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Zuletzt aktualisiert am 10.02.2025

iLab / interdisciplinary – innovative – international Lab

Projektname des bereits eingereichten Projekts:

Ars Docendi Kategorie

Kooperative Lehr- und Arbeitsformen

Gruppengröße

< 20

Kurzzusammenfassung des Projekts

Die FHStP hat mit dem iLab seit Anfang Sep. 2018 ein neues Format in der Lehre entwickelt, in dem eine interdisziplinär zusammengesetzte Gruppe von Studierenden ein Semester lang problembasiert, selbstgesteuert u. international zusammenarbeitet. Das iLab ist curricular als Wahlmodul konzipiert, das 30 ECTS beansprucht. Inspiriert durch intensive Kontakte mit finnischen PartnerInnen der UAS in Oulu u. deren Lab Modell (http://www.oamklabs.fi/) wurde seit Herbst 2017 intensiv an der Planung und anschließenden Umsetzung in der eigenen Hochschule gearbeitet. Im ersten Durchlauf im WS 18/19 waren 23 Stud. aus 8 Ländern (DEU, FRA, AUT, NLD, POL, SWE, ESP und CZE) beteiligt. Mehrere unterschiedliche Studiengänge (BA Medientechnik, BA Physiotherapie, BA Soziale Arbeit, BA IT Security, BA Bahntechnologie u. Mobilität, MA Digitale Medientechnologien u. die Studiengänge der beteiligten Erasmusstudierenden) waren in das Pilotsemester involviert. Begleitet u. unterstützt wurden die Teams laufend durch ein interdisz. Team aus so genannten „Labmastern“ u. fachlichen Coaches. Die Arbeitssprache war Englisch. Ziel war es, sich aus interdisz. Perspektive mit gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen, Problemen u. Lösungsversuchen auseinanderzusetzen u. so einen erweiterten Blick auf die eigene Fachdisziplin zu erlangen. Hauptunterscheidungsmerkmal zu bestehenden nationalen u. internationalen Labmodellen ist der Fokus auf die persönliche u. prof. Weiterentwicklung aller Studierenden.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Since the beginning of Sep 2018, the St. Pölten UAS (FHStP) has with the iLab developed a new format in teaching. An interdisciplinary group of students spends a full semester of working problem-oriented, self-directed and interculturally. The iLab is designed as an elective module with 30 ECTS. Inspired by intensive collaboration with Finnish partners of the UAS Oulu and their lab model, intensive work has been ongoing since autumn 2017 on the planning and subsequent implementation of the iLab at the FHStP. In the first round in the fall semester of 2018/19 23 students from 8 countries (DEU, FRA, AUT, NLD, POL, SWE, ESP and CZE) participated. Several different study programs (BA Media Technology, BA Physiotherapy, BA Social Work, BA IT Security, BA Railway Technology and Mobility, MA Digital Media Technologies and the degree programs of the participating Erasmus students) were part of the pilot semester of the iLab.

 

The teams were constantly accompanied and supported by an interdisciplinary team of so-called "Lab Masters" and coaches. The working language is English. The aim is to deal with current societal challenges, problems and create solutions to solve those problems from an interdisciplinary perspective, and thus gain an extended view of one's own discipline.

The main distinguishing factor compared with already existing national and international labmodels is certainly the focus on the personal and ultimately professional development of every single student.

Nähere Beschreibung des Projekts

Das neu geplante Erweiterungscurriculum, welches das iLab darstellt, wurde entwickelt, um allen Departments der FHStP die Möglichkeit zu geben, sich an diesem Projekt mit ihren Studierenden zu beteiligen. Durch die bewusste Öffnung für ERASMUS-Studierende wurden zudem Studierende aus anderen europäischen Ländern und deren spezifisches Fachwissen inkludiert und die Arbeitssprache Englisch wurde somit zwingend notwendig.

 

Das Lab Learning Modell oder projektorientiertes Arbeiten sind an sich keine neuen didaktischen Modelle, allerdings stellt die Umsetzung in der hier angewandten Form eine wirkliche Innovation im deutschsprachigen Raum dar. Im Mittelpunkt steht nicht in erster Linie die erfolgreiche Durchführung der einzelnen Projekte innerhalb des iLabs, sondern die Ausbildung und Schärfung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen der einzelnen Studierenden. Diese Fähigkeiten im einschlägigen T-shaped Student Model (im Sinne dessen es einerseits das Ziel ist die eigene Fachexpertise in einem Feld anzuwenden und andererseits die Fähigkeit mit anderen Disziplinen zusammenzuarbeiten und das eigene Wissen bestmöglich einzusetzen) weiter zu schärfen und dann direkt in der Projektbearbeitung nutzbar zu machen für die professionelle Weiterentwicklung ist das Hauptziel. Dabei sind Themen wie Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftliche Schlüsselprobleme zentral für das iLab. Den Beleg für das große Potential dieses Konzepts haben KollegInnen der Oulu University of Applied Sciences bereits seit einigen Jahren angetreten (https://www.theseus.fi/bitstream/handle/10024/132078/Stevenson_Oamk%20labs.pdf?sequence=1&isAllowed=y ). Ein seit Mai 2018 entstehendes Netzwerk von aus Finnland inspirierten Labs, quer über den Globus verstreut (vom Silicon Valley, über Trinidad&Tobago, über Belgien bis nach Japan), wird in den nächsten Jahren ebenfalls zu intensivierten Kontakten zwischen den Partnerhochschulen führen. Studierende in den unterschiedlichen Labs, seien sie nun in Belgien, Finnland oder Österreich, sollen in naher Zukunft dann problemlos wechseln können. Gerade die Kooperation zwischen dem OAMK LABs der Oulu University of Applied Sciences (Finnland), den 3ID LABS des Artevelde University College Ghent (Belgien) und dem iLab der Fachhochschule St. Pölten soll durch den geplanten Studierendenaustauch, aber auch durch Staff-Exchange von Labmastern und Coaches weiter intensiviert werden (weiterführende Links zu den Partnerinstitutionen sind im dazugehörigen Bereich zu finden). Durch die unterschiedliche Zusammensetzung des Labmaster Teams, das hauptverantwortlich für die Durchführung und Detailplanung des iLabs zeichnet, werden sowohl inhaltliche, aber auch didaktische Maßnahmen gut aufeinander abgestimmt. Schlussendlich bleibt noch einmal hervorzuheben, dass Studierende hier in der Komplettform 30 ECTS verbringen und damit in diesem Semester ausschließlich im iLab aktiv sind. Neben dieser Komplettform gibt es auch noch weitere Kooperationsformen, die ein Modell mit 15 ECTS (vor allem für Studiengänge, welche gebunden durch Berufsgesetze weniger Zeit zur Verfügung stellen können (betrifft den Gesundheitsbereich)) und ein weiteres Modell mit 5 ECTS (in einer beratenden Funktion) vorsehen. Durch die interdisziplinären Teams und die unterschiedlichen Fragestellungen ist sichergestellt, dass das Arbeits- und Lernsetting für alle beteiligten Studierenden hochwertig ist und sie auch ihr bisher erworbenes Fachwissen adäquat einsetzen können.

 

Der Ablauf des ersten Durchgangs wird an dieser Stelle nun grob skizziert, um ein tieferes Verständnis einzelner später beschriebener Prozesse zu gewährleisten (weitere Informationen, sowie eine grafische Darstellung sind hier zu finden: ilab.fhstp.ac.at). Bereits vor dem eigentlichen Start des iLabs mussten die Studierenden sich im Rahmen eines sogenannten Pretasks sowohl mit Methoden von Design Thinking als auch mit ihrem bisherigen persönlichen und professionellen Wissensstand auseinandersetzen um einen reibungsloseren Start zu gewährleisten. In der ersten Woche wurde dann neben dem organisationalen Abstecken des Rahmens, ein intensives 1,5 tägiges Outdoor-Teambuilding und die Aufteilung in Kleinstgruppen von zwei oder drei Personen vorgenommen. Auch beginnend mit der ersten Woche und danach in regelmäßigen Abständen wurde die persönliche und professionale Weiterentwicklung begleitet, durch Einzelgespräche und dem Formulieren von persönlichen und professionellen Zielen, die im Laufe des iLab immer weiter im Sinne von SMART Goals (für weiterführende Informationen hier: www.umassd.edu/fycm/goal-setting/resources/smartgoals/ ) transformiert wurden. Die insgesamt elf Gruppen am Beginn mussten dann bis zum sogenannten Decision Gate 1 (etwa zwei Wochen Zeit) eine intensive Recherche und Neudefinition der erhaltenen Problemstellung durchführen. Danach wurde in Abstimmung mit den Labmastern und einer sowohl von FH als auch Externen zusammengesetzten Jury entschieden, welche Projekte die Kriterien des ersten Decision Gates am besten erfüllten. In weiterer Folge wurden dann mehrere Projekte ausgeschieden und deren bisherige TeilnehmerInnen wurden auf andere Problemstellungen aufgeteilt. Ihre Aufgaben bis zum Decision Gate 2 lagen hauptsächlich im Bereich der Erarbeitung verschiedener Lösungsansätze. Nach diesem Gate 2 und einer erneut unterschiedlich zusammengesetzten Jury wurden die Teams ein letztes Mal neu zusammengesetzt und es waren noch vier Problemstellungen vorhanden. Bedingt durch den curricularen Aufbau des iLabs wurde an dieser Stelle ein halbstündiges Assessmentgespräch mit allen Studierenden seitens der Labmaster geführt. Die Teamsituation änderte sich dann bis zum Ende des iLabs nicht mehr, allerdings musste nun in dieser Phase an einem Prototyp gearbeitet werden, der nicht nur ein intensives Testen, sondern eben auch ein wesentlich genaueres Zeitmanagement verlangte. Zusätzlich mussten die Studierenden sich neben dem permanenten Prozess ihres persönlichen und professionellen Wachstums auch einem Pitching-Training stellen, um differenzierte Zielgruppenansprache (auch im öffentlichen Raum!) zu trainieren. Das Ende des iLabs wurde durch eine von den Studierenden selber organisierte Abschlussveranstaltung in der FH markiert sowie Feedbackgesprächen seitens der Labmaster mit den Studierenden in Einzel- und Teamkonstellationen. Die Ergebnisse waren äußerst hilf- und erkenntnisreich für die Weiterentwicklung des iLabs. Ebenso wurde eine zweite Runde von Assessmentgesprächen geführt.

 

Die für das Jahr 2019 kommunizierten Kriterien können samt und sonders für das iLab in einem hohen Maße angelegt werden. Als erstes wäre hier das Thema innovative Hochschuldidaktik zu nennen: Mit dem bereits geschilderten Modell mit Fokus auf Persönlichkeitsentwicklung und professionellen Fähigkeiten befindet sich das iLab auf der Höhe des aktuellen Diskurses. Die frühere Fokussierung auf das Ende der jeweiligen Projekte als hauptsächlich messbaren Outcome des Erfolgs oder Misserfolgs der beteiligten Studierenden ist im iLab nur am Rande ein Thema, bzw. weiterhin für die Studierenden wichtig als motivationaler Faktor. Tatsächlich werden zwar drei von vier am Ende noch vorhandenen Projekten fortgesetzt und dies teilweise unter sehr vielversprechenden Rahmenbedingungen, dennoch wäre das Projekt iLab auch ohne diese überaus positiven Aussichten ein Erfolg gewesen. Im Mittelpunkt standen die einzelnen Studierenden. Die Hälfte der zur Verfügung stehenden Zeit von Seiten des Labmaster-Teams wurde in den Bereich der Persönlichkeitsentwicklung und der weiteren professionellen Fähigkeiten investiert, was auch den Stellenwert in der Planung und Durchführung erahnen lässt. Daneben war der Bereich der Persönlichkeitsentwicklung die durchgängige Konstante in den beiden durch sogenannte Decision Gates getrennten Phasen, Concept Development-Phase und Prototyping-Phase. Self Directed Learning und Demand Based Learning waren zwei der großen durchgängigen Lernkonzepte innerhalb des iLabs, da die Studierenden in weiten Teilen bewusst selber Entscheidungen treffen mussten und die Guidance durch das Labmaster-Team immer vorhanden war, wenn benötigt, doch bewusst auch Raum zum Scheitern und neu positionieren gegeben wurde.

 

Die Verbindung von Kompetenzorientierung und entsprechenden Assessment-Modellen war ebenfalls ein wichtiges Ziel im iLab. Hierzu wurde das Konzept eines Assessmentgesprächs mit den einzelnen Studierenden und den beiden für die jeweilige Phase des iLabs zuständigen Labmastern durchgeführt. Anhand einer fundiert begründeten Einschätzung des Erreichens der verschiedenen Learning Outcomes seitens der Studierenden und der Labmaster wurde gemeinsam eine Note für die beiden Phasen festgelegt. Dieser Assessmentprozess erforderte ebenso wie die Definition der persönlichen Entwicklungsziele und später der SMART Goals Planung von längeren Einzelterminen mit den Studierenden. Speziell im Bereich der Kompetenzorientierung ist für die Studierenden die erstmalige intensive Beschäftigung mit Learning Outcomes und Kompetenzen ein Aha-Effekt und führte zu einem tendenziellen Umdenken im Bereich der eigenen Lernkultur.

 

Der Bereich der europäischen und internationalen Ausrichtung wurde durch die vorherigen Ausführungen bereits in intensivem Maße dargelegt. Sowohl die beteiligten ERASMUS-Studierenden, als auch die Studierenden der FH St. Pölten haben von ihrer gegenseitigen Expertise profitiert und die geplanten Austauschaktivitäten von Studierenden aber auch Labmastern und fachlichen Coaches innerhalb des erwähnten entstehenden Lab-Netzwerks sprechen eine deutliche Sprache, die Internationalisierung großschreibt.

 

Als letztes hier erwähntes Kriterium soll Studierendenzentrierung und Heterogenität diskutiert werden. Durch die oben genannten Ausführungen dürfte bereits klar hervorgetreten sein, dass die Studierenden und deren Entwicklung im Vordergrund stehen. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Zeitressourcen der Labmaster ist dafür dezidiert bereitgestellt und es hat sich in der Praxis herausgestellt, dass dieser Teil auch noch weitere zeitliche Ressourcen gut gebrauchen könnte. Das gemeinsame Erarbeiten der persönlichen Learning Goals und deren spätere Umwandlung in mehreren Iterationsschleifen in Richtung von SMART Goals spiegelt auch die Entwicklung der Studierenden in dieser Hinsicht gut wieder. Das Thema der Heterogenität wird vor allem durch die ausgewählten initialen Themenfelder repräsentiert, fließt in weiterer Folge jedoch auch in die alltägliche Arbeit im iLab ein.

 

Das iLab ist ein einzigartiges Lehrprojekt im deutschsprachigen Raum. Die Fokussierung auf die Entwicklung der Studierenden und eben nicht der Fokus auf die entstehenden Projekte (der als Side Effect dennoch gerne in Kauf genommen wird) sind strategisch von entscheidender Bedeutung für die weitere Positionierung als Alleinstellungsmerkmal im deutschen Sprachraum. Die frühzeitige Öffnung und Integration von ERASMUS-Studierenden erwies sich als großer Gewinn, der nicht nur der Arbeitssprache Englisch wesentlich mehr Durchschlagskraft verlieh, sondern eben auch ein einzigartiges Arbeitsumfeld sorgte. Die eigens für die Studierenden des iLabs angemieteten Räumlichkeiten abseits des FH-Hauptgebäudes und der Dependancen sorgte ebenfalls für ein Gefühl der Selbstverantwortung und freien Zeiteinteilung. Der Fokus auf die Studierenden und die Wichtigkeit von gut funktionieren Teams war während der Zeit des iLabs ein wichtiger Grund für mehrere Teambuildung-Aktivitäten, angefangen mit kurzen Trainings bis hin zu einem Zweitages-Outdoor-Teambuilding-Szenario, welches die Studierenden bereits ab dem zweiten Tag zu einer gut kommunizierenden Gruppe verschmelzen ließ. Die anfänglichen 2er-Teams wurden nach Decision Gate 1 in 3er oder 4er-Teams umgewandelt und nach Gate 2 in die letztendliche Form von 5er-Teams. Konzeption und Development waren in der ersten Phase bis Gate 2 der thematische Überbau, wohingegen ab Gate 2 die Entwicklung und das Testing eines Prototypen im Vordergrund stand. Beide Gates wurden mit Hilfe externer und interner Jurymitglieder bestritten und deren Einschätzung gemeinsam mit dem der Labmaster half die weitere Zusammensetzung der einzelnen Teams zu bestimmen. Gerade die verschiedenen Gates waren demnach auch Schlüsselmomente in der persönlichen und professionellen Entwicklung. Der Abschluss des iLabs wurde in Form einer von Seiten der Studierenden selber geplanten und durchgeführten Veranstaltung mit ca. 110 TeilnehmerInnen professionell geplant und umgesetzt, was auch den hohen Grad der Selbstverantwortung, welchen die Studierenden zu diesem Zeitpunkt bereits einnehmen konnten, widerspiegelt.

 

Insgesamt ist das iLab eine Bereicherung nicht nur der FH St. Pölten. Es kann zwar aufgrund des Betreuungsaufwands nicht als flächendeckendes Modell umgesetzt werden, doch als flankierende Maßnahme in den einzelnen Studierendenbiographien wertvolle Dienste leisten.