Zuletzt aktualisiert am 30.05.2025
Klimagerechtigkeit und sozial-ökologische Krisen
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Ars Docendi Kriterien
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
- Perspektivenerweiterung und Internationalisierung
- Partizipation und Mitgestaltung
Gruppengröße
> 150
Anreißer (Teaser)
Das Lehrprojekt analysiert Klimagerechtigkeit und sozial-ökologische Krisen interdisziplinär, wissenschaftlich und praxisorientiert, und ermutigt Studierende und Lehrende gemeinsam handelnd gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen zu begegnen.
Kurzzusammenfassung des Projekts
Gesellschaftsrelevante und gegenwärtige Herausforderungen und Chancen werden in der Ringvorlesung „Klimagerechtigkeit und sozial-ökologische Krisen“ seit dem Sommersemester 2023 jährlich von Wissenschaftler:innen der Universität Innsbruck wie auch von Kolleg:innen aus dem In- und Ausland innerhalb der Lehrveranstaltung thematisiert und gemeinsam mit den Studierenden diskutiert. Inhaltlich wird sich interdisziplinär mit der komplexen Thematik auseinandergesetzt, um zu zeigen, dass die gegenwärtigen Herausforderungen, die mit der Veränderung des Klimas zusammenhängen, einen Einfluss sowohl auf das Ökosystem der Erde haben wie auch soziale Nachhaltigkeit immens bedingen und nicht monodisziplinär sondern multidisziplinär verhandelt und gelöst werden müssen. Deshalb ist die Ringvorlesung auf einen Austausch zwischen den verschiedenen Disziplinen angelegt, um die Komplexität von sozial-ökologischen Krisen zu demonstrieren und mögliche Handlungsmöglichkeiten aufzeigen zu können, dadurch können die Zusammenhänge umfassender bewusst werden. Dabei ist ebenso wichtig, dass die Themen nicht nur auf einer theoretischen bzw. wissenschaftlichen, sondern auch auf einer gesellschaftspolitischen und praxisorientierten Ebene dargestellt und diskutiert werden. Dies reflektiert die Tatsache, dass es sich beim Klimawandel um ein sogenanntes socio-scientific issue handelt, das nicht mit technologischen Mitteln allein gelöst werden kann.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
Since the summer semester of 2023, socially relevant and current challenges and opportunities have been addressed annually in the lecture series "Climate Justice and Socio-Ecological Crises" by scientists from the University of Innsbruck as well as colleagues from other Austrian and European universities within the course and discussed together with the students. The content is an interdisciplinary approach to the complex topic to show that the current challenges associated with climate change have an impact on the Earth's ecosystem as well as having an immense impact on social sustainability and must be negotiated and solved in a multidisciplinary rather than monodisciplinary manner. Therefore, the lecture series is designed to encourage exchange between different disciplines to demonstrate the complexity of socio-ecological crises and to point out possible courses of action, so that the interrelationships can be more comprehensively understood. This reflects the fact that climate change is a so-called socio-scientific issue that cannot be solved through technological means alone.
Nähere Beschreibung des Projekts
Ausgangslage, Motive und Ziele
Ausgangspunkt der Lehrveranstaltung waren die Klimaproteste im Wintersemester 2022/23 und der Wunsch der Studierenden, dass in die Lehre das Thema der Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit integriert wird. Für das Sommersemester 2023 wurde hierfür eine interdisziplinäre Ringvorlesung „Klimagerechtigkeit und sozial-ökologische Krisen“ für BA- und MA-Studierende von Lehrenden und Studierenden konzipiert, die im Sommersemester 2024 erneut angeboten wurde. Ab dem Sommersemester 2025 ist diese Ringvorlesung curricular im BA-Studium der Erziehungswissenschaften in einem Wahlmodul zu „Erziehungswissenschaftlichen und pädagogischen Themen der Gegenwartsgesellschaft“ verankert und wird zukünftig jedes Sommersemester an der Fakultät für Bildungswissenschaften angeboten. Wissenschaftler:innen der Universität Innsbruck wie auch aus dem In- und Ausland tragen innerhalb der Lehrveranstaltung vor, um so die Interdisziplinarität und die nationale wie internationale Perspektive auf das Thema in der Breite darstellen zu können. Darüber hinaus ist sie inhaltlich und personell mit anderen Aktivitäten im Rahmen der Lehre (Seminare), der Peer Learning Activity für Bildung für Nachhaltige Entwicklung und spezifischen Förderinitiativen des Rektorats (z.B. Green Office) verbunden, um nicht nur einen Wandel in der Bildung sondern auch einen Wandel der Bildung voranzutreiben. Im Fokus der Lehrveranstaltung stehen vor allem Fragen nach Klimagerechtigkeit und sozial-ökologischen Krisen, die nicht nur aus der erziehungswissenschaftlichen Sicht thematisiert, sondern in einem interdisziplinären Rahmen diskutiert werden, um zu zeigen, dass die gegenwärtigen Herausforderungen, die mit der Veränderung des Klimas zusammenhängen, einen Einfluss sowohl auf das Ökosystem der Erde haben wie auch soziale Nachhaltigkeit immens bedingen. Deshalb ist die Ringvorlesung auf einen Austausch zwischen den verschiedenen Disziplinen angelegt, um die Komplexität von sozial-ökologischen Krisen zu demonstrieren und mögliche Handlungsmöglichkeiten aufzeigen zu können. Es wird hier ermöglicht, dass die verschiedenen disziplinären Perspektiven thematisch zusammengeführt werden und dadurch die Zusammenhänge umfassender bewusst werden können. Dabei ist ebenso wichtig, dass die Themen nicht nur auf einer theoretischen bzw. wissenschaftlichen, sondern auch auf einer gesellschaftspolitischen und praxisorientierten Ebene dargestellt und diskutiert werden. Dies reflektiert die Tatsache, dass es sich beim Klimawandel um ein sogenanntes socio-scientific issue bzw. ein „verzwicktes“ Problem handelt, das nicht mit technologischen Mitteln allein gelöst werden kann. Es bedarf darüber hinaus des Engagements der Gesellschaft bzw. eines gesellschaftspolitischen Aushandlungsprozesses. In diesem Sinne strebt die Lehrveranstaltung nicht nur die Förderung von Schlüsselkompetenzen der Nachhaltigkeit (wie etwas Systemdenken, strategisches Denken, Wertedenken und zukunftsorientiertes Denken) an, sondern auch die Ermöglichung partizipativen Lernens und Handelns, das zu Gesellschaftstransformationen beitragen kann.
Methode
Die Lehrveranstaltung ist so konzipiert, dass eine allgemeine Einführung in die Thematik als Basis für die weiteren thematischen Vorträge dient, welche die Studierenden dazu befähigt, grundlegende Zusammenhänge zu erkennen. Die einzelnen thematischen Vorträge, die sowohl theoretisch, empirisch wie auch praxisorientiert waren/sind, ermöglichen es den Studierenden die Fragen und Herausforderungen, die mit Klimagerechtigkeit und sozial-ökologischen Krisen einhergehen auch anders zu denken, d.h., dass sie Perspektiven aus anderen Disziplinen kennenlernen und nachvollziehen können. Dabei war/ist es essentiell, dass sie neue Theorien und Zugänge präsentiert oder auch Projekte und Praxiskonzepte dargestellt bekamen und anschließend an die inhaltlichen Vorträge die Möglichkeit hatten diese zu diskutieren und kritisch reflektieren konnten. Weiterführende Texte und Materialien (Filme, Studien, Projekte etc.) ermöglichten es die kennengelernten Inhalte zuhause zu vertiefen. Die Vorträge waren ebenso eine Grundlage dafür, dass sie sowohl wissenschaftlich wie handlungspraktisch neue Denkanstöße erhielten, die sie im Studium und ihrem Alltag umsetzen und kritisch reflektieren konnten. Themen, die bisher (SS 2024 und 2025) in den Vorträgen behandelt wurden/werden:
• Bildungs- und erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf das Anthropozän, erörterte die pädagogischen und politischen Fragen, die mit dem vieldiskutierten Konzept des Anthropozäns verbunden sind.
• Water literacy: zeigte die soziobiologischen Dimensionen der Wasserproblematik im Kontext von Klima- und Biodiversitätskrise auf und diskutierte die Implikationen für Umwelt- und Klimabildung.
• Die gegenwärtige Energie- und Klimakrise in historischer Perspektive zeigte, wie sich Energiequellen und der Energieverbrauch seit Anfang der sogenannten Industrialisierung stetig vergrößert hat und wie durch diesen Energieverbrauch sich die vorhandenen fossilen Ressourcen drastisch reduziert haben und die nachhaltigen Energiequellen weiterhin zu wenig verwendet werden.
• Klima und Kapitalismus stellte die systemischen Zusammenhänge zwischen Klimawandel und den Prinzipen und Praktiken des globalen Kapitalismus vor, die eine Unvereinbarkeit nahelegen und damit auch Modelle ökonomischer Modernisierung wie den Green Deal grundsätzlich in Frage stellen.
• Tourismus und Nachhaltigkeit demonstrierte, wie nachhaltiger und nicht-nachhaltiger Tourismus zueinander verhält und wie Nachhaltigkeit im Tourismus zukünftig weiterentwickeln könnte und müsste.
• Wirtschaftsdemokratie. Der Vortrag griff Organisations- und Arbeitsmodelle auf, die im Sinne einer starken Nachhaltigkeit und Postwachstumsvorstellungen zu sozialer Innovation und einem Systemwandel beitragen könnten.
• Kapitalismus, Gewalt und koloniale Kontinuitäten im indigenen Dokumentarfilm Lateinamerikas spiegelte wie koloniale Strukturen weiterhin indigenes Leben beeinflusst und gewaltvoll durch kapitalistisch motivierte Handlungen deren Existenz zerstören.
• Umwelt- und Wassertechnik stellte dar, wie sich Wassertechnik nachhaltig gestalten lässt und wie sie sich an den Klimawandel und veränderte Umweltbedingungen anpassen kann. • Klimabildung - Dark Pedagogy ist ein Versuch zu überdenken, wie wir mit Themen wie der Unfassbarkeit der drohenden Klimakrise und Umweltfragen, Leugnung und Tod in der Pädagogik umgehen.
• Kreislaufwirtschaft thematisiert, wie Kreislaufwirtschaft sich entwickelte und entwickeln sollte, um einen nachhaltigen Konsum zu ermöglichen und das Ökosystem zu schützen.
• Demokratie und Klima diskutiert den Zusammenhang zwischen populistischen Einstellungen und Einstellungen zu Klima- und Umweltpolitik, die als abstraktes, elitengesteuertes Projekt einer kosmopolitischen liberalen Elite wahrgenommen wird.
• Green Economy erklärt, wie der Green Deal in der EU-Politik Eingang gefunden hat, mit welchen politischen Instrumenten er umgesetzt wird und welche sozio-ökologischen Aspekte sich dabei ergeben.
• Psychologische Perspektiven auf die Klimakrise gehen vor allem auf die Sozialpsychologie der Leugnung in der Bevölkerung und Pseudowissenschaft ein.
Die Lernergebnisse der Vorlesung zielten auf ein transversales und partizipatives Lernen, das über das Studium hinausführt und die Studierenden dazu befähigt gegenwartsbezogene gesellschaftliche Herausforderungen zu verstehen, einzuordnen und handlungsorientiert angehen zu können. Darüber hinaus sollte für die Studierenden sichtbar werden, dass sie als jüngere Generation nicht alleine mit diesen sozial-ökologischen Krisen konfrontiert sind, sondern dass die ältere Generation und die Wissenschaft sich genauso damit auseinandersetzt und versucht positiv auf diese Herausforderung zu antworten und nach Lösungsstrategien sucht. Deshalb war und ist diese Ringvorlesung darauf ausgelegt, einen partizipativen Dialog zwischen den Vortragenden bzw. Wissenschaftler:innen und den Studierenden zu fördern, in dem nicht nur die Chancen, Herausforderungen und Grenzen in der Auseinandersetzung mit Klimagerechtigkeit und sozial-ökologischen Krisen diskutiert werden, sondern auch ein gemeinsamer Raum für politisches Handeln im Rahmen geteilter Werte wie Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Solidarität und Demokratie entstehen kann. Anhand eines Reflexionspapier als Prüfungsleistung konnten die Studierenden zeigen, inwieweit sie die verschiedenen Themen bzw. Perspektiven verknüpfen konnten und welche Bedeutung diese für ihre eigene Disziplin haben. Der interdisziplinäre Transfer ermöglichte den Studierenden über ihr eigenes disziplinäres Vorwissen und Denken hinaus zu gehen und eine erweiterte Perspektive auf Fragen der Klimagerechtigkeit und sozial-ökologischer Krisen einnehmen zu können.
Ergebnisse
Die Studierenden können aufbauend auf theoretische Perspektiven und grundlegende Begrifflichkeiten weiterführende Frage- und Problemstellungen zu Klimagerechtigkeit und sozial-ökologischen Krisen verstehen, diskutieren und gesellschaftlich kritisch reflektieren. Sie ordnen diese in vertiefte theoretische und handlungspraktische Diskurse der Gegenwartsgesellschaft ein, reflektieren sie kritisch und legen wissenschaftliche Weiterführungen des Themas mündlich und schriftlich dar. Die Studierenden wurden für eine ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit sensibilisiert und haben ein Bewusstsein für Formen und Perspektiven der Klimagerechtigkeit entwickelt, dass sie für eine gerechtere Zukunft handlungsfähiger macht.
Nutzen und Mehrwert
Interdisziplinarität, Partizipation, Gesellschaftliche Mitgestaltung, Handlungsorientiert, Zukunftsorientierung
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2023
Curricular als Wahlmodul des Faches mittlerweile verankert; lässt sich konzeptionell auf Curricula anderer Fächer übertragen, ließe sich auch außerhalb der Hochschule umsetzen im Sinne von Wissenschaftskommunikation
Institutionelle Unterstützung
Fakultät für Bildunswissenschaften (Bereitstellung einer studentischen Mitarbeit)
Evaluation bei der diesjährigen Durchführung