Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
Betriebswirtschaftliche Vernetzung I
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Ars Docendi Kategorie
Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur
Ars Docendi Kriterien
- Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
Gruppengröße
20-49
Anreißer (Teaser)
Zukunftsgerichtete Hochschullehre konkret umgesetzt: Flexible Lernarchitekturen, KI Literacy und eine lernergebnisorientierte Prüfungskultur greifen ineinander.
Kurzzusammenfassung des Projekts
Die Lehrveranstaltung Betriebswirtschaftliche Vernetzung I ist eine prüfungsimmanente Pflichtlehrveranstaltung im Blended-Format des Masterstudiums Wirtschaftspädagogik an der WU Wien (4 ECTS). Die Studierenden verfügen bei fachlich infrage kommender Vorbildung über stark heterogenes Vorwissen. Diese Vielfalt ist eine zentrale didaktische Herausforderung.
Ziel ist die Entwicklung einer vernetzten, reflexiven betriebswirtschaftlichen Denkweise als Grundlage für wirtschaftsdidaktische Kompetenzentwicklung. Studierende analysieren interne und externe Unternehmenszusammenhänge theoriegeleitet, strukturieren diese und beurteilen sie begründet. Sie setzen betriebswirtschaftliche Modelle gezielt ein, reflektieren Annahmen kritisch, argumentieren fundiert und nutzen KI verantwortungsvoll.
Die Konzeption beachtet die nötige Kohärenz von Kompetenzen und Assessments und verknüpft diese mit flexiblen, kompetenzorientierten Lernpfaden, die Studierende nach Maßgabe ihrer Lernbedürfnisse wählen können. Fallstudien, Kooperation, selbstgesteuertes Lernen und strukturierte Reflexion prägen die Methodik. KI dient als epistemisches Werkzeug und wird transparent dokumentiert und kritisch geprüft.
Die Leistungsüberprüfung umfasst zwei formative und zwei summative Assessments: ein semesterbegleitendes Zeitraum-Assessment mit iterativer Unternehmensanalyse und Feedback sowie ein multimodales Zeitpunkt-Assessment in der Form einer Open-Book-Online-Prüfung.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
The course Business Administration Integration I is an exam-immanent compulsory course in blended format within the Master’s program in Business Education at WU Vienna (4 ECTS). Students enter with highly heterogeneous prior knowledge, depending on their relevant academic background. This diversity represents a central didactic challenge.
The aim is to develop an integrated, reflective business administration mindset as a foundation for competence in business education. Students analyze internal and external corporate interrelationships based on theory, structure them systematically, and evaluate them with well-founded reasoning. They apply business administration models purposefully, reflect critically on assumptions, construct sound arguments, and use AI responsibly.
The design ensures coherence between competencies and assessments and links these with flexible, competence-oriented learning pathways that students may choose according to their needs. Case studies, collaboration, self-directed learning, and structured reflection characterize the methodology. AI serves as an epistemic tool and is used transparently, documented and critically examined.
Assessment comprises two formative and two summative components: a semester-long assessment featuring iterative company analysis and feedback, as well as a multimodal point-in-time assessment in the form of an open-book online examination.
Nähere Beschreibung des Projekts
Kontext der Lehrveranstaltung
Die Lehrveranstaltung Betriebswirtschaftliche Vernetzung I ist eine prüfungsimmanente Pflichtlehrveranstaltung im Blended Modus. Sie wird im ersten Semester des Masterstudiums Wirtschaftspädagogik an der WU Wien angeboten und parallel in drei Schienen durchgeführt: zweimal im Vollzeit-Modus und einmal berufsbegleitend. Die Lehrveranstaltung umfasst vier ECTS und wird in der Regel von etwa 25 bis 30 Studierenden besucht.
Die Studierenden bringen ein formal vergleichbares, faktisch jedoch stark heterogenes Vorwissen mit. Unterschiede bestehen in der Breite, Tiefe und Struktur des betriebswirtschaftlichen Wissens sowie in der Anwendungserfahrung durch berufliche Praxis. Viele Studierende sind berufstätig oder studieren berufsbegleitend, einige haben Betreuungsverpflichtungen, insbesondere ältere Studierende empfinden das systematische Lernen als große Herausforderung. Diese Heterogenität bildet eine zentrale Rahmenbedingung der Lehrveranstaltung.
