Paris-Lodron-Universität Salzburg
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Einführung in die Angewandte Statistik - Geroldinger

Ziele/Motive/Ausgangslage/Problemstellung

Statistik und Datenwissenschaft ist mittlerweile in der Gesellschaft ein hochrelevantes Thema geworden. Im Studium allerdings wird zwar die Wichtigkeit fast in jedem Fachbereich betont, Studierende allerdings äußern meist Angst vor solchen mathematischen Kompetenzen und Inhalten. Genau dies wurde als Anlass genommen ein didaktisch ganzheitliches Lehr-Lern Konzept zu etablieren, welches Statistik praxisorientiert durch Erfahrungslernen begreifbar machen sollte und zudem Rücksicht auf individuelle Vorkenntnisse, Wissenslücken, Interessen und Kompetenzen legt. Dies ist allerdings nicht einfach, da im vorliegenden Projekt zudem auch noch unterschiedliche Unterrichtsprachen und Studiengänge berücksichtigt werden sollten. Insgesamt wurde ein hybrides Blended-Learning Arrangement entwickelt, welches in Präsenzeinheiten die Diskussion, den Transfer und die Reflexion von statistischen Inhalten in den Vordergrund rückt und in asynchronen Online-Phasen das selbstständige praxisorientierte Erarbeiten von Inhalten mittels zur Verfügung gestellten Anleitungen, Materialien, Tutorials oder Lernvideos ermöglicht. Diese Aufteilung soll dabei helfen, dass die Studierenden selbstständig mögliche Wissenslücken schließen können und zudem durch Gruppenarbeiten gemeinsam Lernfortschritte in asynchronen Phasen gelingen können.

In synchronen Präsenzeinheiten können dann mögliche Schwierigkeiten diskutiert werden und eine positive Fehlerkultur in der Lehrmethode eingesetzt werden, wodurch Fehler und Probleme nicht als per se negativ angesehen werden, sondern dazu dienen sollen, statistische Inhalte besser zu verstehen, und alternative Lösungsmethoden auf ihre Nützlichkeit überprüfen zu können. Darüber hinaus sollten Hausaufgaben und Inhalte nicht darauf abzielen, vorhandenes Wissen zu reproduzieren, sondern bereits erlerntes Wissen zu vernetzen und auf praxisnahe Anwendungsfälle (wie beispielsweise Datensätze, Grafiken, Zeitungsartikeln, Publikationen) anzuwenden. Dies sollte sich dann auch in der Prüfungskultur widerspiegeln, in welcher praxisnah eine open-book Variante stattfindet, bei dieser die Studierenden ihr Wissen auf Praxisfälle, Datensätze oder Ähnliches anwenden sollten und dafür auch Hilfsmittel verwenden dürfen, welche sie in einer realen Situation auch zur Verfügung gestellt bekommen würden. Um verschiedene Interessen zu berücksichtigen wurden auch stets viele Wahlmöglichkeiten gegeben, sodass individuelle Schwerpunktsetzungen möglich sind. Dies wird durch eine hohe Interdisziplinarität zusätzlich betont, durch welche verschiedene Querverbindungen zu anderen curricularen Inhalten hergestellt werden, wie beispielsweise zu gesundheitlichen, edukativen, ökonomischen oder diversitäts- und genderbezogenen Inhalten. Dies untermalt das Vorhaben eines ganzheitlichen Konzepts, in welcher die unmittelbare, praktische Auseinandersetzung mit statistischen Inhalten durch verschiedene Lernebenen ein effektives situiertes Lernen ermöglichen soll.

Kurzzusammenfassung des Projekts

Bei diesem Projekt handelt es sich um eine Einführung in die mathematische Statistik. Die Anwendung statistischer Inhalte steht dabei im Fokus: Von der Erstellung von Grafiken bis hin zum Testen von Hypothesen umfassten die Themen sowohl Grundkonzepte der beschreibenden als auch der schließenden Statistik. Vor allem die Anwendung in der Programmiersprache R und die Auswertung von praxisnahen Datensätzen wurde zentral thematisiert. Der Grundgedanke hinter dieser Übung ist es, die Studierenden für das Fachgebiet Statistik begeistern zu können und nicht von mathematischen Inhalten a priori abzuschrecken. Dafür etablierte man ein Blended-Learning Arrangement, sodass sowohl asynchrone als auch synchrone Lernphasen stattfanden, und durch die Lernplattform beispielsweise Lernvideos, Quizze und Zusatzmaterialien für das Selbststudium angeboten wurden. Dieses Konzept sollte dabei helfen, individuelle Wissenslücken bestmöglich zu schließen, da die Lernvoraussetzungen durch verschiedene Studiengänge und Vorkenntnisse sehr heterogen waren. Wahlmöglichkeiten, individuelle Schwerpunktsetzungen, Diskussionen, kontinuierliches Feedback und ein Differenzierungskonzept (Fundamentum/Additum) umrahmten zudem diese Lehrveranstaltung. Insgesamt konnte so ein Konzept umgesetzt werden, welches das Ziel verfolgte, individuelle Interessen und Kenntnisse zu fördern, die intrinsische Motivation für das Fach zu wecken und die Relevanz von Statistik und Daten praxisorientiert begreifbar zu machen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

An introduction to mathematical statistics is the focus of this project. Emphasis is placed on the application of statistical content: from the creation of visualizations to the testing of hypotheses, the topics covered both basic concepts of descriptive and inferential statistics. Above all, the application in the coding language R and the evaluation of practical data sets were central topics. The basic idea behind this training is to get students excited about the field of statistics, and not to discourage them a priori from mathematical content. For this purpose, a blended learning arrangement was established such that both asynchronous and synchronous learning phases took place and, for example, learning videos, quizzes and additional materials for self-study were offered through a digital learning platform. This concept was intended to help bridge individual knowledge gaps in the best possible way, as the learning requirements were very heterogeneous due to different academic backgrounds and prior knowledge. Elective options, individual settings of priorities, discussions, continuous feedback and a differentiation concept (Fundamentum/Additum) also framed this course. Overall, a concept was implemented that pursued the goal of promoting individual interests and knowledge, awakening intrinsic motivation for the subject, and making the relevance of statistics and data comprehensible in a hands-on fashion.

Nähere Beschreibung des Projekts

Lernergebnis- und Kompetenzorientierung:

Im Projekt wurde besonders auf eine praxisnahe Anwendung wert gelegt. Um Studierende möglichst für Statistik zu begeistern und nicht davor abzuschrecken, wurde versucht durch asynchrone Elemente und selbstständiges Lernen mittels Arbeitsaufträgen oder Lernvideos eigenständig das Interesse zu wecken und auch selbstreguliertes Arbeiten an verschiedenen Vertiefungs- und Wahlmöglichkeiten anzubieten.

Durch ein vorhandenes Blended-Learning Konzept können individuelle Wissenslücken geschlossen werden, mittels Freiheiten in der Sozialform können die Präsenz- und Online-Inhalte sowohl in Gruppen- als auch in Einzelarbeit bearbeitet werden und durch Selbstevaluation können Lernziele effizient erreicht werden. Dies fördert sowohl die individuellen Bedürfnisse als auch im besten Fall die intrinsische Motivation und regt somit an, dass die eigenen Kompetenzen bestmöglich weiterentwickelt werden.

Abstimmung der Lehr-/Lernaktivitäten auf die intendierten Lernergebnisse:

Die Übung selbst fand im hybriden Modus statt, sodass auch die Möglichkeit einer Online-Teilnahme bestand. In der jeweiligen Einheit wurde zu Beginn als Einstieg jeweils ein Elevator Pitch von einer Kleingruppe zur Thematik der jeweiligen Einheit abgehalten. Dieser beinhaltete eine kurze Wiederholung von bereits gelernten Inhalten, vor allem aber thematische Vertiefungen (wie zum Beispiel Programmierkonzepte, Anwendungsbeispiele, etc..) und auch stets einen Diskussions- und Reflexionsteil, der von den Studierenden selbstständig ausgearbeitet wurde. Durch diese vertiefte Auseinandersetzung mit dem Inhalt konnten die TeilnehmerInnen bereits früh Fragen oder Schwierigkeiten in der Übungseinheit klären. Im Anschluss wurden die Übungsbeispiele gemeinsam besprochen, welche als Hausaufgabe gestellt worden sind.

Die bearbeiteten Aufgaben mussten dabei zuvor online hochgeladen werden, wurden von mir zuvor gesichtet und somit konnte in der jeweiligen Präsenzeinheit auch eine Diskussion schwieriger Aufgaben stattfinden. Der Fokus wurde somit von der reinen Präsentation von Lösungen auf eine gemeinsame Diskussion auch von alternativen Lösungsstrategien gelegt. Dieses Vorgehen förderte auch den Erkundungscharakter und trug dazu bei, dass die Lernenden auch eine didaktisch sinnvolle Fehlerkultur erlebten, in welcher es nicht darum geht, Fehler negativ hervorzuheben, sondern den Prozess des Lernens, in welchem man auch Fehler machen darf, hervorzuheben.

Nach der Einheit gab es dann stets asynchrone Aufgaben zu bearbeiten und die digitale Lernumgebung BlackBoard wurde für Diskussionszwecke, Lernvideos, zusätzliches Infomaterial und weiterführende Vertiefungen genutzt. Dadurch konnten die Studierenden selbstständig ein gewisses Pflichtpensum (Fundamentum) und freiwillige weiterführende Inhalte, Zusatzaufgaben und Materialien (Additum) bearbeiten. Insgesamt wurde darauf geachtet, dass alle Studierende eine festgelegte Mindestlernanforderung erreichen: Leistungsschwächere Lernende konnten selbstständig durch zur Verfügung gestellte Inhalte wiederholen und es gab Zusatzmöglichkeiten für leistungsstärkere Lernende.

Orientierung der Prüfungsinhalte und Beurteilungsformen an den intendierten Lernergebnissen:

Die Beurteilungsform wurde in der ersten Einheit unter Einbezug der Studierenden festgelegt (Partizipation). Es wurde meinerseits ein Rahmenkonzept für die Beurteilung vorgeschlagen, die endgültige Festlegung fand dann durch eine gemeinsame Diskussion statt. Pflichtbestandteile für die Beurteilung waren für mich sowohl mindestens eine schriftliche oder mündliche Leistungsfeststellung (Modus variabel), als auch die jeweilige Hausaufgabenbearbeitung und der Elevator Group-Pitch. Zudem wurden noch weitere Leistungsfeststellungen vorgeschlagen, sodass die TeilnehmerInnen davon auswählen konnten.

Man einigte sich in der gemeinsamen Diskussion auf zwei Übungsklausuren, welche beide online durch BlackBoard realisiert wurden. Dabei waren jegliche Hilfsmittel erlaubt: Die Studierenden sollten durch diese Form des Open-Book Tests möglichst anwendungsorientierte, praxisnahe Aufgaben bearbeiten, bei welchen es auch völlig in Ordnung ist, Hilfsmittel wie zum Beispiel Skripten, Übungsbeispiele oder das Internet zu benutzen. Das einzige Verbot galt der Kommunikation untereinander in jeglicher Form. Es gab einen großen Fragenpool zu jedem Thema und alle TeilnehmerInnen erhielten unterschiedliche Fragestellungen zur Bearbeitung. Die Prüfungsaufgaben umfassten dabei realitätsnahe Datensätze und Studien und keine reine Reproduktion von gelernten Inhalten, sondern vor allem Anwendungs-, Reflexions- und Interpretationsaufgaben. Diese Form der Leistungsfeststellung ist besonders lernergebnisorientiert, da man durch diese Prüfungsformate die erworbenen Kompetenzen der Datenanalyse und der Interpretation von statistischen Inhalten (wie Grafiken, Outputs, Programmcodes oder Ähnliches) feststellen konnte und die Studierenden zudem auch dies zuvor in den jeweiligen Einheiten synchron und asynchron trainiert hatten.

Beim Hausaufgabenteilbereich wurde ebenfalls darauf geachtet anwendungsorientierte Aufgabenstellungen zu konstruieren und stets Wahlmöglichkeiten zu bieten. Aufgaben umfassten dabei exemplarisch das Analysieren von Grafiken und Zeitungsartikeln, über das eigenständige sinnvolle grafische Aufbereiten durch die Software R, bis hin zur kritischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Tests und Methoden der Statistik. Der Anwendungskontext variierte dabei von medizinischen über wirtschaftlichen bis hin zu edukativen Fragestellungen und Themen. Somit konnten auch im Bezug auf die zu erledigenden Hausaufgaben bereits kompetenzorientierte ähnliche Aufgaben wie im Prüfungssetting absolviert werden und durch die gemeinsame Diskussion in der jeweiligen Präsenzeinheit auch mögliche Probleme und Schwierigkeiten reflektiert werden.

Im Bereich des Group-Pitches lernten die Studierenden Präsentationstechniken kennen und die Kompetenz ein komplexes Thema möglichst präzise in maximal 10 Minuten darzustellen. Besonders in der Praxis und im Berufsleben werden diese Kompetenzen immer wichtiger. Dabei wurde Wert auf die Bloom´sche Taxonomie gelegt, sodass keine reine Reproduktion von bisher gelerntem Wissen stattfinden sollte, sondern der Fokus auf den Transfer und der Reflexion liegt.

Aktive Einbindung der Studierenden, Förderung eines aktiven Lernens:

Die Studierenden wurden von Beginn an miteinbezogen, nicht nur bei den Beurteilungskriterien, sondern auch in Form eines kontinuierlichen anonymen Feedbacks. So wurde nach den ersten Einheiten ein Online-Fragebogen eingerichtet, in welchem die Lernenden Feedback zur Lehrveranstaltung geben konnten und auch Probleme oder Änderungswünsche äußern konnte. Daraus konnte abgeleitet werden, dass einige Studierende Schwierigkeiten mit dem eigenständigen Präsentieren und auch dass einige wenige Probleme mit dem Umfang der Aufgaben hatten. Daraufhin änderte man geringfügig das Konzept, gab Unterstützungsmöglichkeiten, noch mehr Wahlmöglichkeiten bei den Hausaufgaben und ein neues Präsentationssystem, sodass auch hier mehr Freiwilligkeit und der Gruppenlernfortschritt im Fokus stand. Dies implizierte, dass man viele Aufgaben in der jeweiligen Einheit gemeinsam durchsprach und die Studierenden dabei aktiv durch Diskussions- und Leitfragen in ein Lerngespräch miteinbezog. Klassische Fehler wurden thematisiert, alternative und kreative Lösungswege wurden vorgestellt und Lösungsstrategien wurden auf deren Effizienz und Nutzen diskutiert. So konnte eine Gesprächskultur etabliert werden, in welcher die Mitarbeit besser beurteilt werden konnte und die Studierenden auch keine Angst vor „Fehlern“ hatten, da dies nicht automatisch zu schlechteren Beurteilungen führte. Darüber hinaus gab es stets die Möglichkeit die Hausaufgaben als Gruppenarbeit zu erledigen, Probleme bei den Aufgaben ebenfalls in die Abgaben zu inkludieren und des Weiteren wurde auch für die Hausaufgabe die komplette Punktzahl vergeben, wenn die Studierenden nicht zu den komplett richtigen Lösungswegen kamen, allerdings schilderten welche Probleme sie bei der Bearbeitung hatten und welche Lösungsansätze sie dafür probierten.

Dies war vor allem bei den schwierigeren Programmieraufgaben nützlich, da nach meiner Auffassung die reine Beschäftigung mit der Programmiersprache selbst das Wichtigste für ein erfolgreiches Erlernen ist und bei solchen Lernerfahrungen auch Probleme entstehen können, welche als Einsteiger nicht immer unmittelbar gelöst werden können. Auch gab es aufgrund der Heterogenität Lernende, welche bereits viele Vorerfahrungen zu Programmiersprachen hatten und andere welche das erste Mal mit einer solchen Sprache konfrontiert wurden. Deshalb gab es die Möglichkeit ein Online-Diskussionsforum zu nutzen, bei welchem sowohl ich selbst als auch Peers aktiv eingebunden wurden und Unterstützung und Hilfen angeboten haben.

Regelmäßige Rückmeldung zum Lernfortschritt:

Die Studierenden erhielten Feedback zu den erledigten Abgaben, bekamen jede Woche eine Punkteanzahl für ihre Hausarbeiten und alle Aufgaben wurden auch stets in der jeweiligen Übungseinheit diskutiert. Bei besonders schwierigen Aufgaben wurden Musterlösungen ausgesendet. Nach der ersten Übungsklausur erhielten die TeilnehmerInnen auch schriftliches Feedback zu den abgegebenen Hausaufgaben und einen derzeitigen Notenstand. Die Ergebnisse der Klausuren wurden stets nach einem Tag online eingetragen, Prüfungseinsicht wurde mehrmals gewährt und die aktuellen Noten waren auf Abruf verfügbar. In der jeweiligen Einheit wurden auch die bereits absolvierten Lernziele und der Lernfortschritt thematisiert - Querverweise gaben Auskunft auf noch kommende Inhalte. Leistungsschwächere Studierende erhielten mehrmals die Einladung mit mir über ihre Abgaben zu sprechen und auf Wunsch ein detailliertes Feedback zu ihren Hausaufgaben.

Berücksichtigung unterschiedlicher Voraussetzungen und Lebensumstände insbesondere von unter-repräsentierten oder benachteiligten Studierenden:

Grundsätzlich gab es ein breitangelegtes Unterstützungsangebot, welches sich im konkreten Projekt unter anderem an erwerbstätige Studierende oder Studierende mit Kinderbetreuungspflichten richtete. In diesen Fällen wurden bei Bedarf Kompensationsleistungen und Online-Teilnahme angeboten. Lernaufzeichnungen, Materialien und Lösungsansätze konnten zudem nach der Einheit online abgerufen werden. Die Übung wurde sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch angeboten (2 verschiedene Gruppen). Somit konnte man Studierende, welche Deutsch nicht als Muttersprache haben und Erasmus-Studierende inkludieren. Da vereinzelt Studierende sowohl Probleme mit Englisch als auch Deutsch als primäre Sprache äußerten, versuchte ich hier vor allem bei den Klausuren entgegenzukommen und erlaubte den Einsatz eines Online-Übersetzers für die Aufgaben. Jenen Studierenden wurde außerdem mehr Zeit für die Bearbeitung entgegengebracht. Die Möglichkeit einer alternativen Prüfungsleistung mittels mündlicher Klausur war des Weiteren für alle nach Absprache möglich. Insgesamt versuchte ich hier bereits zu Beginn für alle als vertrauliche Ansprechperson für Probleme zu fungieren, sodass bereits frühzeitig mögliche Schwierigkeiten seitens der Studierenden bei mir geäußert werden konnten.

Darüber hinaus konnten durch das breite statistische Anwendungsspektrum im Lehrkonzept auch gesellschaftsrelevante Inhalte, wie Gleichberechtigung, Gender, Einkommensschere oder LGBTQI+ inhaltlich behandelt werden, sodass nicht nur auf sozialer Ebene Diversität gelebt wurde, sondern auch auf inhaltlicher. Dies ist ebenfalls in einer solchen Einführungsveranstaltung gut umsetzbar und kann vor allem dazu beitragen kompetenzorientierte Curricula und Diversitätsthemen interdisziplinär zu festigen.

Nutzen und Mehrwert

Durch das Konzept ergibt sich ein Mehrwert auf allen Seiten: Lehrende profitieren vom etablierten Blended-Learning Konzept, in welchem Sie Lernvideos zur Verfügung stellen können, Materialien hochladen und zudem die konstruierte digitale Lernumgebung auch für Quizze nutzen können. Dadurch kann dies auch bei mehrmaligen Durchführen stets erneut benutzt werden und im besten Fall weiterentwickelt werden. Dadurch ergibt sich gerade auf lange Sicht eine sehr große Zeitersparnis für Lehrende, da sie auch vermehrt auf asynchrone Phasen setzen können und auch bei inhaltlichen Schwierigkeiten schnell geeignete Zusatzmaterialien zur Verfügung stellen können. Für die Studierenden ergibt sich vor allem der Vorteil, dass sie zeit- und ortsunabhängig lernen können und bei inhaltlichen Schwierigkeiten in selbstständigen Lernphasen die Inhalte erneut wiederholen können. Zudem können sie so ihr Wissen selbstständig vertiefen und anhand der angebotenen Übungen ihren Kenntnisstand überprüfen. In Präsenzphasen kann dann gezielt auf Probleme eingegangen werden und die Zeit auch für alternative Lösungswege, für Diskussionen und Reflexionen genutzt werden. Auch kann vor allem der Projektzugang auch für andere Lehrveranstaltungen genutzt werden: Die digitalen Lernumgebungen, Lernvideos und Quizze können auch für andere Fächer und Fachbereiche eingesetzt werden. Ein großer Wiederverwendbarkeitscharakter ist somit gegeben, welcher auch den Verwaltungsaufwand langfristig reduziert. Des Weiteren sind die erworbenen Kompetenzen des Projekts auch für weiterführende Lehrveranstaltungen dienlich, da Studierende durch das Projekt auch befähigt werden selbstständig Daten zu analysieren, auszuwerten und zu interpretieren, was vor allem für Abschlussarbeiten eine sehr wichtige Kompetenz darstellt.

Nachhaltigkeit

Es gab keine Vorprojekte in diesem Format, allerdings ist geplant, das Lehrprojekt längerfristig weiterzuentwickeln. Gerade im Bereich der digitalen Lernvideos können Entwicklungen stattfinden, sodass weitere Materialien produziert werden. Die Studierenden können somit jedes Jahr stärker selbstständig arbeiten. Auch ist in Planung, dass die Studierenden als Alternative zum Group-Pitch selbst Lernvideos und Tutorials zu schwierigen Themen erstellen, was eine weitere Lernebene eröffnet. Dieses Jahr wird zudem versucht, im Projekt noch einen stärkeren Partizipationscharakter zu etablieren. Gerade die Lehr- und Prüfungskultur soll noch stärker fokussiert werden. Dazu will man auf das bereits vorhandene kontinuierliche Feedback durch Fragebögen und das Mitbestimmen der Beurteilungskriterien aufbauen und eine noch stärker Lernenden-zentrierte Lehre etablieren, welche durch Erfahrungslernen umrahmt wird. Zudem will man auf aktuelle Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz näher eingehen und Technologien wie ChatGPT aktiv in das Projekt miteinbauen, da dies auch im großen thematischen Zusammenhang mit Statistik und Daten steht. Dahingehend soll auch die Prüfungskultur angepasst werden, indem ein noch stärkerer Fokus auf die Interpretation gelegt wird und proaktiv auch solche künstlichen Intelligenzprogramme miteinbezogen werden.

Dissemination/Transfer

Das Konzept eignet sich sehr gut für die Übertragung auf andere Lehrveranstaltungen oder Lehrsituationen und kann auch sehr einfach abgewandelt werden. Da auch die digitale Lernumgebung modular aufgebaut ist, können einzelne Sequenzen und Bausteine auch separat verwendet werden. Zudem ist das generelle ganzheitliche Lehr-Lern-Prüfungskonzept mit dem entwickelten Blended-Learning Konzept ein sehr allgemeines didaktisches Werkzeug, welches auch auf andere Fächer und Inhalte allgemeingültig übertragen werden kann. Es besteht meinerseits auch die Bemühung, die entwickelten Materialien und Konzepte zu publizieren, da unter anderem durch dieses Projekt auch ein neues Blended-Learning Arrangement entwickelt wurde, welches nun gemeinsam durch eine Kooperation mit einer anderen Hochschule weiter verfolgt wird. Da die Resonanzen von Fachkolleg*innen sehr positiv waren, bestehen insgesamt viele Bemühungen, das Projekt weiterzuverfolgen und auf andere fachnahe Disziplinen anzuwenden. Zudem bestehen Bemühungen besonders die Kontakte zu gesundheitlichen Projekten zu nutzen, in welchem ich ebenfalls in edukative Arbeitspakete involviert bin und diese nun weiter verfolgen werde. Auch wird versucht, das Lehrkonzept und die vorhandenen digitalen und analogen Materialien für einen Hochschulworkshop zu benutzen und für diesen geeignet anzupassen. Solche Trainings können dann auch individuell und modular auf die spezifischen Anforderungen der Zielgruppe angepasst werden, was zudem Teil der zukünftigen Disseminationsstrategie ist. Des Weiteren werde ich selbst in fachnahen Lehrveranstaltungen an der Hochschule versuchen, das Konzept und die noch weiterzuentwickelnden Materialien einzusetzen und bei Bedarf geeignet anzupassen.

Institutionelle Unterstützung

Das Projekt wird momentan nicht finanziell unterstützt, allerdings bestehen seit längerem die Bestrebungen durch die Fakultätsleitung in Bezug auf Statistik vereinheitlichte Kurse und Materialien anzubieten, welche mathematisch fundiert aufbereitet sind und für verschiedene Studiengänge - gerade für Einführungsveranstaltungen im Bereich der angewandten Statistik und Datenwissenschaften - verwendet werden können. Hier würde sich dieses vorgestellte Projekt sehr gut eignen, da es sowohl flexibel an verschiedene inhaltliche Schwerpunkte angepasst, als auch durch die bereits vorhandene entworfene digitale Infrastruktur effizient erweitert werden kann.

Positionierung des Lehrangebots

Die Übung „Einführung in die Angewandte Statistik“ ist primär ein Pflichtfach für Bachelorstudierende des Studiengangs „Digitalisierung-Innovation-Gesellschaft“ und ist für das erste Semester empfohlen. Zudem ist es ein Brückenmodulfach für Masterstudierende des Studiengangs „Data Science“. Zur Übung findet parallel eine zugehörige Vorlesung statt, welche theoretische Inhalte fokussiert. In der Übung selbst steht die praktische Anwendung von statistischen Inhalten durch diverse Übungen und Vertiefungen im Fokus. Im Besonderen wird die Programmiersprache R für die statistische Datenanalyse erlernt und anhand von Datensätzen praktisch angewendet.

Links zu Social Media-Kanälen
Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2023 nominiert.
Ars Docendi
2023
Kategorie: Lernergebnisorientierte Lehr- und Prüfungskultur
Ansprechperson
Mag. Belinda Huber-Haid, Bakk.phil.
Qualitätsmanagement
+43662 8044-2333
Nominierte Person(en)
Martin Geroldinger, MSc. MEd. BSc. BEd.
Fakultät für Digitale und Analytische Wissenschaften
Themenfelder
  • Digitalisierung
  • Erfahrungslernen
  • Flexibel Studieren
  • Infrastruktur/Lehrmaterialien
  • Lehr- und Lernkonzepte
  • Organisatorische Studierendenunterstützung
  • Rund ums Prüfen
  • Diversität und Soziales
Fachbereiche
  • Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften