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Zuletzt aktualisiert am 09.06.2026

Erinnerungslernen an regionalen Gestalten – am Beispiel Leokadia Justman

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Johannes Panhofer

Teilnehmer:innen, LV-Leitung, Justman-Projektleiter Dominik Markl positionieren sich sitzend für ein Gruppenfoto. Im Hintergrund die Landingpage des Forschungsprojekts

Ars Docendi Kategorie

Forschungsbezogene bzw. kunstgeleitete Lehre

Ars Docendi Kriterien

  • Innovative Hochschuldidaktik
  • Studierenden- und Kompetenzorientierung
  • Partizipation und Mitgestaltung

Gruppengröße

< 20

Anreißer (Teaser)

Aktuelle Forschungsergebnisse mit Lokalkolorit didaktisch fruchtbar machen, einen Beitrag zu Extremismusprävention und demokratischen Werten leisten: Die Überlebensgeschichte von Leokadia Justman bietet vielfältige Möglichkeiten dazu.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Aktuelle gesellschaftliche Polarisierungen und Ausgrenzungstendenzen, anwachsende antisemitische und antijudaistische Ressentiments fordern Gesellschaft und Bildung heraus, auch religiöse Bildung. In diesem fachdidaktischen Projekt – curricularer Teil der MasterStudiengänge „Lehramt Katholische Religion“ und „Katholische Religionspädagogik“ – werden diese Herausforderungen in einer neuen Form des Erinnerungslernens, die die aktuelle Holocaustpädagogik rezipiert, aufgegriffen. Es ist ein Zugang, der wesentlich auf die Gestaltung der Gegenwart ausgerichtet ist; eingebettet in den Horizont des bleibenden Auftrags des Widerstands gegen alles Menschenverachtende und des Einsatzes für eine gerechtere Welt.

Die im Kontext des Erinnerungslernens stark gemachte Ausrichtung an konkreten Biographien wird in der prüfungsimmanenten VU „Religionsdidaktik Vertiefung“ am Semesterthema „Erinnerungslernen an regionalen Gestalten“ an der Überlebensgeschichte einer jungen, starken Jüdin in Tirol festgemacht: Leokadia Justman. Die LV greift damit Ergebnisse der seit 2024 ausgehend von der Universität Innsbruck disziplinenübergreifend international beforschten Überlebensgeschichte der während der NS-Zeit nach Tirol geflohenen Polin Leokadia Justman (1922–2002) unmittelbar auf, rahmt und konkretisiert sie didaktisch in vielfältiger Weise und entwickelt sie weiter. Dadurch leistet das Format selbst aber auch einen wichtigen Beitrag zum Drittmittelprojekt „Leokadia Justmans Überlebensgeschichte“.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Current social polarisation and tendencies towards exclusion, growing anti-Semitic and antiJewish resentment pose challenges for society and education, including religious education. In this subject-specific didactic project – part of the curriculum for the Master's programmes in Catholic Religious Education and Catholic Religious Pedagogy – these challenges are addressed in a new form of remembrance learning that draws on current Holocaust education. It is an approach that is essentially geared towards shaping the present, embedded in the enduring mission of resistance against all forms of inhumanity and commitment to a more just world.

The focus on specific biographies, which is emphasised in the context of memory learning, is anchored in the semester topic "Memory learning about regional figures" in the examinationbased course "Religious Education: Advanced" in the survival story of a young, strong Jewish woman in Tyrol: Leokadia Justman. The course thus directly draws on the findings of interdisciplinary international research conducted since 2024 by the University of Innsbruck on the survival story of Leokadia Justman (1922–2002), a young Polish woman who fled to Tyrol during the Nazi regime. It frames and concretises this research in a variety of didactic ways and develops it further. In this way, the format itself also makes an important contribution to the thirdparty funded project "Leokadia Justman's Survival Story".

Nähere Beschreibung des Projekts

Hintergrund, Ausgangslage und Motivation

Diskriminierungs- und Extremismusprävention, Stärkung von Empathie und Perspektivenwechsel sowie Förderung demokratischer Werte – diese Anliegen verfolgen aktuelle Ansätze des Erinnerungslernens bzw. der Holocaustpädagogik. Auch mehr als 80 Jahre nach der Beendigung der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft gilt es in Auseinandersetzung mit dieser, inhumanen Entwicklungen und Mechanismen entgegenzutreten.

Erinnerungslernen ist eine Querschnitt-Materie, die sowohl im wissenschaftlichen als auch im schulischen Kontext von verschiedenen Disziplinen verantwortet wird. Auch die Religionsdidaktik weiß sich ihm seit den 1990er-Jahren verpflichtet. In diesem Lehrprojekt werden in einer fachdidaktischen Lehrveranstaltung im Fach „Katholische Religion“ aktuelle Erkenntnisse des Erinnerungslernens in exemplarischer Weise reflexiv eingeholt und diskutiert sowie praxisnah konzeptionalisiert.

Aufgegriffen wird die gerade angesichts des wachsenden zeitlichen Abstands zur NS-Zeit zunehmend biografische und regionale Ausrichtung des Erinnerungslernens. Für Boschki et al. (2025) bekommt gerade durch das Lernen „von lokalen Biografien oder den Zeugnissen von Überlebenden […] das unfassbare Geschehen ein Gesicht.“ (S. 7)

Innovativ an diesem Lehrprojekt ist, dass dieses regionale Erinnerungslernen in enger Zusammenarbeit mit einem universitären, interdisziplinären drittmittelfinanzierten Forschungsprojekt erfolgt, das seit 2024 an der Universität Innsbruck hauptangesiedelt ist:

‚Leokadia Justmans Überlebensgeschichte‘.

Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, die Biographie der in Tirol den Holocaust überlebenden polnischen Jüdin Leokadia Justman (1922–2002) zu erforschen, wesentlich auf der Basis ihrer eigenen festgehaltenen Erinnerungen – gemäß der Trias „Edition – Analyse – Öffentlichkeitsarbeit“. Im Zuge dieses Projekts sind auch mehrere spannende Disseminationsprodukte entstanden: eine eigene Sonderausstellungüber die Protagonistin im Tiroler Landhaus, eine deutsche Übersetzung ihrer ursprünglich auf Polnisch verfassten Geschichte (Justman 2025) sowie eine adaptierte Kurzfassung als Grafiknovelle (Markl und Hofinger 2025).

In Kooperation mit dem Forschungsprojekt hat sich dieses Lehrprojekt im Rahmen der LV ‚Religionsdidaktik Vertiefung‘ im WiSe 2025/26 zum Ziel gesetzt, Erinnerungslernen an regionalen Gestalten reflexiv zu bearbeiten – und am Beispiel von Leokadia Justman mit den bestehenden Disseminationen zu konkretisieren bzw. im Rahmen der Lehramtsausbildung mit Studierenden didaktisch fruchtbar zu machen.

Ziele und Zielgruppe

Ziel der zwei Semesterwochenstunden umfassenden, im Curriculum der Master-Studiengänge „Lehramt Katholische Religion“ und „Katholische Religionspädagogik“ verankerten, prüfungsimmanenten Vorlesung mit Übung war es daher, im Rahmen des Forschungsprojekts „Leokadia Justmans Überlebensgeschichte“ die didaktischen Möglichkeiten des Erinnerungslernens an einer regionalen Gestalt zu konkretisieren. Mit diesem Bildungsanliegen versteht sich das Lehrprojekt als Vertiefung des dritten Aspekts der projektspezifischen Trias „Öffentlichkeitsarbeit“.

Ausgehend von den Ergebnissen des Justman-Forschungsprojekts bzw. deren breitenwirksamen Produkten (Ausstellung, Grafiknovelle) wurden in der Lehrveranstaltung Konzeption und Bedeutung von Erinnerungslernen prinzipiell reflexiv eingeholt und verschiedene Ansätze diskutiert sowie konkrete didaktisch-differenzierte Rahmungen und Möglichkeiten an der Überlebensgeschichte der jungen Frau vorgenommen.

Die Teilnehmer:innen – Studierende und Lehrveranstaltungsleitung – wurden dabei als critical friends des Forschungsprojektsgesehen, um am Ende des Semesters bzw. des forschungsleiteten Lehr-Lernprozesses kompetente Multiplikator:innen für Erinnerungslernen an regionalen Gestalten zu sein.

Auf einer Meta-Ebene sensibilisiert das Lehrprojekt zum einen konkret dafür, welch interdisziplinäre und vielfältige Ausprägung Erinnerungslernen mit Lokalkolorit haben kann und welche Bedeutung ihm angesichts gesellschaftlicher Herausforderungen zukommt, zum anderen grundlegender, wie aktuelle Forschungsperspektiven didaktisch für den Schulkontext  aufbereitet werden können.

Konzeptionell leitend für die LV war der inhaltliche Dreischritt 1) Bedeutung von Erinnerung, 2) Erinnerungslernen am Beispiel Justman, 3) Konkretisierung und Weiterführung des Erinnerungslernens durch Verschränkung mit weiteren didaktischen Ansätzen.

Didaktisch leitend war die Verschränkung von biographisch orientierten, theoretischen sowie praxisorientierten Elementen. Kontinuierlich kam eine Vor- und Nachbereitung sowie Reflexion der inhaltlichen Bausteine zur Anwendung.

Konkrete Umsetzung und eingesetzte Methoden

Im 2-Wochenrhythmus wurde die Lehrveranstaltung geblockt abgehalten. Dies ermöglichte ein intensives Arbeiten über sieben Nachmittage hinweg und ferner die Möglichkeit innerhalb eines Termins auch Kurzexkursionen in die Ausstellung im Tiroler Landhaus bzw. Expertengespräche zu integrieren.

Zwischen den Präsenzeinheiten gab es Einzel-Lernphasen, deren schriftliche Ausarbeitungen im Vorfeld von der LV-Leitung durchgesehen wurde und Rückmeldung erfolgte –- und auf deren Basis in der jeweiligen Folgesitzung produktiv weitergearbeitet wurde. Bezogen auf den inhaltlichen Dreischritt der Lehrveranstaltung adressierte Einheit 1 vordergründig den Aspekt „Erinnern“. Die Einheiten 2, 3 und 4 waren über weite Strecken dem „Erinnerungslernen am Beispiel Justman“ gewidmet, auf deren Basis die letzten drei Einheiten „Konkretisierung und Verschränkung mit weiteren didaktischen Ansätzen“ ermöglichten.

Einheit 1 – ‚Erinnerung‘

  • Positionierung: Kennenlernen der Studierenden anhand von Positionierungen zu konkretenStatements, Reflexion der Methode
  • Eindruck Ausdruck verleihen: Was wird in Familie, Freundeskreis, in Heimatland auf welcheWeise erinnert? Erfolgsgeschichten? Geschichten des Scheiterns? Studierende halten in visualisierter Form fest, was Erinnerung für sie und ihr Leben bedeutet.
  • Input: Erinnerung als jüdisch-christliche Kategorie, jüdische und christliche Erinnerungskultur
  • Übung: Was gehört eher zu historischen, was eher zu religiöser Erinnerung?
  • Vorbereitung Ausstellungsbesuch im Tiroler Landhaus zu Leokadia Justman

Einzel-Lernphase bis zur nächsten Einheit

  • Studierende verfassen ausgehend von einem Videobeitrag der ORF-Sendung „Orientierung“über das Justman-Projekt ein kritisches Kurzstatement

Einheit 2 – Sonderausstellung und außerschulischer Lernort

  • Exkursion: Vertiefung der Biographie von Leokadia Justman und Auseinandersetzung mit demdidaktischen Konzept der Ausstellung, zunächst Erkundungstour mit Beobachtungsaufträgen, dann Workshop in Kooperation mit ‚erinnern.at‘
  • Nachbereitung im Seminarraum: Reflexion der Ausstellung bzw. Auseinandersetzung mit denprinzipiellen Lernmöglichkeiten an außerschulischen Lernorten, kritischer Blick (Zielgruppe, Passung, Adaptionsmöglichkeiten)
  • Vorbereitung des Arbeitens mit einer Grafiknovelle

Einzel-Lernphase bis zur nächsten Einheit

  • Studierende analysieren partizipativ gewählte Ausschnitt der Grafiknovelle schriftlich, indemSie auf die Erinnerungen von Justman rekurrieren und Impulse mitbedenken, wie: Was wird (bewusst) umgeschrieben, verkürzt, anders dargestellt?

Einheit 3 – Justman Forschungsprojekt im Fokus

  • Arbeiten mit Grafiknovellen: Unterschied zu Comics, two-minute-paper

(Grafiknovellenausschnitt gestalten, Sprechblase befüllen)

Inhaltliches Gespräch mit dem Leiter des Forschungsprojekts Dominik Markl: Fragen von Studierenden, Reflexion des didaktischen Konzepts des Forschungsprojekts aus Forschersicht, Ein- und Ausblick in momentane Forschung (Justman-Werkstatt), Dokumentation und piktoraler Gruß an den Sohn von Leokadia Justman Jeffry Wisnicki (New York)

  • Erinnerungskultur heute: angeleitete Diskussion über Verhältnis der persönlichen Involviertheit

Einzel-Lernphase bis zur nächsten Einheit

  • Studierende skizzieren konkrete Unterrichtssettings zu zentralen Leitlinien für religiöse Bildungim Horizont der Erinnerung an den Holocaust

Einheit 4 – Erinnerungslernen prinzipiell und konkret

  • Aufschließungen zum Erinnerungslernen: Religionspädagogische Leitlinien, Reflexionen ausder Praxis sowie Konkretisierungen
  • Studierende verfassen digitalen Blogeintrag: Verbindung Justman-Projekt mitAufschließungen
  • Einblick in weitere (religionsdidaktische) Studien und aktuelle (lokale) Forschungsprojektezum Erinnerungslernen: Studierende benennen Gemeinsamkeiten und Unterschiede

zum Justman-Projekt und erörtern den für sie jeweiliges innovativen Gedanken

Einheit 5 – Didaktische Ansätze

  • Einführung und Vertiefung in verschiedene religionsdidaktische Ansätze: Potenzial der

Verschränkung des Erinnerungslernens mit weiteren didaktischen Zugängen

  • Kleingruppenarbeit: Studierende arbeiten je zwei verschiedene Ansätze aus, Vorstellunganhand kreativer Kurzpräsentation in Plenum

Einzel-Lernphase bis zur nächsten Einheit

  • Studierende erstellen Planung für konkrete Altersgruppe, in der sie Erinnerungslernen amBeispiel Justman mit je einem weiteren gewählten didaktischen Ansatz verknüpfen (Werkstattarbeit)

Einheit 6 – Vielfältiges Erinnerungslernen I

  • Verschränkung Erinnerungslernen und Justman mit weiterem religionsdidaktischen Ansatz
  • Präsentationen und Diskussionen: Studierende stellen ihre vielperspektivischen konkretenPlanungen in Kurzworkshop vor und leiten eines von ihnen konzipierten didaktischen Elements konkret an; bearbeitete Ansätze: Biblisches Lernen, Interreligiöses Lernen, Theologisieren mit Kindern und Jugendlichen
  • Nachbereitung anhand von ausgehändigten Beobachtungsschwerpunkten (auf Basis davonschriftliche Reflexion als Einzel-Lernphase bis zum Semesterende)

Einheit 7 – Vielfältiges Erinnerungslernen II

  • Ablauf analog zu Einheit 6; bearbeitete Ansätze: Ethisches Lernen, Ästhetisches Lernen •           Ausblick: Erinnerungslernen an weiteren regionalen Gestalten, kreativer Pitch von ‚local heroes‘ durch Studierende

Ergebnisse

Im beschriebenen Lehrprojekt, das in Kooperation mit dem Forschungsprojekt „Leokadia Justmans Überlebensgeschichte“ durchgeführt wurde, wurden verschiedene didaktische

Rahmungen für Erinnerungslernen an dieser konkreten regionalen Gestalt erprobt, reflektiert und weiterentwickelt.

Auf Seite der Studierenden zeigte gerade die von ihnen in den letzten Einheiten präsentierte Fülle an verschiedenen innovativen Ideen und didaktischen Elementen das Potenzial der sinnstiftenden Verschränkung des Erinnerungslernen am Beispiel Justman mit weiteren didaktischen Ansätzen. Aktuelle wissenschaftliche Forschungsergebnisse didaktisch aufzubereiten und so zur Wissenschaftskommunikation bzw. Third-mission beizutragen, war dabei für die Studierenden ein bisher unbekanntes, doch gewinnbringendes Neuland. Besonders erfreulich war, dass eine Studierende ausgehend von der Lehrveranstaltung ihre didaktische Expertise im Rahmen einer Masterarbeit weiterführend nochmals vertiefen wird. Die religionsdidaktischen Erkenntnisse zum „Erinnerungslernen am Beispiel von Leokadia Justman“ werden darüber hinaus von den LV-Leiter:innen im Rahmen eines Beitrags in der facheinschlägigen Zeitschrift „Katechetische Blätter“ publiziert werden.

Das Lehrprojekt, das interdisziplinäre Forschung mit didaktischen Zugängen verschränkt, erfüllt somit den dem Erinnerungslernen inhärenten gesellschaftlichen Erinnerungsauftrag auf verschiedenen Ebenen auf vielfältige Weise.

Literatur

Boschki, Reinhold et al., Erinnerung/Erinnerungslernen, in: WiReLex. Das wissenschaftlichreligionspädagogische Lexikon im Internet, 2025.

Justman, Leokadia, Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol, aus dem Englischen von Birgit Salzmann und Susanne Costa, herausgegeben von Niko Hofinger und Dominik Markl, Innsbruck 2025.

Markl, Dominik und Niko Hofinger, Lodzia & Marysia. Die Graphic Novel zu Leokadia Justmans Erzählung „Brechen wir aus!“, Kufstein 2025.

Akzeptanz und Resonanz

Seitens der Studierenden zeigte sich weitestgehende Akzeptanz und Freude mit dem

Lehrprojekt. Die freiwillig durchgeführte LV-Analyse zeigte, dass die enge Verwobenheit von Forschungsergebnissen und didaktischer Reflexion bzw. Weiterarbeit als vielfältig, interaktiv und weiterführend empfunden wurde. Dahingehend wurde auch das Aufgabenformat (viele verschiedene Perspektiven und Zugänge) und das zentrale Thema Erinnerungslernen anhand der Biografie von Leokadia Justman als besonders gelungen rückmeldet. Die einzelnen normativen Analysekategorien bestätigen diesen Eindruck ebenso, wie zwei direkt übernommene Rückmeldungen aus der Evaluation: „Danke –mein Lieblingskurs?“ und „Es gibt nichts was man verbessern könnte. Ich schätze den Umgangston. Ich fühle mich unterstützt und angemessen gefordert.“ Vor allem in Anbetracht der Gruppenkonstellation – eine Lehrveranstaltung für Masterstudierende – , freut die Zuschreibung als „Lieblingskurs“. Ebenso die zweite direkte Rückmeldung, die wohlwollend auf das Interagieren innerhalb der Lerngruppe verweist und gerade bei derart sensiblen, mitunter persönlichen Themen, wie dem Erinnerungslernen, als resonanzgebender Indikator angesehen werden kann. Ein weiterer Marker für die Akzeptanz des Lehrprojekts zeigt sich darin, dass sich ein:e Teilnehmer:in angeregt durch die Lehrveranstaltung schon während des Semesters entschieden hat, die Masterarbeit über einen Teilaspekt des Erinnerungslernens am Beispiel Justman zu verfassen. Hier lässt sich partizipative Forschung und eine wissenschaftliche Auseinandersetzung über das forschungsgeleite Lehrprojekt hinaus ausmachen.

Nutzen und Mehrwert

Der besondere Mehrwert des Lehrprojekts liegt darin, dass es ein interdisziplinäres, aber nicht primär didaktisches Forschungsprojekt in die fachdidaktische Regellehre einbaut, das Projekt und seine rund ein halbes Jahr vor Start der Lehrveranstaltung erschienenen unterschiedlichen Disseminationsprodukte kritisch beurteilt und weiterdenkt bzw. für den Schulunterricht didaktisch fruchtbar macht. Dabei ergeben sich für die Studierenden an entscheidenden Gelenkstellen des Lehrprojekts Einblicke, wie forschungsgeleite Lehre ablaufen kann und wie sie selbst zu Multiplikator:innen von wissenschaftlicher Forschung im Schulalltag werden können. Weiters trägt der vorhandene Lokalbezug und mit Justman eine Protagonistin, die etwa im gleichen Alter wie die Studierendenschaft war, als sie ihre Überlebensgeschichte schrieb, zu einem Alleinstellungsmerkmal bei. Innovatives Potenzial ist auch durch die kontinuierliche Kooperation mit unterschiedlichen Formen und Partner:innen gegeben: Ausstellungsbesuch, Workshop mit ‚erinnern.at‘, Arbeiten an Grafiknovelle und Gespräch mit Projektverantwortlichen sowie Kontakt zu Nachfahren von Justman in die Vereinigten Staaten.

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2025

Deutlich wurde, dass ein großer Pluspunkt des Projekts in seiner engen Anbindung an ein fakultäres Forschungsprojekt und dessen Disseminationsergebnisse besteht. Im konkreten Fall können auch zukünftig neue Erkenntnisse und Produkte, die im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt in Aussicht sind, in das Lehrprojekt aufgenommen werden. Hierzu zählen etwa von Justman verfasste Gedichte auf Deutsch oder Polnisch im Bereich der (Fremd-)Sprachendidaktik. Auch Erweiterungen in Richtung anderer fachdidaktischer Disziplinen bieten sich an . Vernetzungen im Bereich antisemitismuskritischer Bildung mit Geschichts- oder Politikwissenschaften sind denkbar.

Insgesamt ermutigt das Projekt dazu, an verschiedenen Orten auf innovative und vielfältige Weise an und mit Gestalten der Vergangenheit für das gesellschaftliche Leben heute zu lernen. Die Bedeutung des Regionalbezugs hat sich im Projekt sehr bestätigt.

Institutionelle Unterstützung

Aufgrund der Einbettung in den Regellehrbetrieb unterstützt die Universität Innsbruck das Projekt im Bereich der Infrastruktur sowie der Vernetzung mit dem ebenso an der Hochschule tätigen Projektleiter des Forschungsprojekts. Ebenso ermöglichen informelle Kontakte der Forschenden und Lehrenden die Zusammenarbeit untereinander.

Über die Hochschule hinaus hat sich die Zusammenarbeit mit erinnern.at als unterstützend erwiesen.

Durch die freiwillig vorgenommene Evaluation der Lehrveranstaltung besteht eine Rückbindung an das standortbezogene Qualitätsmanagement. Für die Verbesserung des Projekts werden die zeitliche Dauer der Übungsphasen der Studierenden zukünftig angepasst und die verbalen Kommentare im Evaluationsbogen berücksichtigt.