Medizinische Universität Wien
Spitalgasse 23, 1090 Wien
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KPJ-Exzellenzprogramm Allgemeinmedizin Wien im Rahmen des neu überarbeiteten KPJ (klinisch-praktisches Jahr)-Tertial Allgemeinmedizin

Ziele/Motive/Ausgangslage/Problemstellung

Ausgangspunkt für diese Lehrinitiative war die Augen öffnende Publikation im Lancet „Health professionals for a new century: transforming education to strengthen health systems in an interdependent world“. In dieser Publikation wurde sehr deutlich aufgezeigt wie moderne Curricula für Gesundheitsberufe aufgebaut werden sollen, um den Anforderungen von Gesundheitssystemen in unserer komplexen Welt gerecht zu werden. So sind die Kernforderungen z.B. Ausbildungsnetzwerke statt Einzelinstitutionen, die interdisziplinäre Ausbildung und ein systemischer Ansatz, um Ressourcen gemeinsam zu nutzen. Ganz besonders wurden diese Punkte für die Aus- und Weiterbildung von MedizinerInnen und medizinischen Fachberufen im Primärversorgungssektor betont, welcher ja auch in Österreich in den nächsten Jahren gestärkt und ausgebaut werden soll. Zusätzlich zu dieser internationalen und wissenschaftlichen Motivation kommt die Ausgangslage der zunehmenden Verknappung des allgemeinmedizinischen Nachwuchses in Österreich bei gleichzeitig steigenden Pensionierungen derzeit tätiger HausärztInnen und den daraus resultierenden Versorgungsengpässen im Primärversorgungssektor. Als Voraussetzung zur Vermittlung des großen Nutzens kooperativer Lehr- und Arbeitsformen wurde eine interne kooperative Projektstruktur mehrerer Stakeholder (MedUni Wien, Land Wien – MA24, WGKK) geschaffen.

Ziel 1: Erweiterung der praktischen Kompetenz der Medizinstudierenden zur interdisziplinären Zusammenarbeit in alten und neuen Primärversorgungsstrukturen

Ziel 2: Erhöhung der an der postgraduellen Ausbildung zum Arzt/Ärztin für Allgemeinmedizin Interessierten

Ziel 3: Aufwertung des Berufsbildes von AllgemeinmedizinerInnen, v.a. im städtischen Bereich in Wien unter Einbeziehung des breiten primär- und sozialmedizinischen Versorgungsangebotes

Kurzzusammenfassung des Projekts

Nach Überarbeitung des KPJ-Ausbildungsplans Allgemeinmedizin mit klar definierten Kompetenzzielen durch die Teamleitung im Frühling 2018 ist es für die KPJ-Allgemeinmedizin Studierenden der Med. Uni Wien erstmals und einmalig in Österreich möglich, neben der praktischen Mitarbeit in allgemeinmed. Ordinationen u. bei Hausbesuchen (Einzel- u. Gruppenordinationen, Primärversorgungszentren) auch Hospitationen in für die Primärversorgung relevanten Organisationen durchzuführen. Die Hospitationsorganisationen sind z.B. das Fonds Soziales Wien mit der mobilen Hauskrankenpflege, der psychosoziale Dienst oder der Ärztefunkdienst gemeinnützige Betriebs GmbH für Wien. Durch dieses neue Konzept der fachübergreifenden Lehre erweitern die Studierenden in 1- bis 2-tägigen Hospitationen ihre praktischen Kompetenzen zur interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen PrimärversorgungsprofessionistInnen, welche im Zeitalter von Primärversorgungseinheiten immer wichtiger werden. Weitere Punkte dieses Programms sind spezielle Fortbildungen sowie speziell im KPJ-Exzellenzprogramm Allgemeinmedizin in Wien („Best Praxis Wien“): Vermittlung von Allgemeinmedizin-relevantem Wissen und Können in den kooperierenden Krankenhausambulanzen, KPJ-Mentoring, Networking und die Bezahlung der KPJ-Exzellenzprogramm Studierenden. Für dieses Lernkonzept und die Umsetzung wurde auch eine kooperative Projektstruktur angestrebt u. zwischen Med. Uni Wien, Stadt Wien (MA24) u. den Wr. Sozialversicherungen umgesetzt.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

After the revision of the KPJ-training curriculum in 2018 it is for the first time and unique in Austria possible that KPJ-students in General Practice and Family Medicine are able (besides their participation in the offices of the General Practitioners (GPs) including home visits) to conduct site visits in organizations which are relevant for the primary care sector. The aim is that based on this new and innovative interdisciplinary concept students will learn necessary and important skills and competencies, which are becoming increasingly important when working in the primary care sector together with different experts and organizations. In addition to the site-visits special trainings as well as in particular as part of the KPJ-Exzellenzprogramm in Vienna (“Best Praxis Wien”) KPJ-Mentoring and Networking are conducted. For that purpose a cooperation between the Med. University of Vienna, the city of Vienna and the Viennese Social Health Insurance companies was built. Moreover, an emphasis is put on the cooperating hospitals to realize that the KPJ- students in General Practice and Family Medicine are able to learn in the outpatient departments skills, which are relevant for General Practice. Finally, KPJ-students in the Exzellenzprogramm are paid.

Nähere Beschreibung des Projekts

Nach der Überarbeitung des KPJ-Ausbildungsplans Allgemeinmedizin mit klar definierten Kompetenzzielen durch die Teamleitung im Frühling 2018 ist es für die KPJ-Allgemeinmedizin Studierenden der Med. Universität Wien erstmals und einmalig in Österreich möglich, neben der praktischen Mitarbeit in allgemeinmedizinischen Ordinationen und bei Hausbesuchen (Einzel- und Gruppenordinationen, Primärversorgungszentren) auch Hospitationen in für die Primärversorgung relevanten Organisationen durchzuführen. Die Hospitationsorganisationen sind z.B. das Fonds Soziales Wien mit der mobilen Hauskrankenpflege, der psychosoziale Dienst oder der Ärztefunkdienst gemeinnützige Betriebs GmbH für Wien. Durch dieses neue innovative Konzept der fachübergreifenden Lehre erweitern die Studierenden in ein- bis zweitägigen Hospitationen ihre praktischen Kompetenzen zur interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen PrimärversorgungsprofessionistInnen, welche im Zeitalter von Primärversorgungseinheiten immer wichtiger werden. Darüber hinaus lernen sie ihr späteres Arbeitsumfeld in einer nie dagewesenen Tiefe kennen, denn sie erleben nicht nur die Menschen, welche die Ordinationen aufsuchen, sondern lernen auch die Lebenswelten der Menschen in der Einzugsregion mit all ihren bio-psycho-sozialen Herausforderungen sowie Aspekten der sozialen (Un-)Gleichheit kennen. Dieses Konzept wird durch spezielle Fortbildungen ergänzt. Neben der Teilnahme an Qualitätszirkelsitzungen und Fortbildungen im Bezirk, werden praxisnahe Seminare angeboten, die ein ganzheitliches Fallverständnis unter Berücksichtigung somatischer, psychosozialer, soziokultureller und gesundheitsökonomischer Aspekte fördern sowie praktische Hilfestellungen bieten (z.B. Kompetenz und Sicherheit in der Versorgung von Asylwerbenden). Dabei kommen klassische face-to-face sowie interaktive Moodle-Seminare zur Anwendung. Die regelmäßige Evaluation und das Einfließen der Ergebnisse in den nächsten Lehrzyklus werden als Selbstverständlichkeit erachtet.

