Fachhochschule Technikum Wien
Höchstädtplatz 5, 1200 Wien
Weitere Beispiele der Hochschule

Human Factors Hackathon

Ziele/Motive/Ausgangslage/Problemstellung

Studienanfänger*innen an technischen Hochschulen vermissen zu Beginn oft den Praxisbezug jener Lehrveranstaltungen, in denen die Grundlagen der Ingenieurswissenschaften gelehrt werden. Dies führt zu hoher Frustration und ist einer unter mehreren Faktoren, die ein verfrühtes Ausscheiden aus dem Studium begünstigen. In den ca. 20 Jahren des Bestehens des Studiengangs Sportgerätetechnik, der 2019 eine Curriculumsänderung unter dem neuen Titel "Human Factors and Sports Engineering" erfuhr, war dies durch hohe Dropout-Raten in den ersten beiden Semestern evident.

Ziel des Human Factors Hackathon ist es nun, Studierende bereits in den ersten Tagen des Studiums mit praktischen Anwendungen jener technischen Inhalte zu konfrontieren, die in den Lehrveranstaltungen der folgenden und insbesondere der ersten beiden Semester gelehrt werden. So soll die Notwendigkeit des spezifischen Wissens für die Erfassung, Analyse und Interpretation von Messdaten deutlich gemacht werden.

Neben der praktischen Auseinandersetzung mit den ausgewählten Anwendungsgebieten des Human Factors and Sports Engineering soll im Rahmen der Lehrveranstaltung auch das Kennenlernen und die Kommunikation zwischen den Studierenden gefördert werden. Gerade in technischen Studiengängen ist unserer Erfahrung nach die Vernetzung von Student*innen mit unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen ein wichtiger Aspekt. Die Tätigkeiten im Human Factors Hackathon soll die unkomplizierte Bildung von Lerngruppen ermöglichen in denen Student*innen wechselseitig von unterschiedlichen Vorkenntnissen profitieren können, indem das Kennenlernen schnell und in einem informellen Setting erfolgt.

Ein weiteres Ziel der Lehrveranstaltung ist es, die Student*innen interaktiv über Strukturen, Inhalte und Ziele des Studiengangs zu informieren, um Bedenken einerseits ernst zu nehmen und andererseits unbegründete Bedenken und Befürchtungen zu reduzieren und in die richtige Perspektive zu bringen.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Um Student*innen die Studieneingangsphase zu erleichtern, das Kennenlernen zu fördern und so Hemmschwellen, die das Gelingen der Präsenzphasen verhindern könnten, zu reduzieren, findet in der ersten Studienwoche der "Human Factors Hackathon" statt. Im Rahmen einer viertägigen Veranstaltung arbeiten Studierende an einem Kleingruppenprojekt zu einem selbstgewählten Thema aus dem Bereich von Human Factors und Sports Engineering. Dabei werden sie mit für das Studium relevanten Fähigkeiten und Fertigkeiten konfrontiert. In Kleingruppen wird eine Idee generiert, werden Daten gemessen, ausgewertet und zum Abschluss präsentiert. Kreativität, Teamwork und ein wenig technisches Verständnis sind notwendig, um erfolgreich zu sein. Im Zuge des Hackathons können die Studierenden aber auch erkennen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten hilfreich wären ein noch besseres Ergebnis zu erzielen.

In diesem Rahmen werden Studierende auch interaktiv über Strukturen, Inhalte und Ziele des Studiengangs informiert und können dabei ihre Erwartungen (positiv und negativ) formulieren. Während des Hackathons und in parallel stattfindender Gruppenaktivitäten (sportbezogen, inklusiv) werden das Kennenlernen und die Kommunikation zwischen den Studierenden gefördert.

In einer abschließenden schriftlichen Reflexion am Ende des ersten Semesters zu konkreten studienbezogenen Fragen, beurteilen Studierende Ihre Defizite, Stärken und das bereits Gelernte im Vergleich zur ersten Woche ihres Studieneinstiegs.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

In order to make it easier for students to start their studies, to get to know each other and to reduce any barriers that could prevent the success of the attendance phases, the "Human Factors Hackathon" takes place in the first week of the programme. During a four-day event, students work on a small group project on a topic of their own choice from the field of human factors and sports engineering. In the process, they are confronted with skills and abilities relevant to their studies. In small groups, an idea is generated, data are measured, evaluated and presented at the end. Creativity, teamwork and a little technical understanding are necessary to succeed. In the course of the Hackathon, the students can also recognise which skills and abilities would be helpful to achieve an even better result.

In this context, students are also interactively informed about the structures, contents and goals of the study programme and can formulate their expectations (positive and negative). During the Hackathon and in parallel group activities (sports-related, inclusive), getting to know each other and communication between students is promoted.

