Fachhochschule Burgenland GmbH
Campus 1, 7000 Eisenstadt
Weitere Beispiele der Hochschule

Gelebte Inklusion - der Studiengang Physiotherapie verbindet Studierende mit Special Olympics Athlet*innen

Ziele/Motive/Ausgangslage/Problemstellung

Problemstellung. Um als Sportler*in bei großen Turnieren erfolgreich zu sein, ist eine gezielte Vorbereitung notwendig. Sportartspezifisches Kraft- und Ausdauertraining, Verletzungsprävention sowie Regenerationsmaßnahmen und Entspannungstechniken sind wesentliche Merkmale einer gezielten Vorbereitung, unabhängig davon, welche körperlichen Gegebenheiten einer Person zur Verfügung stehen.

Motive. Angehende Physiotherapeut*innen üben funktionelle Untersuchungen in der Lehre lediglich aneinander. Ein praktisches Üben an Patient*innen erfolgt erst in den Praktika. Die Zusammenarbeit mit den körperlich und geistig beeinträchtigten Sportler*innen ermöglicht ein sofortiges Umsetzen des Erlernten an Personen, die häufig Auffälligkeiten in Konstitution und Kondition aufweisen, und bereitet die Studierenden bestmöglich auf die Praktika vor.

Ausgangslage. Im Studienjahr 2021/22 haben Physiotherapiestudierende der FH Burgenland im Rahmen von unterschiedlichen Lehrveranstaltungen (LV) gemeinsam mit Sportler*innen gearbeitet, um sie bestmöglich auf die 8. Nationalen Special Olympics vorzubereiten. Die Studierenden konnten Erlerntes in supervidierten physiotherapeutischen Prozessen umsetzen. Die Athlet*innen wurden mit einem individuellen Maßnahmenpaket versorgt und in der Vorbereitungs- und Turnierzeit physiotherapeutisch betreut.

Gelebte Inklusion fand in folgenden LV statt:

In „Basisuntersuchung“ wurden funktionelle Untersuchungen durchgeführt. An der Körperwahrnehmung und Körperhaltung wurde in „Basisbehandlung I + II“ gearbeitet, sowie Entspannungstechniken durchgeführt. Das Erstellen eines Trainingsplans sowie die Entwicklung eines Verletzungspräventionsprogramm auf Basis der Untersuchungsergebnisse war Schwerpunkt in der LV „Grundlagen der Medizinischen Trainingstherapie“. In der „Ganganalyse & Gangschulung“ konnten Auffälligkeiten und Abweichungen erkannt und das funktionelle Hauptproblem herausgefiltert werden.

In allen LV wurden aufgrund der jeweiligen Ergebnisse maßgeschneiderte Trainingspläne oder Übungen zusammengestellt und der Person mitgegeben.

Während der 8. Nationalen Special Olympics, wurden die Sportler*innen mittels Massagen oder Regenerationsmaßnahmen betreut.

Im September 2022 wurde zum Projektabschluss ein Floorballturnier veranstaltet. Teilnehmer*innen in gemischten Teams waren Studierende, Hochschullehrende und Sportler*innen.

Das gesamte Projekt „Special Olympics“ wurde anhand eines Fragebogens unter den Studierenden evaluiert. Die Rücklaufquote betrug 50%, eine detaillierte Auswertung ist noch in Arbeit.

Folgende Ziele wurden dabei verfolgt:

  • Umsetzen und Festigen des jeweiligen Kompetenzerwerbs in den ausgewählten LV
  • Einbindung der Studierenden in das therapeutische Setting von Menschen mit Beeinträchtigungen
  • Erstellen von individuell angepassten Übungen anhand funktioneller Untersuchungen an Sportler*innen zur Wettkampfvorbereitung
  • Durchführen von Massagetechniken und Regenerationsmaßnahmen während der Special Olympics

Kurzzusammenfassung des Projekts

Um als Sportler*in bei großen Turnieren erfolgreich zu sein, ist eine gezielte Vorbereitung notwendig. Aus diesem Grund haben im Studienjahr 2021/22 Physiotherapiestudierende der FH Burgenland in mehreren Lehrveranstaltungen (LV) mit Special Olympics Sportler*innen gearbeitet, um sie bestmöglich auf die 8. Nationalen Special Olympics vorzubereiten. Angehende Physiotherapeut*innen üben funktionelle Untersuchungen in der Lehre lediglich aneinander. Ein praktisches Üben an Patient*innen ist erst in den Praktika möglich. Die Zusammenarbeit mit den Sportler*innen ermöglicht ein sofortiges Umsetzen des Erlernten an körperlich und geistig beeinträchtigten Personen und bereitet die Studierenden bestmöglich auf die Praktika vor.

Im Rahmen von LV haben Studierende an Sportler*innen deren Hauptprobleme durch funktionelle Untersuchungen erhoben. Angepasste Übungen wurden daraufhin entwickelt und als Trainingsprogramm mit nach Hause gegeben, mit dem Ziel, die Wettkampfvorbereitung zu optimieren und zu unterstützen.

Im Juni 2022 fanden die Sommerspiele im Südburgenland statt. Während der Spiele wurden für alle teilnehmenden Sportler*innen Regenerationsmaßnahmen und Massagen angeboten.

Ein gemeinsamer Abschlussevent fand im September 2022 statt. Hier wurde mit den betreuten Sportler*innen ein Floorballturnier veranstaltet.

Trotz Projektabschluss bleibt die Kooperation nachhaltig bestehen. Auch in Zukunft werden Sportler*innen in den jeweiligen LV von Studierenden betreut.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

In order to be successful as an athlete at major tournaments, targeted preparation is necessary. For this reason, physiotherapy students at the University of Applied Sciences Burgenland worked with Special Olympics athletes in several courses during the academic year 2021/22 in order to prepare them in the best possible way for the 8th National Special Olympics. Prospective physiotherapists only practise functional examinations on each other. Practical practice on patients is only possible in their internships. The cooperation with the athletes makes it possible to immediately apply what they have learned on physically and mentally impaired persons and prepares the students in the best possible way for the internships.

Within the framework of courses, students have identified the main problems of athletes through functional examinations. Adapted exercises were then developed and given home as a training programme to optimise and support the athletes' preparation for the competition.

In June 2022, the Summer Games took place in southern Burgenland. During the games, regeneration measures and massages were offered to all participating athletes.

A joint final event took place in September 2022. A floorball tournament was organised with the supported athletes.

Despite the end of the project, the cooperation remains sustainable. In the future, athletes will continue to be supervised by students in the respective courses.

Nähere Beschreibung des Projekts

In der Physiotherapieausbildung liegen die curricularen Schwerpunkte sowohl im theoretischen als auch im praktischen Teil. Im Theorieteil werden einerseits medizinisch-naturwissenschaftliche Grundlagen, physiotherapeutische Grundlagen und medizinisches Wissen vermittelt. Andererseits wird die Anwendung des Physiotherapeutischen Prozesses in allen relevanten klinischen Bereichen theoretisch besprochen und praktisch aneinander geübt. Das Spüren einer spastischen Körperhälfte, eines bewegungseingeschränkten Kniegelenks oder einer muskelatrophen Wade sind jedoch beim Üben aneinander oft schwer nachzustellen. Ein richtiges Gefühl dafür zu bekommen ermöglicht meist nur eine Behandlung einer Person mit realer Beeinträchtigung. Nach Möglichkeit laden Vortragende Patient*innen mit zum Inhalt passenden Diagnosen ein, um anhand derer eine Untersuchung und Behandlung demonstrieren zu können. Die Studierenden erleben hier den Physiotherapeutischen Prozess jedoch lediglich aus einer Zuschauerrolle. Ein selbstständiges aktives Arbeiten am/an der Patient*in ist ihnen erst mit Beginn der insgesamt sieben Praktika möglich. Erst hier kann das zuvor aneinander Geübte an realen Personen umgesetzt werden.

Im Studium zur Physiotherapie werden an der FH Burgenland 50 ETCS in der praktischen Ausbildung absolviert, welche hauptsächlich in Gesundheitseinrichtungen stattfindet. Die gesetzlich vorgeschriebenen Fachgebiete sind hier das Bewegungs- und Organsystem, die Bewegungsentwicklung und –kontrolle, das Verhalten und Erleben sowie die Physikalische Medizin und Rehabilitation. Das große Wissens- und Handlungsgebiet der Physiotherapie, das die Studierenden bis jetzt im Studium erhalten haben, kann in den kommenden sieben Praktika nun vernetzt und über Erkennen der Zusammenhänge als Physiotherapeutischer Prozess in der Praxis angewandt werden.

Das erste Praktikum beginnt allerdings erst Ende des dritten Semesters, das zweite findet Ende des 4. Semesters statt. Im 5. Semester werden Praktikum drei und vier absolviert und die letzten drei Praktika als Praktikumsblock im 6. Semester. Somit dauert es oftmals ein, zwei oder drei Semester bis das theoretisch Erlernte am/an der Patienten*in durchgeführt werden kann.

Mit folgender Lehrmethode wurde es den Studierenden ermöglicht, bereits frühzeitig mit Personen mit geistiger und körperlicher Beeinträchtigung in Kontakt zu kommen.

Im Sommer 2022 fanden im Burgenland, Bezirk Oberwart, die 8. Nationalen Special Olympics statt. Um als Sportler*in bei großen Turnieren erfolgreich zu sein, ist eine gezielte Vorbereitung notwendig. Aus diesem Grund haben im Studienjahr 2021/22 Studierende des Bachelorstudienganges Physiotherapie der FH Burgenland im Rahmen von unterschiedlichen Lehrveranstaltungen (LV) gemeinsam mit Special Olympics Sportler*innen aus der Region gearbeitet, um sie bestmöglich auf diese Spiele vorzubereiten. Sportler*innen aus der Region waren eingeladen, in ausgewählte LV zu kommen. Durch diese Zusammenarbeit konnten vor allem die physiotherapeutischen Grundlagen sofort in die Praxis umgesetzt werden. Die Studierenden wurden quasi im Anschluss der theoretischen Lehre von der Zuschauerrolle in die Therapeut*innenrolle „katapultiert“. Unter Supervision konnten sie hier Physiotherapeutische Prozesse umsetzen und die teilnehmenden Sportler*innen mit einem individuellen Maßnahmenpaket in der Vorbereitungs- und Turnierzeit versorgen.

Folgende Ziele wurden während des Projektes verfolgt und umgesetzt:

  • Umsetzen und Festigen des jeweiligen Kompetenzerwerbs in den ausgewählten LV
  • Einbindung der Studierenden in das therapeutische Setting von Menschen mit Beeinträchtigungen
  • Erstellen von individuell angepassten Übungen anhand funktioneller Untersuchungen an Sportler*innen zur Wettkampfvorbereitung
  • Erarbeiten von Regenerationsmaßnahmen in der Vorbereitungsphase
  • Durchführen von Massagetechniken und Regenerationsmaßnahmen während der 8. Nationalen Special Olympics

Um vor allem die Kompetenzen festigen zu können, fand diese gelebte Inklusion in folgenden LV mit folgenden Methoden statt:

Basisbehandlung I (LV im 1. Semester):

Modulauszug: Die Studierenden

  • können Körperhaltung und ausgewählte Bewegungen analysieren, dokumentieren, Fehlhaltungen und Ausweichbewegungen erkennen und daraus funktionelle physiotherapeutische Strategien formulieren und durchführen.
  • können diese Erfahrungen in der Interaktion mit Patientinnen und Patienten einsetzen.

Methode: In dieser LV wurde eine Einheit mit Sportler*innen zum Thema „Körperwahrnehmung, Entspannung, Haltungsschulung“ durchgeführt. Die Studierenden konnten hier die Erfahrungen, die sie bislang in der LV sammeln konnten, in Interaktion mit den Sportler*innen umsetzen.

Basisuntersuchung (LV im 1. Semester):

Modulauszug: Die Studierenden

  • kennen Basistechniken zur strukturellen und funktionellen Untersuchung und deren Anwendungsbereiche und Kontraindikationen.
  • können diese Untersuchungstechniken durchführen und die Untersuchungsergebnisse fachgerecht interpretieren.

Methode: Hier wurden die unveränderlichen Größen (Längen, Breiten, Tiefen) sowie die Statik im Stand an den Sportler*innen analysiert. Ebenso wurden von den Studierenden funktionelle Tests an Gelenken und Muskeln (Goniometrie, Muskelfunktionstest) durchgeführt. Die Untersuchungsergebnisse wurden fachgerecht interpretiert. Anschließend wurde der jeweiligen Person eine angepasste Übung angeleitet und zur Wettkampfvorbereitung mitgegeben.

Basisbehandlung II (LV im 2. Semester):

Modulauszug: Die Studierenden

  • kennen unterschiedliche Entspannungstechniken und können diese im Einzel- und Gruppensetting umsetzen.
  • können diese Basisbehandlungstechniken nach Maßgabe der fachlichen und wissenschaftlichen Erkenntnisse im Rahmen von Einzel- und Gruppentherapien einsetzen.

Methode: Studierende planten Entspannungseinheiten, die im Rahmen einer Einheit mit den Sportler*innen angewandt wurden. Gemeinsam sollte herausgefunden werden, welche der vorgestellten Entspannungstechniken für den/die Sportler*in am besten geeignet sei, um in der Vorbereitungs- und Wettkampfphase eingesetzt zu werden.

Grundlagen der Medizinischen Trainingstherapie (LV im 4. Semester):

Modulauszug: Die Studierenden

  • können anhand des Beschwerdebildes eine geeignete Übungswahl festlegen und korrekt anleiten.
  • können Patientinnen und Patienten adäquat schulen und Übungen korrekt anleiten.
  • kennen Maßnahmen zur Regeneration und zur Prävention, Befunderhebung, Therapie und Rehabilitation von Gesundheitsstörungen bei Menschen, die sportlich aktiv sind.
  • wenden physiotherapeutische Methoden unter Berücksichtigung funktionsorientierter Zusammenhänge an.
  • können die passende sportartspezifische Übungswahl, sportartspezifische bzw. verletzungsspezifische Präventionsprogramme erstellen.
  • sind in der Lage Trainingspläne bzw. Trainingsprogramme zu erstellen, zu kommunizieren, durchzuführen, zu evaluieren und anzupassen.

Methode: Der Schwerpunkt der LV lag beim Erstellen von Trainingsplänen und dem Anleiten der auf die Sportart angepassten Übungen. Es wurden ein spezifisches Trainings- sowie Verletzungspräventionsprogramm erarbeitet. Diese wurden in der LV durchgeführt und konnten anschließend selbstständig in der Vorbereitungsphase eingesetzt werden.

Ganganalyse & Gangschulung (LV im 2. Semester):

Modulauszug: Die Studierenden

  • kennen die physiologische Norm des Gehens und erkennen deren Kriterien in der Beobachtung.
  • können Gangbilder analysieren, Abweichungen von der Norm identifizieren und Hypothesen über deren Ursachen bilden.
  • können spezifische Übungen durchführen, um Gangstörungen und Abweichungen von der Norm zu behandeln.

Methode: In dieser LV wurde an Sportler*innen eine Ganganalyse vorgenommen. So konnten Auffälligkeiten und Abweichungen von der Norm erkannt werden. Das Hauptproblem wurde herausgefiltert und anhand dessen zwei Übungen erstellt. Diese wurden mit dem/der Sportler*in mehrmals durchgeführt und als Hausübungsprogramm mitgegeben.

Während der 8.Nationalen Special Olympics wurden vor Ort folgende Lehrinhalte praktisch mit den Sportler*innen umgesetzt.

Massage (LV im 2. Semester):

Modulauszug: Die Studierenden

  • können einen Massagebefund erheben und dabei die Beschaffenheit von Haut, Bindegewebe und Muskulatur differenziert palpatorisch erfassen.
  • können eine klassische Massage durchführen.

Methode: An den Wettkampftagen setzten die Studierenden des 3. Semesters einen „Massage-Prozess“ um. Hier wurde die Beschaffenheit von Haut, Bindegewebe und Muskulatur palpatorisch erfasst und anschließend eine individuelle Massageeinheit durchgeführt. Die Sportler*innen konnten dieses Angebot sowohl zur Wettkampfvorbereitung, als auch zur Regeneration in Anspruch nehmen.

Regenerationsmaßnahmen (Inhalte der LV Basisbehandlung II im 2. Semester):

Methode: An einer weiteren Station führten Studierende des 4. und 6. Semesters Regenerationsmaßnahmen durch. Diese wurden individuell und spontan an die jeweiligen Teilnehmer*innen angepasst und in Kleingruppen angeleitet. Bei Bedarf konnten hier unterschiedliche Materialien (Igelbälle, Kirschkernsackerl, etc.) zur Regenerationsunterstützung verwendet werden.

Durch diese Lehr- und Lernmethoden in den LV konnte die Lehrperson das praktische Tun an einer beeinträchtigen Person vorzeigen, und den Studierenden wurde eine möglichst rasche Umsetzung des Erlernten ermöglicht. Den Lernenden konnte somit ein sehr praxisnahes Handeln vermittelt werden, und die Sportler*innen wurden im Laufe des Jahres sukzessive mit einem individuellen Maßnahmenpaket versorgt, um sich optimal auf die Spiele vorbereiten zu können. Auch auf empathischer Ebene konnte über die Interaktion mit den Sportler*innen gepunktet werden.

Den Abschluss des Projektes bildete im September 2022 ein Floorballturnier. Unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ nahmen Studierende, Hochschullehrende und Sportler*innen des vergangenen Projektes an dem Turnier teil. In gemischten Teams wurden die Matches ausgetragen und obwohl die ersten drei Mannschaften in einer abschließenden Siegerehrung mit Medaillen belohnt wurden, waren sich alle einig, dass es eigentlich nur Gewinner gab.

Trotz Projektabschluss bleibt die Kooperation mit den Sportler*innen nachhaltig bestehen. Auch in Zukunft werden diese in den vorgestellten LV von Studierenden unter Supervision von Hochschullehrenden betreut. So können durch das wiederholte Durchführen der funktionellen Untersuchungen Veränderungen der Leistungsfähigkeit sichtbar gemacht werden.

Das gesamte Projekt „Special Olympics“ wurde anhand eines Fragebogens unter den Studierenden evaluiert. Schwerpunkt der Fragen waren vor allem, welchen Mehrwert die Studierenden in den einzelnen LV in Bezug auf Empathie, Inklusion und therapeutisches Handeln erzielt haben. Die Rücklaufquote betrug 50%, eine detaillierte Auswertung ist noch in Arbeit.

Das Fazit von Sportler*innen, Betreuer*innen, Studierenden und Hochschullehrenden war: Gemeinsam sind wir stark! Bringen auch Sie Studierende und Sportler*innen mit geistiger und/oder physischer Beeinträchtigung zusammen.

Es muss nicht immer eine olympische Medaille sein, aber es wird Großes dabei herauskommen!

Nutzen und Mehrwert

Der Mehrwert des Projektes kann für die Teilnehmer*innen wie folgt beschrieben werden:

Studierende. Studierende des Studienganges Physiotherapie erlernen Untersuchungs- und Behandlungstechniken zu Beginn an gesunden Personen. Erst im Zuge der praktischen Ausbildung, beginnend im 3. Ausbildungssemester, haben sie den ersten Kontakt zu Patient*innen. Durch die Integration der Sportler*innen in die einzelnen LV wird den Studierenden ab dem 1. Semester die Möglichkeit gegeben, das Anwenden des gerade Erlernten nicht nur an Studienkolleg*innen zu üben. Sie sehen und erleben viele der bisher nur in der Theorie vermittelten Abweichungen und Symptome „hautnah“ und können erste Erfahrungen sammeln. Zudem werden durch den Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen die Selbstkompetenz und das Einfühlungsvermögen der Studierenden gefördert.

Lehrende. Durch die Integration der Sportler*innen wird der Aufwand, verschiedene Praxisbeispiele vorzubereiten, deutlich geringer. Die für Patient*innen oftmals notwendigen Anpassungen bei verschiedenen Untersuchungs- und Behandlungstechniken können bereits in der LV gezeigt und von den Studierenden somit um einiges besser erfasst werden. Zudem lernen die Lehrenden Studierende im Umgang mit anderen Personen kennen, was im Studium an der FH sonst erst im Zuge der Abschlussprüfungen geschieht.

Sportler*innen. Für die Athlet*innen besteht der Mehrwert darin, dass ihre körperlichen Fähigkeiten und eventuell vorhandene Probleme fachgerecht analysiert und mit ihnen verschiedenste Konzepte zur Verbesserung dieser erarbeitet werden. Im Gegensatz zum normalen Breiten- bzw. Spitzensport stehen im Behindertensport deutlich weniger finanzielle Mitteln zur Verfügung, wodurch eine individuelle Betreuung einzelner Athlet*innen kaum möglich ist. Durch die Teilnahme erhalten sie zusätzlich zum sportartspezifischen Training maßgeschneiderte Übungen bzw. Trainingspläne und lernen auch Techniken zur Entspannung.

Nachhaltigkeit

Nach Bekanntgabe der Kooperation wurde von den Hochschullehrenden ein Grobkonzept entworfen. Dazu wurden Implementierungsmöglichkeiten besprochen und mit den teilnehmenden Einrichtungen abgestimmt. Danach wurden die LV im Detail geplant und alle notwendigen Unterlagen erstellt. Das grundlegende Ziel war es, so viele Schritte des Physiotherapeutischen Prozesses als möglich abzubilden und im Laufe des Studienjahres von den Studierenden erarbeiten zu lassen. So konnten Probleme identifiziert, Untersuchungsergebnisse interpretiert und erste Zusammenhänge erkannt werden.

Ähnlich wie bei Kindern und Jugendlichen sind auch bei Menschen mit Beeinträchtigungen nach der Pandemie aufgrund des Bewegungsmangels körperliche Folgen sichtbar geworden. Durch gezieltes Erheben des körperlichen Zustandes und die maßgeschneiderten Interventionen sollten sich die körperlichen Fähigkeiten der Athlet*innen nachhaltig verbessern.

Auch zukünftig werden die Sportler*innen in ausgewählten LV von den Studierenden unter Supervision der Lehrenden physiotherapeutisch betreut. Durch die Evaluierungen und die Auswertung der Fragebögen kann die Lehre noch individueller gestaltet werden, damit sowohl Studierende als auch Sportler*innen höchst möglichst davon profitieren können.

Durch die weitere Zusammenarbeit werden nun durch das wiederholte Durchführen der funktionellen Untersuchungen und durch den Vergleich dieser Ergebnisse die Veränderungen der Leistungsfähigkeit sichtbar gemacht.

Dissemination/Transfer

Nach dem erfolgreichen Projektjahr wurde sowohl von Seiten der Sportler*innen und deren Betreuer*innen, als auch von Seiten der Hochschullehrenden der Wunsch geäußert, diese Zusammenarbeit weiter bestehen zu lassen. Auch wenn die nächsten Nationalen Special Olympics erst wieder in 4 Jahren stattfinden werden, nehmen die Athlet*innen das ganze Jahr über an diversen Wettbewerben teil. Somit können sie von den Übungen, die sie von den Studierenden erhalten, weiterhin einen großen Nutzen ziehen. Nach Projektabschluss wurde ein Fragebogen an die Studierenden übermittelt, der sich gerade in Auswertung befindet. Dabei wurde evaluiert, von welchen LV die Studierenden in welcher Art und Weise profitiert bzw. nicht profitiert haben. Von den Ergebnissen lässt sich ableiten, welche LV auf jeden Fall weiterhin in dieser Konstellation geplant werden sollten, aber auch, wo eine Zusammenarbeit eher weniger Nutzen gezeigt hat. Es wurden bereits Gespräche mit weiteren Lehrenden geführt, ob Ziele und Kompetenzprofil der jeweiligen LV mit Unterstützung der Sportler*innen leichter zu erreichen sind. Beispielsweise lässt sich in der LV Biomechanik und Physik in der Bewegungslehre ebenfalls ein/e Sportler*in sehr gut analysieren, was sowohl für die Studierenden als auch für die Lehrenden eine Bereicherung wäre.

Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Beeinträchtigung gibt es überall. In der heutigen Zeit spielt Inklusion an Schulen und Einrichtungen oft eine große Rolle, und viele sind für eine Zusammenarbeit bereit. Unabhängig vom Bachelorstudiengang Physiotherapie könnte dieses Konzept auch auf andere Ausbildungen übertragen werden, die ebenso einen hohen Anteil an praktischen Übungen aufweisen. Zu nennen wären hier beispielsweise alle weiteren medizinisch-technischen Dienste.

Institutionelle Unterstützung

Das Projekt wurde als internes Projekt geführt, womit den Hochschullehrenden die Projektstunden in einem Gesamtausmaß von 210 Stunden abgegolten wurden. Die Projektleiterin erhielt 60 Stunden, die drei Hochschullehrenden jeweils 50.

Für die Untersuchungen und Behandlungen der Sportler*innen wurden die bestehenden Übungsräume sowie die Therapiematerialien des Studienganges genutzt. Bei den 8. Nationalen Special Olympics selbst wurden die Massageeinheiten in den Räumlichkeiten der BAfEP Oberwart durchgeführt, die Regenerationsmaßnahmen fanden im Zielgelände statt.

Die Massageliegen wurden seitens der FH organisiert und durch Mitarbeiter aufgestellt.

Die Regenerationseinheiten fanden vor der Sonne geschützt unter einem Partyzelt statt. Platz, Zelt und Unterlage wurden von dem Organisationskomitee der Spiele bereitgestellt. Der Regenerationsplatz selbst wurde von Fachhochschulmitarbeitern durch Pressewand, Folder und Plakaten bestückt.

Die Hochschullehrenden stellten diverse Utensilien für beide Plätze, wie Massageöl, Desinfektionsmittel, etc. bereit.

Ein von den Hochschullehrenden organisiertes Floorballturnier bildete den Projektabschluss. Bei der Siegerehrung wurden an die Erst-, Zweit- und Drittplatzierten Medaillen vergeben. Als Dank für die herausragende Zusammenarbeit erhielten die jeweiligen Betreuer*innen für „ihr“ Haus einen Pokal. Abschließend wurde zu einem gemeinsamen Buffet geladen. Die FH Burgenland unterstützte diese Abschlussveranstaltung ebenfalls finanziell.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelorstudiengang Physiotherapie, 1. - 6- Semester

Links zum Projekt
Links zu Social Media-Kanälen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2023 nominiert.
Ars Docendi
2023
Kategorie: Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Ansprechperson
Marlene Szupper, MSc
FH Burgenland
+43 5 7705 4239
Nominierte Person(en)
Marlene Szupper, MSc
FH Burgenland
Prof.in (FH) Heike Bauer-Horvath, MA
FH Burgenland
Katrin Bodi
FH Burgenland
Themenfelder
  • Diversität und Soziales
  • Lehr- und Lernkonzepte
  • Erfahrungslernen
Fachbereiche
  • Medizin und Gesundheitswissenschaften