Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
Future of Work Transformation: Veränderungskompetenz durch kritischen Perspektivenwechsel
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Sorko Sabrina Romina
Das Bild zeigt schematisch den methodischen Aufbau der LV geglieder dien die Phasen Einstieg - Fachliche Fundierung - Synthese
Ars Docendi Kategorie
Gesellschafts- und Nachhaltigkeitsorientierte Lehre
Ars Docendi Kriterien
- Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
- Perspektivenerweiterung und Internationalisierung
- Partizipation und Mitgestaltung
Gruppengröße
< 20
Anreißer (Teaser)
Lehre ohne Folien und trotzdem nachhaltig? Das Konzept der LV Future of Work Transformation zeigt, wie ein innovativer Mix aus wissenschaftlicher Debatte, Technologieerlebnis und Perspektivenwechsel Studierende berührt und zum Umdenken angeregt hat.
Kurzzusammenfassung des Projekts
„Lernen entsteht im Dialog, wenn Perspektiven kollidieren“. Das Konzept der Master-LV „Future of Work Transformation“ (FoWT) behandelt die Veränderung industrielle Arbeit und die Transformation dahin. Studierende verknüpfen Inhalte, um Situationen in komplexen, veränderlichen Kontexten verantwortungsvoll zu gestalten.
Zum Einstieg wurde die Vielschichtigkeit von FoW im Brainstorming verdeutlicht. Ein Walk & Talk ermöglichte es, sich auszutauschen und die Lebensrealität mit dem Thema zu verbinden. Danach wurde die wissenschaftliche pro-contra Debatte als Hauptmethode vorgestellt. Provokante Aussagen, abgeleitet vom Brainstorming, wurden von Dreierteams bearbeitet: 10 Min. objektiver, wissenschaftlicher Impuls, 20 Min. Debatte, mit einer Pro und Contra Seite. Die Gesprächsführung musste ausgewogen, wertschätzend und fundiert sein. Eine Großgruppenreflexion am Ende griff weitere Ansichten auf und schloss fachliche Lücken. Am Tec-Day standen Technologieakzeptanz und das Erleben von Technologie im Fokus. Studierende testeten Technologien und dokumentierten ihre Erfahrungen mit Nutzerfreundlichkeit und Praxisrelevanz. Mit diesen Impulsen wurden in Kleingruppen verantwortungsvolle, realitätsnahe Arbeitsplätze der Zukunft designt und die mehrperspektivische Transformationsgestaltung (Mitarbeitende, Führung, Organisation) mittels World Cafe beleuchtet.
Beurteilt wurden aktive Mitarbeit, die individuelle Umsetzung der Debatte sowie eine persönliche Fachreflexion am Ende des Semesters.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
‘Learning happens in dialogue when perspectives collide.’ The concept of the master's course ‘Future of Work Transformation’ (FoWT) deals with the change in industrial work and the transformation towards it. Students synthesise content to responsibly shape situations in complex, changing corporate environments.
To start with, the complexity of FoW was illustrated in a brainstorming session. A walk & talk enabled the students to exchange ideas and connect the topic with real life experiences. Afterwards, the scientific pro-contra debate was presented as the main method. Provocative statements derived from the brainstorming session were worked on by teams of three: 10 minutes of objective, scientific input, 20 minutes of debate, with a pro and con side. The discussion had to be balanced, respectful and well-founded. A large group reflection at the end picked up on further views and filled in any gaps in knowledge. On a "Tec Day" the students focused on technology acceptance and the experience of technology. They tested technologies and documented their experiences with user-friendliness and practical relevance. With these impulses, small groups designed responsible, realistic workplaces of the future and examined multi-perspective transformation design considering employees, leadership and organisation perspectives using a World Cafe.
Active participation, individual implementation of the debate and a personal reflection on the subject at the end of the semester were assessed.
Nähere Beschreibung des Projekts
„Wahres Lernen entsteht im Dialog, wenn Perspektiven kollidieren“.
Dieser Leitsatz, orientiert am Sokratischen Dialog, ist die Basis für das Konzept der Lehrveranstaltung (LV) „Future of Work Transformation“ (FoWT). Die LV behandelt die Frage, wie sich industrielle Arbeit verändern wird und wie diese Transformation gelingen kann.
Zielgruppe und Ausgangslage:
Die LV ist am Masterstudiengang International Industrial Management im dritten Semester als integrierte LV mit 2,5 ECTS und 2 SWS verortet mit einer Anwesenheitspflicht von 80%. Der Jahrgang bestand aus 17 Studierenden, welche Vorerfahrung mit Grundlagen zu Transformationsprozessen hatten. Diese war notwendig, um im Rahmen der LV nicht nur inhaltlich über die Zukunft der Arbeit zu sprechen, sondern auch die Transformation dahin auf einem wissenschaftlich hohem, praxisnahen Kompetenzniveau (fünf und sechs nach Bloom) bearbeiten zu können. Die Gruppe war heterogen aus berufsbegleitenden und Vollzeitstudierenden zusammengesetzt. Dadurch brachten sie individuelle Lebensrealitäten ein: Technik- oder wirtschaftsorientierte berufliche Prägung, Führungserfahrung oder Erwartungshaltungen an Arbeitsplätze der Zukunft, die nicht von Berufserfahrung beeinflusst wurden. Ein weiterer Mehrwert war die Internationalität der Gruppe. So brachten Studierende aus der Ukraine, Deutschland oder Kroatien kulturelle Aspekte zur Arbeit der Zukunft mit in die Diskussionen ein.
Masterstudierende sollten lt. NQR 7 Inhalte vernetzen und zu neuen Erkenntnissen verknüpfen können, um selbstständig Situationen in komplexen, veränderlichen Kontexten, verantwortungsvoll zu gestalten. Dies gilt besonders für generalistische, dynamische Themen wie „FoW“, die breit angelegt sind und wo sich die Inhalte je nach aktuellen Entwicklungen verändern. Es gilt den Spagat zu schaffen, zwischen zufriedenstellender Ganzheitlichkeit und gleichzeitiger wissenschaftlicher Tiefe und Aktualität. Dies führte mich in der Lehrplanung zu der Erkenntnis, dass ein klassisches folien- und lehrgesprächorientiertes Lernarrangement nicht ausreicht. Ich wählte ein handlungsorientiertes Methodendesign nach dem Verständnis von Peterßen und Dubs. Eine Übersichtsgrafik der Methodenplanung wurde den Einreichunterlagen beigefügt.
Zielsetzung und Kompetenzaufbau:
Die übergeordnete Zielsetzung der LV lag im Aufbau eines ganzheitlichen Verständnisses für das komplexe Themenfeld „FoWT“, mit besonderem Fokus auf die Veränderungen industrieller Arbeitsplätze, um arbeitsplatzbezogene Transformationsprozesse beurteilen und gestalten zu können. Die Heterogenität der Studierenden begünstigte die Zielerreichung, da sie bereits viele unterschiedliche Perspektiven einbringen konnten. Diese galt es durch adäquate Austauschformate didaktisch gut einzufangen und sichtbar zu machen.
Nach der LV sollten die Studierenden folgende Kompetenzen (weiter)entwickeln:
- Die Auswirkungen von Digitalisierung auf industrielle Arbeitsplätze vernetzen.
- Kenntnisse über neue Arbeitsformen und deren rechtliche Rahmenbedingungen kritisch würdigen.
- industrielle Arbeitsplätze unter Berücksichtigung von FoW-Innovationen analysieren und konstruieren.
- Themen wie Technologieakzeptanz, Mitarbeitendenführung und Organisationsentwicklung in der Gestaltung berücksichtigen.
- die Transformation aus Sicht der Organisation, des Managements, sowie von Mitarbeitenden reflektieren.
Zentrale Methoden des Lehr-Lernkonzepts:
Zum Einstieg war es wichtig, den Studierenden die Breite des Themas vor Augen zu führen und sie in ihrer Lebensrealität abzuholen. So eröffnete ich die LV mit der Aussage: „Sie wundern sich vielleicht, dass es keine Folien gibt. Ich werde Ihnen zeigen warum.“ Danach machten wir ein Brainstorming, was sie unter FoW verstünden. Dabei entstand eine große Fülle an Themen, von neuen Technologien über agile Strukturen bis zu Arbeitszeit- und ortmodellen oder neuen Führungsansätzen und Empowerment. Es wurde klar, dass es in der LV darum geht, sich mit aktuellen Themenstellungen auseinanderzusetzen und viele Fachdimensionen und Perspektiven zu verknüpfen. Nach dem Eintauchen in das Thema fand ein Walk & Talk statt, um sich in verschiedenen Paarungen über persönliche bisherige Anknüpfungspunkte auszutauschen und die individuelle Lebensrealität weiter mit FoW zu verbinden.
Nachdem sich jede:r mit Aspekten der LV identifizieren konnte, wurde die zentrale Methode der LV vorgestellt: die wissenschaftliche pro-contra Debatte. Die Themen dazu entstanden im gemeinsamen Brainstorming, um sie aktiv an der Konzeption der Lehrplanung zu beteiligen. Es wurde der Ablauf der Methode erklärt und auf die Regeln für eine gute Debatte eingegangen. Als Inhalte dienten provokante Aussagen wie „New Work und Industrie 5.0 – Vision oder Utopie?“, die von Dreierteams bearbeitet wurden. Eine Person hielt einen 10-minütigen objektiven, wissenschaftlichen Fachimpuls, damit die Zuhörer:innen der Debatte auch inhaltlich folgen konnten. Im Anschluss fand eine 20-minütige Debatte statt, wo die beiden anderen Studierenden jeweils die Pro und die Contra Seite vertraten. Die Gesprächsführung musste entsprechend der Debattenregeln ausgewogen, wertschätzend sowie argumentativ fundiert und hochwertig sein. Nach Abschluss der Debatte fand eine allgemeine Reflexion in der Großgruppe statt, um weitere Ansichten aufzugreifen, etwaige fachliche Lücken zu schließen und fachliche Fragen zu klären. Inhaltlich gab es von mir außer der Leitfrage keine Vorgaben. So hatten die Studierenden die Möglichkeit, sich frei in der Schwerpunktsetzung zu entfalten und Argumente und Aspekte aufzugreifen, die aus ihren Lebensrealiäten als am wesentlichsten oder interessantesten wahrgenommen wurden. Die erarbeiteten Debattenunterlagen wurden den Studierenden als Langfristträger zur Verfügung gestellt. Dadurch konnten sie für alle weiteren Schritte im Rahmen der LV auf den Fachunterlagen aufbauen und die Inhalte auch nach der LV für die Integration in ihre eigene Lebensrealität nutzen. Mit den Erkenntnissen aus den Debatten erstellten die Studierenden kollektiv ein „FoW Manifesto“, wo sie die wesentlichsten Rahmenbedingungen für die industrielle Arbeit der Zukunft formulierten und priorisierten.
Neben der Auseinandersetzung mit relevanten Themenstellungen im Debatten-Format, stand das Erleben und wissenschaftlich fundierte Begreifen von Technologie im Zentrum der LV. Das didaktische Format dazu nannte ich Tec-Day. Da die Anzahl der Teilnehmenden nicht restlos durch drei teilbar war, benötigte ich eine Alternative zur Debattenführung, die auch von weniger als drei Personen umgesetzt werden kann. Inhaltlich bot sich das Thema der Technologieakzeptanz an, welches entweder im Debattenformat oder als Fachimpuls in Kombination mit der Entwicklung eines Workshopdesigns bearbeitet werden kann. So bereiteten zwei Studierende einen objektiven wissenschaftlichen Impuls auf und entwarfen zudem ein Workshopsetting zum Erleben von Technologieakzeptanz. Dieses wurde dann im Rahmen des Tec-Day - ergänzt durch meine Anmerkungen - umgesetzt.
Der Tec-Day folgte dem Ansatz „Tell me and I forget. Teach me and I remember. Involve me and I learn.“ Die Zielsetzung bestand darin, die Potentiale und Grenzen digitaler Technologien – mit besonderem Schwerpunkt auf arbeitsrelevante Assistenztechnologien wie immersiver Datenbrillen, KI-Systeme und Exoskelette nicht nur theoretisch zu bearbeiten, sondern auch persönlich zu erfahren. Nach dem Fachinput zur Technologieakzeptanz probierten die Studierenden die Technologien zunächst ohne Anweisung aus und dokumentierten ihre Erfahrungen mit Nutzerfreundlichkeit und Praxisrelevanz. So spürten die Studierenden die Notwendigkeit der Technologieakzeptanzparameter direkt und konnten die Aspekte aus der Theorie auf die Praxis umlegen.
Nach dem Vertiefen, mittels Debatten und Tec-Day, wurden die gewonnenen Erkenntnisse auf das Design von zukünftigen Arbeitsplätzen im Sinne des Problem Based Learning umgesetzt. Es galt, die erarbeiteten Themenfelder (Arbeitsrecht, Organisationsdesign, digitale Technologien etc.) zu verknüpfen und verantwortungsvolle, sowie realitätsnahe Arbeitsplätze der Zukunft zu gestalten. In vier Kleingruppen wurden unterschiedliche zukünftige Arbeitsplätze ganzheitlich entworfen und vorgestellt. Das Ergebnisformat stand den Studierenden frei, wobei ich dazu ermutigte, die Potentiale von KI, die in einer der Debatten diskutiert wurden, auszuprobieren. Dies griffen die Gruppen auf, um die Präsentation zu vertonen, Bilder zu generieren oder Videomaterial aufzubereiten.
Die entwickelten Arbeitsplätze dienten als Grundlage für die mehrperspektivische Transformationsgestaltung. Dabei wurde die Frage gestellt, was im Sinne des Transformationsmanagements passieren muss, um bestehende Arbeitsplätze zu zukünftigen Arbeitsplätzen zu verändern. Dabei nahmen die Studierenden in einem World Cafe unterschiedliche Sichtweisen ein: die der Arbeitskraft, der Führungskraft dieser Arbeitskraft und die der gesamten Organisation. Diese mehrperspektivische Erarbeitung wurde am Abschluss der LV in der Großgruppe reflektiert. Es wurden Ziel- bzw. Interessenskonflikte besprochen und die Erkenntnisse einem Realitätscheck unterzogen, indem die Studierenden diese Erfahrungen auf ihre bisherigen beruflichen Erfahrungen umlegten. Zudem hatten die Studierenden an dieser Stelle die Möglichkeit, für sie weitere interessante, anknüpfende Themenbereiche einzubringen. Dadurch wurden sie eingeladen, sich entsprechend ihrer Bedürfnisse aktiv bei der inhaltlichen Ausrichtung der Lehrveranstaltung zu beteiligen. So wurden Themenbereiche wie neue Kompetenzanforderungen diskutiert und die Frage bearbeitet, wie ein Unternehmen solche Fachkräfte tatsächlich finden könne.
Dem Weingartener Modell folgend, war neben der inhaltlichen und methodischen Gestaltung ein optimales Lehr-Lernarrangement wesentlich. Die Lehreinheiten sollten in Bezug auf Länge der Einheitenblöcke, Abhaltungsform und Raumgestaltung stimmig sein. So fand die LV primär in Präsenz, in einem innovativen Umfeld, dem Smart Production Lab, statt, wo Kreativzonen, das Auditorium und digitale Technologien genutzt wurden. Für den Fachinhalt „Remote Working und digitales Führen“ wurde ein online-setting über MS Teams gewählt.
Auch das Beurteilungsformat sollte zum innovativen Charakter der LV passen. Demnach wurden aktive Mitarbeit, die individuelle Ausarbeitung und Umsetzung im Rahmen der Debattenführung sowie eine persönliche Fachreflexion am Ende des Semesters beurteilt. Bei der individuellen Ausarbeitung und Umsetzung wurden die fachliche Qualität, die fachliche Tiefe, sowie die generelle Aufbereitung im Sinne von Formalia, Verständlichkeit etc. beurteilt. Die persönliche Fachreflexion wurde zunächst schriftlich von den Studierenden erstellt und dann mündlich in einem Einzelgespräch näher beleuchtet. Diese diente im Sinne des Regelkreisdenkens von Deming[SS12] dazu, die Ergebnisse der LV wieder mit der individuellen Lebensrealität zu verknüpfen und so eine nachhaltige Verankerung zu erreichen.
Besonderheiten des Lehrprojekts:
Die Besonderheiten des Lehrprojekts noch einmal zusammengefasst:
- Einzigartiges, nachhaltig wirkendes Lehrkonzept (nach Rückmeldungen der Studierenden) unabhängig von der Ausgangssituation der Studierenden
- Anknüpfen an die Lebensrealität jeder/jedes Studierenden individuell
- Maximaler Aktivitätsgrad der Studierenden durch gemeinsames Erarbeiten und reflektieren der Inhalte
- Beleuchten einer Vielzahl an Themen und Perspektiven in einem kompakten LV Format
- Großer Freiraum für die Studierenden zur persönlichen Entfaltung und damit Entwicklung unterschiedlichster Kompetenzbereiche
Zusammenfassend hat das Ergebnis des methodischen Aufbaus der LV mein gesetztes Ziel deutlich übertroffen. Ich bin berührt, dass es die LV geschafft hat, die Studierenden emotional und persönlich auch außerhalb der LV zu bewegen und zu echten Perspektivenwechseln geführt hat.
Akzeptanz und Resonanz
Das Lehrprojekt wurde überdurchschnittlich positiv von den Studierenden bewertet. Über 76% haben evaluiert und mich ermutigt (13 von 13), das Lehrkonzept auch zum FH-internen Teachingaward im Sommer 2026 einzureichen. 13 von 13 beurteilten die Gesamtqualität der LV sowie die Wahl der didaktischen Methoden mit sehr gut. Einzig eine Rückmeldung wünschte sich noch mehr Individualisierung. Daraus nehme ich mir für die kommenden Jahre mit, noch mehr auf die heterogenen Rahmenbedingungen der Gruppe einzugehen und insbesondere jene Studierende besser abzuholen, die keine berufliche Vorerfahrung haben.
Auch die persönlichen schriftlichen Fachreflexionen der Studierenden zeigten ihr großes Interesse und ihren Mehrwert durch die Lehrveranstaltung. So gaben sie beispielsweise an, selten so viel außerhalb der LV über die Fachinhalte weiterdiskutiert zu haben, oder auch die Inhalte direkt in ihren Unternehmen thematisiert zu haben. Hierzu habe ich Auszüge aus Reflexionsberichten von Vollzeit und berufsbegleitenden Studierenden als Dokument beigelegt.
An dieser Stelle möchte ich Zitate aus der Evaluierung der Studierenden nennen, die gesammelte Evaluierung wurde als Dateiupload bereitgestellt:
- „Debatten und anschließende Diskussion war eines der besten Konzepte im ganzen Studiengang.“
- „Bei kaum einer / wenigen Vorlesungen im Master ähnlich viel Beteiligung der Studierenden.“
- „Der offene Stil der LV war eine willkommene Abwechslung zum üblichen Curriculum. Speziell die Debatten waren eine großartige Idee, um sich in andere Perspektiven zu versetzen.“
- „Durch Formate wie Debatten, Diskussionen, Präsentationen, Gruppenarbeiten und praktische Versuche wurde Wissen aktiv und kreativ erarbeitet, angewandt und vertieft. Es war eine der besten LV, wenn nicht sogar die beste LV, die wir je an der FH hatten.“
- „Diese offene, wertschätzende Art mit viel Zeit zum Reflektieren, Nachdenken und Austausch ist unglaublich gut.“
- „Sehr gute lehrreiche LV die durch die eingesetzten Methoden zu einer fachlichen aber auch persönlichen Weiterentwicklung geführt hat.“
Ein weiteres Zeichen für die positive Resonanz der LV war, dass die Studierenden sich aktiv wünschten, sich auch außerhalb der LV weiter mit mir über die Future of Work Transformation auszutauschen. Daher organisierte ich einen freiwilligen Future of Work Talk, an dem 6 von 17 Studierenden in ihrer Freizeit trotz teilweiser Berufstätigkeit teilnahmen.
Besonders freute mich, dass mir viele Studierende ihre Unterstützung bei der Erstellung dieser Einreichunterlagen anboten und auch bereit waren, ihre Gedanken zur LV in einer kurzen Videobotschaft kundzutun. Diese Rückmeldungen sind im beigefügten Videoclip ersichtlich.
Nutzen und Mehrwert
Der besondere Mehrwert der LV aus didaktischer Sicht liegt in der Themenoffenheit und Flexibilität. Durch das inhaltlich offene Konzept besteht die Möglichkeit, unmittelbar auf Future of Work-relevante Veränderungen wie neue rechtliche Vorgaben, aktuelle Technologieentwicklungen oder Trends und soziale Strömungen zu reagieren. Dies nicht nur vor der LV, sondern durch die Themenoffenheit am Ende der LV bleibt die Möglichkeit, auch während des Semesters auftretende Ereignisse aufzugreifen. Auch den von den Studierenden angeregten Future of Work Talk außerhalb der LV werde ich zukünftig beibehalten, um Trends und Entwicklungen zwischen LV Ende und dem Talk (in Etwa 3 Monate) mit interessierten Studierenden zu beleuchten.
Der besondere Mehrwert aus Studierendensicht ist die ausgeprägte Erweiterung des eigenen Erwartungshorizontes, die sich insbesondere durch das Beschäftigen mit Pro und Contra-argumenten sowie zahlreichen Perspektivenwechseln ergibt. Auch die damit zusammenhängende Emotionalisierung durch Methoden wie den Walk&Talk oder das Versetzen in unterschiedliche Rollen begünstigten dies. Diese Erfahrungen meldeten sehr viele der Studierenden zurück.
Weiters wurde die Möglichkeit der Diskussion auch nach Abschluss der LV als Mehrwert von den Studierenden wahrgenommen, was die Bereitschaft zur freiwilligen Teilnahme am Future of Work Talk zeigt.
Als Alleinstellungsmerkmal betrachte ich das innovative Hochschuldidaktik-Konzept. Die LV verfügt über keine vorgefertigten Unterlagen, sondern lebt vom Engagement und der Erfahrung der Studierenden. Die Rückmeldungen der Studierenden bestätigen, dass kaum eine bzw. keine andere LV im Studium einen solch hohen Grad an Erfahrungsaustausch, Reflexion und Perspektivenwechsel aufweist. Auch das Format der wissenschaftlichen Pro-Contra-Debatte habe ich bislang in keiner anderen LV bei uns am Institut erlebt und auch das wurde mir von den Studierenden bestätigt. Das persönliche Erleben von Technologie rundet die Lernerfahrung ab.
Übertragbarkeit und Langlebigkeit
Das Projekt läuft seit 2025
Das Lehrkonzept wird weiterhin für die LV Future of Work Transformation umgesetzt und, dem Regelkreisdenken von Deming folgend, auf Basis der Evaluierungsergebnisse sowie mündlichen Reflexionen weiter verbessert.
Insgesamt lassen sich Elemente aus der LV jedenfalls auf andere LV umsetzen. Insbesondere die Pro-Contra-Debatte sollte auf Masterniveau häufiger eingesetzt werden, um Entwicklungen, Konzepte und Theorien diverser Fachdisziplinen zu bearbeiten. Die Elemente des Perspektivenwechsels sind ebenfalls transferierbar, insbesondere für solche LV, die sich mit unterschiedlichen Rollen beschäftigen wie beispielsweise die Unternehmen-Kunden-Sicht, die Perspektiven von Lieferanten oder anderen Stakeholdern.
Auch außerhalb der Hochschule lassen sich Elemente der LV gut umsetzen. Von Vorteil ist dabei, dass das Smart Production Lab und dessen Infrastruktur auch für externe Zielgruppen nutzbar ist. Beispielsweise setze ich das offene Erfahrungslernen inkl. Reflexion des Tec-Day sowie das World-Cafe zur Transformation bereits bei Unternehmen ein, die eine Technologie einführen wollen. Auch die Reflexionen der berufsbegleitenden Studierenden zeigen, dass sie viele der Inhalte und Methoden auch in ihre berufliche Praxis integrieren wollen, um ähnliche Entwicklungen wie ihre eigene im jeweiligen Unternehmen zu erreichen.
Institutionelle Unterstützung
Da es sich bei dem vorgestellten Projekt um das Konzept für eine in einem regulären Masterstudiengang integrierte LV handelt, besteht neben der klassischen Studienplatzfinanzierung keine weitere finanzielle Förderung.
Positiv wirkt sich die bestehende innovative Infrastruktur des Instituts aus. Das Smart Production Lab ist eine hoch innovative Lehr- und Forschungsinfrastruktur, die ideal zum innovativen Charakter der LV passt und ein innovatives Arbeitsumfeld ermöglicht.
Die im Rahmen des Tec-Day verwendeten digitalen Technologien sind Forschungsgegenstände des Forschungsbereichs „Arbeit der Zukunft“ welche von mir verantwortet wird. Die Anschaffung dieser erfolgt überwiegend im Rahmen von Forschungsprojekten oder ist das Ergebnis von internen Technologiescreenings, um laufend aktuell zu bleiben. Diese Investitionsbereitschaft des Instituts ermöglicht es mir in der LV auch in den kommenden Jahren stets mit aktuellen, digitalen Technologien arbeiten zu können.
Unterstützend wirkte auch die Administration, die es ermöglichte, die Lehreinheitsblöcke zeitlich und betreffend der Dauer zu planen, dass sie das didaktische Konzept der LV optimal unterstützen.
Darüber hinaus gehende Unterstützung durch die Organisationseinheit oder durch weiteres Personal gab es diesmal nicht. Sollte die Gruppe der Studierenden in den kommenden Jahren jedoch deutlich größer werden, so würde ich insbesondere für den Tec-Day Unterstützung in der Betreuung der Studierenden bekommen.
Wie beschrieben, folge ich in meiner Lehrplanung dem Regelkreisdenken nach Deming. Demnach Plane ich die LV, führe sie durch, hole Feedback ein und adaptiere das Konzept entsprechend. Wie bereits ausgeführt, war das Feedback der Studierenden zur Qualität der LV überdurchschnittlich positiv, mit einer einzelnen Anmerkung, noch mehr individuell auf die Studierenden einzugehen. Dieses Feedback habe ich aufgegriffen und wie folgt im Lehrkonzept umsetzen: 1. Bereits zu Beginn der LV werde ich die Wichtigkeit der Heterogenität der Gruppe betonen und aufzeigen, welchen Mehrwert die beruflich nicht vorgeprägte Sicht der Vollzeitstudierenden hat. 2. Werde ich in den einzelnen perspektivischen Übungen, beim Design des Arbeitsplatzes sowie dem Transformations World-Cafe, die Vollzeitstudierenden aktiv ermutigen, ihre Perspektiven und Erfahrungen einzubringen. 3. Werde ich mir für die fachliche Abschlussreflexion mehr Zeit nehmen, um den Bogen noch tiefer zur individuellen Lebensrealität spannen zu können.
Darüber hinaus verfügt die FH JOANNEUM über zehn klar definierte Qualitätsziele. In der Lehrplanung und nach Abschluss der LV wurde die Erfüllung dieser explizit überprüft und das didaktische Konzept so verfeinert, dass alle zehn Ziele deutlich, objektiv erreicht werden können. Im Zuge der Lehrplanung veranlasste mich beispielsweise das Ziel „Aktualität und Qualität der Modul-/LV-Inhalte werden durch angewandte Forschung und Entwicklung unterstützt“ an geeigneten Stellen in der Diskussion auch Erkenntnisse über vergangene und aktuelle Forschungsprojekte einfließen zu lassen (zB über I5.0 relevante Workforce Skills, wie wir sie im EU Projekt Bridges 5.0 erforschen).