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Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026

Einführung in die Molekulabiologie I

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Ars Docendi Kategorie

Qualitätskultur, Studierendenzentrierung und Studierbarkeit

Ars Docendi Kriterien

  • Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
  • Innovative Hochschuldidaktik
  • Studierenden- und Kompetenzorientierung
  • Partizipation und Mitgestaltung

Gruppengröße

20-49

Anreißer (Teaser)

Molekularbiologie neu gedacht: Das TU-Graz-Team zeigt, wie ein innovatives didaktisches Konzept Studierende digital vorbereitet, im Labor begleitet und ihre fachlichen, methodischen und Teamkompetenzen nachhaltig stärkt.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Die Lehrveranstaltung Molekularbiologische Übungen I (8 ECTS, NAWI Graz) adressiert eine zentrale Herausforderung naturwissenschaftlicher Laborlehre: Studierende müssen komplexe experimentelle Abläufe erstmals selbstständig planen, sicher durchführen und wissenschaftlich reflektieren. Stark angeleitete Formate führten häufig zu kognitiver Überlastung und begrenztem Kompetenzaufbau.

Zur Förderung eigenständigen wissenschaftlichen Arbeitens wurde ein digitales Flipped-Classroom-Konzept mit der Lernplattform LabBuddy entwickelt. Studierende erarbeiten experimentelle Abläufe vor Kursbeginn, strukturieren Versuchsschritte und erstellen individuelle Leitfäden. Im Labor setzen sie diese in betreuten Zweierteams praktisch um.

Das Konzept fördert gezielt fachliche, methodische und wissenschaftliche Kompetenzen: Studierende planen und führen Experimente selbstständig durch, analysieren Ergebnisse kritisch, dokumentieren diese strukturiert und präsentieren sie schriftlich sowie mündlich. Eigenverantwortliches Lernen, Reflexionsfähigkeit, Teamarbeit und wissenschaftliche Kommunikationskompetenz werden ebenfalls gestärkt.

Die Kombination aus digitaler Vorbereitung, intensiver Betreuung im Labor und kompetenzorientierter Leistungsüberprüfung führt zu besser vorbereiteten Studierenden, effizienterer Laborarbeit und nachweislich verbessertem Lernerfolg. Das Konzept liefert ein praxisbewährtes Modell für moderne, kompetenzorientierte Laborlehre, das sich auch auf andere Kurse übertragen lässt

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The course Molecular Biology Laboratory I (8 ECTS, NAWI Graz) addresses a central challenge of laboratory teaching in the natural sciences: enabling students to independently plan, safely conduct, and critically reflect on complex experimental procedures during their first research-oriented laboratory experience. Traditional highly guided laboratory formats often resulted in cognitive overload and limited competence development.

To foster independent scientific work, a digital flipped-classroom teaching concept was developed using the learning platform LabBuddy. Students prepare experimental workflows prior to the laboratory phase by independently acquiring theoretical foundations, structuring experimental steps, and creating individualized experimental guides. During the subsequent laboratory course, these self-developed workflows are implemented in supervised pairs.

The concept systematically promotes disciplinary, methodological, and scientific competencies. Students independently plan and conduct experiments, critically analyze results, document findings in a structured manner, and present outcomes both in written and oral formats. In addition, self-regulated learning, reflective thinking, teamwork, and scientific communication skills are strengthened.

The integration of digital preparation, closely supported laboratory practice, and competence-oriented assessment results in better-prepared students, increased experimental efficiency, and improved learning outcome.

Nähere Beschreibung des Projekts

Ausgangslage und Rahmenbedingungen

Laborübungen zählen zu den anspruchsvollsten Lehrformaten in der naturwissenschaftlichen Hochschullehre. Studierende müssen komplexe Arbeitsabläufe verstehen, sicher durchführen, Ergebnisse analysieren und reflektieren. Gleichzeitig gelten im Labor strenge Sicherheitsvorgaben.

