemstellungen arbeiten. Ziel ist, dass Studierende den Weg von der Bedarfsklärung über die gemeinsame Ideenentwicklung bis zur Erprobung und Weiterentwicklung von Lösungen im realen Anwendungskontext kennenlernen. Lehre wird als strukturierter Lernprozess „am Fall“ verstanden: begleitetes Arbeiten im Team mit regelmäßiger Rückmeldung, Reflexion und Evaluation – sodass der Lernfortschritt nicht nur am Ergebnis, sondern vor allem am Vorgehen sichtbar wird.
Ausgangslage
Digitalisierung und Technik gewinnen in der Gesundheitsversorgung stark an Bedeutung. In der Hochschullehre ist es häufig schwierig, interdisziplinäre Ansätze praxisnah zu erproben: Lehrsettings basieren oft auf fiktiven Fällen, reale Nutzer*innen fehlen oder es gibt zu wenig Zeit und Infrastruktur, um Entwicklung, Test und Verbesserung als zusammenhängenden Prozess abzubilden. Zudem scheitert interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Lehre oft an unterschiedlichen Curricula, Zeitplänen, Leistungsformen und „Fachsprachen“. NEST adressiert diese Lücke, indem es eine Lernumgebung schafft, in der Studierende nutzer*innenorientierte Entwicklung real erleben und bewältigen – begleitet, aber eigenverantwortlich. Dadurch wird Lernen nicht als „Abarbeiten von Aufgaben“, sondern als professionelles Problemlösen mit echten Rahmenbedingungen erfahrbar.
Rahmenbedingungen
NEST ist mehrjährig angelegt (Laufzeit 03.04.2023–31.03.2028) und wird von der Stadt Wien (MA23) gefördert. Die Förderung ist für dieses Format wesentlich, weil die Einbindung realer Lernpartner*innen, die Koordination interdisziplinärer Teams sowie Entwicklungs- und Testmöglichkeiten zusätzliche Ressourcen erfordern (Organisation, Betreuung, Räume, Soft-/Hardware). NEST baut deshalb stabile Bedingungen auf: klare Rollen, prozessbegleitende Mentor*innen aus mehreren Disziplinen sowie Settings für Präsenz- und hybride Zusammenarbeit. Ein zentraler Faktor ist die Koordination departmentübergreifender Studienrichtungen. Unterschiedliche Zeitstrukturen, Lehrkulturen und Wissensstände werden didaktisch genutzt: Studierende lernen, Anforderungen zu klären, Begriffe zu übersetzen, Arbeitspakete zu verteilen, Schnittstellen abzustimmen und Entscheidungen transparent zu dokumentieren. Das unterstützt zugleich die Lehrqualität, weil der Prozess nachvollziehbar wird und nicht im „Teamchaos“ endet.
Besonderheiten
- Reale Lernpartner*innen statt fiktiver Cases: Menschen mit Behinderung bringen konkrete Herausforderungen ein und geben Rückmeldung zu Ideen und Prototypen.
- Co-Creation als Grundprinzip: Lösungen entstehen „mit“ Betroffenen – von Beginn an und über mehrere Iterationen.
- Begleitung in beratender Rolle: Lehrende der unterschiedlichen Studiengänge coachen als Mentor*innen und sichern damit Qualität, ohne den Lösungsweg vorzugeben.
- Iteratives Lernen: Lernen wird als Zyklus aus Planen, Umsetzen, Feedback und Anpassen organisiert.
- Interdisziplinarität im Bachelor: Studiengangsübergreifender Kompetenz- und Wissensaustausch bereits im Bachelorstudium.
- Formatentwicklung als Projekt: NEST erprobt und verbessert unterschiedliche Lehrformate, um ein nachnutzbares Modell zu entwickeln.
Ziele
NEST zielt nicht primär auf die Vermittlung einzelner Fachinhalte, sondern auf Qualitätssicherung und -verbesserung der Lehre durch studierendenzentrierte Lernprozesse ab. Studierende sollen:
- Interdisziplinäres Denken und Handeln einüben: gemeinsame Sprache, Rollenklärung sowie begründete und transparente Entscheidungen.
- Nutzer*innenorientierung praktisch lernen: Bedarfe klären statt vermuten und Feedback in Verbesserungen übersetzen.
- Entwicklung und Evaluation als zusammenhängenden Prozess erleben: Kriterien, Datenerhebung, Reflexion, Bewertung und Adaption.
Leitidee ist: Nicht „die perfekte Lösung“ ist der Startpunkt, sondern die Fähigkeit, komplexe Praxisprobleme kompetent zu bearbeiten. Dazu gehört auch Unsicherheit auszuhalten, Alternativen zu prüfen und Entscheidungen gegenüber unterschiedlichen Anspruchsgruppen (Team, Mentor*innen, Lernpartner*innen) verständlich zu begründen.
Zielgruppen
- Primär: Studierende aus technischen und gesundheitswissenschaftlichen Studiengängen. Beteiligt im NEST-Team sind die Studiengänge Health Assisting Engineering, High-Tech-Manufacturing, Computer Science and Digital Communications, Angewandte Elektronik und Technische Informatik, Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie.
- Sekundär: Mentor*innen (Lehrende, Tutor*innen) aus Technik und Gesundheit.
- Zentrale Lernpartner*innen: Menschen mit Behinderung (verschiedene Altersgruppen und Diagnosen).
Gearbeitet wird typischerweise in Kleinteams (4–6 Studierende), weil diese Größe Verantwortung, Kommunikation und Feedback erleichtert und gleichzeitig genügend Perspektivenvielfalt ermöglicht.
Lehr-/Lernmethoden (Schwerpunkt)
1) Problem- und fallorientiertes Lernen mit realem Bedarf
NEST startet mit einem konkreten Alltagsproblem einer realen Person mit Behinderung. Studierende lernen, das Problem gemeinsam so zu beschreiben, dass es bearbeitbar wird: Was genau ist schwierig? Wann tritt es auf? Welche Ziele sind wichtig? Welche Einschränkungen und Ressourcen gibt es im Alltag? Bereits die Problemdefinition ist eine zentrale Lernleistung. Damit verschiebt sich der Fokus weg von „richtigen Antworten“ hin zu guten Fragen, klaren Anforderungen und nachvollziehbaren Kriterien.
2) Co-Creation als Lernform
Menschen mit Behinderungen sind nicht nur „Testpersonen am Ende“, sondern Partner*innen im Prozess. Studierende üben, Erwartungen zu klären, Anforderungen gemeinsam zu priorisieren und Ideen so zu kommunizieren, dass Nicht-Expert*innen sie beurteilen können. Gleichzeitig wird sichtbar, dass „alltagstauglich“ mehr bedeutet als „funktioniert technisch“: Handhabbarkeit, Verständlichkeit, Sicherheit, Aufwand und Akzeptanz werden Teil des Lernens.
3) Interdisziplinäres Teamlernen mit Coaching
Teams bestehen aus Studierenden unterschiedlicher Disziplinen; Mentor*innen unterstützen als Coaches. Trainiert werden u. a. gemeinsame Zieldefinition, Rollen- und Aufgabenklärung, Übersetzen zwischen Fachsprachen, Entscheidungsdokumentation und Teamreflexion. Mentor*innen greifen vor allem dort ein, wo Problemdefinition, Einbindung der Lernpartner*innen, Begründung von Entscheidungen oder Reflexion zu kurz kommen. Praktisch heißt das: Mentor*innen geben Orientierung über Leitfragen, Meilensteine und Feedback, aber die Teams bleiben für Planung, Priorisierung und Umsetzung verantwortlich.
4) Nutzer*innenzentrierte, iterative Entwicklung (Design Thinking / User-Centered-Design)
NEST nutzt nutzer*innenzentrierte Prozesse:
- Verstehen & Beobachten (Kontext/Bedarf klären)
- Definieren (Problem/Anforderungen präzisieren)
- Ideen finden (Optionen entwickeln)
- Prototyping (greifbar machen)
- Testen (Rückmeldung einholen)
- Anpassen (verbessern und erneut testen)
Die Schleife „Idee – Umsetzung – Feedback – Anpassung“ vermittelt realistische Praxis: Qualität entsteht in Iterationen, nicht durch die „erste richtige Idee“. Didaktisch wichtig ist auch, dass Teams mehrere Lösungswege parallel denken dürfen und lernen, Optionen anhand von Kriterien (Nutzen, Aufwand, Risiken, Alltagstauglichkeit) zu vergleichen, statt stupide bei einer Vorgehensweise zu verharren.
5) „Just-in-time“-Inputs, Reflexion und Evaluation
Theorie wird dann eingebracht, wenn sie unmittelbar gebraucht wird (z. B. Bedarfsklärung, Nutzbarkeit, Evaluationslogik). Reflexion macht Lernen sichtbar: Was hat sich durch Feedback geändert und warum? Welche Annahmen waren falsch? Welche Entscheidung war gut begründet – und welche nicht? Evaluation ist doppelt verankert: entwicklungsbegleitend (z. B. Funktionalität/Usability/Alltagstauglichkeit) und als Endevaluation (z. B. Akzeptanz/Nutzen).
Zusätzlich werden die Lehrformate selbst über alle Zielgruppen hinweg mittels Mixed-Methods (z. B. Fragebögen, Interviews, Fokusgruppen) bewertet, um das Konzept datenbasiert zu verbessern. Damit lernen Studierende auch, dass Evaluation kein „Abhaken“ ist, sondern ein Werkzeug zur Qualitätsentwicklung.
Ergebnisse, bisherige Umsetzung
NEST wird nach einer vorangegangenen Bedarfsananlyse, die nicht nur eine Zielgruppe betrachtete, sondern die Perspektiven von Studierenden, Lehrenden und Lernpartner*innen (Menschen mit Behinderung) zusammenführt, in mehreren Durchgängen erprobt und weiterentwickelt:
- WS 2023/24: Workshops und Fokusgruppen mit 14 Studierenden mit fiktiven Lernpartner*innen.
- SS 2024: Workshops und Fokusgruppen mit 21 Studierenden mit realen Lernpartner*innen.
- WS 2024/25 (einsemestrige Lehrveranstaltung):12 Studierende aus den Studiengängen High Tech Manufacturing, Ergotherapie und Physiotherapie arbeiteten gruppenweise an realen Problemstellungen für 3 Menschen mit Behinderungen. Ergebnis war neben Prototypen vor allem ein erprobtes didaktisches Grunddesign (Rollen, Teamsetup, Feedbackschleifen, Begleitung).
- WS 2025/26 (Innovation Challenge, 21.–22.11.2025): Inspiriert von dem kompakten Format eines Hackathons entwickelten 25 Studierende aus den Studiengängen Health Assisting Engineering, Computer Science and Digital Communications, Ergotherapie, High Tech Manufacturing und Gesundheits- und Krankenpflege in kurzer, intensiver Arbeitsform fünf Lösungskonzepte gemeinsam für und mit zwei Menschen mit Behinderung.
- SS 2026 („Co-Creation: From Idea to Solution“, aktuell): 16 Studierende aus den Studiengängen Health Assisting Engineering, Computer Science and Digital Communications, Ergotherapie, High Tech Manufacturing und Physiotherapie entwickeln ausgewählte Konzepte/Prototypen aus den vorangegangenen Durchgängen in einer hybriden Struktur mit Präsenzterminen mit drei Menschen mit Behinderung weiter.
- Geplant 2026/27 (Studierendenteam): Das geplante Format soll aus einem aufgebauten „Pool“ an Problemstellungen von Menschen mit Behinderung diejenigen Studierenden „matchen“, die Interesse, Kompetenzen und zeitliche Ressourcen dafür zur Verfügung stellen können. Und obwohl das Ziel ist, dass sich die Studierendenteams größtenteils selbst organisieren, werden ihnen im Sinne der Didaktik dabei Lehrende aus Gesundheit und Technik als prozessbegleitende Mentor*innen zur Seite gestellt.
Als erwartete Wirkungen stehen im Vordergrund:
- Kompetenzgewinne in interdisziplinärer Zusammenarbeit: Kommunikation, Rollen, Entscheidungsfähigkeit und Schnittstellenmanagement.
- Gestärkte Nutzer*innenorientierung: Bedarfsklärung, Feedbackkompetenz, Priorisierung und Verständnis von Alltagstauglichkeit.
- Einblick in partizipative Entwicklung durch iterative Arbeitsweise und begründete Evaluation.
- Verbesserung der Lehrqualität durch datengestützte Formatweiterentwicklung.
- Nachnutzungskonzept, das das Format langfristig curricular anschlussfähig verankert.
Nachhaltigkeit/Nachnutzung
NEST ist darauf ausgerichtet, aus bisherigen Durchgängen ein evaluiertes Modell zu entwickeln, das zu Hochschulstrukturen passt: realitätsnah, interdisziplinär, methodenfokussiert und zugleich organisatorisch umsetzbar. Die systematische Projektevaluation und die iterative Weiterentwicklung der Formate bilden die Grundlage für ein ausgereiftes Nachnutzungskonzept. Ziel ist eine langfristige Verankerung in bestehenden Lehrveranstaltungen bzw. ergänzenden Teamformaten, ohne die Kernprinzipien (reale Einbindung, Co-Creation, Iteration, Evaluation, Coaching) zu verlieren.
Nutzen und Mehrwert
Durch NEST entsteht ein klarer Mehrwert für alle beteiligten Zielgruppen, weil das Projekt Lernen konsequent an realen Bedarfen ausrichtet und damit eine Lücke zwischen Hochschullehre und Anwendungspraxis schließt. Studierende erleben interdisziplinäres, lösungsorientiertes und praxisnahes Arbeiten mit realen Menschen mit Behinderungen statt mit fiktiven Fallbeispielen. Das steigert nicht nur die Motivation, sondern fördert auch nachhaltigen Lernerfolg: Studierende erheben Anforderungen verständlich, begründen Entscheidungen, koordinieren sich im Team und übersetzen Rückmeldungen systematisch in Verbesserungen. Sie erwerben damit Kompetenzen, die in klassischen Lehrsettings oft nur schwer vermittelbar sind – insbesondere Nutzer*innenorientierung, Schnittstellenkompetenz und die Fähigkeit, iterative Entwicklungs- und Evaluationsschleifen professionell zu gestalten.
Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal von NEST ist die Verbindung aus Co-Creation, Interdisziplinarität und iterativem Formatdesign: Die betroffenen Personen sind nicht „Testpersonen am Ende“, sondern aktive Lernpartner*innen über den gesamten Prozess hinweg. Gleichzeitig werden unterschiedliche Lehrformate in mehreren Durchgängen und Settings (z. B. einsemestrige Lehrveranstaltung, kompakte Innovation Challenge) gezielt erprobt und weiterentwickelt. Dadurch werden didaktische Rahmenbedingungen nicht nur angenommen, sondern evidenzbasiert getestet: Welche Rollen, Betreuungsformen, Zeitstrukturen und Kommunikationsformate braucht es, damit Zusammenarbeit zwischen Disziplinen gelingt und Lernen am Prozess sichtbar wird? Das macht NEST besonders anschlussfähig und unterstützt ein tragfähiges Nachnutzungskonzept.
Für die Hochschule Campus Wien entsteht zusätzlicher Mehrwert durch die Verschränkung auf Studiengangs- und Departmentebene: NEST stärkt die Zusammenarbeit zwischen Technik und Gesundheit und unterstützt die Profilbildung im Bereich innovativer Lehre. Lehrende profitieren vom Austausch und der Vernetzung mit Kolleg*innen anderer Programme und Tätigkeitsfelder – fachlich wie didaktisch – und können Methoden und Perspektiven in die eigene Lehre übertragen. Insgesamt entwickelt NEST damit nicht nur Kompetenzen bei Studierenden, sondern fördert auch eine hochschulweite Kultur interdisziplinärer, nutzer*innennaher Lehrinnovation.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2024
Gegebenenfalls geplanter Endzeitpunkt: März 2028
NEST ist als Entwicklungsprojekt konzipiert, das langfristig in eine stabile Struktur an der Hochschule Campus Wien überführt werden soll. Die bisherigen Durchgänge testen gezielt, welche Rollen, Betreuungsformen, Zeitstrukturen und Settings interdisziplinäre Zusammenarbeit mit realen Lernpartner*innen in Form von Menschen mit Behinderung am besten ermöglichen. Vieles spricht dafür, dass NEST in ein Studierendenteam-Format münden könnte – das wird im letzten Durchgang noch geprüft.
Studierendenteams bedeuten: Studierende arbeiten über längere Zeit in festen Teams, tragen gemeinsame Verantwortung, übernehmen Rollen und werden begleitend beraten statt dauerhaft gesteuert. Genau das passt gut zu Hochschulrealitäten mit unterschiedlichen Stundenplänen und Studienlogiken und unterstützt nachhaltige interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Die Übertragbarkeit ist hoch: Der methodischer Kern von NEST (problemorientiertes Lernen, Co-Creation, iterative Entwicklung, Reflexion/Evaluation) lässt sich als Teamsetting, Projektmodul oder Challenge in andere Lehrveranstaltungen übertragen – innerhalb wie außerhalb der Hochschule. An der Hochschule Campus Wien sind interdisziplinäre Studierendenteams bereits langjährig verankert (https://www.hcw.ac.at/departments/technik/aktiv-werden-in-unseren-studi-teams); ein NEST-Studierendenteam würde dieses Portfolio um einen klar sozialen und inklusiven Aspekt erweitern, dass schon von verantwortlicher Seite auf Interesse gestoßen ist.
Institutionelle Unterstützung
Die Hochschule Campus Wien unterstützt das Projekt NEST auf mehreren Ebenen – organisatorisch, kommunikativ und durch interne Serviceeinheiten. Kommunikativ trägt die Unternehmenskommunikation zur Sichtbarkeit bei, indem sie das Projekt über hochschulinterne Kanäle (z. B. Infoscreens) bewirbt, redaktionelle Beiträge ermöglicht und das Projekt auch für externe Medien aufbereitet; so wurde NEST etwa in einem Artikel der futurezone.at (https://futurezone.at/science/massgeschneiderte-alltagshelfer-fuer-menschen-mit-behinderung/403111480) einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Administrativ und finanziell wird das Projekt über bestehende Supportstrukturen begleitet: Bei der Vorbereitung und Einreichung wissenschaftlicher Förder- bzw. Projektanträge unterstützt die Abteilung Forschung insbesondere in der Abstimmung und Kommunikation mit Fördergebern; das Controlling unterstützt in der Budgetplanung und -steuerung, sodass Projektmittel nachvollziehbar und regelkonform eingesetzt werden können.
Inhaltlich-ethisch steht die hochschulinterne Ethikkommission als zentrale Anlaufstelle zur Verfügung und berät bei forschungsethischen Fragestellungen sowie im Hinblick auf gute wissenschaftliche Praxis.
Für Diversität, Barrierefreiheit und angemessene Zusammenarbeit mit den Lernpartner*innen unterstützt das Gender & Diversity Management, dessen Grundsätze an der Hochschule strategisch verankert sind. Zusätzlich kann die Behindertenvertrauensperson bei Fragen zur passenden Ansprache, zu Barrierefreiheitsaspekten und zur sensiblen Gestaltung der Zusammenarbeit beitragen.
NEST ist im Projektformat systematisch an Qualitätsentwicklung gekoppelt, weil Evaluation und Weiterentwicklung integrale Bestandteile des Vorhabens sind. Die einzelnen Durchgänge dienen nicht nur der Durchführung, sondern werden regelmäßig reflektiert und evaluiert, um das Lehr- und Lernsetting schrittweise zu optimieren. Rückmeldungen aus mehreren Perspektiven – Studierende, Mentor*innen/Lehrende sowie Lernpartner*innen (Menschen mit Behinderung) – werden genutzt, um zentrale Qualitätsdimensionen wie Rollen- und Prozessklarheit, Passung der Zeitstruktur, Wirksamkeit der Begleitung, Verständlichkeit der Kommunikation sowie Praxistauglichkeit der eingesetzten Methoden laufend zu verbessern. Ziel dieser iterativen Qualitätsarbeit ist ausdrücklich ein eingebettetes, nachhaltiges Format, das langfristig in der Lehre verankert werden kann.
Eine direkte Anbindung an die zentral organisierte Lehrveranstaltungsevaluierung (LV-Evaluierung) besteht derzeit noch nicht, da NEST aktuell als Projektformat unterschiedliche Settings erprobt und weiterentwickelt. Für das angestrebte nachhaltige Endformat ist jedoch vorgesehen, NEST in die regulären Qualitätsprozesse der Hochschule einzubetten – einschließlich der LV-Evaluierung. Dadurch wird die projektinterne, formative Qualitätsentwicklung um ein standardisiertes, hochschulweit etabliertes Feedbackinstrument ergänzt und die kontinuierliche Verbesserung auch im Regelbetrieb abgesichert.