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Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026

Denken lernen - eine KI gestützte Forschungsfragen Assistentin für forschendes Lernen

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Rita Stampfl

Das Bild zeigt die Startseite einer Web-Anwendung mit dem Titel „Forschungsfragen Assistentin“ von Rita Stampfl. Darunter wird kurz erklärt, dass das Tool beim Entwickeln präziser Forschungsfragen unterstützt.

Ars Docendi Kategorie

Forschungsbezogene bzw. kunstgeleitete Lehre

Ars Docendi Kriterien

  • Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
  • Innovative Hochschuldidaktik

Gruppengröße

> 150

Anreißer (Teaser)

Ein spezialisierter KI-Chatbot begleitet Studierende als Forschungsfragen-Assistentin bei der Entwicklung wissenschaftlicher Fragestellungen in einem sokratischen Dialog.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Der Forschungsfragen-Assistentin-Chatbot ist ein KI-gestütztes Lehr-Lerninstrument zur Unterstützung forschenden Lernens in der Hochschullehre. Er begleitet Studierende strukturiert bei der Entwicklung, Präzisierung und Reflexion wissenschaftlicher Fragestellungen und adressiert damit eine zentrale Herausforderung im Forschungsprozess.

Der Chatbot ist didaktisch so konzipiert, dass er keine fertigen Lösungen liefert, sondern Studierende durch gezielte Rückfragen, methodische Impulse und Reflexionsanregungen zur eigenständigen Entwicklung qualitativ hochwertiger Forschungsfragen befähigt. Der Einsatz erfolgt eingebettet in Lehrveranstaltungen und Betreuungssettings, in denen wissenschaftliche Integrität, Methodenbewusstsein und kritische Auseinandersetzung mit KI explizit thematisiert werden.

Studierende lernen, generative KI nicht als Ersatz für wissenschaftliches Denken, sondern als unterstützendes Werkzeug im Forschungsprozess zu nutzen. Dadurch werden sowohl fachliche Forschungskompetenzen als auch überfachliche Future Skills wie kritisches Denken, Selbstreflexion und KI-Kompetenz nachhaltig gestärkt.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The “Research Question Assistant” chatbot is an AI-supported teaching and learning tool designed to support research-based learning in higher education. It provides students with structured guidance in developing, refining, and reflecting on scientific questions, thereby addressing a key challenge in the research process.

The chatbot is designed didactically in such a way that it does not provide ready-made solutions, but rather enables students to independently develop high-quality research questions through targeted questions, methodological impulses, and suggestions for reflection. It is used in courses and supervision settings in which scientific integrity, methodological awareness, and critical engagement with AI are explicitly addressed.

Students learn to use generative AI not as a substitute for scientific thinking, but as a supportive tool in the research process. This sustainably strengthens both subject-specific research skills and interdisciplinary future skills such as critical thinking, self-reflection, and AI competence.

Nähere Beschreibung des Projekts

Die Formulierung einer präzisen wissenschaftlichen Forschungsfrage stellt für viele Studierende eine der größten Herausforderungen im Forschungsprozess dar. Eine klar definierte Forschungsfrage bildet das Fundament jeder wissenschaftlichen Arbeit und beeinflusst maßgeblich deren Qualität, Stringenz und Erkenntnisgewinn. Studierende stehen dabei vor der Aufgabe, Fragestellungen zu entwickeln, die zugleich präzise, relevant, erforschbar und ausreichend komplex sind. Diese Kompetenz wird häufig erst im Verlauf des wissenschaftlichen Schreibprozesses erworben und erfordert gezielte didaktische Unterstützung.

Vor diesem Hintergrund wurde an der Hochschule Burgenland ein spezialisierter KI-gestützter Chatbot entwickelt, der Studierende gezielt bei der Entwicklung wissenschaftlicher Forschungsfragen unterstützt. Die sogenannte Forschungsfragen-Assistentin basiert auf der GPT-5.2-Technologie von OpenAI und wurde explizit für den Einsatz in der akademischen Lehre konzipiert. Ziel des Projekts ist nicht die Automatisierung wissenschaftlicher Arbeit, sondern die Förderung eigenständigen forschenden Denkens durch einen reflektierten, didaktisch fundierten Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Das zentrale didaktische Prinzip der Forschungsfragen Assistentin ist dabei der sokratische Dialog. Die Forschungsfragen-Assistentin arbeitet ausschließlich mit gezielten Rückfragen, Impulsen und Reflexionsanregungen. Studierende erhalten keine fertigen Lösungen, sondern werden dazu angeleitet, eigene Denkprozesse sichtbar zu machen, zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Dieser Ansatz fördert eigenständiges Denken, ein tieferes Verständnis wissenschaftlicher Fragelogiken sowie wissenschaftliche Selbstständigkeit. Ein wesentliches Designprinzip der Forschungsfragen-Assistentin besteht darin, dass sie niemals selbst eine Forschungsfrage formuliert. Stattdessen fordert sie Studierende aktiv dazu auf, eigene Formulierungen zu entwickeln, zu überarbeiten und kritisch zu reflektieren. Dadurch wird sichergestellt, dass die Forschungsfrage dem individuellen Erkenntnisinteresse der Studierenden entspringt und nicht von der KI vorgegeben wird. Wissenschaftliche Integrität und Eigenständigkeit bleiben so konsequent gewahrt.

Die Arbeit mit der Forschungsfragen-Assistentin folgt einem strukturierten, mehrstufigen Begleitprozess. Zunächst wird das übergeordnete Thema identifiziert und das persönliche Erkenntnisinteresse der Studierenden herausgearbeitet. Die Assistentin regt dazu an, die eigene Neugier bewusst zu formulieren und zu klären, was genau erforscht werden soll. Anschließend unterstützt sie durch gezielte Rückfragen bei der systematischen Eingrenzung des Forschungsbereichs, etwa hinsichtlich Branche, Zielgruppe, geografischem Raum, Zeitraum oder funktionalem Kontext. Diese unmittelbare Rückmeldung hilft, den Fokus zu schärfen und Überfrachtung zu vermeiden.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der bewussten Entwicklung geeigneter W-Fragen (z. B. Wie, Was, Warum). Die Assistentin erläutert die unterschiedlichen Erkenntnisrichtungen dieser Fragetypen und unterstützt Studierende dabei, reflektiert zu entscheiden, welche Fragelogik für ihr jeweiliges Erkenntnisinteresse am besten geeignet ist. Prozess- und Wirkungszusammenhänge werden dabei bevorzugt über „Wie“-Fragen erschlossen. Der spielerisch-reflexive Charakter dieses Vorgehens erhöht Motivation und Lernwirksamkeit.

Im weiteren Verlauf wird die Forschungsfrage iterativ weiterentwickelt. Die Assistentin hält den jeweils aktuellen Stand der Frage explizit fest und fordert gezielt zur Überarbeitung auf. Jede Interaktion endet mit einer Einladung, eine neue oder verbesserte Version zu formulieren. Dadurch bleibt der Denk- und Entwicklungsprozess für die Studierenden nachvollziehbar und sichtbar. Abschließend wird die Forschungsfrage systematisch anhand definierter Gütekriterien überprüft. Diese umfassen Klarheit und Präzision, Erforschbarkeit, Fokussierung sowie Offenheit der Fragestellung. Bei Bedarf werden ergänzende Unterfragen formuliert, die zur weiteren Präzisierung beitragen.

Die Kommunikation der Forschungsfragen-Assistentin ist empathisch, motivierend und zugleich kritisch-konstruktiv. Fortschritte werden explizit gewürdigt, Verbesserungspotenziale klar benannt. Zur Veranschaulichung nutzt die Assistentin Beispiele gelungener und problematischer Forschungsfragen, etwa zu breite, zu vage oder geschlossene Fragestellungen, ohne jemals konkrete Lösungen vorzugeben.

Die Arbeit mit der Forschungsfragen-Assistentin mündet in eine abschließende Besprechung mit einer betreuenden Lehrperson. Studierende präsentieren ihre entwickelte Forschungsfrage und reflektieren deren Entstehungsprozess. Durch gezielte Nachfragen wird die Eigenständigkeit der erbrachten Leistung überprüft. Das Projekt verbindet dabei Ansätze des Problembasierten Lernens und Forschenden Lernens mit einem reflektierten Einsatz generativer KI. Studierende lernen, KI nicht als Antwortgenerator, sondern als Denk- und Reflexionswerkzeug zu nutzen. Der kritische Umgang mit generativer KI – einschließlich ihrer Grenzen wie etwa Halluzinationen – ist integraler Bestandteil des Lehrkonzepts.

Zu den Herausforderungen des Projekts zählen unterschiedliche KI-Vorkenntnisse der Studierenden sowie variierende Sprach-Kompetenzen, die die Qualität der Interaktion beeinflussen können. Zudem erfordert das Konzept eine aktive Beteiligung der Studierenden sowie einen Betreuungs- und Reflexionsaufwand seitens der Lehrenden. Ein weiterer möglicher Nachteil besteht darin, dass der iterative Dialogprozess für Studierende, die schnelle und eindeutige Antworten bevorzugen, zunächst als herausfordernd oder überfordernd erlebt werden kann. Kontinuierliches Feedback, transparente Begleitung und eine abschließende Lernerfolgskontrolle wirken diesen Effekten gezielt entgegen.

Akzeptanz und Resonanz

Die Forschungsfragen-Assistentin wurde von beteiligten Lehrpersonen sehr positiv aufgenommen. In ersten Rückmeldungen berichten Betreuende wissenschaftlicher Arbeiten übereinstimmend, dass die von Studierenden eingereichten Forschungsfragen qualitativ deutlich präziser, klarer und fokussierter formuliert sind als in früheren Betreuungssettings ohne den Einsatz der Assistentin. Insbesondere die klare Eingrenzung des Forschungsgegenstands, die stringente Verwendung geeigneter W-Fragen sowie die erhöhte argumentative Schärfe der Fragestellungen werden hervorgehoben.

Lehrpersonen nehmen zudem wahr, dass Studierende ihre Forschungsfragen im Betreuungsgespräch besser begründen und reflektieren können. Der Entstehungsprozess der Fragestellung ist für die Studierenden nachvollziehbarer, da sie diesen im Dialog mit der Forschungsfragen-Assistentin iterativ entwickelt und mehrfach überarbeitet haben. Dies erleichtert die fachliche Diskussion und verschiebt den Fokus der Betreuung stärker auf inhaltliche und methodische Aspekte, anstatt auf grundlegende formale Klärungen.

Auch aus didaktischer Perspektive wird der Einsatz der Forschungsfragen-Assistentin als entlastend und qualitätssteigernd beschrieben. Lehrpersonen berichten, dass sich typische Anfangsprobleme – etwa zu breite, vage oder geschlossene Forschungsfragen – deutlich reduzieren. Gleichzeitig bleibt die Eigenständigkeit der Studierenden gewahrt, da die Assistentin keine Lösungen vorgibt, sondern ausschließlich strukturierend und reflexionsfördernd wirkt.

Die bisherigen Rückmeldungen werden als wertvolle Grundlage für die weitere systematische Beobachtung und Weiterentwicklung des Projekts genutzt. Perspektivisch ist vorgesehen, die Akzeptanz und Wirkung der Forschungsfragen-Assistentin auch durch strukturierte qualitative Rückmeldungen von Studierenden und Lehrenden zu erfassen.

Nutzen und Mehrwert

Die Forschungsfragen-Assistentin bietet sowohl für Studierende als auch für Lehrende einen erheblichen didaktischen und organisatorischen Mehrwert. Für Studierende steht insbesondere die Förderung von Eigenständigkeit und Selbstwirksamkeit im Mittelpunkt. Da die Forschungsfrage nicht vorgegeben, sondern schrittweise selbst entwickelt wird, erleben Studierende ihren Erkenntnisprozess als eigenständige Leistung. Dies stärkt das Vertrauen in die eigenen wissenschaftlichen Fähigkeiten und fördert nachhaltiges Lernen.

Die Arbeit mit der Forschungsfragen-Assistentin ermöglicht eine flexible Lernumgebung, die zeit- und ortsunabhängig genutzt werden kann und individuelles Lerntempo berücksichtigt. Studierende können Formulierungen ohne Leistungsdruck ausprobieren, verwerfen und weiterentwickeln. Diese sichere Lernumgebung erleichtert es, Unsicherheiten offen zu adressieren und fördert experimentelles, reflektiertes Denken. Durch die kontinuierliche Rückmeldung und das explizite Festhalten des aktuellen Arbeitsstands bleibt der Denk- und Entwicklungsprozess nachvollziehbar, Fortschritte werden sichtbar und bewusst wahrgenommen. Studierende lernen, wissenschaftliche Fragestellungen kritisch zu analysieren, ihre eigenen Annahmen zu hinterfragen und Formulierungen präzise und konsistent auszurichten. Diese Kompetenzen gehen über die konkrete Arbeit an einer Forschungsfrage hinaus und sind als Transferkompetenzen in unterschiedlichen Studien- und Berufskontexten relevant.

Auch für Lehrende bietet der Einsatz der Forschungsfragen-Assistentin deutliche Vorteile. Der Chatbot fungiert als erste strukturierende Anlaufstelle im Forschungsprozess und übernimmt wiederkehrende, beratungsintensive Aufgaben, etwa bei der Klärung von Breite, Fokus und Formulierung von Forschungsfragen. Dadurch werden Lehrende administrativ entlastet und können Betreuungsgespräche stärker auf inhaltliche und methodische Vertiefungen ausrichten. Gleichzeitig zeigt sich, dass eingereichte Forschungsfragen bereits ein deutlich höheres Qualitätsniveau aufweisen, was die Effizienz und Qualität der Betreuung erhöht.

Ein weiterer Mehrwert liegt in der Standardisierung des Prozesses: Alle Studierenden durchlaufen denselben strukturierten Reflexions- und Entwicklungsprozess, wodurch Transparenz und Vergleichbarkeit gefördert werden.

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2025

Das der Forschungsfragen-Assistentin zugrunde liegende didaktische Prinzip des sokratischen Dialogs ist fach- und disziplinübergreifend anwendbar. Die zentralen Gestaltungsprinzipien – der konsequente Verzicht auf vorgegebene Lösungen, die Förderung eigenständigen Denkens sowie die iterative Reflexion eigener Formulierungen – sind nicht an ein spezifisches Fach gebunden, sondern lassen sich auf unterschiedliche Studienrichtungen und Qualifikationsstufen übertragen. Damit eignet sich der Ansatz sowohl für Bachelor- und Masterstudien als auch für forschungsorientierte Weiterbildungsformate.

Das Projekt ist so konzipiert, dass es kontinuierlich weiterentwickelt werden kann. Rückmeldungen von Studierenden und Lehrenden werden systematisch genutzt, um Dialogstruktur, Instruktionen und didaktische Impulse zu schärfen und an unterschiedliche Lernvoraussetzungen anzupassen. Dadurch bleibt das Lehr-Lerninstrument flexibel und lernwirksam, ohne seine grundlegende didaktische Ausrichtung zu verändern.

Die Langlebigkeit des Projekts ergibt sich insbesondere aus dem Fokus auf grundlegende wissenschaftliche Kompetenzen. Präzise Formulierungsfähigkeit, kritisches Denken, Selbstreflexion und wissenschaftliche Stringenz sind zeitlose Kernkompetenzen akademischer Bildung. Auch wenn sich KI-Technologien weiterentwickeln oder verändern, bleiben die didaktischen Prinzipien des sokratischen Dialogs und der eigenständigen Wissenskonstruktion relevant. Die Forschungsfragen-Assistentin ist daher nicht an eine konkrete technische Lösung gebunden, sondern an ein pädagogisches Konzept, das auch langfristig Bestand hat.

Institutionelle Unterstützung

Seitens der Hochschule Burgenland besteht ein klar formuliertes Leitbild der Lehre, das eine studierendenzentrierte, kompetenzorientierte und forschungsgeleitete Lehre in den Mittelpunkt stellt. Das Projekt der Forschungsfragen-Assistentin spiegelt diese Grundsätze in besonderer Weise wider, indem es innovative Lehrmethoden mit einem reflektierten Einsatz digitaler Technologien verbindet und Studierende aktiv in den Lern- und Erkenntnisprozess einbezieht.

Durch den Einsatz der Forschungsfragen-Assistentin werden zentrale Zielsetzungen des Leitbilds der Lehre konkret umgesetzt. Studierende werden in ihrem individuellen Kompetenzerwerb unterstützt, zu eigenständigem wissenschaftlichem Denken befähigt und in ihrer Selbstverantwortung für den eigenen Lernprozess gestärkt. Gleichzeitig fördert das Projekt eine bewusste und verantwortungsvolle Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Hochschullehre und trägt damit zur Weiterentwicklung einer zukunftsorientierten Lehrkultur an der Hochschule Burgenland bei.

Die Forschungsfragen-Assistentin ist in die Lehr- und Qualitätskultur der Hochschule Burgenland eingebettet und wird institutionell unterstützt. Sie wird in verschiedenen Lehr- und Betreuungskontexten eingesetzt und regelmäßig aktualisiert, um didaktische Qualität, Aktualität und Passung zu den Lernzielen sicherzustellen. Die kontinuierliche Weiterentwicklung des Chatbots erfolgt in enger Anbindung an Erfahrungen aus der Lehre sowie an Rückmeldungen von Studierenden und Lehrenden.