Zuletzt aktualisiert am 15.05.2025
@HOME AND ABROAD: Internationalisierung als Ergebnis studierendenzentrierter Feedbackkultur
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Ars Docendi Kategorie
Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur
Ars Docendi Kriterien
- Digitale Transformation
- Innovative Hochschuldidaktik
- Perspektivenerweiterung und Internationalisierung
- Partizipation und Mitgestaltung
Gruppengröße
20-49
Anreißer (Teaser)
Wie kann eine Lehrveranstaltung sowohl Internationalisierung@HOME als auch Internationalisierung ABROAD gleichermaßen fördern? Diese Frage führte zur Entwicklung einer LV, die auf einer studierendenzentrierten Feedbackkultur mit ausgeprägt partizipativem Charakter basiert.
Kurzzusammenfassung des Projekts
Die LV „Business English 6: Exploring Anglo-American Corporate Culture“ wurde als Antwort auf die spezifischen interkulturellen Anforderungen des Bachelorstudiengangs „Internationale Wirtschaftsbeziehungen“ an der Fachhochschule Burgenland speziell für die Zielgruppe der berufsbegleitend Studierenden entwickelt. Das Hauptziel dieser LV ist es, den Studierenden einen Einblick in die angloamerikanische Unternehmenskultur zu ermöglichen und darauf aufbauend die Förderung interkultureller Kompetenzen zu unterstützen.
Didaktische Herausforderungen bei der Konzipierung dieser LV waren neben der Gruppengröße die zunehmende Heterogenität der Studierenden, was sich auch in der Möglichkeit der Teilnahme an der Exkursion manifestiert. Die Innovation dieser LV liegt in ihrem Ansatz einer studierendenzentrierten Feedbackkultur, die Internationalisierung@HOME mit mobiler Internationalisierung verknüpft. Dieser inklusive Ansatz schafft eine Lernumgebung, in der die Lernziele von allen Studierenden unabhängig von ihrer Teilnahmemöglichkeit an der Exkursion erreicht werden können.
Die methodische Umsetzung dieses partizipativen Feedbackmodells wird durch den gezielten Einsatz asynchroner digitaler Kommunikationsmittel ermöglicht. Insgesamt schafft die LV eine innovative Lernumgebung, die nicht nur den spezifischen Anforderungen des Studiengangs gerecht wird, sondern auch die Entwicklung interkultureller Kompetenzen auf flexible und inklusive Weise fördert.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
The course “Business English 6: Exploring Anglo-American Corporate Culture” was developed in response to the specific intercultural requirements of the Bachelor’s degree programme “International Business Relations” at the University of Applied Sciences Burgenland, with a special focus on the target group of part-time students.
The main objective of this course is to provide students with an insight into Anglo-American corporate culture and, based on that, to support the development of intercultural competencies. Didactic challenges in designing this course included not only the group size but also the increasing heterogeneity of students, which also manifests itself in the opportunity to participate in the business study tour. The innovation of this course lies in its approach of a student-centred feedback culture that combines internationalisation@home with mobile internationalisation.
The inclusive approach creates a learning environment where the learning objectives can be achieved by all students, regardless of their participation in the excursion. The methodological implementation of this participatory feedback model is made possible by the effective use of asynchronous digital communication tools. Overall, the course creates an innovative learning environment that not only meets the specific requirements of the degree programme, but also promotes the development of intercultural skills in a flexible and inclusive way.
Nähere Beschreibung des Projekts
Ausgangslage
Der Bachelorstudiengang „Internationale Wirtschaftsbeziehungen“ der Fachhochschule Burgenland bildet Absolventen und Absolventinnen aus, die über fundierte interkulturelle Kompetenzen verfügen. In der heutigen global vernetzten Geschäftswelt sind diese Fähigkeiten von entscheidender Bedeutung. Angeboten wird der Studiengang in zwei Organisationsformen: als Vollzeitstudium und als berufsbegleitendes Studium. Vollzeit-Studierende absolvieren im letzten Studienjahr ein mehrmonatiges Auslandspflichtpraktikum in einem internationalen Unternehmen. Dadurch sammeln sie erste Berufserfahrung und bauen ihre interkulturellen Kompetenzen aus.
Berufsbegleitend Studierenden ist es oftmals nicht möglich, mehrere Monate im Ausland zu verbringen. Daher ist in diesem Programm kein verpflichtendes Auslandspraktikum vorgesehen. Dennoch sollten auch berufsbegleitend Studierende die Möglichkeit erhalten, zumindest kurzzeitig in eine andere Geschäftskultur einzutauchen. Aus diesem Grund wurde die Lehrveranstaltung (LV) „Business English 6: Exploring Anglo-American Corporate Culture“ konzipiert. Diese LV integriert die Lehrform der internationalen Exkursion, die Besuche bei Unternehmen und Organisationen im englischsprachigen Ausland vorsieht.
Lernziele
Die LV findet im letzten Semester des Studiums statt und bildet den Abschlusskurs im Programm für englische Wirtschaftskommunikation. Nach dem Besuch dieser LV sind die Studierenden in der Lage:
- elevante Informationen für einen kurzfristigen geschäftlichen Aufenthalt zu recherchieren und zielgruppengerecht aufzubereiten (Recherchekompetenz);
- 2) konstruktives Feedback zu geben sowie Feedback kritisch zu analysieren und umzusetzen (Selbstreflexion);
- 3) effektiv und situationsgerecht in einer interkulturellen Umgebung zu kommunizieren und zu handeln (Kommunikationsfähigkeit).
Diese Lernziele sind Grundvoraussetzung für die Entwicklung und Stärkung interkultureller Kompetenz, was als übergeordnetes Lernziel dieser LV angegeben werden kann.
Herausforderungen
Eine erste Herausforderung bei der Gestaltung der LV bestand in der Bewältigung der Gruppengröße. In den vergangenen Jahren hat sich das Verhältnis von Vollzeit- zu berufsbegleitend Studierenden stark zugunsten letzterer verschoben. Konkret entscheidet sich rund ein Drittel aller Studierenden für ein Vollzeitstudium, während fast zwei Drittel das Studium berufsbegleitend absolvieren (rund 50 BB-Studierende im 3. Studienjahr). Diese Größenordnung musste bei der Gestaltung von Aktivitäten während der Exkursion, bei Vor- und Nachbereitungsaufgaben sowie bei logistischen Überlegungen (z.B. Transport, Unterkunft, verfügbare Ressourcen vor Ort) berücksichtigt werden.
Eine weitere Herausforderung bestand in der Heterogenität der Gruppe. Berufsbegleitend Studierende bringen nicht nur unterschiedliches Vorwissen und Berufserfahrung mit, sondern befinden sich auch in verschiedenen Lebensstadien. Viele haben neben beruflichen auch familiäre Verpflichtungen zu bewältigen. Daher war anzunehmen, dass trotz der kurzen Dauer der Exkursion von drei Tagen grundsätzlich nicht alle Studierenden in der Lage sein werden, daran teilzunehmen. Die durchgeführten LVs haben diese Annahme klar bestätigt. Im Studienjahr 2022/23 nahmen von insgesamt 48 Studierenden 31 an der Exkursion teil; 2023/24 konnten von 51 Studierenden 30 an der Exkursion teilnehmen. Zusammenfassend bedeutet dies, dass mehr als ein Drittel nicht an der Exkursion teilnimmt.
Nicht zuletzt birgt auch das Format der internationalen Exkursion als Lehrform Herausforderungen. Insbesondere im aktuellen Rahmen, in dem nicht alle Studierenden aktiv an der Exkursion teilnehmen können, stellt sich die Frage, wie die Lehrziele, -methoden und Leistungsüberprüfungen so aufeinander abgestimmt werden können, dass alle Studierenden die angestrebten Lernziele erreichen und einen maximalen Mehrwert daraus ziehen können (Constructive Alignment). Anders formuliert: Wie kann eine Lehrveranstaltung sowohl Internationalisierung@Home als auch Internationalisierung ABROAD gleichermaßen fördern? Diese Frage führte zur Entwicklung einer LV, die auf einer studierendenzentrierten Feedbackkultur mit ausgeprägt partizipativem Charakter basiert.
Methodische Umsetzung
Die LV wurde im Studienjahr 2022/23 zum ersten Mal angeboten. Sie umfasst 2 SWS bzw. 50 Arbeitsstunden und findet im Sommersemester statt. Bereits zu Beginn des Studienjahres wird eine erste Informationsveranstaltung abgehalten, in der Inhalt und zeitliche Rahmenbedingungen erläutert werden. Die Studierenden werden gebeten, bis Anfang Oktober ihre Teilnahme an der Exkursion zu bestätigen. Alle relevanten Informationen zur LV werden über das Lernmanagementsystem Moodle zugänglich gemacht. Die Abstimmung bezüglich der Teilnahme an der Exkursion erfolgt ebenfalls durch das Tool „Survey“ auf Moodle.
Die LV setzt sich aus synchronen und asynchronen Elementen zusammen, die ineinander übergreifen und didaktisch in Form von Feedbackschleifen verknüpft werden. Innovativ ist hier der Ansatz, dass dieser Prozess des kontinuierlichen Austauschs von Feedback ausschließlich zwischen den Studierenden stattfindet, und zwar zwischen der @Home-Gruppe (nehmen an der Exkursion nicht teil) und der ABROAD-Gruppe (nehmen an der Exkursion teil).
Eigentlicher Auftakt der LV zu Beginn des Sommersemesters ist eine online abgehaltene Kick-Off-Veranstaltung, in der das finale Exkursionsprogramm vorgestellt sowie der Umfang und die Lernziele erläutert werden. Die erste Arbeitsaufgabe wird ebenfalls während dieser Einheit besprochen. Hierbei sollen sich die Studierenden der ABROAD-Gruppe in Kleingruppen zusammenschließen und Themen für die Videopräsentationen ausarbeiten, die von den Studierenden der @Home-Gruppe erstellt werden. Die Präsentationen sollen relevante Hintergrundinformationen zum Zielland liefern. Insgesamt werden dadurch 8-10 konkrete Themen für die Videopräsentationen durch die Studierenden der ABROAD-Gruppe vorgegeben. Ein Thema darf von maximal drei Studierenden der @HOME-Gruppe gewählt werden. Diese Aufgabe erfordert somit eine erste Reflexion mit der Zielkultur und dem eigenen Wissensstand.
Die Videopräsentationen werden von den Studierenden der @HOME-Gruppe ausgearbeitet und der ABROAD-Gruppe zeitnah vor Beginn der Exkursion zur Verfügung gestellt. Die Rahmenbedingungen zur Präsentation selbst werden von den Lehrpersonen vorgegeben – so sollte eine Länge von 10 Minuten nicht überschritten und die in den vorhergehenden Semestern gelernten Präsentationstechniken effektiv eingesetzt werden.
Die zweite Arbeitsaufgabe umfasst das Ausarbeiten konkreter Fragestellungen, wobei sich diese Aufgabenstellung inhaltlich für die beiden Gruppen unterscheidet. So arbeiten die Studierenden der @HOME-Gruppe Fragen in Bezug auf die Zielkultur aus (e.g. öffentliche Verkehrsmittel in London, Pub-Kultur oder Etikette bei Geschäftstreffen). Die Studierenden der ABROAD-Gruppe formulieren Fragen zu den Unternehmen, die während der Exkursion besucht werden. Diese Fragen werden bei den Unternehmensbesuchen konkret gestellt. Alle Fragen werden über Moodle-Foren veröffentlicht, um den Austausch und die gemeinsame Nutzung aller Informationen zu erleichtern. So dürfen sich die Fragen inhaltlich nicht wiederholen, um eine thematische Ausgewogenheit zu erzielen.
Das einzige synchrone Präsenzelement der LV ist die Exkursion selbst. Die teilnehmenden Studierenden müssen im Vorfeld Flug und Unterkunft selbst buchen, wobei das Programm von den Lehrenden entwickelt wird. Die Auswahl der Unternehmen wird von den Studienschwerpunkten der Studierenden bestimmt.
Nach der Exkursion verfassen die Studierenden der ABROAD-Gruppe einen schriftlichen Report über die Exkursion (Arbeitsaufgabe 3). Dieser soll zumindest zwei Unternehmensbesuche detailliert beschreiben und dabei auch auf die in den Foren gestellten Fragen eingehen. Zusätzlich müssen zwei Fragen aus dem Forum der @HOME-Gruppe beantwortet werden. Dabei ist auch auf jene Studierenden zu verweisen, die die Fragen ursprünglich stellten. Die Reports werden in einen Studierendenordner hochgeladen und so den Studierenden der @HOME-Gruppe zugänglich gemacht.
Die Studierenden der @HOME-Gruppe geben dann jeweils auf mindestens drei der Reports schriftlich Feedback (Arbeitsaufgabe 4). Zusätzlich dazu sollen sie auf Basis der gelesenen Reports Entwicklungsvorschläge für die Exkursion im kommenden Studienjahr formulieren. Dabei haben sie auch die Möglichkeit, konkrete Vorschläge für eine Destination zu unterbreiten.
Die Rolle der Lehrpersonen beschränkt sich darauf, den organisatorischen Rahmen zu definieren und die eingereichten Aufgaben zu bewerten. Bei der Bewertung werden Kriterien wie Inhalt, Ausdruck, Struktur und kommunikative Angemessenheit berücksichtigt. Der Bewertungsprozess ist formativ, was bedeutet, dass die Studierenden nach erhaltenem Feedback Aufgaben erneut einreichen können.
Perspektivenerweiterung & Internationalisierung
Die beschriebene LV trägt klar zur Perspektivenerweiterung und Internationalisierung bei. So setzen sich alle Studierenden bereits im Vorfeld durch eingehende Recherche gründlich mit der Zielkultur auseinander. Einerseits recherchieren die Studierenden zum Zielland, um relevante Themen für die Videopräsentationen zu unterbreiten; andererseits recherchieren sie für die Präsentationen selbst. Auch die Präsentationen tragen zur Perspektivenerweiterung bei. Die Studierenden werden dadurch ermutigt, den eigenen Wissensstand zu reflektieren und zu hinterfragen, was eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Internationalisierung ist.
Durch die aktive Teilnahme an der Exkursion kommen die Studierenden in direkte Berührung mit der Kultur des Ziellands und können durch den Austausch mit den Unternehmen nicht nur über diese selbst lernen, sondern auch über soziale und interkulturelle Gepflogenheiten. Durch die nach der Exkursion zu erledigenden Arbeitsaufgaben haben die Studierenden die Möglichkeit, die gewonnenen Erfahrungen zu reflektieren und ihre Einstellungen zu erweitern. Auch die Studierenden der @HOME-Gruppe können von den Erfahrungen der anderen Gruppe direkt profitieren und ihre interkulturelle Kompetenz dadurch vertiefen.
Partizipation & Mitgestaltung
Die Studierenden können durch das eingesetzte Instrument der Feedbackschleife den Inhalt der LV aktiv mitgestalten. Das zeigt sich bereits zu Beginn durch die Vorgabe der Themen für die Videopräsentationen. Auch die Fragen für die Foren sind von den Studierenden zu stellen. Die gewonnenen Eindrücke sind nach der Exkursion in einem Report zu verarbeiten, der Antworten auf die in den Foren gestellten Fragen liefern soll. Auch das Feedback auf den Report sowie die Möglichkeit, konkrete Vorschläge in Bezug auf die im nächsten Studienjahr stattfindende Exkursion zu unterbreiten, unterstreichen den stark partizipativen Charakter dieser LV. Nicht zuletzt hängt der Erfolg der Exkursion maßgeblich von der aktiven Teilnahme der Studierenden ab.
Digitale Transformation
Diese LV ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Vorteile moderner Technologien genutzt werden können, um Lernprozesse effektiver und zugänglicher zu gestalten. Im konkreten Fall ermöglicht die digitale Transformation den Fokus auf asynchrone Lehrelemente, wodurch die Umsetzung des beschriebenen Feedbackmodells überhaupt erst ermöglicht wird. Der Austausch zwischen den Studierenden und mit den Lehrpersonen findet fast gänzlich über Moodle statt. Der Einsatz dieser digitalen Werkzeuge ermöglicht die Interaktion zwischen den Studierenden sowie zwischen Lehrenden und Lernenden. Darüber hinaus nutzen die Studierenden digitale Instrumente nicht nur; sie kreieren durch die Videopräsentationen digitalen Content für die LV auch selbst.
Akzeptanz und Resonanz
Die Akzeptanz dieser LV zeigt sich anhand mehrerer Faktoren. So fand die LV unter den Studierenden großen Anklang, was sich unter anderem in der sehr guten Evaluierung zeigte (Gesamtnote: 1,4 im Studienjahr 2022/23). Besonders schön zu sehen war die Tatsache, dass die Internationalisierung@HOME-Aktivitäten bzw. das entwickelte Feedbackmodell in der Evaluierung deutlich positiv hervorgehoben wurden:
- „Es waren spannende Aufgaben, auch für die Studierenden, die nicht mit nach London geflogen sind und ich konnte besonders durch mein Präsentationsthema einiges dazulernen […] Durch das Feedback, das wir an die Reisegruppe geben mussten, konnten wir auch einige Einblicke in den London Trip gewinnen. Danke auch für das ausführliche Feedback zu den Präsentationen.“ (anonym, Evaluierung LV SS 2023).
Die Evaluierung zeigte außerdem, dass die Mehrheit der Studierenden einen klaren Wissenszuwachs erkennen konnten. Auch das informelle, mündlich gegebene Feedback auf die Lehrveranstaltung war äußerst positiv. So hoben einige Studierende bei der Sponsionsfeier im Sommer 2023 diese LV als besonderes Highlight des Studiums hervor.
Ein weiterer Indikator für die hohe Akzeptanz der LV war das große Engagement seitens der Studierenden, und zwar beider Gruppen. Das zeigte sich nicht nur während der Exkursion (stete Pünktlichkeit bei den Besuchen, hohe Qualität der Fragen und der geführten Diskussionen), sondern auch bei der Qualität der Arbeitsaufträge. Diese wurden von allen Studierenden äußerst zufriedenstellend bearbeitet, was sich wiederum in den Ergebnissen der Leistungsbeurteilung durch die Lehrenden widerspiegelt. Insgesamt gab es im Sommersemester 2023 19 Sehr gut und 14 Gut; durchschnittlich wurde ein Mittelwert von 80% erreicht (Gut).
Die Akzeptanz der LV zeigt sich auch durch die Unterstützung bei der Organisation der Unternehmensbesuche. Diese werden in der Regel von den Lehrenden der LV organisiert. Das ist allerdings immer mit einiger Herausforderung verbunden, was unter anderem auf die Gruppengröße und die vor Ort verfügbaren zeitlichen und sonstigen Ressourcen zurückzuführen ist. Speziell in London haben nicht alle Unternehmen die Möglichkeit, dermaßen große Gruppen zu empfangen. In beiden Jahren versuchten sowohl Studierende als auch interne und externe Kollegen und Kolleginnen die Organisation dieser Besuche aktiv zu unterstützen, und zwar nicht nur durch konkrete Vorschläge betreffend möglicher Unternehmen, sondern auch durch aktive Vernetzung mit Unternehmen vor Ort. Einige Besuche konnten dadurch für die Exkursion organisiert werden.
Nutzen und Mehrwert
Der Mehrwert dieser LV manifestiert sich auf vielfältige Weise. Einerseits erfolgt eine aktive Integration der Studierenden, die aus unterschiedlichen Gründen nicht an der Exkursion teilnehmen können. Die Internationalisierung@HOME-Aufgaben sollen dabei nicht als Ersatz oder Ausgleich für die Exkursion dienen, sondern diese vielmehr sinnvoll ergänzen und bestimmen. Dieser Ansatz trägt dazu bei, die Motivation der Studierenden in der @HOME-Gruppe positiv zu beeinflussen, da sie gleichermaßen von ihrer Teilnahme an der LV profitieren.
Auch der Anteil digitaler Lehre und das gewählte Lehrformat sind bewusst auf die Bedürfnisse berufsbegleitend Studierender zugeschnitten. Ein 100%-Anteil virtueller Lehre (mit Ausnahme der Exkursion) und überwiegend asynchrone Lehrelemente gewährleisten zeitliche Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitsaufgaben.
Ein weiterer Mehrwert besteht darin, dass die LV auf den in den vorhergehenden Semestern erworbenen Kompetenzen aufbaut. Sie zeigt nun auf eine konkrete und praxisnahe Weise, wie diese Fähigkeiten effektiv in einem interkulturellen Kontext angewendet werden können. Dabei werden verschiedene Kompetenzen wie Präsentationstechniken, das Verfassen formeller Textsorten wie Reports und Proposals, Gesprächsführung bei Meetings sowie Small-Talk erneut aufgegriffen und vertieft. Dies stärkt nicht nur die erworbenen Fähigkeiten, sondern betont auch deren Relevanz. Durch die bewusste Platzierung im letzten Semester des Studiums fungiert die LV als Brücke zwischen dem erlangten theoretischen Wissen und dessen praktischer Anwendung in der beruflichen Praxis. Damit trägt die LV dazu bei, eine Verbindung zwischen dem Studium und dem zukünftigen beruflichen Werdegang herzustellen.
Die LV liefert nicht nur praxisnahe Einblicke in die anglo-amerikanische Unternehmenskultur, sondern fördert auch überfachliche Kompetenzen, die für die berufliche Entwicklung in einem internationalen Geschäftsumfeld von entscheidender Bedeutung sind. Dazu zählen starke Kommunikationsfähigkeit ebenso wie Selbstmanagement, Eigenverantwortung und Anpassungsfähigkeit. Diese Fähigkeiten werden durch das integrierte Feedbackmodell gezielt gestärkt, da es den Studierenden ermöglicht, ihre eigenen Stärken und Entwicklungsbereiche zu identifizieren und konstruktives Feedback zur weiteren Verbesserung zu erhalten.
Die LV trägt außerdem maßgeblich zur Stärkung des Zusammenhalts innerhalb der Studierendengruppe bei und fördert somit eine positive Gruppendynamik. Dies wird nicht allein durch das gemeinsame Erleben der Exkursion erreicht, sondern auch durch die Schaffung einer Atmosphäre des gegenseitigen Lernens. Dieser Austausch von Erfahrungen und Feedback schafft eine vertrauensvolle Umgebung, die die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe stärkt und zu einem positiven Gruppengefühl beiträgt. Der gemeinsame Lernprozess wird somit zu einem bindenden Element, das den sozialen Zusammenhalt und die kollektive Motivation der Studierenden stärkt.
Zusammenfassend fördert die Lehrveranstaltung eine ganzheitliche Lernerfahrung, die Theorie mit praktischer Anwendung, interkulturelle Kompetenzen, Teamarbeit und Feedbackkultur verbindet.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2022
Die im Zuge dieser LV erworbenen Kompetenzen lassen sich sehr gut auf reale Situationen im internationalen Geschäftsleben übertragen. Sich in Bezug auf eine neue Zielkultur rasch thematisch und kulturell einarbeiten, einen Aufenthalt organisieren und durchführen, Präsentationen vorbereiten und sich mit internationalen Geschäftspartnern und -partnerinnen austauschen, Reports schreiben und Feedback geben – all diese Fähigkeiten sind erforderlich, um erfolgreich interkulturell zu agieren. Vor allem die Entwicklung übergeordneter Fähigkeiten wie ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, ein hohes Maß an Selbstreflexion und kritisches Denken ist in der global vernetzten Geschäftswelt von heute eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung hoher interkultureller Kompetenz.
Außerdem ist das entwickelte Feedbackmodell sehr gut auf LVs übertragbar, die ebenfalls eine Exkursion integrieren und dabei heterogene Gruppen berücksichtigen müssen. Dieses Modell soll daher als Anregung dienen, wie Internationalisierung@HOME erfolgreich in eine LV eingebunden werden kann, um allen Studierenden den Erwerb interkultureller Kompetenzen zu ermöglichen.
Zudem müssen Hochschulen anerkennen, dass die Heterogenität der Studierenden wächst, vor allem bei berufsbegleitend Studierenden. Daher ist auch nicht mehr von „klassischen“ studentischen Biographien auszugehen (Vollzeitstudium in Präsenz nach bestandener Matura). Die anhaltende Relevanz des entwickelten Feedbackmodells ist daher anzunehmen.
Institutionelle Unterstützung
Institutionelle Unterstützung erfolgt auf mehreren Ebenen. Zum einen ist die Lehrveranstaltung im Curriculum des Bachelorstudiengangs „Internationale Wirtschaftsbeziehungen“ eingebettet, was bedeutet, dass die LV fester Bestandteil des offiziellen Lehrplans ist. Weiters erfolgt institutionelle Unterstützung in Form eines finanziellen Zuschusses für die an der Exkursion teilnehmenden Studierenden durch die HochschülerInnenschaftsvertretung der Fachhochschule Burgenland. Auch die Teilnahme an der Finance District Walking Tour (Programmpunkt während der Exkursion im Studienjahr 22/23) in der City of London wurde durch finanzielle Unterstützung seitens der ÖH ermöglicht.
Über die Exkursion wurde außerdem umfassend von der Marketing-Abteilung der Fachhochschule berichtet. So gab es Kurzberichte auf den verschiedenen Kanälen sozialer Medien und im Newsletter der Fachhochschule, der FH-weit an alle Lehrenden und Mitarbeitenden versandt wird. Ein Blogbeitrag beleuchtete die Exkursion aus Studierendenperspektive.
Indirekt unterstützt wird die LV außerdem durch die Internationalisierungsstrategie der FH Burgenland, die eine verstärkte Internationalisierung der Curricula in Bezug auf Interkulturalität und Sprache sowie verstärkte Internationalisierung@HOME zum Ziel hat.
Die LV ist seit dem Studienjahr 2022/23 im Curriculum des Bachelorstudiengangs „Internationale Wirtschaftsbeziehungen“ für berufsbegleitend Studierende integriert. Wie alle Lehrveranstaltungen wird auch diese regelmäßig evaluiert und die in dieser Form erfolgten Rückmeldungen der Studierenden von der Studienprogrammleitung geprüft und mit den verantwortlichen Lehrpersonen besprochen. Änderungen werden gegebenenfalls umgesetzt. Ein Kritikpunkt bei der ersten Exkursion war beispielsweise das herausfordernde Zeitmanagement bei den Besuchen, was sich auf die Länger der Pausen zwischen den Besuchen auswirkte. Das wurde bei der Organisation der diesjährigen Exkursion berücksichtigt.
Das hochschulinterne Qualitätsmanagement sieht die Möglichkeit der Absolvierung von Weiterbildungs- und Fortbildungskursen vor, die auch von externen Lehrenden absolviert werden können. Unter anderem informieren diese Weiterbildungskurse über die Internationalisierungsstrategie der FH Burgenland. Die in diese LV eingebundene externe Lehrende ist dank Absolvierung dieses Moduls sehr gut mit den Zielen und Maßnahmen betreffend Internationalisierung vertraut und kann sich daher mit den Inhalten der LV gut identifizieren, was zur Qualitätssicherung der LV beiträgt.