Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
Interdisziplinäre Traumaversorgung im Medizinstudium: Simulationsbasiertes Teamtraining
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Ars Docendi Kategorie
Qualitätskultur, Studierendenzentrierung und Studierbarkeit
Ars Docendi Kriterien
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
Gruppengröße
< 20
Anreißer (Teaser)
Simulationsbasiertes Training zur interdisziplinären Traumaversorgung im 5. Studienjahr: Studierende üben medizinische und kommunikative Kompetenzen in Akutsituationen mit Fokus auf CRM, Patient/innensicherheit und interprofessionelle Zusammenarbeit.
Kurzzusammenfassung des Projekts
Im Humanmedizinstudium an der Medizinischen Universität Wien findet ein simulationsbasiertes Lehrprojekt zur interdisziplinären Traumaversorgung statt, das im klinischen Studienabschnitt verankert ist. In realitätsnahen Traumaszenarien trainieren die Studierenden die strukturierte Versorgung kritisch verletzter Patient/innen und reflektieren ihre Entscheidungen im anschließenden Debriefing.
Die Traumaversorgung ist zeitkritisch, komplex und durch parallele Zusammenarbeit mehrerer Disziplinen geprägt. Dadurch entsteht ein Umfeld mit hohem Fehler- und Konfliktpotenzial. Neben medizinischen Fertigkeiten stehen daher insbesondere nicht-technische Kompetenzen im Fokus: Kommunikation, Teamkoordination, Führungsverhalten und Entscheidungsfindung. Konzepte des Crew Resource Management (CRM) werden praxisnah angewendet, um Patient/innensicherheit durch effektive Teamarbeit zu stärken.
Da unterschiedliche Lernziele verschiedene Lehrmethoden erfordern, kombiniert das Projekt theoretische Grundlagen mit interprofessionellen Teamtrainings. Für das Training zwischenmenschlicher Fähigkeiten unter realistischem Zeit- und Entscheidungsdruck gibt es keinen gleichwertigen Ersatz zur Simulation.
Als lernerzentriertes Format passt sich die Veranstaltung an die jeweilige Gruppe an und versteht sich zugleich als Auftakt für lebenslanges Lernen: Simulationstrainings sind ein zentraler Baustein der Facharztausbildung und der kontinuierlichen Kompetenzentwicklung im Sinne der Patient/innensicherheit.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
A simulation-based teaching project on interdisciplinary trauma care is embedded in the emergency and intensive care rotation of the clinical curriculum at the Medical University of Vienna. In realistic trauma scenarios, students practise the structured management of critically injured patients and reflect on their clinical decisions during structured debriefings.
Trauma care is time-critical, complex, and characterized by the simultaneous collaboration of multiple disciplines. This creates an environment with a high potential for errors and tension. In addition to medical skills, the focus is therefore on non-technical competencies in particular: communication, team coordination, leadership behaviour and decision-making. Crew Resource Management (CRM) concepts are applied in a practical manner to enhance patient safety through effective teamwork.
Since different learning objectives require different teaching methods, the project combines theoretical principles with interprofessional team training. There is no equivalent substitute for simulation when it comes to training interpersonal skills under realistic time and decision-making pressure.
As a learner-centred format, the event adapts to the respective group and is also intended as a starting point for lifelong learning: simulation training is a central component of specialist medical training and continuous competence development in the interests of patient safety.
Nähere Beschreibung des Projekts
Im Humanmedizinstudium an der Medizinischen Universität Wien erlangen die Studierenden praktische Skills und Fähigkeiten im Laufe ihrer Studienjahre. Im fünften Und sechsten Studienjahr liegt der Fokus besonders darauf, bisher erworbenes theoretisches Wissen zu vertiefen und anzuwenden, sowie in komplexere Situationen zu verknüpfen. Daher findet im fünften Studienjahr ein praxisnahes Lehrprojekt zur interdisziplinären Traumaversorgung statt, das den Studierenden einen realitätsnahen Einblick in die komplexen Abläufe im Schockraum ermöglicht. Im Mittelpunkt steht das simulationsbasierte Lernen: In strukturierten, realitätsnahen Szenarien werden akute Notfallsituationen trainiert, analysiert und im Rahmen ausführlicher Debriefings reflektiert. Auf diese Weise können klinisch-praktische Fertigkeiten ebenso wie Entscheidungsfindung und Prioritätensetzung in einem geschützten Umfeld geübt und vertieft werden. ‚Fehler‘ dürfen hier gemacht werden – sie werden als wertvolle Lernanlässe genutzt.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der interprofessionellen Zusammenarbeit im Schockraum. Traumapatient/innen werden häufig zeitgleich von diversen Disziplinen versorgt – etwa Unfallchirurgie, Anästhesiologie, Pflegepersonen, Radiologie und Radiologietechnolog/innen. Gerade im hochdynamischen Umfeld des Schockraums ist eine strukturierte und klare Zusammenarbeit entscheidend. Studierende erleben in den Simulationen, wie wichtig definierte Rollen, geschlossene Kommunikationskreisläufe und ein gemeinsames situatives Verständnis für eine sichere Patient/innenversorgung sind.
Die Traumaversorgung ist dabei ein besonders sensibler Bereich der Medizin. Sie ist zeitkritisch, komplex und oft mit hoher emotionaler Belastung verbunden. Viele Disziplinen arbeiten unter erheblichem Druck parallel an Diagnostik und Therapie. Diese Konstellation macht den Schockraum zu einem potenziellen ‚Hotspot‘ für Missverständnisse, Spannungen und Fehlerquellen. Neben technischen Fertigkeiten gewinnen daher nicht-technische Kompetenzen zunehmend an Bedeutung. Kommunikationsfähigkeit, Teamkoordination, Führungsverhalten, Entscheidungsfindung unter Stress und gegenseitige Unterstützung sind zentrale Bestandteile der Veranstaltung. Konzepte des Crew Resource Management (CRM) werden eingeführt und praktisch angewendet, um Patient/innensicherheit durch strukturierte Teamarbeit nachhaltig zu fördern.
Da unterschiedliche Lernziele verschiedene Lehrmethoden erfordern, kombiniert das Projekt die medizinischen Grundlagen mit interprofessionellen Teamtrainings. Während theoretische Grundlagen und strukturierte Algorithmen auch in Seminaren oder Fallbesprechungen vermittelt werden können, braucht es für das Training interdisziplinärer Teamarbeit eine gewisse klinische Erfahrung und Professionalität. Um den komplexen Anforderungen eines realitätsnahen Teamtrainings gerecht zu werden, wurde das Projekt daher gezielt im Tertial Notfall- und Intensivmedizin des klinischen Studienabschnitts verankert. Zu diesem Zeitpunkt verfügen die Studierenden über die notwendige fachliche Basis und sind im Studium bereits weit genug fortgeschritten, um Verantwortung im Team zu übernehmen und Rollen bewusst zu reflektieren. Insbesondere für das Einüben zwischenmenschlicher Fähigkeiten in Stresssituationen – wie Kommunikation unter Zeitdruck, Führung, Konfliktmanagement oder situatives Bewusstsein – gibt es bislang keinen gleichwertigen Ersatz zur Simulation. Sie ermöglicht es, Dynamiken erfahrbar zu machen, Emotionen zuzulassen und im strukturierten Debriefing gezielt aufzuarbeiten.
Die Lernziele des Seminars wurden folgendermaßen formuliert und an das Miller Level 3 (‚shows‘) angepasst:
1. Am Ende des Tertialseminars „Trauma- und Schockmanagement“ sollen die Studierenden alle Bestandteile des cABCDE-Schemas benennen und in der Praxis anwenden können.
(Kognitives Lernziel)
2. Am Ende des Tertialseminars „Trauma- und Schockmanagement“ können die Studierenden den Patient/innenzustand einschätzen und Prioritäten setzten.
(Affektives Lernziel)
3. Am Ende des Tertialseminars „Trauma- und Schockmanagement“ können die Studierenden eine Blutstillung mittels Tourniquet durchführen.
(Psychomotorisches Lernziel)
4. Am Ende des Tertialseminars „Trauma- und Schockmanagement“ nützen die Studierenden CRM-Kriterien zur Etablierung einer effizienten Teamstruktur.
(Affektives Lernziel)
Das Lehrprojekt verfolgt insgesamt einen studierendenzentrierten Ansatz. Die Szenarien und die Lernumgebung werden an den jeweiligen Kenntnisstand und die Bedürfnisse der Gruppe angepasst. Dadurch können individuelle Stärken gefördert und Unsicherheiten gezielt aufgegriffen werden. Die Teilnehmenden erhalten konstruktives Feedback und Raum zur Selbstreflexion, was nachhaltiges Lernen unterstützt.
Gleichzeitig bildet das Projekt einen wichtigen Auftakt für das lebenslange Lernen. Es bietet einen ersten Einblick in simulationsbasierte Trainingsformate, die in der Facharztausbildung sowie im weiteren Berufsleben einen festen Stellenwert haben. Simulationstrainings stellen einen zentralen Baustein kontinuierlicher Kompetenzentwicklung dar und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Patient/innensicherheit. Die Veranstaltung vermittelt somit nicht nur Wissen und Fertigkeiten für den Moment, sondern legt auch den Grundstein für eine professionelle Haltung, die kontinuierliche Weiterentwicklung als selbstverständlichen Bestandteil der medizinischen Karriere begreift.
Unterrichtet wird das Lehrformat von Simulationstrainer/innen die eine spezielle Ausbildung zur Durchführung von Trainings sowie Debriefings haben. Die meisten Lehrenden dieses Seminars sind außerdem Trainer/innen im Universitären Simulationszentrum Wien, das als Kooperation der Medizinischen Universität Wien und des Wiener Gesundheitsverbundes Simulationstrainings im postgraduellen Bereich anbietet. Simulationstrainings sind im Vergleich zu anderen Unterrichtsformaten eher personalintensiv, sind jedoch für das Training von Teamkompetenzen nicht wegzudenken. Im Sinne der Patient/innensicherheit stellt das Training kritischer Situationen im Rahmen von Simulationstrainings einen zentralen Bestandteil der medizinischen Versorgung dar und sollte vom Medizinstudium an die gesamte weitere berufliche Laufbahn begleiten.
Akzeptanz und Resonanz
Das Lehrprojekt wird von den Studierenden sehr gut angenommen. Bezugnehmend auf die Evaluationsberichte der letzten 12 Monate haben 98% der Studierenden das Curriculumelement positiv bewertet. 71% fanden das Seminar ‚sehr gut‘ und weitere 27% ‚eher gut‘.
Rückmeldungen der Studierenden im Rahmen der Evaluationsberichte:
- „Das Seminar Prähospitales Traumamanagment und Schockmanagment war wirklich sehr gut und die Simulationssituationen können ruhig öfter im Studium auf eine ähnliche Art in Seminaren vorkommen.“
- „Mit mehr Simulations Trainings! Davon profitieren wir am meisten.“
- „Die Seminare waren sehr lehrreich und ein gutes Training für Notfallsituationen.“
Nutzen und Mehrwert
Das Lehrprojekt bietet einen hohen didaktischen und klinischen Mehrwert, indem es die Lücke zwischen theoretischem Wissen und praktischer Anwendung gezielt schließt. Komplexe Inhalte der Traumaversorgung werden im Rahmen der Simulation in einen realistischen, klinischen Kontext eingebettet. Studierende lernen, Leitlinien und Algorithmen nicht nur zu kennen, sondern sie unter realitätsnahen Bedingungen strukturiert anzuwenden und situationsgerecht anzupassen.
Ein zentraler Nutzen des Projekts liegt in der Förderung der Patient/innensicherheit. Simulation ermöglicht es, kritische Situationen ohne Risiko für reale Patient/innen zu trainieren. Fehler, Unsicherheiten und Missverständnisse können offen thematisiert und im Debriefing analysiert werden. Dadurch wird ein Sicherheitsbewusstsein entwickelt, das über fachliche Exzellenz hinausgeht und Aspekte wie Teamkommunikation, situatives Bewusstsein und Fehlermanagement einschließt.
Darüber hinaus stärkt das Projekt gezielt die interprofessionelle Zusammenarbeit. Die Teilnehmenden entwickeln ein besseres Verständnis für die Rollen, Kompetenzen und Perspektiven anderer Berufsgruppen im Schockraum. Dies fördert gegenseitigen Respekt, reduziert Hierarchiebarrieren und verbessert die Effizienz sowie Qualität der gemeinsamen Entscheidungsfindung – Faktoren, die nachweislich mit besseren Behandlungsergebnissen assoziiert sind.
Ein weiterer Mehrwert besteht in der nachhaltigen Kompetenzentwicklung. Durch das erlebnisbasierte Lernen werden Inhalte tiefer verankert als durch rein kognitive Lehrformate. Die strukturierte Reflexion unterstützt die Entwicklung professioneller Handlungsmuster, die auch in neuen und unerwarteten Situationen abrufbar bleiben. Gleichzeitig erleben die Studierenden Simulation als effektives Lerninstrument und als festen Bestandteil moderner medizinischer Aus- und Weiterbildung.
Insgesamt leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Vorbereitung auf den klinischen Alltag. Es stärkt Handlungssicherheit, Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit und legt damit eine zentrale Grundlage für eine qualitativ hochwertige, sichere und patient/innenzentrierte Versorgung – sowohl im Studium als auch im weiteren Verlauf der medizinischen Karriere.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2023
Das Lehrprojekt ist langfristig als fixer Bestandteil des klinischen Studienabschnitts im Tertial Notfall- und Intensivmedizin an der Medizinischen Universität Wien verankert. Es dient nicht nur der einmaligen Wissens- und Kompetenzvermittlung, sondern ist ein nachhaltiger Baustein der medizinischen Ausbildung. Durch den studierendenzentrierten Aufbau können Inhalte, Szenarien und Lernziele kontinuierlich an neue curriculare Anforderungen, aktuelle Leitlinien sowie an den jeweiligen Ausbildungsstand der Studierenden angepasst und weiterentwickelt werden. Die Einbindung speziell ausgebildeter Simulationstrainer/innen gewährleistet eine hohe didaktische Qualität und ermöglicht eine laufende Weiterentwicklung der Trainings- und Debriefingkonzepte.
Darüber hinaus bildet das Projekt einen Auftakt für lebenslanges Lernen, da simulationsbasierte Trainingsformate auch in der Facharztausbildung und im späteren Berufsleben einen festen Stellenwert haben. Dadurch entsteht eine inhaltliche und methodische Kontinuität zwischen Studium, postgradueller Ausbildung und klinischer Praxis.
Das zugrunde liegende Konzept ist in hohem Maße übertragbar. Die Kombination aus simulationsbasiertem Lernen, interprofessionellem Teamtraining und Fokus auf nicht-technischen Kompetenzen lässt sich auf andere Lehrveranstaltungen innerhalb der Universität sowie an anderen Hochschulen anwenden. Ebenso ist eine Übertragung auf außerhochschulische Lehrsituationen möglich, beispielsweise in der postgraduellen Weiterbildung, in Krankenhäusern oder im Rahmen von Simulationstrainings für interprofessionelle Teams.
Institutionelle Unterstützung
Das Projekt findet im Rahmen des Pflichtcurriculums Humanmedizin an der Medizinischen Universität Wien statt. Die Räumlichkeiten, Personalressourcen für die Lehrenden sowie die zentral regulierte Evaluierung werden seitens der Hochschule zur Verfügung gestellt. Die Lehrveranstaltung findet in 6 Blöcken jeweils 5x pro Studienjahr statt und wird somit von allen Studierenden des fünften Studienjahres besucht.
Alle Lehrveranstaltungen werden online evaluiert und die jeweiligen Ergebnisse im Rahmen von jährlichen Planungssitzungen erörtert. Sollte im Rahmen der Evaluierung Handlungsbedarf notwendig sein, wird die Lehrveranstaltung für das kommende Studienjahr angepasst.