Zuletzt aktualisiert am 07.02.2025
Mehr als ‚nur‘ ein akademisches Tool: Die pragmatischen Funktionen des Zitierens und seine weitreichenden Implikationen für den Sprachgebrauch in und außerhalb des akademischen Diskurses
Projektname des bereits eingereichten Projekts:
Ars Docendi Kategorie
Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Gruppengröße
< 20
Kurzzusammenfassung des Projekts
Das Projekt ist eine Lehrveranstaltung, die von Frau Dr. Kirner-Ludwig basierend auf ihrer Forschung zur Pragmatik des Zitierens konzipiert wurde und sich im Rahmen der angebotenen Curricula in der Phil.-Kulturwiss. Fakultät der Universität Innsbruck an Studierende der Englischen Linguistik richtet. Das Seminar vermittelt einen Überblick über Formen und Funktionen des Zitierens als metakommunikativen Akt (e.g. Bublitz 2015; Gruber 2017). Modelle und Theorien hierzu werden vor allem aus Sicht der Pragmatik und Diskursanalyse vorgestellt, was die Studierenden dazu befähigt, das Zitieren als (non)verbale Tätigkeit in einem breiten Kontext sowie mit Blick auf Spezialfälle linguistisch zu beschreiben. Ein besonderer Lerneffekt besteht dabei darin, dass der Metadiskurs über Sprechakte des Zitierens und Plagiierens den generell recht engen und präskriptiven Verständnisrahmen zu diesen Konzepten bei den Teilnehmenden stark ausweitet: von Studierenden, die nicht nur verstehen, welche Formen des Zitierens auf welche Art effektiv und textartgerecht eingesetzt werden können, sondern auch ein Metabewusstsein dazu entwickelt haben, dass Zitieren inhärent an pragmatische Funktionen und Konventionen gebunden ist (und nicht nur kategorisch daran, in Abschlussarbeiten ‚zitieren zu müssen und nicht plagiieren zu dürfen‘), können wir ein signifikant höheres Maß nicht nur an Geschick und Konsistenz im eigenen Zitationsstil erwarten, sondern auch an praktizierter akademischer Integrität.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
By the end of the semester, students will have been provided with a solid overview of forms and functions of quoting as a metacommunicative act (cf. Bublitz 2015; Gruber 2017). Frameworks and theories will be presented, discussed and applied from a mostly synchronous perspective and with a focus on Pragmatics and discourse analysis. This approach will enable the students to acquire a comprehensive insight into quoting as a (non)verbal action in general as well as to linguistically describe the phenomena within specific case studies.
A particularly winning side effect of this seminar is to be seen in the fact that the meta-discourse about quoting and plagiarizing as speech acts will significantly widen our students’ scope with regard to understanding that these communicative acts go very much beyond what many of them may have solely experienced as the prescriptive idea of ‘Cite and quote, but do not plagiarize’.
Nähere Beschreibung des Projekts
Im Zentrum des Erkenntnisinteresses sollen Formen und Funktionen des Zitierens und vor allem das Konzept des Zitierens als metakommunikativer Akt stehen. Die Studierenden haben die Gelegenheit, sich intensiv mit den Grundlagen zu Common Ground, Deixis, und Sprechakten auseinandersetzen und sich dann mit Relevanztheorie, Salienz sowie der Face-Theorie zu beschäftigen – all diese Modelle und Begriffe kommen schließlich beim Zitieren symbiotisch zur Anwendung.
Im theoretischen, ersten Teil dieses (in englischer Sprache abgehaltenen) Seminars wird zunächst den Begriff Text selbst kritisch beleuchtet, da er dem Konzept des Zitierens unmittelbar zugrunde liegt – ihm sozusagen eine Daseinsberechtigung verleiht: Text – ganz gleich in welcher Form – kann zitiert werden. So lautet der Title der ersten bzw. Sitzung: „Is all text quotable, or: What is text and what can I do to / with it?”. Hier werden zum einen konventionelle Texttypen verschiedenster Art (z.B. Narrative und andere meist verschriftlichte Texte) als auch zum anderen mündliche überlieferte Texte (z.B. Gespräche) angeführt und auf ihre ‘Zitierbarkeit’ hin mit den Studierenden besprochen. Die Beispiele reichen dann am Ende hin zu non-verbalen Texten (z.B. Bilder, Gesten, Melodien, klassifizierbare Bewegungsabläufe), die das konventionelle und den Studierenden gängige Textverständnis kognitiv strapazieren, dabei jedoch einen besonders nachhaltigen Lerneffekt erzielen sollen.
