Zuletzt aktualisiert am 07.02.2025
"International Days" - Transdisziplinäre Lehrveranstaltung für musik- und kunstpädagogische Studienrichtungen an der Universität Mozarteum
Projektname des bereits eingereichten Projekts:
Ars Docendi Kategorie
Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Gruppengröße
< 20
Kurzzusammenfassung des Projekts
Die Konzeption der Lehrveranstaltung „International Days“, erstmals im Dezember 2022 an der Universität Mozarteum verwirklicht, wurde aus der Motivation heraus entwickelt, die unterschiedlichen musik- und kunstpädagogischen Studienrichtungen der Universität zusammenzuführen. Durch die getrennten Lehrveranstaltungen und die räumliche Separation der Studiengänge findet wenig (fachlicher) Austausch unter den Studierenden statt. Die in der Lehrveranstaltung angestrebte Vernetzung sollte den Blick für transdisziplinäres Arbeiten öffnen, den Austausch diverser Blickwinkel auf Kunst- und Musikpädagogik anregen und Angebote setzen, die über die verpflichtenden Curriculumsinhalte der Musik- und Kunstpädagogikstudien hinausgehen. Um den Blick über institutionelle Grenzen hinweg zu erweitern, wurden neben Bachelor- und Master-Studierenden der Musik- und Kunstpädagogik zusätzlich Lehrende und Studierende ausgewählter Musik- und Kunstuniversitäten aus dem In- und nahen Ausland eingeladen. Umgesetzt wurde diese Vorlesung mit Übung in geblockter Form innerhalb von vier Tagen. Dabei wirkten theoretische Impulse wie Key Notes, performative Impulse wie Konzerte und Präsentationen durch Studierendengäste, Impulse zum Austausch wie innerhalb des Treffpunkts „living room“, zusammen. Als Ergebnissicherung der Lehrveranstaltung diente eine Zusammenführung nicht nur der ‚Resultate’ und ‚Produkte’, sondern insbesondere der Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden über die eigenen Erfahrungen.
Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache
The "International Days" course, realised for the first time at the Mozarteum University in December 2022, was designed with the intention of bringing together the university's various music and art education programmes. Due to their separate courses and spatial separation, there is often little (professional) exchange between the students. The intended networking in the course was meant to open perspectives for transdisciplinary work, to stimulate exchanges of diverse perspectives on art and music education, and to offer content beyond the obligatory curricula of music and art education studies. To broaden the view beyond institutional boundaries, teachers and students from selected music and art universities in Austria and neighbouring countries were invited in addition to Mozarteums very own bachelor's and master's students of music and art education. During the four days, the lectures and practical exercises were held in a block format. Theoretical impulses such as key notes, performative impulses such as concerts and presentations by student guests, impulses for exchange as within the meeting point "living room", came together. As an assurance of the results of the course, not only the 'results' and 'products' were brought together, but in particular the exchange between students and teachers about their own experiences.
Nähere Beschreibung des Projekts
Zur Durchführung - Theoretische und praxisbezogene Impulse
In geblockter Form wurden innerhalb von vier Tagen theoretische, praktische, didaktische und künstlerische Impulse für angehende Pädagog*innen gesetzt. Der Konzeption dieser Angebote ging eine intensive, departmentübergreifende Planungsphase der Sondierung des Potenzials eines transdisziplinären und länderübergreifenden Austauschs aus musik- und kunstpädagogischer Perspektive voraus. Dies führte unter anderem zur Entscheidung, die englische Sprache als Unterrichtssprache zu nutzen.
Das Programm der Lehrveranstaltung „International Days“ bündelte theoretische Impulse (wie z.B. eine Key Note von Prof.in Dr.in Ursula Brandstätter, die sich mit Wirkung und Interaktionen verschiedener Künste befasste), performative Impulse (wie. z.B. Konzerte und Präsentationen durch Studierendengäste), Impulse zum Austausch (wie z.B. innerhalb des als ‘living room’ in den Räumlichkeiten der hauseigenen Galerie konzipierten Treffpunkts) und dezidiert praxisbezogene Impulse in verschiedenen Lernsettings zusammen:
Die Fülle an frei wählbaren praktischen Inhalten, die teilweise durch Lehrende der Universität Mozarteum, Lehrende und Studierende der eingeladenen Musik- und Kunstuniversitäten und in manchen Fällen durch extern eingeladene Expert*innen angeboten wurden, erlaubte den Studierenden eine Gestaltungsfreiheit in der Zusammenstellung von Lerninhalten in Bezug auf ihre persönlichen Profile.
Praxisbezogene Veranstaltungen umfassten unter anderem eine halbtägige Bühnenpräsenz-Schulung, die nach unserer Überzeugung für viele künstlerisch-pädagogische Situationen zentrale Bedeutung haben kann, mit denen sich künftige Lehrende konfrontiert sehen. Dies betrifft gleichermaßen Auftritte auf Konzertbühnen bei Vernissagen, in der „Inszenierung des Unterrichts” (Helmke / Schrader 2009, S. 701) oder Stellungnahmen vor Gruppen und in Gremien. Fachliche Inputs durch die, Zielsetzungen und Fokussierungen wurden dabei um verschiedene, durch die jeweilige fachliche Ausrichtung geprägte Perspektiven der Studierenden ergänzt.
Praxisbezogen und in methodischer Hinsicht transdisziplinär nutzbar waren auch diverse Medienimpulse, z.B. zur freien Radioarbeit im Klassenzimmer, zum Schreiben im Kontext Nachhaltigkeit, zur Einbindung von virtual reality für das Musikmachen und mehr.
Prinzipien von Nachhaltigkeit wurden nicht nur in Form methodisch-praktischer Impulse in einem Kursangebot umgesetzt, sondern waren als erlebbare Grundkonzeption der gesamten Lehrveranstaltung wirksam: so wurde im Vorfeld auf digitale Bewerbung anstatt Plakatdruck gesetzt, es wurde die absolute Mindestanzahl an nötigen Programmen für Teilnehmende gedruckt, während der Kaffeepausen standen ausschließlich Keramiktassen zur Verfügung, dazu wurde ausschließlich Fairtrade Kaffee von EZA eingesetzt und die Unterbringung der Gäste erfolgte in einem Hostel mit umfangreichem Nachhaltigkeitskonzept. Der Versuch einer kohärenten Zusammenführung von Lerninhalten mit der Ausgestaltung der gesamten Lehrveranstaltung sollte eine zusätzliche Reflexionsebene für Studierende anstoßen.
Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Heterogenität
Die Lehrveranstaltung „International Days“, die, tituliert als Vorlesung mit Übung, als freies Wahlfach insbesondere für Studierende mit pädagogischer Ausrichtung angeboten wurde, stand explizit Studierenden aller Semester und somit Personen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen offen. Neben ordentlichen Studierenden nahmen auch außerordentliche Hörer*innen – darunter ukrainische Studierende mit Fluchtgeschichte – teil und bereicherten die Vielperspektivität im Austausch der Studierendenschaft. Wie selbstverständlich standen Vertreter*innen diverser kultureller und künstlerischer Traditionen nebeneinander, um die Vielfältigkeit der im pädagogischen Kontext einsetzbaren Praxen erfahrbar zu machen. Dies umfasste Performancekunst, Fotografie und Tanz ebenso wie Jazz-/Popmusik und Volksmusik aus Österreich und Slowenien.
Eine kritische Auseinandersetzung mit der Konstruktion von Geschlechteridentitäten ergaben sich insbesondere durch frei wählbare Inputs wie den Vortrag zu “Gender und Musik: oder ist klassische Musik männlich, weiß und eurozentrisch?” sowie die praktische Erfahrung von Führen und Folgen im mehrstündigen Input zur amerikanischen Tanzform des Lindy-Hop, die sich durch genderneutrale Lead und Follow-Positionen auszeichnet. Formate wie diese sollten als Reflexionsfolie für bestehende Geschlechterverhältnisse dienen, Anstoß zur Auseinandersetzung mit patriarchal geprägten Geschlechterkonstruktionen, die bisweilen als unhinterfragte Normalität wirksam sind, geben und den Austausch darüber anregen.
Als besonders aufrüttelnder Impuls wirkte ein Gastbeitrag einer Studentin aus München, die in der Ostukraine aufgewachsen war und in Ihrem Beitrag über die nationalistische Aufgeladenheit ukrainischer Popularmusik reflektierte und diese anhand von Musikvideos veranschaulichte. Dieser Impuls führte weit über die antizipierte Öffnung des eigenen Blicks über fachliche, institutionelle und nationale Grenzen hinaus und lenkte unseren Blick auf aktuelle musikbezogene Phänomene in einer von Krieg erschütterten europäischen Nation.
Anforderung an Lehrende und Kompetenzerweiterung für Studierende
Während sich die diversen theoretischen und praktischen Angebote immer an alle Teilnehmer*innen mit ihren unterschiedlichen Expertisen wandten, waren die Lehrenden in der Ausgestaltung der Angebote gefordert, niveauübergreifende Zugänge und Handlungsweisen zu ermöglichen: Im Fotografieworkshop gelang es, Kunstpädagog*innen mit vielfältiger Vorerfahrung ebenso wertvolle Kompetenzerweiterungen zu ermöglichen wie Musikpädagog*innen, die sich vielleicht noch nie mit visuellen Kriterien zur Kunstgestaltung befasst hatten. Genauso waren der Musik-Improvisation-Kurs und die transkulturelle offene Chorprobe gleichermaßen für Musiker*innen und Nicht-Musiker*innen konzipiert. Durch die Bereitschaft aller Studierenden, sich auf diese spezifischen, transdisziplinären und niveauübergreifenden Formen des Musikmachens und Kunstschaffens einzulassen, konnten etwa neue Rollenverständnisse erlebt und erprobt werden.
Das Kennenlernen fachbereichsübergreifender und transdisziplinärer Konzepte stellt für angehende Lehrer*innen aus unserer Sicht eine hochrelevante Kompetenz im Hinblick auf zukünftige (fächerübergreifende) Unterrichtsgestaltung dar. Die darüber hinaus erworbenen Fähigkeiten, im professionellen Austausch und der fachlichen Reflexion die Grenzen der eigenen Studienrichtungen zurückzulassen, sollten Anstoß und Vorbereitung für weiterführende interdisziplinäre Vernetzung sein. So wäre aus unserer Sicht denkbar und wünschenswert, dass Inspirationen zur kollaborativen Zusammenarbeit (z.B. zwischen einer angehenden Musikschullehrerin und einem Kunstpädagogen) als über die Lehrveranstaltungsziele hinausgehendes Ergebnis entstehen.
Als Ergebnissicherung der Lehrveranstaltung diente eine Zusammenführung nicht nur der ‚Resultate’ und ‚Produkte’, entstanden auf Basis diverser praktischer Inputs, sondern insbesondere der Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden über die eigenen Erfahrungen während der “International Days”. In der abschließenden Reflexion zeigten die Studierenden, welche Bedeutung neu Erworbenes für ihren künftigen Beruf, aber auch ihr Leben haben könnte. Eindrücklich war dabei die Bezugnahme auf theoretische Reflexionen, wie sie in den Vorträgen angeregt wurden und die Verknüpfung mit den praktischen Erfahrungen der vorausgegangenen Tage. Im Teilen der eigenen, neu erworbenen Perspektiven zeigte sich eine Atmosphäre der Offenheit und des Vertrauens, die in den vier Tagen des Austauschs zwischen den Studierenden und Lehrenden gefestigt worden war. Insbesondere Studierende betonten die positiven Impulse, die sie durch die Vernetzung für ihren weiteren Studienverlauf mitnehmen konnten.
Nutzen und Mehrwert
Transdisziplinäre Vernetzung stellt aus unserer Sicht eine zunehmend relevante Kompetenz für angehende Lehrer*innen dar. Durch das Zusammenbringen der verschiedenen pädagogischen Studienrichtungen der Universität Mozarteum und dem Angebot von Praxisimpulsen und Themen, die nur teilweise in den pädagogischen Curricula integriert sind, die aber in der beruflichen Tätigkeit von zentraler Relevanz sein können, sollten neue Perspektiven für den Beruf der Studierenden eröffnet werden. Durch die strukturelle Einbindung in eine Lehrveranstaltung mit Studierenden unterschiedlicher Hintergründe sollte darüber hinaus die Kompetenz zur Vernetzung und in weiterer Folge zur eigenständigen Netzwerkarbeit angeregt werden. Dies stellt aus unserer Sicht einen großen Mehrwert für angehende Pädagog*innen dar.
Institutionelle Unterstützung
Die finanzielle Realisierung der Lehrveranstaltung wurde durch finanzielle Beteiligung des Departments für Musikpädagogik und der School of Music and Arts Education (SOMA) der Universität Mozarteum ermöglicht. Dies inkludierte unter anderem die Unterbringung studentischer Gäste und die Honorare für die einzelnen externen Expert*innen und Key Notes Speakers. Darüber hinaus stellte die Universität Mozarteum alle benötigten Seminar- / Vortrags- und Konzerträumlichkeiten zur Verfügung . Das Organisationsteam wurde in der Administration der Lehrveranstaltung durch Lehrende und Sekretariat des Departments für Musikpädagogik und Studienassistet*innen des Departments für Musikpädagogik sowie des Orff-Instituts der Universität Mozarteum unterstützt.