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Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026

Grundlagen des Baubetriebs - technischer Diskurs und Gesellschaftsrelevanz im Einklang

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Sarah Link TU Wien

Das Bild zeigt den Hörsaal 8 an der TU Wien bei der öffentlichen Vorlesung "Faszination Baubetrieb" im Rahmen der Vorlesung Grundlagen des Baubetriebs.

Ars Docendi Kategorie

Gesellschafts- und Nachhaltigkeitsorientierte Lehre

Ars Docendi Kriterien

  • Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
  • Innovative Hochschuldidaktik
  • Studierenden- und Kompetenzorientierung
  • Perspektivenerweiterung und Internationalisierung
  • Partizipation und Mitgestaltung

Gruppengröße

> 150

Anreißer (Teaser)

Warum Baubetrieb? Um Faszination zu wecken, Sicherheit zu schaffen und komplexe Zukunftsfragen zu lösen. Diese LVA verbindet technisches Wissen mit gesellschaftlicher Verantwortung und lädt zum Dialog zwischen TU-Wien, Praxis und Öffentlichkeit ein.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Städte und Infrastruktur bestehen aus gebauten Realitäten, die unsere Gesellschaft formen. Bauingenieur:innen sind zentrale Akteure bei der Schaffung klimaresilienter und klimaschonender Gebäude. Die LVA „Grundlagen des Baubetriebs“ ist als transformatives Lernformat konzipiert, das angehende Ingenieur:innen befähigt, ihre Verantwortung im Spannungsfeld von Ökonomie, Ökologie und Bauverfahrenstechnik wahrzunehmen.

Das didaktische Herzstück ist die Methode „Vom Rechnen zum verantwortungsvollen Entscheiden“. Anhand vieler Fallbeispiele lernen Studierende, Ressourcenschonung und Effizienz zu steigern. Sie dimensionieren beispielsweise Leistungsketten im Erdbau und bewerten dabei alternative Antriebe gegenüber Diesel, indem sie Kosten, CO₂-Emissionen und soziale Aspekte abwägen. Diese Mehrkriterien-Analyse schult kritisches Denken und nachhaltiges Handeln.

Eine aktivierende Didaktik mit Live-Umfragen und Praxis-Vorträgen wird durch ein umfassendes digitales Konzept ergänzt: Der Kurs ist zu 100% in einem digitalen Lernraum abgebildet und ermöglicht somit flexibles Lernen. Als wesentlicher Aspekt sozialer Nachhaltigkeit wird die Rolle von Frauen in der männerdominierten Baubranche thematisiert.

Die öffentliche Zusatzvorlesung „Faszination Baubetrieb“ stärkt den Dialog mit Entscheidungsträger:innen aus der Bauwirtschaft und der Gesellschaft. Die gesamte Vorlesung, mehrfach für den „Best Teaching Award“ der TU Wien nominiert, bildet reflektierte Bauingenieur:innen aus.  

Kurzvorstellung der Lehrvortragenden

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Cities and infrastructure consist of built realities that shape our society. Civil engineers are key actors in creating climate-resilient and -friendly buildings. The course "Fundamentals of Construction Operations" is designed as a transformative learning format that empowers future engineers to embrace their responsibilities at the intersection of economics, ecology, and construction process technology. 

The didactic centerpiece is the method "From Calculation to Responsible Decision-Making." Through case studies, students learn to conserve resources and optimize efficiency. For example, they evaluate performance-chains in earthworks and compare alternative propulsion systems to diesel by weighing costs, CO₂ emissions, and social aspects. This multi-criteria analysis trains critical thinking and sustainable decision-making. 

The interactive didactic approach features live polls and practical lectures and is complemented by a comprehensive digital concept: the course is 100% mapped in a digital environment, thus enabling flexible learning. As an essential aspect of social sustainability, the role of women in the male-dominated construction industry is addressed. 

The supplemental public lecture "Faszination Baubetrieb" strengthens dialogue with decision-makers from the construction industry and society at large. This entire course has been nominated multiple times for the "Best Teaching Award" at TU Wien, and trains civil engineers who reflect on their role in society. 

Nähere Beschreibung des Projekts

Grundlagen des Baubetriebs - technischer Diskurs und Gesellschaftsrelevanz im Einklang

Ausgangslage und kontinuierliche Weiterentwicklung

Die Bauwirtschaft ist ein zentraler Akteur zur Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit: von der Schaffung leistbaren Wohnraums über die Mobilitätswende bis hin zur Anpassung an den Klimawandel. Gleichzeitig ist sie für einen erheblichen Teil der CO₂-Emissionen und des Ressourcenverbrauchs verantwortlich. Künftige Bauingenieur:innen stehen daher vor der komplexen Aufgabe, Bauprojekte nicht nur technisch-funktional und wirtschaftlich zu realisieren, sondern diese auch im Sinne gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung zu gestalten und zu legitimieren. Genau hier setzt die Lehrveranstaltung „Grundlagen des Baubetriebs“ an. Seit 2020 wurde sie einer grundlegenden strukturellen Neugestaltung unterzogen und wird seither jährlich kontinuierlich weiterentwickelt, um den dynamischen Anforderungen der Baupraxis und den gesellschaftlichen Erwartungen an nachhaltiges Bauen gerecht zu werden. Diese proaktive Qualitätskultur stellt sicher, dass veraltete Methoden konsequent durch innovative und nachhaltige Technologien ersetzt werden.

Rahmenbedingungen

Als Pflichtfach in der Studieneingangsphase für rund 200 bis 300 Studierende pro Semester des Bachelorstudiums Bauingenieurwesen, prägt diese LVA das Berufsverständnis mehrerer Generationen von Ingenieur:innen.

Die Vorlesung findet im 2. Semester in der Studieneingangsphase des Bachelorstudiums Bauingenieurwesen an der Fakultät Bau- und Umwelttechnik an der TU Wien statt. Seit dem über 50-jährigen Bestehen des Instituts Baubetrieb und Bauwirtschaft bildet die Vorlesung den zentralen Punkt der akademischen Lehre und ist für Studierende das erste Eintauchen in die baupraktische und gesellschaftliche Relevanz ihres späteren Wirkens innerhalb der breiten Betätigungsmöglichkeiten, die das Studium des Bauingenieurwesens bietet.

Besonderheiten

Ihre Besonderheit liegt in der Umsetzung als aktivierendes, vernetztes Lernökosystem, das weit über eine traditionelle Vorlesung hinausgeht. Das didaktische Konzept verzahnt drei Ebenen:

  1. Strukturiertes Narrativ: Der prozessorientierte Aufbau entlang des Bauprojekt-Lebenszyklus rahmt technische Details in einen verständlichen Handlungs- und Entscheidungskontext. Beginnend vom Transport von Materialen auf die Baustelle bis zum Erd- und Tiefbau bis hin zum Hoch- und Tunnelbau.
  2. Aktivierende Anwendung: Angeleitete Beispiele und die Erweiterung durch E-Learning-Module auf TUWEL befähigen Studierende, komplexe Bauprozesse kritisch zu analysieren, weiterzuentwickeln und umzusetzen. Interaktive Inhalte ergänzen die in der Lehrveranstaltung gezeigten Inhalte und sorgen zusätzlich für eine bestmögliche Vermittlung der Lehrinhalte.
  3. Transdisziplinärer Dialog: Gezielte Impulse von erfahrenen Bauleiter:innen und Forscher:innen sowie eine öffentlicher Generationenaustausch zwischen Fachexpert:innen und Studierenden inkl. Podiumsdiskussionen schlagen die Brücke von der Theorie in die Praxis und Gesellschaft.

Die hohe Qualität dieses Konzepts wird durch die wiederholten Nominierungen und Finalplatzierungen für den „Best Teaching Award“ der TU Wien (2020, 2021, 2024, 2025) eindrucksvoll belegt.

Ziele und Zielgruppen

Zielgruppe sind angehende Bauingenieur:innen, die frühzeitig ihre Rolle als verantwortungsvolle Gestalter:innen der gebauten Umwelt verstehen und annehmen sollen. Die LVA befähigt sie, Bauverfahren zu kennen und technische Entscheidungen als Handlungen mit weitreichenden gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Konsequenzen zu begreifen. Studierende lernen, Bauverfahren aufgrund projektspezifischer Randbedingungen gezielt zu wählen, Zielkonflikte zu managen und Entscheidungen transparent und nachvollziehbar zu berechnen und zu begründen.

Lehr-/Lernmethoden

Die Methodik zielt auf die Stärkung von kreativem, kritischem Denken und nachhaltigem Handeln („Future Skills“) ab.

  • Vom Rechnen zum verantwortungsvollen Entscheiden: Im Zentrum steht die Mehrkriterien-Entscheidung. Anstatt nur eine „richtige“ Lösung zu berechnen, üben Studierende, verschiedene Bauverfahren systematisch zu vergleichen. Dieses Prinzip wird durch konkrete, baubetriebliche Fallbeispiele greifbar gemacht: Studierende bewerten beispielsweise die Entscheidung zwischen dem Einsatz von unterschiedlichen Betoniertechniken und Bauverfahren im Tiefbau, wobei sie logistische Kosten gegen Ressourcenschonung abwägen. Sie evaluieren die Zielkonflikte bei der Auswahl von Baumaschinen, indem sie elektrische Bagger mit Diesel-Äquivalenten vergleichen und dabei nicht nur Leistungskennwerte und Investitionskosten der Geräte, sondern insbesondere auch gesellschaftlich relevante Parameter, wie z.B. Lärm- oder CO₂-Emissionen vor Ort und die technischen Herausforderungen der Baustellenstromversorgung berücksichtigen. Auch die Wahl des Vortriebsverfahrens im Tunnelbau – konventionell oder maschinell – wird als komplexe Abwägung von technischer Realisierbarkeit, Bauzeit, Kosten, geologischen Risiken und Umweltauswirkungen behandelt.
  • Wissenschaftskommunikation und gesellschaftlicher Dialog: „Faszination Baubetrieb“: Ein Alleinstellungsmerkmal ist die als integraler Bestandteil etablierte öffentliche Sondervorlesung. Hier werden Entscheidungsträger:innen aus der Bauwirtschaft (z.B. Vorstand Eisenbahnunternehmen, Geschäftsführer Verkehrsbetrieb, emeritierte Professor) eingeladen, um mit Studierenden und einer breiten Öffentlichkeit aktuelle Projekte und gesellschaftsrelevante Großbauprojekte zu diskutieren. Dies ist ein gelebtes Beispiel für „Service Learning“ und den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Gesellschaft hinein. Das enorme Interesse der Öffentlichkeit bei den Veranstaltungen 2024 und 2025 bestätigt den Bedarf an diesem Dialog.
  • Aktivierende Didaktik in der Großlehrveranstaltung: Um auch bei >200 Teilnehmenden Interaktion und Engagement zu fördern, werden gezielt interaktive Elemente wie Live-Umfragen, moderierte Diskussionsrunden und angeleitete Praxisbeispiele eingesetzt. Via LectureTube LIVE können auch abwesende Studierende aktiv partizipieren. Dies schafft eine inklusive und flexible Lernumgebung, die den heterogenen Bedürfnissen der Studierenden gerecht wird. Eine kuratierte Kurzvideo-Sammlungen je Vorlesungsteil und ein umfassendes Nachschlagwerk >600 Seiten vervollständigt das Lernkonzept und ermöglich Blended Learning Elemente. Digital gestützte Foren und Anreizsysteme für erfolgreiche Interaktion währende der Vorlesung aktiviert zusätzlich das Engagement der Studierenden.
  • Förderung von Diversität als sozialer Nachhaltigkeitsaspekt: In einer traditionell männlich geprägten Branche wird die soziale Dimension von Nachhaltigkeit aktiv thematisiert. Durch die bewusste sprachliche Sichtbarmachung von Frauen in technischen Führungspositionen („Polierin, Bauleiterin, Geschäftsführerin“) und das Aufzeigen von Förderprogrammen wird ein inklusives Berufsbild vermittelt. Die Bedeutung diverser Teams für Resilienz und Innovation wird als strategischer Vorteil dargestellt und regt zur Reflexion über soziale Gerechtigkeit an.
  • Bereitstellung einer Wissensbasis für das Leben nach dem Studium: Die Abbildung der gesamten Komplexität des Bauingenieurswesen in den zur Verfügung stehenden Vorlesungszeiten ist eine herausfordernde Aufgabe. In der Vorlesung wird der Fokus gezielt auf wesentliche und prüfungsrelevante Abschnitte der Lehrunterlagen gelegt. Das gesamte Kompendium stellt darüber hinaus jedoch eine breite Basis an detaillierten Informationen bereit, die weit über die Lehrveranstaltung eine wertvolle Ergänzung im Berufsleben darstellen.
  • Einbeziehung unterschiedlicher Vorerfahrungen als Steuerungsinstrument: Aufgrund des frühen Zeitpunkts im Studienplan (2. Semester) herrscht eine hohe Heterogenität in Hinblick auf bauingenieurspezifisches Vorwissen der Hörer:innen. Wiederkehrende Feedbackmöglichkeiten direkt im Hörsaal bieten einer Einschätzung zur Vorerfahrung und ermöglichen es den Vortragenden, punktuell thematische Schwerpunktsetzungen vorzunehmen. Studierende ohne Baustellenerfahrung werden durch die Bereitstellung von Lernvideos und zusätzlichen digitalen Lernunterlagen auf den Wissensstand praxiserprobter Studierender gehoben.
  • Kritische Ergebnisreflexion: die zunehmend digitalisierte Gesellschaft findet sich sukzessive auch in der Bauindustrie und führt zu vermehrtem Einsatz digitaler Anwendungen. Gerade bei der Anwendung dieser digitalen Hilfsmittel ist eine gute Kenntnis von Abläufen und Zusammenhängen notwendig. Eine kritische Reflexion von Ergebnissen, die durch Erfassung einiger Parameter und anwendungsinterne Weiterverarbeitung entstehen wird in der Vorlesung besonders gefördert. Beispielsweise werden Entscheidungen der Bauverfahrenswahl anhand praxisnaher Rahmenbedingungen und Literaturwerten hergeleitet und mit vermeintlichen Lösungen, generiert durch künstliche Intelligenz, verglichen. Im Diskurs werden Studierende angeregt eigenständige Varianten zur Baustellenführung zu entwickeln und nicht auf automatisch generierte Lösungen unkritisch zu vertrauen.
  • Forschungsgeleitete Lehre durch Einbeziehung von Forschungsprojekten und Integration von wissenschaftlichen Arbeiten in der Vorlesung. Durch die verschränkte Integration von Abschlussarbeiten in den Lehrbetrieb gelingt es Studierende anzuregen, eigenständige baubetriebliche Forschungsfragen zu stellen und diese selbst in Form von Bachelor- / und Master-Arbeiten eigenständig auszuarbeiten. Dissertationsprojekte am Institut, wie beispielsweise alternative Antriebstechnologien und Energiemanagement im Baubetrieb, werden durch Kurzvorstellungen der Dissertant:innen in der Vorlesung integriert.

Ergebnisse

Das zentrale Ergebnis ist ein transformativer Lerneffekt: Studierende verstehen Bauproduktion als komplexen Wirkungszusammenhang. Sie verlassen die Vorlesung nicht nur mit einem umfassenden „Werkzeugkoffer“ an Bauverfahren, sondern mit einem geschärften Bewusstsein für die gesellschaftliche Tragweite ihres zukünftigen Handelns. Die LVA leistet damit einen direkten Beitrag zur Ausbildung von einer neuen Generation von Bauingenieur:innen für eine nachhaltigere Bauwirtschaft. Sie befähigt und motiviert Studierende,

  • Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil ingenieurtechnischer Entscheidungen zu begreifen;
  • die Sprache von Ökonomie, Ökologie und Technik zu verbinden, um fundierte, transparente Entscheidungen zu treffen;
  • ihre zukünftige Rolle aktiv und gesellschaftlich verantwortlich zu gestalten.

Die Lehrveranstaltung ist somit ein herausragendes Beispiel dafür, wie in einem grundlegenden technischen Fach kritisches Denken, gesellschaftliche Reflexion und die Kompetenz für nachhaltiges Handeln erfolgreich verankert und durch eine gelebte Qualitätskultur stetig weiterentwickelt werden.

Akzeptanz und Resonanz

Herausragende Resonanz und universitätsweite Auszeichnungen 

Die Lehrveranstaltung „Grundlagen des Baubetriebs“ erfreut sich bei den Studierenden der Studieneingangsphase einer außerordentlich hohen Akzeptanz. Der stärkste und objektivste Beleg für diese kontinuierliche studentische Wertschätzung ist die wiederholte Auszeichnung bei den universitätsweiten Lehrpreisen der TU Wien. Da diese Preise ausschließlich auf den direkten Nominierungen und Voten der Studierenden basieren, sind sie ein direkter Spiegel der Lehrqualität im Sinne der Studierenden:

  • Best Teacher Award der TU Wien: Finalist in den Jahren 2020 und 2021.
  • Best Lecture Award: Wiederholte Nominierungen und Auszeichnungen, zuletzt 2024 und 2025.
  • Best Distance Learning Award: Ausgezeichnet in den Jahren 2020 und 2021 für die rasche, didaktisch hochwertige digitale Transformation der LVA.

Diese durchgehende Prämierung über fünf Jahre hinweg beweist, dass das didaktische Konzept nicht nur ein kurzfristiger Erfolg ist, sondern von wechselnden Studierendengenerationen dauerhaft als herausragend wahrgenommen wird.

Quantitative Spitzenbewertungen 

Die Ergebnisse aus regelmäßigen internen Feedbackrunden untermauern dieses Bild. Auf die Frage „Welche Note würden Sie der Vorlesung geben?“ vergibt die überwältigende Mehrheit der Studierenden Bestnoten (1 und 2). Die Studierenden honorieren dabei besonders den enormen Einsatz des Lehrteams. Ein repräsentatives Feedback dazu lautet: „Man hat das Gefühl, dass man sich wirklich viel Mühe macht, um den Studierenden eine bestmögliche Ausbildung anzubieten. Vielen Dank.“

Qualitatives Feedback: Praxisbezug, digitale Exzellenz und Kommunikation auf Augenhöhe 

Die Freitextantworten aus den Lehrevaluationen und Award-Nominierungen zeigen deutlich, warum die LVA so gut angenommen wird. Die Akzeptanz stützt sich im Wesentlichen auf drei Säulen, die exakt die Ziele des transformativen Lehrkonzepts widerspiegeln:

1. Praxisnähe und Vermittlung aktueller Herausforderungen:

Die Studierenden schätzen die Brücke zwischen theoretischer Berechnung und realer Anwendung. Das Einbinden von Fachexpertise und aktuellen, gesellschaftsrelevanten Beispielen weckt Begeisterung.

  • „Die externen Vortragenden Arthur Schönwälder und Leopold Winkler geben praxisnahe, spannende Einblicke in den Baubetrieb, sind sympathisch, gehen auf Studierende ein und vermitteln aktuelle Inhalte anschaulich.“
  • „Man merkt die Motivation der Vortragenden und vor allem auch, dass sie aus der Praxis stammen.“
  • „Auf jeden Fall lebendiger und praktisch versierter als [andere Fächer]. Alles in allem die beste Vorlesung bis jetzt.“

2. Digitale Didaktik und Struktur:

Das in der Corona-Zeit entwickelte und seither kontinuierlich perfektionierte Blended-Learning-Konzept (Live-Streams, Echtzeit-Quizze via Mentimeter, Videos, TUWEL-Foren) wird als Best-Practice-Beispiel wahrgenommen.

  • „Sehr gut organisierte Vorträge, alles klar verständlich und der Tuwel-Kurs ist mit Abstand der informativste.“
  • „Kurz gefasst: guter Erklärungsstil, interessant gestaltet und mit den Videos wird alles gut untermalt.“

3. Studierendenzentrierung und respektvoller Umgang:

Trotz der Größe der LVA (>200 Teilnehmende) gelingt es, eine persönliche und unterstützende Lernatmosphäre zu schaffen, die kritisches Denken und lösungsorientiertes Arbeiten fördert.

  • „Leopold Winkler ist sehr bemüht darin, den Studenten im gegenseitigen Dialog das Fachwissen zu vermitteln. Die Gespräche finden stets auf Augenhöhe statt.“
  • „Bei Fragen und Problemstellungen nimmt er sich stets Zeit und geht lösungsorientiert ein. Dabei legt er keine fertigen Lösungen fest, sondern motiviert mit gezieltem Input das selbständige Arbeiten.“

Gelebte Qualitätskultur durch Feedback-Nutzung 

Die hohe Akzeptanz resultiert nicht zuletzt daraus, dass studentisches Feedback ernst genommen wird. Konstruktive Anmerkungen aus den Evaluationen – wie etwa der Wunsch nach mehr Pausen bei hoher theoretischer Dichte oder technische Hinweise (z.B. ruckelnde Videos bei Übertragungen) – fließen direkt in die laufende Weiterentwicklung der LVA ein. Diese partizipative Qualitätskultur sichert die hohe Zufriedenheit und bestätigt den Studierenden, dass ihre Rückmeldungen aktiven Einfluss auf die Lehre haben.

Nutzen und Mehrwert

Der besondere Mehrwert der LVA liegt in der radikalen Neuausrichtung eines klassischen technischen Pflichtfachs. Es ergeben sich vier zentrale Alleinstellungsmerkmale:

1. Paradigmenwechsel: Vom Rechnen zum verantwortungsvollen Entscheiden

Das wesentliche inhaltliche Alleinstellungsmerkmal ist die systematische Integration von Nachhaltigkeit in baubetriebliche Kernkompetenzen. Anstatt Bauverfahren nur nach Zeit und Kosten zu optimieren, lehrt die LVA die Mehrkriterien-Entscheidung. Studierende wägen technische Parameter direkt mit Umweltwirkungen ab – etwa beim Vergleich der CO₂-Emissionen alternativer Maschinenantriebe oder bei der ökonomisch-ökologischen Bewertung von Baustoffrecycling und Kreislaufwirtschaft. Dadurch wird abstrakte Nachhaltigkeit für angehende Ingenieur:innen konkret berechen- und verhandelbar.

2. Neue Formen der Kooperation und gesellschaftlicher Dialog

Mit der regelmäßigen, öffentlichen Sondervorlesung „Faszination Baubetrieb“ öffnet sich die Universität für die Zivilgesellschaft. Dieses Format sprengt klassische Vorlesungsgrenzen: Top-Entscheidungsträger:innen aus der Baupraxis diskutieren mit Studierenden und der Öffentlichkeit Großprojekte und Zukunftsfragen. Diese transdisziplinäre Kooperation ist ein gelebtes Beispiel für „Service Learning“, fördert die Wissenschaftskommunikation tiefgreifend und holt die Berufspraxis direkt in den Hörsaal.

3. Maximale Flexibilisierung durch digitale Exzellenz

Trotz einer Kohorte von bis zu 300 Studierenden bietet die LVA eine herausragende Flexibilisierung der Lehre. Der Kurs ist zu 100 % in einem digitalen Lernraum auf TUWEL abgebildet. Durch ein Blended-Learning-Konzept mit Live-Streams, interaktiven Quizzes und kuratierten Praxisvideos wird asynchrones, ortsunabhängiges Lernen ermöglicht. Dies baut strukturelle Barrieren ab und sichert den Studienfortschritt in der Studieneingangsphase.

4. Partizipation und gelebte soziale Nachhaltigkeit

Die LVA zeichnet sich durch eine partizipative Qualitätskultur aus: Studentisches Feedback fließt kontinuierlich in die Weiterentwicklung ein. Ein entscheidender Mehrwert im Bereich sozialer Nachhaltigkeit ist zudem das gezielte Aufbrechen stereotyper Rollenbilder. Durch die bewusste Thematisierung wird gezeigt, wie Diversität die Innovationskraft in einer männerdominierten Branche stärkt.

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2020

Gegebenenfalls geplanter Endzeitpunkt: 2027

Die LVA ist modular aufgebaut und bildet für sämtliche Disziplinen des Baubetriebs – unabhängig ob Hochbau oder Tiefbau – den gesamten Zyklus eines Bauprojekts von der Idee bis zur Fertigstellung ab. Dieser modulare Aufbau ermöglicht es Adaptionen zielgerichtet vorzunehmen und die Lehrinhalte ständigen Verbesserungen zu unterziehen. Durch diesen Aufbau ist das Lehrprojekt für einen langfristigen Einsatz ausgelegt.

Den Grundstock der konstanten und konsequenten Weiterentwicklung bilden die externen Lehrvortragenden, welche sowohl Neuerungen direkt von der Baustelle als auch zukunftsträchtige Technologien in der Entwicklung in die Lehrveranstaltung integrieren. Darüber hinaus spielt das Feedback der Studierenden eine zentrale Rolle in der ständigen Weiterentwicklung der LVA. Dazu steht zum einen anonymes Feedback der Studierenden zur Verfügung. Zum anderen werden mehrere Studierende nach Abschluss der LVA zu einem persönlichen Feedbackgespräch eingeladen, in welchem versucht wird etwaiges Verbesserungspotenzial zu identifizieren.

Das Lehrkonzept kann reibungslos bei anderen Lehrveranstaltungen angewandt werden. Erprobt hat es sich beispielsweise bei den Lehrveranstaltungen für Masterstudierende “Planung und Ausführung des Bauablaufes" und "Bauverfahren im Tunnelbau". Durch einen intensiven Dialog wird das Lehrkonzept aus “Grundlagen des Baubetriebs" auch außerhalb die TU Wien getragen. Dies erfolgt durch Universitätslektoren, welche beispielsweise an der FH Wels oder an Weiterbildungsstätte der Bauakademie lehren. Dadurch kann die Übertragbarkeit des Lehrkonzepts als nachgewiesen betrachtet werden.

Institutionelle Unterstützung

Seitens der TU Wien wird der Rahmen geschaffen das Lehrkonzept umzusetzen. Dazu stehen insbesondere die digitalen Dienste der TU Wien zur Verfügung, welche beispielsweise das Frageforum, die Datenablage oder die Liveübertragung der Lehrveranstaltung ermöglichen.

Darüber hinaus unterstützen sowohl die TU Wien als auch die Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwesen aktiv bei der Bewerbung der öffentlichen Sondervorlesung “Faszination Baubetrieb“. Dadurch kann die Diversität bei der Veranstaltung gesteigert werden, was die verschiedensten Blickwinkel im Zuge der Diskussion mit den eingeladenen Entscheidungsträger:innen ermöglicht. So sind die Studierenden gefordert im Zuge der Diskussion auf die Interessen und Meinungen verschiedenster Beteiligter Bedacht zu nehmen.

Die LVA ist mittels einer anonymen Studierendenbefragung an das universitätsinterne Qualitätsmanagement der Lehre angeknüpft. Aus diesen Studierendenbefragungen entstammen die zahlreichen Nominierungen zum Best Teacher Award und Best Lecture Award der TU Wien.

Studierende können mittels anonymisierten Feedbacks gezielt und ohne Hemmungen Rückmeldung zur LVA geben. Dieses Feedback steht dem LVA-Team ebenfalls ungefiltert zur Verfügung. Das LVA-Team durchleuchtet das Feedback, um daraus ableitbare Verbesserungen im Sinne eines besseren Lernerfolges der umfangreichen und komplexen Lehrinhalte zu ziehen. Das anonyme Feedback wird durch persönliche Feedbackgespräche mit Studierenden nach Absolvierung der LVA ergänzt. Dabei wird versuche ein möglichst diverses Feedback zur LVA einzuholen.