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Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026

Clinical Case Discussions in Oncology – Fallorientiertes Near-Peer-Teaching zur Förderung klinischen Denkens

Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung

Hannah Puhr

Lehrkonzept der Clinical Case Discussions. Kurssetting mit präsentierender Studierendenperson, moderierender Doktoratsstudierendenperson (Assistenzärzt:in), diskutierenden Studierenden unterschiedlicher Ausbildungsstufen und ärztlicher Supervision

Ars Docendi Kategorie

Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur

Ars Docendi Kriterien

  • Innovative Hochschuldidaktik
  • Studierenden- und Kompetenzorientierung
  • Perspektivenerweiterung und Internationalisierung
  • Partizipation und Mitgestaltung

Gruppengröße

20-49

Anreißer (Teaser)

Wie wünscht man sich als Patient:in die Ärzt:innen von morgen? Patienten-zentriert und

entscheidungssicher! Die Clinical Case Discussions in Oncology trainieren klinisches Denken jenseits reiner

Theorie – interaktiv und im Near-Peer-Teaching

Kurzzusammenfassung des Projekts

Das Projekt „Clinical Case Discussions in Oncology“ ist ein innovatives Lehrformat zur Förderung klinischen

Denkens in der onkologischen Ausbildung. In einem fallorientierten Near-Peer-Teaching-Ansatz diskutieren

Humanmedizinstudierende gemeinsam mit Doktoratsstudierenden, die zugleich als Assistenzärzt:innen tätig

sind, komplexe reale Fallbeispiele aus dem New England Journal of Medicine.

Humanmedizinstudierende übernehmen die strukturierte Fallpräsentation, während die

Doktoratsstudierenden als Moderator:innen fungieren und die Diskussion leiten. Ärztliche Lehrende

begleiten die Einheiten in einer beratenden Expertenrolle. Durch die schrittweise Offenlegung der

Fallinformationen wird eigenständiges differentialdiagnostisches Denken gefördert und der klinische

Entscheidungsprozess realitätsnah simuliert.

Das Wahlfach wurde über zwei Semester erfolgreich durchgeführt und umfassend evaluiert. Studierende

und Lehrende berichteten hohe Zufriedenheit, starke Lernzuwächse im klinischen Denken sowie einen

ausgeprägten Mentoring-Effekt. Das Projekt ist ressourcenschonend, didaktisch fundiert und bietet hohes

Potenzial für eine nachhaltige Integration in das Pflichtcurriculum. Es leistet damit einen wichtigen Beitrag

zur Weiterentwicklung moderner, kompetenzorientierter medizinischer Lehre

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The project “Clinical Case Discussions in Oncology” is an innovative teaching format designed to foster

clinical reasoning in undergraduate medical education. Using a near-peer teaching approach, undergraduate

medical students and doctoral candidates who concurrently work as resident physicians collaboratively

discuss complex real-life oncology cases derived from the New England Journal of Medicine.

Undergraduate students are responsible for structured case presentations, while doctoral candidates

moderate the discussions and guide the clinical reasoning process. Faculty oncologists supervise the sessions

in an advisory role without dominating decision-making. Case information is disclosed stepwise, enabling

participants to jointly develop differential diagnoses, diagnostic strategies, and management plans, closely

simulating real multidisciplinary tumor board discussions.

The elective course was implemented over two consecutive semesters and evaluated using quantitative and

qualitative methods. Results demonstrated high student and faculty satisfaction, strong perceived gains in

clinical reasoning and oncology knowledge, and a pronounced mentoring effect through near-peer

interaction. The format is resource-efficient, scalable, and well suited for integration into a longitudinal

clinical reasoning curriculum, contributing to sustainable improvement of medical education and

professional preparedness

Nähere Beschreibung des Projekts

Die Ausbildung zukünftiger Ärzt:innen steht vor der Herausforderung, neben fundiertem Fachwissen

insbesondere klinisches Denken, Entscheidungsfindung und interprofessionelle Kommunikation zu fördern.

Dies gilt in besonderem Maße für die Onkologie, ein Fachgebiet mit hoher diagnostischer und

therapeutischer Komplexität sowie ausgeprägter multidisziplinärer Zusammenarbeit. Klassische

lehrendenzentrierte Formate stoßen hier an ihre Grenzen, da sie Studierenden oft nur begrenzten Raum für

eigenständige Fallanalyse und aktives klinisches Denken bieten.

Vor diesem Hintergrund wurde an der Medizinischen Universität Wien das Wahlfach „Clinical Case

Discussions in Oncology“ entwickelt, implementiert und evaluiert. Das Lehrprojekt adaptiert das

international etablierte Format der Clinical Case Discussions erstmals systematisch für die onkologische

Lehre und erweitert es um ein innovatives Near-Peer-Teaching-Konzept. In Kleingruppen diskutieren zehn

Humanmedizinstudierende gemeinsam mit zehn Doktoratsstudierenden, die gleichzeitig als

Assistenzärzt:innen tätig sind, komplexe reale Fallbeispiele aus der Rubrik Case Records of the

Massachusetts General Hospital des New England Journal of Medicine.

Das didaktische Kernprinzip besteht in der klaren Rollenverteilung: Humanmedizinstudierende übernehmen

die strukturierte Fallpräsentation, während die Doktoratsstudierenden als Moderator:innen fungieren und

den Diskussionsprozess steuern. Ärztliche Lehrende begleiten die Einheiten in einer beratenden

Expertenrolle, ohne den klinischen Entscheidungsprozess vorwegzunehmen. Die Fallinformationen werden

schrittweise offengelegt, sodass alle Teilnehmenden gemeinsam differentialdiagnostische Überlegungen,

diagnostische Strategien und therapeutische Optionen entwickeln müssen. Dadurch wird der klinische

Denkprozess realitätsnah simuliert, wie er auch in interdisziplinären Tumorboards stattfindet.

Das Wahlfach wurde über zwei aufeinanderfolgende Semester mit insgesamt 36 Teilnehmenden

durchgeführt und mittels standardisierter quantitativer und qualitativer Evaluation umfassend analysiert.

Die Ergebnisse zeigen eine sehr hohe Akzeptanz bei Studierenden und Lehrenden. Die überwiegende

Mehrheit der Teilnehmenden berichtete deutliche Lernzuwächse sowohl im onkologischen Fachwissen als

auch im klinischen Denken. Besonders hervorgehoben wurden die hohe Interaktivität, die Arbeit in

heterogenen Lerngruppen sowie der Mentoring-Effekt durch die Einbindung klinisch tätiger Near-Peers.

Auch die ärztlichen Lehrenden bewerteten das Format als didaktisch ausgewogen, lernwirksam und

überdurchschnittlich im Vergleich zu traditionellen Lehrveranstaltungen.

Das Projekt zeichnet sich durch mehrere besondere Stärken aus: Es ist ressourcenschonend, da bestehende

Infrastruktur genutzt wird; es basiert auf hochwertigen, international anerkannten Fallmaterialien; und es

fördert gleichzeitig Lernende auf unterschiedlichen Ausbildungsstufen. Darüber hinaus stärkt das Format

nicht nur klinische Kompetenzen der Studierenden, sondern auch die didaktischen und kommunikativen

Fähigkeiten der moderierenden Doktoratsstudierenden im Sinne der CanMEDS-Rolle des „Scholar“. Ein

weiteres zentrales didaktisches Element des Projekts ist die konsequente Durchführung aller

Lehrveranstaltungen in englischer Sprache. Sowohl die Fallmaterialien als auch die Präsentationen und

Diskussionen finden vollständig auf Englisch statt. Dadurch stärken die Studierenden gezielt ihre

professionelle englische Sprachkompetenz, insbesondere im Bereich der medizinischen Terminologie, der

argumentativen Fallbesprechung und der Präsentation klinischer Entscheidungen. Dies bereitet sie auf den

Umgang mit internationaler Fachliteratur sowie auf die Teilnahme an internationalen Konferenzen vor.

Zudem wird durch das Diskutieren komplexer Fälle aus dem New England Journal mit Studierenden

unterschiedlicher Jahrgänge auch die Wissenschaftskommunikation gefördert.

