Zuletzt aktualisiert am 11.06.2026
Vorlesung "Qualitative Sozialforschung"
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Andrea Ploder
Poster zur Lehrveranstaltung auf der Tagung: Praktiken der qualitativen Methodenlehre, Freiburg im Breisgau, 15.09.2023
Ars Docendi Kategorie
Qualitätskultur, Studierendenzentrierung und Studierbarkeit
Ars Docendi Kriterien
- Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
Gruppengröße
50-150
Anreißer (Teaser)
How can a large lecture become a space for reflexive and practical engagement? This BA course introduces qualitative research as a lived analytical practice – plural, accessible, and centred on students as the key research instrument.
Kurzzusammenfassung des Projekts
Die Vorlesung „Qualitative Sozialforschung“ im BA Soziologie ist eine große, interdisziplinär geöffnete Lehrveranstaltung, die qualitative Forschung nicht als Methodentechnik, sondern als wissenschaftliche Haltung vermittelt. Im zweiten Semester – in einer Phase akademischer Orientierung – lernen Studierende qualitative Forschung als reflektierte, epistemologisch fundierte analytische Praxis kennen.
Drei Leitmotive strukturieren die Vorlesung: Vielstimmigkeit, Vorlesung als Kompass und die Verknüpfung von Theorie und Praxis. Podcasts, dialogische Formate und Diskussionen machen methodologische Kontroversen erfahrbar und dienen der Orientierung in einem komplexen Forschungsfeld. Freiwillige Übungen knüpfen an vorhandene Kompetenzen an und stärken die Selbstwirksamkeit der Studierenden.
Die Vorlesung ist bewusst studierbar gestaltet: Live-Stream, Aufzeichnungen, medienbasierte Vorbereitung und differenzierte Lernwege unterstützen verschiedene Zeitbudgets, Lernstile und Lebenssituationen. Kollegialer Austausch sowie die Reflexion der Lehrpraxis im Netzwerk „Lehrwerkstätten qualitative Forschung“ und in Publikationen sichern die Qualität und dokumentieren didaktische. Aktuelle Themen wie KI dienen als methodologische Stresstests, in denen Studierende Denkfiguren auf neue Kontexte übertragen und reflektieren, warum Forschende trotz technologischer Unterstützung selbst das zentrale Instrument im qualitativen Forschen bleiben.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
The lecture “Qualitative Social Research” in the BA Sociology programme is a large, interdisciplinary course that establishes qualitative research as a scientific stance rather than a set of technical tools. Taught in the second semester – a formative stage of academic orientation – it introduces students to qualitative inquiry as an epistemologically grounded and reflexive analytical practice.
The course is structured around three guiding principles: plurality of voices, the lecture as compass, and the integration of theory and practice. Podcasts, dialogical formats and discussions make methodological controversies tangible and provide orientation within a complex research landscape. Voluntary exercises build on existing competences and strengthen students’ sense of self-efficacy.
The lecture is intentionally designed for accessibility: live-streaming, recorded sessions, mediabased preparation and differentiated learning paths accommodate diverse time budgets, learning styles and life situations. Collegial exchange within the “Teaching Workshops in Qualitative Research” network and related publications ensure scholarly reflection and continuous quality enhancement.
Emerging topics such as artificial intelligence function as methodological stress tests: students transfer conceptual tools to new contexts and critically examine why human researchers, despite technological support, remain the central instrument in qualitative inquiry.
Nähere Beschreibung des Projekts
Ausgangslage: Große, interdisziplinäre Vorlesung als Gestaltungsauftrag.
Die Vorlesung „Qualitative Sozialforschung“ ist Pflichtveranstaltung im zweiten Semester des Bachelorstudiums Soziologie und zugleich für Studierende anderer Disziplinen geöffnet. Im Sommersemester 2025 nahmen rund 80 Soziologiestudierende sowie 14 Studierende aus anderen Fächern teil (u.a. Erziehungs- und Wirtschaftswissenschaften, Geografie und Psychologie). Diese interdisziplinäre Zusammensetzung ist konstitutiv für mein Lehrkonzept, denn qualitative Sozialforschung ist eine Querschnittsmaterie. Unterschiedliche disziplinäre Perspektiven, biografische Erfahrungen und kulturelle Hintergründe machen implizite epistemologische Differenzen sichtbar und bereichern die Diskussionen über Methoden, Gütekriterien und Forschungshaltungen – in der Forschungs-Community und im Hörsaal. Die Lehrveranstaltung findet in einer Phase statt, in der Studierende am Anfang ihrer akademischen Sozialisation stehen. Dieser „Zauber des Anfangs“ ist didaktisch bedeutsam: Studierende suchen Orientierung, sind noch nicht methodologisch verfestigt und können sich deshalb besonders offen auf eine qualitative Forschungshaltung einlassen. In der Vorlesung nutze ich diese Phase bewusst, um qualitative Sozialforschung nicht als Sammlung von Spezialtechniken, sondern als grundlegende wissenschaftliche Haltung zu vermitteln.
