Zuletzt aktualisiert am 07.02.2025
Didaktische Vielfalt zur Unterstützung des Fertigkeitentrainings mit Hilfe interaktiver Inputs
Projektname des bereits eingereichten Projekts:
Ars Docendi Kategorie
Lehre und Digitale Transformation
Gruppengröße
< 20
Kurzzusammenfassung des Projekts
„Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ – ist eine Metapher dafür, dass ein Bild oft mehr Ausdrucksebenen hat als ein geschriebener Text. In Bildern lässt sich ein komplexer Sach- bzw. Lehrinhalt einfacher darstellen bzw. erklären. Trotzdem kann ein Bild nicht alle Informationen ersetzen und daher braucht es eine Kombination aus mehreren Komponenten. Hier kommt das E-Learning-Tool „ThingLink“ ins Spiel. Mit Hilfe dieses Tools werden verschiedene realitätsgetreue Bilder aus dem Praxisfeld der Gesundheits- und Krankenpflege durch die Möglichkeit der interaktiven Bearbeitung durch Markierung unterschiedlicher Ressourcen (z.B. Videos, Textbeschreibungen, Kurzquiz, Artikel/Studien, etc.) zum Leben erweckt. Das Tool dient als Begleitung und Ergänzung zu den theoretischen Unterrichtseinheiten und den praktischen Fertigkeitentrainings. Es ermöglicht den Studierenden die Lehrinhalte orts- und zeitunabhängig, sowohl vor, während als auch nach der Lehrveranstaltung, bis hin zum Ende des Studiums nach eigenem Ermessen zu wiederholen und zu perfektionieren. Damit werden einerseits selbstgesteuerte Lernprozesse optimal unterstützt, andererseits führt dies zu einer Vernetzung der Lehrinhalte und fördert die Bildung beruflicher Kompetenzen. Beispielsweise werden Kompetenzen wie die Durchführung von kapillären und venösen Gefäßpunktionen zur Blutabnahme vermittelt oder die Durchführung des Setzens einer Magensonde sowie deren Lagekontrolle und pflegerische Interventionen im Umgang mit derselben.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
„A picture is worth a thousand words" - is a metaphor referring to the multiple levels of expression a picture provides compared to a written text. Pictures can present or explain a complex factual or educational content more easily. Still, a picture cannot replace all information, which requires a combination of several components. This is what the e-learning tool „ThingLink" can deliver. Supported by this tool, various realistic images from the practical field of healthcare and nursing are brought to life through interactive editing and marking different resources (e.g. videos, text descriptions, short quizzes, articles/studies, etc.). The tool accompanies and enhances theoretical lessons and hands-on skills training. It enables students to repeat and perfect the course content at their own discretion, independent of location and time. It can be used before, during and after the course, right up to the end of their studies. On one hand this optimally supports self-directed learning processes, on the other hand, it interlinks course contents and promotes the formation of professional competencies. Examples of competencies taught are: The performance of capillary and venous vascular punctures for blood sampling; the performance of the insertion of a gastric tube as well as the related position control and nursing interventions in dealing with the same.
Nähere Beschreibung des Projekts
Die Lehrveranstaltung „Pflege im Kontext mit Diagnostik und Therapie 2” im 2. Semester des Bachelorstudiums der Gesundheits- und Krankenpflege beschäftigt sich unter anderem mit der Vermittlung von Kompetenzen in der Mitwirkung bei Diagnostik und Therapie, die im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz §15 verankert sind. Sie wird mit 1 ECTS vergütet. Für lediglich 18 UE (17 UE LV + 1 UE Prüfung) beinhaltet diese zahlreiche theoretische und praktische Themenfelder, die sich auf 9 UE praktische Fertigkeitentrainings und 8 UE Theorie aufteilen. Daher war das Ziel des Projekts, den Studierenden eine Möglichkeit anzubieten, die erlernten theoretischen Inhalte in ihrem eigenen Lerntempo, orts- und zeitunabhängig zu wiederholen und zu vertiefen. In den ersten 4 Lehreinheiten werden in Form einer Vorlesung theoretische Inhalte vermittelt. Anschließend wird den Studierenden das Tool näher erklärt und dessen Features werden erläutert. Die Aufgabe bis zur nächsten Lehrveranstaltung liegt darin, die interaktiven Bilder, die im begleitenden Moodlekurs eingebettet sind, durchzuarbeiten. Um die gelernten Inhalte zu überprüfen, müssen die Studierenden eine Lernergebniskontrolle (Vorwissenscheck via Moodle) durchführen, die sicherstellt, dass sie mit ausreichendem Wissen zum praktischen Fertigkeitentraining kommen. Dies ermöglicht die maximale Zeitausschöpfung des praktischen Trainings und trägt dazu bei, dass die Studierenden mit den Gegenständen und den Abläufen der Tätigkeiten (z.B. Setzen einer nasogastralen Sonde) bereits vertraut sind und daher die Vernetzung und Durchführung derselben erleichtert wird.
Lehrveranstaltungsplanung:
- 1. Einheit (4LE): theoretische Inputs zu Arzneimittelarten, Injektionsarten (i.m., s.c., i.v.), Punktionsarten (venöse und kapilläre Blutabnahme) -> zwischen 1. & 2. Einheit: ThingLink und Lernergebniskontrolle
- 2. Einheit (4LE): praktisches Fertigkeitentraining zu den Inhalten der 1. Einheit
- 3. Einheit (4LE): theoretische Inputs zu Infusionsmanagement (inkl. Berechnungen, Perfusoren), Pflege und Handling von ZVK & Port-a-Cath, Sondenmanagement (Ernährungs- und Entlastungssonden, Kompressionssonden) -> zwischen 3. & 4. Einheit: ThingLink und Lernergbniskontrolle
- 4. Einheit (5LE): praktisches Fertigkeitentraining zu den Inhalten der 3. Einheit
- 5. mündliche theoretische und praktische Prüfung
Cognitive Apprenticeship:
Als theoretischer Hintergrund für die Fertigkeitentrainings diente das Cognitive Apprenticeship (CAS), welches nachfolgend kurz erläutert wird. Die Beherrschung beruflicher Kompetenzen ist erst möglich, wenn mehrere Lernschritte vollzogen sind. Für ein Fertigkeitentraining eignet sich daher die Anwendung der Methode „Cognitive Apprenticeship“, die aus fünf Schritten besteht (Collins, Brown, & Newman, 1989). Zuerst werden in der Einleitung die Ziele, der Ablauf und die Bedeutung erläutert (fand im Theorieunterricht statt), dann folgt in einem Orientierungsschritt die Aktivierung von Vorkenntnissen, um Erfahrungen wachzurufen und den Sachbestand zu klären (wird mit Hilfe des Vorwissenschecks abgebildet). Die letzten drei Schritte Demonstration (Modelling), Übung (Coaching – Scaffolding, Fading, Articulation) und Abschluss (Exploration, Reflection) der Methode finden direkte Anwendung im praktischen Fertigkeitentraining. Nachfolgend werden auch diese Schritte erläutert: Im Modelling wird der Handlungsablauf durch den*die Lektor*in demonstriert, hierbei werden die Handlungsschritte und der fachliche Hintergrund verbalisiert. Danach folgt die Übungs- bzw. Trainingsphase. Dazu gehören das Beobachten, Korrigieren, Unterstützen und Feedbackgeben. Das Coaching seitens der Lektor*innen findet in mehreren Lernschritten statt. Beim Scaffolding geben die Lektor*innen Struktur, leiten an und übernehmen bei Bedarf Teilschritte. Während des Fadings treten die Lektor*innen entsprechend der Ausführung der Aufgabe durch die Studierenden in den Hintergrund. In der Articulation-Phase werden die Handlungsschritte und Zusammenhänge schlussendlich von den Studierenden selbst erklärt. Die Kompetenzen können dadurch nach und nach erworben werden, bis die Lernschritte zur vollumfänglichen Selbstständigkeit in Handlungsabläufe führen. Mit der Reflexion, dem Vernetzen und der Exploration, dem Transfer in die Praxis, wird die Lernsequenz abgeschlossen. Hervorzuheben ist, dass die einzelnen Schritte der Methode zwangsläufig nicht linear ablaufen müssen. Es ist durchaus möglich, zu einem bereits absolvierten Schritt zurückzugehen. Im Praxisfeld können später die individuellen Einflussfaktoren der jeweiligen Pflegesituationen einbezogen werden. Erst dann können die neu erlernten beruflichen Kompetenzen vollumfänglich eingesetzt werden.
Constructive Alignment:
Dieses Konzept dient sowohl als didaktisch-methodische als auch inhaltliche Grundlage für die Lehrveranstaltung. Das Constructive Alignment bietet für Studierende und Lehrende einen Orientierungsrahmen. Hierbei stehen die Lernergebnisse, die didaktischen Methoden und die Leistungsüberprüfung mit dem Inhalt der Lehrveranstaltung in einer Wechselbeziehung. Bei der Planung ist wesentlich, dass diese Aspekte aufeinander abgestimmt sind. Nachfolgend finden sich ausgewählte Lernergebnisse (Biggs, 1996).
Auszug der zu erreichenden Lernergebnisse der Lehrveranstaltung
- verschiedene Arzneimittelformen nennen;
- die Aufgaben des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege in Hinblick auf Qualitätssicherung im Umgang mit Arzneimitteln hinsichtlich Bestellung, Lagerung, Vorbereiten und Verabreichen von Arzneimitteln, Beobachtung von Wirkungen und Nebenwirkungen des verabreichten Arzneimittels und Dokumentation beschreiben;
- die Handhabung in Bezug auf Suchtgiftgebarung erklären;
- die Gestaltung von Arzneitmittelverpackungen und Packungsbeilagen, Anwendungs- und Aufbewahrungshinweise erklären;
- das Funktionsprinzip und die Handhabung bei zu setzenden und bereits liegenden peripheren und zentralen Gefäßkathetern erklären;
- die Vorbereitung, Assistenz, Nachbereitung und das Handling von zentralen Gefäßkathetern beschreiben;
- die Vorbereitung, Assistenz, Nachbereitung und das Handling von teilweise und vollständig implantierbaren Kathetersystemen beschreiben;
- die Vorbereitung, Assistenz, Durchführung und Nachbereitung beim Setzen von subkutanen, intramuskulären und intravenösen Injektionen beschreiben;
- verschiedene Infusionsarten nennen;
- die Handhabung mit medizinischen Geräten wie Tropfenzähler, Infusomat und Motorspritze erklären und demonstrieren;
- die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung für das Setzen, die Lagekontrolle und pflegerische Interventionen in der Handhabung mit der Magensonde erklären;
- die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung für den Wechsel, die Lagekontrolle und pflegerische Interventionen in der Handhabung mit der PEG-Sonde erklären;
Die hier angeführten Lernergebnisse wurden mit Hilfe interaktiver Inputs unterstützt.
Die Lehrveranstaltung schließt mit einer mündlichen Prüfung, die sowohl praktische als auch theoretische Komponenten enthält, ab. Dadurch kommt es zu einer optimalen Abstimmung des Lehr-Lernkonzepts auf die Prüfungsmodalitäten und die zu erreichenden Lernergebnisse, sodass der Kompetenzaufbau überprüft werden kann. Die Studierenden ziehen hierbei eine theoretische und eine praktische Frage aus einem Fragenpool. Bei der praktischen Frage müssen die Studierenden eine Sequenz vorzeigen und ihr Handeln begründen. Die Gewichtung der Fragen beträgt 50% Theorie und 50% Praxis, sodass keine reine Reproduktion des Wissens stattfindet, sondern auf Verständnis und Vernetzung basierende Handlungskompetenzen ausgeprägt werden.
Digitales Tool ThingLink:
Da die Lehrveranstaltung zum Großteil eine praktische Lehrveranstaltung ist, können zusätzlich zum haptisch-kinästhetischen Typ, mit Hilfe des E-Learning-Tools auch der auditive, der optisch-visuelle und der kognitiv-intellektuelle Typ angesprochen werden. Das E-Learning-Tool „ThingLink“ ermöglicht es, verschiedenste Ressourcen als Markierungen auf einem Bild bzw. Video zu speichern. Dabei können hier nicht nur weitere Bilder, Texte, Audio- oder Videodateien eingebunden werden, sondern beispielsweise auch selbst erstellte Kurzquiz etc. Auch die Möglichkeit der Einbindung von internationalen Studien zu den verschiedenen Thematiken erleichtert evidenzbasierte Kenntnisse miteinzubeziehen. Damit kann sowohl dem gesetzlichen Auftrag in der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege (§3 Absatz 10, FH-Gesundheits- und Krankenpflege - Ausbildungsverordnung (FH-GuK-AV)), sowie dem Tätigkeitsprofil der Gesundheits- und Krankenpflege in Österreich (§4, §12, §63, Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG)) nachgekommen werden.
Das interaktiv gestaltete Bild/Video via „ThingLink“ kann mittels Embed Code sehr einfach und gut in den Moodlekurs integriert werden. Die Bediener- und Nutzerfreundlichkeit für die Studierenden ist äußerst hoch, da das Tool mittels Computer/Laptop, aber auch über das Smartphone oder Tablet zugänglich ist. Dies ermöglicht orts- und zeitunabhängiges Lernen.
Alle Lernmaterialien mit Textbeschreibungen sind bei „ThingLink“ in einem integrierten Lesetool verfügbar, das Übersetzungen in über 60 Sprachen enthält. Dies hilft Sprachbarrieren von Studierenden, die oft verschiedene Erstsprachen bzw. auch eine unterschiedliche Lesekompetenz aufweisen, zu überwinden. Darüber hinaus erleichtert es den Zugang für Incoming-Studierende, die an Lehrveranstaltungen teilnehmen möchten, sodass die Internationalisierung im Studiengang erhöht wird. Die Funktion des integrierten Lesetools wurde von uns in den Sprachen Rumänisch und Spanisch mit Kolleg*innen ausprobiert. Dabei konnte lt. Aussagen der Kolleg*innen festgestellt werden, dass mehr als 92% der Inhalte nicht nur korrekt in der jeweiligen Sprache übersetzt wurden, sondern auch die Satzstellung, Grammatik etc. passend ist. Unsere Erfahrung ist es, dass die Mehrsprachigkeit einer Gruppe im Rahmen eines solchen Lehr-Lernkonzepts produktiv genutzt werden kann: Visualisierung und Digitalisierung als Chance für gemeinsames Lernen über Sprachengrenzen hinweg!
Literatur:
Biggs, J. (1996). Enhancing teaching through constructive alignment, in: Higher Education 32, 347–364.
Collins, A., Brown, J. S., & Newman, S. E. (1989). Cognitive apprenticeship: Teaching the crafts of reading,writing, and mathematics. In L. B. Resnick (Ed.), Knowing, learning, and instruction: Essays in honorof Robert Glaser (pp. 453–494). Hillsdale, New Jersey: Lawrence Erlbaum Associates, Inc.
Nutzen und Mehrwert
Für Lehrende liegt der Mehrwert darin, dass die interaktiven Bilder in dieser Lehrveranstaltung für folgende Semester, mit kleinen Adaptierungen und Aktualisierungen, weiterverwendet werden können. Für die Erstellung der interaktiven Bilder werden einmalig einige Stunden Aufwand benötigt (je nach Bilderanzahl). Jedoch bedeutet es auf lange Sicht eine Zeitersparnis für die Lehrenden, da diese Bilder weiterverwendet werden können. Wesentlich ist, dass geeignete, realitätsgetreue Bilder zur Bearbeitung aus dem Praxisfeld der Gesundheits- und Krankenpflege ausgewählt werden. Hierbei ist ein Austausch mit Praktiker*innen wichtig, um State of the Art zu lehren.
Zusätzlich können Lehrende von den Kooperationsstandorten der FHCW von diesem Tool profitieren, da das Curriculum standortübergreifend ist. Die interaktiven Bilder lassen sich einfach mittels Embed Code in einen Moodlekurs integrieren. Dies trägt zu einer qualitätsvollen Hochschuldidaktik bei.
Einen Mehrwert hat auch die Usability des Tools. Die Studierenden können über ihr Smartphone, den Laptop oder via Tablet z.B. in der U-Bahn, von zu Hause, in der Praxislernphase etc. darauf zugreifen. Dies ermöglicht einerseits ein flexibleres und unabhängigeres Lernen und andererseits kann dadurch auch methodisch und inhaltlich ein individuell auf die Studierenden angepasster Zugang erreicht werden.
Durch die Möglichkeit der statistischen Auswertung des Tools konnte nachvollzogen werden, wann und wie oft die Studierenden auf die Bilder zugegriffen haben. Zusammen mit den Evaluierungsergebnissen konnte geschlussfolgert werden, dass sie das Tool vor dem praktischen Fertigkeitentraining, zur Prüfungsvorbereitung, in den Praxislernphasen und nach der Lehrveranstaltung verwendet haben. Dieses Faktum deutet darauf hin, dass die Studierenden immer wieder zu den interaktiven Bildern zurückkehren, um ihr Wissen eigenständig zu festigen und bestätigt, dass selbstgesteuerte Lernprozesse angeregt wurden.
Institutionelle Unterstützung
Institutionelle Unterstützung hinsichtlich unseres Lehrprojekts haben wir durch die FHCW insofern erfahren, dass es möglich war, sich für ein E-Learning-Best-Practice-Projektförderung zu bewerben und dafür vom Vizerektorat Lehre und Internationales ausgewählt zu werden. Bei der Umsetzung unseres Projektes wurden wir tatkräftig vom Teaching Support Center und unserem Department unterstützt.
Die jährlich anfallenden Kosten für die Lizenz des Tools belaufen sich derzeit auf 330€, diese werden vom Departement Angewandte Pflegewissenschaft übernommen.