Fachhochschule Wiener Neustadt GmbH
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Lernergebnisorientierte Prüfungskultur und deren Verankerung in der Lehrveranstaltung Angewandte Histologische Analyseverfahren

Ziele/Motive/Ausgangslage

Gegenstand des vorliegenden Projektes ist die Lehrveranstaltung (LV) „Angewandte Histologische Analyseverfahren“. Die Beurteilung dieser Laborübung erfolgte mit „erfolgreich teilgenommen“ bzw. mit „nicht erfolgreich teilgenommen“. Diese Art der Beurteilung löste aber bei allen Beteiligten Unzufriedenheit aus. Aus Lehrendensicht bildete sie nicht die Wichtigkeit und Wertigkeit der praktischen Ausbildung ab, wie sie in unserem Studiengang gelebt wird. Aus Sicht der Studierenden wurde die Beurteilung als ungerecht und demotivierend eingestuft, weil das tatsächliche Leistungsniveau der/des Einzelnen nicht klar ersichtlich war und somit das Engagement der Studierenden gehemmt wurde. Aus der Motivation heraus, diese unbefriedigende Situation zu ändern, startete der Umstrukturierungsprozess mit den folgenden Zielen:

• Definieren von klaren Lernzielen mit dem Augenmerk darauf, einen Beitrag zur Erreichung der Modul- und in weiterer Folge der Studienziele zu leisten

• Kohärenz von Lernzielen, Lehr- und Lernformen, Prüfungen und Bewertungen

• Festsetzen von Lernzielen, die als Vergleichsmaßstab dienen und Kriterien als Indikatoren, die anzeigen, ob ein bestimmtes Lernziel erreicht wurde.

• Festlegen von Anforderungen, ohne eine Unter- bzw. Überforderung der Studierenden zu bewirken

• Definieren von Grenzen, die zu einer positiven Beurteilung (Mindestkompetenz) führen und sicherstellen, dass die gestellten Anforderungen in Erfassung und Anwendung des Lehrstoffes sowie in der Durchführung der Aufgaben überwiegend erfüllt werden

• Festlegen von Beurteilungskriterien, die beschreiben, woran die Kompetenz gemessen wird

• Auftrennung von Leistungsnachweisen in die Bereiche Kenntnisse, Fertigkeiten und überfachliche Kompetenzen

• Klare Kommunikation der Beurteilungskriterien

• Gewährleistung der Transparenz

• Die Verwendung der Notenskala von 1-5 zwecks Fokussierung auf das Wesentliche soll einerseits motivierend wirken sowie zu einer gerechten Beurteilung führen und andererseits den Stellenwert der Laborübung heben.

Kurzzusammenfassung des Projekts in deutscher Sprache

Durch die Unzufriedenheit der Lehrenden und Studierenden betreffend der Prüfungs- und Bewertungsmodalitäten in der Lehrveranstaltung „Angewandte Histologische Analyseverfahren“ wurde ein neues Prüfungsprozedere entwickelt und folglich die gesamte LV umstrukturiert. Ziel war es, eine optimale Abstimmung von Lernzielen, Lehr- bzw. Lernformen, Prüfungen und Bewertungen zu erzielen.

Da die Implementierung einer lernergebnisorientierten Prüfungsform angestrebt wurde, erfolgte die Umstrukturierung nach den Regeln des „constructive alignment“ nach John Burville Biggs. Nach der Definition der Lernergebnisse, formuliert gemäß der Taxonomie nach Benjamin Bloom, wurden die Prüfungsformen festgelegt, um danach Aufbau, Struktur und Inhalte der LV an den Prüfungsaufgaben auszurichten und die Lernergebnisse sichtbar zu machen.

Die Prüfung setzt sich aus den Bereichen wissensorientierte Kenntnisse, handlungsorientierte Fertigkeiten und überfachliche Kompetenzen zusammen. Da in dem Studiengang Biomedizinische Analytik die praktische Ausbildung einen hohen Stellenwert genießt, spiegelt sich dies auch in der Gewichtung der einzelnen Bereiche wieder. In weiterer Folge wurden die Beurteilungskriterien und Beurteilungsmaßstäbe festgelegt.

