Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Innrain 52, 6020 Innsbruck
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4Open: Open Organizations and Organizing Openess

Ziele/Motive/Ausgangslage/Problemstellung

Gegenstand der Nominierung ist die Lehrveranstaltung "4Open: Open Organizations and Organizational Openness" im Master Organization Studies, das als Wahlmodul aber auch von Studierenden der Masterstudiengänge Wirtschaftspädagogik, Wirtschaftsinformatik sowie Accounting besucht wird. Besonderes Merkmal des Kurses ist die Konsistenz zwischen Lehrveranstaltungsthema und Lehrveranstaltungsmethodik: das Leitthema "Offenheit" wird durch Nutzung eines offen im Internet zugänglichen und für Editierungen der Studierenden offenen sowie open-source-software-basierten Lehrveranstaltungswikis unter wiki.uibk.ac.at/4open auch praktisch erlebbar gemacht - es gibt also eine starke Komponente erfahrungsbasierten Lernens.

Konkret werden mit dem verwendeten Lehrveranstaltungswiki die zentralen Themen der Lehrveranstaltung wie Open Source Software, Open Collaboration, Open Access bzw. Open Educational Resources ebenso wie prominente empirische Beispiele für diese Themenfelder (z.B. Wikipedia) unmittelbar vermittelt.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Die Veranstaltung "Open Organizations and Organizing Openness" vermittelt verschiedene Dimensionen organisationaler Offenheit (z.B. Inklusivität, Grenzziehung, Partizipation) an Hand von konkreten Fallbeispielen (z.B. Open Source Software, Open Science, Open Innovation, etc.). Der Kurs wird dabei durch ein offen im Internet zugängliches Kurs-Wiki strukturiert und begleitet, wo sämtliche Kursmaterialien offen lizenziert sowie in offenen Formaten zugänglich sind und wo die Studierenden Fragen zur Lektüre sammeln. Diese Fragen dienen wiederum zur Gestaltung der Präsenzeinheiten. Im Ergebnis werden verschiedene Aspekte von Offenheit nicht nur theoretisch und an Hand von Fallbeispielen erörtert, sondern auch in der Lehrveranstaltung praktiziert und erfahrbar gemacht.

Nähere Beschreibung des Projekts

Das Management von Offenheit ist zentral für Segen wie Fluch digitaler Transformation und Organisation, kurz: für die Organisation von Digitalität. Neue digitale Technologien ermöglichen Organisationen neue Formen von Innovation, Kooperation und Lernen, stellen sie aber auch vor neue Herausforderungen wie gesteigerte Transparenzansprüche oder das Management digitaler Communities. Der Kurs "Open Organizations and Organizing Openness" soll die Studierenden in die Lage versetzen, verschiedene Facetten digitaler Offenheit in und um Organisationen zu verstehen und zu managen.

Die Nutzung digitaler Technologien wie Wikis ist dabei eine Schlüsselqualifikation in einer zunehmend digitalen Gesellschaft. Im konkreten Kurs hatte beispielsweise keine/r der TeilnehmerInnen zuvor jemals Editierungen in einem Wiki wie bspw. der Wikipedia vorgenommen, was u.a. auch mit Zweifeln an der diesbezüglichen Kompetenz begründet wurde. Im Zuge der Veranstaltung konnten durch Nutzung des Lehrveranstaltungswikis entsprechende, unbegründete Vorbehalte abgebaut werden.

Hinzu kommt aber, dass ein bloßer Fokus auf die Technik unter Vernachlässigung rechtlicher und sozialer Komponenten zu kurz greift. Im Vordergrund der Veranstaltung steht deshalb nicht die bloße Techniknutzung, sondern die Diskussion von exkludierenden und inkludierenden Potentialen digital-unterstützter Offenheitsstrategien.

Eine besondere Herausforderung bestand im konkreten Fall darin, die im Effektivbetrieb für die Lehre noch nicht (ausreichend) getestete Nutzung des Wiki-Einsatzes, die eine intensive und kontinuierliche Abstimmung mit dem Zentralen Informatikdienst der Universität erforderlich machte. Die Bandbreite der zu lösenden Fragestellungen verlief von der selektiven Freischaltung der Studierenden für das Wiki über Probleme bei der Einbettung von Slideshare-Widgets bis hin zu diversen Bugs der Wiki-Software (z.B. Feature "gesichtete Versionen", das sich als nicht sinnvoll herausgestellt hat und letztlich deaktiviert wurde).

Didaktische Aspekte

Die Studierenden müssen im Vorfeld der Präsenzeinheiten Fragen zur Lektüre im Wiki hinterlegen, was mit einer Reihe von didaktisch wünschenswerten Konsequenzen verbunden ist:

• Es ist sichergestellt, dass die Texte auch wirklich gelesen wurden.

• In der Vorlesung kann sofort in die Diskussion der Inhalte in Arbeitsgruppen eingestiegen werden, eine bloße Wiederholung der Lektüre in Vortragsform ist nicht erforderlich.

• In dem die im Wiki hinterlegten Fragen der Studierenden in Arbeitsgruppen aufgegriffen werden, wird auch die Bedeutung der Aufgabenstellung klar ersichtlich, die Nutzung des Wikis ist also nicht eine bloße Fleißaufgabe sondern elementarer didaktischer Bestandteil der Veranstaltung.

• Da die Fragen im Wiki unmittelbar für alle einsehbar sind, gibt es keine bzw. weniger Dopplungen bei den Fragen; jene Studierenden, die früher Fragen haben es vielleicht etwas einfacher, was aber wiederum einen wünschenswerten Anreiz setzt, nicht erst kurz vor der Deadline mit der Lektüre zu beginnen.

Die Prüfungsleistung im Seminarteil der Veranstaltung erfolgte in Form eines Forschungs-Essays, zu dessen Thema eine Kurzpräsentation mit der Möglichkeit für Vorab-Feedback sowohl von Seiten des Lehrveranstaltungsleiters als auch der übrigen Studierenden erfolgte. Um die Besonderheiten des Essay-Formats im Vergleich zu herkömmlichen Seminararbeiten deutlich und verständlich zu machen, gibt es einen eigenen kurzen Vortragsblock "How to Essay", in dem genau auf die Gemeinamkeiten und Unterschiede der beiden Textformen eingegangen wird. Wie die übrigen Lehrveranstaltungsmaterialien auch ist der diesbezügliche Foliensatz vollständig und offen lizenziert im Lehrveranstaltungswiki abrufbar bzw. via Slideshare eingebunden, konkret unter wiki.uibk.ac.at/4open/Presentation_and_Research_Essay .

Technische und rechtliche Aspekte

Die Veranstaltung wird als partielle Blended-Learning-Veranstaltung in Form eines völlig offen im Internet zugänglichen Mediawiki-Wikis durchgeführt. Sämtliche Lerninhalte, d.h. Foliensätze, didaktische Erläuterungen, Literatur und Fragen von Studierenden sind vollständig im Rahmen dieses Wikis online zugänglich.

Besonderes Augenmerk wird dabei auf einfache Weiternutzbarkeit gelegt, die Foliensätze sind also beispielsweise sowohl layoutgetreu als PDF und im offenen und damit einfach weiternutzbaren Open-Document-Format (.ODP) als Download verfügbar.

Ausgewählte Teile der Foliensätze sind auch auf Slideshare verfügbar und mittels Widget im Wiki eingebettet, was Anschlussfähigkeit an Suchmaschinen erhöht und gleichzeitig das komfortable Betrachten der Folien unmittelbar im Wiki ermöglicht.

Sofern möglich, wurden für alle Lehrveranstaltungsinhalte offene Lizenzen (Creative Commons Namensnennungslizenz, CC-BY 4.0 Interational) gewählt, was einerseits dem Thema der Lehrveranstaltung ("Offenheit") entspricht und andererseits eine Weiternutzung der Unterlagen durch Dritte ohne Rechteklärung im Einzelfall erlaubt (siehe auch den nächsten Punkt zu Nachhaltigkeit).

Nachhaltigkeitsaspekte

Da sämtliche Inhalte der Lehrveranstaltung komplett frei zugänglich im Lehrveranstaltungswiki online verfügbar sind und Teile der Lehrveranstaltungsinhalte auch auf Social-Media-Plattformen wie Slideshare eingestellt sind, ist eine einfache Auffindbarkeit über Standardsuchmaschinen sichergestellt. Hinzu kommt die konsequente Verwendung offener (Creative-Commons-)Lizenzen, die eine Weiternutzung durch andere Lehrkräfte auch ohne Rückfrage oder Rechteklärung erlaubt.

Hinzu kommt der Umstand, dass über die Erfahrungen bei der Vorbereitung und Abhaltung der Lehrveranstaltung auch im Rahmen des englischen Forschungsblogs des Lehrenden publiziert und so die Auffindbarkeit der Inhalte weit über den Kreis der Universität Innsbruck hinaus verbessert hat: governancexborders.com/2016/04/27/4-open-wiki-based-course-on-open-organizations-and-organizing-openness/

Schließlich wurden entsprechend der selbstgewählt hohen und thematisch einschlägigen Transparenzanforderungen an die Lehrveranstaltung nach Abschluss der Lehrveranstaltung auch die Klausurfragen im Lehrveranstaltungswiki zugänglich gemacht.

Nutzen und Mehrwert

• Sämtliche Materialien des Kurses sind dauerhaft und ohne Rechteklärung zur Nachnutzung in offenen Formaten verfügbar

• Eine adaptierte Version der Veranstaltung wird 2017 an einer deutschen Universität abgehalten werden

• Im Zuge der Durchführung konnten in Abstimmung mit dem ZID der Universität Innsbruck kleinere Fehler der genutzten Wiki-Software behoben werden

Aufwand

- Einrichtung und Befüllen des Lehrveranstaltungs-Wikis

- Abstimmung mit dem ZID der Universität Innsbruck zur Lösung von Problemen im laufenden Betrieb des Wikis

- Berücksichtigung von urheberrechtlichen Fragen bei der Gestaltung der Lehrveranstaltungsunterlagen

Positionierung des Lehrangebots

Master

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 nominiert.
Ars Docendi
2017
Kategorie: Digitale Lehr- und Lernelemente in Verbindung mit traditionellen Vermittlungsformen
Ansprechperson
Leonhard Dobusch, Univ.-Prof. Dr.
Institut für Organisation und Lernen
0512 507 71470
Nominierte Person(en)
Leonhard Dobusch, Univ.-Prof. Dr.
Institut für Organisation und Lernen
Themenfelder
  • Lehr- und Lernkonzepte
  • Rund ums Prüfen
  • Digitalisierung
Fachbereiche
  • Wirtschaft und Recht