UMIT TIROL – Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften und -technologie
Eduard Wallnöfer-Zentrum 1, 6060 Hall in Tirol
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Aktivierende Gestaltung der "VU Buchhaltung und Bilanzierung"

Targets

Inhalt der Lehrveranstaltung ist die Vermittlung und Vertiefung von Kenntnissen der Buchhaltung und Bilanzierung. Neben rechtlichen Grundlagen, einer Einführung in die Systematik und Technik der Buchhaltung, beinhaltet die Lehrveranstaltung die Verbuchung grundlegender Geschäftsfälle sowie grundlegende Themen der Bilanzierung und Jahresabschlusserstellung.

 

Insbesondere der einführende Teil zu den rechtlichen und buchungstechnischen Grundlagen war, vor Corona im Offlinebetrieb, gekennzeichnet durch längere Episoden des Frontalunterrichts mit kurzen aktivierenden Lehrmethoden (Blitzlicht, Fragerunden, etc.). Vor Ort hat diese Variante durch die Gruppendynamik und die Möglichkeit des persönlichen Austausches grundsätzlich gut funktioniert.

 

Die Pandemiesituation und die digitale Abhaltung der Lehrveranstaltungen machten Anpassungen und Veränderungen notwendig. Zur Förderung digitaler Kompetenzen wurden hierfür eine Reihe neuer Medien integriert, um den Studierenden den Umgang und das Verhalten im Onlinesetting näher zu bringen. Die Digitalisierung sollte insbesondere der Förderung der Interaktion der Studierenden untereinander und mit dem Lehrpersonal dienlich sein und ein orts- und zeitflexibles Lernen ermöglichen. Das vorliegende Projekt zielt dabei neben der sinnvollen Integration und Umsetzung digitaler Lernprozesse auf die innovative und stärker studierendenzentrierte Gestaltung der oben beschriebenen längeren Frontalunterrichtsphasen.

 

Durch eine stärker aktive Rolle der Studierenden soll diese Neugestaltung konstruktivistisch die Erfahrungen und Kompetenzen sowie die Heterogenität der Studierenden integrieren und somit zu einem nachhaltigen, über den Tellerrand blickenden, Lernerfolg führen. Durch die aktive Interaktion und Zusammenarbeit der Studierenden werden nicht nur zusätzliche Kompetenzen erworben, sondern auch unterschiedliches Wissen und verschiedenste internationale Einblicke gewährleistet.

Abstract

Das vorliegende Projekt schafft aktive, innovative und studierendenzentrierte Lehr- und Lernprozesse basierend auf dem Cognitive Alignment und damit im Einklang mit den Lernzielen und Prüfungsmethoden. Durch einen Mix aus Lernmethoden und -techniken, Sozialformen und neuen, digitalen Medien wird nicht nur ein kompetenzorientiertes, sondern auch ein offenes, internationale Aspekte integrierendes, Lernkonzept geschaffen, welches eine Vielzahl von Kompetenzen fördert.

Im Rahmen des Projekts erarbeiten (1) die Studierenden in Gruppen Handouts, Präsentationen und Übungsaufgaben zu Teilthemen der Lehrveranstaltung. (2) In neuen Gruppen, welche so zusammengesetzt werden, dass jeweils zu jedem Thema eine Person (Expert/inn/en) dabei ist, erklären sich die Studierenden die Themen gegenseitig. Dabei nehmen die Studierenden die Rolle der Lehrperson ein. Jede der Studierenden erhalten Feedback und gehen (3) wieder in ihre ursprünglichen Gruppen zurück, um die Ausarbeitungen weiterzuentwickeln. (4) Die finalen Ausarbeitungen werden von den Gruppen im Plenum präsentiert und anschließend auf Lernservern und in gemeinsamen Onlinedokumenten zusammengefügt.

Durch diesen Mix aus Methoden und Techniken wird der Stoff wiederholt präsentiert und entsprechend kompetenz-, handlungsorientiert und studierendenzentriert behandelt. Durch die gemeinsame und zentrale Sammlung der Ausarbeitungen erhalten Studierende ein Nachschlagewerk für künftige praktische Anwendungen und für die Prüfungsvorbereitung.

Abstract En

The present project establishes active, innovative, and student-centred teaching and learning processes based on cognitive alignment and thus in line with the learning objectives and examination methods. Through a mix of learning methods and techniques, social forms and new digital media, a competence-oriented and open learning concept integrating international aspects is created, promoting various competencies.

 

Within the framework of the project, (1) students work in groups to develop handouts, presentations and exercises on sub-topics of the course. (2) In new groups, which are put together in such a way that there is one person for each topic, the students explain the topics to each other. The students take on the role of the teacher. Each student receives feedback, and (3) goes back to their original groups to develop the elaborations further. (4) The final elaboration is presented by the plenary groups and compiled on learning servers and in shared online documents.

 

Through this mix of methods and techniques, the material is presented repeatedly and treated in a correspondingly competence-, action- and student-centred manner. Through the joint and central collection of the elaborations, students receive reference work for future practical applications and exam preparation.

Text

Mit dem Projekt wurde ein für die digitale Lehre optimierter, jedoch auch für analoge Lehre verwendbarer, Lehr- und Lernprozess geschaffen, welcher die Studierenden, deren Vorwissen, Biografien und Kompetenzprofile aktiv in die Lehrveranstaltung einbindet. Durch die innovative und strukturierte Kombination mehrerer Methoden, Sozialformen, neuer (digitaler) Medien und pädagogischer Prinzipien wird nicht nur der Erwerb von Fach- und Methodenkompetenzen sowie Sozial-kommunikativen Kompetenzen, sondern auch von Aktivitäts- und Handlungskompetenzen sowie Personalen Kompetenzen gefördert. Hierbei sei ergänzend der Erwerb digitaler Kompetenzen wie die Informations- und Datenkompetenz (Datensuche, -evaluierung, etc.) die Kompetenz (digitaler) Kommunikation und Zusammenarbeit und die (digitale) Problemlösungskompetenz hervorzuheben.

 

Durch die Einnahme verschiedener Rollen (als Lernende und Lehrende) wird die Heterogenität der Studierenden und deren inhaltlichen und didaktischen Potenziale genutzt und eine multiperspektivische und internationale Sichtweise unterstützt.

 

Die Verwendung digitaler Lehr- und Lernformen mithilfe neuer Medien fördern orts- und auch zeitflexibles Lernen und regen zum intensiven Austausch zwischen Studierenden sowie mit dem Lehrpersonal an.

 

Im Rahmen des Projekts wurde der Stoff zunächst in Teilthemen unterteilt. Von Seiten der Lehrveranstaltungsleitung wurden Quellen und Inhalte zu den einzelnen Teilthemen aufgearbeitet und zur Verfügung gestellt. Der weitere Ablauf des Projekts sieht folgendermaßen aus:

1) Die Studierenden werden zunächst in Gruppen eingeteilt und erarbeiten gemeinsam in den Gruppen eines der Teilthemen. Im Rahmen der Erarbeitung erstellen sie eine kurze Präsentation, ein Handout und praktische Übungsaufgaben. Hierbei wurden die Studierenden ermutigt rechtliche Grundlagen und Gegebenheiten ihrer Herkunftsländer aufzuzeigen und miteinfließen zu lassen.

2) Nach der Erarbeitung der Themen werden die Gruppen so gemischt, dass in jeder Gruppe eine „Expertin“/ ein „Experte“ für jedes der Teilthemen sitzt. In diesen Gruppen präsentieren und lehrten die „Expert/inn/en“ ihr jeweiliges Thema. Danach erhielten sie Hinweise und Feedbacks der anderen Gruppenmitglieder.

3) Mit den Erfahrungen und Feedbacks (evtl. offene Fragen, Unklarheiten) trafen sich die „Expert/inn/en“ wieder in ihren ursprünglichen Gruppen (siehe oben Punk 1) und entwickelten die Präsentation, das Handout und die praktischen Übungsaufgaben weiter.

4) Die weiterentwickelten Inhalte wurden dann im Plenum von den jeweiligen Gruppen gemeinsam vorgetragen und diskutiert. Am Ende jeder Präsentation erhielt die präsentierende Gruppe ein Feedback vom Plenum sowie ein inhaltliches Feedback der Lehrveranstaltungsleitung (zusätzlich erhielt noch die präsentierende Person ein Feedback zum Vortrag). Jede Gruppe nahm die neuen Einblicke und Feedbacks noch in die Unterlagen auf und übertrug die finale Verschriftlichung (Handout) in ein gemeinsames Onlinedokument (GoogleDocs). Die Präsentation und die praktischen Übungsaufgaben samt Lösungen wurden auf den gemeinsamen Server übertragen.

 

Mit der geschilderten Vorgangsweise werden Elemente mehrerer Lehr- und Lernmethoden bzw. Unterrichtstechniken (Gruppenpuzzle, Expertenrunden, Lernen durch Lehren), verschiedene Sozialformen (Einzelreflexion, Gruppenarbeit, Plenum), mehrere Unterrichtsmethoden (Programmierter Unterricht, Gruppenarbeit), verschiedene Unterrichtsprinzipien (Kooperatives Lernen, Selbstorganisiertes Lernen) und neue Medien (GoogleDocs, Padlet, OLAT, Scrumblr, Zoom (Breakout Session) zusammengeführt, um nachhaltig und innovativ die Lernziele zu erreichen.

 

Das Projekt und dessen Ausgestaltung des Unterrichts basiert auf dem Cognitive Alignment und steht daher im Einklang mit den nach Taxonomiestufen (TS) kategorisierten Lernzielen (Fachbegriffe definieren und erklären (TS1, TS2); rechtliche Rahmenbedingungen beschreiben (TS1), Bilanzierung, Jahresabschlusserstellung (TS1, TS2, TS3, TS4)) sowie mit adäquaten Prüfungsmethoden. Als Leistungsfeststellung werden zusätzlich zu Prüfungsleistungen insbesondere die Qualität der Ausarbeitung der Inhalte und die Präsentation der Studierenden bewertet. Dadurch wird dem prüfungsimmanenten Charakter der Lehrveranstaltung noch besser begegnet.

Surplus

Für die Studierenden ergeben sich insbesondere die Vorteile den Stoff mehrmals zu hören (Prinzip der Wiederholung) und zwar methodisch als auch inhaltlich strukturiert vom Einfachen zum Komplexen (Prinzip der Struktur). Die Ausarbeitung der Studierenden und die Feedbackrunden zeigen die wesentlichen Inhalte auf und folgen der quantitativen Reduktion sowie der qualitativen Verdichtung des Stoffes (Prinzip der Struktur). Mit den durch die Studierenden ausgearbeiteten praktischen Übungsbeispielen fließen auch die rechtlichen Grundlagen und Gegebenheiten der Herkunft der Studierenden ein und umfassen daher auch internationale Erkenntnisse und Entwicklungen. Zudem werden durch die praktischen Übungsbeispiele sowie die darin einfließenden Feedbacks und Überarbeitungen Verbindungen zwischen theoretischen Grundlagen und praktischer Anwendung für die Berufs- und Lebenspraxis geschaffen (Prinzip der Situationsbezogenheit und Handlungsorientierung). Die Erarbeitung der Inhalte und Zusammenfassung in einem Onlinedokument und in anderen neuen Medien geben den Studierenden zudem die Möglichkeit aktiv an anderen Themen mitzuwirken. Die erarbeiten Inhalte fungieren zudem als Lernmaterial zum Nachschlagen und für die Prüfungsvorbereitung.

 

Für die Lehrenden liegen Vorteile einerseits in der Möglichkeit einen sehr aktiven, offenen und konstruktivistischen Unterricht trotzdem gut in mehreren Schritten zu begleiten und Lernergebnisse entsprechend zu kontrollieren und zu sichern. Andererseits ergeben sich durch die Ausarbeitung der Inhalte seitens der Studierenden sowie die Präsentation im Plenum viele Möglichkeiten der (zusätzlichen) Leistungsfeststellung.

Transferable

Das Projekt ist grundsätzlich auf alle Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar, die eine sinnvolle und (basierend auf dem Vorwissen und den Kompetenzen der Studierenden) bearbeitbare Aufteilung der zu vermittelten Inhalte zulässt. Insbesondere im digitalen Kontext ist die Zusammenarbeit in verschiedenen Sozial- und Gruppenkonstellationen sehr gut möglich und mit digitalen Räumen (z.B. Breakoutsession in Zoom) sehr gut umsetzbar. Aber auch im analogen Bereich funktioniert das Projekt bei genügend großen Unterrichtsräumlichkeiten.

 

Das Lehrprojekt wird seit der ersten Implementierung im Jahr 2020 immer eingesetzt. Weiterentwicklungen finden insbesondere bei der Aufarbeitung der Quellen für die Themenerarbeitung statt. Diese Weiterentwicklungen betreffen dabei auch die rechtlichen Grundlagen weiterer Nationen.

 

Im Sinne eines Nachfolgeprojekts wird aktuell geplant das bestehende Lehrprojekt auf weitere Veranstaltungen im Curriculum auszuweiten.

Effort

Gerade bei der erstmaligen Planung und Vorbereitung des Projekts kommt ein nicht unerheblicher Aufwand auf das Lehrpersonal zu. Die Aufteilung sowie die Recherche und Aufbereitung der Teilthemen bedarf großer Sorgfalt und viel Zeit.

 

Ebenso die zeitliche Planung und Überwachung der einzelnen Schritte sind bei der Durchführung teils sehr herausfordernd. Zudem kommt ein intensiver Überwachungsaufwand der inhaltlichen Korrektheit und Qualität der studentischen Ausarbeitungen. Fehlerhafte Informationen im Handout, in den Präsentationen oder in den praktischen Beispielen müssen frühzeitig erkannt und ausgebessert werden.

 

Der zeitliche Aufwand wird aber bei weiteren Durchführungen signifikant geringer. Finanzielle Kosten ergaben sich keine.

Positioning

Bachelorstudium „Bachelorstudium Wirtschaft, Gesundheits- und Sporttourismus“, Dauer des Studiums: 6 Semester, VU Buchhaltung und Bilanzierung findet im 1. Semester statt

Links zu der/den Projektmitarbeiter/innen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Lehre und Digitale Transformation
Ansprechperson
Dr. Marco Haid
Division für Management im Gesundheits- und Sporttourismus
0043 676 464 54 40
Nominierte Person(en)
Dr. Marco Haid
Division für Management im Gesundheits- und Sporttourismus
Themenfelder
  • Lehr- und Lernkonzepte
  • Digitalisierung
Fachbereiche
  • Wirtschaft und Recht