Ein weiterer Fokus lag auf der klaren Darstellung und Kommunikation des Prüfungsprozederes.

Nach Abschluss des Projektes konnte eine positive Entwicklung sowohl in der Zufriedenheit der Studierenden als auch der Lehrenden festgestellt werden.

Kurzzusammenfassung des Projekts in englischer Sprache

Due to the discontent of both teachers and students concerning the exam and assessment procedure in the laboratory tutorial Applied Histological Analysis Methods , a new examination process was developed, which led to a consequent restructuring of the entire course. The aim was to achieve optimal coordination of learning goals, teaching and learning factors, examinations and their assessments.

Since the implementation of a form of examination which is focused on the learning outcome was targeted, the restructuring was carried out according to the rules of constructive alignment after John Burville Biggs. After defining the learning outcomes according to the taxonomy by Benjamin Bloom, the examination form was defined. Next, the setup, structure and content of the course was aligned to the examination tasks in order to make the learning results visible. The exam consists of the fields knowledge-based acquirements, activity-oriented skills and interdisciplinary social- and self-competences. As the degree program of Biomedical Science enjoys a high degree of practical training, this focus is reflected in the weighting of the individual fields of the exam. Finally, the assessment criteria were determined.

Special attention was turned on the clear presentation and communication of the exam procedure.

After completion of the project, a positive development of the satisfaction of both students and teachers could be achieved.

Nähere Beschreibung des Projekts

(1) Lage im Curriculum

Die integrierte Lehrveranstaltung „Angewandte Histologische Analyseverfahren“ mit 2,5 ECTS befindet sich im Curriculum im 3. Semester des Bachelorstudienganges Biomedizinische Analytik und ist dem Modul Histologie zugeordnet. Die theoretischen Grundlagen werden in der im 2. Semester vorgelagerten ILV „Histologische Analyseverfahren“ vermittelt, deren positiver Abschluss die Voraussetzung für eine Teilnahme an der Laborübung bildet. Beide LVen dienen der Vermittlung von Basiswissen, wobei der Fokus der Laborübung auf der Verknüpfung und Anwendung der theoretischen Kenntnisse und auf dem Erlernen fachspezifischer Fertigkeiten liegt, die im darauffolgenden externen Berufspraktikum von den Studierenden weiterentwickelt werden.

 

(2) Umsetzungsschritte der Umstrukturierung zwecks Verankerung der lernergebnisorientierten Prüfung in der LV

Ziel der Umstrukturierung ist es, eine Kohärenz zwischen Lernzielen, Lehr- und Lernformen, Prüfung und Bewertung zu erreichen. Die Adaptierung orientierte sich an den Regeln des „constructive alignment“ nach John Burville Biggs. Ausgehend von der Definition der Lernergebnisse werden die Prüfungsformen festgelegt. Anhand der Prüfungsaufgaben erfolgt daraufhin die Ausrichtung von Aufbau, Struktur und Inhalten der LV.

 

(2.1) Lernziele/Lernergebnisse

- Festlegung der Lernziele: Bei der Festlegung der Lernziele wurde darauf geachtet, dass weder durch die zeitlich begrenzten Ressourcen noch durch fachliche Anforderungen eine Über- bzw. Unterforderung der Studierenden erfolgt und diese mit der im Curriculum vorgesehene Workload von 2,5 ECTS erreicht werden können.

- Formulierung von Lernergebnissen gemäß der Taxonomie nach Benjamin Bloom: Diese wurden im entsprechenden Lehrveranstaltungskonzept wie folgt festgelegt: „Nach Absolvierung der Übung Histologische Analyseverfahren ist die/der Studierende in der Lage, die Grundlagen der histologischen Analyseverfahren zu verstehen, die gängigen manuellen und automatisierten Verarbeitungsmethoden unter Berücksichtigung präanalytischer Faktoren und Analyse möglicher Fehlerquellen durchzuführen und dabei die notwendigen Maßnahmen der Qualitätssicherung wie auch fachspezifische Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen anzuwenden.“

 

(2.2) Prüfung

- Durch Einsatz des immanenten Prüfungscharakters wird die Analyse, Kontrolle, Steuerung und Begleitung des Lernprozesses ermöglicht.

- Die Teilprüfungen werden nach den Qualitätsmerkmalen Validität (verlangte Leistung entspricht dem Ziel), Reliabilität (Aufgaben sind klar und eindeutig formuliert und weisen einen gemeinsamen Bewertungsmaßstab auf), Objektivität (maßgeblich ist die tatsächliche Leistung der Studierenden unbeeinflusst vom Befinden der beurteilenden Person) und Chancengerechtigkeit gestaltet.

 

Prüfungsteile/-aufbau:

Leistungsnachweise werden in den Bereichen Kenntnisse, Fertigkeiten und überfachliche Kompetenzen gefordert. Jeder Bereich für sich muss positiv beurteilt sein, damit die LV positiv abgeschlossen werden kann.

 

Bereich Kenntnisse:

Prinzipiell sollte der Studierende nach Abschluss der LV die Grundlagen der histologischen Analyseverfahren verstehen.

 

- Einstiegstest:

Dieser schriftliche Test stellt eine Wiederholung der Inhalte aus der ILV Histologische Analyseverfahren dar und dient zur Festigung des theoretischen Basiswissens als Grundlage für das Verstehen der Hintergründe bei der Durchführung der praktischen Arbeitsabläufe. Aus diesem Grund sind die Fragestellungen praxisorientiert formuliert. Dabei wird das Erlangen der notwendigen Kenntnisse in den Kategorien „Wissen“ und „Verstehen“ sichergestellt. Dieser Test wird bepunktet und entsprechend bewertet. Er gilt als positiv bestanden, wenn mindestens 70% der Gesamtpunktezahl erreicht werden. Bei einer Feedbackrunde werden die Studierenden auf Wissensdefizite hingewiesen. Im Falle einer negativen Beurteilung muss der Test innerhalb der ersten drei Praktikumstage wiederholt und positiv beurteilt werden, damit das Erreichen der weiteren Lernziele gewährleistet werden kann.

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- Quiz:

Am Beginn der folgenden LV-Tage findet ein praxisorientiertes Wissensquiz statt, wobei der Inhalt der Fragen jeweils auf die an diesem Tag durchgeführten Arbeitsaufgaben abgestimmt ist. Die Studierenden wissen, welches Thema bearbeitet wird und haben die Aufgabe, sich durch Selbststudium in den zur Verfügung gestellten Arbeitsunterlagen und Skripten auf das jeweilige Quiz vorzubereiten. Dadurch ist gewährleistet, dass die Studierenden vorbereitet zur LV erscheinen und die geforderten praktischen Arbeitsaufträge verstehen.

Die Bewertung der Quiz erfolgt mittels Punktesystem. Rückmeldung über die erbrachte Leistung erhalten die Studierenden täglich. Bei Fragen, die von mehreren Studierenden mangelhaft beantwortet werden, werden diese noch einmal in der gesamten Gruppe diskutiert.

Schlussendlich wird aus den Noten der Quiz ein Mittelwert gebildet, der die „Theorienote“ darstellt und zu 30% in die Endnote einfließt.

 

Bereich Fertigkeiten:

Prinzipiell sollen die Studierenden nach Abschluss der LV in der Lage sein, die gängigen manuellen und automatisierten histologischen Verarbeitungsmethoden unter Analyse der möglichen Fehlerquellen durchzuführen und die Qualität zu beurteilen.

 

- Durchführung von Arbeitsaufträgen, Herstellung von histologischen Präparaten, mikroskopische Qualitätskontrolle:

Um die Arbeitsschritte und die daraus resultierenden Produkte beurteilen zu können, werden zunächst jene Arbeitsschritte ausgewählt, die für das Erreichen des Lernziels wesentlich sind. Danach folgt das Festlegen der Mindestanforderungen, um die LV positiv abschließen zu können. Anschließend werden die Anforderungen für die Noten 3, 2 und 1 festgesetzt, wobei der Erwerb von Fertigkeiten und Kompetenzen der Stufe 5 nach EQR angestrebt wird.

