Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
Erfahrungsraum Tonstudio - Ein musikpädagogisches (Lehr-)Projekt mit Kindergartenkindern
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Christiane Wultsch
Erfahrungsraum Tonstudio
Ars Docendi Kategorie
Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur
Ars Docendi Kriterien
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
- Perspektivenerweiterung und Internationalisierung
- Partizipation und Mitgestaltung
Gruppengröße
< 20
Anreißer (Teaser)
In einem interinstitutionellen Projekt begegnen sich Studierende und Kindergartenkinder in Workshops und erarbeiten eine gemeinsame Musik- und Videoproduktion. Ein eigens komponiertes Kindergartenlied wird dabei aufgenommen.
Kurzzusammenfassung des Projekts
In einem kollaborativen Projekt der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik (GMPU) mit dem Klagenfurter Pfarrkindergarten St. Peter begegneten sich Studierende der Musikpädagogik und Kindergartenkinder in mehreren Workshops und erarbeiteten eine gemeinsame Musik- und Videoproduktion.
In der Entwicklung und Durchführung des künstlerisch-pädagogischen Projekts waren Studierende auf allen Ebenen intensiv eingebunden. In mehreren Teams entwickelten sie Konzepte für interaktive Workshops, bei denen Blas-, Streich- und Bandinstrumente altersgemäß präsentiert und verschiedene Facetten der Musik spielerisch vermittelt wurden. In einer transdisziplinären Zusammenarbeit setzten sie sich im Vorfeld gemeinsam mit der Kindergartenleiterin mit den speziellen Bedürfnissen und Interessen von 3- bis 6-Jährigen auseinander. Das eigens komponierte Kindergartenlied wurde von einer Studentin für gemischtes Studierenden-Ensemble und Kinderchor arrangiert, in Proben erarbeitet und anschließend im Tonstudio der GMPU von einem professionellen Toningenieur aufgenommen.
Der gesamte Prozess wurde von einer weiteren Studentin videographisch begleitet, was unter anderem in einem Musikvideo des Kindergartenlieds mündete. Ergänzend fand unter studentischer Beteiligung eine wissenschaftliche Begleitforschung statt, in der die Perspektive der Kinder auf das Projekt und auf die Rolle von Musik in ihrem Alltag im Fokus stand und die zu verschiedenen Anlässen präsentiert wurde.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
In a collaborative project between the Gustav Mahler Private University of Music (GMPU) and the parish kindergarten St. Peter in Klagenfurt, music education students and kindergarten children met in several workshops and developed a joint music and video production.
Students were intensively involved at all levels in the planning and implementation of the artistic-educational project. In several teams, they developed concepts for interactive workshops in which wind, string and band instruments were presented in an ageappropriate way and various facets of music were conveyed in a playful approach. In a transdisciplinary collaboration, they worked with the head of the kindergarten in advance to address the specific needs and interests of 3 to 6-year-olds. The specially composed kindergarten song was arranged by a student for mixed student ensemble and children's choir, worked out in rehearsals and then recorded by a professional sound engineer in the GMPU recording studio.
The entire process was accompanied by another student on video, resulting in a music video of the kindergarten song, among other things. In addition, accompanying research was carried out with student participation, in which the children's perspective on the project and the role of music in their everyday lives was examined. Methodological considerations and results of the qualitative study were presented on various occasions.
Nähere Beschreibung des Projekts
Ausgangslage
Die Aufnahme in ein Studium an einer Musikuniversität ist mit hohen Hürden verbunden. Studierende der Instrumental- und Gesangspädagogik haben daher in der Regel bereits eine lange Zeit der musikalischen Förderung, etwa an einer Musikschule, hinter sich, wenn sie mit dem Studium beginnen. Ein vor dem Hintergrund einer entsprechenden biografischen Prägung häufig auf musikalische Spitzenleistungen ausgerichteter Fokus trifft zugleich auf eine gesellschaftliche Situation, in der von Instrumental- und Gesangslehrkräft en zunehmend eine Hinwendung zu unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen unter Berücksichtigung vielfältiger Lernvoraussetzungen erwartet wird.
Eine Aufgabe von instrumental- und gesangspädagogischen Lehrveranstaltungen sollte es daher sein, den Blick der Studierenden für den Bereich der musikpädagogischen Arbeit mit diversen Zielgruppen zu öffnen. Entsprechende Inselerfahrungen können für Studierende dabei Schlüsselerlebnisse mit sich bringen, die Potentiale von musikpädagogischen Initiativen für gesellschaftliche Prozesse und musikalische Breitenbildung verdeutlichen.
Ziele und Motive
Das hier präsentierte Lehrprojekt sollte Studierenden der Instrumental- und Gesangspädagogik Erfahrungen mit einer neuen Altersgruppe vermitteln. Sie sollten erleben, durch die eigene musikalische Praxis mit Kindergartenkindern in Beziehung zu treten und ein gemeinsames künstlerisches Ergebnis zu schaff en. Dadurch sollten sie eine gesellschaftlich relevante Dimension ihrer musikpädagogischen Tätigkeit erfahren. Als inhaltliches Ziel diente dabei die Erarbeitung, Produktion und Aufführung eines
Kindergartenlieds. Darüber hinaus sollte den unterschiedlichen Studierenden die Möglichkeit gegeben werden, ihre jeweiligen Fähigkeiten und Interessen produktiv in ein Gruppenprojekt einfließen zu lassen. Die Vielschichtigkeit des Projekts mit musikalischen, pädagogischen, kompositorischen, musik- und video-produktionstechnischen, organisatorischen sowie wissenschaftlichen Anteilen bot dafür optimale Voraussetzungen. Durch die Übernahme spezifischer Aufgabenbereiche durch Studierende sollten diese ihre Fähigkeit zum eigenständigen und kreativen Denken sowie zur Dialog- und Teamfähigkeit weiterentwickeln. Letztendlich sollte das Projekt auch methodische Zugänge der qualitativen musikpädagogischen Forschung mit Kindergartenkindern erproben und Studierenden Erfahrungen darin vermitteln, Methoden und Ergebnisse einer solchen Forschung öffentlich zu präsentieren.
Methoden und Ablauf
Zunächst wurde eine Studentin bereits im Sommersemester 2023 damit beauftragt, im Rahmen ihres kompositionspädagogischen Studiums und betreut von Univ.-Prof. Thomas Modrej ein Arrangement des Kindergartenliedes „Im Pfarrkindergarten St. Peter“ zu entwickeln. Vor Beginn des Wintersemester 2023/24 wurde das Projekt unter allen Studierenden als freies Wahlfach ausgeschrieben, mit dem Hinweis auf die Möglichkeit, sich auf unterschiedlichen Ebenen zu beteiligen. Nach Eingang der Anmeldungen wurde die instrumentale Besetzung festgelegt und ausgehend von den individuellen Profilen der teilnehmenden Studierenden wurden verschiedene Rollen im Rahmen des Projekts definiert. Die einzelnen Teilbereiche gestalteten sich schließlich wie folgt:
Videoplanung und Fertigstellen des Arrangements im Kreativteam:
- Anpassung des Arrangements an die letztendliche Besetzung
- Entwicklung einer Storyline für das geplante Musikvideo
- Abstimmung von Videoplanung und Feinheiten im Arrangement
Workshopplanung und -umsetzung:
- Entwicklung von Konzepten für Kindergartenworkshops
- Beratung durch die Kindergartenpädagogin und -leiterin Doris Grüner
- Durchführung der Workshops an zwei Vormittagen im Kindergarten
- Begleitende Reflexion der erlebten Workshops
Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Kindergarten als Praxispartner sollte eine authentische Ausgangssituation und ein transdisziplinärer Mehrwert in der Kollaboration mit dem pädagogischen Team des Kindergartens ermöglicht werden.
T-Shirt-Gestaltung:
Um die Identifikation der Kindergartenkinder mit dem Projekt zu erhöhen, entwickelte eine Studentin ein spezielles T-Shirt-Design, welches das Motto „Musik verbindet“ verdeutlichte. Alle Kin-der erhielten beim zweiten Workshoptag ein solches T-Shirt.
Probenarbeit, Tonstudio- und Videoproduktion:
- Probenarbeit des Studierendenensembles an der GMPU und gemeinsames Proben mit den Kindergartenkindern im Rahmen der Workshops
- Aufnahme der Bandinstrumente als Grundlage
- Besuch der Kinder an der GMPU: Aufnahme der Stimmen sowie der Blas- und Streichinstrumente (Kinder erleben dabei den Aufnahmeprozess auch aus Perspektive des Toningenieurs)
- Videoaufnahmen im Rahmen von Workshops und Aufnahmetagen sowie an zusätzlichen Drehtagen im Kindergarten- Schnitt und Nachbearbeitung von Audio- und Videomaterial durch den Toningenieur Bruno Singer und die Studentin Katja Zupan
- Präsentation des fertigen Musikvideos auf einer Leinwand im Kindergarten
Begleitforschung
- Entwicklung des Studiendesigns und Vorbereitung der Datenerhebung im Sommer 2023 durch Studentin Veronika Lesjak gemeinsam mit Assistenzprofessor Julian Schunter
- Erstellen von Kinderzeichnungen zum Thema Musik vor dem ersten Workshop und unmittelbar nach dem Besuch des Tonstudios
- Leitfadengestützte Partnerinterviews an drei Erhebungszeitpunkten: am ersten Workshoptag, unmittelbar nach den Erfahrungen im Tonstudio sowie unmittelbar nach der Präsentation des fertigen Musikvideos; Interviewführung durch Studentin Veronika Lesjak; Kinderzeichnungen sowie Fotos und Videoausschnitte als Gesprächsimpulse
- Auswertung der Interviews angelehnt an Prinzipien der Grounded Theory Methodologie und Präsentation auf der Jahrestagung der MFÖ (Musikpädagogische Forschung Öster-eich); weitere Präsentation beim Forschungsforum an der GMPU am 4. Juni 2024 geplant
Live-Präsentation
Im Rahmen der KinderMusikUni im Konzerthaus Klagenfurt am 3. Mai 2024 werden die Kinder des Pfarrkindergartens St. Peter gemeinsam mit den Studierenden auf der Bühne stehen und die Ergebnisse ihres gemeinsamen Projekts zur Aufführung bringen.
Ergebnisse
Die Heterogenität der beteiligten Studierenden erwies sich als wertvolle Ressource. Durch unterschiedliche fachliche Profile konnte das Gesamtvorhaben profitieren: Verschiedene Instrumente und Genreschwerpunkte trafen aufeinander, mehre Studierende brachten spezifische Kompetenzen aus der Elementaren Musikpädagogik ein, eine Studentin hatte berufliche Erfahrungen im Bereich der Kinderchorleitung, eine Studentin hatte eine Ausbildung in Mediendesign und widmete sich der Videoproduktion und eine weitere Studentin konnte ihr Interesse für Grafikdesign gewinnbringend im Kontext des musikpädagogischen Projekts einbringen.
Studierende haben gelernt, als heterogenes Team auf ein gemeinsames Gesamtergebnis hinzuarbeiten und dabei unterschiedliche Interessen und fachliche Schwerpunkte gewinnbringend einzusetzen. Sie haben Erfahrungen mit neuen Altersgruppen gesammelt und erlebt, wie sie ihre musikalischen und musikpädagogischen Fähigkeiten im Kontext eines voraussetzungsoffenen Angebots einbringen können.
Als zentrales Ergebnis entstand ein Musikvideo. Eine umfangreichere videographische Dokumentation des gesamten Projektes befindet sich aktuell in Fertigstellung. Über das Projekt gibt es einen Kurzbericht mit Fotos. Die Ergebnisse der Video- und Tonaufnahmen sowie der Begleitforschung wurden bzw. werden zu verschiedenen Anlässen vorgestellt, jeweils mit maßgeblicher studentischer Beteiligung:
- 2. Februar 2024, GMPU: Jahrestagung der MFÖ (Musikpädagogische Forschung Österreich)
- 3. Mai 2024: KinderMusikUni der GMPU im Konzerthaus
- 4. Juni 2024: Forschungsforum an der GMPU, Blauer Saal
Zudem ist eine Publikation der Ergebnisse der Begleitforschung geplant. Ermöglicht wurde das Gesamtprojekt durch die Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung im Rahmen der Förderung von Kinder- und Jugenduniversitäten.
Kriterien Exzellenter Lehre
Für das eingereichte Projekt sind die horizontalen Kriterien der innovativen Hochschuldidaktik, der Studierenden- und Kompetenzorientierung, der Perspektivenerweiterung sowie der Partizipation und Mitgestaltung bedeutsam. Im Folgenden wird dies im Einzelnen erläutert.
Innovative Hochschuldidaktik
Die hier vorgestellte Lehrveranstaltung ist im Bereich der projektorientierten Lehre zu verorten. Gemeinsam mit einem Praxispartner wurde im Team auf ein konkretes Ziel hingearbeitet. Als projektorientierte Lehre enthält das Lehrangebot mehrere Ebenen, was Studierenden spezifische Zugänge ermöglicht: Neben künstlerischen, pädagogischen und wissenschaftlichen Aspekten spielte auch die organisatorische Ebene eine wichtige Rolle. Damit sammelten Studierende praktische Erfahrungen mit der berufsrelevanten Schlüsselqualifikation des Projektmanagements.
Studierenden- und Kompetenzorientierung
Durch seine Vielschichtigkeit und Flexibilität ermöglichte das hier vorgestellte Lehrprojekt individuelle Zugänge der aktiven Mitgestaltung. Studierende konnten sich entsprechend ihrer eigenen Erfahrungen, Interessen und Schwerpunkte einbringen. Damit wirkte das Projekt studierendenzentriert und inklusiv. Die dabei erworbenen Kompetenzen können anschließend auf andere, auch selbst entwickelte Projekte übertragen werden. Durch den Kontakt zu Kindern im Kindergartenalter aber auch in einem Coaching durch eine erfahrene Kindergartenpädagogin und -leiterin entwickelten die Studierenden ihre sozialen Kompetenzen weiter.
Perspektivenerweiterung
Während Studierende der Instrumental- und Gesangspädagogik meist vor allem die Institution Musikschule sowie den Unterricht mit Schulkindern im Fokus haben, wurde ihnen in diesem Projekt eine Perspektive auf die Arbeit mit einer weiteren Altersgruppe eröffnet. In einem voraussetzungsoffenen Ansatz abseits von konventioneller Musikschularbeit wurden für die Studierenden neue und gesellschaftlich relevante Potentiale ihrer musikpädagogischen Tätigkeit erlebbar und sie konnten neue Impulse für mögliche berufliche Felder erhalten.
Partizipation und Mitgestaltung
Das Lehrprojekt bezog die Studierenden in hohem Maße aktiv in die Gestaltung ein. Von Anfang an wurde es maßgeblich durch individuelle Profile der Studierenden geformt: In der Ausgestaltung der verschiedenen Workshops konnten Ideen in kleinen Teams eigenständig entwickelt und umgesetzt werden. Das musikalische Arrangement sowie die Produktion des Musikvideos wurden in weiten Teilen von Studierenden verantwortet. Julian Schunter nahm als Lehrender in der Regel die Rolle eines Begleiters, Organisators und Unterstützers ein, wesentliche Entscheidungen in der kreativen Gestaltung wurden den Studierenden überlassen. Einzelne Aspekte des Projekts entstanden sogar erst durch Impulse der Studierenden, so brachte zum Beispiel eine Studentin ihr Interesse an grafischer Gestaltung ein, woraus die Idee entstand, Projekt-T-Shirts für die teilnehmenden Kinder zu entwerfen.
Akzeptanz und Resonanz
Die Akzeptanz des Lehrangebots bei den Studierenden ist außerordentlich hoch, wie aus einer Evaluation hervorgeht, die vom hochschulinternen Qualitätsmanagement durchgeführt wurde. Anhand einer fünfstufigen Likert-Skala wurde die Einstellung der Studierenden zum Lehrprojekt erfragt.
Alle an der Evaluation teilnehmenden Studierenden (100%) stimmten den folgenden Aussagen sehr zu:
- Ich konnte meine eigenen Fähigkeiten und Ideen sinnvoll in die Projektarbeit einbringen.
- Die Projektform der Lehrveranstaltung bewerte ich insgesamt als positiv.
- Im Unterricht gibt es genügend Gelegenheit für Diskussion und Austausch.
- Der Unterricht war bisher auf die kommunizierten Ziele und Inhalte ausgerichtet.
- Der Unterricht regt zu aktiver Mitarbeit an.
- Die Atmosphäre im Unterricht ist gut.
- Der Lehrende fordert mich so, dass ich meine Grenzen erweitern kann.
- Der Lehrende geht auf Fragen, Ideen und Interessen der Studierenden ein.
- Der Lehrende regt zum Denken und Reflektieren an.
- Der Lehrende achtet darauf, dass die Studierenden vom Unterricht profitieren.
- Der Lehrende gibt mir konstruktive Rückmeldungen.
- Der Lehrende behandelt mich fair und respektvoll.
- Der Lehrende achtet darauf, alle Studierenden gleich zu behandeln (hinsichtlich Geschlecht, Alter, Herkunft, ...).
- Der Lehrende ist engagiert.
- Der Lehrende fördert mein Interesse am Thema.
Zu den folgenden Aussagen stimmten 80% sehr zu, 20% stimmten zu:
- Der Unterricht fördert meine Motivation und Begeisterung für das Fach.
- Der Lehrende vermittelt die Lehrinhalte für mich verständlich.
- Der Lehrende macht den Eindruck, gut vorbereitet zu sein.
Zu folgender Aussage stimmten 60% sehr zu, 40% stimmten zu:
- Die Lehrveranstaltung leistet für mich einen wichtigen Beitrag zur Erreichung meiner Studien-ziel.
Die Motivation der Studierenden für den Unterricht hat sich zwischen Beginn des Semesters (rückblickend) und dem Zeitpunkt der Befragung verbessert. Während in Bezug auf den Beginn des Semesters zwischen den Optionen „sehr hoch“ (1) und „sehr niedrig“ (5) 40% 1, 40% 2 und 20% 3 ankreuzten, wurde die aktuelle Motivation mit 80% 1 und 20% 2 angegeben.
Als Gründe für den Besuch der Lehrveranstaltung kreuzten alle das „Interesse am Thema“ an, zusätzlich 60% „wegen des Lehrenden“ und 40% „als Wahlfach“.
Die geringsten Werte finden sich also in der Passung zu den eigenen Studienzielen. Dies kann zum einen darauf zurückgeführt werden, dass sich die Studierenden in einem Studium mit großen künstlerischen Anteilen befinden und manche das Lehrprojekt nicht direkt mit ihren Zielen des Expertiseerwerbs am eigenen Instrument verbinden. Zum anderen sollte bei zukünftigen Projekten die Relevanz der Erfahrungen im Projekt für eine vielfältige Berufspraxis in der Zukunft eventuell expliziter thematisiert werden.
In einem Teil mit offenen Fragen wurden die Studierenden danach gefragt, was besonders gut war und was für andere Lehrveranstaltungen übernommen werden sollte.
In einem Teil mit offenen Fragen wurden die Studierenden danach gefragt, was besonders gut war und was für andere Lehrveranstaltungen übernommen werden sollte. Hieraus ein paar Auszüge:
- „Die gemeinsame Entwicklung eines Projektes, bei dem wir zum Schluss auch aktiv mitwirken konnten und das Ergebnis erleben konnten war besonders aufbauend und motivierend. Unser Professor ist immer auf Vorschläge, Beiträge, etc. eingegangen, war stets kommunikativ und unterstützend. Das Projekt war allgemein sehr lehrreich und vielfältig.“
- „Sehr vielseitig: vom Vorbereiten der Workshops, zur Durchführung im KiGa bis hin zur Aufnahme im Tonstudio“
- „Die Motivation und das Engagement der Lehrperson, die Ganzheitlichkeit“
- „Die offenen Gespräche, bei dem wir unsere Ideen einbringen konnten und wo Kommunikation an erster Stelle war.“
Auch nach Verbesserungsvorschlägen wurde gefragt, es wurden allerdings keine genannt.
Für einen hochschulinternen Projektbericht verfasste die Studentin, die mit dem Erstellen des Arrangements betraut war, außerdem folgenden Text:
- „Als mir Julian geschrieben hat, habe ich mich riesig gefreut. Prof. Thomas Modrej hat mich durch das Projekt begleitet, und ich dachte mir, dass dies eine fantastische Gelegenheit ist, mit Kindern und Studierenden gemeinsam zu arbeiten. Die Möglichkeit verschiedene Instrumente einzubinden, klassische Ensembleklänge mit einer jazzigen Rhythmusgruppe zu verbinden und mit Kinderstimmen zu arbeiten, hat mich besonders begeistert. Während der Workshops haben wir uns in kleinen, kreativen Gruppen zusammengefunden. Mein Platz war in der Rhythmusgruppe, wo wir den Kindern rhythmischen Elemente und das Miteinander einer Band näherbringen durften. Gemeinsam haben wir das Stück durchgespielt und es war sehr schön zu sehen, wie gut alles harmonierte – der Spaß kam dabei nicht zu kurz. Bei der Arrangement-Idee ging es mir darum, verschiedene Elemente zu verbinden und dennoch ein stimmiges Gesamtbild zu erschaffen."
Nutzen und Mehrwert
Das Lehrprojekt „Erfahrungsraum Tonstudio“ bringt auf verschiedenen Ebenen Nutzen und Mehrwert. Die direkt beteiligten Studierenden machen Erfahrungen in der künstlerisch-pädagogischen Arbeit mit Kindergartenkindern. Damit eröffnet sich ihnen eine mögliche neue Perspektive. Ein gegebenenfalls vorhandenes Interesse kann im Rahmen des weiteren Studiums vertieft werden (zum Beispiel durch einen Schwerpunkt im Bereich Elementare Musikpädagogik) und zu einem Bereich eines zukünftigen Berufslebens ausgebaut werden. Aber auch andere Lehrveranstaltungen können von dem entstandenen Material profitieren. Die Videos und Forschungsergebnisse können in Vorlesungen und Seminaren als Ausgangspunkt für Reflexion und Diskussion zu didaktischen Fragen zur Arbeit mit 4–6-Jährigen dienen und Studierenden den Zugang zu diesem Feld erleichtern.
Die beteiligten Studierenden konnten sich Konzepte für Workshops und Instrumentenvorstellungen praktisch erarbeiten, die sie künftig auch in anderen Kontexten umsetzen können. Durch die Beratung durch eine sehr erfahrenen Kindergartenpädagogin, die selbst in der Aus- und Fortbildung tätig ist, konnten sie dabei zusätzlich profitieren. Durch den Projektcharakter und eine offene Gestaltung des Prozesses ist das Lehrangebot hochgradig partizipativ. Die beteiligten Studierenden konnten sich mit ihren persönlichen Ideen sowie gemäß ihren individuellen Interessen und Stärken in das Gesamtprojekt einbringen. Durch die Komplexität des Projektes konnten Studierende Schwerpunkte in unterschiedlichen Bereichen setzen, unter anderem Organisation, Workshopgestaltung, Ensemblespiel, Studioaufnahme, Arrangement, Videoproduktion, musikpädagogische Forschung und Grafikdesign.
Von der Kooperation mit dem Kindergarten profitieren nicht nur die beteiligten Kinder, die wertvolle Erfahrungen machen (hierauf wird an dieser Stelle nicht umfassend eingegangen, da die Lehre im Mittelpunkt steht) und die involvierten Studierenden (siehe oben). Mit diesem Projekt wurde auch ein Grundstein gelegt für eine Zusammenarbeit bei zukünftigen Projekten und Lehrangeboten der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik, um auch weiterhin die Arbeit mit der Altersgruppe der 4–6-Jährigen in die musikpädagogische Ausbildung einzubeziehen.
Durch die begleitende Forschung wird zudem ein Beitrag zu einem bisher nur wenig beforschten Feld der Musikpädagogik geleistet. Diese Ergebnisse können aufgegriffen und vertieft werden. Die in der Begleitforschung involvierte Studentin konnte wichtige Erfahrungen in empirischen Forschungszugängen sowie in der Kommunikation der Ergebnisse für unterschiedliche Zielgruppen sammeln.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2023
Gegebenenfalls geplanter Endzeitpunkt: Sommersemester 2024
Verschiedene Aspekte des Lehrprojekts sollen längerfristig genutzt und ausgebaut werden. Die Kooperation mit dem Kindergarten hat sich als wertvoll erwiesen und wird künftig vertieft. Im Wintersemester 2023/24 wurde bereits eine weitere Form der Zusammenarbeit etabliert: Im Rahmen der Externen Lehrpraxis im Masterstudium absolvieren Studierende mit Schwerpunkt im Bereich Elementares Musizieren Praktika im wöchentlichen Angebot der Musikschule Klagenfurt am Pfarrkindergarten St. Peter. Die Zielgruppe der Kindergartenkinder sollte mit Blick auf die zunehmende Diversifizierung musikpädagogischer Berufsbilder Teil eines umfassenden Studiums sein. Daher sollen auch zukünftig praxisorientierte Lehrprojekte in Kooperation mit dem Pfarrkindergarten umgesetzt werden.
Das Projekt „Erfahrungsraum Tonstudio“ selbst hat zudem Ergebnisse hervorgebracht, die weiter genutzt werden können (siehe oben). Anknüpfend können studentische Abschlussarbeiten konzipiert und verfasst werden. Auf andere Lehrsituationen übertragbar ist der Ansatz, in einem stark partizipativen Lehrprojekt verschiedene, innerhalb einer Musikuniversität vorhandene Expertisen (im Lehrkörper und bei den Studierenden) miteinzubeziehen, um gemeinsam ein vielseitiges Ergebnis zu erschaffen. Die Komplexität des Lehrprojekts mit Anteilen in unterschiedlichen Bereichen birgt großes Potential, da dies den Studierenden ermöglicht, sich gemäß ihren individuellen Kenntnissen und Interessen in den Gesamtprozess einzubringen.
Institutionelle Unterstützung
Das Projekt wird auf verschiedenen Ebenen von der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik unterstützt. Durch das professionell ausgestattete und betreute Tonstudio sowie die Kameraausrüstung der GMPU existierte die notwendige Infrastruktur für eine hochwertige Tonstudio- und Videoaufnahme. Finanziell wurde das Projekt im Rahmen der Kinder- und Jugenduniversitäten des OeAD gefördert, bei der Beantragung dieser Förderung wurde der Projektleiter vom Forschungsservice der GMPU und anderen Lehrenden unterstützt. Durch intrainstitutionelle Zusammenarbeit konnte das Projekt zudem von verschiedenen Expertisen innerhalb des Kollegiums profitieren.
Neben Julian Schunter, der als Assistenzprofessor für Musikpädagogik die Gesamtleitung des Projekts innehatte, waren weitere Kollegen beteiligt: Bruno Singer, Leiter des Tonstudios, der die Studioaufnahmen betreute, Thomas Modrej, Universitätsprofessor für Angewandte Komposition, der das studentische Arrangement begleitete, und Dieter Bucher, Professor für Elementare Musikpädagogik, der bei der Aufnahme der Kinderstimmen unterstützend dabei war. Die Evaluation des Projekts führte das hochschulinterne Qualitätsmanagement durch. Durch die an der GMPU durchgeführten Jahrestagung der MFÖ (Musikpädagogische Forschung Österreich), die KinderMusikUni im Konzerthaus und das Forschungsforum der GMPU bietet das institutionelle Umfeld eine Reihe von Möglichkeiten, Projektergebnisse in unterschiedlichen Kontexten zu präsentieren.
Das Lehrprojekt wurde durch das hochschulinterne Qualitätsmanagement evaluiert. Das Feedback dient dem Lehrenden als Reflexionsgrundlage für die Planung und Durchführung zukünftiger Lehrveranstaltungen. Das Lehrprojekt ist nicht darauf ausgelegt, noch einmal in der gleichen Form durchgeführt zu werden, die Rückmeldungen geben allerdings wichtige Informationen über andere projektorientierte Lehrveranstaltungen in der Zukunft und die Potentiale und möglichen Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit externen Partnern.