Digitale Kochkunst – Erstellen von Lernvideos für die Weiterentwicklung der fachlich-methodischen Kompetenz im Berufsfeld der Diaetologie durch die kreative Vermittlung von Fachinhalten

Ziele/Motive/Ausgangslage/Problemstellung

Ziel des Projekts war es, dass die 19 Studierenden des FH-Bachelor-Studiengangs Diaetologie Kurzvideos zu einem Kochimpuls erstellen.

Motiv: Digitalisierung und social media sind im Ernährungsbereich wichtige Wege, Menschen zu erreichen. Blogs mit Rezepten und gesunder Ernährung boomen, Channels auf youtube zum Thema Kochen erfreuen sich zahlreicher Views. Im Rahmen der Ausbildung nutzen die Studierenden die Werkzeuge der Digitalisierung, verknüpfen diese mit dem fachlichen Know-How in Ernährung und Diätetik und gestalten dadurch Handlungsempfehlungen für den Essalltag.

Ausgangslage: Die Inhalte zweier Lehrveranstaltungen im dritten Semester des Diaetologie-Studiums bieten sich für eine fachübergreifende Verknüpfung für dieses Projekt an:

In „Angewandte Ernährungstherapie in der Stoffwechseltherapie“ erstellen und berechnen die Studierenden Speisepläne für verschiedene Erkrankungen im Bereich der Stoffwechseltherapie, beispielweise für Menschen mit Adipositas, Fettstoffwechselstörungen, Gicht oder Osteoporose. Zusätzlich bereiten sie die adaptierten Speisen in der Lehrküche zu.

Die integrierte Lehrveranstaltung „Berufsfeld aktuell“ bietet Raum für aktuelle Themen im Bereich der Ernährung, Ernährungstherapie und Kommunikation. Hier wurde gemeinsam mit den Studierenden bereits im zweiten Semester in einem partizipativen Prozess vereinbart, das Thema social media zu behandeln.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Ausgangslage: Im Zeitalter der Digitalisierung sollen angehende DiaetologInnen in ihrer Ausbildung darauf vorbereitet werden, dieses Gebiet mit Ihrem fachlichem Know-How in Ernährung und Diätetik kompetent mitzugestalten.

Ziel: Ziel des Projekts „Digitale Kochkunst“ war es, dass 19 Studierende des 3. Semesters im FH-Bachelor-Studiengang Diaetologie an der fh gesundheit Innsbruck ein Kurzvideo eines eigenen Kochauftritts erstellen. Dafür wurden zwei Lehrveranstaltungen verknüpft.

Methode: Ausgewählte Arbeitsaufträge wurden verbunden: In der „Angewandten Ernährungstherapie in der Stoffwechseltherapie“ stellten die Studierenden einzeln im Rahmen eines fiktiven Schulungssettings einen praktischen Inhalt im Zeitausmaß von 10-15 Minuten in der Schauküche vor. In „Berufsfeld aktuell“ filmten sie sich gegenseitig bei der praktischen Vorführung und erstellten daraus ein Kurzvideo.

Ergebnis: 19 Videos entstanden zu den Themen Rezepte, Arbeitsweisen in der Küche bis hin zu diätetischen Anforderungen bei verschiedenen Stoffwechselerkrankungen.

Schlussfolgerung: Die Studierenden wurden im kompetenzorientierten, interaktiven Unterricht zu einer hohen Beteiligung und Selbstorganisation aufgefordert. Sie legten in der Ausarbeitung der Videos unterschiedliche Schwerpunkte, was zu individuellen und heterogenen Ergebnissen führte. Die Gesamtqualität der Videos in diesem Setting ist hoch. Verbesserungspotenzial liegt in der Vorbereitung der Kameraführung, der Bildqualität und der Audioaufnahmen.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Introduction: Considering digitalization has reached the field of nutrition and dietetics, future dietitians should be prepared in their education to be able to competently shape this area with their professional know-how.

Aim: The aim of this project „digital cookery“ was to encourage 19 students of the bachelor degree course Dietetics at the University of Applied Sciences Tyrol to create a short video of their own cooking demonstration. For this, two courses were put together.

Methods: Particular work assignments were connected. The students demonstrated dietetic cooking in a fictive setting of training for a duration of 10-15 minutes while the students were filming each other with a mobile phone, tablet or camera. Afterwards, they created and edited a short film.

Results: 19 videos were filmed, edited and peer-reviewed with a structured questionnaire. The content of the videos ranged from presenting the recipes and their preparation with consideration of specific dietetic requirements to sharing professional know-how.

Conclusion: Due to the connection of two courses in a skills based, interactive lesson this project demanded the students‘ participation and self-organisation in a high degree. While creating the short videos, the students put the emphasis differently, which led to individual and heterogenous outcomes. The videos‘ overall quality is high. For future projects, improvements of filming, image quality and sound recording is needed.

 

Nähere Beschreibung des Projekts

Viele der im Internet angebotenen Rezepte weichen deutlich von den Empfehlungen der Fachgesellschaften ab und tragen nur wenig dazu bei, die Bevölkerung gesund zu erhalten. Die heutige Ernährungs- muss an die derzeitige Bewegungsweise angepasst werden. Das heißt häufig: Die tägliche Energiezufuhr zu senken und wirkstoffreiche Lebensmittel wie Gemüse und Obst stärker in den täglichen Speiseplan einzubauen. Es gilt, Fett- und Zucker-Fallen anschaulich aufzuzeigen und schmackhafte Alternativen anzubieten. Und da sagen Bilder mehr als 1000 Worte.

 

Planung & Organisation

Bereits im zweiten Semester wurde gemeinsam mit den Studierenden in einer partizipativen Entscheidungsfindung beschlossen, das Thema social media im dritten Semester aufzugreifen und durch die Verknüpfung mit den fachlichen Inhalten zu vertiefen. Dabei wurde das Ziel verfolgt, die Learning Outcomes der Lehrveranstaltungen aus dem dritten Semester mit dem Anspruch der Studierendenzentrierung sowie den Ideen und intendierten Lernergebnissen von Seiten der Studierenden zu verbinden. Dafür wurden die Lehrveranstaltungen „Angewandte Ernährungstherapie in der Stoffwechseltherapie“ und „Berufsfeld aktuell“ für die Umsetzung verknüpft.

 

a) Beschreibung der Lehrveranstaltungen:

Die „Angewandte Ernährungstherapie in der Stoffwechseltherapie“ ist im Curriculum in zwei Lehrveranstaltungen verankert. In der integrierten Lehrveranstaltung (Kürzel: AES3I) mit 1 SWS und 1,5 ECTS werden Speisepläne für verschiedene Krankheitsbilder im Stoffwechselbereich erstellt und berechnet. Die Übung (Kürzel: AES3U) hat einen höheren Workload mit 3 SWS und 3 ECTS und findet in der Diaetlehrküche statt. Die Studierenden setzen hier die theoretischen Erkenntnisse und Berechnungen in die Küchenpraxis um.

Im Zuge eines Arbeitsauftrags in dieser Lehrveranstaltung stellen die Studierenden einzeln im Rahmen eines fiktiven Schulungssettings einen praktischen Inhalt im Zeitausmaß von 10-15 Minuten in der Schauküche vor. Ziel und Outcome des Arbeitsauftrages wurde folgendermaßen formuliert: „Sie können praktische Handlungsanweisungen zu einem Thema der Stoffwechseltherapie klientInnengerecht aufbereiten und vermitteln“. Folgende Themen wurden zur Auswahl bereitgestellt:

• Fettsparen beim Rösten und Anbraten in Kochtopf oder Pfanne

• Fettmodifikation (tierisches Fett vs. pflanzliches Fett)

• Zuckersparen bei Nachspeisen (Creme, Pudding, Eis etc.)

• Kalorieneinsparung beim Binden und / oder Verfeinern von Soßen und Suppen

• Salz sparen beim Kochen

• Speisen mit Ballaststoffen anreichern

• Genaues Ermitteln von Broteinheiten: abschätzen mit Hand- oder Küchenmaß vs. genaues wiegen

• Glykämischer Index – Optimierung durch Lebensmittelkombinationen

• Purinarme Variante einer klassischen Österreichischen / Tiroler Jause

• Calciumgehalt in Gerichten erhöhen

Beurteilungskriterien waren, inwieweit der Lehrinhalt im praktischem Beispiel unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte der Küchentechnik, -hygiene, Lebensmittelkunde und diätetischen Handlungsempfehlungen fachlich korrekt demonstriert wurde.

Im Anschluss an die Präsentation erhielten die Studierenden im Peer-Review von Mitstudierenden und Lehrenden Rückmeldung zu ihrer Gesamtperformance.

Die Videoaufnahme ermöglichte den Studierenden im Rahmen einer Eigen- und Fremdreflexion, persönliche Stärken und Schwächen auszuloten.

 

Die Lehrveranstaltung „Berufsfeld aktuell“ (Kürzel: BFA3U) ist als Übung mit 1 SWS und 1 ECTS im Curriculum verankert. Der Workload beträgt 25 Stunden, davon gerundet 14 Stunden in der Präsenzzeit und gerundet 12 Stunden im Selbststudium.

Als Learning Outcomes wurde definiert: Die Studierenden können digitale Medien zur Unterstützung in der Ernährungsinformation, -aufklärung und –beratung einsetzen. Dafür schrieben die Studierenden Blogbeiträge, erstellten ein Video und gaben sich gegenseitig mit einem strukturierten Feedbackbogen Rückmeldung.

Um das Video zu erstellen, filmten sich die Studierenden gegenseitig bei ihrer Kochvorführung im Unterricht zur Angewandten Ernährungstherapie in der Stoffwechseltherapie, schnitten das Filmmaterial und fügten es selbstständig zu einem Kurzvideo zusammen. Der Workload für das Erstellen des Kurzvideos (Filmen, Schneiden, auditive Ergänzungen) wurde mit ca. 7 Stunden kalkuliert.

Die Learning Outcomes werden folgendermaßen evaluiert und die Ergebnisse rückgemeldet:

• Im Peer-Review gaben sich die Studierenden anhand der Kriterien aus dem Feedbackbogen Rückmeldung zu den Blogbeiträgen und zum erstellten Video.

• Darüber hinaus geben die Mittelwerte der erhaltenen Feedbackbögen Auskunft über die eigenen Blogbeiträge und das Video.

• Zusätzlich erhielten die Studierenden ein verbales Feedback der Lehrenden zu den Blogbeiträgen und den Videos.

 

b) gemeinsames Ziel:

Ziel des Projekts war es, dass die Studierenden über die Erstellung des Videos die Möglichkeit bekommen, die Medienkompetenz zu steigern und im eigenen Berufsfeld zur Anwendung zu bringen. Es wird als Lernvideo in der Demonstration von Fachinhalten und als Maßnahme für die persönliche Entwicklung im Rahmen der Selbstreflexion genutzt.

 

Durchführung & Ablauf:

Die Arbeitsaufträge wurden vor Lehrveranstaltungsbeginn definiert, den Studierenden über die e-learning-Plattform moodle bereitgestellt und in den jeweiligen Lehrveranstaltungen zu Beginn des Semesters mit den Studierenden besprochen. Die Themen zur praktischen Umsetzung im Bereich der Stoffwechseltherapie wurden per Zufallsprinzip in der ersten Einheit zugeteilt.

Vorbereitend auf den Arbeitsauftrag in BFA3U wurden ExpertInnen im Bereich social media und Film eingeladen. Der Unterricht fand in verschiedenen Settings statt: Um auf Vorkenntnisse aufzubauen, wurden mit Thementischen in einem offenen Unterricht Berührungspunkte und Schnittstellen abgefragt. Theoretische Inhalte wurden im Rahmen von Impulsvorträgen vermittelt und mit Praxisbeispielen ergänzt. Die Lehrveranstaltung wurde als Workshop ausgerichtet. Die Studierenden wählten die Schwerpunkte nach Bedürfnis und Interesse selbst, und es stand ihnen auch frei, an ihrem eigenen Material weiterzuarbeiten. Die ExpertInnen standen auch außerhalb der Lehrveranstaltung zur Verfügung, um bei Hürden zeitnah Problemlösungen finden zu können. Weiterführende Inhalte und Links wurden laufend auf moodle ergänzt.

In den praktischen Einheiten in AES3U stellten jeweils zwei Studierende in der Kleingruppe ihr Thema vor. Beim ersten Termin je Gruppe waren zwei Lehrende aus BFA3U während der Kochpräsentation anwesend, um Fragen zur Filmaufnahme rasch beantworten zu können und ein zeitnahes Feedback zu geben.

Die Studierenden filmten sich gegenseitig in den meisten Fällen mit ihrem Smartphone, zum Teil kamen auch Tablets oder Kameras zum Einsatz. Der Schnitt der Videos erfolgte bei den meisten mit der freien App Quik, manche verwendeten auch iMovie oder andere Programme. Die Videos wurden von den Studierenden häufig mit diaetologischem Inhalt erweitert.

 

Ergebnis & Schlussfolgerung:

Im Rahmen des Projekts entstanden 19 Lernvideos mit inhaltlicher Schwerpunktsetzung von Rezepten über Arbeitsweisen in der Küche bis hin zu diätetischen Anforderungen bei verschiedenen Stoffwechselerkrankungen.

Die Verknüpfung von zwei Lehrveranstaltungen in einem kompetenzorientierten, interaktiven Unterricht forderte die Studierenden zu einer hohen Beteiligung und Selbstorganisation auf. Durch Feedback aus unterschiedlichen Blickwinkeln werden sie dazu angeregt, ihre Kompetenzen in verschiedenen Fachbereichen zu reflektieren und zu erweitern. Anhand eines praktischen Beispiels konnten die Studierenden theoretische Inhalte aus den medizinischen Grundlagen, der Ernährungstherapie und digitalen Medien vereinen. Die interaktive Gestaltung des Unterrichts ließ Heterogenität und unterschiedliche Lösungsansätze zu.

Kompetenzerwerb durch das Projekt:

• Lehrvideos zum Demonstrieren von Inhalten im Unterricht und im Externpraktikum für KlientInnen / PatientInnen

o Küchenhygiene

o Arbeitsablauf

o Küchentechnik

o Lebensmittelkunde

• Reflexion zur persönlichen Weiterentwicklung

o Auftritt

o Sprache

o Umgang mit Nervosität

o Feedbackkultur

o Stärken-/Schwächen-Analyse im Bereich Methoden zur Ernährungsberatung

• Weiterentwicklung der Sozial-, Kommunikations- und Selbstkompetenz

o Besprechen / Vertonen der Lernvideos

o Feedbackgeben

o Feedbacknehmen

• Weiterentwicklung der eigenen Medienkompetenz

o Planung einer Filmsequenz

o Umgang mit verschiedenen Aufnahmegeräten (Handy, Digitalkamera, Tablet…)

o Bearbeitung des Rohmaterials mit verschiedener Software

o Vielfältige Nutzung, Auswahl und Gestaltung von Bild- und Tonmaterial der eigenen Aufnahme

• Förderung des beruflichen Selbstverständnisses

o Einbinden von Medien zur Erweiterung des Methodenpools und der Beratungstechnik, um praktische Inhalte klientInnengerecht zu transportieren

o Video als Methode zur Reflexion und Evaluation

• Nutzung der Videos im eigenen Berufsleben

 

Ausblick

Die Videos wurden im Lehrendenteam evaluiert. Auf Grund eines Externpraktikums fand diese Besprechung ohne Studierende statt. Die zentralen Ergebnisse dieser Evaluierung werden den Studierenden weitergegeben.

Für die meisten Studierenden war die Erstellung des Videos Prämiere, trotzdem ist die Qualität der Videos hoch bis sehr hoch und die damit verbundenen Ergebnisse sind als sehr gut einzustufen.

Verbesserungspotential ist vor allem in folgenden Bereichen ersichtlich:

• Vorbereitung und Storyboard: Viele Videos haben keine eindeutige Botschaft. Ein durchgängiges Storyboard mit vorgezeichneten Szenen führt zu einem gewünschten Ergebnis.

• Qualität der Aufnahmen: Die meisten Handys liefern hochwertige Aufnahmen. Trotzdem ist im Sinne der Weiterverwendung der Videos eine qualitativ höherwertige Kamera geeigneter.

• Audiospur: Die Studierenden bearbeiteten hauptsächlich das Bildmaterial. Die Tonspur kann in den meisten Fällen passender gestaltet werden.

Die Ergebnisse zu den Learning Outcomes bzw. zum Thema Lernen mit Medien fließen in das pädagogisch-didaktische Konzept des Studiengangs ein.

Das Projekt „Digitale Kochkunst“ wird das erste von vielen weiteren Projekten in der innovativen Hochschuldidaktik an der fh gesundheit sein.

Positionierung des Lehrangebots

FH-Bachelor-Studiengang Diaetologie, 3. Semester

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.
Ars Docendi
2019
Kategorie: Digitale Transformation in der Lehre
Ansprechperson
Judith Erler, BSc
FH-Bachelor-Studiengang Diaetologie
0512532276793
Nominierte Person(en)
Seraphine Klotz, MHPE
FH-Bachelor-Studiengang Diaetologie
Judith Erler, BSc
FH-Bachelor-Studiengang Diaetologie
Themenfelder
  • Lehr- und Lernkonzepte
  • Erfahrungslernen
  • Kommunikation/Plattform für Lehrende
  • Digitalisierung
Fachbereiche
  • Medizin und Gesundheitswissenschaften