In a final written reflection at the end of the first semester on specific study-related questions, students assess their strengths and weaknesses, and what they have already learned in comparison to the first week of their entry into the programme.

Nähere Beschreibung des Projekts

Der Human Factors Hackathon ist eine Lehrveranstaltung, die die Studieneingangsphase für Studierende des Bachelor-Studiengangs Human Factors and Sports Engineering unterstützt.

Diese Lehrveranstaltung ist in drei Abschnitte gegliedert:

(A1) Vorbereitung

(A2) 4-tägige externe Präsenzphase

(A3) Reflexion am Semesterende

In (A1) Vorbereitung werden die Studierenden bereits bei der Unterzeichnung des Ausbildungsvertrags über den prinzipiellen Ablauf der LV informiert (dass für diese LV Zusatzkosten zu erwarten sind, wird bereits in der Bewerbungsphase kommuniziert). Sobald der Moodle Kurs der LV online ist und die Studierenden eingeschrieben sind, haben Sie dort mehrere Aufgaben (a-e) zu erledigen. Sie müssen (a) sich über den Studienplan des Studiengangs und die einzelnen LV informieren, so beschäftigen sie sich intensiv mit den Inhalten. Danach sind vor der Präsenzphase vier Umfragen anonym zu beantworten.

(b) "Motivation und Ziele: Schreiben Sie hier kurz und prägnant, warum Sie gerade Human Factors and Sports Engineering als Studium gewählt haben. Was interessiert Sie daran? Was möchten Sie erreichen? Wo soll es nach dem Bachelor-Studium weitergehen?"

(c) "Befürchtungen: Schreiben Sie hier kurz und prägnant, wovor Sie im Studium den meisten Respekt haben. Das kann sowohl administrative als auch inhaltliche Dinge betreffen."

(d) "Vorfreude: Schreiben Sie hier kurz und prägnant, worauf Sie sich im Studium am meisten freuen. Das können sowohl Lehrveranstaltungen und Inhalte als auch andere Aktivitäten sein."

(e) "Erwartungen: Schreiben Sie hier kurz und prägnant, was Sie vom Studium, der Studiengangsleitung und den LektorInnen erwarten."

 

Die zweite Phase (A2) 4-tägige externe Präsenzphase findet dann üblicherweise in Schladming (Stmk., JUFA Hotel Vollpension) statt, wo die Studierenden ein Programm aus Information zum Studium, Outdoor-Teambuilding, theoretischen Grundlagen der Teamarbeit und einer technischen Herausforderung absolvieren. (Hinweis: während der Covid-19 Pandemie fand der Hackathon an der Hochschule statt, die Outdoor-Teambuilding Aktivitäten waren Softball (Wiener Prater) und Hochseilklettergarten (Wiener Gänsehäufelbad), der Ablauf unterschied sich nur marginal von dem hier beschriebenen.)

Die 60 Student*innen werden in 4 Gruppen aufgeteilt, die an den vier Tagen abwechselnd vier unterschiedliche Aktivitäten durchlaufen.

(1) Kennenlernen der Kommiliton*innen, theoretische Grundlagen Teamarbeit,

Aktivitäten: Gegenseitiges Präsentieren in Kleingruppen, "Kennenlern Bingo", Reflexion bisherige Erfahrungen; Theorie Input: Reflexive Auseinandersetzung mit Grundelementen der Teamentwicklung, Definition Teams und Gruppen, Effektivitätshindernisse in Gruppen, Entwicklungsphasen, interne Strukturen (Rollen, Normen, Status, Kohäsion)

(2) Studium und Berufsfeld - Motivation und Erwartungen,

In einer interaktiven Session werden die wesentlichsten Zusammenhänge der einzelnen Lehrveranstaltungen sowie deren Inhalte und Bedeutung für das Berufsfeld erläutert. Es wird zudem auf die in der (A1) Vorbereitung eingereichten Statements eingegangen.

(3) Outdoor Teambuilding 1 (freiwillige Teilnahme): Rafting

(4) Outdoor Teambuilding 2 (freiwillige Teilnahme): Canyoning.

Am Abend des ersten Tages wird die technische Challenge - der eigentliche Hackathon vorgestellt. Die Student*innen werden in Gruppen zu je 3 Studierenden eingeteilt, dabei wird darauf geachtet, dass in jeder Gruppe Studierende mit unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen zugeordnet sind. Im Rahmen dieses Hackathons sollen die Gruppen folgende Aufgabe erfüllen: Mit den Smartphone Sensoren eine Messung im Bereich der Biomechanik,

Ergonomie oder Sport durchführen (dazu wird die App phyphox.org/de/home-de/ verwendet). Entwickeln Sie die Idee eines kommerziellen Produkts mit einem

griffigen Namen. Führen Sie Messungen mit Hilfe des Smartphones und der App durch. Filmen Sie ein solche Messung (max. 30s) stellen Sie die Messdaten grafisch dar.

