Zuletzt aktualisiert am 30.05.2025
Kinder lernen in einer chancengerechten Schule
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Ars Docendi Kriterien
- Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
- Innovative Hochschuldidaktik
- Perspektivenerweiterung und Internationalisierung
Gruppengröße
> 150
Anreißer (Teaser)
Eine Einführungsvorlesung im Lehramtsstudium an der PH NÖ, die einen mehrperspektivischen Blick auf Diversität und Bildungsgerechtigkeit gewährt sowie Inklusion durch Rahmenbedingungen, Haltung der Lehrenden und die Gestaltung erlebbar macht.
Kurzzusammenfassung des Projekts
Die Ringvorlesung "Kinder lernen in einer chancengerechten Schule - Lernen im Horizont von Diversität und Bildungsgerechtigkeit" ist ein curricularer Bestandteil der Primarstufenausbildung im 1. Semester. Die 14 Vortragenden geben den Studierenden Einblick auf das gesellschaftliche Themenfeld "Diversität und Inklusion" aus verschiedensten Perspektiven (z.B. Bildungssoziologische, Philosophische, Rechtliche, Transitive und Intersektionaler Perspektive...). Das damit erworbene Wissen wird auch durchgängig mit den Studierenden im Kontext Schule und Bildung diskutiert, woraus ein möglichst vernetztes Fundament für ein umfassendes Inklusionsverständnis im Bildungskontext geschaffen werden soll.
Die aktive Einbindung der Studierenden in die thematische Auseinandersetzung sowie die auf ein Querschnittsverständnis abzielende Prüfung durch offene Fragestellungen impliziert außerdem inklusive didaktische Elemente. Die erforderliche Abstimmung unter den Vortragenden fördert den interdisziplinären Austausch und die Erweiterung des einzelnen Expert*innentums.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
The lecture series ‘Kinder lernen in einer chancengerechten Schule - Lernen im Horizont von Diversität und Bildungsgerechtigkeit’ is a curricular component of primary school teacher training in the 1st semester. The 14 lecturers provide students with an insight into the social topic of ‘diversity and inclusion’ from a wide range of perspectives (e.g. educational sociology, philosophy, law, transitive and intersectional perspectives...). The knowledge acquired in this way is also discussed with the students in the context of school and education, which should create a foundation for a comprehensive understanding of inclusion in the educational context that is as interlinked as possible.
The active involvement of students in the thematic discussion as well as the examination aimed at a cross-sectional understanding through open questions also implies inclusive didactic elements. The necessary coordination among the lecturers promotes interdisciplinary exchange and the expansion of individual expertise.
Nähere Beschreibung des Projekts
Die Ringvorlesung "Kinder lernen in einer chancengerechten Schule - Lernen im Horizont von Diversität und Bildungsgerechtigkeit" ist eine Grundlagenvorlesung im 1. Semester des Primarstufenlehramtsstudiums. Sie zielt darauf ab, durch einen mehrperspektivischen Blick auf Diversität, Inklusion und Bildungsgerechtigkeit bei den Studierenden ein möglichst umfassendes diversitätssensibles Fundament für ein inklusives Professionshandeln zu schaffen. Dabei wird darauf Wert gelegt, dass Gleichheit in der Unterschiedlichkeit nicht nur durch verschiedene Zugänge und Vortragende deutlich wird, sondern dass dies auch durch die aktive Einbindung der Studierenden und deren Lebenssituation in die thematische Auseinandersetzung erlebbar gemacht wird.