Neben diesen neuartigen und österreichweit einzigartigen Erweiterungen des KPJ-Allgemeinmedizin Konzeptes, welche sich an internationalen und wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert, wurde als Kooperation von MedUni Wien, der Stadt Wien (MA 24) sowie den Wiener Krankenversicherungsträgern ein KPJ-Exzellenzprogramm Allgemeinmedizin Wien („Best Praxis Wien“) entwickelt. In diesem Programm wird den Hospitationen in Wien ein sehr wichtiger Stellenwert eingeräumt. Darüber hinaus wurden die speziellen Fortbildungen um wichtige Niederlassungs-relevante Themen wie den Gesamtvertrag und der Honorierung in der Allgemeinmedizin erweitert, um der Attraktivierung der Allgemeinmedizin in der Großstadt Wien noch verstärkt Rechnung zu tragen. Auch konnte durch eine Kooperation mit dem Krankenhaus Hietzing sowie mit dem Wilhelminenspital sichergestellt werden, dass die Studierenden des Exzellenzprogramms in den KPJ-Pflichttertialen Innere Medizin und Chirurgie ebendort viel Allgemeinmedizin-relevantes Wissen und Können in den Ambulanzen erwerben, nicht zuletzt auch durch Fortbildungen wie den Ultraschall-Grundkurs und der Möglichkeit mit dem Notfalleinsatzfahrzeug (NEF) mitzufahren. Ein weiterer Faktor, welcher dieses Programm zu einem sehr Studierenden-zentrierten macht, ist das KPJ-Mentoring. Hier werden die approbierten allgemeinmedizinischen KPJ-LehrordinationsleiterInnen im Vorfeld von der MedUni Wien auch als KPJ-MentorInnen ausgebildet. Das Mentoring ist die Verbindung von Theorie und praktischer Anwendung des Gelernten in Berufs- und Lebenspraxis und dauert das ganze KPJ-Jahr, d.h. die Studierenden haben auch während ihrer KPJ-Krankenhaustertiale eine/n allgemeinmedizinische/n MentorIn zur Seite. Bei Networking-Veranstaltung zwischen allen Beteiligten des Programmes kommt es darüber hinaus zum interdisziplinären Austausch rund um das Thema der allgemeinmedizinischen Lehre. Zuletzt sein noch eine ungemein bedeutende Maßnahme zur Steigerung der Teilnahme an diesem Programm zu erwähnen: Die Bezahlung der KPJ-Exzellenzprogramm Studierenden in den KPJ-Lehrordinationen entsprechend der Entschädigung während des KPJ im Spital. Dies wird finanziert aus Mitteln der Landeszielsteuerung Wien. Dieser Punkt ist von entscheidender Bedeutung um ökonomischer Ungleichheit zu begegnen; sonst ist es nur für die Personen möglich das KPJ-Allgemeinmedizin - im Gegensatz zum KPJ in Spitälern - zu absolvieren, die es sich finanziell leisten können.

Positionierung des Lehrangebots

Fachbereich: Medizin und Gesundheitswissenschaften, 11. und 12. Semester, Klinisch-Praktisches Jahr, Allgemein- und Familienmedizin

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.
Ars Docendi
2019
Kategorie: Kooperative Lehr- und Arbeitsformen
Ansprechperson
Assoc.Prof.Priv.-Doz.Dr. Kathryn Hoffmann, MPH
Zentrum für Public Health
01-40160-34610
Nominierte Person(en)
Assoc.Prof.Priv.-Doz.Dr. Kathryn Hoffmann, MPH
Zentrum für Public Health
Mag.Dr. Angelika Hofhansl, MME
Teaching Center
Univ.Prof.Dr. Anita Rieder
Vizerektorat für Lehre
Ao.Univ.Prof.Dr. Anahit Anvari-Pirsch
Teaching Center
Univ.Prof.Dr. Gerhard-Johann Zlabinger
Teaching Center
Themenfelder
  • Curriculagestaltung
  • Prozess der Curriculagestaltung
  • Lehr- und Lernkonzepte
  • Schnittstelle zum Arbeitsmarkt
  • Erfahrungslernen
Fachbereiche
  • Medizin und Gesundheitswissenschaften