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Zuletzt aktualisiert am 10.02.2025

Sommerakademie Welterbe Österreich. Kultur- und Naturerbe, Forschung und Schutz, Management und Kommunikation

Kurzzusammenfassung des Projekts

Im Rahmen des Projektes "Sommerakademie Welterbe Österreich" werden die Themenbereiche Weltkulturerbe, Kultur- und Naturgüterschutz sowie Kulturkommunikation gezielt zur Diskussion gestellt, indem im Sinne einer praxisnahen Lehre Betriebe, Personen, Institutionen, Kulturstätten der österreichischen UNESCO-Welterbe-Städte Graz, Salzburg und Wien besucht und die jeweiligen Strategien des Kulturmanagements sowie der Kulturkommunikation bzw. -vermittlung und -vermarktung im Hinblick auf Kulturbildung sowie Kulturtourismus zur Diskussion gestellt werden. Ein Einblick hinter die Kulissen eröffnet den Studierenden sowie ExpertInnen die Basis für kritische Reflexionen.

Hierbei werden Aspekte der Denkmal- und Ortsbildpflege, der Stadtentwicklung und Herausforderungen sowie Konfliktbereiche in der Stadtplanung im Spannungsfeld von Tradition und Moderne zur Debatte gestellt. Der Themenkomplex des Kulturgüterschutzes wird - teils vor dem Hintergrund der Zerstörung des Kulturerbes in Städten wie Damaskus und Aleppo - diskutiert. Der Frage der Wechselseitigkeit von materiellen und immateriellen Kulturerbe wird nachgegangen: Was ist immaterielles Kulturerbe und welche Rolle hat es im Kontext des Weltkulturerbes, wie kommuniziert/vermittelt man den Wert des immateriellen Kulturerbes, immaterielles Kulturerbe auf der nationalen und internationalen Liste, entlistetes sowie künftiges Kulturerbe.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

The Summer School project focusses on world cultural heritage, cultural property protection and cultural communication. These topics are specifically put up for discussion by visiting companies, people, institutions and cultural sites in Austrias UNESCO World Heritage cities such as Graz, Salzburg and Vienna.

Within the course the respective strategies of cultural management as well as cultural communication and marketing with regard to cultural education and cultural tourism are put up for discussion. A closer view gives students and experts the chance for critical reflections. Aspects of monument and site maintenance, urban development as well as fields of conflict in urban planning between tradition and modernity are brought up for debate. The topic of cultural property protection is being discussed - partly against the background of the destruction of cultural heritage in cities such as Damascus and Aleppo. The question of the reciprocity of tangible and intangible cultural heritage is examined: What is intangible cultural heritage and what role does it have in the context of world cultural heritage?

Nähere Beschreibung des Projekts

Als Erkenntniszusammenhang und detaillierte wissenschaftliche Herausforderungen werden im Zuge der Sommerschule zentrale Fragestellungen gesellschaftlicher Entwicklungen aufgegriffen, die mit den Konventionen zur Bewahrung kulturellen Erbes durch die UNESCO, die ein völkerrechtlich verbindliches Instrument entwickelt hat, in Verbindung stehen. Damit werden nicht nur Bauwerke und architektonische Artefakte einer Betrachtung unterzogen, sondern auch Traditionen, Bräuche, Konventionen, Lebenspraktiken usw. Sie werden als Bausteine kulturellen Erbes einer zeitgemäßen Bewertung unterzogen, in aktuellen Kontexten diskutiert.

Gleichzeitig wird dadurch das Feld für einen transdisziplinären Diskurs geöffnet. In Verbindung mit den Geisteswissenschaften und den empirischen Kulturwissenschaften (europäische Ethnologie, Volkskunde, Archäologie, Kunstgeschichte) oder Architektur und Raumplanung können von den Sozialwissenschaften insbesondere die Historischen Wissenschaften und die Kommunikationswissenschaft zur Klärung relevanter Zusammenhänge beitragen. Auch die Studierenden kommen aus unterschiedlichen Fächern: Neben Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern und Kommunikations- bzw. Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern sowie Archäologinnen und Archäologen, Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftlern und Sprachwissenschaftlerinnen sowie Sprachwissenschaftlern waren es auch Studierende der Restaurationswissenschaft der Hochschule für Angewandte Kunst sowie der Raumplanung und des Bodenmanagements der Technischen Universität Wien, die an der Summer School bislang teilgenommen haben. Diese starke Interdisziplinarität bietet einen großen Mehrwert, der im Lehrkonzept der Summer School Anwendung findet. Die Studierenden lernen fachfremde Methoden und neue Zugänge kennen und können diese im interdisziplinären Diskurs zugleich themenbezogen und praxisnah austauschen und besprechen.

Die Ergründung und Erforschung der Zusammenhänge erfolgt in dieser Lehrveranstaltung durch Einzelfallstudien. Dabei kommen jene sozialwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Methoden zur Anwendung, die im Einzelfall am besten zur Lösung des jeweiligen Problems beitragen. Von der quantifizierenden Medienanalyse bis zum biografischen Interview, von der Ikonografie bis zur Gestaltwertanalyse, vom Gruppengespräch bis zum Expertendiskurs ist alles möglich; es gibt diesbezüglich keine Einschränkungen. Durch die vielfältigen Zugangs- und Sichtweisen sowie die Herstellung thematischer Zusammenhänge innerhalb der Disziplin wird den Studierenden ein umfangreiches Angebot an unterschiedlichen Methoden geboten, das insgesamt der studentischen Methodenkompetenzerweiterung dient.

Des Weiteren führt dieses Lehrkonzept zu einer verstärkten Förderung der sozialen Kompetenzen. Der Diskurs unterschiedlicher Themenbereiche in der Gruppe zieht sich als konsequentes Lehrelement durch die gesamte Summer School und fördert damit die Kommunikationsfähigkeit durch das eigene Einbringen der Studierenden in die Gruppe einerseits und das Profitieren von den Fähigkeiten der Kolleginnen und Kollegen andererseits.

Einen weiteren Schwerpunkt der Sommerakademie stellt die Kooperation mit dem österreichischen Chapter der Wikimedia Foundation dar. Diese Wikimedia versteht sich als eine weltweite Bewegung zur Förderung des freien Wissens. Synonym wird auch von „offenem Wissen“ gesprochen, breiter auch von freien oder offenen Inhalten. Eine besondere Rolle nehmen dabei freie Lehr- und Lernmaterialien (Open Educational Resources) ein, also Bildungsmaterialien, die unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden, um die Teilhabe und Mitarbeit durch alle Lehrenden und Lernenden zu erleichtern und so wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der pädagogischen Praxis zu setzen. Im Wikiversum der freien Projekte ist dabei die Wikiversity zu nennen, die als Online-Plattform in Form eines Wikis zum gemeinschaftlichen Lernen, Lehren und Forschen genutzt wird.

Die Summer School integriert zudem konkrete forschungsbasierte sowie forschungsbezogene Elemente. Gezielt sollen Synergien in Forschung und Lehre geschaffen werden, indem wissenschaftliche Veranstaltungen wie Tagungen und Workshops am Beginn der Summer School mit dem Lehrprogramm gekoppelt werden. Die Vermittlung theoretischer Grundlagen soll den Einstieg in das Thema erleichtern, Grundlagenkenntnisse schaffen und die Basis für das darauffolgende praxisbezogene Programm und die damit zusammenhängenden Diskussionen bilden. Zudem bietet dieser Einstieg in die Thematik die Möglichkeit der Präsentation von aktuellen Forschungsprojekten, intensiviert den wissenschaftlichen Austausch und stellt zugleich sicher, dass sich der Diskurs am aktuellen Stand der Forschung orientiert.

Insbesondere hinsichtlich der didaktischen Methode werden innovative Wege begangen. Sich eine Stadt zu „ergehen“, sie also auch sinnlich zu erfahren, zu erleben und eben im Sinne der „lieux de mémoire“ zu erschließen, bedeutet, das Arsenal der Wahrnehmung zu verbreitern. Lucius Burckhardt hat mit seiner „Promenadologie“, der „Spaziergangswissenschaft“, ein neues Verständnis für die Wahrnehmung von Wirklichkeit entwickelt, um Landschaft und urbanen Raum zu begreifen.

Erleben, das heißt zuerst sehen, dann sinnhaft deuten und erschließen. Die kulturelle Vermittlungsaufgabe etwa von Museen, die den Bewohnerinnen und Bewohnern einer Region ihre Herkunft vor Augen führen und den Besuchenden von auswärts einen Eindruck vermitteln, was die Besonderheit der Lebensformen vor Ort prägte und bis heute ausmacht, formulierte in ähnlicher Weise der Kunsthistoriker Ernst Gombrich. Wie beim Betrachten eines Kunstwerkes kann ein gelungener Vermittlungsprozess die Augen in ganz andere Dimensionen öffnen und zu einer positiven Verdichtung der Eindrücke führen. Ausgangspunkt für den Besuch eines Museums oder einer ähnlichen, historische Lebenszusammenhänge vermittelnden Institution, für die Begehung eines städtischen bzw. architektonischen Ensembles ist ja oft das vage Motiv, damit „etwas für Bildung und Kultur tun“ zu wollen. Bei Studierenden darf dieser Wunsch jedenfalls vorausgesetzt werden. Beim Sehen vor Ort werden Sinneseindrücke gesammelt, was quasi von selbst vor sich geht. Deuten und Schließen sind jedoch Bewusstseinsvorgänge, bei denen wir das Für und Wider abwägen, Anhaltspunkte benötigen, Wissen von außen einbeziehen, um zu einem Standpunkt zu gelangen – und auch ausreichend Zeit für Reflexion benötigen. Sieht man zunächst nur, was man schon weiß, kann durch Gespräche, Lektüre oder Führung, über die intensive Auseinandersetzung mit einem Gegenstand, einem historischen Kontext, einer Stadt oder einer ganzen Region eine tatsächliche „Erweiterung des Horizonts“ erfolgen. Dann wäre erreichbar, was der Philosoph die „Selbstermächtigung des Reisenden“ bezeichnet – die interkulturelle Offenheit des sich selbst aufklärenden Menschen.

 

 

Themen der Lehrveranstaltung:

 

• Kick-off Workshop “Kulturelle Identität zwischen Tradition und Moderne”

• UNESCO-Welterbe

- Graz Altstadt und Eggenberg

- Semmeringbahn

- Wien Altstadt und Schönbrunn

- Wachau

- Salzburg Altstadt

- Salzkammergut

• Welterbemanagementplanung

• Städtebau, Stadtentwicklung: Tradition versus Moderne

• Stadt als Kulturlandschaft

• Denkmalschutz: Bundesdenkmalamt und Altstadtanwaltschaft

• Kulturgüterschutz und Blue Shield: Schutz des Kulturerbes vor militärischer Bedrohung und Naturkatastrophen

• Normative Rahmenbedingungen zum Schutz von Kulturerbe

• ICOMOS

• Methoden der Kulturvermittlung und der Öffentlichkeitsarbeit von Institutionen

• Archäologie und Stadtarchäologie

• Museen und Stadtmuseen, ICOM

• Stadtarchive als Gedächtnisspeicher

• Bücher und Bibliotheken als Kulturerbe (Nationalbibliothek, Universitäts- und Stadtbibliotheken)

• Universitäten als Kulturerbe

• Stadttourismus, Fremdenführung

• Programmatische Stadtrundgänge

• Kulturerbe und Migration

• In Kirchen und Sakralräumen führen

• Historische technische Infrastrukturen, Verkehr und Eisenbahn

• Grünflächen, historische Gärten, Stadtparks, Botanische Gärten

• Wasser, historische Regulierungen, Stadtteiche, Brunnen

• Künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum

• Musikalisches Kulturerbe (Musikmuseen und historische Musikerwohnungen)

• Fiakerkultur (Wien, Salzburg) und Pferdetradition (Rennsport)

• Wiener Kaffeehauskultur

• Wiener Heurigenkultur und Wienerlied

• Kulinarisches Kulturerbe

• Kulturmedienarbeit

• Erhaltung, Konservierung, Restaurierung

 

 

 

Lehr- und Lernziele:

 

• forschungsbasierte Lerninhalte am neuesten Stand der Forschung

• gezieltes Aufgreifen internationaler Erkenntnisse und Entwicklungen

• interdisziplinär und transdisziplinär: Verschränkung von Theorie und Praxis

• Förderung der fachübergreifende Kompetenzen und Qualifikationen

• innovative Hochschuldidaktik und neuartige Lehrmethoden

• starke Studierendenzentrierung

• Berücksichtigung unterschiedlichen Vorwissens und sowie der Lehrbedingungen

• Stipendien zur Förderung der Chancengleichheit

• Aspekte der Inklusion und Förderung der interkulturellen Kompetenzen

• Sensibilisierung für gesellschaftliche Herausforderungen

• klare Struktur und Transparenz sowie Partizipation

• personale und soziale Kompetenzen

• Kompetenzorientierte Konzeption

• fördert den Blick über den Tellerrand

• freies Wissen und E-Learning sowie Studium am Original

• interuniversitäre Lehre

• Networking als Stärkefeld

• Nachhaltige Lehre

Nutzen und Mehrwert

Durch die innovative kooperative Lehr- und Arbeitsform, der ein breites Netzwerk mit hohem Qualitätsanspruch zugrunde liegt ist es möglich den interuniversitären, interdisziplinären sowie transdisziplinären Diskurs voranzutreiben und zu dem neben einer forschungsbasierten Lehre den Austausch von Praxis und Theorie nachhaltig zu stärken. Den Studierenden wird ein einzigartiges Netzwerk geboten, das auch nach der Sommerschule noch Mehrwerte (wie Praktika in Betrieben, Publikationsmöglichkeiten oder Folgeveranstaltungen) generiert.
Zudem werden Kenntnisse in den Bereichen der Digitalisierung und des freien Wissens vermittelt und sogleich mit Unterstützung der open source community angewandt. Wikipedia ist ein wertvoller Partner des Projektes mit dessen Zusammenarbeit nicht nur neue Wikipedia-Inhalte entstehen, sondern zugleich ein Austausch der WikipedianerInnen mit den Studierenden und WelterbeexpertInnenen stattfindet, wodurch sich nachhaltig Synergien genutzt werden. Dieses Engagement der Summerschule wurde bereits mit dem Europeana-Preis gewürdigt.
Insbesondere hinsichtlich der didaktischen Methode werden innovative Wege begangen. Sich eine Stadt zu „ergehen“, sie also auch sinnlich zu erfahren, zu erleben und eben im Sinne der „lieux de mémoire“ zu erschließen, bedeutet, das Arsenal der Wahrnehmung zu verbreitern. Lucius Burckhardt hat mit seiner „Promenadologie“, der „Spaziergangswissenschaft“, ein neues Verständnis für die Wahrnehmung von Wirklichkeit entwickelt, um Landschaft und urbanen Raum zu begreifen.  
Erleben, das heißt zuerst sehen, dann sinnhaft deuten und erschließen. Beim Sehen vor Ort werden Sinneseindrücke gesammelt. Deuten und Schließen sind jedoch Bewusstseinsvorgänge, bei denen wir das Für und Wider abwägen, Anhaltspunkte benötigen, Wissen von außen einbeziehen, um zu einem Standpunkt zu gelangen – und auch ausreichend Zeit für Reflexion benötigen. Sieht man zunächst nur, was man schon weiß, kann durch Gespräche, Lektüre oder Führung, über die intensive Auseinandersetzung mit einem Gegenstand, einem historischen Kontext, einer Stadt oder einer ganzen Region eine tatsächliche „Erweiterung des Horizonts“ erfolgen. Dann wäre erreichbar, was der Philosoph die „Selbstermächtigung des Reisenden“ bezeichnet – die interkulturelle Offenheit des sich selbst aufklärenden Menschen.