Fachhochschule Joanneum GmbH
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Diätologie 2030 – ein interprofessionelles, anwendungsorientiertes Lehrkonzept zur Förderung der Beratungskompetenz

Ziele/Motive/Ausgangslage/Problemstellung

Am Bachelor-Studiengang Diätologie der FH JOANNEUM erwerben die Studierenden die für den Beruf geforderten fachlich-methodischen, sozialkommunikativen, wissenschaftlichen und Selbst-Kompetenzen entsprechend der FH-MTD-Ausbildungsverordnung. Neben fachspezifischen Kompetenzen werden u.a. aufgrund von gesellschaftlichem Wandel durch z.B. Migration und wachsenden Ungleichheiten, technischen Innovationen wie der Digitalisierung sowie dem Bedarf einer nachhaltigen Entwicklung auch nicht-fachliche Kompetenzen wie kritisches Denken, Kreativität, Kollaboration und Kommunikation sowie Lebenskompetenzen und digitale Kompetenzen immer wichtiger, um komplexe Herausforderungen meistern zu können (OECD, 2019; UNESCO, 2017).

Erkennbar wird der Aspekt des sozialen Wandels u.a. durch die Anzahl an armuts- oder ausgrenzungsgefährdeten Menschen, die 2021 in Österreich bei 17,3 % der Gesamtbevölkerung lag (Statistik Austria, 2021). Eine weitere vulnerable Zielgruppe stellen z.B. Personen mit Behinderungen dar, wovon aktuell rund 1,4 Millionen Menschen in Österreich betroffen sind (Österreichischer Behindertenrat, 2023). Die berufliche Tätigkeit von Diätolog*innen verlangt besonders im Umgang mit vulnerablen Personen(gruppen) weit mehr als die bloße Weitergabe von fachlichen Informationen im Bereich der Ernährung bzw. Diätetik. Diätolog*innen sind in vielen Fällen Bezugspersonen über einen längeren Zeitraum, oft auch im Kontext mit Krankheit und Schicksalen.

Die Studierenden und Kolleg*innen im Feld sind besonders in den Bereichen Kommunikation und Beratungstechnik gefordert, um professionell mit diesen Situationen umgehen zu können. Die Entwicklung dieser Kompetenzen erfordert eine breite Palette an Wissen und Fertigkeiten, welche die Studierenden unabhängig von ihrem Vorwissen, ihrer Sozialisierung und ihren Bildungsbiografien im Studium der Diätologie erwerben sollen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde im Zuge einer Curriculumsänderung des Instituts Diätologie im Jahr 2018 ein semesterübergreifendes, interprofessionelles und anwendungsorientiertes Lehrkonzept geplant, welches es den Studierenden erleichtern soll, die geforderten Kompetenzen zu entwickeln und somit die übergeordneten Learning-Outcomes zu erreichen.

Das neue Konzept wird seit 2019 umgesetzt und erreicht seither alle Jahrgänge.

Literatur:

OECD (2019). OECD Lernkompass 2030. OECD-Projekt Future of Education and Skills 2030. Rahmenkonzept des Lernens. Online: www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/in-vielfalt-besser-lernen/projektthemen/digitalisierung/21st-century-skills; Österreichischer Behindertenrat (2023). Der Österreichische Behindertenrat. Online: www.behindertenrat.at/ueber-uns/; Statistik Austria (2021). Armut. Online: www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/einkommen-und-soziale-lage/armut; UNESCO (2017). Education for Sustainable Development Goals. Learning Objectives. Online: unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000247444

Kurzzusammenfassung des Projekts

Im Jahr 2019 entstand am Studiengang Diätologie ein interprofessionelles, institutsübergreifendes sowie kompetenzorientiertes Lehr- und Lernkonzept, welches seither kontinuierlich quantitativ und qualitativ evaluiert wird. Studierende werden dabei befähigt, Ernährungsberatungen für verschiedenste Zielgruppen (interprofessionell) durchzuführen und zu reflektieren. Das Konzept ist semesterübergreifend und wird von den Instituten Diätologie, Gesundheits- & Krankenpflege sowie Soziale Arbeit umgesetzt. Zu Beginn führen die Studierenden selbstständig Präsenz- und Online-Ernährungsberatungen mit Laienschauspieler*innen zu definierten Indikationen durch und orientieren sich dabei am standardisierten Ablaufmodell des Diätologischen Prozesses. Darauf aufbauend nehmen sie in unterschiedlichen Rollen an einem Simulationstraining mit Fokus auf herausfordernde Beratungssituationen sowie interprofessionelle Kommunikation im Krankenhaus teil. Im Anschluss werden Anforderungen an die Beratung von vulnerablen Zielgruppen angewandt vermittelt und schließlich im Rahmen der angeleiteten Konzeption und Durchführung von Workshops für eben diese umgesetzt. Durch die Interprofessionalität, die Praxisorientierung und das persönliche Rollen-Erleben werden die Studierenden in einem geschützten Rahmen sukzessive auf den beruflichen Alltag vorbereitet und erwerben dabei die geforderten Kompetenzen. Die vielschichtigen Reflexionsebenen erweitern den persönlichen und fachlichen Kompetenzzuwachs zusätzlich.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

In 2019, an interprofessional, cross-institutional and competence-oriented teaching and learning concept was developed at the study program in dietetics, and it has since undergone continuous quantitative and qualitative evaluation. Students are enabled to interprofessionally conduct and reflect on nutritional consultations for a variety of target groups. The inter-semester concept is implemented by the institutes of dietetics, nursing, and social work. Beginning with face-to-face and online nutritional consultations with lay actors for specific indications, the students autonomously familiarize themselves with the standardized process model of the dietetic process. Based on this, they take part in a simulation training in various roles with a focus on challenging counselling situations and interprofessional communication in the hospital. Subsequently, requirements for the counselling of vulnerable target groups are taught in an applied manner and finally implemented within the framework of the guided conception and implementation of workshops for these target groups. Students are gradually prepared for professional daily life in a safe environment and acquire the necessary competencies through interprofessionalism, practice orientation, and personal role experience. The development in personal and professional competence is also expanded by the multi-layered levels of reflection.

Nähere Beschreibung des Projekts

Das neue Lehrkonzept zielt auf den Einsatz innovativer Lehr- und Lernformen zur Umsetzung des kompetenzorientierten Curriculums sowie einen gelungenen Theorie-Praxis-Transfer im Bachelor-Studiengang Diätologie ab. Dies geschieht im Rahmen der aufeinander aufbauenden Module „Ernährungsberatung und Kommunikation 1 und 2“, „Ernährung im soziokulturellen und gesundheitspolitischen Kontext“ sowie „Angewandtes Projektmanagement und Dissemination“, die sich vom 3. bis zum 5. Semester erstrecken und insgesamt sechs Lehrveranstaltungen (LV) beinhalten (siehe Link zur Grafik „Ablauf und Einbettung der Lehrveranstaltungen des Lehrkonzeptes im Curriculum“). Die Planung, Umsetzung und Weiterentwicklung des Lehrkonzepts erfolgte und erfolgt kollaborativ durch die an den LVs beteiligten Lehrenden der Institute Diätologie, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Soziale Arbeit.

Die Lernziele dieses neuen Lehr- und Lernkonzeptes wurden so definiert, dass alle Lernzielebenen (kognitiv, affektiv und psychomotorisch) gleichermaßen bedient werden können, um die Erreichung der geforderten Kompetenzen sicherzustellen. Im Wesentlichen zielen diese darauf ab, dass die Studierenden Ernährungsberatungen auf der Grundlage des Ablaufmodells des Diätologischen Prozesses fachlich und methodisch selbstständig und qualitätsgesichert planen, durchführen und dokumentieren sowie ihr therapeutisches Handeln reflektieren und weiterentwickeln können. Als Basis hierfür dient das bio-psycho-soziale Modell, um systemisches Denken und Wirken der Studierenden zu fördern (Gäbler & Hofbauer, 2020). Weiters, dass sie Methoden der Gesprächsführung zielgerichtet im Umgang mit Patient*innen, Angehörigen und Kolleg*innen anderer Professionen anwenden und durch das Erkennen von Zuständigkeiten der jeweiligen Professionen zum Wohle von Patient*innen im interprofessionellen Team arbeiten können. Darüber hinaus können die Studierenden auf Bedürfnisse vulnerabler Zielgruppen eingehen sowie Inhalte in zielgruppengerechte Sprache transferieren und schließlich ihre Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Konfliktfähigkeit, Kritikfähigkeit und Reflexionsfähigkeit sowie ihr berufliches Rollenverständnis weiterentwickeln. Die Module und dazugehörigen LVs, die das neue Lehrkonzept umfassen, werden von den Studierenden übergeordnet unter Bezug auf die subjektiv wahrgenommene Kompetenzerweiterung anonym quantitativ und qualitativ evaluiert, wodurch eine Überprüfung der Erreichung der Lernziele (Outcomes) möglich ist. Die Ergebnisse daraus dienen darüber hinaus der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Konzepts. Ausgehend von vorausgehenden und begleitenden theoretischen und praktischen Inputs zu den relevanten Beratungsstrategien für die Ernährungsberatung (LV Beratungstechnik 1 im 3. Semester) führen die Studierenden im 3. und 4. Semester ihre ersten selbstständigen Ernährungsberatungen mit Laienschauspieler*innen als Patient*innen zu definierten Indikationen (Stoffwechselerkrankungen und nephrologische Erkrankungen) durch. Die Studierenden absolvieren in diesem Rahmen für jede*n fiktive*n Patient*in sowohl Beratungen im Präsenz- als auch im Online-Setting (LV Angeleitetes Praktikum 1 und 2).

In Bezug auf die Lernzielerreichung bieten Schauspieler*innen ein optimales Lernfeld zur Erprobung eines klient*innenzentrierten Zugangs, da sie neben vorgegebenen medizinischen Diagnosen, relevanten Parametern und Regie-Anweisungen durch die Lehrenden eine Vielfalt an Biografien, Charakteren und weiteren bio-psycho-sozialen Aspekten in die Beratungen einbringen. Bei jeder Beratung wird mittels standardisierter Bögen für Reflexion und Beurteilung die Erreichung der geforderten Lernziele sowie ein umfangreiches verbales Feedback für die Studierenden festgehalten. Die mehrschichtige Reflexionsmöglichkeit in Form von Feedback durch den*die Laienschauspieler*in, die hospitierenden Mitstudierenden, der jeweiligen Lehrenden sowie einer Eigenreflexion des*der beratenden Studierenden nach jeder Beratung ermöglicht eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Beratungskompetenz der Studierenden. Die Planung, Durchführung, Dokumentation und Reflexion dieser Beratungen erfolgt systematisch auf Basis des standardisierten Ablaufmodells des Diätologischen Prozesses. Dieser ist neben der Beurteilung der Vorbereitung und Durchführung der Beratungen Teil des Leistungsnachweises der LV Angeleitetes Praktikum 1 und 2. Dieses Setting bietet den Vorteil, die ersten Beratungen in einem geschützten Umfeld (unter Anleitung von Lehrenden sowie mit Schauspieler*innen) durchführen zu können. Aus Sicht der Studierenden ist es sehr entlastend, in der ersten Beratung noch keine*n „echte*n Patient*in“ vor sich zu haben und eine sehr umfangreiche Reflexion zu erleben. Durch die Durchführung der (Online-)Ernährungsberatungen können die Studierenden unterschiedliche Aspekte wie die sprachlich angepasste Vermittlung fachlicher Inhalte, das Arbeiten anhand der Prozessschritte des Diätologischen Prozesses, das Anwenden individuell ausgewählter Beratungstechniken sowie das Handhaben der Herausforderungen der Beratung im Online-Setting vereinen und konzentrieren. Darauf aufbauend nehmen die Studierenden an einem Simulationstraining teil, dessen Fokus auf herausfordernde Gesprächs- und Beratungssituationen sowie interprofessionelle Kommunikation im Krankenhausalltag liegt (LV Beratungstechnik 2 im 4. Semester) und von Lehrenden der Institute Diätologie und Gesundheits- und Krankenpflege gemeinsam durchgeführt wird. Simulationstrainings im Gesundheitsbereich tragen nachweislich dazu bei, Sicherheit und Leistungsfähigkeit von in Gesundheitsberufen tätigen Menschen in komplexen Situationen zu steigern (Rall & Lackner, 2010). Dabei unterstützt Simulation als innovative Lehr- und Lernform Studierende dabei, soziale und kommunikative Kompetenzen zu verfeinern und den Theorie-Praxis-Transfer zu verbessern sowie deren Analyse- und Synthesefähigkeit positiv zu beeinflussen (Adib-Hajbaghery & Sharifi, 2017).

Das Simulationszentrum des Instituts für Gesundheits- und Krankenpflege ist mit modernem high-fidelity Simulationsequipment ausgestattet, was zur Erhöhung des Realitätsgrades im Training beiträgt. Aufbauend auf die o.g. LVs werden drei verschiedene Simulationsszenarien definiert. Für die Settings werden Drehbücher für den Ablauf, konkrete Rollenbeschreibungen aller Teilnehmenden als auch detaillierte Fallbeispiele von den Lehrenden der Institute Diätologie und Gesundheits- & Krankenpflege erarbeitet und die Studierenden auf das Simulationstraining vorbereitet. Alle Studierenden nehmen einerseits aktiv in einer definierten Rolle (Diätolog*in, Patient*in, Angehörige*r oder Bettnachbar*in im Krankenzimmer) an einem Simulationsszenario teil, andererseits verfolgen sie via Live-Stream im Vorlesungsraum die weiteren Szenarien mit konkreten Beobachtungsaufträgen. In einem Block von vier Lehreinheiten werden drei Szenarien simuliert. Die aktiv teilnehmenden Studierenden werden für ihre Rollen entsprechend realitätsnah vorbereitet (Kleidung, Accessoires), um sich noch besser in die Rolle einfühlen zu können. Die drei Szenarien werden nach folgendem 4-teiligen Ablaufmodell durchgeführt:

  1. Briefing aller Studierenden auf die fachlichen und organisatorischen Anforderungen des Szenarios.
  2. Briefing der aktiv am Szenario teilnehmenden Studierenden hinsichtlich ihrer Rollen und der durchzuführenden Tätigkeit.
  3. Durchführung des Szenarios (z.B. Übergabegespräch Pflegeperson an den*die Diätolog*in; Erhebung eines diagnosespezifischen Assessments; spezifische Ernährungsberatung zu einem konkreten inhaltlichen Aspekt einer Beratung).
  4. Debriefing des Szenarios mit allen Studierenden aus fachlich-inhaltlicher sowie beratungstechnisch-kommunikativer Sicht.

Im Rahmen der simulierten Szenarien erweitern die Studierenden ihre interprofessionelle Kommunikationsfähigkeit sowie ihre Beratungskompetenz unter herausfordernden Bedingungen, welche durch den Einbau von Störungen der Gesprächssituation simuliert werden. Die Studierenden erleben es als weitere günstige Gelegenheit, in einem sicheren Umfeld Beratungstechniken zu erproben, während das Einnehmen anderer Rollen den wichtigen Perspektivenwechsel ermöglicht. Darüber hinaus erfolgt durch die interprofessionelle Kommunikation mit der Gesundheits- und Krankenpflege ein wertvolles Erkennen von Schnittstellen und Herausforderungen anderer Berufsgruppen. Auf Basis des bisher angeeigneten Wissens und der gewonnen Erfahrungen der Studierenden werden schließlich theoretische und praktische Anforderungen an zielgruppenspezifische Beratungssituationen praxisnah und interprofessionell vermittelt und durch die Studierenden beübt und reflektiert (LV Beratungstechnik 3 im 5. Semester).

Vor dem Hintergrund aktueller und zukünftiger sozialer, ökonomischer sowie ökologischer Herausforderungen werden die Studierenden durch die Schwerpunktsetzung auf vulnerable Zielgruppen für gesellschaftliche Ungleichheiten und deren Konsequenzen sensibilisiert. Im Fokus steht das Entwickeln von Bewusstsein und das Erlernen von Beratungsskills für die Beratung von z.B. Kindern und Jugendlichen, Menschen mit physischen und psychischen Beeinträchtigungen, mit Lernschwierigkeiten sowie Menschen aus anderen Kulturkreisens und Religionen, mit sozio-ökonomischer Benachteiligung, Suchterkrankungen und unheilbaren Erkrankungen. Um den Studierenden einen differenzierten Zugang zu den genannten Personengruppen zu ermöglichen, kooperieren in diesem Bereich die Institute Diätologie und Soziale Arbeit. So erlangen die Studierenden ein tiefergehendes Verständnis bzgl. Erreichbarkeit, Bedürfnissen und Bedarf sowie spezifischen Problemlagen von vulnerablen Zielgruppen und können dies im beruflichen Kontext umsetzen.

Durch Kooperationen mit Institutionen wie z.B. Lebenshilfe, vivid Fachstelle für Suchtprävention, u.a. können die Studierenden auch in direkten Kontakt mit Personen aus vulnerablen Gruppen treten. Sie erhalten dabei Inputs zum Thema Inklusion, gewinnen Einblicke in die Lebensbereiche vulnerabler Zielgruppen und können dadurch ihren persönlichen Horizont erweitern, ihre Fähigkeiten im klient*innenzentrierten Arbeiten weiterentwickeln sowie ihr interprofessionelles Handeln und Denken stärken. Darüber hinaus werden die Studierenden darauf sensibilisiert, den sozioökonomischen Status als auch mentale Befunde von Patient*innen und Klient*innen zu berücksichtigen. Im Sinne der Anwendungsorientierung der Ausbildung erfolgt schließlich die Konzeption und Durchführung von Workshops für definierte vulnerable Zielgruppen auf Basis der bisher entwickelten Fähigkeiten aus den vorhergehenden LVs in der LV Disseminiertes Ernährungsprojekt im 5. Semester.

Die Workshops werden partizipativ mit Personen aus der Zielgruppe entwickelt und z.B. als Präsenz-Workshops oder auch als asynchrone Webinare konzipiert. Die Inhalte aus den begleitenden LV Public Health sowie Ernährung und Nachhaltigkeit fließen ebenfalls in die Konzeption der Workshops mit ein. Sie beschäftigen sich u.a. sowohl intensiv mit den Sustainable Development Goals (SDG) als auch mit der Planetary Health Diet und deren Relevanz für die Berufsgruppe bzw. Zielgruppen. Literatur: Gäbler G & Hofbauer A (Hrsg.) (2020). Der Diaetologische Prozess. Qualitätsstandard für die diaetologische Praxis. 1. Auflage. Wien: Verband der Diaetologen Österreichs; Adib-Hajbaghery M & Sharifi N (2017). Effect of simulation training on the development of nurses and nursing students’ critical thinking: A systematic literature review. Nurse Education Today, 50, 17–24; Rall M & Lackner CK (2010). Crisis Resource Management (CRM). Der Faktor Mensch in der Akutmedizin. Notfall Rettungsmed, 13, 349-356.

Nutzen und Mehrwert

Durch die Modulstruktur, in die das Lehrkonzept eingebettet ist ergibt sich eine sehr strukturierte und kontinuierliche Kommunikation zwischen allen beteiligten Lehrenden. Es hat sich bewährt, eine Person mit der Modulverantwortung zu betrauen, die mit allen Lehrenden in engem, ständigem Austausch steht, damit das Lehrkonzept rasch, bedarfsgerecht und dynamisch adaptiert werden kann. Durch diese Kollaboration entstehen beispielsweise gemeinsam genutzte und/oder aufeinander verweisende Syllabi, Beurteilungs- und Reflexionsbögen sowie Lehrmaterialien. Für die Studierenden ergibt sich ein Lernumfeld, welches alle Lerntypen adressiert und dabei die Heterogenität hinsichtlich Ausbildungsstands und Vorerfahrungen berücksichtigt. Dies wird u.a. dadurch ermöglicht, dass durchgehend Lernziele auf kognitiver, affektiver und psychomotorischer Ebene formuliert werden und die didaktische Umsetzung lernerleichternd erfolgt. Des Weiteren fließt Feedback von den Studierenden direkt an die im Lehrkonzept beteiligten Lehrpersonen zurück und führt damit zur aktiven Beteiligung der Studierenden bei der Konzeption und Durchführung des Lehrkonzepts. Dabei werden auch relevante Rückmeldungen hinsichtlich einer guten Studierbarkeit auf allen Ebenen (inhaltlich, didaktisch, organisatorisch, …) für die Weiterentwicklung berücksichtigt. Die Kollaboration zwischen den Lehrenden der verschiedenen Institute erfolgt in Form von regelmäßiger Abstimmung durch Feedbackgespräche, Entwicklungsmeetings und Fokusgruppen. Nach Abschluss einer jeden LV werden die Learnings aus der aktuellen Umsetzung reflektiert und im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses für die Planung des nächsten Durchlaufs vorgemerkt. Der Aufwand bei der Konzipierung der ersten Anwendung des Lehrkonzepts war erwartungsgemäß sehr hoch. Die dafür notwendigen zeitlichen Ressourcen der Modulverantwortlichen und Lehrenden konnten mittlerweile durch die Übernahme in den Routinebetrieb auf wenige Stunden reduziert werden.

Nachhaltigkeit

Das Lehrkonzept wird langfristig am Institut Diätologie implementiert, laufend reflektiert und weiterentwickelt und erreicht mittlerweile alle Studierenden im Bachelor-Studium Diätologie. Durch den innovativen und interprofessionellen Ansatz können unterschiedliche Sichtweisen und Zugänge das Konzept weiterhin kontinuierlich verändern. Durch das Lehrkonzept kann Nachhaltigkeit auch auf gesellschaftlicher Ebene erreicht werden. Die intensive Auseinandersetzung der Studierenden mit vulnerablen Bevölkerungsgruppen trägt dazu bei, diese Personen vor weiteren Stigmatisierungen zu schützen. Weit verbreitete Vorurteile gegen z.B. psychisch kranke oder süchtige Menschen können so abgebaut werden. Inklusion findet somit praktisch und nicht nur im theoretischen Kontext statt. Am Beispiel des Kochbuchs in Leichter Sprache wird sichtbar, dass dieses Lehrkonzept direkt in den Forschungs- & Entwicklungsbereich am Institut Diätologie einfließt. So findet das genannte Kochbuch mit den im Lehrkonzept entwickelten Materialien konkret Anwendung im ebenfalls vom Institut umgesetzten Projekt „Regionale Ernährungsberatung“, das kostenlose Ernährungsberatungen für sozioökonomisch benachteiligte Menschen steiermarkweit zur Verfügung stellt. Dadurch kann indirekt wiederum Entstigmatisierung von vulnerablen Gruppen stattfinden und zusätzlich dem Aspekt der forschungsgeleiteten Lehre Rechnung getragen werden.

Dissemination/Transfer

Das vorliegende Lehrkonzept ist in einigen Punkten auf andere Lehrsituationen innerhalb und außerhalb der eigenen Hochschule übertragbar. Besonders hervorzuheben sind dabei der Aufbau einer Modulstruktur mit einer verantwortlichen Person, die im ständigen dokumentierten Austausch mit den beteiligten Lehrenden und Studierenden bleibt und den Gesamtüberblick für die Steuerung des Moduls behält. Übertragbar sind ebenfalls konkrete Überlegungen zur Erstellung von einheitlichen didaktischen Lehrmaterialien, wie z.B. transparente Beurteilungs- und Reflexionsbögen. Das Einholen von kontinuierlichem Feedback durch die Studierenden ist ein sehr wertvolles Instrument, um diese partizipativ in die Gestaltung von Lehrkonzepten einzubinden und kann auch in anderen Studiengängen angewandt werden. Dieser Fokus ermöglicht eine gute Teilnehmer*innenorientierung und in weiterer Folge eine hohe Akzeptanz des Lehrkonzepts. Konkrete Beispiele für Möglichkeiten eines Transfers von Aspekten dieses Lehrkonzepts auf andere Lehrsituationen sind: Fallbeispiele, klient*innenzentrierte Beratungssituationen, prozessgeleitetes Arbeiten, angewandte Studierendenprojekte sowie instituts- bzw. institutionsübergreifendes Arbeiten, um eine Pluralität von Expertisen einfließen lassen zu können. Teile des Lehrkonzepts werden österreichweit sowohl über regelmäßige fachhochschulübergreifende Lehrendenkonferenzen als auch Praktikumsanleiter*innentreffen zum gegenseitigen Austausch und zur Vernetzung im Bereich Diätologie disseminiert. Durch Parallelen zu den Ausbildungen von anderen Gesundheitsberufen können ähnliche Konzepte in deren Curricula implementiert werden. Von den Studierenden erstellte Materialien aus dem beschriebenen Lehrkonzept sind auf der Website des Gesundheitsfonds Steiermark dauerhaft frei zugänglich. Auch wurden diese in ein Kochbuch in Leichter Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten integriert und stehen dadurch nachhaltig für diese definierte vulnerable Zielgruppe zur Verfügung.

Institutionelle Unterstützung

Im Jahr 2019 wurde das vorliegende Lehrkonzept im Rahmen einer Curriculumsänderung im Curriculum des Instituts Diätologie sichtbar verankert. Dadurch konnten Rahmenbedingungen auf institutioneller Ebene geschaffen werden, die institutsübergreifendes Lehren und in weiterer Folge eine niederschwellige Implementierung von interprofessioneller Lehre ermöglichen. Vice versa wird diese interprofessionelle Lehre auch von den beiden anderen Instituten der FH JOANNEUM, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Soziale Arbeit, intensiv unterstützt. Eine regelmäßige finanzielle Unterstützung seitens des Instituts Diätologie in Form einer Aufwandsentschädigung für die Laienschauspieler*innen im Rahmen der LV Angeleitetes Praktikum 1 und 2 wirkt sich ebenfalls unterstützend auf die nachhaltige Durchführung des Lehrkonzepts aus. Das interprofessionelle Simulationstraining profitiert weiters von der Möglichkeit der Nutzung der bestehenden Simulations-Infrastruktur des Instituts Gesundheits- und Krankenpflege. Die unentgeltlichen Kooperationsmöglichkeiten mit Institutionen wie Lebenshilfe oder vivid Fachstelle für Suchtprävention erleichtern die Durchführung einzelner LVs aus dem Lehrkonzept aus ökonomischer Sicht. Die Klient*innen der Lebenshilfe profitieren wiederum von den aus der Kooperation entstandenen Materialien.

Positionierung des Lehrangebots

Das Angebot erreicht Studierende im Bachelor-Studiengang Diätologie, semesterübergreifend vom 3. bis zum 5. Ausbildungssemester.

 

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2023 nominiert.
Ars Docendi
2023
Kategorie: Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur
Ansprechperson
Manuela Hatz, MEd
Institut Diätologie
+43 316 5453-6765
Nominierte Person(en)
Manuela Hatz, MEd
Institut Diätologie
Anna Auer, BSc, MSc
Institut Diätologie
Theresa Draxler, BSc, MSc
Institut Diätologie
DSA Gert Enzi, MSc
Institut Soziale Arbeit
Daniela Grach, MSc
Institut Diätologie
Isabella Sumerauer, BSc, MSc
Institut Gesundheits- und Krankenpflege
Themenfelder
  • Curriculagestaltung
  • Diversität und Soziales
  • Erfahrungslernen
  • Kooperationen in der Lehre
  • Lehr- und Lernkonzepte
  • Infrastruktur/Lehrmaterialien
  • Schnittstelle zum Arbeitsmarkt
  • Wissenschaftsvermittlung
Fachbereiche
  • Medizin und Gesundheitswissenschaften