Im Mittelpunkt der Lehrveranstaltung steht die Enkulturation der Studierenden in die betriebswirtschaftliche Denkweise von Wirtschaftspädagog:innen. Sie ist zentral im Mastercurriculum positioniert, da sie den Übergang von einer primär inhaltsorientierten betriebswirtschaftlichen Ausbildung in den Vorstudien der Studierenden hin zu einer vernetzten, reflexiven und didaktisch fundierten Auseinandersetzung mit betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen markiert. Ihre grundlegende Absicht geht dabei über die reine Wissensvermittlung hinaus; vielmehr versteht sie sich als Brücke zwischen Fachwissenschaft, Didaktik und professioneller Handlungskompetenz.
Kompetenz und Ziele der Lehrveranstaltung
Die übergeordnete Kompetenz der Lehrveranstaltung besteht darin, dass Studierende unternehmensinterne und -externe Zusammenhänge aus betriebswirtschaftlicher und wirtschaftsdidaktischer Perspektive reflektiert analysieren, strukturieren und begründet beurteilen können. Diese Kompetenz ist bewusst umfassend angelegt und bildet den Referenzrahmen für die didaktische Gestaltung der Lehrveranstaltung.
Aus dieser Zielkompetenz werden mehrere Lehrziele abgeleitet, die allerdings nicht als isolierte Lehrziele zu verstehen sind, sondern als miteinander verschränkte Dimensionen einer umfassenden fachlich Kompetenzentwicklung aus wirtschaftsdidaktischer Perspektive.
Methodisch-didaktische Gestaltung der Lehrveranstaltung
Die Lehrveranstaltung basiert auf dem im ERASMUS+-Projekt entwickelten, innovativen FLUENT-Kursplanungsmodell. Dieses verbindet konsequentes Constructive Alignment mit einem systematischen Design alternativer, kompetenzorientierter Lernpfade. Im Folder Zukunftsgerichtete Hochschullehre (siehe Abschnitt: Links und Medien) wird das Arrangement von Lerngelegenheiten zu alternativen Lernpfaden (Abb. 1.) präsentiert.
Ausgehend von der formulierten Lehrveranstaltungskompetenz werden – unter Berücksichtigung institutioneller Rahmenbedingungen – Lehrziele abgeleitet und mit antizipierten Heterogenitätsdimensionen der Studierenden verschränkt (Vorwissen, berufliche Belastung, Lernpräferenzen, digitale Affinität). Daraus entstehen vernetzte Lernpfade, die sich hinsichtlich Zeit (synchron/asynchron), Raum (physisch/virtuell), Sozialform, Phasen (Before-In-After Class) und Stufen der Wissensentwicklung unterscheiden, jedoch zu identen Lernergebnissen führen. Im Folder Zukunftsgerichtete Hochschullehre wird der Weg Von der Kurskompetenz zu den Lernpfaden (Abb. 2) präsentiert. Studierende wählen etwa zwischen individueller oder kooperativer Fallanalyse, synchroner Diskussion oder asynchroner Vertiefung. Die Nutzung wird explizit angeleitet: Struktur und Entscheidungslogik werden visualisiert, Leitfragen unterstützen eine reflektierte Wahl. Im Folder Zukunftsgerichtete Hochschullehre wird eine Exemplarische Lernpfadarchitektur für Einheit 1 (Abb. 3.) präsentiert.
Methodisch kombiniert die Lehrveranstaltung problem- und fallorientiertes Lernen mit kooperativen Formaten, selbstgesteuerten Lernphasen und strukturierter Reflexion. Realitätsnahe Fallstudien bilden den Ausgangspunkt. Studierende analysieren komplexe Unternehmenssituationen, wählen theoretische Zugänge und argumentieren ihre Entscheidungen. Partner- und Gruppenarbeiten dienen der Perspektivenintegration und der Förderung diskursiver Urteilsfähigkeit. Asynchrone Phasen ermöglichen individuelle Vertiefung, synchrone Präsenz- oder Onlinephasen unterstützen Vernetzung und Reflexion.
Ein zentrales Element ist der reflektierte Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Studierende nutzen KI-Tools zur Generierung synthetischer Unternehmensdaten, zur Modellierung betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge und zur Entwicklung didaktischer Beispiele. KI-Outputs werden dokumentiert, theoretisch überprüft und kritisch reflektiert. KI fungiert damit als epistemisches Werkzeug und fördert AI Literacy im Sinne aktiver Problemlösung, kritischer Bewertung und professionsbezogener Reflexion. Im Folder Zukunftsgerichtete Hochschullehre wird eine Anleitung der Studierenden für die Nutzung Künstlicher Intelligenz (Abb. 4.) präsentiert.
Lernergebnisorientierte Assessments
Die Leistungsüberprüfung besteht aus vier Teilleistungen: Zwei jeweils mit 5 % bewerteten Teilleistungen (kollaborativer Essay und kollaboratives Schaubild), die Bestandteile des formativen Feedback-Konzepts sind und zwei mit jeweils 45 % gewichteten summativen Assessments, die unterschiedliche Aspekte der übergeordneten Zielkompetenz der Lehrveranstaltung sichtbar machen. Es wird zwischen einem Zeitraum- und einem Zeitpunkt-Assessment unterschieden, die einander ergänzen und aufeinander verweisen.
Das Zeitraum-Assessment ist eine kollaborative Teilleistung, die sich über nahezu den gesamten Verlauf der Lehrveranstaltung erstreckt. Studierende entwickeln schrittweise eine fiktive, aber realitätsnahe Unternehmensbeschreibung, die als stabiler Bezugsrahmen für verschiedene Lerngelegenheiten dient. Diese Arbeit wird iterativ weiterentwickelt. Basis dafür sind einerseits zwei Peer-Reviews auf Basis eines individuell argumentierten Reflexionsrahmens, die zur kritischen Auseinandersetzung mit Abgaben anderer Gruppen einladen. Andererseits unterstützt ein kontinuierliches formatives Feedback durch die Lehrveranstaltungsleitung bei der Weiterentwicklung der Unternehmensbeschreibung. Die Studierenden strukturieren das Unternehmen, modellieren zentrale Funktionsbereiche, entwickeln Kennzahlen und reflektieren Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen betriebswirtschaftlichen Entscheidungen. Der Einsatz von KI ist explizit vorgesehen, muss jedoch transparent dokumentiert und kritisch reflektiert werden. Bewertet wird nicht die technische Perfektion, sondern die Qualität der theoretischen Fundierung, der Reflexion und der begründeten Entscheidungen. Das Zeitraum-Assessment erfüllt mehrere Funktionen: Es fokussiert den Umgang der Studierenden mit den Herausforderungen der digitalen Transformation und die kompetente Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Professionelles Handeln als Wirtschaftspädagog:in soll nicht an die Künstliche Intelligenz delegiert, vielmehr soll die KI sinnvoll, d. h. mit kritischer Distanz genutzt werden können. Das Zeitraum-Assessment unterstützt somit eine kontinuierliche Kompetenzentwicklung auf Basis individuellen Feedbacks und bereitet gezielt auf die Logik des Zeitpunkt-Assessments vor.
Das Zeitpunkt-Assessment findet am Ende des Semesters statt und ist als individuelle multimodale Open-Book-Online-Prüfung konzipiert und zielt darauf ab, tiefes, vernetztes betriebswirtschaftliches Verstehen zu erheben. Es kombiniert eine schriftliche Open-Book-Online-Prüfung mit einem dialogischen Prüfungsformat. Alle Prüfungsteile folgen derselben Logik: Sie prüfen nicht das Reproduzieren von Wissen, sondern die Fähigkeit, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge theoriegeleitet zu durchdringen, implizite Annahmen offenzulegen und Entscheidungen argumentativ zu reflektieren. Im ersten Prüfungsteil (50 % der Prüfungsnote) analysieren die Studierenden eine realitätsnahe Case Study. Sie wählen geeignete betriebswirtschaftliche Theorien begründet aus, nutzen diese explizit als Analyseinstrumente und reflektieren Wechselwirkungen zwischen zentralen Themenfeldern wie Marketing, Wertschöpfung, Finanzierung und strategischer Ausrichtung. Beurteilt wird nicht das Ergebnis an sich, sondern die Qualität der theoretischen Verankerung und die argumentative Konsistenz. Der zweite Prüfungsteil (15 % der Prüfungsnote) ist der Entwicklung von Fragen gewidmet. Studierende formulieren dafür eigenständig mehrere Fragen auf der Basis der Case Study. Diese Fragen zielen explizit auf zugrunde liegende Modelle, Konzepte und Wirkungszusammenhänge, d. h. auf Tiefenverständnis ab. Sie thematisieren nicht, was im Fall beschrieben ist, sondern warum bestimmte