Die Student*innen entwickeln Ideen bzw. Fragestellungen, die mit den Lektor*innen diskutiert und so adaptiert werden, dass sie innerhalb des vorgegeben Zeitrahmens sinnvoll gelöst werden können. Während der aktivitätsfreien Zeit bearbeiten die Student*innen ihr Thema, am letzten Tag findet dann der Hackathon-Pitch statt, in dem jede Gruppe ihr Thema präsentiert. Die anderen Gruppen bewerten die Projekte (Vergabe von Punkten in Form von Kinder Schoko Bons, jede Gruppe kann eine Anzahl frei vergeben). Die Gruppe mit den meisten Punkten ist Sieger der Challenge.

 

Die abschließende Phase (A3) Reflexion am Semesterende findet am Ende des ersten Semesters statt. Die Student*innen müssen dabei ein Reflexionspapier hochladen, in dem sie auf folgende Punkte einzugehen haben :

Vorwissen: Beschreiben Sie, welche Elemente Ihrer schulischen Ausbildung im Hackathon anwenden konnten

Defizite: Welche Fertigkeiten, denken Sie müssen Sie besser beherrschen, um die Aufgaben im Hackathon meistern zu können?

Studium: Beschreiben Sie, von welchen Lehrveranstaltungen Sie denken, dass diese geeignet sind diese Defizite zu beseitigen. Gehen Sie dabei sowohl auf die LVen des ersten Semesters, als auf die der folgenden Semester ein.

Gruppenarbeit: Beschreiben Sie, wie die Arbeit in der Gruppe gelaufen ist. Waren unterschiedliche Vorkenntnisse der Gruppenmitglieder hilfreich? Gab es Probleme an denen sie gescheitert sind oder die sie besonders gut lösen konnten? Wie hat die Kommunikation innerhalb der Gruppe funktioniert?

Hackathon Feedback: Was ist gut gelaufen, was weniger gut? Sollte etwas am Format geändert werden? Hat die Veranstaltung geholfen, Ihre KommilitonInnen kennenzulernen?

 

 

 

Nutzen und Mehrwert

Das Projekt unterstützt von allem das Kennenlernen und soll so eine stärkere Unterstützung der Studierenden untereinander fördern, was schlussendlich den Studienerfolg heben und die Drop-out-Rate senken soll. Um solche Effekte allerdings mit entsprechender Signifikanz nachweisen zu können, läuft die LV noch nicht lange genug und konnte aufgrund der beiden Corona-Jahrgänge nicht in der ursprünglich geplanten Form durchgeführt werden.

Für die Student*innen ergibt sich durch die intensive Beschäftigung mit dem Curriculum eine verbesserte Studieneingangsphase, die Orientierung wird gestärkt, thematische Zusammenhänge von Grundlagen-LVen mit praktischen Anwendungen und Laborübungen werden verdeutlicht, was schlussendlich zu mehr Motivation in weniger geliebten Fächern führt.

Nachhaltigkeit

Das Konzept ist nur bedingt auf andere Lehrveranstaltungen anwendbar, da im Regelfall auch der dislozierte Unterricht ein wesentliches Element für das Teambuilding ist. Dennoch wird versucht die gemachten Erfahrungen in vielen Folgelehrveranstaltungen anzusprechen. So werden z.B. in der LV Anwendungen der Programmierung und im Labormodul Data Acquisition and Analysis in Biomechanics Daten aus den Hackathon-Projekten beispielhaft diskutiert und/oder ausgewertet.

Da die Lehrveranstaltung jedes Jahr für die Studienanfänger*innen angeboten wird, unterliegt sie einerseits dem institutionellen Evaluierungsprozess, andererseits wird das Feedback der Studierenden, das sie im Rahmen des Reflexionpapiers einbringen,

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor, 1. Semester, erste Woche des Studiums

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2022 nominiert.
Ars Docendi
2022
Kategorie: Qualitätsverbesserung von Lehre und Studierbarkeit
Ansprechperson
Stefan Litzenberger, PhD
Bachelor-Studiengang Human Factors and Sports Engineering
+43133340774810
Nominierte Person(en)
Stefan Litzenberger, PhD
Bachelor-Studiengang Human Factors and Sports Engineering
Christoph Mohl, MSc
Kompetenzfeld Sports Engineering, Biomechanics & Ergonomics
Themenfelder
  • Curriculagestaltung
  • Lehr- und Lernkonzepte
  • Erfahrungslernen
  • Vor dem Studium/Beginn des Studiums
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften