"Ich will nicht mehr krank sein!" - Diabetes Typ 1 in der Schule

Ziele/Motive/Ausgangslage/Problemstellung

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen in Österreich steigt ständig. Diabetes ist eine Erkrankung, die mehrmals täglich und damit auch während der Schulzeit einer medizinische Handlung bedarf – und somit brauchen Kinder die Unterstützung der Lehrperson, um diese krankheitsbezogene Tätigkeit richtig durchzuführen. Dadurch ist es wichtig und notwendig, Lehrpersonen für die Bedürfnisse betroffener Schülerinnen und Schüler zu sensibilisieren. Durch das Angebot von Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen zum Thema "Diabetes in der Schule" im blended learning-Format soll dem Ziel nähergekommen werden, den Bedürfnissen der betroffenen Kinder und Jugendlichen gerecht zu werden, Lehrpersonen für dieses brisante Thema zu interessieren und deren pädagogische Handlungskompetenz im Umgang mit betroffenen Schülerinnen und Schülern zu steigern.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Ab Herbst 2020 werden im Rahmen des Aus-, Fort- und Weiterbildungsprogramms der Pädagogischen Hochschule Salzburg Stefan Zweig Lehrveranstaltungen zum Thema "Diabetes in der Schule" im blended learning-Format angeboten. Innerhalb von drei Wochen erhalten (zukünftige) Lehrpersonen relevante Informationen rund um die Diabeteserkrankung im Kindes- und Jugendalter, zu rechtlichen Rahmenbedingungen und Hilfestellungen im Rahmen des Unterrichts. Beim Projekt bauen Präsenz- und E-Learning-Maßnahmen aufeinander auf. Die Teilnehmenden erhalten einerseits fachlichen Input und sind andererseits durch Bearbeitung spezieller Fallbeispiele aufgefordert, das erworbene Wissen umzusetzen und sich in verschiedenen Phasen der Lehrveranstaltung auch über eigene Erfahrungen auszutauschen. Bei erfolgreicher Absolvierung aller erforderlichen Arbeitsaufträge und Wissenschecks erfolgt die Zertifizierung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Pädagogische Hochschule Salzburg Stefan Zweig in Kooperation mit der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, die das Projekt von fachlicher Seite unterstützt. Die Lehrveranstaltung wird in Folge in den Hochschullehrgang "Illness? No Problem!" integriert, der im Herbst 2021 an der Pädagogischen Hochschule Salzburg Stefan Zweig starten wird.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

From autumn 2020 special classes offered as ‘blended learning’ regarding ‘Diabetes in schools’ will be available as part of the educational and enhanced educational programs.

The course has a duration of three weeks, participants will receive detailed relevant information/knowledge about the disease diabetes for children and teenagers, legal supporting conditions/requirements, as well as receiving information regarding support during school classes. The program’s onsite and E-learning classes are meant to be consecutive and are taught based on each other. Participants will receive specialized information, but in turn, they will also be required to apply their gained theoretical knowledge using specific case studies and they will also be able to exchange and share their own experience with others.

Once all required work assignments and theory tests are accomplished successfully, participants will be certified by the ‘Pädagogische Hochschule Salzburg Stefan Zweig’ in cooperation with the Austrian Diabetes Association (ÖDG), which supports the project with its expertise.

The course will be integrated into the curriculum of “Illness? No Problem!” which will be initiated in the autumn 2021.

Nähere Beschreibung des Projekts

Durch die UN-Behindertenrechts-Konvention, die 2008 in Kraft getreten ist, ist sichergestellt, dass alle Kinder und Jugendlichen Zugang zu einem inklusiven, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Schulen haben. Daraus leitet sich ein Rechtsanspruch für Schülerinnen und Schüler mit chronischen Erkrankungen ab, mit dem sie eine Aufnahme in eine allgemeine Schule und die Rücksichtnahme auf ihre besonderen Bedürfnisse einfordern können (Flitner, 2014).

Die Kenntnis über die Bedeutung von Krankheiten im Rahmen der Schule ist dabei eine wichtige Grundlage für den Unterricht, da sich Schülerinnen und Schüler ständig auf einem Kontinuum zwischen krank und gesund bewegen (Steins, 2008).

Die Lehrveranstaltung "Diabetes in der Schule" wurde im letzten halben Jahr gemeinsam mit der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) mit dem Ziel entwickelt, Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 in der Schule bestmöglich unterstützen und krankheitsbedingte Nachteile vermeiden zu können.

Im Rahmen von Lehrveranstaltungen für Studierende der Primarstufen- und Sekundarstufenpädagogik bzw. der Lehrer/innenfortbildung bzw. -weiterbildung, die im Herbst 2020 erstmals stattfinden werden, wird (zukünftigen) Lehrpersonen die Möglichkeit gegeben, sich mit dem Thema "Diabetes in der Schule" näher auseinanderzusetzen.

Die Lehrveranstaltungen, die im blended learning-Format angeboten werden, in der sich Präsenzphasen mit E-Learning-Phasen abwechseln, gliedert sich in drei Teile. In einem ersten Teil erhalten die Teilnehmenden Informationen zu den Basics der Typ-1-Diabeteserkrankung im Kindes- und Jugendalter. Neben der Definition von Typ 1-Diabetes werden ein typischer Tagesablauf von Kindern bzw. Jugendlichen mit Diabetes dargestellt, das Diabetesmanagement aus medizinischer Sicht erläutert (Insulin, Zuckermessung, …) und Notfallsituationen besprochen. Dabei erfolgt einerseits eine Einschulung durch eine Ärztin/einen Arzt, andererseits wird diese Präsenzveranstaltung in einer darauffolgenden Online-Phase vertieft, indem verschiedene Inputs in Form von Videos, Texten und Fallbeispielen alleine und in Online-Lerngruppen bearbeitet werden. Für den gegenseitigen Austausch stehen auf der Lernplattform Moodle unterschiedliche Formate (Forum, Chat, …) zur Verfügung.

In der zweiten Woche beschäftigen sich die Teilnehmenden mit dem Diabetesmanagement auf Schulebene. Rechtliche Rahmenbedingungen aus juristischer Sicht werden ebenso behandelt wie ein mögliches Aufnahmeprozedere einer Schülerin bzw. eines Schülers mit Diabetes. Besprochen werden ebenso Aufgabenverteilung und Verantwortlichkeiten für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen bzw. die Erstellung von Notfallplänen. Dafür stehen einerseits erfahrene Lehrpersonen, andererseits auch Jurist/innen zur Verfügung. Ziel der darauffolgenden Online-Phase ist es, das erworbene Wissen in die eigene Schulpraxis zu übertragen und mögliche Szenarien (Ablaufpläne, ...) zu erarbeiten.

In der dritten Woche wird das Diabetesmanagement auf Klassenebene behandelt. Hierbei geht es um das Ermöglichen des Krankheitsmanagements in der Klassensituation, um Unterstützungsmaßnahmen in der Klassengemeinschaft und um das Vermeiden von Benachteiligungen für Betroffene im Rahmen des Unterrichts.

Die Präsenzveranstaltung wird von einem Team aus einer betroffenen Lehrperson und einem betroffenen Elternteil abgehalten.

Bei erfolgreicher Absolvierung aller erforderlichen Arbeitsaufträge und Wissenschecks erfolgt die Zertifizierung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von der Pädagogischen Hochschule Salzburg in Kooperation mit der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG), die das Projekt von fachlicher Seite unterstützt. Die Lehrveranstaltung wird in Folge in den Hochschullehrgang "Illness? No Problem!" integriert, der im Herbst 2021 an der Pädagogischen Hochschule starten wird und zum ambitionierten Ziel hat, dass in jeder Schule in Österreich Lehrpersonen durch diese Weiterbildung als Bindeglied zwischen betroffenen Kindern bzw. Jugendlichen, deren Eltern und anderen Lehrpersonen zur Verfügung stehen und sensibel und achtsam mit den Bedürfnissen von Schülerinnen und Schülern mit chronischen Erkrankungen umgehen.

Nutzen und Mehrwert

Räumliche und zeitliche Flexibilität, Übertragbarkeit auf andere LV,

Erreichung einer spezifischen Zielgruppe, Flexibilität in Bezug auf die

Gruppengröße

Nachhaltigkeit

Das Konzept ist ein Prototyp, der dann auf andere LV übertragen werden soll. Im Bereich der Fortbildung wird das e-learning-tool an der Pädagogischen Hochschule Salzburg Stefan Zweig erstmals eingesetzt, um herauszufinden, ob dies ein Format sein könnte, auf das Lehrpersonen zurückgreifen.

