Wirtschaftsuniversität Wien
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“Praxisprojekt” im Rahmen der SBWL Diversitätsmanagement: (In)Visible Women in Social Sciences and Social Work

Ziele/Motive/Ausgangslage/Problemstellung

Ziele dieser LV sind (1) die eigenständige unmittelbare Umsetzung des in der SBWL gewonnenen Gender- und Diversitätswissens in praxisrelevante Fragestellungen auf individueller, interaktionaler, organisationaler und gesellschaftlicher Ebene, (2) die Einbringung der erworbenen Diversitätskompetenzen in interdisziplinäre und internationale Studierenden-Projektteams zur Erreichung von Teameffektivität hinsichtlich der Teamziele, (3) die Vertiefung des spezifischen fachlichen Wissens zur eigenen fachlichen Thematik (theoretisch, methodisch und praktisch) und Anbindung an thematisch angrenzenden Forschungsfelder über Interdisziplinarität sowie Internationalität, (4) der Erwerb digitaler, sozialer und methodischer Kompetenzen in multikulturellen Teams, (5) die Aneignung von Wissen und Kompetenzen zum Wissenstransfer über Wissenschaftskommunikation, (6) der Ausbau kommunikativer Fähigkeiten über mündliche und schriftliche Präsentationen, vor Ort und digital.

 

Motive und Ausgangslage sind in der Entwicklung internationaler virtueller kollaborativer Lehr- und Lernformate zu sehen, die durch die Covid-19-Pandemie beschleunigt wurden. Aufgrund der aktuellen Studiensituation 2021, entwickelten die beteiligten Lehrenden Konzepte, um die genannten Ziele umzusetzen und gleichzeitig eine Lehrveranstaltung anzubieten, die kollaboratives Lernen in heterogenen internationalen Teams in digitalen Lehr- und Lernsettings ermöglichte. Gleichzeitig wurde eine „Internationalisation at Home“-Strategie in Verbindung mit der Entwicklung „Transferable Skills“ verfolgt.

 

Die LV wurde in einem entsprechenden Design aufgesetzt. Übergreifende Zielstellung war die Erarbeitung von Wissenschaftscomics zur Vermittlung spezifischen gender- und diversitätsrelevanten Wissens zu Wissenschaftlerinnenkarrieren. Zur Erreichung dieser Zielstellung war es notwendig, unterschiedliche Disziplinen aneinander zu koppeln. Die drei beteiligten HS brachten entsprechendes Wissen und Know-how in die LV ein. In der ersten LV-Phase wurden hochschulhomogene Teams gebildet (in Präsenz), die entsprechende theoretische Wissensbasen für spätere kollaborative Settings erarbeiteten (Ziel 1). In der zweiten Phase stellten die beteiligten Akteurinnen ihren Wissensbeitrag digital in der gesamten HS-übergreifenden Studierendengruppe vor. Für die kollaborierte Arbeit fanden sich anschließend die Studierende aus den drei beteiligten HS zusammen, um an einer Aufgabe zu arbeiten und ihr Wissen zu verbinden (Ziele 2, 3). Genutzt wurden dafür digitale Formate. Eine Unterstützung der Teams erfolgte durch Coaching-Sessions (Ziele 4, 5). Die Ergebnisse der heterogenen Teamarbeiten wurden digital präsentiert und diskutiert (Ziel 6). Am Ende der LV reflektierten Studierende und Lehrende die Inhaltsebene sowie die Teamzusammenarbeit kritisch. Die LV wurde wissenschaftlich begleitet (SoTL gefördert), indem qualitative und quantitative Daten zur Teameffektivität und zum Lernen in diversen Teams erhoben wurden.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Die LV „Praxisprojekt“: (In)Visible Women in Social Sciences and Social Work fand im Rahmen der zweisemestrigen SBWL „Diversitätsmanagement“ an der WU statt und war Teil eines internationalen Lehrprojektes in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Dresden (Deutschland) und der Seniäjoki University of Applied Sciences (Finnland). Ziel der LV war die Erarbeitung von Wissenschaftlerinnenkarrieren, das Darstellen ihrer wissenschaftlichen Leistung sowie die anschließende Bereitstellung der Ergebnisse für ein breites Publikum in Form digitaler Lehr- und Lernmaterialien. Die WU-Studierenden brachten ihr Wissen zur Geschlechter- und Diversitätsforschung in die Kollaboration ein. Dabei arbeiten sie zuerst in (kontext-)homogenen Teams vor Ort und anschließend in interdisziplinären, internationalen Projektteams digital zusammen, um unterschiedliche Wissensbasen zu verknüpfen. Innerhalb der Teamarbeit konnten die Studierenden gegenseitig vom Wissen und von den Kompetenzen der Studierenden aus anderen Disziplinen und kulturellen Kontexten profitieren und lernten, sich den Herausforderungen diverser Teamarbeit zu stellen. Die Lehrveranstaltung nutzte den heterogenen Hintergrund der Studierenden bewusst durch die Kombination verschiedener interaktiver (digitaler) Lehr- und Lernmethoden und der gezielten Sensibilisierung der Studierenden für unterschiedliche akademische und länderspezifische Kontexte. Die Lehrveranstaltung wurde wissenschaftlich begleitet (SoTL gefördert).

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The seminar "Practice Project: (In)Visible Women in Social Sciences and Social Work" took place within the framework of the two-semester SBWL "Diversity Management" at WU and is part of an international teaching project in cooperation with the Protestant University of Applied Sciences Dresden (Germany) and the Seniäjoki University of Applied Sciences (Finland). The aim of the course was to explore the careers of female scientists, present their scientific achievements and make the results available to a broad audience in the form of digital teaching and learning materials. The WU students brought their knowledge of gender and diversity research into the collaboration. In doing so, they worked together in (context-)homogeneous teams in person and then digitally in interdisciplinary, international project teams to link different knowledge bases. Within the teamwork, the students were able to mutually benefit from the knowledge and competencies of students from other disciplines and cultural contexts. They learned to face the challenges of diverse teamwork. The course consciously uses the heterogeneous background of the students by combining different interactive (digital) teaching and learning methods and specifically sensitizing the students to different academic and country-specific contexts. The seminar was scientifically accompanied (SoTL funded).

Nähere Beschreibung des Projekts

1. Herausforderungen dieses kollaborativen Lehrdesigns

 

Internationale virtuelle kollaborative Lehr- und Lernformate sind Teil der aktuellen Debatte um qualitativ hochwertige Hochschullehre in Verbindung mit Akzeptanz und Wertschätzung diverser Studierender. Die Themen Inklusion und Chancengleichheit finden sich u.a. beim Thema Internationalisierung, wo Auslandsaufenthalte für viele Studierende aus familiären, beruflichen, gesundheitlichen und finanziellen Gründen nicht realisierbar sind. Die " Internationalisation at Home"-Strategie in HS ermöglicht es, Erfahrungen in internationalen, interdisziplinären Teams zu sammeln und sich mit unterschiedlichen diversitätsbedingten Herausforderungen auseinanderzusetzen. Arbeiten und Lernen in heterogenen digitalen Studierendenteams zu gestalten, ist ein wenig untersuchtes Forschungsfeld. Zu den didaktischen Herausforderungen gehören die Vielfalt der Studierenden in Bezug auf Alter, Geschlecht, Religion, soziale Herkunft und/oder Behinderung sowie unterschiedliche Studienrichtungen, Studienprogramme, Hochschulformen und Notensysteme. Die Verknüpfung von multikultureller Teamarbeit, Diversitätssensibilität und Digitalisierung im Hochschulkontext war Ausgangspunkt der Entwicklung des hochschulübergreifenden Lehrkonzeptes.

 

Das vorgestellte LV-Design fand in Kooperation zwischen drei Hochschulen aus Deutschland, Finnland und Österreich statt. Arbeitssprache war Englisch. Für alle beteiligten Personen war dies nicht die Erstsprache. Studierende aus verschiedenen Fach- und Nationalkulturen, arbeiten an einem gemeinsamen Projekt. Die sich daraus ergebenden diversitätsrelevanten Unterschiede, die beachtet werden mussten, waren vor allem unterschiedliche Wissensstände aufgrund verschiedener Fachgebiete, Studien- und Hochschulformen. Bei den finnischen und deutschen Studierenden handelte es sich um Masterstudierende, die im Falle Finnlands berufsbegleitend studierten. Die österreichischen Studierenden absolvierten ein Bachelorstudium an der WU. Wesentlich für das übergreifende LV-Thema - (In)Visible Women in Social Sciences and Social Work - waren die fachspezifischen Ausrichtungen der Studierenden. Die finnischen Studierenden brachten ihr Wissen über „Social policy and international perspectives“ in das Projekt ein, die deutschen Studierenden ihre Kenntnisse zu sozialwissenschaftlichen Forschungsmethoden und die österreichischen Studierenden verfügten über umfassendes gender- und diversitätsrelevantes Wissen. Weiterhin relevant waren das Alter und die Lebenssituation der Studierenden, die sich wesentlich, gerade in Fragen von Erwerbs- und Familienarbeit verbunden mit Kinderbetreuung, voneinander unterschieden. Entsprechend wurde die LV von den Lehrenden der beteiligten HS konzipiert und die unterschiedlichen Voraussetzungen, Möglichkeiten und Erwartungen der Studierenden sowie kulturelle Spezifika der beteiligten HS inkludiert. D.h. unterschiedlichen Studienbedingungen in Verbindung mit unterschiedlichen Studienformen mussten ebenfalls berücksichtigt werden. Weiterhin war es notwendig, eine digitale Plattform einzurichten, die den Austausch hinsichtlich Lernmaterialien und Vernetzung sowie Arbeitsfortschritt ermöglichte. Gleichzeitig sollten digitale Formate die Studierenden maximal unterstützen, die Kommunikation ermöglichen und dem individuellen sowie teambezogenen Lernen dienen. Weitere Absprachen mussten hinsichtlich Prüfungsformate erfolgen, die länderspezifisch verschieden waren.

 

In der Planung und Umsetzung fand eine Kombination aus unterschiedlichen Lehr- und Lernmethoden statt. Neben zwei völlig differenten Formen von Teamarbeit (hier als hochschul-homogene und Mixed-Teams bezeichnet), wurden die Studierenden über das ganze Semester durch Coaching vor Ort und digital unterstützt. Das Lehrdesign setzte weiterhin auf individuelles Literaturstudium, Lehreinheiten in Präsenz und digital (gemeinsam mit den beiden anderen Hochschulen) sowie den Einsatz einer digitalen Plattform (Trello) zur gemeinsamen Arbeit und Vernetzung. Außerdem kamen verschiedene digitale interaktive Methoden, wie Mentimeter, MURAL, Videos und Breakoutsessions, zum Einsatz, um vor allem die Beziehungsebene zwischen den Studierenden zu gestalten.

 

 

2. Aufbau der phasenabhängigen Lehr- und Lernmethoden in der LV

 

Die LV wurde in drei Arbeitsphasen eingeteilt, die spezifische Anforderungen an die Kollaboration umfassten. Im Vorfeld machten sich die Studierenden in hochschul-homogenen Teams mit den Zielen und Inhalten der LV vertraut und erarbeiteten eine fachspezifische Wissensbasis. Für die zweite Phase wurden Mixed-Teams aus jeweils 2-3 Studierenden aus Finnland, Deutschland, Österreich zusammengestellt. Die Teambildung erfolgte entsprechend der Thematik (Interesse an einer bestimmten Wissenschaftlerin) in Abstimmung zwischen Studierenden und Lehrenden. Die dritte Phase erfolgte wiederum in hochschul-homogenen Teams. Die erste Teamarbeit wurde entsprechend der Kriterien der jeweiligen HS bewertet. Die zweite Teamarbeit in den Mixed-Teams war eine gemeinsame Prüfungsleistung mit gemeinsamen Beurteilungskriterien.

 

2.1 Arbeit in hochschul-homogenen Teams in Präsenz

Die hochschul-homogenen Teams erarbeiteten eine fachspezifische Wissensbasis, die in der darauffolgenden Phase in die heterogene Teamarbeit einfloss. Diese erste Teamarbeit erfolgte interaktiv vor Ort an der Universität als auch im Selbststudium/Literaturarbeit und lag in der Eigenverantwortung der Teams. Die Teams verfügten über einen großen Handlungsspielraum, der auf der zweisemestrigen Zusammenarbeit beruhte. Die Studierenden kannten einander, ihre Stärken und die Erwartungen innerhalb ihres Studiums. Die Teamarbeit wurde aktiv durch die LV-Leiterin inhaltlich und strukturell begleitet. Die Bewertung der Leistung der Teams entsprach den Studienvorgaben der jeweiligen HS. Die Studierenden der WU erarbeiteten eine Präsentation und ein Paper zu ihrem Thema. Beides zusammen umfasste 25 Prozent Prüfungsleistung.

 

2.2 Arbeit in Mixed-Teams

In der zweiten Phase lernten die Studierenden sich im digitalen Raum über unterschiedliche digitale Tools kennen. Aufgrund der großen Anzahl der Studierenden wurden sowohl übergreifende Kennlerninstrumente als auch unterschiedliche kleinere Gruppenarbeiten eingesetzt. Anschließend fanden die sich im Vorfeld gebildeten Teams zusammen. Im Anschluss an die Kennlernphase präsentierten und diskutierten die hochschul-homogenen Teams aller drei HS ihr erarbeitetes Fachwissen. Die Studierenden der unterschiedlichen Hochschulen nahmen ihr spezifisches Fachwissen als Expert:innen mit in die Mixed-Teamarbeit hinein. Jedes heterogene Team bearbeitete eine Aufgabe, konkret die Analyse einer Wissenschaftlerinnenkarriere. Die gestellten Aufgaben konnten aufgrund des zeitlichen, methodischen und inhaltlichen Umfangs nur gemeinsam bewältigt werden, was ein zentraler Antreiber, neben dem Interesse für die Thematik (intrinsische Motivation), war. Die Studierenden nutzten für ihre Arbeit eine digitale Plattform sowie weitere digitale Mittel, um sich zu koordinieren und die Teamarbeit zu bewältigen. Ziel war es, neben einem Report eine Präsentation zum jeweiligen Thema zu erarbeiten. In Österreich gingen die schriftliche und mündliche Präsentation mit 50 Prozent in die Bewertung zur Endnote ein. In Finnland und Deutschland wurden Bericht und Präsentation mit bestanden/nicht bestanden bewertet. Innerhalb dieser Zusammenarbeit standen Studierende, Teams und Lehrende vor vielfältigen Herausforderungen, die weniger auf inhaltlichen Anforderungen beruhten. Neben Sprache, technischer Ausstattung und genannten unterschiedlichen Benotungssystemen stellten gewohnheitsmäßige Prägungen durch die Studienfächer die größten Herausforderungen dar. Das führte dazu, dass kulturell bedingte Stereotypen sich oft verstärkten und Auswirkungen auf gruppendynamische Prozesse hatten. Sprach- und Kommunikationsproblemen führten in einzelnen Teams zu Dominanzbeziehungen, Rollenzuschreibungen sowie Abgrenzungen. Diese Themen wurden kontinuierlich in Teamcoaching-Prozessen bearbeitet. Hilfreich war dabei die Spezialisierung der WU-Studierenden auf Diversitätswissen und entsprechende Diversitätskompetenzen, so dass die Konflikte produktiv bearbeitet werden konnten. Aufgrund der Teamcoachings arbeiteten letztendlich alle Mixed-Teams konstruktiv zusammen und erreichten am Ende ausgezeichnete Leistungen, d.h. alle Projekte wurden umfassend bearbeitet, abgeschlossen und die Ergebnisse präsentiert.

 

2.3 Reflexion in hochschul-homogenen Teams und Abschluss der LV

In Österreich setzte sich die Note aus den Bestandteilen der beiden genannten Teamarbeiten sowie eines individuellen thematischen Berichtes (25 Prozent) zusammen. In Finnland und Deutschland war lediglich die Teilnahme entscheidend. Diese unterschiedlichen Benotungssysteme gehörten zu den größten Herausforderungen für die Antragstellerin.

In der letzten Phase der LV reflektierten die hochschul-homogenen Teams, angeleitet durch die LV-Leiterinnen, ihre Zusammenarbeit. Die Teamreflexionen sowie die quantitative und qualitative Befragung zeigten, dass vor allem die Anwendung des theoretisch angeeigneten Wissens über Diversität und Diversitätsmanagement für das Lernen auf individueller Ebene zentral waren. Die Notwendigkeit, Diversitätskompetenzen zu nutzen, um die Herausforderungen in der heterogenen Teamarbeit zu bewältigen, wurde besonders hervorgehoben.

 

 

3. Hochschulübergreifende Evaluierung und kontinuierliche Supervision sowie wissenschaftliche Einbettung des Lehrkonzeptes

 

Innerhalb des Lehrsettings wurde didaktisch und methodisch der Frage nachgegangen, wie Teameffektivität in heterogenen Teams erreicht werden kann. Wichtig für eine kontinuierliche Anpassung des Lehrdesigns innerhalb des Lehrprojektes waren das Erkennen und Diskutieren sowie das Bewältigen von Herausforderungen, die sich innerhalb der LV dynamisch gestalteten. Notwendig war dafür ein regelmäßiger Austausch zwischen den Lehrenden, gegenseitige Informationen über die homogenen Teamarbeiten in der ersten Phase der Zusammenarbeit sowie Erkenntnisse aus den Coaching-Sessions sowohl zu den hochschul-homogenen als auch den Mixed-Teamarbeiten. Gleichzeitig erfolgte eine Supervision der LV, um Lernen für die Lehrenden zu ermöglichen.

 

Die wissenschaftliche Begleitung der LV war zentral, um Erkenntnisse über Diversität in Teams zu generieren und diese für zukünftige Lehrprojekte zu nutzen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gestaltung der didaktischen Herausforderungen sowie deren dynamische Anpassung für den Erfolg der virtuellen internationalen und interdisziplinären Teamarbeit zentral waren. Damit die Zusammenarbeit gelingt, mussten verschiedene Kommunikationsprobleme und Konflikte bewältigt und innerhalb der LV ein Diversity-Mindset geschaffen werden. Die kulturelle Prägung in Kombination mit differenten Hochschulformen und Fachkulturen stellte ein wesentliches Kriterium dar, um unterschiedliche Entscheidungsverhalten, Arbeitsstile und Umgang mit Diversitätsdimensionen zu verstehen. Weiterhin wirken sich diese kulturellen Unterschiede zwischen Fach-, Studien-, Hochschulkulturen auf die Einstellung zur Digitalisierung und den Umgang mit technischen Systemen aus. Auch unterschiedliche Benotungssysteme sind ein zentrales Kriterium in der Diskussion um Fairness und Verantwortung. Diese spezifischen habituellen Prägungen der Studierenden zeigten sich sehr vielfältig: im Umgang mit Zeit, Verlässlichkeit, Kompatibilität, Akzeptanz und Wertschätzung. Auch Themen wie Lebenssituationen, Studieren mit Kind oder in einem späteren Lebensabschnitt führten zu Irritationen und Missverständnissen, die geklärt werden mussten. Zentrale Erkenntnis aus dem Lehrprojekt ist, dass Lernen gerade in einem diversen Umfeld und trotz vielfältiger interkultureller und intersektionaler Barrieren gelingen kann, wenn die Inhalte motivierend sind und für die Studierenden eine Bereicherung innerhalb des Studienalltags darstellen.

 

Nutzen und Mehrwert

Der Mehrwert des Projektes ist sowohl bei Lehrenden als auch bei Studierenden zu sehen. Gleichzeitig ergibt sich ein Mehrwert für die jeweiligen beteiligten Hochschulen sowie über den Wissenstransfer für eine breite (interessierte) Mehrheit. Die Erfahrungen aus dem Lehrprojekt führten bei den Lehrenden zu einem Wissenszuwachs im Umgang mit diversen Teams. Gerade für die Thematik „Inklusive Lehre“ ist Wissen über intersektionale Verknüpfungen unterschiedlicher Diversitätsfaktoren, der Auswirkungen und Herausforderungen, die damit einhergehen, zentral. Für nachfolgenden Teamarbeiten und internationale Kooperationen führt dieses Wissen und die Kenntnisse zur Gestaltung und Aufsetzung entsprechenden Lehrdesigns zu einer Zeitersparnis. Die Erkenntnisse, wie wesentlich in digitalen Arbeitsfeldern das Wissen über den Einsatz passender digitale Tools ist und die Erfahrungen hinsichtlich Vor- und Nachteile dieser, führt langfristig zu einer Reduktion des Zeitaufwandes bei der Vorbereitung und Umsetzung von entsprechenden Lehrdesigns. Dazu trägt ebenfalls das Wissen über didaktische Konzepte in digitalen Räumen und großen Studierendengruppen bei. Konflikte und Missverständnisse werden durch Lehrkompetenz und konkretes Wissen im Umgang mit kulturellen Unterschieden, u.a. bezogen auf Fachdisziplinen, Hochschulen, Studienprogramme, Länder, Prüfungsmethoden vermieden bzw. können vermindert werden. Für die beteiligten Lehrenden stellt diese Erfahrung und das erworbene Know-how eine Basis für weitere Professionalität in der Gestaltung und Umsetzung der Lehre dar. Der Mehrwert für (zukünftige) Studierende liegt in den Erfahrungen der Lehrenden in der Gestaltung entsprechender Lern-und Lehrkonzepte, um in diversen Studierendengruppen einen Wissens- und Kompetenzzuwachs zu erreichen. Die das Lehrprojekt begleitende Forschung führt zu neuen Erkenntnissen sowohl auf didaktischer Ebene als auch in den konkreten fachspezifischen Forschungsfeldern.

Nachhaltigkeit

Die LV war an den Diskursen sozialer, ökologischer und gesellschaftlicher Transformation orientiert und fokussiert auf die UN-Nachhaltigkeitsziele, konkret die Säulen Geschlechtergleichstellung (Thema der LV) sowie hochwertige Bildung (Umsetzung der LV). Diese LV war eine Weiterentwicklung vorhergehender Lehrveranstaltungsdesigns zu Diversität und Diversitätsmanagement in Teams – in Präsenz und digital (im Rahmen der SBWL). Eingebunden wurden die Vorgänger-LV mit der Thematik inklusive Lehre an der WU (in Verbindung mit Wissenschaftskommunikation und Digitalisierung) sowie die Erfahrungen aus den (virtuellen) Interkulturellen Trainings an der WU. Die Beschäftigung mit didaktischen Herausforderungen in Bezug auf die Vielfalt der Studierenden gehören zu den zentralen Forschungsthemen. Dementsprechend werden die Erkenntnisse aus der LV veröffentlicht und fließen in neue Lehrdesigns ein. Aktuell wird dieses Lehrkonzept im Rahmen der Kooperation mit der Stellenbosch Universität diskutiert und angepasst. Die Erkenntnisse aus dem Studierendenfeedback sowie der SoTL-Untersuchung fließen in die Weiterentwicklung des Lehrdesigns ein. Dabei sind 2 Themen zentral: passende digitale Plattformen für den Austausch (bzw. die Möglichkeit der Verknüpfung universitätsspezifischer Plattformen) und gemeinsame Prüfungsschemata.

Dissemination/Transfer

Die Erkenntnisse des Lehrprojektes fließen unmittelbar in aktuelle und folgende LVs ein. Zum einen werden Studierende genau in diesem Themenfeld ausgebildet, zum anderen liegt ein Fokus der Antragstellerin auf inklusiver Lehre, Diversität und Diversitätsmanagement in Teams sowie interkulturellem Lernen. Die Forschungsergebnisse werden in weitere Erhebungen eingebunden. Ein ähnliches Studierendenprojekt wird in anderen kulturellen Kontexten geplant, um in diesem Zusammenhang „blinde Flecken“ in Bezug auf andere (nicht-westliche) Kulturen zu schließen.

Die Verknüpfung von Teamarbeit, Diversitätssensibilität und Digitalisierung ist eine Chance für zukunftsorientiertes Lehren und Lernen im Hochschulbereich. Insgesamt 79 Studierende und 5 Lehrende aus drei Ländern erarbeiteten gender- und diversitätsrelevantes Wissen und eigneten sich Kompetenzen in der Zusammenarbeit an (und sind damit Multiplikator*innen). Zentral ist dabei, dass über entsprechende Lehr- und Lerndesigns Diversität als Mehrwert betrachtet wird. Diversität steigert das Reflexionsvermögen in Bezug auf die Inhalte und die soziale Interaktion. Die zukünftige Erarbeitung digitale Lehr- und Lernmaterialien ermöglicht einen Wissenstransfer für zukünftige Studierende. Ebenfalls arbeiten alle beteiligten Lehrenden in diesem Bereich (mit unterschiedlichem Fokus) weiter.

Das Thema inklusive Lehre baut auf Verständnis und Reflexionsvermögen der Lehrenden und Lernenden auf. Die Erfahrungen aus dieser LV ist generell übertragbar. Unterschiedliche Wissenszugänge der Studierenden als Möglichkeit der Ressourcennutzung zu sehen, Diversität nicht als Nachteil zu behandeln (sondern als notwendige Bedingung) und zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels, setzt entsprechende Lehrmethoden voraus. Lehren und Lernen sollte an den Bedürfnissen und Grenzen der Studierenden ansetzen, so ist auch "Internationalisation at Home" eine Chance auf Teilhabe. Ein weiteres Erfolgskriterium dieser LV war die Praxisnähe.

Institutionelle Unterstützung

Das Lehrprojekt wurde finanziell über eine SoTL-Förderung der WU unterstützt. Gleichzeitig stellte die WU Wissen und Ressourcen für eine gelungene Umsetzung zur Verfügung. Aufgrund der Neuheit des Formates und der Anzahl der Studierenden mussten die Rahmenbedingungen für die Lehrveranstaltung bearbeitet werden. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven aufgrund unterschiedlicher HS machte es notwendig, alle verwendeten Tools und Methoden kritisch zu prüfen und anzupassen. Der Prozess des Lehrens und Lernens steht u.a. in Bezug zum Grad der Diversität im Lernsetting. Im vorgestellten Lehrdesign sind die Lehr- und Lernkulturen sehr unterschiedlich. Die studentischen Zielgruppen unterschieden sich bei Studienzielen, fachspezifischen Werten und Normen sowie Denkmustern, digitalen Kompetenzen und Sprachfähigkeiten. Bewertungssysteme, Seminarzeiten, digitale Lernplattformen mussten angepasst werden. Die Heterogenität der Studierenden rückte Diskussionen um Erfolgs- und Leistungsverständnis, Inhalte und Herangehensweise an die Projektarbeit und Beziehungsgestaltung in den Vordergrund. Gleichzeitig war die Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken des Lehrens und Lernens innerhalb eines „International Classrooms“ ein innovativer Ansatz, gerade in Zeiten der gesellschaftlichen Transformation. Die Umsetzung dieser Lehrveranstaltung wäre ohne administrative Lehrunterstützung nicht möglich gewesen. Von deutscher Seite wurde das Projekt über den DAAD gefördert.

Positionierung des Lehrangebots

Die LV fand in Kooperation zwischen drei Hochschulen aus Deutschland, Finnland und Österreich statt. An der WU richtet sich die Lehrveranstaltung an Studierende des Bachelorstudiums Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Wirtschaftsrecht, die eine Spezialisierung im Bereich Diversitätsmanagement belegen. Die Studierenden bearbeiten in einem Projekt konkrete praxisrelevante Aufgabenstellungen, in welche sie ihr Wissen und ihre Kompetenzen aus zwei Semestern Gender- und Diversitätsmanagement einbringen. Gleichzeitig bereitet diese Lehrveranstaltung auf das Schreiben der Bachelorarbeit vor und ermöglicht einen Einblick in praxisrelevante Problemstellungen. In dieser LV werden theoretische, und methodische Elemente interdisziplinär und international kombiniert, um die Studierenden mit fokussiertem wissenschaftlichen Arbeiten vertraut zu machen und gleichzeitig die wissenschaftlichen Erkenntnisse in internationale Handlungsstrategien umzusetzen.

Links zu Social Media-Kanälen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2023 nominiert.
Ars Docendi
2023
Kategorie: Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Ansprechperson
Dipl.Kffr. Dr.in Anett Hermann
Department Management, Institut für Gender und Diversität in Organisationen
+43 1 31336-5162
Nominierte Person(en)
Dipl.Kffr. Dr.in Anett Hermann
Department Management, Institut für Gender und Diversität in Organisationen
Themenfelder
  • Digitalisierung
  • Diversität und Soziales
  • Erfahrungslernen
  • Forschung/EEK geleitete Lehre
  • Internationalisation@home
  • Kooperationen in der Lehre
  • Lehr- und Lernkonzepte
  • Wissenschaftliche (Abschluss)Arbeiten
  • Flexibel Studieren
Fachbereiche
  • Wirtschaft und Recht
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften