Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
Chancengerechte Bildung im Kontext von Inklusion & Intersektionalität
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Michaela Joch & Rahel More
Screenshots von Michaela Joch und Rahel More im Online-Austausch. Exemplarisch wird eine Präsentationsfolie zu chancengerechter Bildung gezeigt. Sie enthält ein Zitat, das den chancengerechten Zugang zu Bildung im Rahmen des Bologna-Prozesses betont
Ars Docendi Kategorie
Gesellschafts- und Nachhaltigkeitsorientierte Lehre
Ars Docendi Kriterien
- Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
- Perspektivenerweiterung und Internationalisierung
- Partizipation und Mitgestaltung
Gruppengröße
20-49
Anreißer (Teaser)
Das Seminar „Chancengerechte Bildung im Kontext von Inklusion & Intersektionalität“ beleuchtet Bildungsungleichheit aus einer Disability Studies-Perspektive. Mit Gastvorträgen und einem hybriden Format verbindet es Theorie, Praxis und inklusive Lehre
Kurzzusammenfassung des Projekts
Das teils hybride, teils online und teils in Präsenz gehaltene Seminar „Chancengerechte Bildung im Kontext von Inklusion & Intersektionalität“ hat das Ziel Studierende im Masterstudium Bildungswissenschaft an Bildungsungleichheit aus Sicht der Disability Studies und Inklusionsforschung heranzuführen. Grundlegende Konzepte wie Dis/Ability, Geschlecht Intersektionalität, Inklusion und Ableismus, Migration oder Klasse werden erarbeitet. Gastvorträge von Expert:innen aus dem Bereich des gesellschaftlichen Engagements nehmen eine zentrale Rolle im Seminar ein. Bildung wird breit thematisiert, d.h. es geht um alle Ebenen des Bildungssystems sowie auch um informelle Bildungssettings- und Prozesse. Chancengerechtigkeit ist nicht nur das Kernthema dieser Lehrveranstaltung, sondern auch zentrales Anliegen in der Umsetzung des Seminars. Durch die Aufteilung in hybride, online und Präsenzeinheiten können Studierende vielfältig an der Lehrveranstaltung teilhaben und auch ihre Leistungen wahlweise in einem der Formate erbringen. Diskriminierungsfreie und inklusive Hochschullehre werden in diesem Seminar durchgehend angestrebt, wie die Evaluierung durch die Studierenden bestätigt. Ganz im Sinne der Disability Studies, wird nicht nur „über“ Menschen mit Behinderungen gelehrt, sondern Sie sind als Lehrende und Vortragende aktiv in die Gestaltung der Inhalte eingebunden.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
The seminar “Equitable Access to Education in the Context of Inclusion & Intersectionality” is offered in a partly hybrid, partly online, and partly in-person format. It aims to introduce Master’s students in Educational Science to questions of educational inequality from the perspectives of Disability Studies and inclusion research. Core concepts such as Dis/ability, gender, intersectionality, inclusion, ableism, migration, and social class are critically examined. Guest lectures by experts engaged in social and civic initiatives constitute a central element of the seminar and contribute important perspectives from practice. Education is addressed in a broad sense, encompassing all levels of the education system as well as informal educational settings and processes. Equity in education is not only the central topic of the course but also a guiding principle for its design and implementation. The combination of hybrid, online, and in-person sessions enables diverse forms of participation and allows students to complete course requirements in different formats. Throughout the seminar, particular emphasis is placed on discrimination-sensitive and inclusive higher education teaching, as reflected in positive student evaluations. In line with the principles of Disability Studies, the seminar does not only teach “about” people with disabilities; rather, they actively contribute as lecturers and guest speakers and are involved in shaping the course content.
Nähere Beschreibung des Projekts
Chancengerechte Bildung im Kontext von Inklusion & Intersektionalität
Zielgruppe: Studierende des Masterstudienganges „Bildungswissenschaft“ an der Universität Wien
Typ: Seminar
ECTS: 5.00, SWS: 2.00
Teilnehmer:innenanzahl im WS2025: 22
Seminarleiterinnen: Michaela Joch und Rahel More
Zugeordnet zur alternativ wählbaren Pflichtmodulgruppe III, Modul 6:
„Inklusive Pädagogik bei speziellem Bedarf (30 ECTS), 190090-1 SE M6.1 Pädagogik bei kultureller Verschiedenheit und sozialer Benachteiligung“
Einordnung in den Gesamtstudiengang
Die Studierenden belegen dieses Seminar üblicherweise in der Mitte ihres Masterstudiums. Die Lehrveranstaltung ist Teil des Abschnitts „Inklusive Pädagogik bei speziellem Bedarf“ und reiht sich hier als eines von zwei zu absolvierenden Seminaren in das erste von drei Modulen „Pädagogik bei kultureller Verschiedenheit und sozialer Benachteiligung“ ein. Die anderen beiden Module im Abschnitt sind „Erziehung und Bildung bei Beeinträchtigung“ sowie „Diagnostik, Rehabilitation und Therapie“.
Unser Seminar ist damit in diesem Abschnitt bzw. Modul explizit gesellschaftskritisch ausgerichtet und auf soziale Benachteiligung fokussiert. Mit dem Schwerpunkt auf chancengerechte Bildung im Kontext von Inklusion und Intersektionalität nehmen wir gezielt verschiedene Formen von Privilegierung und Marginalisierung im Kontext von Bildung innerhalb und außerhalb des Schulsystems in den Blick.
Unser Seminar hat einen Umfang von 2 Semesterwochenstunden (5 ECTS), aufgeteilt auf acht Einheiten, davon zwei im hybriden Setting, vier ausschließlich online und zwei ausschließlich in Präsenz. Die hybriden und Präsenzeinheiten dauerten drei Stunden, die reinen online Einheiten zwei Stunden. Mit dieser Zusammensetzung aus hybriden, online und Präsenzeinheiten werden wir verschiedenen Bedarfen von sowohl Studierenden als auch Lehrenden gerecht und ermöglichen vielfältige Wege zur Beteiligung an Lehr- und Lernprozessen. Unser Teamteaching ist dafür der Ausgangspunkt.
Die Verbindlichkeit der Teilnahme an dem Seminar wird grundsätzlich vorausgesetzt, aufgrund des didaktischen Konzepts des Seminars ist die Anwesenheit der Studierenden in den Einheiten erforderlich. Ergeben sich dennoch begründete Abwesenheiten, können Kompensationsarbeiten erbracht werden.
Ziele des Seminars Chancengerechte Bildung im Kontext von Inklusion & Intersektionalität
Das Seminar fokussiert auf Bildungsungleichheit aus Sicht der Disability Studies. Zuerst erarbeiten wir uns eine gemeinsame Arbeitsgrundlage durch Kennenlernen der Grundbegriffe (Modelle von Behinderungen, Intersektionalität, Inklusion, Ableismus, etc.). Danach werden Schwerpunktthemen gesetzt, die teilweise durch Gastvorträge von Expert:innen ergänzt werden. Diese Schwerpunkte umfassen neben Zugänglichkeit und Diskriminierung im Bildungsbereich (Vorschulische Bildung, Schule & Hochschule, Lebenslanges Lernen & Informelle Bildung), auch Interessensvertretung & Aktivismus durch Menschen mit Behinderungen. Eine intersektionale Perspektive, welche unterschiedliche Diversitätsdimensionen mit einbezieht, findet themenübergreifende Anwendung. Im Rahmen der abschließenden Präsentationen bzw. Seminararbeiten, können die Studierenden je nach Interesse unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
Nach erfolgreicher Absolvierung des Seminars sind folgende Lernergebnisse zu erwarten:
- Die Studierenden kennen zentrale Theorien der Disability Studies und der Intersektionalitätsforschung.
- Die Studierenden können diese auf Beispiele aus dem Alltag anwenden (z.B. auf Zeitungsartikeln über chancengerechte Bildung).
- Die Studierenden kennen aktuelle Entwicklungen und können diese in Bezug zu den Theorien setzen.
Zugänglichkeit & Impact
Wichtig ist uns im Zuge der Implementierung von Chancengerechtigkeit auch in unserer eigenen Lehrpraxis ein Fokus auf Diskriminierungsfreiheit und Zugänglichkeit. Dies beinhaltet neben dem Wechsel aus Präsenz- und Onlineteilnahme vor allem:
- Das Anbieten unterschiedlicher Arten der Leistungserbringung (Präsentation Aufzeichnung/online/Präsenz oder Seminararbeit; Einzel- oder Gruppenarbeiten)
- Den Einsatz diskriminierungsfreier und möglichst inklusiver Sprache
- Die Erreichbarkeit der Lehrenden bei Fragen
- Das Mitdenken von Bedarfen und Barrierefreiheit in der Planung, sowie Lösungsorientierung im Umgang mit weiteren Bedarfen
- Die Aufzeichnung der Online-Vorträge zum Nachhören
- Anbieten unterschiedlicher Medien/Materialien zur Vermittlung des Stoffs (Audio, Video, Text)
- Sichtbarmachung von potenziell exkludierenden Normen und Schaffung eines sicheren Rahmens u.a. durch ein Access Statement
Bezogen auf digitale Transformation trägt unser Seminar zur Nutzung technischer Entwicklungen zur Erhöhung der Teilhabemöglichkeiten sowohl für Studierende als auch für Lehrende bei.
Im Bereich der innovativen Hochschuldidaktik fördern wir einen breiten Zugang zum Thema chancengerechte Bildung durch eine Zusammensetzung unterschiedlicher Lehrmethoden, Inputs durch die Seminarleitung sowie Selbststudium. Dazu zählt neben den bereits erwähnten Vorgehensweisen noch die Lektüre und Bearbeitung wissenschaftlicher sowie gesellschaftspolitischer Quellen vor den Einheiten, sowie Einblicke in Aktivismus, Interessensvertretung und Monitoring durch die Seminarleiterinnen und Gastvortragenden. Als Seminarleiterinnen, Lehrende und Forschende, mit unseren unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen ergänzen wir uns im Teamteaching.
Im Rahmen der Studierenden- und Kompetenzorientierung knüpfen wir in allen Lehrsituationen an das vielfältige Vorwissen der Studierenden an. Auf freiwilliger Basis können jederzeit eigene pädagogische Erfahrungen (z.B. aus der beruflichen Praxis) anonymisiert eingebracht und besprochen werden, um Lehrinhalte zu veranschaulichen und den Theorie-Praxis Transfer zu fördern. In Orientierung an unserem Access Statement werden die Seminarinhalte vielfältig vermittelt, d.h. durch Inputs der Vortragenden und wissenschaftliche Texte, aber z.B. auch durch Auszüge aus Videodokumentationen. Dies ermöglicht ein erstes Ansetzen der Studierenden entsprechend ihren Stärken und Präferenzen, wovon ausgehend andere Inhalte leichter erarbeitet werden können.
Den Punkt der Perspektivenerweiterung und Internationalisierung decken wir sowohl durch unsere forschungsbasierte Lehre und internationale Forschungserfahrung als auch durch insbesondere einen der Gastvorträge zu Auslandserfahrung im Studium ab. [Anm.: Jener von Jacqueline Bungart, Licht für die Welt, die für die Unterstützung von Menschen mit Behinderungen in verschiedenen afrikanischen Ländern tätig ist, musste erkältungsbedingt leider auf den nächsten Kurs verschoben werden. Die Kontaktdaten wurden für interessierte Studierende aber zur Verfügung gestellt.] Generell tragen folgende Gastbeiträge zu einer Perspektivenerweiterung bei und ergänzen die Inhalte der Seminarleiterinnen:
- Katharina Steiner, Doktorandin an der Universität Graz, gab Einblicke in ihre Auslandserfahrungen (z.B. im Rahmen von Erasmus) als Studierende mit Behinderungen.
- Felix Steigmann, Österreichischer Behindertenrat, teilte als Leiter des Kompetenzteams Bildung seine Expertise zu Inklusion in der Schule.
- Elis Eder, Büro des Unabhängigen Monitoringausschusses, verfasste die Broschüre „trans. Inter*. Nicht-binär. Lehr- und Lernräume an Hochschulen gestalten“ mit, welche im Seminar bearbeitet wurde. Hierzu konnten vertiefende Fragen gestellt werden.
- Heidemarie Egger, Vorstandsmitglied FmB* - Interessensvertretung Frauen mit Behinderungen, sprach über die Bildungschancen von Frauen mit Behinderungen und erklärte, warum es eine eigene Interessensvertretung für diese Gruppe braucht.
- Sabine Weiß, Postdoc an der Universität Wien, referierte basierend auf empirischen Daten aus ihrer Dissertation zum Thema „Soziale Klasse als Tabu: Erfahrungen von working-class Studierenden an österreichischen Universitäten“.
Ebenfalls der Internationalisierung zugeordnet werden können unsere Diskussionen aktueller internationaler Entwicklungen im Bereich der Disability Studies sowie verwandter Bereiche, etwa an Hochschulen im Bereich der Chancengerechtigkeit und Inklusion sowie der Rückgang von Diversitätsförderung in den USA. Die von uns eingesetzte Fachliteratur erweitert diese internationalen Bezüge, etwa „Academic Ableism“ von Jay Dolmage.
Betreffend Partizipation und Mitgestaltung ermöglichen wir durch die Gestaltung von Teilen unserer Einheiten durch Studierendenpräsentationen aktive Beteiligung, wenn dies gewünscht ist. Studierende können sich darüber hinaus jederzeit zu den Inhalten, den Lehr- und Lernmethoden, den Prüfungsleistungen oder der Zugänglichkeit einbringen und haben dies auch getan.
Akzeptanz und Resonanz
Wir haben sehr positive Rückmeldungen im offenen Teil der Lehrveranstaltungsevaluierung erhalten:
Was ich zur LV sagen möchte (Was war gut? Was könnte verbessert werden? Anregungen, ...)
- Angenehme, spannende Lehrveranstaltung. Gastvorträge sehr geschätzt, weil Expert*innen mit Praxisbezug und diverse Perspektiven. Vielen Dank! Sehr angenehm, wenn zwri Lehrpersonen gemeinsam unterrichten, abwechslungsreich. Ausserdem sehr hilfreiche Rueckmeldungen auf Seminar- und Referatsthemen! Bin beeindruckt vom Wissen der Lehrenden, breit aufgestellt... :)
- Das war mit Abstand!! die beste Lehrveranstaltung die ich in meinem Master hier an der Uni Wien belegt habe! Sie war so umfangreich, interessant, aufeinander aufbauen, spannend und so barreirearm wie ich es selten erlebt habe.
- Die Professorinnen waren überaus kompetent und respektvoll! Wahre Vorbilder! Vielen Dank dafür und bitte mehr davon. Ich finde es sehr schade, dass ich in meinem letzten Semester erst diese tolle. Professorinnen kennenlernen durfte!
- Der Seminar war wirklich hervorragend organisiert. Die beiden Professorinnen schufen eine offene und zugängliche Atmosphäre, in der jede:r die Möglichkeit hatte, sich auszudrücken. Es herrschte eine großartige Stimmung, es gab viele nützliche Materialien sowie interessante und aktuelle Themen. Die Professorinnen waren stets ansprechbar und gaben wertvolle Ratschläge und Empfehlungen. Ich habe wirklich keine Kritikpunkte.
- Die Atmosphäre im Seminar fand ich voll toll und sehr auf Augenhöhe, ich konnte mir viel mitnehmen was auch mein eigenes Denken verändert hat. Positiv war auch, dass man Wahlmöglichkeiten bei der Abschlussabgabe hatte
- Es war sehr gut, dass Studierende die Möglichkeit hatten zwischen Seminararbeit und Vortrag wählen konnten. Der Auftrag Lesenotizen anzufertigen wurde ebenfalls als sehr positiv wahrgenommen. Vielen Dank für die LV! Es war durchwegs interessant.
- Es wurde sehr darauf geachtet, dass das Seminar diskriminierungsfrei ist- danke! Zudem fand ich es toll, dass in der LV Menschen, die mit Behinderungen leben, als (Gast-) Vortragende präsent waren.
- fand es gut, dass es viele theoretische Inputs gab (LV wurde nicht durch „unnötige“ Diskussionen gefüllt) Dozentinnen wirkten sehr kompetent! abwechslungsreiche Themen innerhalb der LV, obwohls ein enges Überthema gab. bin wirklich sehr happy, Danke
- Ich fand die Offenheit, die durchdachte Themenauswahl und die barrierefreie Gestaltung der Lehrveranstaltung sehr angenehm. Ein großes "DANKESCHÖN" für das äußerst lehrreiche Seminar!
- Ich war wirklich sehr dankbar für die wirklich ausführlichen Rückmeldungen zu den Lesenotizen!! Es hat mir auch sehr Spaß gemacht diese zu verfassen, weil man einfach auf Aspekten von Texten eingehen konnte, die einem wirklich interessiert haben. :)) Ich fande es auch wirklich angenehm, dass die LV hybrid war, da es einfach wirklich angenehm war! Auch die Gastvorträge fande ich wirklich sehr spannend!! Danke & schöne Semesterferien?
- Sehr anregendes, gut strukturiertes vorbereitetes Seminar! Toll, dass die Leistungskontrolle auf unterschiedlicher Weise stattfinden kann und darauf geachtet wurde, möglichst barrierefrei zu unterrichten!
- Sehr gut strukturiert, es wurde immer auf die Wünsche der Studierenden eingegangen. Ich kann den Kurs definitiv weiterempfehlen.
Nutzen und Mehrwert
Unser Seminar hat insbesondere einen relevanten gesellschaftlichen Mehrwert, da wir in Orientierung an den Disability Studies, einer Wissenschaftsrichtung die maßgeblich von behinderten Menschen und ihren sozialen Bewegungen geprägt wurde, Behinderung als Erfahrungsdimension in vielfältiger Weise in den Vordergrund stellen. Durch sowohl eine der Seminarleiterinnen als auch durch verschiedene Gastvortragenden mit Behinderungen kann es gelingen, Berührungspunkte für Studierende mit für sie ggf. neuen Erfahrungsperspektiven zu schaffen und Unsicherheiten abzubauen. Damit soll kritisches Denken angeregt werden und neben wissenschaftlichen Quellen auch gesellschaftliches Engagement im Lernprozess bearbeitet werden. Durch Diskussionen und die didaktische Arbeit mit vielfältigen Materialien, u.a. Aufgaben zur Selbstreflexion, Arbeit mit Diskussionskärtchen zu sozialer Ungleichheit und (Nicht-)Diskriminierung, Gastvorträge, sollen vermeintliche Selbstverständlichkeiten (z.B. die Idealisierung von Produktivität und Leistungsfähigkeit) und die Individualisierung benachteiligender Lebenslagen (z.B. Armut) hinterfragen werden. Mit unserem Fokus auf Intersektionalität befassen wir uns im Seminar mit dem Zusammenwirken vielfältiger Machtverhältnisse, Lebenserfahrungen und Identitäten, die für Chancengerechtigkeit im Kontext für Bildung eine Rolle spielen. Die Zugänglichkeit von formaler sowie informeller Bildung rücken wir damit nicht nur als behinderungsspezifisches Thema in den Vordergrund, sondern verbinden dieses mit vielfältigen Ressourcen und Herausforderungen, die das Leben von Menschen prägen können, wie etwa ihre Erstsprache, ihre sexuelle Orientierung oder ihre Care-Verpflichtungen. In den angesprochenen Lehr- und Lernsituationen können die Studierenden Fragestellungen entwickeln, die sie auf ihr eigenes pädagogisches Handeln übertragen und damit dieses kritisch reflektieren und ggf. transformieren. Solche Lernprozesse können dementsprechend nachhaltig zu einer inklusiveren Gesellschaft beitragen.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2025
Das Lehrprojekt lässt sich didaktisch auf viele andere Bereiche übertragen, insbesondere, aber nicht nur, in der Bildungswissenschaft und mit Bezug auf soziale Ungleichheit. Auch außerhalb des universitären Umfeldes wäre unser Konzept in angepasster Variante geeignet für diverse Zielgruppen, etwa Jugendliche oder auch für die außeruniversitäre Erwachsenenbildung.
Eine Einbindung von Menschen mit Behinderungen in die Vermittlung von Inhalten, die sie betreffen, sehen wir als positives Signal für eine inklusive Gesellschaft. Dies ist in allen Fachbereichen anschlussfähig.
Wir selbst werden das Seminar an der Universität Wien im Wintersemester 2026 aufgrund der zahlreichen positiven Rückmeldungen voraussichtlich erneut anbieten. In Bezug auf die Weiterentwicklung stellen wir uns eine kontinuierliche Anpassung der Inhalte an aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen vor, etwa betreffend Nachhaltigkeit und Klima(un)gerechtigkeit im Kontext von Bildung sowie vor dem Hintergrund von Krieg und Frieden.
Institutionelle Unterstützung
Der hybride Modus des Seminars wird durch die Studienprogrammleitung unterstützt, indem uns auch die Abhaltung reiner online Einheiten genehmigt wurde. Dies ist im Master Bildungswissenschaft ansonsten eher unüblich.
Außerdem kam die Zusammenarbeit durch die Anstellung im Rahmen der enable-Initiative der Universität Wien zustande.
Zukünftig wünschen wir uns für die nachhaltige Durchführung dieser Lehrveranstaltung aber noch bessere Bedingungen für Gastbeiträge in der Lehre, d.h. eine unkomplizierte Abwicklung einer finanziellen Entschädigung der Gastvortragenden für ihren Aufwand.
Wir haben uns für eine freilwillige LV-Evaluation durch die Studierenden entschieden, da uns das Feedback der Zielgruppe wichtig für die Weiterentwicklung unseres Lehrangebots ist. Die Rückmeldungen waren (siehe oben) sehr positiv. Darüber hinaus haben wir die Studierenden immer wieder um Rückmeldungen während des Semesters gebeten und werden diese für die Umsetzung des Seminars im nächsten Semester nutzen. Dies betrifft u.a. die Leistungserbringung und deren gerechte Gewichtung (Seminararbeit vs. Präsentation mit Handout). Hier wollen wir auch die Möglichkeiten der Leistungserbringung erweitern, da wir in anderen Lehrveranstaltungen u.a. positive Erfahrungen mit Lernportfolios und anderen kreativen Formaten verknüpft mit wissenschaftlichen Leistungen gemacht haben.