Langfristig zielt das Projekt auf eine strukturelle Verankerung des Formats im Pflichtcurriculum der

Medizinischen Universität Wien ab und leistet damit einen nachhaltigen Beitrag zur Weiterentwicklung des

Clinical-Reasoning-Curriculums sowie zur Verbesserung der Employability angehender Ärzt:innen

Akzeptanz und Resonanz

Das Lehrprojekt „Clinical Case Discussions in Oncology“ wurde von Studierenden aller beteiligten

Ausbildungsstufen außerordentlich positiv aufgenommen. Die Akzeptanz des Formats ist hoch und zeigte

sich konsistent über zwei aufeinanderfolgende Semester (Wintersemester 2024/25 und Sommersemester

2025). Insgesamt nahmen 36 Studierende teil; 33 von ihnen füllten die Evaluationsfragebögen vollständig

aus (Rücklaufquote 91,7 %).

Die quantitative Evaluation ergab eine sehr hohe Gesamtzufriedenheit. 82 % der Teilnehmenden gaben an,

die Lehrveranstaltung „absolut“ weiterempfehlen zu würden, unabhängig vom Ausbildungsstand. 88 %

berichteten einen starken oder sehr starken Lernzuwachs im Bereich des klinischen Denkens, 70 % einen

starken oder sehr starken Zuwachs an onkologischem Fachwissen. Im Vergleich zu traditionellen

Vorlesungen wurde das Format überwiegend als „viel besser“ bewertet; auch im Vergleich zu anderen

fallbasierten Lehrveranstaltungen schnitt das Projekt deutlich besser ab.

Besonders positiv bewertet wurden die hohe Interaktivität, die aktive Einbindung aller Teilnehmenden sowie

die Arbeit in heterogenen Lerngruppen. 97 % der Studierenden gaben an, durch das Format zur aktiven

Teilnahme motiviert worden zu sein. Die Zusammenarbeit zwischen Humanmedizinstudierenden und

Doktoratsstudierenden wurde von 94 % als hilfreich oder sehr hilfreich eingeschätzt. Nur eine einzelne

Person äußerte den Wunsch nach einer homogenen Lerngruppe.

Auch die englische Unterrichtssprache wurde von den Studierenden gut akzeptiert. 91 % berichteten keine

oder nur geringe sprachliche Hürden; ein Großteil sah die englischsprachige Durchführung explizit als

Mehrwert für den Umgang mit internationaler Fachliteratur und klinischer Kommunikation.

Die qualitativen Rückmeldungen bestätigen die Ergebnisse der quantitativen Evaluation. Studierende hoben

insbesondere die realitätsnahe Simulation klinischer Entscheidungsprozesse, das sichere Lernklima sowie

den Mentoring-Effekt durch die moderierenden Doktoratsstudierenden hervor. Mehrfach wurde betont,

dass das Format erstmals ermögliche, klinisches Denken aktiv zu üben, anstatt vorgefertigte Lösungen zu

x x x

rezipieren. Verbesserungsvorschläge bezogen sich vor allem auf den Wunsch nach kurzen fachlichen

Zusammenfassungen durch Lehrende am Ende einzelner Einheiten, die in der Weiterentwicklung des

Projekts bereits berücksichtigt wurden.

Auch die ärztlichen Lehrenden bewerteten das Projekt sehr positiv. Alle beteiligten Lehrpersonen gaben an,

erneut teilnehmen zu wollen, und beschrieben die Balance zwischen studentischer Aktivität und ärztlicher

Supervision überwiegend als „perfekt ausbalanciert“. Mehrere Lehrende berichteten zudem von eigenen

Lerngewinnen durch das Format

Nutzen und Mehrwert

Der besondere Nutzen des Projekts liegt in der konsequenten Förderung klinischen Denkens durch ein

interaktives, partizipatives Lehrformat, das sich deutlich von traditionellen lehrendenzentrierten Ansätzen

abhebt. Studierende übernehmen aktiv Verantwortung für den klinischen Entscheidungsprozess und lernen,

theoretisches Wissen patient:innenzentriert anzuwenden.

Ein zentraler Mehrwert besteht in der Integration eines strukturierten Near-Peer-Teaching-Ansatzes. Die

Einbindung von Doktoratsstudierenden, die zugleich als Assistenzärzt:innen tätig sind, schafft eine

Lernumgebung auf Augenhöhe und ermöglicht einen gezielten Mentoring-Effekt. Dadurch profitieren

Humanmedizinstudierende von klinischer Erfahrung, während die moderierenden Studierenden ihre

didaktischen, kommunikativen und führungsbezogenen Kompetenzen weiterentwickeln.

Das Projekt fördert zudem neue Formen der Kooperation zwischen Ausbildungsstufen und stärkt soziale

sowie kommunikative Kompetenzen wie Teamarbeit, Argumentation und strukturierte Fallpräsentation. Die

konsequent englischsprachige Durchführung unterstützt darüber hinaus die professionelle Sprachkompetenz

und bereitet Studierende auf internationale Fachliteratur und interdisziplinäre Zusammenarbeit vor.

Nicht zuletzt ist das Lehrformat ressourcenschonend und flexibel einsetzbar: Es nutzt bestehende

Infrastruktur, erfordert keine zusätzlichen finanziellen Mittel und lässt sich in Kleingruppen effizient

umsetzen. Damit leistet das Projekt einen nachhaltigen Beitrag zur kompetenzorientierten

Weiterentwicklung medizinischer Lehre.

Übertragbarkeit und Langlebigkeit

Das Projekt läuft seit 2024

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass das Konzept langfristig einsetzbar und nachhaltig wirksam ist.

Aufbauend auf den Evaluationsergebnissen wird das Format kontinuierlich weiterentwickelt, insbesondere

durch klarere Strukturierung der Moderation und kurze fachliche Zusammenfassungen durch Lehrende.

Das Lehrkonzept ist in hohem Maß übertragbar. Es basiert auf einem etablierten didaktischen Rahmen

(Clinical Case Discussions) und kann ohne wesentliche Anpassungen auf andere klinische Fächer übertragen

werden. Ebenso ist eine Implementierung sowohl in Wahl- als auch Pflichtlehrveranstaltungen möglich,

sofern Kleingruppenformate realisierbar sind. Auch außerhalb der eigenen Hochschule ist das Konzept gut

adaptierbar, da es keine spezifischen institutionellen Voraussetzungen erfordert.

Langfristiges Ziel ist die Integration des Formats in das Clinical-Reasoning-Curriculum der Medizinischen

Universität Wien sowie eine Ausweitung auf weitere Lehrveranstaltungen und Ausbildungsstufen

Institutionelle Unterstützung

Das Projekt wird seitens der Medizinischen Universität Wien institutionell unterstützt, insbesondere durch

die Bereitstellung von Infrastruktur und personellen Ressourcen. Die Lehrveranstaltungen finden in

universitären Seminarräumen statt, die kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Ärztliche Lehrende der

Klinischen Abteilung für Onkologie beteiligen sich regelmäßig an der Durchführung und Supervision der

Einheiten.

Für die Doktoratsstudierenden ist die Teilnahme curricular verankert und kann als verpflichtendes

Praktikalseminar im Rahmen des Doktoratsstudiums angerechnet werden. Dadurch ist eine nachhaltige

personelle Einbindung gewährleistet, ohne zusätzliche finanzielle Mittel zu benötigen. Es entstehen keine

externen Kosten für Lehrmaterialien oder Organisation.

Evaluation erfolgt am Beginn sowie am Ende des Kurses mittels standardisierter, anonymer OnlineFragebögen über die universitäre Lernplattform Moodle. Dabei werden sowohl quantitative Likert-Skalen als

auch qualitative Freitextantworten erhoben.

Die Evaluationsergebnisse werden systematisch ausgewertet und fließen direkt in die Weiterentwicklung

des Lehrkonzepts ein. Konkrete Anpassungen – etwa die Einführung strukturierter fachlicher

Zusammenfassungen oder die gezielte Schulung der Moderator:innen – wurden unmittelbar aus dem

Studierenden- und Lehrendenfeedback abgeleitet und bereits umgesetzt.

Durch diesen kontinuierlichen Feedback- und Anpassungsprozess wird die Qualität der Lehrveranstaltung

laufend gesichert und weiterentwickelt.