Zuletzt aktualisiert am 08.04.2026
KI-Literacy im Studium: Eine digitale Lernstrecke für den reflektierten Umgang mit KI
Projektname des bereits eingereichten Projekts:
CC BY Yutong Liu & Digit / https://betterimagesofai.org / https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
The undying sun hangs in the sky, as people gather around signal towers, working through their digital devices.
Gruppengröße
> 150
Anreißer (Teaser)
Die digitale Lernstrecke „KI-Einsatz im Studium“, entwickelt am Zentrum für digitales Lehren und Lernen der Universität Graz, bietet Studierenden und Lehrenden einen niederschwelligen Einstieg in einen verantwortungsvollen Umgang mit generativer KI.
Kurzzusammenfassung des Projekts
Die digitale Lernstrecke „KI-Einsatz im Studium“, entwickelt am Zentrum für digitales Lehren und Lernen der Universität Graz, bietet primär Studierenden, aber auch Lehrenden einen niederschwelligen Einstieg in einen reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit generativer Künstlicher Intelligenz. In einem modular aufgebauten Selbstlernangebot auf Moodle erwerben Teilnehmende grundlegende Kenntnisse zu Funktionsweise sowie Anwendung und Grenzen von KI, entwickeln Kompetenzen im Umgang mit KI-Tools (u. a. Prompting) und setzen sich mit zentralen Themen wie Bias, rechtlichen Rahmenbedingungen, gesellschaftlichen Auswirkungen sowie guter wissenschaftlicher Praxis und der Dokumentation von KI-Nutzung auseinander. Die Lernstrecke kann flexibel in Lehrveranstaltungen eingebunden werden, etwa im Sinne eines Flipped-Classroom-Ansatzes, und schafft eine gemeinsame Wissensbasis für die weitere Auseinandersetzung mit generativer KI im Studium.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
The digital learning path “Using AI in Your Studies”, developed at the Center for Digital Teaching and Learning at the University of Graz, primarily targets students but also serves as an entry point for instructors who want to engage with generative artificial intelligence in a reflective and responsible way. Designed as a modular self-paced Moodle course, participants acquire foundational knowledge about how AI systems work, how to use them effectively (including prompting strategies), and how to critically evaluate their outputs. The learning path addresses key issues such as bias, legal considerations, societal implications, as well as academic integrity and the documentation of AI use. It can be flexibly integrated into courses, for example in a flipped classroom setting, and establishes a shared basis for further engagement with generative AI in higher education.
Nähere Beschreibung des Projekts
Ausgangspunkt und Zielsetzung
Die rasanten Entwicklungen im Bereich der generativen Künstlichen Intelligenz stellen Hochschulen vor die Herausforderung, Studierende und Lehrende zeitnah zu einem reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit KI-Systemen zu befähigen. Ohne entsprechende Bildungsangebote besteht nicht nur die Gefahr eines Kompetenzverlusts („Deskilling“ nach Gabi Reinmann), sondern auch eines ausbleibenden Kompetenzaufbaus, wenn zentrale kognitive Leistungen im Lernprozess zu früh an KI-Systeme ausgelagert werden, notwendige eigene Denkprozesse nicht ausreichend entwickelt werden und KI-generierte Ergebnisse – im Sinne eines „Automation bias“ – unkritisch übernommen werden.
Internationale Referenzrahmen wie das UNESCO AI Competency Framework for Students – ursprünglich für den schulischen Bereich entwickelt – betonen die Notwendigkeit von Kenntnissen, Fähigkeiten und Werten für einen reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit KI. Diese Zielsetzungen sind auch für den Hochschulkontext anschlussfähig und unterstreichen die Bedeutung einer systematischen Förderung entsprechender Kompetenzen.
Gleichzeitig zeigt sich im Lehralltag, dass Lehrenden häufig die zeitlichen und strukturellen Ressourcen fehlen, um entsprechende Inhalte systematisch in ihre Lehrveranstaltungen zu integrieren. Vor diesem Hintergrund wurde am Zentrum für digitales Lehren und Lernen der Universität Graz die digitale Lernstrecke „KI-Einsatz im Studium“ entwickelt.
Umsetzung und didaktisches Konzept
Die Lernstrecke ist als fakultätsübergreifendes Angebot konzipiert und richtet sich primär an Studierende aller Fachrichtungen, steht aber auch Lehrenden und anderen Universitätsangehörigen offen. Sie ist im Lernmanagementsystem Moodle umgesetzt und umfasst etwa fünf Stunden Selbststudium. Durch ihren modularen Aufbau ermöglicht sie ein flexibles, selbstgesteuertes Lernen, bei dem Studierende einzelne Themen vertiefen können. Die Lernstrecke ist sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch verfügbar und kann damit in englischsprachigen Lehrveranstaltungen sowie von internationalen Studierenden genutzt werden.
Inhaltlich verbindet die Lernstrecke grundlegendes Wissen über Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten von KI mit konkreten Anwendungssituationen. Themen wie Bias und algorithmische Verzerrungen, rechtliche und ethische Fragen, gesellschaftliche Auswirkungen sowie ökologische Dimensionen von KI werden aufgegriffen und mit praktischen Beispielen verknüpft. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der transparenten Dokumentation und Kennzeichnung von KI-Nutzung als Teil guter wissenschaftlicher Praxis. Damit werden KI-Anwendungen nicht nur als Werkzeuge und Hilfsmittel behandelt, sondern stehen im Fokus einer reflektierten akademischen Auseinandersetzung.
Durch eine Kombination aus interaktiven Präsentationen, Videos, Reflexionsfragen und kompakten Wissenschecks werden die Inhalte didaktisch aufbereitet und zugänglich gemacht. Studierende setzen mit generativen KI-Systemen auseinander und lernen, deren Ergebnisse kritisch zu bewerten, in Bezug auf konkrete Aufgaben im Studium einzuordnen sowie – wenn für die Erreichung der Lernziele sinnvoll – mit KI-Systemen zu arbeiten, etwa durch die Entwicklung geeigneter Prompting-Strategien.
Die Lernstrecke folgt einem mehrdimensionalen Kompetenzverständnis: Sie zielt auf die reflektierte und zielgerichtete Nutzung von KI-Tools, auf deren kritische Einordnung und auf ein Bewusstsein für ihre gesellschaftlichen Auswirkungen ab. Dabei wird bewusst kein technologieaffirmativer Zugang verfolgt und stattdessen eine kritisch reflektierte Perspektive auf KI gefördert. Reflexionsfragen und integrierte Wissensüberprüfungen unterstützen diesen Prozess, indem sie zur aktiven Auseinandersetzung mit den Inhalten und zur Selbstüberprüfung des Lernfortschritts anregen.
Einbindung in die Lehre
Ein zentrales Element des Konzepts ist die Möglichkeit, die Lernstrecke gezielt in bestehende (prüfungsimmanente) Lehrveranstaltungen einzubinden. Nach erfolgreichem Abschluss eines Quiz erhalten Teilnehmende ein Zertifikat, das von Lehrenden als Teilleistung anerkannt werden kann. Dadurch entsteht ein niederschwelliger Zugang für Studierende, während Lehrende gleichzeitig entlastet werden, da sie keine eigenen umfassenden Lerneinheiten entwickeln müssen. Somit kann die Lernstrecke im Sinne eines Flipped-Classroom-Ansatzes als vorbereitende Grundlage dienen, auf der in der Präsenzlehre weiter aufgebaut wird. Das eröffnet Möglichkeiten für vertiefende Diskussionen und unterstützt so den Transfer in unterschiedliche Disziplinen und fachspezifische Kontexte.
Erfahrungen und erste Ergebnisse
Die bisherigen Nutzungszahlen und ersten Evaluationsergebnisse zeigen eine sehr positive Resonanz. Bereits im ersten Semester nach der Veröffentlichung haben sich mehr als 1500 Teilnehmende eingeschrieben, was auf einen deutlichen Bedarf an strukturierten KI-Literacy-Angeboten hinweist.
Erste empirische Einblicke liefern zudem schriftliche Reflexionen von Studierenden aus zwei Proseminaren an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät, in denen die Lernstrecke eingesetzt wurde. Auch wenn es sich hierbei um eine kleine und kontextspezifische Stichprobe handelt, zeigen die Rückmeldungen, dass die Lernstrecke überwiegend als hilfreich, informativ und für Studium wie Berufspraxis relevant wahrgenommen wird. Besonders hervorgehoben werden der strukturierte Überblick über zentrale Themen rund um KI im Studium, die Sensibilisierung für Bias und algorithmische Verzerrungen, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte sowie die Auseinandersetzung mit institutionellen Rahmenbedingungen.
Viele Studierende berichten, dass sie ihren eigenen Umgang mit KI bewusster und reflektierter gestalten, gezielter mit KI-Anwendungen arbeiten und deren Ergebnisse kritischer hinterfragen. Damit trägt die Lernstrecke dazu bei, eine gemeinsame Grundlage für die weitere fachliche und didaktische Auseinandersetzung mit generativer KI in Lehrveranstaltungen zu schaffen.
Nutzen und Mehrwert
Der Nutzen der Lernstrecke liegt insbesondere darin, dass grundlegende KI-Kompetenzen fachübergreifend, skalierbar und curricular anschlussfähig vermittelt werden können. Durch die Konzeption als modulare Selbstlernstrecke wird ein niederschwelliger Zugang geschaffen, der es Studierenden ermöglicht, sich eigenständig und flexibel mit zentralen Fragen zum Einsatz von generativer KI im Studium auseinanderzusetzen.
Für Lehrende eröffnet sich die Möglichkeit, auf ein bereits etabliertes Grundlagenangebot zurückzugreifen, ohne eigene umfassende Lerneinheiten entwickeln zu müssen oder zusätzliche Präsenzzeit dafür aufzuwenden. Studierende verfügen nach Absolvierung der Lernstrecke über ein Verständnis von Funktionsweisen und Problemlagen im Zusammenhang mit KI. Das erleichtert die fachliche Diskussion in Lehrveranstaltungen und schafft die Voraussetzung für eine vertiefte Auseinandersetzung mit KI in unterschiedlichen Disziplinen.
Die Lernstrecke kann gezielt in Lehrveranstaltungen eingebunden werden, etwa als vorbereitende Leistung oder als Grundlage für weiterführende Reflexions- und Transferaufgaben. Auf diese Weise wird KI-Literacy nicht als separates Zusatzthema behandelt, sondern sinnvoll mit fachlichen Lernprozessen verknüpft. Darüber hinaus trägt die Lernstrecke dazu bei, den Umgang mit KI im Studium zu reflektieren. Durch die explizite Thematisierung von Dokumentation, Kennzeichnung und verantwortungsvoller Nutzung wird ein Rahmen geschaffen, der Studierenden Sicherheit im Umgang mit KI bietet und zugleich Transparenz in akademischen Arbeitsprozessen fördert.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2025
Die Lernstrecke ist seit dem Wintersemester 2025/26 im Einsatz und wird kontinuierlich aktualisiert und erweitert, um mit den dynamischen Entwicklungen im KI-Bereich Schritt zu halten. Eine regelmäßige inhaltliche Weiterentwicklung stellt die langfristige Nutzbarkeit sicher.
Das Konzept ist bewusst offen und übertragbar angelegt. Bereits mehrere Hochschulen haben Interesse an einer Nutzung und Adaptation bekundet; an der Universität Innsbruck wird eine angepasste Version bereits eingesetzt. Damit zeigt das Projekt exemplarisch, wie KI-Literacy als integraler Bestandteil akademischer Bildung skalierbar und nachhaltig in bestehende Lehrkontexte integriert werden kann.
Institutionelle Unterstützung
Die Entwicklung der Lernstrecke wurde am Zentrum für digitales Lehren und Lernen der Universität Graz eigenverantwortlich umgesetzt und durch das Vizerektorat für Studium und Lehre ermöglicht.
Ein Austausch im Rahmen einer abteilungsübergreifenden Arbeitsgruppe zum Thema „KI in der Lehre“ lieferte zusätzliche Perspektiven für die Konzeption der Lernstrecke. Im Entwicklungsprozess wurden wiederholt Feedbackschleifen mit dem Zentrum für Lehrkompetenz und dem Schreibzentrum der Universität Graz genutzt, um didaktische und inhaltliche Aspekte weiter zu schärfen.
Darüber hinaus wurde die Lernstrecke mehrfach im Newsletter der Vizerektorin für Studium und Lehren und bei universitären Weiterbildungsveranstaltungen als Ressource für Lehrende vorgestellt, wodurch ihre Sichtbarkeit innerhalb der Universität erhöht werden konnte.
Die Lernstrecke wird periodisch evaluiert und Ergebnisse fließen in die Überarbeitung ein.