Wenn die Grundlagen besprochen wurden, wendet sich der Syllabus den Begriffen des Zitierens, Verweisens, Wiederholens und Imitierens zu, die gemeinsam in der Diskussion und anhand von Beispielen entworren werden sollen. Hierzu werden Sekundärtexte zur Lektüre an die Hand gegeben, die dann Woche für Woche der Reihe nach aufeinander aufbauend gelesen, diskutiert und auf reale Beispiele und Kontexte angewendet werden. Auf diesem Wege werden mit und von den Studierenden Arbeitsdefinitionen erstellt, mit welchen im Laufe des Semesters aktiv, kritisch und reflektierend weitergearbeitet werden kann. Zentrale Themen der Pragmatik, die in diesem Rahmen besprochen und unmittelbar in Zusammenhang mit Zitieren als metakommunikativem Akt gebracht werden, sind unter anderem:
- Iconicity, shared knowledge and episodic knowledge (u.a. Tomasello et al. 2005)
- Relevance theory (Sperber & Wilson 1987)
- Cooperative Principle (Grice 1975)
- Face strategies and politeness (Goffman 1955, 1967; Brown & Levinson 1987)
Im zweiten, stark praktisch orientierten Teil des Kursprogramms steht die aktive Bearbeitung von Fallbeispielen. U.a. beinhaltet dies das Zitieren im computervermittelten Diskurs mit z.B. speziellem Fokus auf dem Retweeten auf twitter; air-quoting und non-verbale Zitate; Zitieren im kulturellen Vergleich; Zitieren im humorösen Kontext; ‚Fake-quoting‘ und ‚Fake news‘; memetischer und telecinematischer Diskurs. Aus Fallstudien zu diesen Themen, die unter Anleitung der Dozentin von den Studierenden ausgearbeitet werden (was beispielsweise auch die Materialsuche und –auswahl betreffen kann) ergaben sich in der Vergangenheit hochinteressante Präsentationen und im Idealfall bereits auch schon Themen und Fragestellungen für die anzufertigenden Hausarbeiten. Bei der Durchführung der Veranstaltung im Wintersemester 2020/21 entschieden sich viele Studierende dazu, gerade auch politisch aktuelles Datenmaterial zu untersuchen, zum Beispiel aus dem Bereich der US Präsidentschaftswahlen, oder auch sich mit der Coronakrise selbst in ihrem Forschungsfokus auseinanderzusetzen (z.B. mit Bezug auf Presseberichte und Kontextomie oder Formen der ironisch- oder sarkastisch-humorvollen Auseinandersetzung von Memes mit der Krise).
Als Besonderheit dieses Seminars war bislang angedacht, dass es mit einem weiteren, im selben Semester angebotenen Seminar (im selben Pflichtmodul) zum Thema ‚Direct and indirect speech‘ durch ein zweitägiges Mini-Symposium verknüpft werden kann. Dies ist eines der Weiterentwicklungsvorhaben für künftige Semester, konnte jedoch bislang aufgrund von COVID nicht durchgeführt werden. Es ist jedoch zu erwarten, dass es im Rahmen dieses experimentellen und innovativen Kurskonzepts zu angeregtem Austausch zwischen den studentischen Teilnehmenden beider Seminare sowie mit zwei zusätzlich als SprecherInnen geladenen ExpertInnen zum Thema kommen wird. Der Titel des Symposiums wird lauten: ‘The Pragmatics of Referring, reporting and narrating’.
Nutzen und Mehrwert
siehe Feld Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit