Projekte entdecken

Zuletzt aktualisiert am 15.05.2025

Iterative und interaktive Konzepte im Hörsaal

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Ars Docendi Kategorie

Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur

Ars Docendi Kriterien

  • Digitale Transformation
  • Innovative Hochschuldidaktik
  • Studierenden- und Kompetenzorientierung
  • Partizipation und Mitgestaltung

Gruppengröße

50-150

Anreißer (Teaser)

Interaktivität und Iteration sind Möglichkeiten um die Teilnahme im Hörsaal bei Lehrveranstaltungen ohne Anwesenheitspflicht mit mehr als 100 Studierenden attraktiv zu machen. Ein iterativer Zyklus von Inhalten - Selbststudium - Wiederholung mit interaktiven Elementen kann dieses Ziel erreichen.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Um die Anwesenheit im Hörsaal in großen Lehrveranstaltungen ohne Anwesenheitspflicht für Studierende attraktiv zu machen, können Anreize geschaffen werden. Insbesondere am Anfang des Studiums das auch eine Möglichkeit, Mitstudierende kennen zu lernen. Einführungslehrveranstaltungen tragen daher - neben den Inhatlen - auch zur Community-Bildung bei. Um für die Studierenden die Anwesenheit attraktiv zu machen, wurde ein iterativer Zyklus entworfen, der im Kern aus drei Elementen (A – C) besteht und während des gesamten Semesters wiederholt wird. Element A ist eine Einheit im Hörsaal, in der in der Regel die Inhalte vorgestellt und mit interaktiven Methoden (Fast Feedback, Gamification) unterstützt werden. Element B ist die Zeit zwischen zwei Einheiten im Hörsaal (i.d.R. zwei Wochen), in der die Studierenden sich im eigenen Tempo mit den Inhalten beschäftigen (z.B. Videos, Self Assessment Tests, Beispiele) und diese für die nächsten Einheit im Hörsaal vorbereiten. Element C ist die nächste Einheit im Hörsaal, in der die Studierenden sich interaktiv, z.B. in Kleingruppen, mit den Inhalten auseinandersetzen. Da die Gruppen für jede Aufgabe neu gebildet werden, lernen sich die Studierenden auch in großen Lehrveranstaltungen besser kennen. Die Inhalte werden z.B. durch aktuelle Fragestellungen aber auch durch wissenschaftliche Ergebnisse angereichert. Iteration und Interaktivität tragen dazu bei, dass die Inhalte besser gelernt und länger behalten werden.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

To make attendance in the lecture hall in large courses without compulsory attendance attractive for students needs incentives. However, being present is also an opportunity to get to know fellow students, especially at the beginning of the study program. In addition to the content, introductory courses contribute to community building. To make attendance attractive for students, an iterative cycle was designed, consisting of three elements (A - C) and repeated throughout the semester. Element A is a unit in the lecture hall, in which the content is usually presented and supported with interactive methods (fast feedback, gamification). Element B is the time between two units in the lecture hall (usually two weeks), in which students work on the content at their own pace (e.g. videos, self-assessment tests, examples) and prepare for the next unit in the lecture hall. Element C is the next unit in the lecture hall, in which the students engage with the content interactively, e.g. in small groups. As the groups are formed anew for each task, the students get to know each other better, even in large courses. The content is enriched by current topics but also by scientific results. Iteration and interactivity help the content to be learned better and retained longer.

Nähere Beschreibung des Projekts

Lehrveranstaltungen mit mehr als 100 Studierenden ohne Anwesenheitspflicht stehen vor der Herausforderung, Studierende im Hörsaal einzubinden und sie anzuregen auch ohne Anwesenheitspflicht die Veranstaltung zu besuchen. Dies gelingt immer dann, wenn die Studierenden einen Mehrwert durch die Anwesenheit bekommen. Gleichzeitig besteht aber auch der Anspruch, Studierende die nicht in der Einheit teilnehmen (können), entsprechend einzubinden. Das Projekte „Iterative und interaktive Konzepte im Hörsaal“ versucht diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Als positiver Nebeneffekt sind interaktive Lehrveranstaltungen auch für die Vortragenden von Vorteil, da rein routinemäßiges Abspulen von Inhalten erschwert und somit herausfordernder ist. Das Konzept wird aktuell vor allem in einer Einführungslehrveranstaltung eingesetzt, in der die Studierenden noch am Anfang des Studiums stehen. Diese Lehrveranstaltung erfüllt daher – neben den Inhalten und Querverweisen zu weiteren Lehrveranstaltungen im Studium – auch eine weitere Funktion: sie soll zur Community-Bildung der Studierenden beitragen. Ziele des Projekts sind daher nicht nur die Vermittlung des Basiswissens im Fach und die aktive Einbeziehung im Hörsaal, sondern auch die Anwesenheit im Hörsaal attraktiver zu machen, damit die Studierenden gerade am Anfang des Studiums möglichst viele Mitstudierende kennenlernen können. Das hier vorgestellte Lehrkonzept wurde für eine Lehrveranstaltung „Einführung in die Wirtschaftsinformatik“ entwickelt; die Inhalte beschäftigen sich daher überwiegend mit Themen, die dem Gebiet „Digitalisierung“ zuzuordnen sind.

Es wurde ein iterativer Zyklus entworfen, der im Kern aus drei Elementen (A – C) besteht und während des gesamten Semesters wiederholt wird. Mit Hilfe einer Lernplattform (im konkreten Fall: Moodle) werden die Elemente unterstützt, diese stehen aber allen Studierenden zur Verfügung. Teile des Zyklus wurden dem Flipped Classroom-Konzept entnommen, das heißt, die Studierenden setzen sich selbständig mit Themen vor den jeweiligen Einheiten im Hörsaal auseinander, die im Hörsaal wiederholt und vertieft werden. Die Elemente A – C können wir folgt kurz beschrieben werden:

Hörsaal - Element A:

Vorstellung neuer, noch nicht besprochener Inhalte, Vorstellung der Ziele für die Inhaltseinheit, Interaktion mit den Studierenden mit Hilfe von Fast Feedback (über die Lernplattform) zur schnellen Abklärung, ob die Inhalte verstanden wurden sowie Gamification über Quizzes im Hörsaal inkl. Darstellung der Ergebnisse. Um die Privatsphäre der Studierenden zu schützen verwenden die Studierenden für die Quizzes selbstgewählte Namen („Nicknames“)

Selbststudium (asynchron) – Element B:

zwischen zwei Hörsaaleinheiten (in der Regel im Abstand von zwei Wochen) können die Studierenden folgende Inhalte im eigenen Tempo durcharbeiten, die auf der Lernplattform zur Verfügung stehen

  • Videos: zur inhaltlichen Weiterführung der Themen, die in Element A bereits besprochen wurden. Die Videos gehen stärker in die Tiefe und beinhalten auch Übungselemente, d.h. die Studierenden erhalten Aufgaben im Video, deren Lösung im Anschluss auf der Lernplattform verfügbar ist. In den Videos werden eher kurze, in sich geschlossene Lehreinheiten präsentiert.
  • Self-Assessment Tests (SATs): die Studierenden können selbständig testen, wie gut die gelernten Inhalte der Videos bzw. aus dem Hörsaal bereits beherrscht werden. Neben Multiple- und Single-Choice-Fragen sind auch offene Aufgaben hinterlegt. Für geschlossene Fragen wird direkt anhand von Punkten automatisch eine Bewertung erstellt. Für die offenen Aufgaben gibt es keine Punkte, allerdings werden die offenen Fragen in der nächsten Hörsaaleinheit durchbesprochen. Punkte, die in den SATs erreicht werden zählen nicht zur Leistungsfeststellung und können daher beliebig oft wiederholt werden. Für die SATs wurde ein umfangreicher Fragenpool entworfen, der auch ständig weiterentwickelt wird. Daher sind die SATs zu den Inhaltseinheiten nicht immer gleich, sondern werden zufällig aus dem zugehörigen Fragenpool zusammengestellt.
  • Um die Studierenden zu ermutigen ihre Fragen möglichst frei zu stellen gibt es die Möglichkeit, anonym Fragen zu stellen, die in der nächsten Einheit auch behandelt werden.
  • Vorbereitung von Beispielen: Zusätzlich zu den in den Videos enthaltenen Beispielen sind weitere kurze Beispiele zur selbständigen Erarbeitung hinterlegt. Studierende, die sich auf diese Beispiele vorbereiten haben in der nächsten Hörsaaleinheit die Möglichkeit, Bonuspunkte (lt. Syllabus bei aktiver Teilnahme im Hörsaal) zu erhalten.
  • Auseinandersetzung mit Forschungsergebnissen, z.B. Anwendung eines Modells zur Erkennung digitaler Chancen (DTOR): es werden immer wieder aktuelle Forschungsergebnisse im Rahmen der Vorbereitung auf die nächste Einheit miteingebunden. Dies ist gerade in einer einführenden Lehrveranstaltung wichtig, um hier aufzuzeigen, wie Forschung sich auf die Inhalte auswirkt. Dabei muss so vorgegangen werden, dass klar wird, welchen Beitrag die Forschungsergebnisse für die Wissenschaft aber auch für die Ausbildung der Studierenden liefert.

Hörsaal - Element C:

In der nächsten Hörsaaleinheit werden die Inhalte der Videos kurz zusammengefasst, um eine Basis für die Einheit zu bilden. Es werden bewusst Fragen gestellt bzw. Statements geäußert („Food for Thought“), die zur Diskussion anregen sollen (Beispiel: „Wird ChatGPT Google als Suchmaschine ablösen?“. Neben den Beispielen, die bereits über die Lernplattform bereitgestellt wurden, werden auch andere Beispiele im Hörsaal bearbeitet. Dafür wird in der Regel auf ein Format zurückgegriffen, dass als „Flüstergruppe“ bezeichnet wird: Kleingruppen von 2 – 3 Studierenden diskutieren diese Fragestellungen in einer gewissen Zeitspanne (i.d.R. 10 Minuten) und halten die Ergebnisse (Digital oder auf Flip-Charts) fest, die sie danach im Plenum vorstellen. Wichtig ist dabei, dass die Flüstergruppen immer neu gebildet werden („bilden sie eine Gruppe aus Personen, mit denen Sie heute noch nicht gearbeitet haben“). Die Ergebnisse werden ausführlich im Plenum diskutiert. Am Ende der Einheit werden kurze neue Inhalte präsentiert (siehe A).

Naturgemäß muss in der ersten Einheit einer Einführungslehrveranstaltung auch das Administrative geklärt werden. Dennoch muss gerade am Anfang des Semesters ausreichend Zeit eingeplant werden, um auch Inhalte und die informellen „Spielregeln“ für die interaktiven Formate zu vermitteln.

Zur Unterstützung wird eine Lernplattform genutzt (im konkreten Fall Moodle), auf der die Videos verlinkt sind, alle Unterlagen bereitgestellt werden und die Self-Assessment Tests durchgeführt werden. Die Inhalte stehen allen Studierenden zur Verfügung, unabhängig von ihrer Anwesenheit im Hörsaal. Zusätzlich werden auch externe Angebote genutzt (z.B. Kahoot bzw. eine eigens für diesen Zweck selbstentwickelte Spieleplattform), insbesondere wenn es um die Wahrung der Anonymität der Studierenden im Rahmen der „Gamification“ geht.

Interaktive Formate und Diskussion sind für Studierende attraktiv, da die Inhalte mehrfach wiederholt, besser verstanden und gemerkt werden. Der Austausch mit Kolleg/innen und die Möglichkeit, (anonym) Fragen zu stellen, sind weitere Anreize in den Hörsaal zu kommen, da die Fragen im Hörsaal beantwortet werden. Die Community-Bildung wird durch die Flüstergruppen unterstützt, da die Gruppen ständig neu gebildet werden. Die eigentliche Beurteilung (Benotung) der Studierenden findet in einer gesonderten Prüfung statt. Entweder während des Semesters (in Klausuren zu inhaltlich klar definierten Teilen) oder am Ende des Semesters in Form einer Gesamtklausur bzw. Wiederholungsklausuren. Durch die aktive Mitarbeit im Hörsaal können aber Bonuspunkte erreicht werden, die – ein positives Klausurergebnis vorausgesetzt – zur Verbesserung der Note beitragen können. Auswertungen zeigen, dass Studierende, die aktive im Hörsaal mitgearbeitet haben, im Schnitt bei der Klausur besser abschneiden. In Gesprächen mit Studierenden in höheren Semestern zeigt sich ebenfalls ein eindeutiges Bild. Auch langfristig behalten die Studierenden die Ergebnisse länger und können z.B. nach drei Semestern noch auf die Hörsaalsituation hinweisen, in der sie die Inhalte „erfahren“ haben.

Akzeptanz und Resonanz

Das Studierendenfeedback ist überwiegend sehr gut, so wurde z.B. unlängst angegeben, dass die Lehrveranstaltung "genau so beibehalten werden soll, wie sie ist"

Nutzen und Mehrwert

  • Durch Iterationen werden Inhalte besser gemerkt und länger behalten
  • Interaktion ist für beide Seiten (Lehrend und Lernende) lohnend
  • Community-Bildung
  • Eingehen auf die Bedürfnisse der Studierenden im ersten Semester

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2018

Die Lehrveranstaltung existiert seit mehreren Jahren und wurde ständig weiterentwickelt, unter anderem basierend auf Feedback von einzelnen Studierenden aber auch in Zusammenarbeit mit der Studierendenvertretung. Gleichzeitig fließen Element ein, die in Zeiten der Corona-Pandemie entwickelt wurden.

Das Konzept ist besonder gut für Einführungslehrveranstaltungen geeignet, in denen sich die Studierenden noch nicht oder nicht sehr gut kennen.

Institutionelle Unterstützung

Tutorinnen zur Erstellung der Fragenpools

Für alle Lehrveranstaltungen gelten die üblichen QM-Maßnahmen (z.B. Evaluierung).

Die Studierenden werden auch immer wieder aufgefordert, direktes Feedback über anonyme Feedbackmechanismen (z.B. zur aktuellsten Einheit im Hörsaal) auf der Lernplattform zu geben.