Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
Kooperations- und Experimentierraum KI in der Berufsbildung: Hochschullehrgang „Künstliche Intelligenz im IT-Unterricht der Berufsbildung“ (PH Tirol und HAUP)
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Claudia Mair. Nutzung für die Ars-Docendi-Einreichung mit freundlicher Genehmigung der Urheberin.
Die Abbildung zeigt eine Concept Map. Sie verknüpft KI-Kompetenz, Ethik, Medienbildung, Automatisierung, AI-Leadership und Unterrichtsideen und macht sichtbar, wie technologische, didaktische und werteorientierte Perspektiven zusammenwirken.
Ars Docendi Kategorie
Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Ars Docendi Kriterien
- Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
Gruppengröße
50-150
Anreißer (Teaser)
Ein berufsbegleitender Online-Hochschullehrgang als Kooperations- und Experimentierraum: Lehrpersonen erproben, reflektieren und entwickeln den KI-Einsatz im IT-Unterricht der Berufsbildung weiter – praxisnah und hochschulübergreifend.
Kurzzusammenfassung des Projekts
Der berufsbegleitende Online-Hochschullehrgang „Künstliche Intelligenz im IT-Unterricht der Berufsbildung“ reagiert auf einen akuten Qualifizierungsbedarf: KI verändert berufliche Arbeitsprozesse – und damit auch, welche Handlungskompetenz im Unterricht aufgebaut und nachvollziehbar beurteilt werden muss. Der Lehrgang ist als Kooperations- und Experimentierraum konzipiert und qualifiziert aktive Lehrpersonen für einen kompetenzorientierten, begründeten KI-Einsatz in Unterricht und Assessment.
Didaktisch verbindet das Format kooperative Online-Lehre, moderierte Peerprozesse und systematischen Praxistransfer. Teilnehmende entwickeln KI-bezogene Lehr-Lern-Arrangements, erproben sie im eigenen Unterricht und entwickeln sie auf Basis von Rückmeldungen und Reflexion weiter. Die hochschulübergreifende Umsetzung durch die Pädagogische Hochschule Tirol und die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik schafft dafür einen gemeinsamen Lern- und Reflexionsraum über unterschiedliche Bereiche der Berufsbildung hinweg.
Seit Oktober 2024 haben 85 Teilnehmende den Lehrgang abgeschlossen. Eine öffentliche Online-Impulsreihe öffnet das Format zusätzlich für Bildungsöffentlichkeit und Zivilgesellschaft und erreichte über 1.000 Teilnahmen. Damit wirkt der Lehrgang über den unmittelbaren Teilnehmendenkreis hinaus in Bildungsöffentlichkeit und Zivilgesellschaft.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
The part-time online university course “Artificial Intelligence in IT Teaching in Vocational Education” responds to an urgent qualification need: AI is changing professional work processes – and with them the kinds of practical competence that teaching must develop and assess in transparent and comprehensible ways. Designed as a space for cooperation and experimentation, the course qualifies practicing teachers for a competence-oriented and well-founded use of AI in teaching and assessment.
Didactically, the course combines cooperative online teaching, moderated peer processes, and systematic transfer into practice. Participants develop AI-related teaching and learning arrangements, test them in their own classrooms, and further refine them through feedback and reflection. Jointly delivered by the University College of Teacher Education Tyrol and the University College for Agrarian and Environmental Pedagogy, the course creates a shared space for learning and reflection across different areas of vocational education.
Since October 2024, 85 participants have completed the course. A public online lecture series further opens the format to the wider educational community and civil society and has reached more than 1,000 participants. In this way, the course extends beyond its immediate participants and contributes to broader educational discourse.
Nähere Beschreibung des Projekts
Ausgangslage und Zielsetzung
Generative KI-Systeme haben Unterricht, Prüfung und die professionelle Rolle von Lehrpersonen in kurzer Zeit verändert [1]. In der Berufsbildung zeigt sich das besonders deutlich. Unterricht ist hier auf berufliche Handlungskompetenz ausgerichtet und muss an reale Arbeitsprozesse, Qualitätsstandards und konkrete Entscheidungssituationen anschließen [2]. Genau an dieser Stelle greift KI ein. Sie verändert Arbeits- und Lernprozesse in der beruflichen Praxis. Damit verändert sich auch, welche Handlungskompetenz im Unterricht aufgebaut werden soll und wie sie sichtbar und nachvollziehbar beurteilt werden kann. Für Lehrpersonen verschiebt sich der Fokus dadurch weg von reiner Ergebnisproduktion und stärker hin zu Lernwegen, begründeten Entscheidungen und einem reflektierten Umgang mit KI. Daraus ergibt sich ein konkreter Qualifizierungsbedarf. Der Hochschullehrgang ist als berufsbegleitende Weiterbildung für aktive Lehrpersonen konzipiert, die ihre laufende Unterrichtspraxis einbringen. Er bietet einen strukturierten Rahmen, um KI fachlich einzuordnen, Aufgaben- und Beurteilungsformate weiterzuentwickeln und AI Literacy so aufzubauen, dass Lernende KI-Ergebnisse kritisch prüfen und verantwortungsvoll nutzen [3]. Gerade für die Berufsbildung gab es bislang kaum strukturierte, transferorientierte Weiterbildungsangebote mit gesichertem Praxisbezug. Der Hochschullehrgang „Künstliche Intelligenz im IT-Unterricht der Berufsbildung“ wurde als Reaktion auf diesen Handlungsdruck entwickelt. Im Sinne eines „Kooperations- und Experimentierraums KI in der Berufsbildung“ verbindet er hochschulübergreifende Zusammenarbeit mit didaktisch abgesicherter Erprobung in der Schulpraxis. Ziel ist ein Weiterbildungsformat, das an die Unterrichtspraxis anschließt und Lehrpersonen dabei unterstützt, AI Literacy als professionell begründete Handlungskompetenz im eigenen Unterricht aufzubauen und umzusetzen.
Didaktische Fundierung und Kompetenzorientierung
Didaktisch stützt sich der Lehrgang auf das Konzept der Media and Information Literacy [4]. Im Zentrum steht ein Umgang mit digitalen Informationen und KI-generierten Inhalten, der Verstehen, Bewerten und Gestalten verbindet. Dieses Verständnis wird mit den EPIK-Domänen professionellen Lehrer:innenhandelns verknüpft und damit an zentrale Bereiche professioneller Praxis verbunden – etwa an Reflexions- und Diskursfähigkeit, Kooperation, Differenzfähigkeit und professionelle Weiterentwicklung [5]. Die Lernergebnisse sind als zertifizierbare Kompetenzen ausgewiesen. Absolvent:innen sollen KI-Anwendungen fachlich einordnen, rechtliche und ethische Fragen berücksichtigen und didaktische Entscheidungen nachvollziehbar begründen können. Sie entwickeln KI-bezogene Lehr-Lern-Arrangements für den berufsbildenden IT-Unterricht, erproben diese, evaluieren sie und reflektieren die Ergebnisse. Daraus leiten sie konkrete Anpassungen für den eigenen Unterricht ab. Weil sich Technologien und Anwendungen derzeit besonders dynamisch weiterentwickeln, war es von Beginn an wichtig, Perspektiven aus Forschung, Hochschule und Berufspraxis systematisch einzubeziehen. Im Lehrgang geschieht das über eine geöffnete Vorlesung, die aktuelle Entwicklungen aufnimmt, externe Expertise einbindet und Vernetzung ermöglicht.
Hochschulübergreifende Kooperation und Lehrgangsdesign
Der Hochschullehrgang wurde gemeinsam von der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik konzipiert und umgesetzt. Die Kooperation war nicht nur organisatorische Voraussetzung, sondern Teil des didaktischen Konzepts. Erst durch die Zusammenarbeit konnte ein gemeinsamer Lehrgang entstehen, der Expertise bündelt und unterschiedliche Kontexte der Berufsbildung in einem Lernraum zusammenführt. Teilnehmende aus berufsbildenden mittleren und höheren Schulen sowie aus dem land- und forstwirtschaftlichen Schulwesen arbeiten an fachlichen und didaktischen Fragen des KI-Einsatzes. Die Heterogenität der Teilnehmendengruppe wird dabei didaktisch bewusst genutzt: Unterschiedliche schulische Kontexte, technische Voraussetzungen und Erfahrungen mit KI erweitern den gemeinsamen Reflexions- und Entwicklungsraum.
Lehr-Lern-Design, kooperatives Lernen als durchgängiges Prinzip
Kooperative Lehr- und Arbeitsformen sind im Hochschullehrgang nicht bloß ergänzende Methoden, sondern ein durchgängiges Gestaltungsprinzip. Zentrale Lernaktivitäten sind strukturierte Online-Aktivitäten in moderierten Foren, dialogische Austauschformate, kollaborative Arbeitsaufträge sowie die gemeinsame Strukturierung von Begriffen und Zusammenhängen in Concept Maps. Kooperation dient dabei nicht nur dem Austausch, sondern der gemeinsamen Schärfung von Unterrichtsentscheidungen unter unterschiedlichen Praxisbedingungen. Synchrone und asynchrone Phasen sind so aufeinander abgestimmt, dass Teilnehmende kontinuierlich Beiträge leisten, aufeinander reagieren und gemeinsame Verständigungsprozesse dokumentieren. Die Moderation unterstützt nicht nur die Organisation, sondern auch Begründungs- und Reflexionskompetenz. So entsteht ein Lernraum, in dem kooperative Online-Lehre, Praxiserprobung und kollegiale Rückmeldung eng miteinander verschränkt sind.
Praxistransfer und Rückkopplung als Qualitätsmotor
Ein zentrales Merkmal des Lehrgangs ist die enge Rückkopplung zwischen Hochschule und beruflicher Praxis. Teilnehmende entwickeln KI-bezogene Unterrichtsbausteine, erproben diese im eigenen schulischen Kontext, reflektieren die Umsetzung und führen ihre Erfahrungen wieder in den gemeinsamen Lernprozess zurück. So entsteht kein einmaliger Transfer, sondern ein iterativer Arbeitszusammenhang, in dem Unterrichtsideen unter realen Bedingungen geprüft, überarbeitet und weiterentwickelt werden.
Gerade darin zeigt sich die Qualität des Formats. Didaktische Entscheidungen bleiben nicht abstrakt, sondern müssen sich in konkreten Unterrichts- und Beurteilungssituationen bewähren. Fragen der Transparenz im KI-Einsatz, der Nachvollziehbarkeit von Lernwegen und der Beurteilbarkeit beruflicher Handlungskompetenz werden an realen Beispielen gemeinsam geklärt. Rückmeldungen aus Praxis, Peergroup und Lehrgangsbegleitung werden genutzt, um Entwürfe zu schärfen und an die jeweiligen Rahmenbedingungen anzupassen. Der Praxistransfer ist damit nicht nachgelagert, sondern integraler Bestandteil des Lehrgangsdesigns. Er unterstützt Teilnehmende dabei, didaktische Entscheidungen begründet zu treffen, zu reflektieren und für den eigenen Unterricht tragfähig weiterzuentwickeln.
Eingangsvoraussetzungen, Leistungsnachweise und Abschlussformate
Als Eingangsvoraussetzung absolvierten die Bewerber:innen vorab den KI-MOOC der Virtuellen PH. Damit war ein gemeinsames Ausgangsniveau gesichert, sodass die Lehrgangszeit gezielt für didaktische Vertiefung, Erprobung und Transfer genutzt werden konnte. Die Leistungsnachweise sind eng an die im Lehrgang angestrebten Kompetenzen gebunden. Ein zentrales Element des Abschlusses ist die eigenständige Arbeit an einer realen Herausforderung aus der eigenen Unterrichtspraxis. Die Teilnehmenden entwickeln ein KI-bezogenes Lehr-Lern-Arrangement, erproben es im eigenen Setting, reflektieren die Ergebnisse und leiten daraus konkrete Anpassungen ab. Damit wird nicht nur sichtbar, ob KI eingesetzt wurde, sondern wie begründet didaktische Entscheidungen getroffen, überprüft und weiterentwickelt werden. Die Ergebnisse werden in Videopräsentationen oder Postern dokumentiert und im Rahmen eines Präsentationstags vorgestellt. Kurze Pitches und dialogische Speed-Dating-Settings in Kleingruppen schaffen einen Rahmen, in dem Teilnehmende ihre Überlegungen erläutern, Rückfragen aufgreifen und Entscheidungen im kollegialen Austausch begründen. Leistung wird damit nicht allein über ein Endprodukt erfasst, sondern über die Verbindung von Entwicklung, Erprobung, Reflexion und professioneller Kommunikation.
Öffnung der Lehre, Impulsreihe als Lernressource und Beitrag zur AI Literacy
Ein fixer Bestandteil des Hochschullehrgangs ist eine geöffnete Vorlesung, die als öffentliche Online-Impulsreihe über den Kreis der Lehrgangsteilnehmenden hinaus für Bildungsöffentlichkeit und Zivilgesellschaft angeboten wird. Die Öffnung ist Teil des didaktischen Konzepts. Sie ermöglicht es, aktuelle Entwicklungen, externe Expertise und unterschiedliche Perspektiven zeitnah in den Lehrgang einzubinden. Didaktisch wird die Impulsreihe eng mit dem Lehrgang verknüpft. Beiträge aus den Vorträgen werden in Online-Aktivitäten und Forumsdiskussionen aufgegriffen, in Concept Maps verarbeitet und mit den eigenen Entwicklungsarbeiten der Teilnehmenden rückgekoppelt. Externe Impulse bleiben damit nicht auf der Ebene der Information, sondern werden in Reflexion, Unterrichtsentwicklung und kollegialen Austausch überführt. Gerade in einem Themenfeld mit hoher Dynamik trägt diese Öffnung dazu bei, Aktualität laufend zu sichern. Zugleich entsteht ein erweiterter Lern- und Austauschraum, in dem Lehrgangsteilnehmende mit externen Expert:innen und weiteren Bildungsinteressierten in Kontakt kommen.
Ergebnisse, Weiterführung und beobachtbare Entwicklungen
In drei Durchgängen mit Start im Oktober 2024 haben insgesamt 85 Teilnehmende den Hochschullehrgang abgeschlossen. Ein vierter Durchgang startet im Sommersemester 2026 mit voraussichtlich rund 25 weiteren Teilnehmenden. Rückmeldungen verweisen auf hohen Lernerfolg, sehr gute Organisation und transparente Kommunikation; besonders hervorgehoben wird die Bedeutung der Peergroup-Arbeit. Im Verlauf des Lehrgangs wurde deutlich, dass viele Teilnehmende die erarbeiteten Inhalte in einer Phase erprobten, in der schulische Rahmenbedingungen für den KI-Einsatz häufig erst im Entstehen waren. Zugänge zu Plattformen, technische Lösungen und organisatorische Klärungen waren vielerorts noch nicht gesichert. Vor diesem Hintergrund agierten zahlreiche Teilnehmende als frühe Akteur:innen. Sie pilotierten KI-bezogene Unterrichtsbausteine unter realen Bedingungen und machten sichtbar, welche Hürden im Schulalltag zu bewältigen sind – etwa Fragen der Infrastruktur, der Nutzungsbedingungen, der Transparenz im KI-Einsatz und der Beurteilbarkeit. Erfahrungen, Hürden und praktikable Lösungswege wurden in den Lehrgang zurückgespielt und in der Gruppe weiterbearbeitet. So entstand eine geteilte, praxisnahe Wissensbasis, die nicht nur den Transfer stützte, sondern auch die Weiterentwicklung der Unterrichtsdesigns ermöglichte. Auch auf Arbeitsebene wurde die hochschulübergreifende Zusammenarbeit kontinuierlich weitergeführt. Abläufe, digitale Infrastrukturen und didaktische Zugänge wurden abgestimmt und weiterentwickelt. Darüber hinaus entstand gemeinsam mit Teilnehmenden eine peer-reviewed Open-Access-Publikation, die zentrale Erfahrungen aus dem Lehrgang bündelt und Praxiswissen über den unmittelbaren Lehrgangskontext hinaus zugänglich macht. Der Hochschullehrgang wurde damit nicht nur fortgeführt, sondern auch in seinen didaktischen, organisatorischen und kooperativen Strukturen weiterentwickelt.
[1] Miao, F., Holmes, W., & Zhang, H. (2023). Guidance for generative AI in education and research. UNESCO. [2] Gössling, B., & Ostendorf, A. (2021). Curriculum work under conditions of digital transformation. Journal of Vocational Education & Training, 73(4), 589–607. Sloane, P. F. E. (2003). Schulnahe Curriculumentwicklung. Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 99(3), 417–440. [3] Long, D., & Magerko, B. (2020). What is AI literacy? Competencies and design considerations. In Proceedings of the 2020 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems (pp. 1–16). ACM. [4] Grizzle, A., Wilson, C., Tuazon, R., Cheung, C. K., Lau, J., & Fischer, R., et al. (2021). Media and Information Literate Citizens: Think Critically, Click Wisely! UNESCO. [5] Schratz, M., Paseka, A. & Schrittesser, Ilse (Hrsg.) (2011): Pädagogische Professionalität quer denken – umdenken – neu denken. Impulse für next practice im Lehrerberuf. Wien.
Akzeptanz und Resonanz
Die Akzeptanz des Hochschullehrgangs zeigt sich in seiner Tragfähigkeit als berufsbegleitendes Weiterbildungsangebot für im Dienst stehende Lehrpersonen in der Berufsbildung. Trotz kleiner, hoch spezialisierter Zielgruppe konnte das Angebot über drei Durchgänge stabil umgesetzt werden (WS 2024/25: 30, SoSe 2025: 30, WS 2025/26: 25; gesamt 85 Absolvent:innen). Gerade weil die Teilnahme parallel zum Berufsalltag erfolgt, sind diese Zahlen auch ein Hinweis auf eine hohe Passung zwischen Format, Arbeitsbelastung und wahrgenommenem Nutzen. Ein zentraler Ermöglichungsfaktor war die hochschulübergreifende Kooperation. Durch gemeinsame Ansprache, gebündelte Ressourcen und abgestimmte Qualitätsstandards ließ sich ein Format realisieren, das jede Institution für sich nur eingeschränkt hätte tragen können.
Resonanz entstand im Lehrgang selbst und weit darüber hinaus. Innerhalb des Lehrgangs wurde Kooperation erfahrbar gemacht. Moderierte Forenarbeit, kollaborative Arbeitsaufträge und strukturierte Austauschphasen machten unterschiedliche Perspektiven aus der Schulpraxis sichtbar und unterstützten den Transfer in laufende Unterrichts- und Beurteilungsfragen. Im Zentrum stand nicht die schnelle Produktion von Ergebnissen, sondern die Frage, wie Entscheidungen begründet werden, wie KI-Einsatz transparent gemacht wird und wie sich Beurteilbarkeit im KI-Kontext herstellen lässt. So wurde im Teilnehmendenkreis nicht nur Wissen aufgebaut, sondern auch eine gemeinsame Sprache für schulische Abstimmungen und für die Kommunikation mit Kollegien entwickelt.
Sandra Breitenberger (1. Durchgang HLG, 2024) beschreibt diese Qualität so: „Die offenen Online-Impulsvorträge waren für mich besonders bereichernd, weil sie den Austausch mit Spezialistinnen aus der Praxis ermöglichten. Auch die Beiträge namhafter Expertinnen waren durchgehend auf hohem Niveau. Die überschaubare Gruppengröße begünstigte kooperatives Lernen, Breakout-Diskussionen und Forenbeiträge machten unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Besonders motivierend war die Abschlussarbeit: einen Unterrichtsbaustein entwickeln, durchführen, evaluieren und reflektieren, selbstverständlich unter Einsatz von KI.“
Resonanz zeigte sich auch darin, dass viele Teilnehmende Inhalte des Lehrgangs in einer Phase aufgriffen, in der schulische Rahmenbedingungen für den KI-Einsatz vielerorts erst im Entstehen waren. Fragen zu Zugängen, Nutzungsbedingungen, Transparenz und Beurteilbarkeit wurden nicht nur im Lehrgang bearbeitet, sondern in schulische Abstimmungen, Kollegien und Entwicklungsprozesse zurückgetragen. Damit wurde der Lehrgang für viele Teilnehmende zu einem Ort, an dem frühe Erfahrungen gebündelt, praktikable Lösungswege diskutiert und für den eigenen Standort anschlussfähig gemacht wurden. Dass diese Resonanz auch auf Schulebene wirksam wurde, zeigt die Rückmeldung von Theresia Stoff, Teilnehmerin des Hochschullehrgangs und Direktorin einer Schule in der Steiermark: „Ich initiiere interne Fortbildungen, verankere KI-Ziele im Qualitätsmanagement (QMS), binde Eltern aktiv ein und treibe die Anschaffung einer DSGVO-konformen Plattform voran, damit KI sicher und professionell genutzt werden kann.“
Die österreichweite Resonanz wurde vor allem durch die Öffnung einer zentralen Vorlesung als öffentliche Online-Impulsreihe sichtbar. Die Impulsreihe öffnete den Lehrgang für Bildungsöffentlichkeit und Zivilgesellschaft und schuf einen niedrigschwelligen Zugang zu aktuellen Fragen rund um KI in der Bildung. In drei Reihen mit jeweils fünf Impulsen wurden über alle Termine hinweg mehr als 1.000 Teilnahmen verzeichnet. Die Reichweite ging über Österreich hinaus, unter anderem nach Deutschland und in die Schweiz. Gleichzeitig stärkte das Format die Vernetzung innerhalb Österreichs, weil Lehrpersonen aus unterschiedlichen Schularten und Regionen im selben Austauschraum zusammenkamen.
Zusätzlich zeigt die Nutzung der bereitgestellten Ressourcen [1], dass die Inhalte über den Live-Termin hinaus wirksam bleiben. Die Abrufe der Aufzeichnungen und PDFs weisen über drei Zeiträume hinweg insgesamt 2.720 Nutzungen aus. Das spricht dafür, dass die Inhalte nicht nur situativ rezipiert, sondern als Materialpool für Unterrichtsvorbereitung, kollegiale Abstimmung und Weiterarbeit wiederholt herangezogen werden. In einem Feld, das sich rasch verändert, entsteht damit ein geteilter Referenzrahmen, der Entscheidungen in Schulen unterstützt, ohne dass jede Einrichtung Grundlagen und Orientierung neu erarbeiten muss.
Die Öffnung erwies sich auch deshalb als Qualitätsmerkmal, weil aktuelle Expert:innenperspektiven zeitnah eingebunden werden konnten und zugleich ein Austauschraum mit Bildungsöffentlichkeit und Zivilgesellschaft entstand.
Nutzen und Mehrwert
Der besondere Mehrwert des Hochschullehrgangs liegt in der Verbindung von hochschulübergreifender Kooperation, berufsbegleitender Lehre und systematischem Praxistransfer in einem hochdynamischen Themenfeld. Sein Alleinstellungsmerkmal besteht darin, dass er nicht auf reine Wissensvermittlung zu KI zielt, sondern als Kooperations- und Experimentierraum angelegt ist. Lehrpersonen bearbeiten KI-bezogene Fragen zu Unterricht, Assessment und beruflicher Handlungspraxis im eigenen Kontext, im Austausch mit anderen und mit direkter Rückbindung an Erprobung und Reflexion.
Der Lehrgang reagiert damit auf einen Qualifizierungsbedarf, der sich durch die schnelle Verbreitung generativer KI deutlich verschärft hat. Im Dienst stehende Lehrpersonen erhalten ein Weiterbildungsangebot, das KI fachlich einordnet und didaktische sowie prüfungsbezogene Konsequenzen bearbeitet. Der verantwortungsvolle Einsatz wird an Kompetenzaufbau, begründete Entscheidungen und Reflexion gebunden.
Ein wesentlicher Mehrwert entsteht durch die hochschulübergreifende Kooperation zwischen Pädagogischer Hochschule Tirol und Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik. Expertise, Infrastruktur und Qualitätsstandards werden gebündelt und gemeinsam genutzt. Dadurch wird ein qualitativ anspruchsvolles Angebot auch für eine spezialisierte Zielgruppe tragfähig.
Für die Teilnehmenden zeigt sich der Nutzen in einem kooperativen Lehr-Lern-Design mit moderierten Online-Aktivitäten, kollaborativen Arbeitsaufträgen und enger Rückkopplung zwischen Praxis und Hochschule. Unterrichtsbausteine werden entwickelt, im eigenen Setting erprobt, reflektiert und weiterentwickelt. Teilnehmende bringen eigene Erfahrungen ein, gestalten die gemeinsame Wissensbasis aktiv mit und bauen standortübergreifende Netzwerke auf. Damit greift das Format zentrale Merkmale wirksamer Lehrer:innenfortbildung auf: Praxisbezug, Erprobung im eigenen Kontext, Reflexion und kollegialer Austausch. Ein weiterer Mehrwert ist eine gemeinsam mit Teilnehmenden entstandene peer-reviewed Open-Access-Publikation, die zentrale Erfahrungen bündelt und Praxiswissen zugänglich macht.
[1] Wanitschek, I., Katschnig, T., Auferbauer, M., & Prorok, J. (2020). Wirksamkeit von Lehrer*innenfortbildung aus der Sicht der Fortbildner*innen. HLZ – Herausforderung Lehrer*innenbildung, 3 (1
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2024
Die Initiative ist als wiederholbares Lehr- und Weiterbildungsformat angelegt und nicht an ein einmaliges Projektsetting gebunden. Eine zentrale Voraussetzung dafür ist die hochschulübergreifende Kooperation, die bewusst unabhängig von projektgebundenen Förderstrukturen aufgebaut wurde und organisatorisch weitergeführt werden kann. Gerade bei einer kleinen, hoch spezialisierten Zielgruppe ist diese Form der Zusammenarbeit tragfähig, weil Expertise, digitale Infrastruktur und Arbeitsaufwände geteilt sowie gemeinsame Qualitätsstandards gesichert werden.
Das Konzept ist auf andere Lehrveranstaltungen und Lehrsituationen übertragbar, weil das didaktische Design curricular verankert und klar beschreibbar ist. Moderierte Online-Lernaktivitäten, kollaborative Arbeitsaufträge, strukturierter Austausch, Praxiserprobung und kooperative Prüfungssettings lassen sich auch in anderen Fachbereichen einsetzen – besonders dort, wo Unterrichtsentwicklung, Erprobung und Reflexion eng miteinander verschränkt werden sollen.
Zur Langlebigkeit trägt außerdem die Öffnung einer fixen Vorlesung als öffentliche Online-Impulsreihe bei. Externe Expertise und aktuelle Entwicklungen werden dadurch laufend eingebunden; zugleich bleiben die Beiträge als Materialpool für weitere Lehrveranstaltungen nutzbar. Die wiederholte Nachnutzung zeigt, dass das Format über die unmittelbare Teilnehmendengruppe hinaus wirksam ist und als skalierbares Weiterbildungsangebot fortgeführt und weiterentwickelt werden kann.
Institutionelle Unterstützung
Der Hochschullehrgang wurde inhaltlich und organisatorisch von mehreren Institutionen getragen. An der Pädagogischen Hochschule Tirol verantwortete das Institut der Berufsbildung unter Federführung von Gerlinde Schwabl Konzeption und Umsetzung. Unterstützt wurde der Lehrgang durch die Fachstelle für Medienbildung und Digitalisierung sowie das Institut für Personal- und Organisationsentwicklung. Die Moderation der öffentlichen Online-Impulse übernahmen Kolleg:innen der beteiligten Institute und der Fachstelle.
An der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik lag die Verantwortung beim Institut für Bildungs- und Veranstaltungsmanagement, Fort- und Weiterbildung sowie internationale Hochschulkooperationen und beim Institut für Beratung, Entwicklungsmanagement und E-Learning bzw. E-Didaktik unter Federführung von Susanne Aichinger. Auch hier wurde die Moderation der Online-Impulse von Kolleg:innen der beteiligten Institute getragen.
Als verbindliche Eingangsvoraussetzung stand der von der Virtuellen PH entwickelte KI-MOOC für Lehrpersonen in Österreich zur Verfügung, den die Teilnehmenden vorab absolvierten. Die langfristige Verfügbarkeit der Aufzeichnungen wurde über das Medienzentrum Tirol abgesichert. Dort wurden die Beiträge technisch umgesetzt und dokumentiert, sodass die Materialien auch über den Lehrgang hinaus nachhaltig genutzt werden können. Damit waren sowohl die hochschulübergreifende Umsetzung als auch die längerfristige Nutzung der Materialien strukturell abgesichert.
Das hochschulinterne Qualitätsmanagement war ein zentraler Erfolgsfaktor, weil die Zusammenarbeit von Beginn an nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell in die Qualitätssicherung beider Hochschulen eingebettet war. Das zeigte sich bereits in der gemeinsamen Curriculumentwicklung: Inhalte, Kompetenzziele und Leistungsformate wurden hochschulübergreifend abgestimmt und so ausgearbeitet, dass sie an Genehmigungsprozesse, Qualitätskriterien und formale Standards beider Häuser anschlussfähig waren. Dadurch entstand kein Parallelprodukt, sondern ein gemeinsam verantwortetes Konzept mit geteiltem Qualitätsverständnis. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Qualitätssicherung in der Online-Lehre. Weil in beiden Hochschulen einschlägige Expertise vorhanden war, konnten didaktische Standards, technische Settings und Supportstrukturen gemeinsam entwickelt und laufend abgestimmt werden. Dass die Lehrgangsleitungen die Lehrveranstaltungen gemeinsam didaktisierten und online kontinuierlich präsent waren, erwies sich dabei als zusätzlicher Qualitätsfaktor. Gerade in der Online-Lehre braucht es verlässliche didaktische Rahmung, klare Anschlussstellen zwischen den Lehrveranstaltungen und kontinuierliche Begleitung.Fü r Rückmeldungen wurden die Evaluierungsinstrumente beider Hochschulen genutzt. Ergänzend flossen Erfahrungen aus der Lehrgangsdurchführung, aus dem Austausch im Lehrteam sowie aus dem Kontakt mit Teilnehmenden in die Weiterentwicklung ein. Im zweiten Durchgang wurden Aufgabenformate angepasst, die Posterpräsentation in ein Videoformat überführt und Pitches eingeführt. Dadurch wurden Anforderungen klarer strukturiert, und die Studierenden hatten mehr Zeit für Diskussion, Rückfragen und kollegiale Reflexion im Online-Raum.
Kooperationspartner/innen
Weitere inländische Hochschulen
- Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik Wien