Das vorgestellte Konzept wird im September 2021 in einen Hochschullehrgang zum Thema "Krankheit und Schule" an der PH Salzburg integriert, demnach längerfristig eingesetzt und ständig in Kooperation mit der Österreichischen Diabetes Gesellschaft weiterentwickelt. Bei der Konzeption des Hochschullehrgangs werden auch betroffene Studierende an der Curriculumsentwicklung mitarbeiten.

Akzeptanz

Diabetes mellitus ist eine häufige chronische Erkrankung des Kindesalters, an der in Österreich jährlich ca. 250 bis 300 Kinder und Jugendliche neu erkranken. Betroffen von der Erkrankung sind derzeit ca. 1.600 Schülerinnen und Schüler - die Anzahl der Neuerkrankungen ist weiterhin steigend (+3,6 % pro Jahr) (Hofer u.a., 2018). Die meisten der Betroffenen leiden an Insulinmangeldiabetes (Typ-1-Diabetes), allerdings nimmt auch der Anteil an stark übergewichtigen Kindern zu, was zum Teil auch bereits zu Typ-2-Diabetes im Kindesalter führt (ÖDG, 2018).

Demnach werden immer mehr Schulen in Österreich mit Fragen rund um das Diabetesmanagement von Kindern und Jugendlichen in den Schulen konfrontiert werden (Hofer u.a., 2018).

In Österreich ist durch das Bildungsreformgesetz 2017 gesetzlich geregelt, dass Lehrpersonen medizinische Laientätigkeiten ausführen und freiwillig wiederkehrende medizinische Tätigkeiten, die von Ärztinnen und Ärzten übertragen werden, übernehmen können (BMBWF, 2017). Dies bzw. die Tatsache, dass die Zahl der an Diabetes erkrankten Kinder und Jugendlichen ständig steigt, zeigt, wie wichtig die Auseinandersetzung mit dem Thema ist.

Des Weiteren haben Kinder mit chronischen Erkrankungen in bestimmten Fächern wie Mathematik, Schriftsprache oder Sport schlechtere Bildungschancen (Urschitz u.a., 2016). Um auch dem entgegenzuwirken, muss das Thema "Krankheit und Schule" sowohl in der Lehrer/innenausbildung als auch in Fort- und Weiterbildungen verstärkt aufgegriffen werden.

Aufwand

Um speziell auf die Bedürfnisse von betroffenen Kindern, deren Eltern

und Lehrpersonen eingehen zu können, wurde ein Forschungsprojekt

durchgeführt, bei dem betroffene Kinder, deren Eltern und Lehrpersonen

in ganz Österreich interviewt wurden. Erste Ergebnisse stehen in Kürze

zur Verfügung.

Bisher 12 Interviews in Österreich (ca. 6 Interviews werden noch

durchgeführt): Kilometergeld ca. € 1000,00 gesamt + Tagesausgaben +

zeitliche Ressourcen

 

Vortragstätigkeiten, Vernetzungstreffen bzw. die Erstellung der

Moodle-Plattform stellten bisher ebenfalls einen großen zeitlichen

Aufwand dar.

2 Vorträge, 2 Vernetzungstreffen: Kilometergeld ca. € 200,00 +

Tagesausgaben + zeitliche Ressourcen

Erstellung der Moodle-Plattform: bisher ca. 100h

Ein Arbeitstreffen bzw. der länderübergreifende Austausch (Deutschland)

ist bereits geplant.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelorstudium Primarstufenpädagogik, Masterstudium Sekundarstufenpädagogik, Fort- und Weiterbildung

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.
Ars Docendi
2020
Kategorie: Digitale Transformation in der Lehre
Ansprechperson
Mag. Dr. Nicola Sommer, BEd, BSc, MSc
Pädagogische Hochschule Salzburg, Institut für Bildungswissenschaften und Forschung
0662/6388-1020
Nominierte Person(en)
Mag. Dr. Nicola Sommer, BEd, BSc, MSc
Pädagogische Hochschule Salzburg, Institut für Bildungswissenschaften und Forschung
Themenfelder
  • Curriculagestaltung
  • Prozess der Curriculagestaltung
  • Lehr- und Lernkonzepte
  • Erfahrungslernen
  • Kommunikation/Plattform für Lehrende
  • Digitalisierung
Fachbereiche
  • Medizin und Gesundheitswissenschaften
  • Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften