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Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026

Connecting Minds Across Borders: fallbasiertes Lernen neu gedacht

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Ars Docendi Kategorie

Kooperative Lehr- und Arbeitsformen

Ars Docendi Kriterien

  • Innovative Hochschuldidaktik
  • Studierenden- und Kompetenzorientierung
  • Perspektivenerweiterung und Internationalisierung

Gruppengröße

50-150

Anreißer (Teaser)

Connecting Minds Across Borders - interprofessionelle Zusammenarbeit real erleben. In einer internationalen Lehrveranstaltung verbinden sich fallbasiertes Lernen, Selbstorganisation und Peer Teaching zu einem außergewöhnlichen Lernraum.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Es handelt sich um eine international und interprofessionell ausgerichtete Lehrveranstaltung, das Studierenden einen praxisnahen und kompetenzorientierten Zugang zu interdisziplinärer Zusammenarbeit und Lernen ermöglicht. Die Lehrveranstaltung wird in Kooperation zwischen der FH Wiener Neustadt und der Zuyd Hogeschool durchgeführt und richtet sich derzeit an Studierende der Ergotherapie und Logopädie. Ab dem Sommersemester 2026 wird das interprofessionelle Setting um die Studiengänge Physiotherapie sowie Allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege erweitert.

Im Zentrum des Projekts steht der strukturierte, digital gestützte Austausch über Länder- und Professionsgrenzen hinweg. In einem mehrstufigen Lernsetting bearbeiten die Studierenden realitätsnahe Fallbeispiele selbstorganisiert in interprofessionellen Kleingruppen. Zentrale didaktische Elemente sind Peer Teaching, fallbasiertes Lernen, kooperative Ergebnisdarstellung, strukturiertes Peer- und Lehrendenfeedback sowie reflexive Abschlussformate.

Ziel ist es, Studierenden frühzeitig ein fundiertes Verständnis für Rollen, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten unterschiedlicher Gesundheitsberufe zu vermitteln und ihre Fähigkeit zur konstruktiven, patient*-/klient*innenzentrierten und interprofessionellen Zusammenarbeit gezielt zu fördern.

Dabei werden die Reflexion der eigenen professionellen Rolle, die Entwicklung gemeinsamer Therapieziele sowie der Transfer in zukünftige berufliche Tätigkeiten im Gesundheitswesen unterstützt.

FHWN-Studierende arbeiten an internationalem Projekt (Kurzversion)

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

This is an internationally and interprofessionally oriented course that gives students practical and skills-based access to interdisciplinary collaboration and learning. The course is run in cooperation between the University of Applied Sciences Wiener Neustadt and Zuyd Hogeschool and is aimed at students of occupational therapy and speech and language therapy. In 2026, the interprofessional setting will be expanded to include the physiotherapy and general health and nursing programs.

 

The project focuses on structured, digitally supported exchange across national and professional boundaries. In a multi-stage learning setting, students work on realistic case studies in a self-organized manner in small interprofessional groups. Key didactic elements include peer teaching, case-based learning, cooperative presentation of results, structured peer and teacher feedback, and reflective final formats.

 

The aim is to give students a sound understanding of the roles, competencies, and responsibilities of different healthcare professions at an early stage and to specifically promote their ability to engage in constructive, patient/client-centered, and interprofessional collaboration.

 

In the process, reflection on one's own professional role, the development of common therapy goals, and the transfer to future professional activities in the healthcare sector are systematically supported. 

Nähere Beschreibung des Projekts

1. Ausgangslage und Zielsetzung

Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Gesundheitsberufe ist eine zentrale Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige, patient*-/klient*innenzentrierte Versorgung. Die hier beschriebene kooperative Lehrveranstaltung an der Fachhochschule Wiener Neustadt setzt genau an dieser Stelle an und fördert soziale und interkulturelle Kompetenzen durch disziplinübergreifende Teamarbeit, gemeinsames Lernen und Reflektieren.

Ziel der Lehrveranstaltung ist es, Studierende dazu zu befähigen,

  • die eigene berufliche Rolle fundiert zu reflektieren,
  • die Kompetenzen anderer Professionen zu verstehen und wertzuschätzen,
  • gemeinsam patient*-/klient*innenorientierte Therapieziele zu entwickeln sowie
  • interprofessionelle Entscheidungsprozesse konstruktiv zu gestalten.

Im Zentrum stehen dabei kooperative Lernprozesse, fallbasiertes Arbeiten, Selbstorganisation und Reflexion.

2. Zielgruppen

Die Lehrveranstaltung richtet sich an Studierende der Logopädie und Ergotherapie des 3. und 5. Semesters der Hochschulstandorte Wiener Neustadt und der Zuyd Hogeschool (Niederlande). Die Verortung im fortgeschrittenen Studienverlauf ist didaktisch bewusst gewählt, da die Studierenden bereits über fachliche Grundlagen verfügen und dadurch in der Lage sind, komplexe Fallbeispiele selbstorganisiert und interprofessionell zu bearbeiten. Die internationale Zusammensetzung ermöglicht zusätzlich einen Vergleich unterschiedlicher Ausbildungssysteme, professionsbezogener Rollenverständnisse sowie gesundheitssystemischer Rahmenbedingungen.

Die Heterogenität der Lerngruppe ist dabei explizit Teil des didaktischen Konzepts und wird gezielt als Lernressource genutzt.

Perspektivisch ist ab WS 26/27 eine Ausweitung des bestehenden hochschulübergreifenden und interprofessionellen Settings vorgesehen. Die Lehrveranstaltung soll an weiteren Hochschulen implementiert und um zusätzliche Disziplinen und Professionen im Gesundheitswesen (Gesundheits- und Krankenpflege, Physiotherapie) ergänzt werden.

3. Didaktisches Gesamtkonzept

Die Lehrveranstaltung ist als mehrstufiges, kompetenzorientiertes und interprofessionelles Lernsetting konzipiert. Es verbindet Online-Lehre, strukturierte Anleitung und selbstorganisiertes Lernen sowie fachdisziplinäre Tiefe mit interprofessioneller Perspektive.

Die Lehrenden übernehmen dabei primär eine moderierende und begleitende Rolle. Ziel ist es, den Studierenden einen hohen Grad an Eigenverantwortung zu ermöglichen und zugleich einen klar strukturierten Rahmen für kooperative Lernprozesse bereitzustellen.

4. Lehr- und Lernmethoden

Die Umsetzung des didaktischen Gesamtkonzepts erfolgt in mehreren aufeinander aufbauenden Phasen. Diese strukturieren den Lernprozess vom professionsbezogenen Einstieg bis zur interprofessionellen Reflexion und werden im Folgenden dargestellt.

4.1. Vorbereitungsphase: Selbststeuerung und professionsbezogene Klärung

Zwei Wochen vor Lehrveranstaltungsbeginn werden die Studierenden in den MS Teams-Kurs eingeschrieben und erhalten Zugang zum LV-Leitfaden, zu den Gruppeneinteilungen sowie zu den Fallbeispielen. Zusätzlich erhalten sie per Mail den Auftrag, eine maximal 15-minütige Power Point-Präsentation innerhalb der eigenen Berufsgruppe und Hochschule zu erstellen. Ziel der Präsentation ist es, einerseits den eigenen Studiengang mit Vorstellung des Campus, des Studienaufbaus und der Finanzierung, und andererseits das eigene Berufsbild mit Definition und Kompetenzen vorzustellen.

Didaktisch wird in dieser Phase ein asynchrones, selbstgesteuertes und kooperatives Lernsetting umgesetzt. Die Studierenden organisieren ihren Lernprozess eigenverantwortlich und übernehmen im Sinne von Learning by Teaching frühzeitig die Rolle von Wissensvermittelnden. Die digitale Lernorganisation unterstützt transparente Kommunikation und schafft eine gemeinsame inhaltliche Grundlage für die folgenden Projektphasen.

4.2 Kick-off-Veranstaltung: Peer Teaching und Perspektivenöffnung

Der offizielle Auftakt der Lehrveranstaltung erfolgt im Rahmen einer 90-minütigen moderierten Online-Kick-off-Veranstaltung. Nach einer gemeinsamen Einführung und Vorstellung des Lehrendenteams im Plenum wechseln Studierende und Lehrende in Kleingruppen, in denen die vorbereiteten Präsentationen vorgestellt werden. Anschließend kehrt die Gesamtgruppe in den allgemeinen Kanal zurück, um die weitere Fallbearbeitung zu besprechen und offene Fragen zu klären.

Diese Phase folgt dem Prinzip des Peer Teachings: Studierende sind nicht nur Lernende, sondern aktiv Wissensvermittelnde. Durch die zeitlich klar begrenzten und visuell unterstützten Präsentationen wird eine adressat*innengerechte Kommunikation für fachfremde Zuhörer*innen gefördert.

Zentrale Lernziele dieser Phase sind der Abbau von Berührungsängsten, die Entwicklung einer gemeinsamen interprofessionellen Sprache sowie das Bewusstsein für Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beteiligten Professionen und Hochschulen.

4.3. Fallbasiertes und selbstorganisiertes Lernen in Kleingruppen

Kern des Projekts ist die Bearbeitung realitätsnaher neurologischer bzw. pädiatrischer Fallbeispiele in interprofessionell zusammengesetzten Kleingruppen (max. 7 Studierende pro Gruppe). Die Gruppen organisieren ihre Zusammenarbeit eigenständig und strukturieren ihren Arbeitsprozess selbstständig.

Während des vierwöchigen Arbeitsprozesses besteht optional die Möglichkeit eines einmaligen Online-Treffens mit der gruppenzuständigen Lehrperson.

Die Fallbearbeitung erfolgt zweistufig:

  • Disziplininterne Phase: Jede Berufsgruppe analysiert den Fall aus ihrer professionellen Perspektive, identifiziert relevante Informationen, formuliert Ziele und leitet theorie- und evidenzbasierte Vorgehensweisen ab (z. B. unter Bezug auf Leitlinien, aktuelle Studienlage sowie Modelle wie die ICF). Das auf MS Teams bereitgestellte Manual beinhaltet Reflexionsfragen, die die Fallbearbeitung unterstützen sollen (z.B.: “Welche Informationen aus dem vorgegebenen Fallbeispiel sind für Ihre Berufsgruppe relevant.”)
  • Interdisziplinäre Phase: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, gemeinsame Therapieziele definiert und abgestimmte Vorgehensweisen entwickelt. Dabei werden auch Versorgungslücken thematisiert und reflektiert, welche weiteren Professionen ggf. einzubeziehen wären. Auch zu dieser Phase bietet das Manual Reflexionsfragen (z.B.: Wie kann das in der eigenen Disziplin erarbeitete Vorgehen gemeinsam umgesetzt werden?).

Diese Phase folgt dem Ansatz des problem- und fallbasierten Lernens und fördert sowohl fachliche als auch überfachliche Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Zeitmanagement, interprofessionelle Entscheidungsfindung und Perspektivenwechsel.

4.4. Ergebnisdarstellung und Wissenssicherung

Jede Kleingruppe hält die Arbeitsergebnisse in einer audiounterlegten Power Point-Präsentation fest. Die Präsentation soll eine Zeit von 15 Minuten nicht überschreiten. Die Präsentationen werden für alle Studierenden und Lehrende zugänglich gemacht, um die nächste Phase des Projektes zu ermöglichen.

Didaktisch handelt es sich um eine kooperative, produktorientierte Lernmethode, durch die eine gemeinsame Wissensbasis entsteht, die als Vorbereitung für die weiteren Projektphasen dient.

4.5. Peer- und Lehrendenfeedback

In dieser Phase geben sowohl die Studierenden einander als auch die Lehrenden strukturiertes (Peer)feedback. Die Zuordnung der Feedbackgruppen sowie ein strukturiertes Beurteilungsformular werden über MS Teams bereitgestellt. Die ausgefüllten Feedbackbögen werden den jeweiligen Gruppen übermittelt; für die Feedback-Schleife stehen zwei Wochen zur Verfügung.

Das formative Peerfeedback fördert reflektiertes Beurteilen, kriteriengeleitete Rückmeldung und unterstützt gezielt die Weiterentwicklung der Arbeitsergebnisse.

4.6. Abschlussveranstaltung und reflexives Lernen

In einer gemeinsamen Online-Abschlussveranstaltung präsentieren alle Gruppen ihre zentralen Ergebnisse in dreiminütigen Kurzpräsentationen. Dadurch wird sichergestellt, dass alle Teilnehmenden einen Überblick über sämtliche Ergebnisse erhalten.

Anschließend reflektieren die Studierenden die Lehrveranstaltung in Breakout-Sessions anhand leitender Reflexionsfragen (z. B. zur professionellen Rolle und Identität). Zentrale Erkenntnisse werden kollaborativ in einem Padlet gesammelt, die anschließend mit der Großgruppe geteilt werden. Dies unterstützt Verdichtung, Einordnung und Transfer der gewonnenen Erkenntnisse.

In der Abschlussphase wird eine präsentations-, reflexions- und dialogorientierte Lernmethode eingesetzt, wodurch sämtliche im Projekt gewonnenen Erkenntnisse gebündelt, sichtbar gemacht und gemeinsam reflektiert werden sowie ein gemeinsames Gesamtverständnis interprofessioneller Zusammenarbeit entsteht.

5. Ergebnisse und Wirkung der Lehrveranstaltung

Die Lehrveranstaltung führt zu einer, durch Feedback deutlich gewordene, Stärkung interprofessioneller Kompetenzen. Die Studierenden entwickeln ein vertieftes Verständnis der eigenen professionellen Rolle und lernen, die Perspektiven anderer Gesundheitsberufe konstruktiv in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Sie kommunizieren fachliche Inhalte adressat*innengerecht, formulieren gemeinsame patient*-/klient*innenorientierte Therapieziele und reflektieren interprofessionelle Zusammenarbeit kritisch.

Darüber hinaus zeigt sich eine Reduktion von Berührungsängsten sowie eine erhöhte Bereitschaft zur Zusammenarbeit über Berufs- und Hochschulgrenzen hinweg.

6. Rahmenbedingungen

Die Lehrveranstaltung wird vollständig digital über MS Teams umgesetzt. Die Fallbearbeitung erstreckt sich über einen Zeitraum von vier Wochen und wird durch ein strukturiertes Manual begleitet. Die Rolle der Lehrenden ist primär moderierend und begleitend, wodurch ein hoher Grad an Selbstorganisation der Studierenden ermöglicht wird.

Umfang und Gewichtung der ECTS-Punkte können studiengangsspezifisch angepasst werden, da zusätzliche Arbeitspakete flexibel ergänzt werden können.

7. Besonderheiten der Lehrveranstaltung

Eine Besonderheit der Lehrveranstaltung liegt in der konsequenten Verbindung von interprofessionellem, hochschulübergreifendem und internationalem Lernen. Die bewusste Nutzung von Peer Teaching, selbstorganisierter Fallarbeit und strukturierter Reflexion fördert nachhaltige Lernprozesse über reines Fachwissen hinaus.

Die Heterogenität der Studierendengruppe wird nicht als Herausforderung, sondern gezielt als didaktische Ressource genutzt und bildet die Grundlage für einen authentischen, praxisnahen Kompetenzerwerb.

Das Projekt ist curriculumsunabhängig konzipiert und kann grundsätzlich in unterschiedlichen Studiengängen umgesetzt werden. Voraussetzung ist eine Lehrveranstaltung, die eine flexible inhaltliche und didaktische Gestaltung ermöglicht. Umfang und Gewichtung der Leistungspunkte können studiengangsspezifisch angepasst werden, da einzelne Studiengänge ergänzende Arbeitspakete integrieren können. Dadurch ist eine passgenaue Einbettung in bestehende Curricula möglich, ohne die Grundstruktur der Lehrveranstaltung zu verändern.

Akzeptanz und Resonanz

Die Akzeptanz der Lehrveranstaltung durch die Studierenden war außerordentlich hoch. Dies zeigt sich konsistent in schriftlichen Evaluationen, individuellen Reflexionen sowie in audiovisuell dokumentierten Feedbacks. Besonders positiv hervorgehoben wurden der internationale und interprofessionelle Charakter der Lehrveranstaltung, die aktive Rolle der Studierenden im Lernprozess sowie die nachhaltige Wirkung auf Kompetenzentwicklung und professionelle Identitätsbildung. Die folgenden anonymisierten O-Ton-Zitate verdeutlichen exemplarisch, wie die Studierenden die Lehrveranstaltung erlebt und bewertet haben. 

Als zentrales Highlight beschrieben viele Studierende den internationalen und interdisziplinären Austausch. Der Kontakt mit Studierenden der Hogeschool Zuyd sowie die Zusammenarbeit zwischen Ergotherapie und Logopädie wurden als besonders bereichernd wahrgenommen: 

„Mein persönliches Highlight war der Austausch mit den Student:innen der Hogeschool Zuyd und die interdisziplinäre Arbeit mit der Logopädie.“ 

Eine Studierende betonte zudem den Mehrwert unterschiedlicher therapeutischer Perspektiven: „Der Austausch mit Kolleginnen aus den Niederlanden und den Logopädinnen war mein persönliches Highlight. Unterschiedliche therapeutische Herangehensweisen kennenzulernen hat mich motiviert, neue Interventionen auszuprobieren und meine eigene Arbeit zu reflektieren.“ 

Auch der Blick über die eigene Disziplin hinaus wurde als Gewinn erlebt: 

„Mein persönliches Highlight war, mit fertigen Ergotherapeut*innen zusammenzuarbeiten und auch einmal einen Blick in die logopädische Arbeit zu bekommen.“ „Mein persönliches Highlight war, zu erkennen, dass es deutliche Überschneidungen in den Professionen Logopädie und Ergotherapie gibt“.  

Die hohe Akzeptanz des Projekts zeigt sich weiterhin im deutlich wahrgenommenen Kompetenzzuwachs. Studierende berichteten insbesondere von einer Weiterentwicklung ihrer Team-, Kommunikations- und Organisationskompetenzen: 

„Kompetenzen, die ich weiterentwickeln konnte, sind Teamarbeit, Zeitmanagement, Kompromissbereitschaft, Flexibilität und Kreativität.“ 

Die Arbeit in interprofessionellen Teams – teils auch über digitale Formate – wurde als realitätsnah und lernförderlich beschrieben: 

„Die Teamarbeit, vor allem auch über Videokonferenzen, und dass man lernt, die Arbeitsweise von verschiedenen Personen zu schätzen, war sehr wertvoll.“ 

Ein weiteres Feedback hebt die Entwicklung sozialer und kommunikativer Fähigkeiten hervor: 

„Empathiefähigkeit, also die andere Meinung anzuhören und zu respektieren und auch daraus zu lernen, aber auch Kommunikation.“ 

Viele Rückmeldungen zeigen, dass sich die Teilnehmenden durch das Projekt sicherer und selbstbewusster in ihrer zukünftigen beruflichen Rolle fühlten: „Das Projekt hat mein professionelles Selbstverständnis gestärkt und die Bedeutung der therapeutischen Rolle im interprofessionellen Kontext verdeutlicht“.  

„Das Projekt hat mich in meiner Rolle als Ergotherapeutin gestärkt: Ich fühle mich sicherer in meiner beruflichen Identität und zugleich offener für Weiterentwicklung.“ 

Gerade für Studierende in frühen Studienphasen war die Erfahrung, als gleichwertige Teammitglieder wahrgenommen zu werden, von großer Bedeutung: 

„Ich war nicht nur eine Ergotherapie-Studentin, sondern Teil eines interdisziplinären Teams, das für ein Fallbeispiel eine Therapie planen durfte. Das hat mich sehr gestärkt, weil ich gemerkt habe, dass ich trotz wenig Erfahrung mitreden konnte.“ 

Ein weiteres Zitat unterstreicht diesen Effekt: „Es hat mich in meiner Rolle als werdende Ergotherapeutin bestärkt, dass ich, auch wenn ich erst im dritten Semester bin, mit fertigen Ergotherapeut*innen gut mithalten kann.“ 

Die Akzeptanz des Projekts zeigt sich schließlich auch in seiner nachhaltigen Wirkung über die Lehrveranstaltung hinaus. Studierende formulierten klare Transferziele für ihre zukünftige berufliche Praxis: „Ich nehme mit, dass Vielfalt eine große Ressource ist. Für meine zukünftige Praxis möchte ich interprofessionelle Zusammenarbeit stärker suchen.“ 

Ein weiteres Feedback betont den langfristigen Nutzen für die eigene Haltung: 

„Dass ich auf andere Professionen zugehe und auch für verschiedene Vorschläge offen bin.“ 

Besonders aussagekräftig ist, dass der Austausch teilweise auch nach Projektende fortgeführt wurde: “Dass es auch nach dem internationalen Projekt noch Austausch unter meinen neuen Kolleg*innen gegeben hat.“ 

Zusammenfassend belegen die Evaluationen und O-Ton-Zitate eine sehr hohe Akzeptanz der Lehrveranstaltung. Aus Sicht der Studierenden handelt es sich um ein innovatives, kompetenzorientiertes Lehrformat, das Lernen auf Augenhöhe ermöglicht, interprofessionelle und internationale Perspektiven integriert und einen nachhaltigen Beitrag zur fachlichen, sozialen und professionellen Entwicklung leistet. 

Nutzen und Mehrwert

Die LV bietet einen besonderen Mehrwert durch die Verbindung von interprofessionellem, internationalem und kompetenzorientiertem Lernen in einem authentischen, praxisnahen Setting. Es erzeugt nachhaltige Lernerträge auf mehreren Ebenen und hebt sich damit von klassischen, disziplinär ausgerichteten Lehrformaten ab.

Auf fachlicher Ebene vertiefen die Studierenden ihr Verständnis der eigenen Profession, indem sie diese in Beziehung zu anderen Gesundheitsberufen setzen. Durch die fallbezogene Zusammenarbeit entsteht ein gemeinsames Therapieverständnis: Studierende klären berufsübergreifend Ziele, Rollen, Zuständigkeiten und entwickeln einen auf Evidenz basierten, integrierten Behandlungsansatz.

Auf überfachlicher Ebene werden Schlüsselkompetenzen wie Kommunikation, Kooperation, Reflexionsfähigkeit, Zeitmanagement und Konfliktfähigkeit gefördert. Die Studierenden übernehmen hohe Eigenverantwortung in interprofessionellen Teams, koordinieren Arbeitsprozesse, verhandeln Perspektiven und geben sich Peer-Feedback.

Auf professioneller Ebene stärkt das Projekt die berufliche Identität der Studierenden. Durch die aktive Mitgestaltung von Therapieplanungen reflektieren sie ihre Rolle im multiprofessionellen Team, entwickeln ein klares Selbstverständnis und eine wertschätzende Haltung gegenüber anderen Gesundheitsberufen.

Auf systemischer Ebene sensibilisiert das Projekt für internationale Unterschiede in Ausbildung, Berufsrollen und Gesundheitsversorgung. Der Austausch erweitert den Blick auf das eigene Gesundheitssystem und fördert Offenheit gegenüber alternativen Strukturen und Versorgungslogiken.

Didaktisch ist das Projekt eng an das 4K-Modell (Thornhill-Mill et al., 2023) - Kreativität, Kollaboration, Kommunikation, kritisches Denken - angebunden. Die Modulstruktur fördert diese Zukunftskompetenzen: Kollaboration durch interprofessionelle Gruppenarbeit, Kommunikation durch Präsentationen und interprofessionellen Diskurs, kritisches Denken durch fallbasierte Analyse sowie Kreativität durch die Entwicklung innovativer Therapieansätze und Präsentationsformate.

Durch die konsequente Studierendenzentrierung, die enge Anbindung an reale Berufssituationen und die internationale Kooperation leistet das Projekt einen nachhaltigen Beitrag zur Praxisrelevanz, Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit akademischer Lehre.

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2024

Die LV ist ein langfristig einsetzbares und entwicklungsfähiges Lehr-Lern-Format. Der modulare Aufbau ermöglicht eine regelmäßige Durchführung und eine kontinuierliche Weiterentwicklung, ohne dass das didaktische Grundkonzept neu entwickelt werden muss. Zentrale Elemente wie interprofessionelles fallbasiertes Arbeiten, Peer Teaching, Selbstorganisation und Reflexionsphasen sind zeitlich flexibel, curricular anschlussfähig und unabhängig von einzelnen Fallbeispielen oder Kohorten einsetzbar. Weitere fachliche und didaktische Lernziele können integriert werden. 

Langfristig ist die LV in den Studiengängen Ergotherapie & Logopädie an der FHWN verankert. Die Fallbeispiele fungieren als Lernanlässe und ermöglichen eine laufende Aktualisierung hinsichtlich Versorgungskontexten, Evidenzlagen und thematischen Schwerpunkten (z. B. Pädiatrie, Neurologie, Geriatrie, Psychiatrie). Eine Erweiterung des interprofessionellen Settings ist konzeptionell vorgesehen und didaktisch gut integrierbar.

Das Lehrkonzept weist eine hohe Übertragbarkeit auf andere LVs innerhalb der Hochschule auf und eignet sich sowohl für Pflicht- und Wahlformate als auch für projektorientierte Module oder interprofessionelle Angebote. Durch die Kombination aus synchronen Online-Elementen und selbstorganisierter Gruppenarbeit ist die LV standortunabhängig realisierbar und auf nationale wie internationale Hochschulkooperationen übertragbar. 

Auch außerhalb der Hochschule ist das Konzept anschlussfähig, etwa für interprofessionelle Weiterbildungsformate oder fallbasierte Trainings. Durch den kompetenzorientierten Zugang, die Orientierung an realen Versorgungssituationen sowie den Fokus auf Rollenklärung und Kooperation leistet die LV einen nachhaltigen Beitrag.

Institutionelle Unterstützung

Das Lehrprojekt wird durch die FH Wiener Neustadt auf curricularer, organisatorischer, infrastruktureller und personeller Ebene unterstützt. Eine zentrale Grundlage bildet die curriculare Verankerung in den Studiengängen Ergotherapie und Logopädie, wodurch das Projekt als regulärer Bestandteil der Lehre anerkannt ist. Diese Einbindung gewährleistet Planungssicherheit, personelle Kontinuität und eine nachhaltige Integration in den Studienverlauf.

Die Hochschule stellt die digitale Infrastruktur zur Verfügung. Die Nutzung von Microsoft Teams als zentrale Lehr- und Lernplattform ermöglicht die standortübergreifende Zusammenarbeit, den Austausch von Materialien, die Organisation der Gruppenarbeit sowie die Durchführung synchroner Online-Veranstaltungen. Diese hochschulweit etablierte Infrastruktur bildet eine wesentliche Voraussetzung für die internationale und interprofessionelle Umsetzung des Projekts.

Getragen wird das Lehrprojekt durch den gezielten Einsatz qualifizierten Lehrpersonals. Die beteiligten Lehrenden aus Ergotherapie und Logopädie übernehmen neben der fachlichen Begleitung insbesondere koordinierende, moderierende und reflexionsanleitende Aufgaben. Die Hochschule unterstützt diese kooperative Lehrform, indem interdisziplinäre Abstimmungen, innovative Lehrformate und internationale Zusammenarbeit organisatorisch ermöglicht und zeitlich berücksichtigt werden.

Zusätzlich profitiert das Projekt von der bestehenden Kooperation zwischen der FH Wiener Neustadt und der Zuyd Hogeschool. Eine projektbezogene Zusatzfinanzierung ist nicht erforderlich; die Unterstützung erfolgt primär durch die Bereitstellung von Infrastruktur, Lehrenden und organisatorischen Ressourcen.

Die beschriebene Lehrveranstaltung ist in die bestehenden hochschulinternen Qualitätssicherungs- und Qualitätsentwicklungsprozesse eingebettet. Die Rückbindung an das Qualitätsmanagement erfolgt auf mehreren Ebenen und orientiert sich an den Grundprinzipien kontinuierlicher Qualitätsentwicklung  

Die beteiligten Lehrenden sind in die hochschulischen Strukturen der Lehrveranstaltungsevaluation, der curricularen Weiterentwicklung sowie der Qualitätszirkel auf Studiengangsebene eingebunden.  

Als zentrales Qualitätselement kommt ein mehrperspektivisches Feedback zur Anwendung:  

  1. Studierendenfeedback im Rahmen von reflexiven Rückmeldungen in der Abschlussphase und im Rahmen der regulären Lehrveranstaltungsevaluation.  
  2. Kollegialer Austausch: Im Anschluss an jede Durchführungsphase der Lehrveranstaltung erfolgt eine gemeinsame Reflexion im Lehrendenteam. Ergebnisse des Studierendenfeedbacks und Eigenbeobachtungen werden im Zuge der systematischen Reflexion herangezogen, um gezielte Verbesserungsmaßnahmen zu setzen.  

Durch die durchgeführten Feedbackschleifen entstand die Erkenntnis, dass eine Ausweitung auf weitere Hochschulen und Professionen notwendig ist, um die Perspektivenvielfalt zu erhöhen und interprofessionelle Lernprozesse noch authentischer und praxisnäher zu gestalten.