Gleichzeitig steht die Veranstaltung unter den typischen Vorzeichen großer Vorlesungen: keine Anwesenheitspflicht, heterogene Vorkenntnisse, unterschiedliche zeitliche Ressourcen der Studierenden. Diese Bedingungen begreife ich als Gestaltungsauftrag. Mein Ziel ist es, die Veranstaltung so zu strukturieren, dass sie Orientierung bietet, Selbstwirksamkeit stärkt und Studierende aktiv in ihrer Entwicklung unterstützt.
Lernziel: Entwicklung einer qualitativen Forschungspersönlichkeit. Das Modulziel besteht darin, die Logik qualitativen Forschens zu verstehen und qualitative Forschungsprozesse eigenständig entwerfen zu können. In meiner Lehre übersetze ich dieses Ziel in eine leitende Frage: Wie entwickeln Studierende eine qualitative Forschungspersönlichkeit? Qualitative Forschung wird ab der ersten Einheit als Quelle wissenschaftlicher und alltagsrelevanter Kompetenzen erfahrbar: als Fähigkeit, sich auf fremde Lebenswelten einzulassen, Distanz zum scheinbar Selbstverständlichen zu gewinnen und Irritationen als Tor zur Wissensproduktion zu nutzen. Studierende erkennen, dass sie bereits qualitative Forscher:innen sind und vorhandene Kompetenzen im Studium vor allem explizieren, schärfen und weiterentwickeln.
Ebenfalls früh im Semester wird deutlich, dass Forschungshandeln immer epistemologisch fundiert ist. Es gibt qualitativ Forschende, die das Objektivitätsideal eines „neutralen Blicks“ vertreten. Andere gehen davon aus, dass Forschung immer situiert und perspektivisch gebunden ist. Auch sie geben Objektivität als Erkenntnisideal nicht auf, verstehen es aber als reflektierte, nachvollziehbare, standortgebundene Praxis. Dazwischen gibt es viele weitere Positionen, die oft nur implizit verhandelt werden. Welche epistemologische Grundüberzeugung wir haben, prägt jedoch die Wahl unserer Methoden – und viele alltägliche Entscheidungen in der Forschungspraxis –, oft ohne ausdrücklich thematisiert zu werden.
Im Zentrum der VO stehen daher nicht nur einzelne Methoden sondern auch Denkbewegungen: das Vergleichen epistemologischer Positionen, das Oszillieren zwischen eigener Erfahrung und gesellschaftlicher Struktur, die Reflexion der eigenen Perspektive und das argumentierte Begründen methodischer Entscheidungen.
Drei Leitmotive: Vielstimmigkeit – Kompass – Theorie und Praxis.
Vielstimmigkeit:
Qualitative Sozialforschung ist kein homogenes Paradigma, deshalb gestalte ich die Vorlesung mit vorbereitenden Podcasts, Vortragsmitschnitten und Filmausschnitten bewusst vielstimmig. So werden wissenschaftliche Kontroversen als lebendige Auseinandersetzung erfahrbar und Studierende lernen verschiedene Stimmen innerhalb der qualitativen Forschungs-Community kennen. Die Vielfalt im akademischen Diskurs macht zugleich auch die biografische, kulturelle und disziplinäre Vielfalt im Hörsaal als epistemische Stärke sichtbar: Unterschiedliche Standpunkte erweitern die kollektive Analysefähigkeit und machen deutlich, dass jede Perspektive zugleich erkenntnisleitend und begrenzt ist. Neben der Auswahl bereits vorhandener audiovisueller Medien zeichne ich immer wieder auch eigene dialogische Podcasts mit Kolleg:innen auf.
