Zuletzt aktualisiert am 12.06.2026
Beteiligung der Universität Innsbruck an der Sommeruniversität Hohenems, wechselnder Titel
Bei dem Projekt handelt es sich um ein neues Projekt / eine wiederholte Einreichung
Jüdisches Museum Hohenems
Ein Seminar an der Sommeruniversität Hohenems
Ars Docendi Kategorie
Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Ars Docendi Kriterien
- Innovative Hochschuldidaktik
- Studierenden- und Kompetenzorientierung
- Perspektivenerweiterung und Internationalisierung
- Partizipation und Mitgestaltung
Gruppengröße
20-49
Anreißer (Teaser)
Jüdische Studien an der Universität Innsbruck: Ein Sommererlebnis in Hohenems
Kurzzusammenfassung des Projekts
Die Sommeruniversität widmet sich jedes Jahr in breiter, interdisziplinärer Perspektive thematischen Schwerpunkten, die für Studierende der Judaistik und der jüdischen Studien, der Geschichtswissenschaften, der Literaturwissenschaften, wie auch anderen kulturwissenschaftlichen Disziplinen gleichermaßen von Interesse sind. Es werden damit zugleich Querschnittsfragen und Beziehungen der wissenschaftlichen Disziplinen zu allgemeinen sozialen, politischen und kulturellen Herausforderungen der Gegenwart erörtert. Dabei werden die spezifischen Arbeitsmöglichkeiten des Jüdischen Museums (Ausstellungen, Sammlung, Bibliothek) und die charakteristische Umgebung des Jüdischen Viertels, des jüdischen Friedhofs oder auch der Fluchtwege am Alten Rhein für eine dichte Arbeitsatmosphäre genutzt, die Studierenden und Lehrerenden für eine Woche Gelegenheit gibt, sich auch jenseits der formellen Lehrveranstaltungen intensiv auszutauschen.
Die Lehrveranstaltung fordert ein innovatives Format, das durch das Entwickeln und Betreuung eines "reflective learning journal" mit Erfolg durchgeführt wurde.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
Since 2009 the Jewish Museum in Hohenems organizes – together with different Universities in Austria, Germany and Switzerland – a yearly European Summer University for Jewish Studies (ESUJS). The event takes place over a whole week, in which students attend lectures and seminars taught by prominent scholars from different universities and countries. The academic topics change every year, and they are always innovative and connected to actual events. During this week students have also the opportunity to acquire basic knowledge in Jewish languages. Universität Innsbruck participates since 2022 in the Summer University with a course coordinated and taught by Dr. Noam Zadoff.
The eclectic character of this event poses a challenge for preparing a coherent course, that will reflect the diversity of the event and bring together the different topics and teachers. To answer this challenge and in order to be able to evaluate the course, the student write a reflective learning diary, which the Dr. Zadoff closely accompany throughout and after the week in Hohenems.
Nähere Beschreibung des Projekts
1. Einleitung
Seit 2009 organisiert das Jüdische Museum Hohenems gemeinsam mit verschiedenen Universitäten in Österreich, Deutschland und der Schweiz jährlich die Europäische Sommeruniversität für Jüdische Studien (ESUJS). Die einwöchige Veranstaltung bietet Studierenden die Möglichkeit, Vorlesungen und Seminare von renommierten Wissenschaftlern verschiedener Universitäten und Länder zu besuchen. Die akademischen Themen wechseln jährlich und sind stets innovativ und angewandt. Während dieser Woche erwerben die Studierenden Grundkenntnisse in jüdischen Sprachen wie Hebräisch, Jiddisch und Ladino (Judenspanisch). Neben dem akademischen Programm ermöglicht die ESUJS Begegnungen zwischen Studierenden verschiedener Universitäten und den direkten intellektuellen Austausch mit Dozenten in entspannter Atmosphäre. Seit 2022 ist die Universität Innsbruck offiziell an der jährlichen Veranstaltung beteiligt, und ich organisiere und koordiniere diese Zusammenarbeit (ich habe bereits mehrfach an der ESUJS unterrichtet und kenne deren Struktur und Organisatoren gut). Das Jüdische Museum Hohenems bietet ideale Voraussetzungen für intellektuelle und persönliche Begegnungen. Hier profitieren die Studierenden von den Einrichtungen des Museums (Ausstellungen, Bibliothek und Archiv) und erleben gleichzeitig die Atmosphäre des jüdischen Viertels der Kleinstadt sowie den jüdischen Friedhof und die Wege, die Juden Ende der 1930er Jahre zur Flucht aus Österreich in die Schweiz nutzten. All dies ermöglicht ein intensives Lernerlebnis und einen Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden, der über den im Unterricht vermittelten Stoff hinausgeht.
Die Veranstaltung ist interdisziplinär und vielseitig angelegt: Die jährlich behandelten Themen überschreiten die Grenzen verschiedener Studienbereiche und akademischer Disziplinen und zielen darauf ab, ein breites Spektrum an Studierenden zu erreichen (z. B. aus den Bereichen Jüdische Studien, Geschichte, Vergleichende Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Soziologie, Pädagogik etc.). Gleichzeitig verfolgt die Veranstaltung (neben ihrem übergeordneten Thema) kein einheitliches strukturelles Ziel oder Prinzip. Stattdessen begegnen die Studierenden hier einer Vielzahl von Lehrenden aus unterschiedlichen Fachrichtungen und erleben verschiedene Lehrmethoden. Darüber hinaus bleibt die Gruppe nicht die ganze Woche über zusammen, sondern die im Programm vorgegebene Auswahl schafft immer wieder neue Konstellationen.
Das Institut für Zeitgeschichte integriert die ESUJS als 2,5 ECTS-Punkte umfassende Lehrveranstaltung in den Lehrplan. Sie steht unseren Geschichtsstudierenden im Bachelor- und Masterstudium sowie Lehramtsstudierenden offen. Dieser jährlich von mir koordinierte und durchgeführte Kurs wird von der Universität Innsbruck finanziell unterstützt und zusätzlich von der Jüdischen Gemeinde Innsbruck gefördert (die Mittel werden zur Deckung der Teilnahmegebühren der Universität Innsbruck und zur Bezuschussung der Studiengebühren verwendet). Der Kurs findet in der Woche in Hohenems statt und umfasst zwei Vorbereitungstreffen sowie ein Abschlusstreffen nach der Rückkehr von der ESUJS. In den Vorbereitungstreffen erhalten die Studierenden eine kurze Einführung in die jüdische Geschichte und Kultur (da dieses Fachgebiet in Innsbruck – anders als an anderen teilnehmenden Universitäten – nicht regelmäßig gelehrt wird) sowie einen Einblick in die Struktur und die Anforderungen des Kurses. In Hohenems selbst besuchen die Studierenden die verschiedenen Veranstaltungen und nehmen an einem zusätzlichen Treffen mit mir teil, in dem die Gruppe aus Innsbruck gemeinsam ihre Fortschritte im Kurs reflektiert.
Der ungewöhnliche Charakter eines offiziellen Universitätskurses birgt zwei zentrale Schwierigkeiten, die miteinander verknüpft sind: 1. Wie lässt sich aus dieser fragmentarischen (sowohl strukturell als auch fachlich) und dennoch intensiven Veranstaltung ein kohärenter Kurs gestalten? 2. Wie kann ein solcher Kurs, in dem der Dozent größtenteils abwesend ist, evaluiert und benotet werden? Besonders wichtig hier ist die Förderung individueller Instrumente zur Reflexion und Evaluation des eigenen Lernprozesses (unter Anleitung der Lehrkraft). Das Instrument, das ich als am besten geeignet empfand war das Führen eines "reflective learning diary".
2. Reflective learning diary
Das Führen eines reflective learning diary ist eine Methode der Selbstbeobachtung, die auf der systematischen Beobachtung und Bewertung des Lernprozesses durch Studierende beruht, während diese weiterhin aktiv am Lernprozess teilnehmen. Diese Methode hilft Studierenden sicherzustellen, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Es ist ein wirkungsvolles Lerninstrument, bei dem Studierende nach dem Besuch einer Vorlesung oder eines Kurses ihre Reflexionen über die zuvor behandelten Inhalte schriftlich festhalten. Im Kurs wurden Studierende auch dazu anzuregen, über ihre persönliche Entwicklung zu schreiben, um ihnen zu ermöglichen, sich selbst im Verhältnis zum Lernstoff zu positionieren. Eine solche Reflexion kann zu einem Gefühl der Selbstwirksamkeit beitragen. Während der intensivieren Woche in Hohenems begleite ich als Dozent den Prozess des Schreibens. Der Erfolg eines solchen Prozesses hängt zudem maßgeblich von der Motivation der Studierenden ab, Strategien anzuwenden, ihrem Verständnis der möglichen Vorteile sowie ihrem Wissen über Lernmethoden und deren Anwendung. Deshalb dient das reflective learning diary auch als Instrument zur Evaluation des Lernprozesses während des Kurses. Der Charakter des ESUJS und die verschiedenen, teils nur lose miteinander verbundenen Vorlesungen bieten Raum für solche Reflexionen. Darüber hinaus kann das Führen eines Tagebuchs dazu dienen, die intellektuelle Intensität der Woche zu bewältigen und die verschiedenen Eindrücke sowie die eigenen Gedanken und Reflexionen zu strukturieren.
3. Sommer 2025
Die 15. Europäische Sommeruniversität für Jüdische Studien Hohenems wurde dem Thema „Partikularismus und Universalismus im Judentum“ gewidmet. In gewohnt breiter interdisziplinärer Perspektive wurde die sozialen, wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Dimensionen der jüdischen komplexen Existenz von der Antike und bis zur Gegenwart in den Blick genommen. Aus der Universität Innsbruck nahmen sieben Studierenden an der Sommeruniversität Teil. Für einigen Studierenden war es das zweite und Dritte Mal, dass sie an der Veranstaltung teilnahmen.
Institutionelle Unterstützung
Finanziell, Infrastruktur, Beratung der Institutsleiterin
Kooperationspartner/innen
Weitere inländische Hochschulen
- Universität Wien
- CEU - Central European University Private University
Weitere ausländische Hochschulen
LMU München, Universität Zürich, Universität Basel