Die 14 Vortragenden gewähren ausgehend von Ihrer eigenen Biografie, ihrem Qualifikations- und Forschungsprofil spezifische Einblicke in die Themen Bereiche
"• Untrennbarkeit der Lernenden auf der Primarstufe: Heterogenität
• Bildungsgerechtigkeit – menschenrechtliches Fundament; internationale Diskurse
• Identifikation von Diversitätsbereichen; Intersektionale Diversität
• Vielfalt und Diskriminierung – "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" (Heitmeyer, 2002)
• Lernen und Entwicklung aus diversitätsorientierter Perspektive
• Inklusion als transdisziplinäres Kooperationsfeld: Genese und Gegenwart
• Zugänge zu einer inklusiven Digitalität
• Standards der Inklusion
• Modelle und Theorien der Inklusiven Pädagogik
• multi- und transprofessionelle Kooperation"
(Primarstufencurriculum PH NÖ 2024)
Beispielhaft hier die Vortragenden mit dem thematischen Ablauf der Ringvorlesung im vergangenen Wintersemester:
• Roswitha Lebzelter, MEd Mag.phil. Prof.: Rechtsgrundlagen im Heterogenitätsfeld Schule;
Prävention und Intervention von Benachteiligungen
• Simone Breit, Mag. Dr. PaedDr. Bakk. Hochschulprofessorin: Transitionen im
Diversitätsspektrum der Primarstufe
• Christina Hansen, Univ.-Prof. Dr.phil.: Bildung meets Raum - Von der Schulklasse zum
transformativen Bildungsraum
• Daniel Passweg, MEd Dr. BSc. Ing. MSc: Coaching und lösungsorientierte Kommunikation zur
Lern- und Entwicklungsförderung aus diversitätsorientierter Perspektive
• Erwin Rauscher, Univ.-Prof. MMag. DDr.: Philosophische Perspektive auf
Bildungsgerechtigkeit– „Über den Kreis als pädagogische Metapher“
• Tanja Prieler, Dr. BA MA MA: Sozioökonomische, genderbezogene und altersspezifische
Aspekte von Intersektionalität
• Dominik Matzinger, BA MA: Historische Perspektiven auf Bildungsgerechtigkeit
• Bogdan Shutka, BA: Kultur und Interkulturalität sowie Sprachliche Vielfalt
• Johannes Dammerer, Mag. Dr. BEd Hochschulprofessor: Soziologische Perspektiven auf
Inklusion; Diversität in sozialen Lebenskonzepten
• Christian Wiesner, MMag. Dr. Bakk. Hochschulprofessor: Entwicklung und
Bildungsgerechtigkeit
• Sabine Höflich, Mag. Dr. Hochschulprofessorin: Vielfalt und Diskriminierung; Ausgrenzung
und Selbstwirksamkeit; Mobbing und traumasensible Schule
• Kerstin Angelika Zechner, Mag. PaedDr. Bakk.phil. Dipl.-Päd. MA Prof.: Konzepte inklusiver
Pädagogik
• Claudia Rauch, Prof. MA Dipl.Päd.: Gegenwart und Zukunft der Inklusion – Barrierefreiheit,
analog und digital
• Maria-Luise Braunsteiner, Mag. Dr. Prof.: Index für Inklusion; Merkmale guter inklusiver
Schulen
Der letzte Vorlesungstermin wurde auf Wunsch der Studierenden als inhaltliche Reflexionseinheit im Teamteaching von Kerstin Angelika Zechner und Claudia Rauch moderiert. Dies bot den Studierenden die Möglichkeit, in Bezug auf die Vorbereitung auf die Prüfung potentielle, von den Vortragenden zur Verfügung gestellte Prüfungsfragen, in der Gruppe und mit fachlichem Feedback zu diskutieren und inhaltlich zu vertiefen. Da diese organisatorische Veränderung zu früheren Durchführungen der Ringvorlesung von vielen Studierenden positiv angenommen wurde und eine Besserung bei den Prüfungsleistungen bewirkt hat, wird diese Reflexionseinheit am Ende der Ringvorlesung ab dem kommenden Studienjahr von Beginn an eingeplant.
Um eine strukturierte Koordination der Lehrenden, deren abstimmenden Austausch untereinander und eine kontinuierliche Kommunikationsmöglichkeit für die Studierenden gewährleisten zu können, gibt es ein hauptverantwortliches Kernteam, das aus Claudia Rauch, Kerstin Angelika Zechner, Dominik Matzinger und Marina Camber besteht. Diese Personen beantworten Fragen der Studierenden, halten den Austausch mit den einzelnen Vortragenden aufrecht, moderieren den begleitenden Moodle-Kurs und sind für die Erstellung und Beurteilung der Prüfungen verantwortlich.
Wie bei Vorlesungsprüfungen üblich wird die Ringvorlesung "Kinder lernen in einer chancengerechten Schule" mit einer schriftlichen Prüfung abgeschlossen. Da es das Ziel ist, reines Wiedergeben von auswendig gelernten Inhalten zu vermeiden, vielmehr ein vernetztes Verständnis von Diversität, Inklusion und Bildungsgerechtigkeit angestrebt wird, können die Studierenden in 6 offenen Fragestellungen zu den verschiedenen Teilbereichen ihr erworbenes Wissen darstellen. Dabei kommen neben der Sachrichtigkeit und dem Verständnisgewinn in den Ausführungen (Wissen, Verstehen), auch die Verarbeitungstiefe (anwenden, analysieren) und die sprachliche Argumentationsangemessenheit (wissenschaftliche Begründungen) als Beurteilungskriterien zur Anwendung.
Der regelmäßige Lehrendenaustausch im Department Diversität bestätigt einen nachhaltigen Wissens- und Verständniserwerb im Bereich Inklusion. Auch wenn Studierende oft nur interessensgeleitet in bestimmten Teilbereichen im späteren Studienverlauf auf Wissen aus der Ringvorlesung zurückgreifen können, so ist doch bei einer großen Mehrheit der Studierenden ein reflektiertes, weites Inklusionsverständnis im Verstehen als Querschnittsmaterie langfristig feststellbar. Darauf kann im weiteren Studienverlauf in Lehrveranstaltungen im Orientierungsbereich "Diversität" aufgebaut, Werkzeuge inklusiver Didaktik vermittelt und damit die Basis für die Realisierung von Inklusion durch handelnde Personen im Bildungssystem gelegt werden.
Akzeptanz und Resonanz
Die Evaluierung dieser RV wird sowohl während des Semesters durch Feedback- und Reflexionsschleifen der einzelnen Vortragenden, sowie über die Online-Evaluierung am Ende des Semesters durchgeführt. Auf Rückmeldungen bzw. Anregungen der Studierenden wird ggf. wenn möglich sofort mit integrierten Maßnahmen wie z.B. Einführung einer inhaltlichen Reflexionseinheit als Vorbereitung auf die Prüfung reagiert. Rückmeldungen und Anregungen, die mehr Vorlaufzeit für Änderungen benötigen, werden aber im darauffolgenden Studienjahr versucht zu implementieren.
Da es hauptverantwortliche Personen für die Koordination und administration der Ringvorlesung gibt, ist eine durchgängige Kommunikation mit den Studierenden gewährleistet. Die Weiterentwicklung dieser Ringvorlesung seit 2021 beweist, dass sich dieser Umstand lohnt.
Nutzen und Mehrwert
Diese innovative und inklusive Vorlesung bringt auf vielen Ebenen großen Nutzen. Schon das hybride Lehrformat am Vormittag und am Abend ermöglicht es Studierenden, auch berufstätigen, an allen drei PH-Standorten (Baden, Melk und Hollerbrunn) an der Vorlesung teilzunehmen. Die aktive Einbindung der Studierenden in die inhaltliche Auseinandersetzung mit ihren eigenen Persönlichkeitsmerkmalen und Lebenssituationen eröffnet den Studierenden partizipative Räume. Partizipation ist für Studierende aber auch im Rahmen der Feedbackschleifen möglich, wodurch bereits so manche Verbesserung im Ablauf bzw. in der Gestaltung der Ringvorlesung implementiert werden konnte und weiterhin Verbesserungsvorschläge aller Beteiligten erwünscht sind.
Die mehrperspektivischen Zugänge (inkl. aus dem Ausland), eingesetzte Elemente aus der inklusiven Didaktik sowie eine transparente Leistungsbeurteilung über die Beantwortung offener Fragen intendiert Diversität und Inklusion mehr als nur vermittelte Theorie. Inklusion wird für die Studierenden erlebbar, mit Beispielen ein Praxistransfer hergestellt und damit kann ein Verständnis von Inklusion als Querschnittsmaterie grundgelegt werden, das als Fundament für weiterführende inklusionsgeleitete Lehrveranstaltungen im Rahmen des Primarstufenlehramtsstudiums dient und damit die Realisierung von Bildungsgerechtigkeit von angehenden Pädagog*innen ermöglicht.
Ein zusätzlicher Mehrwert entsteht durch die erforderliche Abstimmung der Lehrenden untereinander. Diese fördert den interdisziplinären Austausch und die Erweiterung des einzelnen Expert*innentums.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2021
Diese Ringvorlesung ist curricularer Bestandteil der Primarstufenausbildung zu Beginn des Studiums und bildet damit ein mehrperspektivisches Fundament für ein bildungspolitisch relevantes Inklusionsverständnis. Auf dieses bauen weitere Lehrveranstaltungen im Bereich Diversität (vgl. im Curriculum Orientierung "Diversität") auf.
Eine Weiterentwicklung ist weiterhin möglich und von den Rückmeldungen der Vortragenden und Studierenden möglich.
Institutionelle Unterstützung
Der PH NÖ ist der Einsatz verschiedenste*r Vortragende*r aus dem Feld "Diversität und Inklusion" sowie auch aus dem Ausland sehr wichtig. Daher wird neben Vortragenden aus der eigenen Institution auch eine Vortragende von der Universität Passau auf Honorarbasis als Vortragende integriert.
Weiters stellt die PH NÖ die infrastrukturellen Voraussetzungen für eine hybride Lehre (Übertragung auch für Studierende an den PH-Standorten Melk und Hollerbrunn) zur Verfügung.