Vorlesung als Kompass:
Die Landschaft qualitativer Forschungszugänge ist groß und zu Beginn sehr unübersichtlich. Die Vorlesung hilft Studierenden dabei, sich in dieser Landschaft zu orientieren und herauszufinden, welche Ansätze sie überzeugen und für welche Forschungsfragen sie jeweils geeignet sind. Jede Einheit fokussiert neben konkreten Ansätzen auch eine grundlegende methodologische Frage – etwa zu Perspektivität, Gütekriterien, kleinen Fallzahlen, Methodeninnovation, Forschungsethik oder der Darstellung von Forschungsergebnissen – und hilft so bei der Orientierung in einem vielfältigen Feld.
Theorie und Praxis.
Qualitative Forschungskompetenz entsteht vor allem im Tun, deshalb werden theoretische Ausführungen in der VO durch freiwillige praktische Forschungsübungen ergänzt. In Übungen wie „Schärfen der Sinne“ oder „Vergleichen“ knüpfen Studierende an ihre Alltagskompetenzen an und machen sie für qualitative Forschung anschlussfähig. Sie erfahren, dass sie bereits beobachten, vergleichen, erzählen und interpretieren können – und wie sie diese Kompetenzen im Studium gezielt weiterentwickeln können. Dieser Ansatz stärkt die Selbstwirksamkeit und reduziert Schwellenängste – besonders in einer großen Vorlesung.
Differenzierte Lernwege: Studierbarkeit als Strukturprinzip.
Ein zentrales Element der Vorlesung ist die Möglichkeit, unterschiedliche Lernwege zu beschreiten. Studierende können die Vorlesung als Ort des passiven Wissenskonsums nutzen, sich aber auch aktiv im Hörsaal beteiligen oder zusätzlich freiwillige Übungen sowie ein begleitendes Forschungs- und Lerntagebuch dazu nutzen, um ihr Wissen praktisch zu vertiefen.
Diese Differenzierung berücksichtigt unterschiedliche Zeitbudgets, Lernstile und Lebenssituationen. Es gibt dabei keine verdeckten Leistungsanforderungen, denn freiwillige Vertiefungsübungen werden nicht prüfungsrelevant abgefragt. Studierende entscheiden selbst, wie intensiv sie sich einbringen. Die Kombination aus Autonomie und klarer Orientierung erhöht die Studierbarkeit. Es besteht keine Anwesenheitspflicht, alle Einheiten werden live gestreamt und aufgezeichnet.
Diese digitale Zugänglichkeit trägt zur Chancengerechtigkeit bei – insbesondere für erwerbstätige Studierende oder Studierende mit Betreuungspflichten – und ermöglicht selbstgesteuerte Lernrhythmen. Die Vorbereitung erfolgt überwiegend über audiovisuelle Medien, was in den Evaluationen wiederholt als entlastend und anregend beschrieben wird. Gleichzeitig wird der Lernaufwand konsistent als angemessen eingeschätzt, der Schwierigkeitsgrad als weder zu einfach noch zu schwierig, Inhalt und Aufbau sowie das studentische Interesse werden als überdurchschnittlich gut eingestuft.
Lernatmosphäre: Studierendenzentrierung als Schlüssel zur qualitativen Forschungshaltung.
Reflexives Lernen setzt voraus, dass Studierende sich produktiv mit eigenen Wahrnehmungen, Unsicherheiten und Irritationen auseinandersetzen können. In meiner Forschung zu Reflexivität argumentiere ich, dass solche Prozesse epistemisch unverzichtbar sind, jedoch unterstützende Rahmenbedingungen benötigen. Diese Haltung prägt auch meine Lehrveranstaltung. Studierendenzentrierung verstehe ich deshalb nicht primär als Serviceorientierung, sondern als die bewusste Gestaltung eines intellektuell anspruchsvollen und zugleich offenen, respektvollen Lernraums. Reflexive qualitative Forschung erfordert die Bereitschaft, eigene Positionierungen sichtbar zu machen und Unsicherheiten auszuhalten. Eine wertschätzende Atmosphäre im Hörsaal schafft die epistemische Voraussetzung dafür, dass Studierende ihre Kompetenzen einbringen, ihre Perspektiven hinterfragen, und sukzessive eine qualitative Forschungshaltung entwickeln können.
Evidenzbasierte Weiterentwicklung und Qualitätskultur.
Die Qualitätsentwicklung in dieser VO erfolgt in einem kontinuierlichen Prozess aus Evaluation, kollegialem Austausch und Anpassungen des Lehrkonzepts. Die Vorlesung wird seit mehreren Jahren sehr positiv evaluiert. Studierende betonen die klare Struktur, die Verständlichkeit komplexer Inhalte, die mediale Vielfalt sowie die motivierende Lehratmosphäre. Einzelne Rückmeldungen bezeichnen die Veranstaltung als „Lieblings-VO“ oder heben die pädagogische Qualität besonders hervor. Wiederkehrende Verbesserungshinweise habe ich zum Anlass für konkrete Anpassungen genommen.Seit 2022 bin ich außerdem im deutschsprachigen "Netzwerk Lehrwerkstätten qualitative Forschung" aktiv und habe mich über zwei Jahre hinweg regelmäßig in einer Lehrwerkstatt zur Methodenlehre in großen Gruppen mit Kolleg:innen ausgetauscht. Die dortige Reflexion hat an vielen Punkten zu einer Weiterentwicklung meiner VO geführt. Sie hat außerdem eine Reihe von bisher vier Publikationen zur qualitativen Methodenlehre angestoßen, in denen ich sowohl konkrete Lehrformate aus der Vorlesung als auch konzeptionelle Fragen zu Reflexivität in der Hochschullehre bearbeitet habe. Perspektivisch werde ich auch meine eigene Podcastreihe weiter ausbauen, um die Vorlesung langfristig als vielstimmigen, nachhaltigen Lernanker für große Studierendengruppen zu stärken.
Aktuelle Weiterentwicklung: KI als methodologische Herausforderung.
Im Sommersemester 2025 habe ich eine Einheit zur Frage „Qualitativ Forschen mit künstlicher Intelligenz?“ in die VO integriert. Diese Einheit habe ich bewusst digital durchgeführt, um eine parallele Chatdiskussion zu ermöglichen. Gemeinsam hörten wir einen aktuellen Podcast zum Thema, diskutierten synchron im Chat und führten anschließend eine offene Debatte. Die Einheit war explorativ angelegt; es gab keinen vorbereiteten Vortrag von mir, sondern ein gemeinsames Erarbeiten von Argumenten in Reaktion auf den Podcast.
Umso eindrucksvoller waren die Ergebnisse der Präsenzklausur (paper/pencil), in der ich eine Frage zu Potenzialen und Grenzen von KI im qualitativen Forschungsprozess gestellt habe. Viele Studierende argumentierten dort eigenständig und differenziert: KI könne bei Transkription, Strukturierung oder Lesartenbildung unterstützen und zeitliche Ressourcen für andere analytische Tätigkeiten freisetzen; zugleich blieben Empathie, Körperlichkeit, Situiertheit, Verantwortung und theoretische Durchdringung an das menschliche Individuum gebunden.
Forschende wurden klar als zentrales Forschungsinstrument benannt. Einige leiteten aus der Debatte sogar ein verstärktes Plädoyer für forschende Reflexivität ab – als Forschungsweg der auch in Zukunft nicht durch algorithmische Textproduktion ersetzt werden kann.
Die KI-Einheit wurde so zu einem methodologischen Stresstest für das im Semester entwickelte Verständnis qualitativer Forschung. Sie zeigte, dass Studierende Denkfiguren aus der Vorlesung auf neue, unsichere Kontexte übertragen können – auch ohne vorgegebene Argumentationsmuster. Damit schließt sich der Kreis: Qualitative Sozialforschung wird hier als reflektierte, verantwortungsbewusste und gesellschaftlich wirksame Praxis erfahrbar – besonders wertvoll in einer Gegenwart, die von technologischen Umbrüchen, Ambiguität und Perspektivenvielfalt geprägt ist.
Akzeptanz und Resonanz
Die Vorlesung „Qualitative Sozialforschung“ wird seit mehreren Jahren sehr positiv evaluiert und in offenen Rückmeldungen wiederholt als besonders strukturierte, motivierende und didaktisch durchdachte Lehrveranstaltung beschrieben. Studierende heben insbesondere die klare inhaltliche Architektur, die Verständlichkeit komplexer theoretischer Zusammenhänge sowie die Verbindung von Theorie und praktischen Denkbewegungen hervor.
In den quantitativen Erhebungen zeigen sich konsistent sehr hohe Zustimmungswerte in den Globalbereichen „Inhalt und Aufbau“ (z.B. SoSe 2025: mw = 1,1), „Vermittlung und Aufbereitung“ (SoSe 2025: mw = 1,3) sowie „Studentisches Interesse“. Auf Itemebene erreichen u.a. „Der:die Lehrveranstaltungsleiter:in hat den thematischen Aufbau der LV nachvollziehbar strukturiert“, „Die Lehrveranstaltung ist gut vorbereitet“ und „Rückfragen in der Lehrveranstaltung werden gut beantwortet“ durchgehend Werte im sehr guten Bereich (mw zwischen 1,1 und 1,3 in den Jahren 2022–2025). Der Lernaufwand wird durchgehend als angemessen eingeschätzt, der Schwierigkeitsgrad als weder zu niedrig noch überfordernd. Diese Rückmeldungen deuten darauf hin, dass die Balance zwischen intellektuellem Anspruch und Studierbarkeit gelingt. Ergänzend zeigen die Evaluationen, dass die angestrebten Lernergebnisse klar kommuniziert und inhaltlich konsequent verfolgt werden („Der:die Lehrveranstaltungsleiter:in hat die angestrebten Lernergebnisse klar kommuniziert“, SoSe 2025: mw = 1,2). Auch die Items „Den:die Lehrveranstaltungsleiter:in empfinde ich als sehr motivierend“ (SoSe 2024: mw = 1,3; SoSe 2025: mw = 1,4) sowie „Ich würde die Lehrveranstaltung anderen Studierenden empfehlen“ (SoSe 2025: mw = 1,4) erreichen konstant sehr gute Werte. In offenen Kommentaren
wird zudem wiederholt die besondere didaktische Qualität im Vergleich zu anderen Lehrveranstaltungen hervorgehoben sowie die hohe Erreichbarkeit und ausführliche Beantwortung von Fragen – auch über die Präsenzzeit hinaus – positiv erwähnt.
Besonders häufig betonen Studierende in offenen Kommentaren die Orientierung im komplexen Feld qualitativer Forschung („roter Faden“, „klar strukturiert“), die mediale Vielfalt der Vorbereitung (Podcasts, Videos) als entlastend und motivierend, die Möglichkeit, komplexe theoretische Fragen verständlich und zugleich differenziert zu diskutieren, die wertschätzende, unterstützende Lernatmosphäre sowie die Offenheit für Fragen, die sorgfältige Beantwortung studentischer Beiträge und die respektvolle Diskussionskultur. Einzelne Rückmeldungen bezeichnen die Veranstaltung als „Lieblings-VO“ oder heben die pädagogische Qualität im Vergleich zu anderen Lehrveranstaltungen ausdrücklich hervor. Zudem wird betont, dass gerade abstrakte methodologische Fragen hier erstmals nachvollziehbar wurden und ein zusammenhängendes Verständnis qualitativer Forschung entstand.
Die digitale Zugänglichkeit (Live-Stream und Aufzeichnungen) wird regelmäßig als entscheidender Faktor für Studierbarkeit genannt. Studierende berichten, dass sie durch die flexible Nutzung der Materialien kontinuierlich am Lernprozess teilnehmen konnten – auch bei Erwerbstätigkeit oder Betreuungspflichten. Die medienbasierte Vorbereitung wird wiederholt als weniger belastend und zugleich anregender beschrieben als umfangreiche Pflichtlektüre.
Wiederkehrende Verbesserungshinweise – etwa zur Informationsdichte einzelner Folien oder zur zeitlichen Strukturierung bestimmter Einheiten – wurden systematisch ausgewertet und in konkrete Anpassungen überführt. Die Evaluationen sind damit nicht nur Rückmeldung, sondern Bestandteil eines kontinuierlichen Qualitätsprozesses.
Besonders aufschlussreich war die erstmalige Integration einer Einheit zu „Qualitativ Forschen mit KI“ im Sommersemester 2025. In der Klausur argumentierten Studierende eigenständig, differenziert und reflektiert zu Potenzialen und Grenzen von KI im Forschungsprozess und stellten Bezüge zu vielen anderen Teilen der VO her. Dies deutet darauf hin, dass zentrale Denkfiguren der Vorlesung auf neue Kontexte übertragen werden können.
Insgesamt zeigen die Evaluationen nicht nur hohe Zufriedenheit, sondern vor allem eine aktive inhaltliche Auseinandersetzung mit epistemologischen und methodologischen Fragen. Die Akzeptanz der Lehrveranstaltung gründet damit weniger auf organisatorischer Bequemlichkeit als auf der Erfahrung, intellektuell ernst genommen und in der eigenen Kompetenzentwicklung unterstützt werden.
Nutzen und Mehrwert
Der besondere Mehrwert dieser Vorlesung liegt in der konsequenten Verbindung von epistemologischer Tiefenschärfe und struktureller Studierbarkeit in einem großen, heterogenen Setting. Während große Vorlesungen häufig als reine Vermittlungsformate organisiert sind, wird hier ein Raum geschaffen, in dem Studierende frühzeitig eine reflektierte Forschungshaltung entwickeln können – ohne Überforderung und ohne verdeckte Leistungsanforderungen. Die Kombination aus vielstimmiger medialer Vorbereitung, klarer Orientierung („Vorlesung als Kompass“) und freiwilligen Praxisformaten ermöglicht differenzierte Lernwege innerhalb eines verbindlichen Rahmens.
Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal ist dabei die explizite Thematisierung epistemologischer Grundannahmen bereits im zweiten Semester. Studierende lernen, methodische Entscheidungen als Ausdruck wissenschaftstheoretischer Positionierungen zu verstehen und ihre eigene Perspektive zu reflektieren. Qualitative Forschung erscheint dadurch nicht als Technik, sondern als verantwortungsvolle analytische Praxis.
Der Mehrwert reicht über die einzelne Lehrveranstaltung hinaus: Die kontinuierliche Reflexion im Netzwerk „Lehrwerkstätten qualitative Forschung“ sowie mehrere Publikationen zur qualitativen Methodenlehre machen die in der Vorlesung entwickelten Konzepte anschlussfähig für andere Lehrende. Die Veranstaltung fungiert damit nicht nur als Lernraum für Studierende, sondern auch als Transferformat innerhalb der Hochschuldidaktik.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2022
Das Lehrkonzept ist bewusst so angelegt, dass es langfristig tragfähig und adaptierbar bleibt. Die grundlegende Struktur – vielstimmige mediale Vorbereitung, klare Orientierung entlang zentraler methodologischer Fragen sowie die optionale Verknüpfung von Theorie und Praxis – ist nicht an einzelne Inhalte gebunden, sondern auf unterschiedliche Themenfelder und Kontexte übertragbar. Insbesondere das Format „Vorlesung als Kompass“ eignet sich für komplexe, paradigmatisch vielfältige Fachgebiete, in denen Orientierung ohne Reduktion gefragt ist. Die Kombination aus Präsenzlehre, Live-Stream und Aufzeichnungen ermöglicht eine flexible Anpassung an unterschiedliche institutionelle Rahmenbedingungen. Während die Vorlesung inzwischen regulär im Hörsaal stattfindet, hat sich das Konzept bereits in vollständig digitalen und hybriden Settings bewährt. Diese strukturelle Flexibilität erhöht die Resilienz und Langlebigkeit des Formats.
Zwei der im Rahmen der Vorlesung entwickelten Übungsformate wurden publiziert und stehen damit anderen Lehrenden als adaptierbare Modelle zur Verfügung. Auch die fortlaufende Zusammenarbeit im Netzwerk „Lehrwerkstätten qualitative Forschung“ fördert die Weiterentwicklung und Übertragbarkeit des Konzepts über die eigene Institution hinaus. Perspektivisch wird insbesondere das dialogische Podcastformat weiter ausgebaut, um die Vorlesung als nachhaltigen, vielstimmigen Lernanker für große Studierendengruppen zu stärken. Damit verbindet das Projekt langfristige strukturelle Stabilität mit inhaltlicher Offenheit für neue Themen – etwa digitale Transformation oder KI – und bleibt zugleich seinem epistemologischen Kern treu: qualitative Forschung als reflexive, verantwortungsbewusste Praxis zu vermitteln.
Institutionelle Unterstützung
Keine spezifische Unterstützung für diese VO nötig.
Online in Präsenz Evaluation nutze ich bei jeder Veranstaltung