Am Pflichtmodul „Molekularbiologische Übungen I“ (8 ECTS, Bachelorstudium Molekularbiologie, NAWI Graz) nehmen jährlich rund 80 Studierende teil. Die Lehrveranstaltung wird gemeinsam von TU Graz und Universität Graz getragen, was universitätsübergreifende Kooperationen notwendig macht. Etwa die Hälfte der Studierenden absolviert den Kurs an der TU Graz. Inhaltlich erlernen die Studierenden grundlegende molekularbiologische Arbeitsweisen, darunter gentechnische Methoden, Enzym-Screening-Assays und die Analyse verschiedener Bakterien- und Hefestämme. Ziel des Laborkurses ist es, Studierende zu befähigen, komplexe experimentelle Versuchsabläufe eigenständig vorzubereiten und durchzuführen, experimentelle Ergebnisse kritisch zu analysieren sowie diese wissenschaftlich mündlich und schriftlich darzustellen und fachliche Inhalte sicher anzuwenden.

Bis 2020 wurden die Laborkurse durch schriftliche Skripten sowie mündliche Einführungen unterstützt und begleitet. Da die Übung für die Mehrzahl der Teilnehmenden die erste praktische Erfahrung in forschungsnaher molekularbiologischer Laborarbeit darstellte, erfolgte die Durchführung der Experimente weitgehend Schritt für Schritt entlang der Anleitungen durch Skript und Betreuungspersonal. Besonders die parallele Bearbeitung mehrerer komplexer Versuche erschwerte vielen Studierenden die Orientierung, das Verständnis der experimentellen Zusammenhänge und die effiziente Planung ihrer Arbeit – eine Situation, die zu einer hohen kognitiven Überlastung auf den Ebenen der inhaltlichen Komplexität, der methodischen Anforderungen und der organisatorischen Koordination führte. In der Folge wurde überwiegend unselbstständig gearbeitet, was sich in zahlreichen Fällen in begrenztem Lernerfolg niederschlug, wie die Ergebnisprotokolle und Abschlussprüfungen deutlich zeigten. Vor diesem Hintergrund entwickelten Dr. Emmerstorfer-Augustin und Prof. Kourist gemeinsam mit ihrem Lehrteam 2020 ein neues Lehrkonzept, das digitale Vorbereitung, strukturierte Laborarbeit sowie eine kompetenzorientierte Leistungsüberprüfung systematisch miteinander verbindet. Ziel der entwickelten Lehrinnovation war es, Studierenden bereits in einer frühen Studienphase die selbstständige Erarbeitung von Kursinhalten sowie experimentellen Abläufen zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wurde das digitale, multimediale Online-Tool LabBuddy entwickelt. Im Sinne eines Flipped-Classroom-Ansatzes erlaubt LabBuddy den Studierenden, sich zentrale Inhalte eigenständig anzueignen. Die Studierenden erarbeiten die fachlichen Grundlagen direkt im Programm, strukturieren die experimentellen Schritte visuell und bereiten diese als individuellen Leitfaden auf, dem sie im anschließenden praktischen Laborkurs folgen. Diese Vorgehensweise schafft eine enge kognitive Verknüpfung zwischen theoretischer Vorbereitung und praktischer Durchführung. Einerseits wird die kognitive Belastung auf allen oben genannten Ebenen reduziert, andererseits entwickeln die Studierenden ein vertieftes Verständnis der zugrunde liegenden molekularbiologischen Methoden.

Durch das Lehrkonzept erwerben die Studierenden mehrere zentrale Kompetenzen gleichzeitig: Sie bereiten Versuchsabläufe flexibel und im eigenen Arbeitstempo vor und entwickeln dadurch Kompetenzen zum eigenverantwortlichen und reflexiven Lernen. Im anschließenden Laborpraktikum führen sie Experimente auf Basis der zuvor selbst erarbeiteten Abläufe durch und vertiefen ihre fachlichen, methodischen und wissenschaftlichen Kompetenzen, indem sie komplexe molekularbiologische Experimente eigenständig planen, durchführen und kritisch auswerten sowie ihre Ergebnisse strukturiert dokumentieren. Das abschließende schriftliche und mündliche Präsentieren der eigenen Ergebnisse vertieft Präsentationskompetenzen. Die Arbeit in Zweierteams fördert Team- und Präsentationskompetenz.

Die Umsetzung führte zudem zu einer signifikanten Steigerung des Lernerfolgs: Die Studierenden erzielten deutlich bessere experimentelle Ergebnisse im Labor, verfassten klarer strukturierte Laborprotokolle und erreichten insgesamt bessere Resultate in den abschließenden Leistungsüberprüfungen.

Zielgruppe und Methoden

Die Zielgruppe des Lehrprojekts sind Bachelorstudierende im fünften Semester, die unterschiedliche fachliche Vorerfahrungen sowie vielfältige sprachliche und kulturelle Hintergründe mitbringen.

Zur Unterstützung der Studierenden bei der Vorbereitung auf den Laborkurs sowie während der praktischen Arbeiten wurde LabBuddy entwickelt. Das digitale Tool ermöglicht es den Studierenden, experimentelle Abläufe eigenständig zu planen, indem inhaltliche Module („Kacheln“) zu individuellen Versuchsabläufen zusammengestellt und strukturiert miteinander verknüpft werden. Auf dieser Basis erstellen die Studierenden ihren persönlichen experimentellen Leitfaden, der sie durch die anschließende Laborarbeit begleitet. Während dieses Prozesses bietet LabBuddy unmittelbares, arbeitsprozessbegleitendes Feedback in Form von aufpoppenden Textfeldern nach einzelnen Arbeitsschritten. Dieses Feedback unterstützt die Orientierung während der Vorbereitung und fördert die Weiterentwicklung geeigneter Lösungsstrategien. Ergänzend fördern multimediale Inhalte wie Videos und Quizfragen ein selbstständiges Fortschreiten im Lernprozess und tragen dazu bei, die Lernziele des Laborkurses besser zu erreichen. Während der zweiwöchigen Vorbereitungsphase haben die Studierenden zudem die Möglichkeit, über Kommentarfunktionen in LabBuddy sowie per E-Mail oder Telefon mit dem Lehrteam in Kontakt zu treten. Besonderer Wert wird dabei auf eine lernförderliche Atmosphäre im Sinne der A-Phase („Ankommen“) des AVIVA-Schemas gelegt. Durch eine wertschätzende und empathische Betreuung auf Augenhöhe wird ein Rahmen geschaffen, der es den Studierenden ermöglicht, Fragen und Anregungen zeitnah einzubringen und den Lernprozess nachhaltig zu unterstützen.

Im anschließenden Übergang vom Flipped-Classroom-Setting in das Laborpraktikum setzen die Studierenden die zuvor eigenständig entwickelten experimentellen Abläufe praktisch um. In betreuten Zweierteams führen sie ihre vorbereiteten Experimente weitgehend selbstständig durch, wodurch Planung, Durchführung und Verständnis der Versuchszusammenhänge eng miteinander verknüpft werden. Der direkte fachliche Austausch mit den anwesenden Betreuer*innen ermöglicht es, auftretende Verständnisfragen unmittelbar zu klären und den Lernprozess situativ zu vertiefen.

Das didaktische Gesamtkonzept basiert auf einem dreistufigen Lernarrangement:

  1. Vorbereitung im Selbststudium: Zwei Wochen vor Kursbeginn erhalten die Studierenden Zugang zu LabBuddy. Die multimedial aufbereiteten Inhalte ermöglichen individuelles Lernen mit integriertem Feedback. Die vollständige Bearbeitung aller Module ist Voraussetzung für die Teilnahme an der Laborphase.
  2. Durchführung im Labor: Während des dreiwöchigen Präsenzkurses dient der selbst erstellte Experimentalplan aus LabBuddy als digitale Anleitung im Labor. Kontextbezogene Hintergrundinformationen reduzieren Fehlerquellen und ermöglichen eine intensivere individuelle Betreuung. Ergänzend finden gemeinsame, tägliche Kurzseminare zur Analyse von Zwischenergebnissen statt.
  3. Kompetenzorientierte Leistungsüberprüfung: Die Bewertung kombiniert kontinuierliche Mitarbeit, Rechentests, schriftliche Berichte sowie mündliche Abschlussgespräche.

Die enge Begleitung kompensiert dabei zentrale Herausforderungen des Flipped-Classroom-Ansatzes wie erhöhte Eigenverantwortung, zusätzlichen Betreuungsaufwand und unterschiedliche technische Voraussetzungen.

Ergebnisse und Wirkung

Das digitale Lehrkonzept hat die Vorbereitung, Durchführung und Betreuung im Labor deutlich verbessert. Studierende kommen besser vorbereitet, die Effizienz der Experimente steigt, und die Fehlerquoten sinken. Durch den klareren Überblick über Sinn und Zweck der Versuche sind die Studierenden besser orientiert, und die wahrgenommene Sicherheit in der Laborarbeit nimmt zu.

Der digitale Leitfaden unterstützt verschiedene Lernpräferenzen, ermöglicht selbstbestimmtes Lernen und reduziert den Einsatz von Papier. Letzteres ist insbesondere bei gentechnischen Arbeiten von Vorteil, da Papier aufgrund seiner rauen Oberfläche eine potenzielle Kontaminationsquelle darstellt.

Kontinuierliches Feedback, individuelle Betreuung sowie mehrsprachige und inklusive Unterstützung fördern die methodischen, analytischen und kommunikativen Kompetenzen der Studierenden. Gleichzeitig erhöht das Konzept die methodische Diversität, indem verschiedene Lernpräferenzen optimal unterstützt werden.

Das Lehrteam entwickelte das Konzept gezielt als Pilotprojekt für eine nachhaltige Modernisierung von Laborpraktika mit dem Ziel, erfolgreiche Elemente auf weitere Lehrveranstaltungen zu übertragen.

Besonderheiten und Weiterentwicklungen

Eine besondere Herausforderung stellt die personelle Fluktuation im Lehrteam dar, da die anspruchsvollen molekularbiologischen Experimente Lehrende mit Forschungsbezug erfordern. Zwei konstante Lehrpersonen im Team (Emmerstorfer-Augustin und Kourist) gewährleisten jedoch die kontinuierliche Einschulung neuer Lehrender und Tutor:innen sowie die Vermittlung der didaktischen Prinzipien des Konzepts, während weitere Teammitglieder in mehrjährigen Abständen wechseln. Seit der Einführung 2020 wird das Konzept kontinuierlich weiterentwickelt: Inhalte in LabBuddy werden jährlich überarbeitet. Grundlage dafür bilden sowohl direktes Feedback der Studierenden im Austausch mit Lehrenden während der Übungen als auch die Ergebnisse der abschließenden anonymen TU-Graz-internen online Lehrveranstaltungsevaluierungen. Auf dieser Basis werden neue Videos und Materialien ergänzt sowie Maßnahmen zur Barrierefreiheit und Inklusion, etwa durch die Untertitelung von Videos, laufend ausgebaut.

Inklusion, Diversität und Nachhaltigkeit

Das Lehrkonzept ist bewusst inklusiv und sensibel für sensorische Barrieren gestaltet: Inhalte werden über verschiedene Medienformate vermittelt, Farbcodes sind auch für farbenfehlsichtige Personen geeignet, technische Ausstattung kann bei Bedarf ausgeliehen werden, und individuelle Lösungen werden in besonderen Lebenssituationen gemeinsam gefunden. Die Lehrmaterialien sind international ausgerichtet, das Betreuungsteam mehrsprachig, und ein respektvolles, diskriminierungsfreies Lernklima wird konsequent gefördert.

Die digitale Lernplattform ermöglicht eine flexible und selbstständige Vorbereitung auf Seminare und Laborübungen. Besonders Studierende in unterschiedlichen oder belastenden Lebenssituationen profitieren von einer niedrigschwelligen Teilnahme: LabBuddy erlaubt beispielsweise berufstätigen Studierenden eine zeitlich flexiblere und dennoch effektivere Vorbereitung. Zudem wurde der Präsenzlaborkurs von Nachmittag auf Vormittag (8:30–13:00) verlegt, um die Teilnahme für Studierende und Betreuende mit Kinderbetreuung zu erleichtern.

Nachhaltigkeit spielt in der Laborübung auf mehreren Ebenen eine zentrale Rolle. Zum einen wird vollständig papierlos gearbeitet; die Inhalte sind langfristig nutzbar und können in anderen Lehrveranstaltungen weiterverwendet werden. Zum anderen werden die Studierenden systematisch für nachhaltige Forschung sensibilisiert: Aufgrund der Forschungsschwerpunkte der TU Graz im Bereich nachhaltiger Biotechnologie erhalten sie nicht nur durch ausgewählte Laborversuche, sondern auch in geführten Besichtigungen der hausinternen Labore Einblicke in aktuelle Forschung. Nachhaltigkeit wird kontinuierlich diskutiert, wodurch transformatives Lernen und ein gesteigertes Interesse der Studierenden an nachhaltigen Themen gefördert werden.

Akzeptanz und Resonanz

Die Lehrveranstaltung Molekularbiologische Übungen I an der Technische Universität Graz wird von den Studierenden außerordentlich positiv angenommen. Sowohl die quantitativen Evaluationsergebnisse als auch die offenen Freitextkommentare zeigen ein sehr konsistentes Bild einer hohen Zufriedenheit. Die positive Resonanz bezieht sich dabei ausdrücklich auf das Zusammenspiel der beteiligten Lehrpersonen sowie auf die Betreuungssituation im Labor.

Die Rücklaufquote der standardisierten Lehrveranstaltungsevaluation betrug rund 45 % (17 von 38 Studierenden) und liefert damit eine belastbare Grundlage. Die Gesamtzufriedenheit erreichte einen Mittelwert von 5,06 auf einer 6-stufigen Skala, wobei Median und oberes Quartil bei der Bestbewertung lagen. Die Lehrveranstaltung wird somit nicht nur von einzelnen Studierenden sehr gut bewertet, sondern von der Mehrheit durchgehend im höchsten Zufriedenheitsbereich eingeordnet.

Auch die inhaltliche Ausgestaltung wird als ausgewogen wahrgenommen. Sowohl Arbeitsaufwand (Mittelwert 0,31 auf einer Skala von −2 bis +2) als auch Schwierigkeit (Mittelwert 0,24) liegen nahe dem Idealwert „angemessen“. Die geringe Streuung zeigt eine weitgehend übereinstimmende Wahrnehmung innerhalb der Gruppe und deutet darauf hin, dass unterschiedliche Vorkenntnisse erfolgreich berücksichtigt werden konnten.

Besonders hervorzuheben ist die Bewertung des Lernklimas: Die Aussage, dass alle Studierenden unabhängig von Lernpräferenz oder Hintergrund fair behandelt werden, wurde mit einem Mittelwert von 5,71 nahezu einhellig bestätigt. Die Lehrveranstaltung schafft damit nachweislich eine sichere Lernumgebung, die aktives Nachfragen unterstützt.

Die Freitextkommentare spiegeln diese Ergebnisse deutlich wider. Um einige Beispiele zu nennen:

‚Das System mit LabBuddy anstelle des Skriptes ist einfach genial. Man nimmt so viel mehr vom Labor mit, weil man sich davor schon intensiv mit dem Stoff befassen hat.‘

‚Ich fand toll, dass sich das Lehrteam mit den Studierenden in mehreren Sprachen unterhalten konnte, weil nicht alle Studierende Deutsch als Muttersprache hatten.‘

‚Mir hat besonders gut gefallen, dass eine so angenehme Lernatmosphäre geherrscht hat. Es wurde uns von vorneherein gesagt, dass es keine blöden Fragen gibt und dass den Lehrenden bewusst ist, dass wir das zum ersten Mal machen. Alle Lehrenden waren sehr freundlich und man hat sich als Studierende ernst genommen und respektiert gefühlt.‘

‚Sie (Frau Emmerstorfer-Augustin) wirkt trotz ihrer hohen Kompetenz sehr warm und sympathisch, was einen fast dazu aufmuntert, Fragen zu stellen. Kurz zusammengefasst: 11 von 10 Punkten.‘

Allgemein werden die Lehrpersonen wiederholt als freundlich, motivierend und unterstützend beschrieben. Studierende betonen, dass Fragen jederzeit möglich sind und ernst genommen werden. Besonders häufig wird die verständliche Erklärung komplexer Inhalte hervorgehoben sowie die angenehme Atmosphäre während der praktischen Arbeit. Mehrere Rückmeldungen berichten, dass sie viel aus dem Kurs mitnehmen konnten und sich gut betreut fühlten.

Kritikpunkte treten nur vereinzelt auf und betreffen keine strukturellen Probleme der Lehrveranstaltung. Genannt wird lediglich der Wunsch nach noch häufigerer Präsenz im Labor, ausdrücklich als Verbesserung auf hohem Niveau formuliert.

Insgesamt zeigen sowohl die statistischen Kennzahlen als auch die qualitativen Rückmeldungen eine sehr hohe Akzeptanz innerhalb der Studierendengruppe und eine einheitlich positive Wahrnehmung der Lehrveranstaltung.

Nutzen und Mehrwert

Der besondere Mehrwert der Lehrveranstaltung liegt im didaktischen Gesamtkonzept aus Flipped-Classroom-Prinzip sowie betreuter, digital unterstützter Laborpraxis. Vorbereitende Inhalte werden eigenständig erarbeitet, wodurch die Präsenzzeit konsequent für Anwendung, Diskussion und Problemlösung genutzt werden kann. Dadurch verschiebt sich die Rolle der Lehrpersonen von der primären Wissensvermittlung hin zur individuellen Lernbegleitung.

Das digitale Tool LabBuddy ermöglicht den Studierenden eigenverantwortliches, flexibilisiertes Arbeiten im individuellen Tempo und schafft Transparenz über Arbeitsschritte und Lernfortschritt. Die Studierenden kommen vorbereitet ins Labor und können die Präsenzphase als tatsächliche wissenschaftliche Arbeitszeit nutzen. Dies reduziert reine Instruktionsphasen deutlich und erhöht die aktive Lernzeit.

Durch diese Struktur entsteht eine für praktische Übungen besonders wertvolle Kombination aus Selbstständigkeit und Sicherheit: Studierende experimentieren eigenständig, erhalten aber gezielte Unterstützung genau dann, wenn sie benötigt wird. Dadurch werden wissenschaftliche Kompetenzen in den Bereichen experimentelles Design, methodische Präzision, praktisches Arbeiten, Datenanalyse, kritische Interpretation von Ergebnissen, strukturierte Dokumentation sowie schriftliche und mündliche Präsentation wissenschaftlicher Inhalte gefördert.

Die Lehrveranstaltung ermöglicht somit einen Perspektivenwechsel vom „Nachvollziehen eines Protokolls“ hin zum „Verstehen eines experimentellen Prozesses“. Fehler werden Teil des Lernprozesses und können direkt reflektiert werden. Dies stärkt nachhaltiges Verständnis molekularbiologischer Methoden sowie das Vertrauen in das eigene experimentelle Arbeiten.

Zusätzlich erhöht die digitale Vorbereitung die Flexibilität der Lehre: Lerninhalte können wiederholt bearbeitet werden, unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten werden berücksichtigt und Präsenzzeiten werden effizient genutzt. Gleichzeitig bleibt die persönliche Betreuung zentraler Bestandteil des Konzepts.

Insgesamt entsteht dadurch ein Lernsetting, das praktische Kompetenzentwicklung, wissenschaftliches Denken und eigenständiges Arbeiten stärker fördert als klassische Laborübungen und den Studierenden einen besonders hohen nachhaltigen Lerngewinn ermöglicht.

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2020

LabBuddy wurde 2020 als Reaktion auf pandemiebedingte Einschränkungen eingeführt, um die Laborlehre digital zu ergänzen, und ist seitdem ein fester Bestandteil der Ausbildung. Das modernisierte Lehrprojekt wird seit 2020 durchgeführt und ist offen / fortlaufend angelegt. Das Lehrteam besitzt umfassende Bearbeitungsrechte und kann die Inhalte laufend aktualisieren. Seit 2024 haben Studierende zusätzlich die Möglichkeit, Inhalte lokal zu speichern – ein Schritt zu nachhaltiger Verfügbarkeit. Elemente aus LabBuddy wurden bereits in andere Lehrveranstaltungen, wie die „Molekularbiologischen Übungen II“ an der TU Graz, übernommen. Dies zeigt, dass ein didaktisch wirkungsvolles Konzept mit hohem Multiplikationspotenzial entstanden ist. Langfristig strebt das Team an, in Zusammenarbeit mit dem Team der Lehr- und Lerntechnologien der TU Graz ähnliche Tools auch für weitere Laborkurse zu entwickeln, um die Abhängigkeit von externen Anbietern zu reduzieren und interne Expertise im Bereich digital gestützter Laborlehre aufzubauen. Der nachhaltige Wert liegt dabei nicht nur in der Wiederverwendbarkeit der Inhalte, sondern vor allem in der mediendidaktischen Kompetenz des Lehrteams. Die erprobten Methoden bieten zudem eine solide Grundlage für die Entwicklung neuer offener Bildungsressourcen (OER) und die Weitergabe didaktischer Konzepte innerhalb der TU Graz und darüber hinaus.

Institutionelle Unterstützung

Die Etablierung von LabBuddy im Jahr 2020 wurde durch das partizipative Innovations- und Förderprogramm „Digitale TU Graz Marketplace“ der TU Graz finanziell gefördert. Zusätzlich stellte das Institut für Molekulare Biotechnologie hausinterne Tutor*innen bereit, die mit großem Engagement die Inhalte in die Software eingepflegt haben. Einige der damals beteiligten Personen sind auch heute noch an den Übungen beteiligt, was die Konsistenz und Qualität der Lehrveranstaltungen gewährleistet. Dank dieser kontinuierlichen Betreuung können neue Mitarbeitende zuverlässig und zeitnah eingearbeitet werden. Darüber hinaus wird die Nutzung von LabBuddy am Institut aus dem Materialbudget für Lehrmittel finanziell unterstützt, wodurch die nachhaltige Integration des Tools in die Laborausbildung gesichert ist.

Die Lehrveranstaltung wird kontinuierlich im Rahmen des hochschulinternen Evaluierungsprogramms anonym und auf freiwilliger Basis online evaluiert. Das Lehrteam misst diesem Feedback einen hohen Stellenwert bei und motiviert die Studierenden aktiv zur Teilnahme. Über viele Jahre liegt die Rücklaufquote bei ca. 50 %, worauf das Team sehr stolz ist. Nach Abschluss jedes Kurses werden die Ergebnisse gemeinsam analysiert und systematisch reflektiert.

Ein Beispiel für diese Reflexionsarbeit ist die gezielte Optimierung des Zeitmanagements: Dadurch erhalten die Studierenden ausreichend Zeit für die Vorbereitung und Bearbeitung der Lernaufgaben, ohne dass es zu Verzögerungen im Beurteilungsprozess kommt. Die Endnoten werden daher regelmäßig zeitnah, noch vor der Weihnachtspause, bekannt gegeben.

Insbesondere in den ersten beiden Jahren nach der Implementierung von LabBuddy wurden ergänzend kursinterne Feedbackbögen im abschließenden Seminar eingesetzt, um eine noch höhere Rücklaufquote zu erzielen und gezielt Rückmeldungen zur Funktionalität und didaktischen Gestaltung des Tools zu erhalten. Dieses zusätzliche Feedback ermöglichte eine rasche Weiterentwicklung und Optimierung von LabBuddy auf hohem qualitativen Niveau.

Auf dieser Grundlage konnte das didaktische Konzept über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt, LabBuddy inhaltlich und strukturell verbessert sowie die didaktischen Kompetenzen des Lehrteams nachhaltig gestärkt werden.