Während des gesamten Praktikums erhalten die Studierenden entsprechendes Feedback und haben die Möglichkeit, einzelne Arbeitsaufträge zu wiederholen.

 

- Prüfungsgespräch:

Das mündliche Prüfungsgespräch, welches anhand von objektiven Kriterien bepunktet und bewertet wird, legt den Fokus auf die Analyse der Qualität der Endprodukte sowie auf Troubleshooting und Selbstreflektion. Es gilt damit das Kompetenzniveau 5 nach EQR zu erreichen.

Die Summe aller angeführten Leistungsnachweise bildet die „Praxisnote“, welche zu 70% in die Endnote einfließt.

 

Bereich überfachliche Kompetenzen:

In diesem Bereich werden durch Beobachtung Sozialkompetenzen wie z.B. Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Kooperationsfähigkeit sowie Selbstkompetenzen wie z.B. selbstständiges Arbeiten und Selbstmanagement bewertet. Diese Kompetenzen werden bei den Beurteilungen „Sehr gut“ bzw. „Gut“ herangezogen, wenn die Sozialkompetenzen deutlich oder merklich ausgeprägt sind bzw. die Anwendung der Selbstkompetenzen selbstständig mit oder ohne Anleitung erfolgt.

 

(2.3) Lehr- und Lernformen

Die Lehr- und Lernformen werden an den Prüfungsaufgaben ausgerichtet. Lernprozesse werden so gestaltet, dass sie begleiten, informieren, beraten und rückmelden.

 

(3) Kommunikation mit den Studierenden

Um die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Leistungsnachweise und Beurteilungskriterien für die Studierenden zu gewährleisten, werden sie zu Beginn der LV genau darüber informiert und erhalten die Aufzeichnungen der Einzelleistungen auch in schriftlicher Form. Das bewirkt, dass die Studierenden von Beginn an wissen, was und in welchem Ausmaß von ihnen gefordert wird. Dabei wird auch erklärt, warum gerade die ausgewählten Lernziele wesentlich für den positiven Abschluss dieser Laborübung sind. Während der Laborübung erhalten die Studierenden laufend Feedback, um ihnen als zentrales didaktisches Element die Möglichkeit zu bieten, aus ihren Fehlern zu lernen. Zum Abschluss der LV werden die weiteren Lernziele besprochen, die den Studierenden in diesem Modul gesteckt werden, damit sie bis zum Abschluss des Studiums ihre Kompetenz weiterentwickeln und die Studienziele erreichen.

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(4) Evaluierung

Die Evaluierung der Lehrveranstaltung mittels Online-Evaluierungstool und die Rückmeldungen im Qualitätszirkel haben gezeigt, dass die Studierenden sehr zufrieden mit dem Prüfungsprozedere und der LV im Gesamten sind. Die Lehrveranstaltung wurde als gut strukturiert beurteilt und das Prüfungsprozedere wurde wiederholt als fair und transparent bewertet. Die Studierenden können sich sehr gut mit den Lehrveranstaltungszielen identifizieren. Als besonders toll haben sie hervorgehoben, dass sie jederzeit wissen wo sie mit ihren Leistungen stehen. Den beiden Lehrveranstaltungsverantwortlichen wurde vom letzten Jahrgang sogar das Prädikat „Super“ verliehen.

Mehrwert

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Positionierung des Lehrangebots

Bachelorstudiengang Biomedizinische Analytik

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.
Ars Docendi
2019
Kategorie: Lernergebnisorientierte Prüfungskultur und deren Verankerung in der Lehrveranstaltung
Ansprechperson
Monika Kühteubl
Bachelorstudiengang Biomedizinische Analytik
+43 2622/89 084-545
Nominierte Person(en)
Marlies Nemeth
Bachelorstudiengang Biomedizinische Analytik
Monika Kühteubl
Bachelorstudiengang Biomedizinische Analytik
Themenfelder
  • Didaktische Methode
  • Rund ums Prüfen
Fachbereiche
  • Medizin und Gesundheitswissenschaften