Entscheidungen, Konflikte oder Effekte aus betriebswirtschaftlicher Perspektive erklärbar sind. Beurteilt werden sowohl die kognitive Qualität der Fragen als auch die theoretische Fundierung und argumentative Schlüssigkeit der Lösungen. Aufbauend auf dieser schriftlichen Vorarbeit folgt ein dialogischer Prüfungsteil (35 % der Prüfungsnote), der als videografiertes Fachgespräch zwischen jeweils zwei Studierenden durchgeführt wird. In einem strukturierten Ablauf stellen sich die Studierenden gegenseitig ihre Verständnisfragen, beantworten diese, kommentieren die Antworten unmittelbar und formulieren darauf aufbauend ad-hoc neue Verständnisfragen. Dieser Prüfungsanteil macht Denkprozesse sichtbar, die in klassischen Prüfungsformaten verborgen bleiben. Bewertet werden nicht nur Antworten, sondern auch die Qualität der Rückfragen zu den Antworten und der Kommentare sowie die Fähigkeit, auf argumentative Brüche, implizite Annahmen oder theoretische Unschärfen einzugehen. Tiefenverständnis wird damit nicht behauptet, sondern im Gespräch performativ sichtbar gemacht. Die Videografie ermöglicht eine transparente, nachvollziehbare Beurteilung auf Basis klar definierter Kriterien. Im Folder Zukunftsgerichtete Hochschullehre wird das Korrekturschema zum Zeitpunkt-Assessment (Abb. 5) präsentiert.
Zukunftsgerichtete, Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur
Die Beschreibung der Lehrveranstaltung zeigt die Realisierung einer zukunftsgerichteten, lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur, die Lernen, Lehren und Prüfen systematisch miteinander verschränkt. Lernergebnisse werden nicht nur am Ende überprüft, sondern über den gesamten Lehr-Lern-Prozess hinweg transparent gemacht, angebahnt und reflektiert, indem bei jeder Aufgabenstellung sowohl die fachwissenschaftliche als auch die didaktische Perspektive variantenreichthematisiert wird.
Zukunftsgerichtet ist eine auf diese Weise etablierte Lehr- und Prüfungskultur, weil sie flexible Lernpfade ermöglicht und digitale sowie KI-gestützte Werkzeuge reflektiert integriert. Prüfungen fungieren nicht primär als Selektionsinstrumente, sondern als didaktische Werkzeuge, die Lernprozesse strukturieren und vertiefen.
Theoretisch stützt sich das Konzept auf das innovative FLUENT-Modell für die Hochschuldidaktik, das die Prinzipien des Constructive Alignment, formative und summative Assessmenttheorien, dialogische Prüfungsansätze sowie hochschuldidaktische Konzepte selbstgesteuerten und kooperativen Lernens integriert. Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal der Lehrveranstaltung liegt in der konsequenten Umsetzung einer dialogischen, lernergebnisorientierten Prüfungskultur, in der nicht nur Ergebnisse, sondern Denk-, Frage- und Argumentationsprozesse bewertet werden.
Evaluationsergebnisse zeigen eine hohe Zufriedenheit der Studierenden, insbesondere hinsichtlich der Transparenz der Leistungsanforderungen, der Passung von Lehrzielen, Methoden und Prüfungen sowie der Qualität des Feedbacks. Insgesamt zeigt die Lehrveranstaltung exemplarisch, wie eine zukunftsgerichtete, lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur in der Hochschullehre wirksam umgesetzt werden kann.
Akzeptanz und Resonanz
Evaluierungsergebnisse der Lehrveranstaltungen „Betriebswirtschaftliche Vernetzung I“ (WS 2024/25 und WS 2025/26)
Rahmen und Datengrundlage
Im Wintersemester 2024/25 und im Wintersemester 2025/26 wurden jeweils drei Lehrveranstaltungen aus Betriebswirtschaftliche Vernetzung I durchgeführt. Bei diesen Lehrveranstaltungen wurde das Feedback der Studierenden mit Hilfe der zentralen LV-Evaluierung eingeholt. Die folgenden aggregierten Ergebnisse zeigen das Feedback der Studierenden bei Evaluierungen ab einer aussagekräftigen Rücklaufquote von 5 Studierenden.
Quantitative Evaluierungsergebnisse
Generell empfehlen 80 % der Studierenden (N=56) die Lehrveranstaltung im hohen oder höchsten Maße weiter. Das ist insofern bemerkenswert, als dass die Anforderungen der Lehrveranstaltung von 66 % als zu hoch oder etwas zu hoch wahrgenommen wurden; ein Drittel gab an, dass die Anforderungen genau angemessen sind. Ein Bezug auf andere Lehrveranstaltungen des Masterstudiums ist für 91 % gegeben. Die Lehrveranstaltung ist für 72 % klar strukturiert, und für 77 % waren die Ziele der LV von Anfang an bekannt. Da das LV-Design flexible Lernpfade ermöglicht, kann sich die Struktur für einige Lernende erst nach und nach entfalten.
96 % nehmen die Lehrveranstaltungsleiter als sehr kompetent wahr, und ebenso viele fühlen sich von ihnen im hohen Maße mit Respekt behandelt. 89 % sind der Meinung, dass die Inhalte so erklärt werden, dass sie auch verstanden werden, wobei 45 % das im höchsten Maße angeben.
Die Studierenden geben an, sich im hohen Maße auf die LV-Einheit vor- bzw. auch nachbereitet zu haben. 93 % geben an, über die Kriterien der Leistungsbeurteilung informiert gewesen zu sein, und 85 % empfinden die Leistungsbeurteilung als transparent und fair. Alle Studierenden gaben an, mit der Onlinelehre gut klargekommen zu sein, weil die Arbeitsaufträge für 91 % verständlich formuliert waren und die Onlinelehre für 87 % übersichtlich strukturiert war.
Qualitative Rückmeldungen der Studierenden
In den qualitativen Rückmeldungen betonen die Studierenden den Aspekt Vernetzung & systemisches Denken überdurchschnittlich häufig. Sie schätzen den
- „tiefen Einblick in verknüpfte BWL“ sowie den
- „Systemische[n]/systemtheoretische[n] Zugang“.
Hervorgehoben werden außerdem das Vernetzen von Themenbereichen sowie das Thematisieren des „Zusammenhang[s] BWL + Didaktik“.
Ebenfalls positiv hervorgehoben wird die Aktualität hinsichtlich KI & Digitalisierung. Genannt werden etwa der Umgang mit
- „bisher neuen Themen, wie der KI …“, das Lernen,
- „KI klug [zu] verwenden, Wirtschaftsthemen [zu] vernetzen“, sowie der Eindruck, die LV sei dadurch
- „mehr ‚Real-Life‘ ähnlich“ und eine
- „sehr lehrreiche Erfahrung [und] Arbeit mit KI und nicht dagegen“.
Das didaktische Design wird methodisch vielfältig und aktivierend wahrgenommen, etwa durch
- „Unterschiedliche Sozialformen, nicht nur Vortragend“,
- „Viele praktische Anwendung, neue Form der LV“,
- „Sehr interaktiv und zeitgemäß“ sowie
- „Interaktive Bearbeitung der Lehrinhalte (BW-Inhalte).“
Prüfungsdesign, Leistungsbeurteilung und Reflexion
Das Prüfungsdesign wurde als sehr innovativ wahrgenommen („Sehr spannendes Prüfungsdesign einfach mal was anderes“, „Zusätzlich fand ich die Zusammenstellung der Prüfung sehr spannend.“). Es kann also festgehalten werden, dass der „Ansatz der Prüfung recht gut.“ war. Bei der Leistungsbeurteilung wurde zudem festgestellt, dass sich die „Note […sich] aus mehreren Bestandteilen zusammen[setzt]“.
Weiters kann festgehalten werden, dass das Lehrveranstaltungsdesign zur Förderung von Reflexionskompetenz gut geeignet ist, weil die Studierenden „Antworten nicht einfach als wahr [hinnehmen], sondern begründen und hinterfragen“. Sie sind der Meinung, dass „Diese Fähigkeit … erlernt werden“ muss.
Die Wirkung dieses reflexiven Ansatzes wird mitunter deutlich artikuliert: „Ich fand es sehr spannend zu sehen, welche Zusammenhänge es in der BWL gibt und war schockiert über mein isoliertes Wissen.“ Das zeigt, dass die Studierenden nicht nur die Fachinhalte wahrnehmen, sondern eine Denkhaltung einnehmen, die dem Lehrveranstaltungskonzept zugrunde liegt.
Gesamtschau und zusammenfassende Einschätzung
Die Gesamtschau von quantitativen und qualitativen Evaluierungsergebnissen zeigt somit ein klar konturiertes Profil. Zentral ist die Förderung vernetzten und systemischen Denkens. Studierende betonen die ganzheitliche Betrachtung betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge und die Integration unterschiedlicher Themenfelder. Stark präsent ist zudem die Einbindung von KI und aktuellen digitalen Entwicklungen, die als zeitgemäß, praxisnah und zukunftsorientiert erlebt wird.
Insgesamt wird das didaktische Design als interaktiv, abwechslungsreich und aktivierend beschrieben; das Prüfungsdesign gilt als innovativ, differenziert und fair. Positiv hervorgehoben werden außerdem Praxisbezug, klare Struktur, eine wertschätzende Beziehungsebene sowie die Förderung von Reflexion und vernetztem Denken.
Nutzen und Mehrwert
Der besondere Mehrwert des Projekts liegt in der konsequenten Umsetzung einer zukunftsgerichteten, lernergebnisorientierten Lehr- und Prüfungskultur, die Lernen, Lehren und Prüfen systematisch miteinander verschränkt. Lernergebnisse werden nicht erst am Ende der Lehrveranstaltung sichtbar gemacht, sondern über den gesamten Lehr-Lern-Prozess hinweg transparent angebahnt, reflektiert und überprüft. Prüfungen fungieren dabei nicht primär als Selektionsinstrumente, sondern als didaktisch gestaltete Lerngelegenheiten, die Kompetenzentwicklung gezielt unterstützen.
Ein weiterer Mehrwert liegt im reflektierten Einsatz digitaler und KI-gestützter Werkzeuge. KI wird gezielt als Lern- und Analyseinstrument integriert, dessen Nutzung transparent dokumentiert, kritisch hinterfragt und fachlich begründet erfolgen muss. Dadurch wird der kompetente Umgang mit KI selbst zum Lernziel und Prüfungsgegenstand.
Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal ist die Gestaltung flexibler, kompetenzorientierter Lernpfade, die Studierenden alternative Wege der Kompetenzentwicklung in Übereinstimmung mit ihren individuellen Lernbedürfnissen eröffnen, wodurch der ausgeprägten Heterogenität der Studierenden Rechnung getragen wird. Unterschiedliche Lernwege in Zeit, Raum, Sozialform und technologischer Umsetzung ermöglichen individuelle Zugänge, ohne die gemeinsamen Lernergebnisse aus dem Blick zu verlieren. Heterogenität wird damit nicht als Herausforderung, sondern als didaktische Ressource genutzt.
Innovativ ist zudem die konsequente Umsetzung einer dialogischen, lernergebnisorientierten Prüfungskultur. Neben fachlichen Ergebnissen werden Denk-, Frage- und Argumentationsprozesse explizit zum Gegenstand der Leistungsbeurteilung. Durch dialogische Prüfungsformate werden Tiefenverständnis, theoriegeleitete Urteilsfähigkeit und Reflexionskompetenz performativ sichtbar gemacht.
Insgesamt zeigt das Projekt exemplarisch, wie flexible, partizipative und kompetenzorientierte Lehre mit einer lernwirksamen, transparenten und zukunftsgerichteten Prüfungskultur verbunden werden kann.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2024
Das Lehrprojekt ist auf eine nachhaltige Nutzung und Weiterentwicklung ausgerichtet. Mit dem Start des neuen Studienplans im Masterstudium Wirtschaftspädagogik im Studienjahr 2025/26 wird die Lehrveranstaltung in adaptierter Form unter dem Titel „Betriebswirtschaftslehre unter wirtschaftspädagogischer Perspektive“ weitergeführt. Die zentralen innovativen Elemente der bisherigen Lehrveranstaltung Betriebswirtschaftliche Vernetzung I werden dabei systematisch übernommen und weiterentwickelt.
Das zugrunde liegende didaktische Konzept ist bewusst generisch angelegt und nicht an spezifische Fachinhalte oder institutionelle Rahmenbedingungen gebunden. Es eignet sich daher grundsätzlich für die Übertragung auf andere Lehrveranstaltungen innerhalb der Hochschule, insbesondere in Studienformaten mit heterogenen Studierendengruppen, berufsbegleitenden Strukturen oder stark variierenden Eingangsvoraussetzungen. Die Kombination aus formativen und summativen Assessments, die konsequente Orientierung an Lernergebnissen sowie der reflektierte Einsatz digitaler und KI-gestützter Werkzeuge lassen sich auch in anderen Disziplinen sinnvoll adaptieren.
Darüber hinaus ist das Konzept auf Bildungsinstitutionen außerhalb der Hochschule übertragbar, die kompetenzorientierte Lehr-Lern-Settings gestalten und Prüfungen als lernförderliche Instrumente einsetzen möchten, etwa in der beruflichen Bildung, in Fort- und Weiterbildungsprogrammen oder in hochschulnahen Qualifizierungsformaten. Die klare Trennung zwischen didaktischem Rahmen und inhaltlicher Ausgestaltung ermöglicht eine flexible Anpassung an unterschiedliche Zielgruppen, Kontexte und institutionelle Anforderungen.
Institutionelle Unterstützung
Das Lehrprojekt wird seitens der Wirtschaftsuniversität Wien institutionell und personell unterstützt.
Als technologisch hochausgestattete Institution stellt die Wirtschaftsuniversität Wien das Lernmanagementsystem CANVAS zur Verfügung, das die Organisation des Kurses und die Veröffentlichung von didaktischen Materialien wie Videos, wissenschaftlichen Texten, Aufgaben und Reflexionsaufträgen ermöglicht. Außerdem ermöglicht die angebotene Infrastruktur Office 365 niederschwellige Kommunikationsmöglichkeiten zwischen den Studierenden und Studierenden mit Lehrenden und ist besonders mit den Anwendungen MS TEAMS und ZOOM wesentlicher Faktor für das Gelingen der Lehrveranstaltung.
Zentrale Unterstützung erfolgt des Weiteren durch die Digital Teaching Services der WU Wien, die Teil der Dienstleistungseinrichtung „Programmmanagement und Lehr-/Lernsupport“ im Vizerektorat für Lehre und Studierende sind. Konkret unterstützen Mitarbeitende der Digital Teaching Services (Marisa Haider und Florian Mosböck) die Lehrveranstaltungsleitung bei der Durchführung der Open-Book-Online-Prüfung. Dadurch wird eine verlässliche technische Infrastruktur sowie ein reibungsloser organisatorischer Ablauf sichergestellt. Die Einbindung dieser spezialisierten Serviceeinheit ermöglicht es, innovative, dialogische Prüfungsformate umzusetzen und gleichzeitig hohe Standards hinsichtlich Qualität, Transparenz und Fairness der Leistungsbeurteilung einzuhalten.
Die Lehrveranstaltung ist in das hochschulinterne Qualitätsmanagement der Wirtschaftsuniversität Wien eingebunden und unterliegt den standardisierten Evaluationsverfahren der WU Wien. Diese werden einmal pro Semester durchgeführt und dienen als zentrales Instrument zur systematischen Rückmeldung durch Studierende. Im gegenständlichen Durchführungszeitraum wurde das Evaluationsverfahren in allen drei Parallelveranstaltungen eingesetzt; eine Lehrveranstaltung wurde klassisch mittels Papier-Bleistift-Evaluation durchgeführt, zwei Lehrveranstaltungen wurden online evaluiert. Während die papierbasierte Evaluation eine aussagekräftige Rücklaufquote aufwies, war die Beteiligung an den Onlineevaluationen zu gering, um daraus belastbare quantitative Aussagen abzuleiten. Diese Einschränkung wird transparent berücksichtigt.
Unabhängig davon ist die kontinuierliche Qualitätsentwicklung der Lehrveranstaltung nicht ausschließlich an formale Evaluationsergebnisse gebunden. Die Lehrveranstaltung wurde von Beginn an im Rahmen eines Design-Based-Research-Ansatzes konzipiert, der iterative Entwicklungs-, Erprobungs- und Reflexionsschleifen vorsieht. Rückmeldungen aus den offiziellen Evaluationen werden daher systematisch analysiert und mit weiteren Feedbackquellen – insbesondere qualitativen Rückmeldungen aus Lehr-Lern-Situationen, Prüfungen und dialogischen Formaten – trianguliert.
Die gewonnenen Erkenntnisse fließen kontinuierlich in die Weiterentwicklung der didaktischen Gestaltung, der Lernpfade sowie der Prüfungsformate ein. Auf diese Weise wird Feedback nicht nur dokumentiert, sondern gezielt genutzt, um die Qualität, Transparenz und Lernwirksamkeit der Lehrveranstaltung nachhaltig zu verbessern.